Maer
M
Sxmahme der Mw» rzO Zeiertaae. viertel-
«säet Vrinzerloh« »*t ««»eA-eldinziUdaunb 8MMrtst»L60pff
Verantwortlicher ^christkitenZss.S««« , wochenbMge! „Zllustriette Sonmagrzeiwng
Äesetge«? SA M, ßpattige peftheilk Mc deren San« 15 Pfg. SeNamen die petitzeE 25 Pfg.; bei wieder- Holungen wird entipr.
Rabatt gewährt.
Druck und Verlag des Fuldaer Actiendruckere» in Fulda (Harmonik Fernsprecher Ur. 9.
Fulda, Dienstag, den 14. Februar 1905.
M 36
32. Jahrgang.
Krstes ZZlcrLL.
§ Der Bund der Landwirte hielt am Mcntag im ZirkuS Busch in Brr Im seine herkömmliche Generalversammlung ad. Drr Zudranq war wie immer recht stark. Aber es war dcch die alte Rundesoersammlung von anno dazumal nicht. Es gab nicht mehr die beliebten Kraftausdrücke, in denen ehemals der Regierung die „Wahrheit gesagt" wurde, nicht mehr den loser den, donnernden Beifall, mit dem solche Kraftausdrücke begleitet und zu weiteren aufgimuntert wurden. Es ging recht sänftigltch und gemäßigt zu. Natürlich fehlte es nicht an großen Worten und stolzen Prahlereien, allein die alte Elementarkraft war nicht mehr dahinter.
Seit dem Wahlfiasko von 1903 ist es mit dem Bunde alten Stiles vorbei. Diese Wahlen haben doch gar zu handgreiflich gezeigt, daß der Bund nicht die Macht ist, als die er sich ausgespielt hatte, und daß die Maffe der Landwirte die Politik des Erreichbaren der Politik des „Alles oder Nichts" vorzieht. Seitdem sind den hochstrebenden Herren Dr. Hahn und Gr- ncffen die Flügel geknickt. Sie haben eingefeten, daß man sie nicht mehr sülchtet, und vernchte» deshalb kluger Weise auf die drohenden Mienen und polternden Worte. Schon im vorigen Jahre herrschte auf der Generalversammlung ein recht bescheidener Ton. Diesmal noch mehr. Man ist jetzt schon so bescheiden, daß man nicht mehr droht, die ergrimmten Landwirte würden alle ihre Gegner und lässigen Freunde über den Haufe« rennen, fordern um die Anerkennung der Existenzberechtigung des Bundes wirbt.
Man schreibt dem Bunde fast ausschließlich das Verdienst um di» Handels- und zollpoltlische Wendung zugunsten der Landwirtschaft zu. Etwas wahres ist ja daran; allein das Geschrei allein hat diese Wendung nicht herbeigesührt. Es ist sosar wahrscheinlich, daß ste auch ohne ihn gekommen wäre. Jedenfalls hat er durch seine Uebertreibungen, Maßlosigkeiten und Hetzereien einen großen Teil seines Verdienstes wieder weit gemacht und damit der Landwirtschaft mehr geschadet als genützt. Außer mit dem Hinweis auf die Erfolge des Bundes wurde die Notwendigkeit seines Fortbestandes damit begründet, daß es noch viele berechtigte Wünsche und Forderungen der Landwirtschaft gebe, die bisher nicht erfüllt seien. Ob es zur Durchführung dieser Forderungen gerade des Bundes bedars, bezweifeln wir entschieden. Die Regierung und die Mehrheit der Parteien find entschlossen, weiter für die Landwirtschaft zu arbeiten, und werden dies tun, auch ohne daß der Bund mit der Peitsche hinter ihnen steht. Die Redner auf der Generalversammlung wagten dieS ja auch gar nicht ernstlich zu bezweifeln. Sie mußten vielmehr anerkennen, daß heute auch in den RegierungSregionen ein anderer Wind webe, als früher. Hätten fie das leugnen wollen, so hätten fie fich erstens mit den Tatsachen in Widerspruch setzen und zweitens ihren gepriesenen Erfolg verleugnen müssen.
