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K,'„3’Ä». wochenbeUage: „Illustrierte Sonntagszertung"

Zeitung

Monatrbellage: „Zuldaek GeschichttblAter".

«»»eigen? DU eti» fpaltige PetitzeNe ob« deren Bannt »5 psg. Reklamen die petitzeUe 25 Pfg; bei Wieder­holungen wird entspr Babatt gewährt.

Druck und Verlag tze» ZuldaerActiendrucken in Lulda lharwonlch Kernsprecher Nr. 9.

M 38.

Fulda, Donnerstag, bett 16. Februar 1905.

32. Jahrgang.

§ Die Parität im Reiche des Ministers Zreiherrn v. tzammerstein.

Minister haben manchmal das Unglück, sich auf Reden im Parlamente vorzuberetten, die dann garnicht gehalte« werden Das gibt regel­mäßig ein ergötzliches „Rede-Duell". Ein Abge­ordneter redet aber ganz etwas anderes, als der Minister erwartet hat. Dieser will fich jndeß nicht umsonst mit der Antwort geplagt haben und hält nun munter seine Rede, wie er sie fich zurecht gemacht hat, unbekümmert darum, daß fie garnicht auf die Rede paßt, auf die sie eine Erwiderung sein soll.

So ging eS am Montag im Abgeordneten- Hause dem vielentgleisten Minister deS Innern Freiherrn v. Hammerstein. Er hat anscheinend kein ganz ruhiges Gewtffen in Bezug auf die Grundsätze, nach denen in seinem Reffort die höheren Beamten ausgewählt und angestellt werden. Er hatte fich also auf Beschwerden des Zentrums Über Imparität gefaßt gemacht. „litt« glücklicherweise" hatte das Zentrum ausdrücklich beschlossen, die ParitätSfrage nicht zu berühren, um nicht durch zu häufize Behand­lung konfessioneller Fragen zu verstimmen und zu reizen. Der Minister wollte aber seinen Be­weis, daß er höchste Parität walten lasse, durch­aus los sein, und brachte seine Partlätszahlen alS Antwort auf eine Beschwerde des Abgeord­neten de Witt über Beschränkung der Selbst­verwaltung bei Anstellung von Landbürgermeistern in der Raeinprootnz und von Landräten vor. Damtt nötigte er daS Zentrum, fich diese Zahlen etwas genauer anzusehen und die Parität im Bereiche deS Herrn v. Hammerstein näher zu beleuchten.

Abg. Herold besorgte das am gestrigen Mittwoch tn ganz ausgezeichneter Weise. Der Minister bekommt hohe Prozentsätze für die Katholiken in den höheren Verwaltungsstellen ganz etrfach durch den Kunstgriff heraus, daß er dem Vergleich die Zahl der katholische,n Regier ungS ass es so reu zu Grunde legt. Diese Assessoren find verhältnismäßig sehr wenig und wenn man von ihnen bei der vergleichenden Stattstik in den höheren Stellen ausgeht, so be­kommt man natürlich einen sehr günstigen Prozent- satz für die Katholiken. Aber die Parität kann doch nur an dem Verhältnis der Konftsfionen im Lande gemessen werden. Die Assessoren beweisen gar nichts, denn die Katholiken können solche nicht nach Gefallen stellen, sondern fie werden von den Regierungen ausgesucht. Wenn es verhältnismäßig so wenig katholische Assessoren gibt, so liegt das zum Teil allerdings auch an den Katholiken, in der Hauptsache aber an den Regierungen, die keine katholischen Assessoren haben wollen. Das zu bestreiten ist ein ganz vergebliches Bemühen. Man braucht bloß auf die Landratsstelle hinzuweisen, in die ja auch geeignete Personen berufen werden können, die nicht Regierungsafftssor find. Wenn nun auch hier die Katholiken in ganz auf­fallendem Maße zurückgesetzt find, wenn unter 174 Kreisen mit überwiegend katholischer Bevölkerung nur 68 mit katholischen Landräten a——

Ein bürgerlicher Jahr.

