32. Jahrgang
Fulda, Freitag, den 10. Februar 1905.
der
hetzen und «S dabei an Herausstreichung der eigenen A beiterfreundlichkeit und an Verdäch- ligungen der bürgerlichen Parteien, int besondere des Zentrums nicht fehlen lassen. Sie schüren ja daS Femr lediglich, um ihr Parteisüppchrn daran zu kochen. Wir halten die Mehrheit der Bergleute aber für zu urteilsfähig und zu besonnen, als daß ste den Verführern auf den Lerm gehen sollten. Es sei nur heroorgehoben: an die Novelle zum Berggesetze Hütte die Regierung wahrscheinlich gar nicht gedacht, wenn nicht der Abg. Spahn im Reichstage die Forderungen der Arbeiter so entschieden als berechtigt anerkannt und erklärt hatte, daß es Pflicht der Regierung sei, fie auf gesetzgeberischem Wege zu verwirklichen, wenn fie auf andere Werfe nicht durchzusetzen seien. Wegen des Landtags brauchen die Arbeiter kein Mißtrauen zu hegen. Sollte die soziale Einsicht im Landtage nicht groß genug sein, um der Novelle zur Mehrheit zu verhelfen, so wird der Reichstag eingreifen müffen und der wird nicht versagen.
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w«chmbeu°,«:„Illustriette Sonntagszeitung
des Streiks abzusehrn ist? Daß der Bergbau- verein wenn überhaupt, dann jedenfalls in ab. sehbarer Zeit nicht nachgibt, ist durch sein Verhalten außer Frage gestellt. Was also könnten die Arbeiter ihm gegenüber mit t„ Fortsetzung des Streiks noch erreichen? Sie würden die eigene Not nur vermehren.
[] Das Ende Oes V-rgtubUttrarls- ftanöes im Ruhrrevier
scheint erfreulicherweise gekommen zu sein. Die Versammlung der Vertrauensleute der Streikenden in Esten ist, wie wir unseren Lesern in der Stadt schon gestern nachmittag durch Extrablatt mitteilen konnten, am Donnerstag dem Vorschläge der Siebenrr-Kommiffton beigetreten, die Uribeit alsbald wieder aufzunehmen. Bon len etwa 200 Anwesenden sollen 5 gegen di« Beendigung des Streikes gestimmt haben. Luch wird verschiedentlich wieder behauptet, die Stebenerkommiffion und die Delegierten hätten die Maste der Arbeiter nicht in der Hand, sodaß es fraglich sei, ob fie dem Konserenzbeschluffe Folge leisten werde. Wir hoffen i.deß mit Sicherheit, daß die Arbeiter, wie fie bisher im Troßen und Tanzen Besonnenheit und Mäßigung gezeigt haben, auch jetzt der ruhigen Ueberlegung zugäng'.ich sein und der gesunden Vernunft nicht Gehör versagen werden.
Jedenfalls ist der Rat, den die Estener Delegiertenkonferenz ihnen gegeben hat, der klügste, den fie geben konnte. Bei fast 200000 Betet- ligten ist ein Streik auf lange Wochen und Monate nicht durchzuführen. Woher soll das Geld kommen? Die Kaffen der organtsterten Bergleute verfügen nicht üb r viele Millionen; das müßten fie aber, wenn die Albetter auS- halten sollen. Wäre eine Million vorhanden, so würde jeder Ausständige ganze 5 Mark erhalten. Wie lange kann er davon leben? Die sozialdemokratische Partei und die sozialdemokratischen Gewerkschaften haben etwa 200000 Mark gesammelt. Das macht für jeden Ausständigen 1 Mark. Aach die von anderer Srite gespendeten Unterfiühungsgelder sind im Grunde nur ein Tropfen auf einen heißen Slein. Ein Teil der Bergleute mag roch von dem Lohn der letzten Monate zehren können. Die soliden und ansässigen Elemente mögen auch bei Kauf leuter», Bäckern, Schlächtern u. s. w. verhältnismäßig hohen Kredit haben. Aber was nützt das alles, wenn kein Ende, wül fein Erfolg
Lin bürgerliches Zahl.