Selbstverständlich wird sich eine fo große Organisation wie der Bund nicht von heute auf morgen auflösen. Aber der Geist wird ein anderer sein, als vor dem neuen Zolltarif. Wie sehr der Bund auf dem Wege der Besierung ist, das konnte man noch deutlicher als aus den Reden auf der General Versammlung, aus der dort angenommenen Resolution zu den Handelsve, trägen --rsehen. Man wagt nicht, die Ablehnung zu fordern, sondern erkennt an, daß fie eine Verbeffe- ing bringen und verlangt nur umsichtige Hand- 1 rbung der Verträge. In der „guten alten Zeit" Litte man gegen die Verträge gedonnert und die Meinung gefordert.
Ob es mit dem Bunde nicht bereits tatsächlich zurückgeht, ist aus dem von Dr. Hahn vor- ge legten Geschäftsberichte nicht mit Klarheit zu ergehen. Allerdings wird behauptet, er habe eine Zunahme von 10,000 Mitgliedern aufzuweisen. Merkwürdigerweise aber wird die Gesamtzahl der Mitglieder verschwiegen, das sieht doch etwas verdächtig aus. Jedenfalls mußte Dr. Hahn bekennen, daß der Bund von den 21/? Millionen deutscher Bauern erst den zehnten Teil habe. Das entspricht denn doch lange nicht den Ansprüchen, mit denen der Bund auftritt. Dr. Haha meinte, in den nächsten 12 Jahren müsse er die fehlenden neun Zehntel als Mitglieder gewinnen. Daß das geschehen werde, glaubt er natürlich selbst nicht, lieber 12 Jahre wird es wohl eher abwärts als aufwärts mit dem Bunde gegangen sein. Um ihm neues Leben zuzusühten, möchte man, jcheint es, die deutschen Handwerker mehr «m den Bund heranziehen und auS der
Organisation der Landwirte eine Organisation des Mittelstandes machen. Wie weit das gelingen wird, müflen wir abwarten. Jedenfalls würde dadurch der Charakter des Bundes noch mehr verändert werden, als bisher schon.
Deutidies Reich.
Berlin, den 13. Februar 1905.
§ Die freisinnige Bereinigung hielt am Samstag und Sonntag in Berlin einen Parteitag ab. Er sollte vor allem den Ausgleich der in dem Parteichen bestehenden Metmingsver- schiedenheiten und „Unstimmjtzkeüen" bienen. Das gelang nur sehr mangelhaft, wiewohl man sich alle Mühe geb, den Anschein zu erwtcken, als streite man nicht Lb»r prinzipielle, sondern nur über taktische Fragen. Rich: einmai über die Stellung zu den Handelsverträgen vermochte man fich zu einigen. Eine Resolution, worin die Verträge für unannehmbar erklärt wurden, fand zwar mit großer Mehrheit Annahme, aber die Abgeordneten Dove und Mommsen weigerten fich, fich durch diese Resolution binden zu lasten, und fanden für ihre Haltung namentlich bei den Vertretern der Seestädte volle Billigung. Vermutlich wäre auch die Resolution nicht mit fo großer Mehrheit angenommen worden, wenn man nicht die Gewißheit gehabt hätte, daß fich auch ohne die Freisinnige Vereinigung irn Reichs- tage eine Mehrheit für die Verträge finden werde, lieber das Verhältnis der Freifinnigen Vereinigung zur Soz aldemo'ratie war auf dem Parteitage gleichfalls keine Einigung zu erzielen. Die Nationalsozialen wollen bekanntlich möglichst engen Anschluß an die Sozialdemokraten, ater die Mehrheit der alten Parteimitglieder ist damit nicht einverstanden. Einig war man dagegen in der Stellungnahme zur Volksschulfrage. Man verurteilte u. o. die konfeffionelle Volksschule. Einstimmig nahm man auch ein neues Organisationsstatut an. MU einem Organs- sationSstatut allein wird aber der Partei schwerlich auf die Beine zu helfen fein.
