Müaer M Zeitung
Monatsbettage: „Zuldaer Geschichtrblatter".
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3. K«’Sk Wochenbeilage:„Illustrierte Sonntagszeitung
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M 37.
Fulda, Freitag, den 3. Februar 1905.
32. Jahrgang.
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(Nachdruck verboten.)
stet- erfolgreiche Einwendungen. Aber wenn fit nur
' „Bleichmchr", sagt der Arzt und ti helfe nichts als ihnen schon voraus» I gutes Esten und Trinken und Ruhe. Ruhe könnt sie
Am folgenden Mittag fragt die Bäuerin den alten Leopold, d,r die Pferde versteht, was ne wert feien
„Beb' zusammen nicht, was der Rapp oll-in, 'S ist halt jeder bald Rekrut," cibt der zur Antwort.
Im Buchhof laufen die Tage ab, ohne besondere Merkmale zu hinterloffen. Sie reihen fich in schöner Gleichförmigkeit zu Jahren und jedes Jahr bringt reiche Arbttt und reichen Segen. Die Ersparnisse wachsen unter der Bäuerin spezieller Obhut, jeden Herbst legt man neues zu. Die einsache Haushaltung, das sparsam^ Leben des Bauern und nicht zuletzt der Segen GotteS ermöglichen daS. Seit Jahren hat das Glück im Buchhof eine Heimstätte aufgeschlagen. Glück haben fie im Stall, Glück im Feld und Glück in der Familie. Wenn Sonntags die Männer bis tief hinein in dir Nacht im Wirtshaus fitzen, ist Franz Werner zu Hause im Kreise der Seinen. Zwar bat die Bäuerin allmählich die Hosen onge4ogen, d. h die Meister- und
auch Esten u d Trinke.« verlangen würde, doch fie har rein keinen Appetit Dazu kommt seit den letzten zwei Monaten ein Hüsteln. DaS will dem Buch- Zauern nicht gefallen. Der Doktor ist auch so geteire- niSvoll und „schwätzt und deutet" nicht. Der Vater Hai Sorgen.
Und mit Recht. Der Zustand wird von Woche zu Woche schlimmer. Der Wind des Herbster weht über ein frühes Grab, an dem trauernd der Buchbauer steht. Der kühle Herbst hat eine Rose geknickt und entblättert, und, str war ihm 'o lieb. Mit aufrichtigem Schwerz sah er seine Tochter dahtnfiechen, ihr Leben dahinschw nden. Nicht umsonst heißt daS Volk die Krsnlhe.t Schwindsucht.
Er wollte nicht klagen und gern und ergeben daS Opfer bringen, das Gott von ihm gefordert, aber feine zweite und jetzt noch einzige Tochter hüstelt bereits auch. Sie hat die Schwester gepflegt in den Tagen ihrer langen Krankheit. Der Arzt empfi hlt für die kalten Wintermonate einen Aufenthalt im warmen Sch«. Das werde viel kosten, meint die Mutter, aber der Vater setzte die ganze Kraft der | Persönlichkeit ein und bringt die Tochter selber nach Meran, wo so viele Lungenkranke Erleichterung und Heilung suchen. Bet ihrer Rückkehr im folgenden Mai ist fie vm rin weniges besser, aber schon zur Erntezeit im August, da der Bauer die schweren Garben in die Trave führt, bewegt fich ein schworz-r Wagen vom Buchhof nach Werbach hinab ins Tal. Hält der Bauer Ernte, ift's auch stir den Tod keine unpassende Zeit. Sie betten des Buchbauern letzte Tochter zur Ruh'. Jetzt freut ihn nichts mehr, weder Haus noch Hof. Er weiß nimmer, «ür wen er gesorgt hat, nimmer, für wen er schafft und fich ab- müht, uns wenn'S auf ihn ankäm', könnt' der Jud' den Hof haben, und das lieber heul' als morgen. Doch die Bäuerin ist anderer Gesinnung. Der Buchhof ist ihre» Vaters und ihre» Großvater» Heimat gewesen. Sie selber ist a!S Sind draus auS- und eingegangen. Sie bleibt, so lange ihre Füße fie roch tragen. So schifft und wirkt man Wetter — hat!
