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32. Jahrgang.

Fulda, Samstag, den 11. Febmar 1905.

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umfasst lElsenconstructioe Maschineebie um Elektrotechnik.

Streit über Phrasen einzulaffen, deren Ginn fte offenbar selbst nicht verstanden haben, fällt uns nicht ein. Wer find denn diese großenjGelehrten, die sich berufen fühlen, die Freiheit der Wissen» chaft gegen die katholische Kirche zu verteidigen? ! bekanntlich haben die Studierenden der technischen Hochschule zu einem großen Teile nicht einmal as Abiturientenexomen gemacht, und mit Wissen» chaft in höheren Ginne haben die technischen Hochschulen herzlich wenig zu tun.

Wir hoffen, daß die akademischen und staat« ichen Behörden sich durch das Geschrei unreifer, erhetzter Leute und ihrer Hintermänner nicht rre machen und einschüchtern lassen, sondern die akademische Freiheit ganz entschieden gegen sie n Gchutz nehmen werden. Die Herrchen werden ich schon fügen, wenn man ihnen nur zeigt, daß man sich nicht von ihnen auf der Nase tanzen zu lassen willens ist.

8 Die „hellen" Herrchen scheinen zu glauben, die katholischen Sludeatenkorporationen würden erst ganz neuerdings gegründet und die Stuben, ten werden von der Kirche gezwungen, ihnen beizutreten. Wer sich so unterrichtet zetgt, bü dem nimmt einem auch der GalltmathiaS nicht wunder, der da über Freiheit der Wissenschaft und katholische Kirche nach evangelischem Bundes» Muster produziert wird. Uni mit den Herren in einen

§ Mini» die „«didmische jnW".

In SöMngen hat der Prorektor der Unioer» sttät sich geweigert, die unter der Studentenschaft gesammelten Protestlisten gegen die Verhaftung Gorkis an die „Zentralstelle" abzusenden. Darüber herrscht große Eatrüstäng in liberalen Blätter»,

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vermischter.

* Die Desertionen von EchiffNmnnnschnften bet HaudelSmartue bilden für die Reedereien aller Länder und nicht minder für die ,ur Desertion oe» leiteten Seeleute und Schiffeangestellten eine ständige Kalamität. ES ist daher mit Freuds zu be,rüßen, wenn in den Jahresberichten der Heuerstellen von einer Abnahme der Desertionen berichtet werden kann, wie das beispielsweise in der letzterfchienenen Nachweisunfl deS HeuerbureauS der Hambu-g-Amertka-Linie geschieht. Die Desertion von SchlffSleuten dieser Gesellschaft haben im vergangenen Jahre 1904 sogar einen sehr beträchtlichen Rückgang gezeigt. Im Ausland« deser­tierten 956 (1908: 1353), in Hamburg 175 (270) Mann, im ganzen also 1131 <1623). Zu den Deserteuren teilten die Heizer und Trimmer (445) wie gewöhnlich daS größte Kontino ent. Doch stellt auch daS Deck­personal mit 110 Matrosen, 56 Leichtmatrosen und 86 Jungen hohe Zahlen. Unter den Häfen der Desertion tehe» die amerikanischen: New-Hark mit 706 Fällen. Baltimore mit 25, Philadelphia mit 80 obenan. Nach der Jahreszeit zeigen die Sommer- und Herbstmonate ein beträchtliches «nschwellen der Zahlen. Im Mat liefe« 178, im Juni 161, im September 107 Leute weg, im Januar nur 37 und im Dezember 46.