* Der Berliner Studentenausschuß für die Schillerfeier hatte bekanntlich feinen Beschluß, die katholischen Studentenver- einigungen auszuschließen, auf Wunsch des Rektors der Universität, nur „um seiner Magnifizenz entgegenzukommen und die Einigkeit innerhalb der Berliner Studentenschaft zu wahren, aber nicht aus irgendwelchen politischen Rücksichten", aufgehoben und beschloffen, die katholischen Student, n zuzulaffen. Dazu bemerkt die ,Kreuzztg ': „Der Beschluß ist erfreulich, aber seine Begründung sehr bedauerlich. Politische Rücksichten waren es, die zur Ausschließung der katholischen Verbindungen führten, und der- gleichen ziemt fich richt bei einer nsticnalen Feier. Wenn dis katholischen Verbindungen selbst Wert darauf legen, an der nationalen Schillerfeier teilzunehmen, hat niemand das Recht, fiewegen antinationaler Gesinnung davon zurückzuweisen, am wenigsten kann das im Name« der „akademischen Freiheit" geschehen, die keine politische Ma- joMerung gestattet."
* Der Bergarbeiterausstand iru Rvhr- revier kann tatsächlich als beendet angesehen werden, wenn auch die sozialdemokratischen Hetzer tnmer noch an der Arbeit find, daS Feuer weiter zu schüren. Das Wolff'sche Bureau versandte gestern (Montag) abend folgende Depesche:
W. fcfftn, 13. gebt. 1905. Die Wieder- aus«ahme der Arbeit vollzieht fich auch weiterhin in zufriedenstellender Weise. Auf einer großen Anzahl von Zechen find die Belegschaften in alter Stärke wieder angefahren. Auf den Stinnes'sche» Zechen find bei der heutigen Morgenschicht bedeutend mehr Arbeiter als am Samstag angefahren, sodaß der Betrieb in gewohnter Weise durchgeführt werden kann.
Der ,StaatSanzeiger' vom Montag abend schreibt:
Die Belegschaften der in den Stadtkreisen Dortmund und Gelsenkirchen gelegenen Zechen fuhren am em 11 Februar sämtlich an. Im Landkreise efft« arbeiteten die Belegschaften der Zechen „•roin“, .Dorstfeld- und „Minister Stein' vollzählig. Aus den Zeche« „Maffe«', „Schleswig" und .Holstein" wollte« die Belegschaften heute anfahren. Im Kreise Hörde einigten sich sämtliche Belegschaften diS aus die der unbedeutenden Zeche „Bergmann" mit ihren Verwaltungen. Sie führe» teils bereits am EamStag an, teils «ollen ste heute die Arbeit wieder aufnehm«». Dasselbe Bild zeigt fich in andere» vom Ausstande betroffenen Meisen. Die Zahl der am 10. Februar Angefadrene« betrug insgesamt 89,122 gegenüber 59,918 am Bortage. Zur Frühschicht am 11. Februar fuhren 112,843, also 53,605 mehr an, als zur vorhergegangenen Frühschicht. Auf verschiedenen Zecke« waren bereits am Samstag die regelmäßigen Schichten wieder ei°gerichtet; auf anderen ollteu sie bi- heute eiugrsührt werden. Da viele Strecken zu Brach ginge«, kann eine ganze Reihe von Bergleuten vorläufig keine Beschäftigung finden. Hierauf find wohl m der Hauptsache