| legte, tatsächlich hatte er sie gar nicht bei d«c I Hand; fie lagen schon fix und fertig gedruckt und geheftet im Bureau. Der Kanzler begnügte fich ilideß nicht damit, den feierlichen Akt mit ein paar „paffenden Worten" zu begleiten, sondern hielt eine fast fünfoirrtelstündige, wohl ausgear- beitete Rede zur Empfehlung der Vorlagen. Herrn Singer bereitete es großes Unbehagen, daß nach den „tendenziösen" Auszügen der.Norddeutschen ALg. Ztg.' nun auch noch diese lange | „terderz öse" Rede zu qurfte» der Verträge inS Land gehen und die öffeat iche Meinung beein- stoffen sollen, ohne daß sofort eine den Eindruck avschwächknds Erwiderung «folgt war. Er ging zum Prästdenten herauf, der dem er fich sichtlich eins ablehnende Antwort holte, versuchte aber gleichwohl noch, nachdem der Reichskanzler geendet hatte, das Wort zu «halten. Da die „Einbringung" der Handelsvew ägs jedoch vor Eintritt in die Tagesordnung erfolgt war, konnte er es aber nach der Geschäftsordnung nicht erhalten. Man schritt alsbald zur Fortsetzung der Bera« tung des Nachtra gsetats für Tüdwestafrika. Und rasch wechselte das Bild. D« ReichSkanzl« und dir bundesrätliche und ministerielle Staffage verschwanden, D'plomaten- und Hofloge leerten fich, die übrigen Tribünen lichteten fich; im Hause entstand eine geräuschvolle Unterhaltung, durch welche die Stimme des Berichterstatters nicht durchzudringen vermochte. Bald lichtete fich auch das Haus und nun ging die wettere 93er» handtr^g nach allem Brauch von statten.
Studentenschaft daS Verhältnis der Studentenschaft als solcher zu den Behörden und BorgLngen des öffentlichen Lebens, die frei zu kritisieren den Akademikern als den zukünftigen Lettern drS deutsche« BolkeS nicht verwehrt werde« darf.
Gleichzeitig wurde befchloffen, an die Studentenschaft der übrigen preußischen Hochschule» folgendes Schreiben «gehen zu lassen:
Die Marburger Studentinschast fordert die übrige« deutsche« Universität« und Hochschulen auf, fich dem »eiste oder dem Wortlaut dieser Resolution anzuschließen und so einmütig Protest zu erheben flege« den in Hannover gemachte» «ersuch, den Begriff der akademischen Freiheit aus dem studevrischen Leven auSzuschalten.
MM darf darauf gespannt sein, was die übrigen Hochschulen nun sagen werden, nachdem | dos Berlin« oberoffzziöse Blatt daS „Gerede" der „verdienten Lächerlichkeit" prersgegeben hat-j — Ruch die Studentin d«Charlo trenburger i ! technischen Hochschule habe» am Mittwoch I übend eine Proiestoersawmiung abgehalten, die j so» 1200 Studenten besucht war. Verschiedene I Redner legten die Entwicklung der jetzige» Bewegung dar und nahmen gegen die Unterdrückung ! der Studentenausschüsse neue Stellung. Ts ! wurde eine Resolution angenommen, in der das s Vorgehen des Kultusministers für einen Eingriff in die akademische Freiheit erklärt wird, die der Studentenschaft das Recht stchert, ihre eigenen Angelegenheiten in studentischen Versammlungen zu regeln und in allgemeine» nudentischen Fragen mit den Studentenschaften anderer Hochschulen in Verbindung zu treten, | Im Lause der Debatte wirs der Sprecher der Deputation des Ausschusses d« Hannoverschr» Hlchschule das Dementi der »Nordd. Allg. Ztg/ zurück und verbürgte sich dafür, daß der Vertreter des Kultusministers in der Tat die Aeußerung getan habe, die aka- Äemische Freiheit sei ein dem Kultusminister »«-bekannter Begriff. Die Versammlung beschloß das „Dementi" zu ignorieren», da es anonym und in dünkelhaft« Tcn- | art abgefaßt sei.