Novelle von Earl Conte Scapinelli.

6 ------(Nachdruck verboten.)

.Unleidlich, unleidlich, ratürlich, dein Baier ist unlridltch, dein Bräutigam ist lieb und brav unb süß. Tu wirst schon sehen, Mitzt, wie weit du komme« wirst, wenn du dich von dtmen Eltern entfremdest."

In dieser Tonart ging es weiter. Der H-rr Äerichttlff dal hatte fich wieder einmal in seine an­genehmste Stimmung hineingeredet.

Fritz schwieg und antwortete aas keine dieser Aeußenmgen, so sehr ihn eine scharfe Antwort jede-mal «f der Zange brannte.

Aber zum Schluß konnte er fich aicht mehr be- härsmen und brach plötzlich io»;

»Ich weiß nicht, was Sie wollen, Herr Glicht», offizialk Wollen Sie Uv» durchaus au-etnander bringen oder uns bloß in liebenswürdiger Weise den Brautstand v.-rgällen und verbittern. Letzteres bringen Sie ja ganz herrlich fertig, und wahrlich, es wird für nnö beide eine große Erlösung fei», bis er aus ist. Uad daß er bald aus fei, dafür will ich sorge», Herr Achter!"

„tun Sie'- nur, tun Sie'- nur," brüllte dieser, ^aber vorerst sehen Sie fich um eine Sielle um, ver­stehen Sie, denn so wahr ich hier stehe, «et eher gib «h Ihnen meine Tochter — und wann ich Ihnen hundertmal »ein Jawort damol» gegeben hab' — al» bi- Sie a Stell' haben, Herr v. Laiben!"

Einen Augenblick war e» im Z'wmer ganz still. Frau Schrer brachte eben auf einer Platte den Kaffee znr Tür herein.

»Und nuo geh ich in» Kaffeehan?, Fanni," sagte rr unvermittelt.

besetzt find, so beweist das doch handgreiflich, daß die Katholiken in der Verwaltung syste­matisch zurückgestellt werden.

Mit der beliebten Behauptung, daß die Be­amten lediglich nach der Tüchtigkeit an- gestellt würden, sollte unS am allerwenigsten ein Minister kommen, der die KorpS als die besten Schulen für tüchtige Beamte gefeiert hat. Wer so fÜ7 die Korpsstudenten eingenommen ist, wird auch leicht zu überzeugen sein, daß von mehreren Bewerbern der Korpsstudent den Vorzug ver­dient. Dafür, daß der Korpsstudent in den Vor­dergrund geschoben wird, sorgen schon die Üb- rigen KmpLbrÜder, die Die Verwaltung als die ihnen allein vordehaltene Domäne betrachten. Wenn der Minister sagt, eine Statistik darüber, ob die Beamten Korpsstudenten seien ober nicht, werde nicht geführt, so versteht fich dar von selbst, ist aber auch ganz bedeutungslos. Die Bevorzugung findet auch ohne Statistik statt. Die Statistik könnte ja nichts sein, als eine Ver­legenheit für den Minister. Die Herren KorpS- studenten, die eine so vorzügliche Schule genossen haben, kommen auch so vorwärts.

Nachdem der Minister einmal so unvorfichtig gewesen war, fich auf daS Gebiet der Statistik zu begeben, mußte natürlich das Zentrum ihn beim Wort nehmen und eine wirkliche Sta­tistik, nicht bloß einige ausgewählte und für den parlamentarischen Bedarf zusammengestellte Zahlen verlangen. Darum fragte Abg. Herold ihn nach den Katholiken unter den ObertegierungS• täten, namentlich ist der Kirchen- und Schulabteilung und im Stabe des Mi­nisters selbst, wobei er suseinandergehalten wünschte, wie viele Rate alS Techniker, und wie viele in der allgemeinen Verwaltung tätig seien. Auch empfi-hlt es fich auseinanderzuhalten, wie viel von diesen Katholiken ihre Kinder pro­testantisch erziehen lassen und überhaupt ihre Pflichten als Katholiken unbeachtet lassen. DaS würde zugleich zur Beleuchtung der heute so oft gehörten Behauptung dienen, man brauche nut Katholik zu fein, um gut vorwärts zu kommen.