Novelle von Carl Cor.te Scapinelli.
1 ------ (Nachdruck verboten.)
Lange zitterte ter letzte Glockenschlag von der Josephstädter Pfarrkirche durch die Hie, Windstille Winternacht
Und jedem, der eben die Turmuhr schlagen gehört, ist e#, als hätte fie heme eiern eigenen, beredten Klang, als zählte fie nicht nur die Stunden, als riefe fie auch auf die Josephs-Vorstadt, auf die alten, ehrwürdigen Bürgerhäuser, die hier still and friedlich fernab vom Getriebe der Großstadt Wien stände«-, herab die Worte: «In zwei S unden ist Mitternacht, in zwei S'.unden Jahreswende I In zwei Stunden beginnt ein neues Jahrhundert!*
Die Wegrniillrrgaffe hatte zum Empfang dieses neuen Jahrhunderts noch wenig Anstalten gemacht. Die kleinen ein- oder zweistöckigen Hsukchen mit de« Heiligenbilde vor der Tür, den tiefgrlegenen, der- gitterten Par, errett vstern, den hoben Tachziebrln, sahen rechi altmodisch und altväterlich au?, wie alte Frauen, die der neuen Mode zum Trotz ihre vec- Mrten Trachten h-rvorkehren Für die Leute, dir da wohnten, schien ei keine I hrtundertwende, keine JahreSwerde zu g-ben — die trotzten gleich bett Häusern der nt um Zett, ja fie grollten ihr wenigstens Darum war eS auch so st ll mb menschenleer in jener Gcff-.
Jetzt hörte man das Schloß einer niederen Haustür klirren — ein Ruck, und langsam — wie gähnend öffrote fie sich.
.Also, adieu, Herzerl, und rschmal ein recht glück- öches neue» Jahr für uns beide, ja für nvS beide ganz allein I" flüsterte die junge, blonde Mitzi Achrer, die Tochter de» Gerichttfekretär» Achrer, der im ersten
Deutiches Reich.
Berlin, den 9. Februar 1905.
* Gottestrene — Br terlandslreue. Bei Gelegenheit der letztjährigen süddeutschen Pilgerfahrt nach Palästina wurde auf dem Berge Sion in Jerusalem, wo sich jetzt auf dem vom deutschen Kaiser den Katholiken Deutschlands zum Geschenk gematt ten Platze eine Kirche zu Ehren der Mutier Gottes erhebt, eine kirchliche Feier abgehaiten. Nach Beendigung der Feier schickten die Pilger ein Ergebenheits- telegramm an den Kaiser; außerdem ließ der Vorsteher des deutschen Ho-pizes in Jerusalem, Pater Schmidt, noch einen näheren Bericht über diese Feier nach Berlin abgehen. Daraufhin erhielt Pater Schmidt, wie jetzt die ,Germ/ meldet, folgendes, vom 12. Oktober 1904 datiertes Handschreiben des Kaisers:
Mein lieber Pater Schmidt!
—""Ich habe Ihren" »lief vom 5. September b7I. mit herzlicher Freude gelesen und spreche Ihnen für die Mich lebhaft int-resfierenden Mitteilungen Meinen wärmsten Dank ans. Mit Befriedigung habe Ich von bem würdigen Gottesdienste vernommen, welchen die großen Pilgerkarawanen ans bem Süden DevlfchlandS an d?n heiligen Stätten auf dem „Sion' veranstaltet haben. Daß dabei auch Me'ner in so freundlicher Weise gedacht worden ist, hat Mich ebenso gefreut, wie Ihre Mitteilungen über die patriotische Gesinnung b r ch.j^ichen Co um? es
auch 7$to, denn Glaube und Treue gegen Bott bedingen auch Treue und Liebe zu Gott un.d Vaterland. Mit den besten Wünschen sür ein wei- teres gesegnete» Wachsen und Wirken der katholisch- deutschen ft ommrn Stätten in der heilig-n Stadt verbleibe Ich Ihr wohlgeneigter und dankbarer
Wildelm I. R.
