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Jfs. 35.
Deufiches Reich.
Berlin, den 11. Februar 1905.
* Der Ssürft vo« »nlgatie*, der seit einigen Tagen in Berlin weilt, wurde heute vom Kaiser empfangen; daw.lt ha» «er Fürst den Hauptzweck seiner Reise erreicht. Aus den Berhandluncen, die der Fürst mit den Re- gierungr kreisen gepflogen, hat man, wie die »Hallesche Allgemeine Zeitung' erfährt, den Eindruck gewonnen, daß der Ausbruch eines türkisch' bulgarischen Klietz sür dieses Frühjahr nicht zu erwarten steht. Auch die Verhandlungen über einen deuisch-bulgarischen Handetsvertlag werden in Sang kommen, sobald die Vorarbeiten dazu von beiden Veiten beendet find. Ein Widerspruch von rusfischer Veite ist nicht zu befürchten. Wenn deutsch'bulgarische HandelSoertragsoer- Handlungen irgend einer Macht weniger an- genehm sein könnten, so körnte das höchstens Oesterreich-Ungarn sein. Dsi Meldung eines Berliner Blattes, daß auch Heiratspläne auf dem Reiseprogramm deS Fürsten stehen, wird entschieden bestritten.
§ Der Direktor bei» Reichstag, Seheimer Regierungsrat Knack, feierte am 12. gebt, fein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Er gehört dem Reichstag als Beamter feit dem 1. April 1872 an, und zwar fast 25 Jahre als Bureauchef. An den Kn-gen von 1864, 1866 und 1870/71 hat er, teilweise als Offizier, mit Auszeichnung teilgenommen. Herr Geh. Regie- rungsrat Knack ist ein Beamter von seltenem Pflichteifer und strenger Objektivität. Wegen feiner besonderen Verdienste find ihm von Aller- höchster Stelle verschiedene Auszeichnungen zuteil geworden. Mit bewundernswerter Arbeitskraft hat er selbst dann, als infolge eines alten Feld- ^Meidens eine Operction ihn in seiner Be- wegungssreiheit dauernd beeinträchtigte, seinem schweren Amte, welches die gesamte Verwaltung des Reichstaas und die Vorbereitungen für die Geschäfte des Reichstags umfaßt, abgelegen. Wer einen Einblick in die parlamentarischen Der- hältniffe hat, der weiß, daß der Bmeeuchef des Reichsparlaments wahrlich nicht aus Rosen gebettet ist, und daß ein Mann, welcher sich auf diesem Posten der allgemeinen Beliebtheit erfreut, schon in hohem Maße über hervor- ragende persönliche Eigenschaften verfügen muß. Herr Knack steht tat 67. Lebensjahre. An feinem Ehrentage umgaben ihn seine Gattin, fein Sohn, welcher Oberleutnant ist und seine Tochter, die an einen Oberlehrer verheiratet ist. Möge dem verdienstvollen Manne ein glücklicher Lebensabend beschieden sein!
* Die Matrikularbeiträge für 1905, wie sie vorläufig in den Reichshaushaltsentwmf eingestellt find, belaufen fich bekanntlich auf 213,3 Mill. Mark. Rich den inzwischen vor. genommenen Vrrteilungsberechnungkn würden von dieser Summe 131,2 Mill. Mk. auf Preußen, 24,4 Millionen auf Bayern, 15,9 Millionen auf Sachsen, 8,1 Millionen auf Württemberg 7,1 Millionen auf Baden, 6 5 Millionen auf Elsaß. Lothringen, 4 3 Millionen cuf Heff-n, 2,9 Mill.
Lin bürgerlicher Zahr.
Novelle von Carl Conte 6capinelli.
3 ------(Nachdruck verboten.)
„Wie die Liebe Sie verändert hat, feiner, gerech. ter, strrbsamer, z'elbewußier find Sie geworden", sagte üe fast feierlich za Selben.
„Mag schon sein — mag schon fein! Hier sollt' ich meine Braut jetzt haben !" meinte er.