Der Minister konnte einstweilen nut feine Behauptungen vom Montag wiederholen. Die Statistik, die er vorbrachte, bestätigte aber nur, daß die Katholiken in feinem Reffort überall zu- rückaesetzt find. Von 16 höheren Beamten im Ministerium find nur 2 katholisch, von den 35 Regierungspräsidenten 7, von den 51 Ober- verwaltungSgerichtSräten 11, von den 114 Ober» regternngSräten 9, von den 534 RegierungSräten und Bolizeipräfibenten 54, kurz überall ein um verhältnismäßig geringer Prozentsatz von Katho- lilen. Daß die Konfession der Bevölkerung in den einzelnen Kreisen, Regierungsbezirken und Provinzen maßgebend sein soll für die Beamten, weist der Minister zurück. Wir verlangen so etwas auch gar nicht. Aber wenn man steht, daß in Überwiegend protestantischen Gegen­den nie ein Katholik Landrat, Regierungspräsi­dent oder Oberpräfident wird, roäbrtnb die über- wiegend katholischen Gegenden fich häufig genug Protestanten in diesen Aerntern gefallen lasten wüsten, so kommt man doch auf eigentümliche Gedanken in Bezug auf die Handhabung der Parität. Der Minister braucht fich nicht zu

«Ja, willst du denn nicht mit w« Reffte trinken?" meinte Frau Achter ahnunsSlo».

»Mir euch? Steinl für das Vergnügen danke ich! Hast ja doch nur für unseren Heben Schwiegersohn in spe gesorgt, für wich nicht!" sagte er bitter.

Frau Achter schüttelte den Kops, ohne Gruß ver­ließ der GerichiSoffijial da» Wohnzimmer, und bald darauf hörte man, wie er die WohmmgStür zuschlug und die Treppe hinunter schritt.

„Alleweil Zwistigkeiten, allewell Zwistigkeiten/ seufzte Frau Achter.

»grau Mutter, ich bi« nicht schuld daran, ich ge­wiß nicht. Hüll' ich die M tzi nicht so lieb, hüll' ich vom Alte« nicht soviel Respekt, nachher, nachher. . .'

„WaS nachher?" fragte Mitzi ängstlich ihre« Fritz, aber et vollendete de« Satz nicht, sondern führte die Kaffeetoffe an den Mund.

Allmählich hob fich wieder die Stimmung bet drei MrMcheo, nachdem Herr Achter eine Zeit sott war.

Fran Achter begann von ihrer Jugend, von ihrem sorgenvolle« Brautstand zu erzähle«, um Mitzi und Fritz zu trösten.

Jebe»«>al «ach einer Verstimmung zwischen Achrer und Selbe« erzählte fie dem Brautpaar diese laig- a'migen Geschichten, aber jede-mal hörten die beiden ansmetssam zu, und sande« in halblaut gesprochenen Worte« der alten Frau Beruhigung und Trost.

»Ja, ja, so ist'- mit a'gangen Da habt'» ihr allemal «och richt am schlechtesten," schloß sie ihre Erzählung.

Sie hatte fich von ihrem Sitz erhöbe« und war bann, als hätte fie hier bei diesen jangen Mensche« ihre Pflicht getan, langsam und leise au» dem Zimmer htnaurgegange«. Fast unhörbar, als schwebe fie. . . .

Ohne ein Wort zu reden, saßen Mitzi und Fritz nebeneinanber ans Dem großen altmodischen Leder- fofa, jedes in einem Winkel, wie zusamwengekanert, und Mitzi» Linke und Fritzen» Rechte berührten fich

rühmen, baß er noch nie einem Manne, wenn er zu ihm wegen eines Amtes kam, gefragt habe, ob er Katholik fei, ober einem Korps angeh ött habe. So plump macht man die Sache doch nicht. Danach wirb schon viel weiter unten gefragt.