* Stoßseufzer. Dichter (als da» Schauspielhaus vm zwanzigNotauSgänge vermehrt wird): „Empörend! I tzt mag ein andrer Stücke schreiben l"

englische Flotte sei so auSgestattet worden, daß fie der Gefahr von dieser Seite trotzen könne. Wenn e» zu einer Kriegserklärung kommen sollte, würde die englische Flotte den ersten Schlag führen, ehe man aus der anderen Seite Züt gehabt hätte, die Kriegs­erklärung in den Blättern zu lesen. Da» richtet fich geisello» .gegen Deutschland. Wa» soll diese ohunz? Welcher Anlaß liegt dafür vor? Man kommt immer wieder auf den Verdacht, daß die Herren Engländer allen Ernste» daran denken, Deutsch- land den Ausbau seiner Flotte zu verbieten und wenn e» nicht gehorcht, über diese Flotte herzusallen und fie zu zerstören. Hinterher hat Herr Lee iw .Standard' und in einer neuen Rede seine Worte allerdings ab­geschwächt. Die Presse soll fie unrichtig wiedergegeben haben. Nun, der Herr war entgleist und hat ringe sehen, daß er einen Fehler gemacht hatte. Gesprochen hat er die bestrittenen Worte zweifellos. Sie verraten uns aufs neue, welche Gefinnung man in England gegen uns hegt.

In Oesterreich arbeitet das Abgeordnetenhaus einstweilen recht flott. Die Notstand-Vorlage ist be­reit» angenommen worden

In Ungarn hat der Wahlfieg der Koffuch-Par- tei, die für fich allein mehr Mandate errang, al» die liberalen RegierungSp-rteie-i, die Lage heillos verwirrt. Ein auS dieser Partei, die den Ausgleich von 1867 nicht anerkennt, sondern Ungarn von Oesterreich lcS- reißen will, heroorgegangene» Ministerium ist unmög­lich. Wie Ö sterreich Ungarn auS diesen Wirren ohne schweren Schaden herauSkommen soll, weiß der Hiwrrrel.

In Frankreich hat fich ttotz aller Berfiche- rungen deS neuen Kabinetts, da» Programm von Eomb-S werde beibehalten und die Politik de» Blvcks fortgeführt werden, eine Spaltung im Block vollzogen. Die demokratische Bereiniguttg wählte einen entschie­denen Widersacher von CombeS zum Borfitzenden, wa» die Minderheit von 28 Abgeordneten zum «»»tritt veranlaßte. Cowbe» hat den Borfitz der radikalen Linken de» Senate» übernommen und droht Rouvier mit dem Kampfe der Republikaner, fall» er den Kul­turkampf richt sortsetze.

In Rubland ist nach amtlicher Berficherang „alle» ruhig". In der Tat scheint die drohende Revolution einstweilen niedergeschlagen zu sein, wenn auch die ÄüSstandrbewegung im Lande noch immer an­wächst und Ausschreitungen und blutige Zwischenfälle dabei vorkommen. Nachttäglich hat fich der Zar ver» anlaßt gesehen, Arbeiterabordnungen zu empfangen. Hätten er und seine Ratgeber fich rechtzeitig dazu b-a iemt und einige» Verständnis für die Lage gezeigt, so würde fich da» Blutvergießen wahrscheinlich habe vermeiden lassen. Die Ansprache, die der Zar den Arbeitern hielt und die ihnen bann gedruckt übergeben wurde, zur Verteilung an die Kameraden, kann nicht al» übermäßig geschickt gelten. E» war in der Haupt­sache eine scharfe Strafpredigt wegen der von den Arbeitern mit der großen Kundgebung begangenen „Freveltat", die der Zar ihnen großmütig „verzeiht". Alle» Unrecht soll auf Seiten der Arbeiter gewesen sein u. s w. In Odessa wurde auf den Polizeichef Golowin von einem gewissen Abraham Stilmann ein Anschlag verübt; er erhielt einen Schaß in da» Schulter­blatt. Die Hochfchulkurse in Od-ffa wurden wegen der Unruhe aef«Hoffen. Ebenso wurde im Warschauer Bezirk der Schulunterricht eingesttllt. In Helfingsor» wurde der SenatsprokuratorJohr flau in seiner Wohnung erschossen. E» scheint fich um ein politische» Verbrechen zu handeln.

Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplätze ist nach der fünftägigen Schlacht bei Sandepu (die Japaner fassen die Kämpfe unter dem Namen der Schlacht bei Heikutei zusammen), die mit einem völligen Feh« schlage der Flankenbewegung endete und den Russen einen Verlust von 10000 Mann gebracht haben soll, nicht die in den letzten Monaten übliche Ruhe wieder eingetreten. Russen und Japaner zeigten fich gleich unternehmungslustig und kämpfte« um einzelne Dörfer und Stellungen. Zu großen Untn» aehmunge« dürfte e» indeß in nächster Zett nicht wieder kommen. DaS wird schon der mandschurische Winter verbieten. Angeblich wäre die mißglückte Offensive KuropatkinS auf einen Befehl au» Peters­burg zurückzuführen, wo man mit einer Siegesnachricht fich der inneren Schwierigkeiten erw hr-n wollte. Kuropatkta selbst soll kein Berttauen auf den Erfolg gehabt haben. _

In Südwestafrika griffen am 27. Januar etwa 100 Hottentotten eine auf dem Marsche von Windhuk nach Kalkfonkein mit einem ViehtranSport befindliche Artillerieabteilung an. Sie wurden ge­schlagen. Am selb-n Tage wurde bei UrikmibiS einige Reiter, die einen Berpfl-gungSwaien begleiteten, von 20 Hottentotten angegriffen. Solche Angriffe zeigen jedenfalls, daß die Hottentotten noch recht unter» nehmnngSfähig find. ,

In Argentinien hat e» mal wieder eine Revolution gegeben, die von Rosario ausgegangen zu fein scheint und auch an der Hauptstadt Buenos Stte» n:cht vorüber ging. Der Putsch ist indes miß­glückt. Der Regierung blieb eben, nachdem in ver­schiedenen Zusammenstöße eine Anzahl Personen ge­tötet oder verwundet worden war. Jetzt soll die Ruk so ziemlich wiedethergestellt sein.

bte den unsäglich törichten Gorki-Rummel mitge» macht haben. Sie spektakeln über den „Russen- kurs" und möchten die Etudenlen zum Rebel- Uten und zum Protest aufrufen, weil, die „aka­demische Freiheit" wieder einmal gefährdet ist. Sehr vernünftig meint dagegen ein „unabhän- qiges" Blatt, die Studenten in Göttingen sollten dem Rektor dankbar sein, daß er fie vor einer Dummheit bewahrt habe, mit der fie unter den deutschen Studenten allein stünden. Es wird da» bekannte Wort Blsmsr(ES zittert: „Die Neigung, fich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Kosten deS eigenen Vaterlandes verwirk! cht werden können, ist eine politisch! Kcankheitsform, deren geographische Verbreitung fich auch auf Deutschland leider be­schränk."

Dasselbe Blatt aber schürt nach Leibeskräften, wenn die Techniker in Hannover, Charlottenburg usw. mit unerhörter Dreistigkeit gegen die aka­demischen Behörden rebellieren, weil dUse die Lmmtschung in den Nationalitätenhader Oester­reichs nicht gestatten und die kacholischen Korpo­rationen nicht verbieten wollen. Da heißt eS nicht: Die jungen Herren machen Dummheiten und sollten froh sein, daß fie daran verhindert werden, sondern: DU akademische Freiheit wird angetastet. Nun, allem Anschein nach werden fich die vom Evangelischen Bunde verhetzten Heißsporne ja schließlich wohl fügen müssen. Wenn fie mit einem Maffen-Exodus von den Hochschulen drohen, wo man fie nicht nach ihrem Sinne die akademische Freiheit mißhandeln lassen will, so wird man diese Drohung wohl nicht allzu ernst zu nehmen haben. Nötigensalls würde eS ja auch Mittel geben, den Uebermut zu bändigen. Die Protestler, die mit ihrer Namensunterschrist Schriftstücke mit schweren Beleidigungen an Rektor und Senat richten, würden z. B. sehr bald zahm werden, wenn man hnen erklärte, fie würden in Preußen zu keinem 8xamen und zu keiner Etaatsstelle zugelassen werden. , ,