§§ Sti»«««gsbild av s dem Reichstage Im Reichstage ging es am Mittwoch für eine! Weile feierl.ch zu. Am Bundesratstische saß der I Reichskanzler Graf Bülow, die Staatssekretäre Graf PosadowSky, Frhr. o. Stengel, Krätke, die preußischen Minister Frhr. v- Rheinbaben, Pod- bielski und Frhr. v. Hammerstsin, die Gesandten von Bcyern, Sachsen, Württemberg usw., sowie zahlreiche Bunvesratsbevollmächtigte und Kom- m ssaren; die Diplomatenloge und Bundesrats- loge war sehr gut besucht, die übrigen Tribünen nicht minder, sogar in der Hofloge ein Flügeladjutant und zwei andere Militä!P«sonen, sowie eine Dame. Dazu ein außergewöhnlich — was in dieftm Falle selbstverständlich nicht mit „sehr gut" zu verwechseln ist — besuchtes Haus, daS ziemlich erregt zu sein schien. Warum das alles, wußte man ja. Der Reichskanzler legte diel 7 neuen Handelsserträge vor oder vielmehr die „Zusatzübereinkommen" zu den geltenden Ver- trägkn. d. h. er sagte, daß er fie dem Hause vor-
! werden sich über die Frage deS Zugangsrechts, d« Erweiterung des staet-ichen Enteignungsrechts usw. erqeben.
* Aus Deutsch-Südwestafrika liegt folgende Meldung vor: Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Gestorben ist der Reiter Herman» Beese, geboren am 14. Oktober 1882 zu Haar, früher im Infanterieregiment Nr. 46, am 25. Januar d. IS. infolge eines Schusses in de» Unterleib, angeblich auf der Jagd bei Pukiro Lurch Hereros erhalte» Der Retter Emil Wolf, geboren am 8. Juli 1884 zu Schönbeck, früh« im Infanterieregiment Nr. 128, ist am 25. Jan. d. Js. in einem Patronillengefecht in der Nähe von Oküsewa leicht verwundet worden Der Stabsveterinär Johann Rogge, geboren am 25. September 1865 zu Norden, früher in der ostasiatische» fahrenden Batl«ie, nachher dem FeldarlilletteregMent Nr. 10 zuzetrilt, und der Reiter Hermann Feib.cke, geboren am 8 Juni 1882 zu Berlin, früher im Küraffierregiment Nr. 6, in den Dünen östlich von der Lüderitz- bucht verirrt, werden vermißr.
(*) Akademische Freiheit Bor einigen | Tagen ging durch die Zeitungen die Nachricht, daß durch einen Ministerin lkornmissar! bei einer Unterredung mit Mitgliedern des inzwischen aufgelösten Studenten-Ausschusses an der Technischen Hochschule in Hannover die Aeußerung gefallen sei: Akademische Freiheit sei ein Begriff, den man im Ministerium garnicht kenne. Dazu bemerke die ,Nordd. Allg. Ztg/: „Diese Nachricht trägt de» Stempel der Unrichtigkeit an der Stirn. Wir i habe» daher auch nichr geglaubt, daß irgend ein Mensch so töricht fein werde, sie für ernst zu nehmen. Da es aber dennoch geschehen ist, und nicht rur in der Presse, sondern sogar in der Studentenschaft einer preußischen Universität, so halten wir es für angezeigt, dieses Gerede hierdurch der verdienten Lächerlichkeit preiszugeben." — Die hier! erwähn's preußische Universität ist die Unioer-1 fität Marburg. Der Ausschuß der Mar« I bürg« Studentenschaft hat am Dienstag befchloffen, dem Kultusminister folgende Resolution telegraphisch zu übermitteln:
Die Marburger Studentenschaft, vertreten durch die bevollmächtigten Mitglieder ihres Ausschusses, nimmt in ihrer Sitzung vom 31. Januar 1905, unter völliger Ausschließung der konfessionellen Frage, Stellung zu den Äußerungen der Herren B-rtreter deS preußische« Kultusministers gelegentlich der Auflösung deS Ausschusses der Studentenschaft an der technische« Hochschule zu Hannover. Die Marburger Studentenschaft bedauert aufs lebhafteste, daß der Herr Minister durch firne Vertreter den Begriff der akademischen Freiheit als einen dem preußischen Kultusministerium unbekannten hiustellen läßt bezw. die akademische Freiheit alS einen Zustand der allgemeinen Unordnung bezeichnet. Demgegenüber ficht die Marburger Studentenschaft in der akademische» Freiheit daS Grundprinzip jedes akademischen Lebens. Die unbedingte Lehr- und Lernfreiheit dehnt fich von selbst aus auf daS uneingeschränkte Recht der freien Meinungsäußerung, deS freien unbeeinflußten Gedankenaustausches mit Gleichgesinnten AuS dieser Auffaffung der akademischen Freiheit ergibt sich nach Anficht der Marburger
Wruöerzwist.