Deufidies Reich.

Berlin, den 15. Februar 1905.

§ Reifer Wilhelm und der Zar. Die .Neue Gesellsch.-Korr.' erfährt von zuverläsfigster Seite folgendes: Es ist Tatsache, baß die Ereig- niffe des blutigen Sonntags, deS 22. Januar, dem Zaren teils völlig verschwiege«, t.ilS in entstellter, gernilberter Form mitgeteilt würben. A!S Kaiser Wilhelm hi-roon fichere Runbe bekam, unternahm er es, die Wahrheit zu ben Ohren beS Zaren gelangen zu lasstn. Er schickte eine Prrsönlichkett, die nicht zum ersten Male alS Vermtttler des Verkehrs zwischen ben beiben Herrschern biente, mit einem eigenhändigen Schreiben, einem Stoße beutscher Zeitungen zu bem Herzog Georg vor Leuchtenberg, ber, obwohl zur rusfischen Kaistrfamilie rechnenb, sich doch stets von ben politischen Machenschaften fern gehalten hat unb ein aufrichtig und ehrlich gefinnrer Mann ist, unb ließ den Herzog bitten, ben Zaren barfiber aufzuklären, welch furchtbares Blntdab in feinem Namen unter ber friedlichen Arbeiterbevölkerung an jenem Sonntage ange­richtet worben sei, um ihm z r zeigen, wie er von seiner Umgebung systematisch über bie Wirklich­keit getäuscht würbe. Der Herzog von Leuchten- berg unterzog fich bem Auftrage. Der Zar war, als er ihn anzehört hatte, tief erschüttert unb hat bem deutschen Kaiser für diesen wahren Freund» schastt bienst in d u wärmsten Ausdrücken gedankt. — Er würde uns keineswegs wundern, fügt die ,91. G -K." hinzu, wenn die in diesen Zeilen geatbine Darstellung von russischer Sette ein offizielles Dementi erführe. Ein solches würde nicht» daran ändern, daß fie auf unumstößlichen Tatsachen beruht.

** Eine neue Flottenvorlage wird, wie Staatssekretär v. Tnpttz heute i« der Budget- kowmisfion deS Reichstages angekündigt hat, im nächsten Herbst richtig kommen. Es werden darin außer den bei der vorigen Flottenvorlage abgelehnten 6 großen Auslandskreuzern 7 neue TorpedobootSdtvifionen gefordert werden. Der Flottenverein verlangt bekanntlich noch mehr; wsher daS Geld kommen soll, danach hat er ja nicht zu fragen. Der Staatssekretär meinte, die „Anregungen" des FlottenvereinS gingen »u wett, aber gleichzeitig gab er zu verstehen, daß er 7 kleine Kreuzer auch noch ganz gern dazu nähme. Die neue Milttärvorlage ist noch nicht bewilligt unb schon taucht eine neue Marinevorlage auf! lieber bie neuen Steuern, mit denen nötigenfalls die Kosten bestritten werden könnte«, wollte der Reichsschatzlekretär fich heute noch nicht Süßem. Erst müßten die neuen Handelsverträge in Kraft getreten fein unb bann müffe fich auch erst der Bundesrat fchlüffig machen.

* In her «ubgetfemmiffioM bei Ab geyrbueteuhemlei tarnen am Die«Stag u. A. leise Da» Licht d.r Lampe fiel auf ihre junge« G-fichter, denen Sorge und stumme», ernste» Glück auf den Zügen stand.

So saßen fie eine ganze Welle still unb versunken da, und noch immer sprach keine» ein Wort.

Nur eine» empfanden fie, daß ihre Liebe so stark, so rein und groß war, daß fie kein rauhe» Baier- wort, daß fie kein böse» Gespenst, Sorge, kein Hunger- ftfleii Not werde trennen können, daß sie gerne alle ^fsnuiltn, alle Pein auf fich nehmen wollte«, wen« e» galt’ fie für dna»ber zu tragen.