„Bitte, in ein und in einer halben Minute ist eS 12 Uhr!" brüll.e Lechner. „Ich schlag« vor, kaS reue Jahrhundert damit zu begrüßen, daß wir die letzte» Minutm deS alten alle zusammen laut zählen."
Bayer und Lechner beginnen: 1 — 2 — 3 . . . dann fetzten auch dir anderen ein. Bachmann zählt erst von 50 leise mit, da die ander:» tie Zahlen schon laut brüllen.
„57, 58, 59, 60."
Siu laute« Gebrüll bricht loS, die Gläser klirren zusammen, Lechner schwingt hoch über die Häupter seinen Binkrvg. Für einen Moment erlischt daS elektrische Licht. Drni beglückwünschen fich olle herzlich, selbst Bachmann holt mit tausend Enischuldi- gungkn seine Gratulation bei Loiben «ach.
„Ich wünsche dir, Bachmann, daß du in diesem Jahre Oberkomm ffär wirst und dir eine Million erheiratest !" antwortete Loiben.
„9h, toiram nicht! Kann beider möglich fein! Beider!" meint« dieser stolz
AlS alle wieder fitz'«, erhebt fich Bcyer, schmunzelt, streicht fich über seine-, schwarzen Lcckenkrp', nimmt sich beim schwarzen Spitzbart, kichert seine Frau an And feiert dann tu fchwnngvcllin Sorten Loiben al» das Haupt diese» Siammtrfche» und als BrSMigam.
U«b wieder stößt man an und weiter wird getrunken
Gleich darauf erhebt fich Loiben:
Fulda, Montag, den 13. Februar 1905.
32. Jahrgang.
cuf Hamburg, 2,3 Millionen auf Mkcklenburg- Schwerin, 1.8 M llionen auf Braunschweig, 1,5 Millionen auf Old, nburg, 1,4 Millionen auf Sachsen Weimar, der Rest auf die anderenBundes- Paalen entfallen. Durch die Amder ungen, die tei der Reichstagsberatung am Etatsentwurf vorgenommen werden dürsten, werden auch die Mattlkularbeilräze beeinflußt, so daß diese Verteilung noch nicht ols exbgihig anzusehen ist.
* Kohlevkönig und Minister. Dem ,Berl. Tgbl.' wurde gestern „aus guter Quelle" gemeldet:
„Bei Selegcnheit der Anwesenheit bei Ministers deSInnern, Freiherrn v. Hammerstein, im Etreik- gebiei, machte der Geheime Kommerzienrat Kirdorf- Gelsenkirchen dem Minister auf der Zeche „Mernster Stein" eine heftige Szene. Kirdorf warf dem Minister „die schlappe Haltung und die Rückgrat- loftg!eit der Regierung in der Str eikfrage" vor. lieber die kräftige» Ausdrücke sollen, wie Auge», zeugen berichten, alle Anwesenden eine Gänsehaut bekommen haben. Der Minister habe den Auseinander, setzungen rubig zug.hört urb sei dann, ohne ein Wort zu sagen, davon gegangen."
Darauf hat nun Minister v. Hammerstein an das genannte Blatte folgende Zuschrift ergehen kaffe«:
Der Redaktion beehre ich mich ergebenst mitzu> teilen, daß der von Ihnen in dem gestrigen Abendblatt berichtete, mich betreffende Vorfall Ihnen unrichü, bargestellt worben ist. Herr Geh. Kommerzienrat Kir- borf hatte die Freundlichkeit, mich arf der Zeche .Minister Stein" zu empfangen und zu begrüßen. Selbstverständlich sprachen wir über den gerenwärtigen Ausstand. Herr Kirdorf hat aber mir „fckfiappe Hal- tvng und Rückgratlcsizkeit der Regierung" nicht vor. geworfen. Dagegen erhob er im Laufe der kl» ter- haltun, einen schweren Borwurf gegen eine mit n'djt unterstellte Behörde, worauf ich nicht unterließ, Herrn Kirdorf zu erw dern, daß seine Behauptung durchaus unzutrefsend sei und ich ihn bitten müsse, seine Ausdrücke zu mäßigen. Herr Geheimrat Kirdorf wiederholte dieselben, in eindringlicher Weise ich meine Entgegnung. Die ihr sob genbe kurze Bemerkung des Herrn Airdorf: „das ist aber doch meine Utberjengnng" veranlaßte mich, das Gespräch nunmehr abzubrechen.