die durch die Trpeblätter gegangenen Nachrichten von angeblich maffenhaften Ablehnungen zurückzusühren. Denjenigen, die mit Rücksicht auf die »rnbenverhält- n'.ffs vorläufig notwendigerweise urückgrwiefen werben muhten, wurde Aussicht auf demnächstige Wiederaufnahme gemacht. In Wattenscheidt kam eS am 10. Februar zwischen der aufgeregten Menge und der Polizei zu einem Zufammenstoße. Der Polizei Sla»g es bald, nachdem sie von der Waffe ebcaudj gemacht hatte, Ruhe und Ordnung »ieier herzuftellen. Aus der Z-che „Rheinpreußen" waren am 10. Februar von 5677 nur noch 782 Mann ausständig. — Im Waldenburger Steinkohlen- bezirk (Schlesien) verliert die Ausstandkbewegung immer mrhr an Bedeutung. Neu in den Ausstand hat am 10. Feb-uar die „Fvchsgrube": von 3084 streikten in der Früh, und Mittagsschicht zusammen 287 Mann. Der Ausstand auf dem „Hillebrandschacht" der EotieSfegengrube in Oberschltsten kannalS beendigt gelten. Im Bergrevier Ratibor trat am 11. Februar die gesamte 440 Mann zählende Belegschaft der Kons. Hoym- und ßauragiube in de« Ausstand. Auf dm übrigen @rubc» des R vierS waren an 11. Februar iur Frühschicht ausständig: Auf „Eharlotte E, rnitz' 16 5 von 1982, auf ,,BeatenSglbck" bei Nieoiadom 93 von 412, auf „Emma" bei Radlin 788 von 899, auf „Johann Jakob" bei Niedobschütz 564 von 724, und auf „Reden" bei Birhalban 221 von 316 Mann.
* Ans DerrtschUüdweftafriko. Nach Meldung des Generals v. Trotha ging om 5 F bruar Haup'marm Morath mit der 5. Komp. Frldregtmenls 2 und zwei Geschützen der 5. Batterie von der Abteilung Meister gegen Nunub vor. Dieser Ort wurde nach kurzem Artilleriefeuer von etwa 20 Witbois und HereroS in eiliger Flucht nach Osten und Südosten verlasfen. Nunub wurde b-setzt. Der Feind ist anscheinend nach dem Nosiob abgezogen. Major v. Len- aerke setzt von Westen, der Posten von Aminuis (100 Kilometer nordöstlich Nunub) von Osten her die Aufklärung ge^en den N.ssobfluß fort. In Aminuis ist eine Postierung von 30 Mann, dir von der Besatzung Gobabis Verstäikung erhalten sollte. Ob diese schon ein getroffen ist, ist noch nicht bekannt. Die Verpflegung der Truppen flößt auf Schwierigkeiten, weil die Ochsengespanne in dem Dünengelände versagen. Die Beweglichkeit der am Auob stehenden Truppen ist durch sehr starken Verlust an Pfrrden beeinträchtigt. Lengerke und Meister haben zusammen rund 800 Pferde und Esel als Nachersatz beantragt, deren Heranführung nur langsam vonstatten geht, da die Etsppenstraßen mit Transporten aller Art stark belegt und Waffervoväte nur für beschränkte Anzahl von Tieren avsreichen. Befferung ist erst nach Ausführung der im Gange befindlichen Bohrarbeiten zu erwarten. Die Maschinengewehrabteilung Dürr hat am 7. Februar den Marsch von Windhuk über Rehoboth nach dem Süden an« getreten. — Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Verwundet: Reiter Rudolf Barenthin, geb. am 22. 12. 82 zu Marker, früher im Jnf.- Reg. Nr. 24, im Gefecht bei Gochas am 5. 1. 05, leichtverwundet, Fleischschuß linke Schulter: gestorben: SanitätsunterosfizierOtto Axhausev, geb. am 31. 12. 77 zu Landsberg a. W. früher im Grenadier Regiment Nr. 4 im Lazarett Karibik» am 9. 2. 05 an Typhus.