Ei« tiefernste-, düsterschöne» Glück zog tn dies« stillen Stunde in ihre Herze« ein, ein düflerschöne» Glück, da» so süß unb tief war, weil e» vom Schmerze geboren wurde.

IV.

Rach reiflicher U-Verlegung hatte Graf Lichtenegg fich entschlossen, für Fritz v. Laibe« bei einem Groß- industrielle« Heller, ben er vom Ausfichtrrale einer Aktiengesellschaft her feinte, eine Stelle zu suchen. Da H-ller mehrere Fabrlle« verschiedener Branche« besaß, glaubte Lichtenegg, daß fich für Fritz sicher dort etwa» finde« werde, was irgend einer seiner Avlageu und Talente eutiprechen würde. Gr kannte diesen routinierte« und weitsichtigen Geschäftsmann al» einen guten Menschenkenner, der die seltene Gabe besaß, die richtige« Menschen am richtigen Orte z« beschäftigen and dmch feine anregende An eme« jungen Mann in kurzer Zeit für etwa, zu begeistern und zu intereffleten verstand, b-bel mit ben Gehalten nicht kargte, da er genau wußte, daß ber gutbezahlte Beamte saft immer der v-rlüßliwpe ist.

Darum batte Lichtenegg fich an diesen gewandt, ihm Fritz' Eharakrnelgeuschasten und Talente genau und klar geschildert, genauer unb klarer al» man e» sonst in solchen Fällen zu tun pflegt, unb Heller hatte sofort au» dieser Schlldntrng Interesse für Fritz ge-

bte Konflikte auf ben Universitäten speziell Marburg, und auf ber technischen Hochschule in Hannover zur Sprache. Ein Berichterstatter melbet darüber:

Ministerialdirektor Lithoff arte» darauf hin, daß der Konflikt in Hannover dadurch zum LnSbruch ge­kommen fei, daß von dort eine Einmischung in öster­reichische Verhältnisse durch daS Telegramm nach Innsbruck vorgenommen fei. Er kam dabei auf die konfessionell en Studentenverbindungen zu sprechen, we che die Unterrichtsverwaltung ohne Unter­schied vom Nebel (!) hält. Diese Absonderung sei nicht gut und rächte sich später immer wieder. Diese Stellungnahme gegenüber den konsesfionellen Brrbiu- dungeu habe der Minister noch kürzlich in einem be­sonderen Erlaß an die UniversttätSkuratoren zum Aus­druck gebracht. Dee akademische Freihe.t sollte nicht unterdrückt werden, wohl aber müßten die einzelnen und die Lerbindungen sich den akademischen Ordnungen fügen. Uebersehen werde bei dielen ganzen ttonfl kten vielfach der Umstand, daß die Studentenausschüsse nicht die Befugnisse haben, welche dem einzelnen Stu­denten zukommen. Im einzelnen sei hervorzuheben, daß daS Ressort der KultuSoerwaltung gegenüber ben Konflikten in Hannover von allen Refforts die mildeste Auffassung vertreten habe. In Hannover fei em vollständiger Ausgleich herbeigeführt, unter an­erkennenswerter Haltung der Studenten. Die Kuud- gebungen ouS Bonn, Göttingen und Münster feien einfach zu den Alten geschrieben, anders fei eS mit Marburg. In Marburg fei sowohl inhaltlich alS auch tn der Form gefehlt worden. Die Kund­gebung von Marburg fei nacht» als dringende Depesche an den Minister gegangen und eS sei darin ausge­sprochen, daß durch ihn, den Minister, die akademische Freiheit gefährdet fei, ferner, dieser Schritt sei gleich­zeitig den Zeitungen uns anderen Untoerftt&ten witge- teilt worden- Hiera» habe fich noch eine weitere Reso­lution geschliffen, die mindestens tn hohem Grade un­bedacht lei. Die Marburger Angelegenheit sei noch tn der Schwebe.

