Maer M Zeitung
rooAünteöM«: .Jnnttrierie SomttaasieiW Momtibellage: „8uldaer EefchichtrblAter".
Jahrgang.
Fulda, Samstag, dm 11. Febmar 1905.
M 34
d« Seen* gubSelertage. viertel- «Lrl.ve;«S5preis ^nt vringerlohn und Ä'Ät
Veronttvertlich« KchriftleiteriZos.vcm» 3. K'IÄm. wochmbkUage: „Illustrierte Sonntagszeitung
hebliche Ruhestörungen durchgeführt haben. Dar ist großartig, bewunderungswert. Und wie wurde dar hal^e Wunder möglich? Nur durch die Parole: Fort mtt der EchnapSflaschet Hinweg mit dem Alkohol der ist euer schlimm« ster Feind! Das war ein rettendes Wort zur rechten Zeit! Hätte diese Parole nicht gezündet, so würden wir ein Ende mit Schrecken erlebt habe». (Unberufen! faat der abergläubische Berliner. Wir wollen hoffen, daß bei dem Abschluß der Streiks die Mäßigtest gewahrt bleibt und die Einigkeit auch.)
Nun könnte dem ganzen deutschen Volke kein größeres Heil widerfahren, als wenn wir alle, und zwar dauernd zu der Erkenntnis gelangten, daß es nur eine heilsame Sorte von Alkohol gibt, nämlich denjenigen, der nicht getrunken wstd, also seinen Beruf verfehlt. Wie viel glücklicher würde unser Leben sein, wen« wir mehr Wasser und weniger Schnaps, Bier oder Wein tränken!
Ich will kein neues Mäßigkeitsbuch schreibe«, sondern nur einen Rippenstoß geben. Ich glaube gern, daß du kein Säufer bist, lieb« Leser, und ich will dir auch ein gelegentliche- Schlückchen Wein und eine» gelegentlichen Schluck Bier gern gönnen. Nber überlege dir doch mal, ob er nicht vorteilhafter für den Leib, den Geist und den Geldbeutel wäre, wenn du mal ei« Gläschen weniger tränkest.
Probieren geht über studiere». Mach' «al einen Versuch, zunächst auf 4 Wochen oder wenigstens 14 Tage. Du wirst sehen, eS geht ohne Schnaps und mit der Hälfte von Bier und Wein nicht blos ebenso gut, sondern noch bester. Du wirst dich wohler und vergnügt« füdlen.
Dar Geld, was du dabei ersparst, ist nicht die Hauptsache. Aber wenn du einen Prozentsatz davon als Prosiston für den guten Rat ab- geben wolltest, so schicke den Betrag an Herr« Pfarrer Deitmer in Steglitz für den Zehle«- dorfer Kirchenbau, die Wohltätigkeit darf nicht streiken.__________________________'
Lin bürgerliches Jahr.
Novelle von Earl Konti Scapinelli.
2 ------(Nachdruck verboten.)
I, solch » Gedanken vertieft, schritt er langsam Aber die Josephstädterstraße dem Rmg zu. Der kalte Nordwind schnitt ihm i«8 Gesicht. Bo» den meisten Lokale» drangen fröhliche laute Stimmen auf die Straße, die wie ausgestorben erschien. De Trambahn, die Omnibuswagen, die vorbeisuhren, waren ’etr, die Fiakerkuticher an den Ständen tranken aus Gläser» heiße», schwarzen Koffer und freuten sich aus das Grschäst, da- fie heute Nacht noch machen würde». Aßmütig schaufelten die Straßenkehrer den Schnee l-iseite, der von de» Räder» der Wage» fchmutzig u ld beatm geworden war.
Bor fich sah Fritz in langem Faden hellerleuchtet d e Ringstraße liege», zu feiner Rechte» da« Parla- M-atSgedäude, zu feiner Linken den RathauSpark.
Eine» Augenblick blieb er wie in Gedanke» stehen, va»m dog er entschloss« nach links und schritt die Ringstraße entlang. Er mußte bis jetzt langsam dahingegangen sei», denn eben schlug es schon halb 11 Uhr.
Ra, jetzt werden fie olle schon zusammmen fitzen «nd feierlich die Mitternacht erwarten wolle» I" sagte er und trat in daS vordere Lokal feine» Stamm« restamant» ein, durchschritt dasselbe tast bi» zum Ende, wo fich hinter einer Holzwand der Stammtisch befand, an bew er nun über drei Jahr« fast alle Abende ge- srffe», getrunken und gelacht!