Schwäbische Dorfgeschichte von KaSpar Baumgärtner.
Drinnen schreitet der Handel wieder weiter, dann kommt «an vor daS Haus. Die Koppelknechte führen Pferde vor, welche der Unteregger gegen sein schönes RSppche» einhandeln sollte. An den Türpfosten fich baliaod, schaut er zu. Ter Schlettertoni singt da» Lob der Tiere und «acht ihn cuf alles au « merksam, - mS ihm gefallen tonnte. Der Bauer aber steht ) chtS «ehr, kaum «och, daß e» P.-erde find. Er s zt zu allem „ja". Der Berttag wird geschrieben v d Joseph Wern« setzt den Namen darunter, bereit te rdeu zwei Pferde sein Eigentum, für welche er ei - einzige? aurtsuscht; wie viel hundert Mark er
Bus dem Reichstag,
181. Sitzung vom 1. Februar 1905.;
Eröffnung l1/« Uhr.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der zweite» Beratung deS Nachtrags.Etats für Südwest-Afrika.
Bor Eintritt in die Tagesordnung et« greift Reichskanzler Graf Bülow daS Wort, um die 7 neuen Handelsverträge (mit Italien, Rußland, Oesterreich. Ungarn. Rumänien, Serbien, Belgien und der Schweiz) »orzrlegen. Er hielt dabei eine einstündige Rede, in welcher er de« Standpunkt der Regierung verteidigt, den fie bei dem Zustandekommen der Handelsverträge eingenommen habe; er machte Mitteilungen über die Zollhöhe der wichtigsten Pofittonen» sowie über die Zugeständnisse, welche Deutschland an die Vertrags« floaten hat mache« müssen. Bei den Handelsverträge« habe die Regierung von dem Gedanken auSgeh« müffen, daß der Landwirtschaft, welcher ei« Abschluß der alten HendelSverträge wesentliche Nachteile zugefügt worden seien und die infolgedessen im Gegensatz zur ausblühenden Industrie in eine kritische Lage gekommen sei, durch neue Verträge ein Ersatz dafür geboten werden müffe. Die Kündigung der alten Handelsverträge sei unterlassen worden, weil die verbündet« Regierungen eine Bereinigung der anderen Staat« gegen Deutschland befürchtet haben, mit dem Zwecke, Deutschland hohe Jndvstriezölle auszudr äugen und ihrerseits Mtnimalzöüe abjul.hnen, m b daß ferner die neuen Handelsverträge am 15. Februar 1906 in Kraft trete« sollen. (Die Ausführungen deS RrichskanzlerS waren stellenweise von Zustimmung der Rechten begleitet, begegnete« aber, namenllich soweit fie die Behandlung der Industrie betrafen, auf der link« Seite deS HauseS stellenweise einen scharfen Widerspruch).
Nach der Rede deS Kanzler S trat das HauS tu
Deutsches Reich.
Berlin, den 2. Februar 1905.