Hubertusstock, den 12. Oktober 1904.
Ein schönes und wahres Wort: .Glaube und Treue gegen Gott bedingen auch Treue und L ebe zu Golt und Vaterland." — Das herzliche Schreiben des Kaisers an den Pater Schmidt ist aber nach einer anderen Beziehung noch be- melkenswert. Der Pater Schmidt gehört nämlich der Kongregation der Lazaristen an, und diese Kongregation ist als den Jesuiten Hätte der große schwarze Filz ui fein G-ficht nicht vollständig beschattet, dann hätte man um seine hohe off ne Stirn tiefe Zarr erfüllen, um seinen energischen mit eines blonden Schrurrbart gezierten Mund daS Ziicken der Erregung sehen müssen.
war auch ärgerlich Er, der leberslupige, sorglos heitere, junge Mann, der in alle Sparten bet Kunst und Wss-nschast ein wenig hineingefehev, bi ff ea Lebenslage in bummeligem und festlichem Schritt dahin gezogen waren, hatte auf einmal zu bleiern stillen und ruhiger« Mädchen Zuneigung und Lilbe empfunden; ihre einfache, echt frauenhafte Art hatte ihn wtt sich forsger ffm, und VaS er selbst, der daS Leben bis dahin immer nut tändelnd, mewalS ernst genommen hatte, niemals geglaubt haft-, die NStze, d e strte Anweienheir dieses weiblichen Wesens wer ihm zum Bedürfnis geworden, er fühlte, wie von ihr etwas auifling, daS feine Kraft stählte, feinen SBiHen festigte, feine zerfahrenen Gedanken ordnete. Uab darum hatte er auch nach halbjähriger Bekannt - fchast, nachdem er von den kleinbürgerlichen Eltern mit doppeltem Mißtrauen empfangen worden war, fich vor wenigen Tagen mit Mitzi Achter in aller Stille verlobt. Keiner seiner Freunde wußte eS noch, selbst die Eltern de- Märchen- waren nicht emver-
hatte, wa» konnte dieser Fritz Freiherr von Leihen? Die Paar Groschen Rente, bte er befaß, reicht:» nicht einmal zur Gründung einer Sam tue. In keinem Studium hatte er es auSgehalten. Vieler hatte ihn a«gezogen und nach kurzer Zett wieder av« gestoßen.
„Ji> muß m'-ch erst selbst fhben," Pflegte er kotz ft inet firbenrmdzwanzig Jahre zu sagen. Aber im innersten seimS Herzens hrffle er, daß die ruhige, stille, hornige Mitz', die feit bet Verlobung rnmenloS gUickttch wat, ihn fich selbst finden laffiu werde.
Ec hatte fich in dieses Mädchen nicht Hals übet Kopf verliebt, nein, et hatte fie schätzen gelernt, et
Gräfin Bülow, die Arbeit wieder aufzunehmen, nicht Folge leisten wollten. Tie Regierung, die ihnen so entgegengekommen ist, darf dasür Vertrauen beanspruchen und das können fie richt beffer beweisen, als indem ste erklären: wir nehmen die Arbrit wieder aus, weil wir der Regierung glauben, daß sie «s gut und ehrlich mit uns meint, und wir wollen ihr durch die Wiederaufnahme der Arbeit beweisen, daß wir das Entgegenkommen verdi neu.