Hochachtungsvoll und ergeben ft
(flej) Frhr. von Hammerstkin, Staatsminister und Minister des Innern.
Bestätigt wird durch die Zuschrift, daß der Herr Geh. Kommerzienrat grädigst geruht hat, gegen de« Herrn Minister einen wenig höflichen Ton anzuschlagen; der Kohlenkönig ist eben sehr ungnädig gestimmt gegen die Regierung, die es gewagt har, ohne seine Genehmigung fich der Forderungen der Bergarbeiter anzunehmen. Herr Kirdorf und Genoflen betrachten die Regierung offenbar bereits als Exekutioorgan der Groß- Industrie und des Großkapitals. Es wäre gut, wenn ihnen einmal unzweideutig bewie en würde, daß fie sich irren.
* Zur Vorbereitung der von der Berlimr Studentenschaft geplanten Echlllerfeier, insbesondere zur Wahl eines Festausfchuffes war eine Vertrt ter Versammlung einberufen worden, an der fast sämiliae Korporationen und die Finkenschaft leilrahmen. Man hätte erwarten müffen, daß in diesem Ausschüsse auch, wie bei anderen ähnlichen Gelegenheiten, einem Vertreter der katholischen Korporationen ein Ditz einze- räumt werden würde. Aber ein Vertreter des Vereins deutscher Studenten erklärte, wie die
„Meine lieben Freunoi!"
„Und Damen!" weinte Bachmann bwblaut.
Aergerlich ruft ihm Leiben z«: „Frau Beyer ist ur.S auch ein lieber Freund!"
„Bravo, Bravo," rufen die anderen.
„Also meine lieben Freunde! Wie ich euch schon früher mitteilte, habe ich mich schon verlobt urb will demnächst eine Ehe eingehen. Keine s ander,emäße, wie Freund Bachmann meint, aber eine bürgerliche, ehrliche, glücklich.!
„So beginnt für mich mit diesem neuen Jahr ein neues ßtben. Ich war ein Bummler, ein zerfahrener Patron, da« wißt ihr, ober nun beginnt ein solides bürgerliches Leben, und zwar von heule an, von beute, da ein neue» bürgerliches Jahr eingeht. Ja, nun kommt die Arbeit, der Ernst des Lebens an mich heran, ober ich zaudere nicht. Ein bürgerliches Iah. im vollsten Sinne des Sorte» wird es werden, und daß diese» Jahr euch und mir ein reine» ungetrübtes Glück, ein ehrliches Stück Arbeit und Geld bringe, darauf ex!"
, 8x1" Dann setzen alle, auch Frau Bcyer, die Gläser an und hinten fie bi» zur Neige leer, auch Bachmann.
Eine W-ile ist e» ganz still und ernst am Tisch, nur Ritter v. Bachmann, bit fich bei dem Gedanken, daß auch für ihn so rin gewöhnliches bürgerliches Jahr beginnen könne, ganz unbehaglich sühlt, wur« meld unwillkürlich vor fich bin:
„Ein bürgerliche» Jahr!"
Da erfaßt die an beten wieder eine ansgelc fsme Lustigkeit, die Glä'er klingen zusammen, B.yer und Lechner fingen im Takt:
„Prost! dem bürgerlichen Jahr!"
Trotzdem fich die Freunde erst gegen Mcrge« getrennt hatten, e, hob pch Freiherr v. Loiben doch schon gegen 9 Uhr von seinem Bette. Er hatte chlecht ge- schlafen und allerhand böse Träume gehabt.