e* Es kommt immer anders, als man denkt, auch bei einer Reichstagsdebatte über die Handelsverträge. Nach den ursprünglichen Abmachungen sollten von den großen Parteien je 2 Redner, von den kleinen einer zu Worte kommen; dann sollte geschloffen werden. Am Samstag hoffte man mit der ersten Lesung fertig zu werden. Nun hat man den Montag schon zugegeben ur.d ist sogar noch nicht über allen Zweifel erhoben, ob der Dienstag das Ende bringen wird. Nachdem in Aussicht stand, daß noch dieses ober jenes Mitglied einer großen Partei sprechen wollte, erhoben auch die Zwerg- Parteien, die nicht einmal stark genug find, um eine anerkannte Fraktion zu bilden, Anspruch auf einen zweiten Redner. Abg. Liebermann von Sonneberg z. B. beschwerte fich heute im Seniorenkonvent, daß von seiner 12 Mann zählenden Wirtschaftlichen Vereinigung nur ein Redner zu Worte gekommen sei, und forderte einen zweiten, falls der Zentrumsabgeordriete Dr. Heim noch spreche. Wieviel Redner hätte das Zentrum zu beanspruchen, wenn eine Partei von 12 Mann 2 Redner stellen will? Daß irgend em sachliches Bedürfnis bestanden hätte, heute und morgen noch zu reden, wird fich schwerlich »ehaupten laffen. ES wird immer wieder das« elbe gesagt. Allerdings werden derer, die eS anhören mögen, auch stets weniger. So trat auch heute (Montag) ein Redner nach dem an- deren auf und wiederholte, was einer der Vorredner gesagt hatte. Nach 6 Uhr kam der Abg. Dr. Heim zu Worte, der in das längst müde und gleichgiltig gewordene Haus mit seiner Schlagfertigkeit und manchem guten Witze wieder einige Munterkeit brachte und die verloren gefangene Aufmerksamkeit wieder herstellte. Nach einer Ansicht find die Verträge nicht im Interesse der kleinen und mittleren, sondern der
großen Grunddefitzer gemacht. Ihr Odeur fe| nicht das der Ackerkrume, sondern von Patschust und Sülonbauern. N.-ch kurzen Entgegnungen de« bayerischen Ministers Grafen v. Feilitzsch und deS Staatssekretärs Grasen v. Posa- dowsky wurde die Weiterberatung auf morgen vertagt. Man hätte ja ohne Schaden Schluß der Debotie machen können, aber dazu fehlte eS an der nötigen Anzahl Anwesender. Hoffentlich aber kommt morgen dos Ende trctz alledem.
Bus dem Reichstag.
140. Sitzung vom 18. Februar 1905.
Eröffnung l1/« Uhr.
Die erste Beratung der Handelsverträge wird fortgesetzt.
Preußischer Finarzminister Freiherr von Rheinbube« führte ehe wirksame Polemik gegen die Rede des Abgeordneten Singer am vorigen Sonnabend und wieS uack. daß die Sozialdemokratie lediglich au5 der politischen Rücksicht, Unzufriedenheit in allen »reifen zu erreichen, eine S eigerung der LebenSmittelpreise prophezeie.
Ab,. N'ffler (k) beklagte sich insbesondere über die Behandlung der Geiste.
Abg Dr. Beumer (nl.) meinte, S feien vielfach auf kost » der Industrie Zugeständniffe an daS AuS- land gemacht.
Abg. SartorinS (fr. Bp.) erklärte, die Getreide« zölle würden den kleinen Lai dwirten kaum helfe«.
Abg. v. Sa dorff meinte, die Worte deS Borred» nerS würden auf dem Lande kein Berständn s finde«.
Abg. Hodenberg (Dtsch. Hann) erklärte fich für en dloo Annahme der ganzen Handelevrrträge
Nachdem noch mehrere Abgeordnete ihre Auffaffung dargelegt halten, ohne neue Gesichtspunkte vorzubringen, vertagte sich daS Haus auf Dienstag.
Schluß 7-/, Uhr.
Bus dem Landtag.
«bgeordnetenhnuS.
189. Sitzung vom 13. Februar 1905.
Eröffnung 11'/« Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die Beratung deS Etats deS Ministers deS Innern.