Eie haben weiter den Erfolg, daß fast die gesamte öffentliche Meinung auf ihrer Seite steht und ihre Forderungen gegenüber dem Brrgbauverein als berechtigt anerkenne. Der preußische Handelsminister hat das im Reick stage selbst zugestehen muffen. Die öffentliche Meinung ist von ganz wesentlichem Emst -ff? auf die Entschließungen der Regierung, fie steht als treibende Kraft hinter dieser. Schwerlich hätten wir vom Reichskanzler und dem Minister Möller die unparteiischen Reden gehört, die ste gehalten haben und schwerlich wäre die Novelle zum Bergaefitze gekommen, wenn die öffentliche Meinung fich in anderer Richtung bewegt hätte. Sie könnte aber Umschlägen, wenn die Arbeiter törichte Entschlüffe faßten und sich durch sozialdemokratische Agitatoren verhetzm ließen. Dann würde wohl auch das Interesse der Regierung für die Forderungen der Arbeiter fich stark cb kühlen.
Die Konservativen haben stch bekanntlich auf den Standpunkt gestellt, nicht eher für die Bergleute eintteten und etwas für sie tun zu wollen, als bis fie die durch den Kontraktbruch begangene Rechtsverletzung wieder gut gemacht hätten. Wenn bte Arbeiter nun die Arbeit wieder vertrauensvoll aufnehmen, ist den Konseroativm und Scharfmachern dieser formelle Einwand gegen das Berggesetz entwunden. Man muß sachlich Stellung zu bem Gesetze nehmen und da ist die einfache Ablehnung denn doch schwer zu begründen, als wenn man einfach sagen kann: ich (affe mich grundsätzlich auf nichts »in, bevor nicht die Arbeite; den Ausstand für beendet erklärt haben.
Die Siebexer-Kommisfion bat eine Reihe von Wünschen zu der Novelle formuliert und dem Ministeroräfidenten vorgelegt. Daß die Novelle mehr bieten müsse, als die erste Bekanntgabe über ihren Inhalt andeutete, hat bekannt' lich auch der Abg. Spahn im Reichstage anerkannt. Aber wie sollte bei der Abneigung der Konservativen gegen die Novelle weitere Ser- befferungen durchgesetzt werden, .wenn die Bergleute durch ihr Verhalten es der Regierung und ihren Freunden erschwerten, mit Etfolg sür fie emzutreren? Auch das angekündigte Ge>etz über die Rechtsfähigkeit der Berufs vereine würde voraussichtlich auf sich warten (offen, wenn die Ar- beiter der Regierung und die öffenliiche Meinung vor den Kcpf stoßen.
Nach jeder Richtung hin würden sonach die Bergleute gegen ihr eigenes Interesse handeln, wenn sie fich dem Beschlüsse des Delegiertentages widersetzten. Die Sozialdemokraten werden ja wohl direkt oder in» direkt vielfach zur Fortsetzung des Streiks Sirck des Häuschens fett Sugnetinten wohme, ihrem Bräutigam, dem Baron von Laiben zu, bet eben im SB'fltiffe stand, daS HauS zn verloff-n.
„Deine Eltern find heute wieder schön langweilig I Wie schön wäre eS gewesen, wenn wir bis Mitternacht zusammen gtfff « und daS neue Jahr erwartet Härten. To aber setzt ihr wich Punkt 10 Uhr Oct die Tür!*
„Du mußt eben den Batet entschuldigen, er ist alt und feit Jahren grw Hw, um 9 oder 10 Uhr schlafen zu gehen. Er meint, daS Ausbleiben zu Sylvester wäre auch so eine neue Mode —
„Und die neuen Moden mag er halt gar nicht l* lächelte Loiben.
„Also gelt, Herzerl, nicht böS sein! Und nicht weht mit den Fremtderln zu viel trinken! Nächsten Ey'vestet, Fritz," fügte fie dedentungrvoll bei, „feiern wir zwei bann schon zusammen! — al» verheiratete Serie!*
„Rinber, Kinder!* li-ß fich von oben durch das Guckloch einer FeisterS die Stimm' ter Frau Achrer vernehnes, „verkühlt euch nicht, ratscht nicht so lauge! — Mitzi komm herauf, sonst schimpft der Batet!* Dann schloß fich da» Fenster wieder.