Der Grunb, weshalb Herr Althoff ober bie Unterrichtsverwaltung die konfesstonellen Stu- bentenverbinbungen, speziell auch die katholischen, als „ein Nebel" betrachten will, daß er „bie Absonderung" nicht billigen kann, will uns nicht einleuchten. Die Existenzberechtigung ber katholischen Stubenten-Korporationen ist nicht nur aus bem Prinzip ber akabemischen Freiheit, säu­bern auch burch eine mehr als fünfzigjährige makellose unb rühmliche Vergangenheit tatsächlich so sehr gerechtfertigt, baß uns bie angeb­liche Aeußerung bes Herrn Ministerialdirektors Althoff geradezu als unglaublich erscheint. Bilden denn die Grundsätze „Religion, Wissen­schaft, Freundschaft" nicht eine vm allen Seiten besonders aber von Seiten der Behörden anerkennenswerte und berechtigte Grundlage für eine Stubentevkorporation? O.er aber hält die Regierung solche Studentenkorporationen für mehr berechtigt, die andere Grundsätze haben, auch solche, welche im Widerspruch mit den Staatsgesetzen und mit den Gesetzen beider christlichen Kirchen nach ihren Statuten und Ge­bräuchen den Duellzwang van ihren Mit­gliedern fordern? Ist daS nicht auch eine „Ab- fonderung", unb gerade eine solche, wobei die zur Wahrung der Gesetze berufenen Behörden am allerersten zum Einschreiten Beranloffang hätten? Herr Ministerialdirektor Althoff sprach feiner von einem besonderen Erlaß an die UniverfilätS-Rektoren in Sachen der katholischen S-'^Kitenkoiporationen. Es ist wohl kein unbe­scheidenes Verlangen, wenn man die Veröffent­lichung dieses Erlasses wünscht.

■MM—MM—SB faßt; t» rtf'te ,yn, an, bi. fern jungen Manne ettoa» sä wachen, sein tote» Kapital für ihn selbst unb auch für fich aurzunützen, Zinsen tragen zu lassen. Und « hatte den Grasen gebeten, ihm den jung«. Mann ehesten» zu schicke».

Nun stand Fritz v. Laiben im Privatkomptoir Edmund Heller», da» fich an die Wtener Zentral- bnrravx seiner Firma anreihte.

„Bttte, Platz zu nehmen, Baron," sagte mit einer verbindlichen Handbewegung Herr Heller. „Mir ge­statten Sie gütigst, während unserer Unterredung ein Kirchen im Z mmer auf vnd ab za promenieren, das ist so eine schlechte Gewohnheit von mir; ich kann dabei besser denken und erspare mir dabei einen Rund­gang um ben Ring

„Also Sie wallen mit helfen zm« Aufschwünge der Firma Heller u Co — Gut. Unsere Geschä te gehe« ja ganz passabel, aber gescheite Beut' kann mau immer brauchen, und daß Sie, Herr Baron, gescheit find, gescheit und modern denken, da» ersehe ich schon daran», daß Sie fich dazu entschließen wolle«, Fa- brckrbeamter zu werden. Sie lächeln. Meine Leute find besser gezahlt al» die Staatsbeamte«, aber denken müssen fie weyr und mehr arbeiten. Aus welche Ab­teilung, zu welcher Branche werden wir Sie geben? — Run, roa» meinen Sie, Herr Baron?"

„Dorthin, Herr Heller, wo Sie meine Fähigkeiten am meisten aurnützen können "

.Nun, zu wa» hoben Sie am meisten Lust? 6» wird doch etwas in der Welt geben, wozu Sie, auß« zum Heiraten, noch Last haben. Und da» finden Sie alle» in meiner Firma: Tuch, Gla», Porzellan, Pa­pier. Wollen Sie noch etwa»?"

Fritz wußte mchr, wofür et fich entscheiden sollte; die ganze witzttnde, halb gutmütige, halb arrogante, immer flbttltgene Art Hiller» verwirrte ihn, machte ihn Ueivmütig. Im Grunde verstand er ja von allen diese« Dingen sehr wenig.