Bei den „Ginnahmeu" wünfcht
Abg. Rofeuow (fr. Bp.) eine weitere Giufchräu- kung d,r Gefangenenarbeit.
Minister des Inner» Freiherr v. Hummer« strin legt dar, daS Bestrebe« der Berwaltung gehe feit Jahren dahin, die Sefangenenarbeit zu gunste« der freien Arbeit systematisch einzuschränken.
Beim Kapitel „Miuiftergehalt" beschwert fich
Abg. de Witt (Ztr.) darüber, daß der Oberprä» fident der Rhemrrovwz in Landgemeinden bet <t<teöi» aung einer Bürgermeister stelle einen kommiffarifchm Verwalter schicke, ohne die Bürgermeistereiverfammluu» und den KreisauSschnß zu hören. Weiter führt Redner Klage darüber, daß in Lingen man fich mit geradezu verblüffender Eleganz über daS Präsentationsrecht de» Kreistages hirweggesitzt habe.
Abg. v. Arnim (kauf.) verlangt, infolge der Mn« ficherheit, welche der «ulomobiloerkehr auf den Landstraßen heroorrufe, eine retchSgesttzliche Regelung der Haftpflicht.
G»n RegierungSkommiffar erwiedert, daß im ReichSjustizamte ein Haflpflichtgesetz auügeaibeitet werde, das sich bald zu einer Vorlage für den Bundesrat vei dichten werde.
Abg. Dr. v. JazdzewSki (Pole) führt Beschwerde über die willkürliche Aenderung von Gut - und Ortsnamen in der Provinz Posen, sowie übrr Härte« bet der Aut Weisung von Polen.
Minister Freiherr v. Hammrrstei« hält die Maßnahmen bei Grnennuna eines LandratS in Lingen für berechtigt. Bus der Tatsache, daß 95 Prozent bet Kreises katholisch sei, könne nicht die Forderung hergeleitet werden, daß nun auch der Landrat katholisch sein mfiffe. GS komme bet der Auswahl der Landräte allein darauf an, daß fie tüchtig seien. Die Parität würde dadurch nicht verletzt. In seiner Verwaltung seien 14 Prozent der Landräte und 20 Prozent der RegierungSpräfidenten katholisch, obwohl von feine« höheren Beamten nur 10 Prozent katholisch seien. Die Ka holiken kämen also beider Besetzung der wichtigere« Stellen erheblich bester weg, alS ihre Beteiligung bet den Bewerbungen entspreche. Die Beschwerde« deS Abg. JazdzewSki seien unberechtigt.
Die Ausführungen der »bgg. Freiherr v. Zedltß (frk.) und Broemel (freis. Bgg) über die Wahlrechts« fiage und daS geplante Verbot fremder Sprache» st» öffentlichen Versammlungen veranlaßten den Mitftfter zu der Grklärung, daß beide Fragen in kürzester Frist in Form von Gesetzentwürfen vor daS HauS gebracht werde» solle». Weitergehende Wünsche bezüglich der Reform deS LandtagSwohlrechtS wieS der Minister indeffe» heute bereits zurück.
Abg. Straffer (k) klagte über die Unsicherheit «nf be» Straßen Berlins infolge deS lebhaften Fahrrad- und AotomvbilverkehrS. Der Minister versicherte, daß die Polizei alles tu» werde, um das Publikum zu schütze».
Am Dienstag findet keine Plenarsitzung statt, weil die Budgetkommisfion eine TageSfitzung hält.
Mittwoch Fortsetzung der Beratung deS GtatS deS Ministeriums deS Innern.
Der ruliildi-Japan. Krieg.
Der Rücktritt Koropatkins vom Oberkommando der russischen Streitkräfte ist so gut wie sicher. Als fein Nachfolger wird der General Grtpenberg genannt, der fich in PetnSb«g großer Sympathien erfreuen soll. Man schreibt die für Ermen berg günstige Stimmung den au» japanischer Oitelle stammenden Berichten zu, au»