„Sonst schimpft der Batet!* brummte Fritz miß- mutig. „Sag' mir, wann schimpft und knurrt dein Bater eigentlich nicht? — Na, eS ist gut, daß eS nicht weh« lange dauert,* meinte er ärgerlich. „Also, adieu!* Er gab feiner Brant einen flüchtigen Kuß.
„Utb gelt, morgen beim Grafen Lichienegg bist du mir mit der Komtesse H-miete richt gar zu freundlich! Und nockmitS, viel Glück für uns. Vergiß nicht, mit bem Grafe« wegen einer Stelle zu reden! Adieu!*
Schon ging er über doS holprige Pflaster bet menschenleeren Straße dahin, den Kragen seines WmterrvckeS hoch aufgefchlage», die Hä-de tn des Manteltaschen verborgen, groß, schlatk, und mit festem Schritt, fester wie sonst in feinem Berget austretend.
WaS sonst erreichbar war, haben sie erreicht, in größerem Maße sogar, als fie hoffen durften. Die Regierung hat sich durch den Ausstvnd zur schleunigen AusarbsitMg und Einbringung einer Novelle zum Berggesetzs veranlaßt gesehen, die den haupttächlichstenBeschwerden der Bergleute abhelsen soll. Wann hätten streikende Arbeiter j->wals einen solchen Erfilg zu verzeichnen gehabt? DaS müssen die Bergleute doch 8'1 würdigen verstehen. Sie müssen mit aller Energie bedacht sein, diesen Erfolg nicht wieder zu verscherzen, sondern ihn womöglich noch 8'1 verstärken. Sie könnten ihn nur zu leicht verscherzen, wenn ste dem Rate des
„affiliert" r och heute durch den § 1 des Jesuiten' gesetzeS vom Gebiete des Deutschen Reiches auS' geschloffen. Erst in der letzten Woche wurde den Lazaristenpaires auf Grund des Jesuiten- gesetzes bezw. der Ausführungsbestimmungen des Bundesrats von der Regierung das Abhalten einer Mission in Euskirchen in der Rhein- prooinz verboten! Und dennoch würden die LazaristenpatreS auch in Euskirchen die Gottestreue gepredigt Haven, welche nach dem schönen Worte des Kaisers auch Treue und Liebe zu Gott und Vaterland bedingt!
* Dem Maler Adolf vo« Menzel der gestern, 89 Jahre alt, in Berlin gestorben ist, widmen.ReichSanzeizert und »Nordd. Allg. Zrg/ folgenden gleichlaute iden Nachruf: „Mit dem heute morgen eingetretenen Tode des Altmeisters Adolf v. Menzel hat ein selten reiches und gesegnetes Künfilerleben seinen Abschluß gesunden. Mit dem ganzen Vaterlande, ja der gebildeten Welt, stehl Se. Majestät der Kaiser und König an der Bahre dieses bewunderungnswürdkeu Greises, dessen geniale Kunst mit Vorliebe der Verherrlichung d?s preußischen Ruhmes gewidmet war, und dessen Meisterhand es verstanden hat, den großen König und seine Helden bem Bewußtsein und der Bewunderung der Nachlebenden wieder lebendig zu machen. Einen Schatz altpreußischer Ueberliefer ungen verdankt namentlich auch die Armee dieser Wiederbelebung jener kriegerischer Gestalten aus großer Zeit, deren kühne und harte Eigenart Menzels Stift mit wunderbarer Schärfe zum Ausdruck gebracht bat. TS ist ihm nicht vergönnt gewesen, den naLe bevorstehenden Abschluß des neunzigsten Lebensjahres zu begehen, zu dessen Feier fiin dankbarer König ihm neue Ehrungen zugedacht hatte. Ein sanfter Tod hat dem unermüdlich Schaffenden den Stift aus der Hand genommen. Sein Ruhm wird fortleben, so lange es Deutsche gibt, und die Dankbarkeit seines Königs folgt ihm über das Grab." Auf Befehl des Kaisers ist vor der Wohnung Menzels heute von 1 Uhr Nachmittags ab ein Ehren Doppelposten aufgestellt worden. Die Leiche wird in der Rotunde des alten Museums aufgebahrt, von wo die Beerdigung Sonntag oder Montag statt findet.