.Germ/ berichtet, daß bei der Feier unseres Na- tionalfestes nicht Kreise, denen jedes Na- lionalgefühl abgehe, vertreten seindürsev, daß deshalb den katholischen Korporationen ihre Stimme im Ausschuffe zu nehmen, urb einer anderen Groppe zu übertragen sei. In diesem Sinne wurde nun auch trotz des E-nlpruches eines katholischen Mitgliedes ver- fahren; jede kleine Gruppe wissen- schaftlicher Vereine fand indem Ausschuffe Berücksichtigung, nur die katholischen Kor- poratlonen mit mehr als 200 Mitgliedern wurden ausgeschlossen. Dazu bemerkt die .Kreuzzig': „SBBenn dieser Bericht der ,Germ.' zutreffend ist, so können wir über die geschilderten Vorgänge nur unser tiefstes Bedauern ausdrücken. Wir haben zwar niemals in Abrede gestellt, daß wir mit der konfessionellen Absonderung innerhalb der Studentenschast nicht ein- turstanden sind. Aber die oben geschilderte Be- Handlung katholischer Korporationen halten wir nicht sür gerechtfertigt. Sie muß auch vom evangelischen Standpunkt aus — abgesehen von der Unduldsamkeit, die fie verrät, — als durchaus unangebracht erscheinen; denn fie kann nur eine Kräftigung der katholrfchen Korporationen zur Folge haben, indem fie alle Katholiken auf biefe als auf ihren natürlichen Sammelpunkt hlnwrist. Jedenfalls kann von einer allgemeinen akademischen Schillerfeier jetzt nicht mehr die Rede sein, man könnte höchstens von einer „nlchtkatholischen" Schillerfeier reden." Der «Reichs bote' dagegen, bet dem der Haß gegen alles Katholische jedes ruhige Urteil unmöglich macht, erklärt: „Wir halten des deutsche Haus- recht der Berliner Studentenschaft, ihre Stellung zu solchen Erscheinungen zu wahren, für unan- sichtbar." Garz andere Anficht hat aber die hier maßgebende Stelle, der Rektor der Berliner Unionsirät, Prof. Dr. Hertwig, der nun wohl beim .Reichsboten' in den Verdacht kommen wird, ein verkappter Jesuit zu sein. Wie die ,Tägl. Rundschau' meldet, har rämllch der Studentenausschuß sich auf Wunsch deS Rek- to rs der Unioerfltät in einer weiteren Versamm- lung bk reit erklärt, „nur um Seiner Magnifi zenz entgegenzukommen und die Einigkeit innerhalb der Berliner Studentenschaft zu wahren, nicht aber au8 irgendwelchen politischen Rücksichten", auch Angehörige von katholischen Kor- poratlonen In die Ausschüffe für Schiller- feierundfürdie Hochzeit des Kronprinzen zu mähten.
* Im Re schrämte deS Innern wird mit großem Elfer an zw«i Gesetzentwürfen, demjenigen auf Anerkennung der Nechtsfähigkeit der Berufs vereine und einen zwei en auf Schaffung von Arbeitskammern gearbeitet. Beide Entwürfe sollen dem Reichstage noch in der gegenwäriigen Session zvgehen und zwar wird mit der Vorlegung des oftgenannten Entwurfes schon im nächsten Monate gerechnit, während der Gesetzentwurf über die Schaffung der Arbeitskammer um Ostern dem Reichstage zugehen soll. Ueber den Inhalt dieses Entwurfes verlautet rach der ,Nat. Ztq.' daß die ArbeiiSkammern in der Richtung aus- gibaut werden sollen, wie Graf v. PosasowSky
Darum i5üi rs für rh», b't ein Langschläfer und Spätaufsteher war, noch sehr frühi
NeujahrSniorgen — der erste Tag de» neuen JohieS — dachte fr, ober die» erschien ihm weniger frier sch, al» seine eigenen Worte am gest tgen Abend fttnr da» bürgerliche Jahr, die in ihrem Ernst ihn und die anderen ein wenig ergriffe» hatten.