O — endlich — Servu» ßoiben l“ brüllte der dicke? trinkfeste Miniperialbeam e Lech»er.
„Grüß' Dich, guten Tag, eigentlich — Nacht I« »eiste Ritter v Bachmann, Bezirk-kommiffSr bei der nieder österreichischen Sratchalterei in ftintm näselnden, faben Talmi-Aristokratentattsch.
UnpolifiFdie Zeitläufe.
(Nachdruck verboten.)
® Derslin, den 9. Februar 1905.
DaS Ende deS BergarbeiterfireikS ist heute beschloss« worden. DaS können wir auch a« dieser Stelle mit unpolitischer Freude begrüßen. Dm» der Streik ist eine schwere Heimsuchung, auch der teste und schönste. Ebenso wie der blutige Krieg legt er nicht bloS de» streitenden Parteien schwere Opfer auf, so"dern auch den Neutralen. Wir find allzumal Glieder eines großen Staats- und Volkskörpers; wenn der rechte Arm und der linke Arm aufeinander losschlage», so leiden alle Glieder, der ganze Körper. Der Streik ist auch ein Strick, ein Fallstrick für manche Tugend und manches Glück. Müßiggang gilt schon in gewöhnlichen Zeiten als aller Laster Anfang; der verabredete Müßig- gang unter steter Aufregung der Nerven ist erst recht gefährlich. Und dann hat der Streik noch die schlimme Eigenschaft, daß das nachkommende Ende immer dicker und dicker wird. Erst ist er eine ftischsröhliche Probe des Mutes; dann wird er zur Geduldsprobe; schließlich zur Hungerprobe. Wenn die Sache so weit gedeiht, daß da« tägliche Brot auf dem Familien- tische knapp und knapper wird, dann lacht fich der Teufel inS Fäustchen. DaS freiwillige Fasten ist ein Tugendmittel, aber daS unfrei- willige Fasten treibt den Menschen leicht zu Dummheiten und Freveln. Wenn der Magen schief hängt, so wird auch das Denken schief, und wenn der Magen schlapp wird, so wirb auch daS Gewiffen schlapp. Aerger, Wut und Verzweiflung können auch Leute, die sonst brav find, auf die tollsten Wege treiben. Darum bin ich herzlich froh, daß dieser Streik von 200000 Leuten nicht bis auf die Nagelprobe des Mangels getrieben worden ist.
Nu», wenn der Streik so gefährlich ist, warn« ist er denn bei christlichen und gebildeten Völkern noch im Schwange? Der blutige Krieg ist ja auch »och im Schwange, obschon der systematische Massenmord gewiß aller Menschlich, fett Hohn spricht, vom fünften Gebot gar nicht zu rede«. ES find liebel, die vorläufig noch für notwendig gelten und tatsächlich unvermeidlich find. Die Menschheit muß erst allmählich und mühselig auf eine höhere Stufe der Sittlichkeit und Rultut hinaufklettern, biS fie lernt, alle nationalen oder wirtschaftlichen od'.r sozialen Streitigkeiten auf dem friedlichen Wege des Schiedsspruchs und des Ausgleichs zu sichern. BiS dahin können alle Vernunftsgründe und Grundsätze nicht durchgreifend Helsen. Das Volk, daS fich in seiner nationalen Ehre oder seinen Jntereffen verletzt glaubt, stürzt fich in den Krieg, und eine Arbeiterschaft, die fich in ihren Arbeitsverhältniffen bedrückt glaubt, stürzt
Römifdier Wochenbrief.
[:] Rom, 9. Februar 1906.
Am Tage Mariä Lichtmeß fand im Thronsaale desVattkans die übliche Ueberreichung der Kerzen an den hl.'Vater durch die Generäle der Orden, die Vorstände der Bafilike« und Kirchen, die Rektoren der Kollegien und Seminare, die Vertreter des Maltheser - Ordens, die Oberen der Bruderschaften rc. statt. Irgend welche Ansprachen wurden bei dieser Gelegenheit nicht gehalten. — Am Todestage Pius H (7. Februar) fand an seinem Grabe in derjLorenz- Basilika eine liturgische Funktion statt, welch« eine große Menschenmenge beiwohnte.
Papst Pius X. sandte ein Breve an die Veranstalter des internationalen gregorianischen Kongresses, welcher im kommende« Monat August in Straßburg abgehalten werden soll. Ter hl. Vater sagt in demselben, daß « fich sehr freuen werde, wenn dieser Kongreß daz« hundert entspringt! Lustig, fröhlich, heiter wollen wir fein 1" begann Bayer. ;„Jch bin nur um ein Jahr älter als Laiben, ich habe, wie er, ein arme» Mädchen heimgesfihrt, bin glücklich — gelt, Nina — m* darbe nicht, und wahrlich, der Beruf de» Schriftstellers, des um Brot arbeitenden BerufSscbriftsttllerS, ist auch kein leichter. Laiben wird uns allen zeigen, war er kann und will!"