** OuesiBius. Der Berichterstatter Abg. Dr. am Zebnhoff sagte am Schluffe seiner einleitenden Rede zur 2- Beratung der Kangl- vorlage: -M £ ; Tas find die Arbeiten der" Ko^Rssfion. Sie ist der Auffassung, daß Sie Ihnen den OaceimuB, den fie als er
halten hat, als 6v*zqW°s zurückreicht.' Ob wohl alle, die diese Bemerkung mit „Heiterket" aufnahmen, fich erinnert oder überhaupt gewußt Haden mögen, was es mit diesem Onesimun für eine Bewandtnis haben mag? Der Redner spielt hier auf den Brief des hl. Paulus an Philemon an. Der Apostel sandte dem Philemon den entlaufenen Sklaven Oneßimus, der inzwischen Christ geworden war, zurück und empfahl ihn in dem Briefe der Milde seines Herrn. Da sagt er nun: „Ich bitte Dich für meinen Sohn, den ich in meinen Banden gezeugt habe, Oneeimas, der Dir einst unnütz (äx^oros) war, jetzt aber mir und Dir nützlich (ei^otos) ist."
hatte fie für unentbehrlich gesunden. Und darum war er fo tollkühn und mutig gewesen, sein und ihr Gr- sch'ck m Verbinden. Was er im lieberfl-ß besaß: Lustigkeit, Kühnheit und Optimismus, das fehlte ihr, dafür befaß fie innere Ruhe, Sammlung, Borficht
Ihr zuliebe ertrug er die schreck tchen Abende bei ihre-, Eltern mit Geduld, nur heute war er tatsächlich ärgerlich geworden. Er haßte diesen übertriebenen Ordnungrfion, dieses entsetzltche Spießbürgertum. Hätte eS dem Herrn GerichtSseketär trotz feiner sechz g Jahre geschadet, w-nn er heute am Eyvesterabcnd rtwaS länger ausgeblieben wäre und fich am Glück seiner einzigen Tochter gefreut hätte ? Aber dazu war er nicht za bewegen. m , .
„DaS hat gar keinen Wert. Ausschlafen muß der Mensch! DaS lange «ufdleiben ist auch so eine moderne Erfindung!* so raifonnierte er.
Er raifonnierte eigentlich immer. Für chn gab ei nur eines: Hausschuhe und feine Ruhe! Mehr wollte er nicht. Und da war nun auf einmal so ein junger Mann g-komm-n, der ihm seine Tochter aus bem Hause führen sollte, noch dazu ein Baron, aber einer, der nicht; harte und nichts war, der fich erst dni Wochen vor der Hockzett eine Stellung suchen wollte — daS störte und beunruhigte ihn.
Und darum sah er im vorhinein in diesem Fritz von Loiben einen Ruh-fiörer, einen persönlichen F-iod, Und Frau und Tochter hatten alle Abrnde zu tun, die beiden feiridlichm Elemente auseinander zu halten. Nur einen Punkt gab ei, wo fich Schwiegervater und Schwiegersohn in spe trafen; in ihrer Schwärmerei sür daS alte Wien, das ersterer auS seiner eigenen Jugerd, letz'er er auS seinem Spezialstudium darüber kannte.
Aber heute abend hatte sogar diese- Thema Herrn SerichtSsekretär Achrer nicht bewegen können, langer als US 10 Uhr aufzubieiben.
Und fo hatte denn Fritz ««erlich da, ried«e Häuschen in der »egmüllergoffe verlassen und schritt
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