* 3* de« neuen Handelsverträge« bemerkt dir ,Krenzztg' u. a.: ist gewiß
nicht zu verkennen, daß ein ansehnlicher Teil berechtigter landwirtschaftlicher Wünsche nicht oder nicht voll befriedigt worden ist; aber es muß doch auch zugegeben werden, daß in Bezug auf den Schutz der '.andwirischaftlichen Erzeugnisse im allgemeinen die neuen Verträge ganz wesentlich günstiger sind als die alten, und daß es in zahlreichen Punkten gelungen ist, die schweren Fehler der Caprivischen Handelsvertragspolili! zu verbessern. Infolge schiefer Darstellungen urferer künftigen Zollsätze und weiterer Ab« machunren hatte» sich in auswärtigen und deut» schen Blättern bereits starke Beunruhigungen in landwirtschaftlichen Kreisen eingestellt. Glücklicherweise jedoch geht aus der amtlichen Publikation heroor, daß die Befürchtungen zum größten Teile grundlos waren, und daß namentlich an den Mindestzollsätzen für die Hauptgetreidearten und an einem immerhin gegen früher ziemlich stark erhöhten Zollsotze für unser Meh und Fleisch ftstgrhalten worden ist."
** Die ,Kons. Rott/, bekanntlich das offizielle Organ der konservativen Partei, schreibt in einem Artikel über die neuen Handelsverträge, man könne wohl sagen, daß die Landwirtschaft alle Ursache habe, mit dem Vertrags- Werke, das a» sich eine außerordentliche Leistung unserer Reichslritung darstelle, zufrieden zuj sein. Dagegen protestiert die «Deutsche Tages- ztg.' lebhaft. Sie würde vielleicht zugeben, daß j die Landwirtschaft „einige" Ursache zur Zufrie- denheit habe, daß sie aber alle Ursache haben soll, geht dem Bündlerblati über die Hutschnur. Als Fraktionsorgan hätte fich die ,Kons. Kort.' nach seiner Meinung einige Zurückhaltung aufer« legen sollen, da die Konservativen doch bisher gegenüber dem Getreids-Mindestzoll u-?d den Viehzöllen eine andere Haltung eingenommer- hatten.
* Die Beratimg der Knualvorlnge soll am Freitag im Abgeordnetenhouse ihren Anfang nehmen. Für die Beratung ist ein Plan auf- gestellt, nach welchem zunächst der Berichterstatter Dr. Am Zehnhoff ei» einleitendks Referat geben wird. Dann soll eine allgemeine Besprechung folgen, in der die Fragen des Schleppmonopols, der Schiffahrtsabgaben, der Mosel-, Saar- und Lahnkanalifierung und andkre Gegenstände, die weder bei der Vorlage noch bei der von der Kommission gestellten Resolution erledigt werden können, zur Besprechung gelangen. Der allge- meine» Besprechung soll eine Einzelbesprechung mit den Abstimmungen über die einzelnen Teile des Rhein-Hannover-Kanals folgen. Nach Er- l-digung des Rhein-Hannovrr-Kanals soll der G coßschiffahrtsweg Berlin-Stettin, dann der Oder- Weichsel Kanal und schließlich die Kanalisierung der Oder beraten werden. Weitere Debatten
Regentschaft übernorerern, aber er befindet fich wohl dabei. So hat er den Frieden im HauS und seit seinem Streit reit dem Bruder hält er was auf ihn. Er hat an der Frindichaft schwer getragen, und ist seelenfrob, daß wieder Friede ist. Er tät jetzt seinen Bruder nicht mehr verklagen, und daß er es getan, hat chn schon oft gereut.
DaS fitze Halbjahr her ist'- dem Buchbauern, als ob eine schwere Wolke fich über seinen Hof lege, die fich reit nichts vertreiben lasse und vom Wetterschicßen verficht er nich'S Es könnt' auch nichts nützen.