Laiben lächette.
„Bayer, spar' dir deine Rede für Puntt zwölf!" meinte et scherzhaft.
„Es ist nicht mehr solange bi» dahin. Höchsten» sünfundzwanzig Minuten!" konstatierte Fran Bah«.
„Bitte, noch zweiunddreißig/ brüllte Lechner^^ „Ist doch gleich!' näselte Bachmann und ftd* fich nervös feine f-udalen Backenbärtche», die er, gleich feinem obersten Chef, dem Statthalter, ttug und vm» denen Lechner baddast behauptete, fie wären der Grmrd z» seiner gnt-n Earriere.
Nun wird Laiben von Fran Bayer ganz mit Beschlag belegt, fie will toifien, wie seine Braut attib ficht, wie er fie kennen gelernt, ob er mit seiner zukünftigen Schwiegermutter aut komme, wann er heirat« wolle und so fort.
Und auf alle» antwortet Laiben ftevdig und fr em* lich, tat ihm doch da« Jntereffe, welche» diese junge glückliche Fran seinem stillen, ernsten jungen Glück entgegenbringt, herzlich wohl.
Bald, sobald el möglich, will er heirate», erzählt er. U"d dann will er arbeiten — ganz gleich was, was fich findet, er wird schon Last d .zn bekomm«. Er kennt die Arbeit noch zn wenig. Stolz wird er fein, fich und feiner Frau eine Existenz an» eigen« Kraft aufbauen zu können.
Mit frtubigem Staunen hört Frau Bayer ml Sie kennt ja ßoiben feit vier bi» fünf Jahr«, seitdem fie fich mit chrem Manne verlobt, aber niem«» hätte fie ihm diele Gefühl-Wärme, diese tiefe Siebe, die an» seinen Worten sprach, zugetraut.
(Fortsetzung folgt.)
fich in den Ausstand, wenn die Unzufriedenheit, mag fie natürlich erwachsen oder von Hetzern geschürt fein, eine gereifte Spannung überschreitet. Man muß mit den Tatsachen rechnen, auch wenn fie einem nicht gefallen. Wo man kS noch nicht zu reinem Wasser gebracht hat, da wird halt mit unreinem gekocht.
Im vorliegenden Falle hat nun die Regierung einen VermittelurgSversuch gemacht, aber freilich erst nach AuSbruch des Kampfes. DaS ist ja überhaupt daS fatale Verhängnis für die Vermittler, daß fie gewöhnlich zu spät kommen. DaS steht man ja auch an den kleinen Zwistigkeiten im Privatleben. Erst wenn es zum auf- fälligen Zank und Haß, zur Prügelei oder zum Prozeß kommt, pflegen gute Freunde einzugreifen, und dann ist meistens nicht mehr viel zu rett«. Gerade wie bei einem Brande müßte man die Feuerwehr mit ihren kalten Strahlen rufen, wenn die ersten Fünkchen aufzüngeln, nicht erst bei Aufflammung des Dachstuhles.