Mit Recht nehmen die Behörden die fungen Herren jedoch nicht allzu ernst und tragisch, son­dern haben Nachsicht mit ihrer jugendlichen Un­erfahrenheit. So scheint denn in Hannover be­reits die Drohung mit einer DiSziplinarunter- uchung die beleidigungswütigen Rebellen einiger­maßen zur Vernunft gebracht zu haben. Mü- leidige Rücksichtnahme auf ihr kindliches Selbst- lewußtsein ist eS wohl, wenn Ministerialdirektor Althoff in der „protokollarischen Eröffnung" ihnen feierlich versichert, daß die „akademische Freiheit" nicht angetastet werden solle. Wird roch milde angenommen, daß fie fich der Be» lridigung gegen R-kwr und Senat nicht bewußt gewesen sei. Man darf daraus schließen, daß fie auch verschiedenes andere „unbewußt" getan haben. In der Sache gibt die „Eröffnung" vernünftigerweise durchaus nicht nach Vielmehr wird den jungen Herren „eröffnet", daß sie zur Einmischung in die österreichischen Verhältnisse nicht befugt feien und daß die konfesfionellen Verbindungen zweifellos rechtlich erlaubt feien.

Während sich die Herren Techniker nun an­schicken, sich ins unvermeidliche zu fügen, find außerpreußische Kommilitonen wieder an der Arbeit, fie in der Rebellion zu bestärken und zu neuen Dummheiten zu verleiten. Heidelberger Studenten — natürlich „die Heidelberger Stu- dentenschast" — beschlossen eine Sympathie, kundgebung für die Hannover'schen Techniker „in ihrem Kampfe gegen die behördlichen Versuche, die akademische Frethett in Fesseln zu legen . Eine ganz besonders saftige Kundgebung kommt ans Sachsen, dem Lande, wo die protestantische Unduldsamkeit ihre festeste Burg hat. Stu- dierende der Technischen Hochschule in Dresden erklären kategorisch, die konfesfionellen Korpora- timten seien nicht «tistenzberechtigt. -In der Gründung solcher Korporationen sehen diese Leute „ein Bestreben der katholischen Kirche, die bisher frei und unabhängig dastehende Studenten- schäft in ihre Abhängigkeit Hineinzuzwänge» und fie zu Sklaven ihrer Bestrebungen zu machen ; dies steht im direkten Gegensatz zur akademischen F«i- heft, während diese eS einem jeden Studenten er­möglichen, frei und unbeeinflußt fich aus allen Gebieten der Wissenschaft durchzubilden und zu betätigen, gehe die Bestrebung der katholischen Kirche dahin, die Wissenschaft ihrer Lehre unter-

kiterariidies.