Heute war er wie an allen NeujahrSlage« seit seiner Kindheit zu Graf Lichtenegg zum Diner geladen. Da >r nicht mehr igtra nach Hause gehen wollte, mußte er gl,ich jetzt die entfp:echende Toilette mawen.
Seitdem er fich mit Mitzi verlobt hatte, rechnete er fich innerlich gar nicht mehr zu dies-m «reise, dem er schon früher ob seiner Anfichten und Pläne nicht recht verbunden war.
Ec überlegte, in welcher Form er Liehteneag von feinem Plan, ein arme», bürgerliche» München zu betraten, Mitteilung machen und wie er ihn wegen einer ihm zusagenden Stillung um Rat und Hilfe bitten wollte.
Da» war keine kleine Sache.
Seinem eigenen Baten hätte er e» nicht ander» sagen dürfen, w« Lichtenegg, dem warmen väterlichen Freund, dem Förderer seiner Talente und Idee«.
Aber ein Grund war vorhanden, der ihm dreie Aussprache besonders heikel erscheinen ließ: da» war der Umftorb, baß Lichtenegg eine Tochter Henriette besaß, die er besonder« gerne mit Loiben fich unter« boller sah und die er, wenn auch darüber kaum jemals eine Andeutung, ein Wort grollen war, albte Erbin vom Gut Ltchienegg bei W-e«er-Neustadt einstmals an Fritzchen» Seite zum Altar schreiten zu ftben wün^ebtf.
4 Derrn ter alte Graf schätzte den allsettigen W ssen»> und Km stdraag, der fto bi» jetzt srrilich zu zerspltttert und zu verzrit.lt bei Fritz zetgste, doppelt hoch, und er liebte brSbalb de« Sohu feine» Nachbarn v. Loiben sehr, weil er | ch d-durch vorteilhaft von je«« Aristo-
bereits in der S tzung des Reichstages vom 30 Jaruar v. I. angebeuiet hotte. @.pfant ist die Sch-.ff.ing parilätiichec Kammern nach dem Muster der eiaigungSamrlichen Institutionen mit der Aufgabe, bei Arbeitsstreitegkeiten vorbeugend und oermit!einb zu wirken, ähnlich wie dies bei den Einigungsämtern schon heute der Fall ist. Eine Erweiterung gegen diese ist insofern schon in Aus- stcht genommen, als der BerhandlungSzwang in Vorschlag gebracht werden soll, während im übrigen von Zwangsmcßnahmen, insbesondere zwingender Kraft des Schiedsspruches abgesehen werden wird. Die Tätigkeit der neuen A> belts- kammern wird stch jeooch nicht auf die Beilegung von Streitigkeiten beschränken, sondern diese werden namentlich bei sozial-wirtschaftlichen Fragen und Erhebungen zu gutachtlich,n Äußerungen heron- gezogen werden, wobei sowohl an gemeinsame Gutachten von Arbeitgebern und Arbeitern nach Doraufgegangener Einigung, sowie an die Erstattung von Separatvotrn gedacht ist, sofern sich eine Emi-unq nicht erzielen läßt
** Die Abrechnung über den Krimmit schnner Streik ist nunmehr erfolgt. Es hat herausgestellt, daß die Behauptung, der Textilarbeiter-Verband habe bei dem Streik 300,000 A verdient, nicht begründet ist, aber verd ent hat er doch 77,645 Jt. Er hätte aber in der Tat 300,000 verdient, wenn nicht ein ganzes Jahr fang (vom 19. Januar bis 31. Dezember 1904) die nicht wieder eingestellten Streikführer hätten durchgeschleppt werden müssen. Für diese wurden nach Beendigung des Streikes noch 196,006 Jh verbraucht.
Bus dem Reichstag.
189. Sitzung vom 11. Februar 1905.
Die erste Beratung der HaudelSverträgervlrd fortiesetzt.
Adg. Graf ReviNilow (wirisch. Bgg.) erklärte, seine politischen Freunde machien ihre Slellnn,nähme ,n den Anträgen von der Kommisfionrberatnng ab- tängtg. Insbesondere verlangt,n fie bestimmte Zusagen, doß die Handelsbeziehungen zu England in annehmbarer Weile geregelt würden.