AlS Vermittler konnte die Regierung nichts machen, reell der Verein der Zechenbesttzer fich rückfichtSloS und unbedingt ablehnend verhielt, überhaupt nicht verhandeln wollte. Da hat nun die Regierung fich zum Schiedsrichter ernannt und beschlossen, die wichtigsten Streitfragen durch Gesetz zum Auftrag zu bringen. Tatsächlich hat dieses Versprechen eines Rrformgesetzes den Ausschlag gegeben für die Beendigung des Streiks. Da erhebt sich »un die Frage: Warum hat die Regierung diese Reformen nicht schon damals versprochen, als der Streik noch nicht auSgebrschen war, sondern nur erst drohte? Hätte nicht damals ein gesetzgeberisches Eingreifen die Gemüter so weit beschwichtigen könne», daß die Arbeiter auf die schwere Kraftprobe verzichtet hätten? — Gewiß; waS jetzt den Streik zu beendigen vermochte, würde fie auch zu verhüten vermocht haben. Aber es fehlte damals noch die richtiae Erkenntnis do» der Dringlichkeit und Notwendigkeit der Reformen, eS fehlte noch der Antrieb für die gesetzgeberische Tatkraft. Erst als die Arbeiter bitteren Ernst gemacht hatten und daS Gtreikfchwert aus der Scheide gezogen, da ging der Regierung ein Licht auf und fie sagte fich: Die Leute fühlen fich wirklich beschwert, es muß etwas geschehen, um fie zufrieden zu stellen! Dieser Mangel an rechtzeitigem Verständnis und rechtzeitigem Entschluß zur Abhilfe ist in der Regel schuld daran, daß die Welt auS ben (blutigen oder unblutigen! Kämpfen noch nicht herausgekommen ist. Die Russen z. B. haben in Hinterafien frisch und frech darauf loS er- obert, ohne auf den Widerspruch der Japaner zu achten; fie hatten fein Verständnis und keine« Respekt für die Stimmungen und Ansprüche des kleinen Nachbarvolkes. Sie dachten gar nicht, daß Japan entschlossen und fähig fei, um Korea und die Mandschurei einen Krieg zu führen. Erst die schreckliche Tat des LosschlagrnS konnte den Russen ben Staat stechen. Nun wünscht das ganze rusfifche Volk nichts sehnlicher, als daß man den Japanern überlassen möchte, was fie vor dem Kriege verlangt habe«. Aber j-tzt kann
ßotben begrüßte alle, besonder» ben Schriftsteller Bayer, ber heute mit feiner jungen Frau in biefem JmigaesellenkreiS ben Sylvester abend verbrachte.
„Zuh-ufe schaut so ein Abend gar so verheiratet auS", meinte er, „da hab' ich benn meine Frau aufgepackt unb mitgenommen."
ßoiben nahm neben ber jungen Frau Bayer Platz, bie trotz ihrer Jugend schon drei Buben thr eigen nannte, zu feiner Linken saß Bachmann.
„Die gnädige Fran hat mich eben zur Ehe bekehren wollen," näselte er, „bin auch schon halb be- k'hri, nur suche ich noch da» richtige Objett — Geld, Name, Titel!"
„tirb so fort!" meinte Selben ironisch.
„Ja, Ritter v. Bachmann verlangt ein bischen viel, ' meinte Fran Bayer. „Stnb Sie auch so an» spruchrvoll, Herr Baron?"
„O nein, o nein — im Gegenteil l" sagte et in zerstreutem, gleichgilttgem Ton. Und bann fuhr er fort: „ES gehört ja nur ein» zum Heiraten, nicht wahr, Boyer — nicht wahr, gnädige Fea», nur Mut. Wiffen Sie, meine Herrschaften, ich glaube, daß barnt olle» gut geht, baß man bann alle» erreicht, Warnau will — ja auch ba», wa» man fich nur so träumt!"
Der dicke Lechner tat einen großen Schluck an» einem Bierkrügel unb grinste bann unverschämt.
„Hermann, wa» grinst Du benn?'' fragte Selben.
„Stil Du ideal wirst; na ja, wen» man Sylvesterabend erst um halb elf in ein Restaurant und zu einem Trunk kommt, bann ist man immer ideal!" meinte Lechner.
„Ich werde doch noch komm« könne», wann ich will! ' antwortete ßoiben gereizt.
„Aber natürlich, natürlich l“ begütigte ßechner. „ßoiben war vielleicht in einer Familie eingeladen, nichr wahr?" näielte Bachmann.
„Nicht wahr? Nicht wahr?" spottete Lechner.
„Ist doch gleich, wo ich war, in einer Familie, bei Verwandt«, bei einer alt« ober jungen Dame —
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man nicht zum Frieden gelange«, weil der Ehren- punkt dazwischen gekommen ist.
Daraus kann man fich für den Pnoatoer- kehr eine heilsame Lehre ziehen. Wenn fich »wischen dir und einem Mitmenschen eine Spannung bilden will, so gib dir Mühe, den anderen Teil zu v e r st e h e u Verbeiße dich' nicht in deinen eigenen Gedankengang, der von Eigennutz und Gigenfinn besang« ist, sondern versetze dich in Gedanken an seine Stelle. Mache dir klar, daß der Mann von seinem Standpunkt auS die Sache so und so auftaßt, daß er gereifte Jntereffen hat, die ihn zum Widerspruch und Widerstand veranlaften müssen. Meistens wirst du finden, daß er nichts« ganz unrecht hat und wenigstens nicht so ganz bösartig denkt und handelt. Mit diesem Erkenntnis ist schon dem friedlichen Ausgleich die Bahn geebnet. Da findest du bei einigem Suchen leicht die mittlere Linie, auf der ihr euch verständigen könnt, ohne daß er erst zu einer Kraftprobe und zu einem ärgerlichen Kampfe kommt. DaS alte Sprichwort sagt ja schon: Ein magerer Vergleich ist besser, als ein fetter Prozeß, und daS gilt auch von ben Streitigkeiten, die nicht vor'S Gericht kommen. Die Hauptsache ist, daß man rechtzeitig die Mittellinie sucht unb findet, ehe die Gemüter erbittert und die Schwerter blank gezogen find.