[] Ctern der Jugend. Die ein,tge katholische Wov-enschrist für vchüler höherer^Lehran­stalten. Za den Berlafseneu, welche eS in Städten vielfach gibt, gehört nicht in letzter Linie manche» SludentleM, da» fern von der Heimat, ohne vertrauten, wohlmeinenden und zuverläffigen Freund und Bermer, mitt n im Gewoge de» modernen WeltgetrteteS fleht und gleich einem Schiffe ohne Steuerruder auf hoher, bewegter See allen sich lreuzenden Winden und Wellen preiSgegeben ist. SS mag auch schwer hatten, für reden einzelnen einen verläßlichen und leicht zugänglichen PattonuS zu finden, und deshalb war eS ein höchst zeitgemäßer nnd guter Gedanke, den Echülerlretf« »Sherer Lehranstalten, wie Bürger« und Realschulen, Gymnasien und Lehrerbildungsanstalten in der Zett» chrift ,Stern der Jugend' einen literarischen 9«»”® an die Seite zu geben. DaS Blatt wird mit SRedjt ein -Stern" genannt, daS heißt ein Führer und Berater, der von der Höhe einer idealen Weltanschauung au», in echt christlichem, katholischem Geiste den BildungSbe» trieb beleuchtet und btestudierenden Jünglinge t-ihrem Streben nach gediegenen «enntniffen und wahrer Bildung leitet und unterstützt. „AuS der Schule f ür die Schule", daS ist der leitende Grundsatz diese» liter­arischen Jugendfreundes. Daher bringt er gedtege« Unterrichtsbriefe und unterhätt ein trauliche» Studierstüdchen, worin abwechselnd Themata an» den einzelnen Fächern, und zwar bald für niedere, bald für höhere klaffen bearbeitet werden. Kurze Biographieen neuerer Schriftsteller, Besprechungen belletristischer Erscheinungen orientieren den Jünger der Wiffenschaft auf dem O,-au der Pttvatlettfire. DaS AuSkuuftSbureau beachtet spezielle Wünsche und beantwortet direkt gestellte Fragen. Auch die unterhaltende Sette ist nicht vergesse*. Reben kleinen Novellen, SttmmungSblldern, geht eine längere Erzählung einher. Dem Wunsche nach Illustrationen wird reichlich entsprochen. Kurz, eSist ein vtelsettig veranlagter Wandergenoffe, dieser ,Stern der Jugend, en dessen Sette man Mannigfaches lernenund <mch fich unterhatten kann. Schon daS zwölfte Reu­jahr b.scheint er mit seinem musenfreundlichen Lichte und allwöchentlich erglänzt er an« neue ftber der Etudterbude seines wtffenSdurstigen Mimten. 3M Inter,fie für die studierende Jugend selbst möchten wir die Aufmerksamkeit der Schüler höherer Ledrcm» statte», sowie der Ettern und Erzieher aus den .Stern der Jugend' lenken. Haben fie denselben einmal et» Jahr laug »u ihrem Begleiter gehabt, fo find wir fiter» Suat, daß fie ihn auch in Zukunft nicht mehr werden missen wollen. Er erscheint in der Verlagsbuchhand­lung von Ludwig Auer in Donauwörth (Bayern) web nehmen alle Postanstalte» und Buchhandlungen Be» stellungen zum Preise von halbjährlich IHt 1 BO a#. Probeheft durch den Verlag gratis erhältlich.

Wochen-Rundidiau.

Fulda, den 11. Februar 1905.

(Nachdruck verboten.)

Im deutschen Reichstage brachte Reichs­kanzler ®taf Bülow am 1. Februar endlich die neuen Handelsverträge ein. Er empfahl fie zugleich in einer längeren Rede, worin er besonder» die Besserung hervorhob, die fie der Landwirtschaft bringen, und betonte, daß mehr nicht zu erlangen ge­wesen sei und bei Ablehnung dieser Verttäge leiste vorteilhafteren zu erwarten seien. Die liberalen und sozialdemokatischen Gegner der Verttäge verdroß e» nicht wenig, daß die Rede ohne Erwiderung in'» Land gehen konnte. Die Absicht, die Verträge am 15. Februar 1906 in Kraft treten za lassen, wird sich ohne ausdrückliche Zustimmung Rußland» nicht durchführen lassen, da der Beginn der Beratung tm Reichstage auf den 9. Februar festzefltzi wurde und die Verträge zunächst an eine Kommission gehen werden. An ihrer Annahme ist wohl nicht zu zwei­feln, wenn auch manche» an ihnen auSzufttz'n ist Der deutsche LandwirtschaftSrat erklärte fich für fie.