Bon den beiden Töchtern — Söhne hat man nicht — ist vie ältere bereits ins achtzchnte Lebensjahr getreten und stttS etwas kränklich. Sie ist so bleich, fast wachSgelb und die Hände werd« schier durch- fichtig. Der junge Körper, vorher so fti-ch und b ü« hend, wird iremer magerer und schrumpft ein. Und so müd' ist fie, grad 'S Kirchqehen kränkt fie am Sonntag, von einer richtige« Arbeit »st keine Rede.
ei nt dazucibt, besser gesagt: verspricht, das wissen nur die Rächstbeteiligten am Handel. Niemand erfährt e» sonst, selbst die Bäuerin nicht Der Haimann echer zählt zum groß« Guthaben ein weiteres kleinere» und rechnet im stillen ans, wieviel noch fehlt, bis die Hnteregg sein Eigentum ist. Er weiß, wo die «eisten Schuldsorderungen an den Bauern zu finden find. Diese hofft er im «tscheideuden Moment taufen und dann die habgierige Hand auf den Hof legen zu können, um «och ein gutes Geschäft zu machen. Unteregger hab' Sorg'!
I« WirtShau» wird nun der übliche „Weinkauf" grhalteu. Der Jude muß Wein bezahlen und die ander» trinken ihn. Bonifaz lacht den Goldvogel an, de» er in der Hand hält, der Schleifertvni ißt Brat« und Salat, 's mag's leid« hem'.
Mtt einkrechender Dämmerurg fährt der Schleifer- toni mit Setter nach der Unteregg, die Pferde anS- zntanschen. Die Knechte find mit ihnen schon voran»- „ _ ,
gegangen. Dem Bauern geht eS gut, daß er „auf-1 haben, so viel fie wollt; tofnn ihr die Mutter auch fitz« k»««", 's Lausen könnt' ihm Schwierigketten manchmal eine Arbeit onschofft, der Vater macht । stets erfolgreiche Einwendungen. Aber wenn fie nur
man kein trdischrS Z.el, so tut mar«’» um Gotteslohn. —
Zwei Jahre später finden wir an einem Maiabend zwei bekannte Personen auf dem Heimweg von Tan« nach. Sie kommen auS der Maiarttacht und beginnen ein ernster Gespräch — der Buchbaner nämlich und die Untereggeriu.
„Wie geht eS deinem Weibe, Schwager?" fragt die Untereggeriu. „Meine Kinder haben schon ekt paarmal heimgebracht, fie sei krank."
Der Büchbauer ist wohlberührt von der teilnanck» vollen Frage und antwortet mit Offenheit:
„Ja, ftellich ist mein' Senz krank und war ich mich auskenn', hat fie keine gute Krankheit. Sie hat'S akkurat, wie'S die Mädel« g'habt haben, 'S ist der gleiche Husten und Äusnurf und dasselbe „Müdsein". Ich sag' halt: Sie hat'» g'rad so."
AuS dem letzten Setz spricht aufrichtiges Leid, jn eine gewisse Angst.
„WaS du nicht sagst I Franz, ja meinst jetzt auch, eS sei so arg?* antwortete die Schwägerin. Sie hat das gleiche schrn von anderer S ite erfahren, dm« wird er ihr so schwer, ein rechtes Trostwort zu find«.
„Wich an reich denken, es geht so," versichert der Buchbauer, „wenn fie nur noch den Herbst ale6t, dann darf ich von Glück sagen. Merk« darf ich ih« nichts loss-n, was ich brat’, ober fie ahnt'» schon selber. Wenn ich unter TagS nach chr schau und sie hat keine Ahnung g'habt, daß jemand kommt, dann treff' ich fie oft mit verweinten, roten Auges. Und wenn ich ftag': „Warum weinsi und was hast?" so gibt sie gewöhnlich zur Antwort: „N>x hab' ich, ich wein' nur wegen den Mädeln; beide haben so jung sterb« müssen," und gestern hat fie noch halblaut dazu gesagt: „Ich komme bald zu ihnen!" Ich hab'S ihr auSgerrdet, aber selber nicht geglaubt, waS ich vorbracht hab'. Wenn ich daran denk'. Anno, daß ich bald allein, ganz allein fein scll, und hab' so eine glückliche Familie geüabt, zwei brave Mädel und ei» fl ißigeS, treues Weib, glaub'- mir, eS könnt' eww das Leben entleihen. Lieber zwei Stuben voll fcinbec als so ein Liebe- umr andere verlieren." (F. f.)