Sollte diese Erstickung im Keime verpaßt sein, dann lehrt dich daS gute Beispiel der Streikführer, daß auch im Laufe des Streites die vernünftige Nachgiebigkeit ehrenhaft und klug ist. Wer nachgibt, wo die Umstände dazu raten, der ist nicht bloß der klügste, sondern auch der tapferste; denn das eigensinnige AuSharren bis zum Aeußersten, ohne Rücksicht auf das Mißverhältnis zwischen den großen Schäden und den kleinen denkbaren Vorteilen ist nicht männlich, sondern kindisch.
Jedenfalls tun wir alle gut, wenn wir nicht bloß über politische oder soziale Schiedsgerichte kannegießern, sondern die Friedensfrage so zu sagen am eigenen Leibe zu lösen suchen. Vertrage dich, zunächst mit deinen Verwandt« und Freund«, dann auch mit allen andern Mitmenschen, mit denen du zu tun hast. Ver-träg- tchkeit von anderne beanspruchen ist leicht; aber selber Verträglichkeit üben, daS ist eine Kunst und Tug«d. Nebenbei ist es profitabler; denn Aerger und Unfrieden find wahrlich keine Quelle Häusliben Glückes.
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Vermutlich gibt es unter den Lesern manche, die auch ihre ArbeitS- und ErreerbSverhältnifse sehr gern aufbeffern möchte», aber ohne Streik. Schön, wir können allzumal von ein er Errungen- schäft des BergarbeiterstreikS mit profitier«. Diese Errungenschaft wird freilich in keinem Gesetz und ketnem Vertrag einen Platz finden; aber vielleicht wird fie für das Auskommen und das Glück der Familien vorteilhafter fein, als die andern Errungenschaften. Ich meine die Entwöhnung vom Alkohol.
Wahrlich, die Arbeiter können stolz darauf sein, daß fie ein« solchen Massenstreik ohne et- ober bet meiner Braut. Seht niemanben wa» an I* stieß ßoiben nervös hervor.
„Bel Ihrer Braut, bei Ihrer Braut! Da» Letzte wirb ba» Richtige fein!" triumphierte bie junge Frau Bayer.
„Bravo, ßoiben hat eine »raut!" rief fie ben anderen zu.
„Ah, da» sagt er nur so, ba» ist ein bummer Witz!" meinten diese.
Aber al» fie ihn ansahen, merv« fie, daß er ernst und bleich war. Er erhob fich von seinem Stuhl. Mit fester Stimme sagte er:
„Ja, meine Herrschaft«, ich habe eine Brant — Mitzi Achrer, bie Tochter de» Gerlchtsftkretär», ist meine «erlebte!“
Alle sah« ihn groß unb erstaunt an.
Er aber hielt noch sein Weinglas in der Hand. „So — stoßt — doch — mit mir an, Kinder 1" tief er fiberlaut, mit verlegener, vor Aufregung zitternder Stimmt. Da legte fich erst für einen Moment dastaunende Schweigen feiner Umgebung.
„P ost euch beiden, daß e» euch ebensogut gehe wie un»!" sagte Frau Bayer herzlich und warm.
„Prost", rief Lechner, „Prost, kommst also doch noch au» dem Sump heraus, in dem ich wate."
Zögernd näherte fich Bachmann dem Baron.
„Aho, Pardon, du verzeihst — aber natürlich von Herz« kann ich Dir nicht gratuliere», denn da» Mäbel kann doch kein Geld hab«!""
„DaS wird wohl meine Sacke fein. Du magst h-irat«, «en du willst — und ich tue dasselbe I“ tagte er barsch
„Du brauchst mich nicht gleich mißznverfieheu", stotterte Bachmann.
„Ich kenn' dich zu genau, Bachmann, unb brum versteh' ich auch, was du unb wie bn ba» meinst!“ antwortete ßotben noch immer in erregtem Ton.
„Aber, meine Herr«, was soll benn baS heiß«, heute abrob fich hier zu zank«, heule, da uns ßnben feine Verlobung mitteilt, heute, ba ba» neue Jahr-