Am letzten SamSiag und am Mittwoch beschäf­tigte fich der Reichstag mit dem Toleranz» antrage be» Zentrum», dessen erster Teil schon im Jahre 1902 mit großer Mehih it angenommen wurde, ohne daß der Bunde-rat es bisher für nötig sand, Stellung dazu zu nehmen. Inzwischen hrt fich in Mecklenburg und Braunschweig die Gesetzgebung ja ein wenig zu r-mtflen der Katholiken gebessert, e» »st aber auch hier von Freiheit der RrligionSübung noch lange nicht die Rede, geschweige denn in verschiedenen anderen Nestern protestantischer Unduldsamkeit. Leider hat sich auch im Reichstage die Lage zu Ungunsten de» Antrag-» verändert, insbesondere bei den Konser­vativen. Man umhüllt daS Nein zwar mit vielen freundlichen Worten, aber e» bleibt doch eben ein Nein. Man wollte sogar den Antrag nicht einmal mehr an eine Kommission verweisen. Diese Wendung verdanken wir dem Evangelischen Bund'e, der leidenschaftlich gegen den Anttag agitiert und mit seinen H tznceien und Verdächtigungen auch wohl­wollende P otestanten eingeschüchtert hat. Mit der Toleranz auf den Lippen, gegen die Katholiken so unduldsam zu sein wie möglich, da» ist du» „Ideal" de» Evangelischen Bunde» und seiner Genoffen. ES darf kein Friede tat deutschen Vater lande herrschen, sondern alles muß man gegen die Katholiken ver- Hetzen. So hat man den Unfrieden auch glücklich an die deutschen Hochschulen getragen und da im Name« der akademischen Freiheit — ohne Fälschung uad Heuchelei geht eS bei dem Bunde ja nicht ab — die Unterdrückung der katholischen Stadentenvereinigungen verlangt. Erreicht hat man damit nicht allein einen bisher unter der studierenden Jugend unbekannten Fanatismus u d Hader, sondern auch eine steigende Unbotmäßigkeit und Frechheit der verführten jungen Leute gegenüber de« akademischen Behörden und dem LultuSrntnister. In welche Verwirrung wird da» Treiben gewissenloser Hetzer daS deutsche Volk noch stürzen?

DaS preußische Abgeordnetenhaus hat da» unglückselige Seuchengesetz immer noch nicht zu verabschieden vermocht. Für die dritte Lesung schien eia BermiitlungSanttag gefunden zu s in, der die Kostenfrage befriedigend löse; e» stellte fich aber heran», daß weder die Konservative« noch die Regie­rung damtt einverstanden waren, und so brach man die Beratung ab. Arn Freitag voriger Woche begann die zweite Lesung der Kanalvorlage, die am Dien»iag beerbet wurde. Die Vorlage mürbe in allem wesentlichen in ber KonnmsfionSfaffung ange­nommen, bet § 1, der die verschiedenen Kanallinien aufführt, mit 256 gegen 132 Stimmen. Vom Zen­trum stimmten nur 8 Abgeordnete dagegen, während 2 fich der Abstimmung enthielten. Am Mittwoch wurde die Vorlage in dritter Lesung mit 244 gegen 148 Stimmen angenommen. Nun hat noch da» Herrenhaus seine Meinung zu sage«.

Der Bergarbeit-rauSstand im Ruhrgebiet neigt dem Ende zu. Die Ankündigung der Novelle zum preußischen Bergg etze hat demnach ihren Ein­druck nicht verfehlt. Die Siebener-Kommssfion der Arbetter hatte mit Rücksicht auf bat Gesetz die Forderungen der Berglette jauf fünf herabgemindert nnd fich berrtt erklärt, den AuSstaud zu beendigen, wenn der Bergbauverein auf diese Forderungen ein« gehe und keine Maßregelungen vorgenommen würden. Die Haltung der Regierung zeigt andauernd, daß fie unparteiisch bleiben und berechtigten Beschwerden der Arbetter abhelfen wA. Die Bergleute werden im Vertrauen, daß ein befriedigende» Gesetz zu stände kommt, trotz alle dem in den nächsten Tagen die Ar» bett wieder aufnehmen und somit den Rat de» Reich»- kanzler» befolgen und einem Einwande der Renier» »atmen gegen da» Gesetz den Boden entziehe«. Heb« eigen» hat die Bweguig auch nach Schlesien hinüber» gegriffen. Im Waldenburger Revier und in Ober- schlefien ist eine ganze Anzahl von Arbeitern in den Ausstand getreten. Auch in Belgien ist der Streit ^®ne°?eftfame Rede hielt am 2. Februar in East« Leigh der «ivillord der englischen Admirali­tät Lee. Die Regierung habe, sagte er, nicht mehr so sehr Frankreich und d il Mittelmeer zu überwachen, eil mtt Unruhe nach der Nordsee zu blicken. Die

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^Feiertage, viertel- M»Uve,ng,P"i» aMM Srinflerlohn nnd SulflelbtaSnlbannb NKtt-rrm-sopss

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Zeitung

HloitatsbeUage: „8«ldaer SeschichkAStier".