«bg. Zimmermann (Antis) stellte sich den »er- trägen im großen urb ganzen freundlich gegenüber, da sie eine grundsätzliche Abkehr von den verderblichen Eaprivi'schkn Handelsverträgen bedeuteten.
«bg. Sp'ck (Z) kritist-rte die Beriräze vom !Üd> deutschen Slaudpnukle au?. ®r erklärte, seine süd> deutschen Fieunde würden die Beiträge nut da»n an- nehmen, wenn für die Anwendung deS höheren Sirpeu- zollS für alle Braugerste Garantie geleistet werde, und wenn die Interessen der Kleinmüllerei gewahrt würden. Aber auch dann würden fie die Ber träge nicht mit besonderer Freude annehmeu; denn die Jntereffen Süddeutsch land» seien nicht in dem Maße gewahrt, wie die Jntereffen deS übrigen Deutschlands
Der bayerische Finanzmintster erklärte, alle BaudeSregierungen feien der Ueberzeugnng, daß bet den Beriräzen erreicht fei, waS erreicht werben kor nie, fo daß keine Regierung der Borwurf treffen könne, Jntereffen ihres Landes vernachlässigt zu haben.
«bg. Singer (S.) ließ natürlich an den Verträgen kein gutes Haar und stellte dieselben alS eine schwere Schädigung deS Nationalvermögens und der Bolkst- Wohlfahrt hin. »r erklärte: Die Handelsverträge, die unS hier vorgelegt find, find Mißhande'kverträRe. Sie powern daS Bolk ans W gunsten einer kleinen Minder- heit und für fir gilt daS Wort vom Brotwucher. (Nu- ruhe rechts) Wir lehntn fie rundweg ab. (Beifall bet den Sozialdemokrat»«.)
traten unterschied, für die es nur Ballet. Psi^e und Renner, gab.
Da er wußte, daß der Gras den Varmittag bis zum Diner, da» um 2 Uhr serviert wurde, stet» zu Hause irr fernem Arbeitszimmer verbrachte, fo begab er fich um 1 Uhr hinaus zum kleinen Palat» Lichten- egg, da» im feinsten Viertel der Landstraße stand, in der Htffsung, ihn vor dem Diner rlleln onzuteefsiit urb bleiern gleich reinen Wein einzuschänken. Denn e» wäre Fritz entsetzlich gewesen, den ganzen Nachmittag diesem herrlichen Menschen gegenüber zu fitzen und fich heiter, hrrmlo» und lustig zeigen zu muffe«, indes ihn im Innern allerlei böse Gedanken quälten. _ „ .
Und bann wäre es auch der Komtesse Rietta, ber einzigen zwanzigjährigen Tochter LichteneggS, ausgefallen, daß Loiben, sonst ein heiterer lustiger Gesellschafter, heute fo ganz ander» al» sonst wäre. Da» süichtete er besonders. Denn er war freundschaftlich gesinnt und fie hegte große Sympathie für ihn.
Wie vsi hatte fie rhrn gesagt:
„Nach so einem Abend, wo einem zwanzig Leutnante und Sporileute von ihren Pferden und Rennen erzählt haben, bist du, Fritz, die beste Medizin!"
Loiben fiand mir ber ganzen Familie Lichtenegg seit Kindheit an oui dem Duz uhe, nub schon da» bracht» die beben jungen Leute in ungezwungenem heiteren Tone näher uno näher.
A S Fritz die kill'ge! zog, d'e von der Sittertür deS Vorgartens zur P Srtnerwohnnng führte, war e» ihm einen Mrment unbehaglich zu Mute, al» aber der Portier erschien und dem „Herrn Baron" »«ter ergebensten Neujahr»« ünschen die Tür öffnete und ihn verficherte, der Herr Gras fri in seinem Arbeitszimmer, war er bereis stob, fich zu diesem Besuch vor dem Diner entschltssen zu haben.
(Fortsetzung folgt.)