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Fulda, Mittwoch, den 1. Februar 1905.

Jahrgang.

HO

gärtner.

(Nachdruck verboten.)

§ Der Toleranzantrag des Zentrums wird nächstens auf die Tagksordnung des Richs- tags kommen. Der Präsident wollte ihn, w'e das Zentrum beanspruchen konnte, für diesen Mittwoch zur Beratung stelle», und nur, weil die Vorwegnahme der auf den Bergarbeitkraus­stand bezüglichen Anträge wünschenswert erschien, wurde mit Einverständnis des Zentrums davon abgesehen. Kaum hatte in der vorigen Woche verlautet, daß der Antrag wieder in Sicht komme, da regte es sich auch schon w edrr im Lager der Friedensstörer.

In Wirklichkeit ist es natürlich ehe hohle Phrase, daß der Antrag ein Versuch sei, eine Katholisierung Deutschlands zu erreichen. Die Katholiken wären froh, wenn sie die Macht hätten, die Protestantisterung ihrer ReligionS- genvffm zu verhindern; sie denken nicht im Traum an die „Katholisierung Deutschlands". Wa« heißt das überhaupt? Wie sollten sie denn diese bewerkstelligen? Wenn sie Freiheit in Rettgtonsübung hätten, also nach Gefallen Kirchen bauen «nd Gottesdienst darin abhalten, Prozessionen und Missionen veranstalten, Ordens. Niederlassungen errichten könnten usw, würde dadurch vielleicht irgend ein Protestant ge­zwungen, katholisch zu werden? Das glauben die Protestler doch selbst nicht. Uns fällt eS nicht ein, über Protestantisterung Deutschlands zu schreien, wenn den Pro t stauten Religionsfre.heit g währt wird, möge man also auch daS mit den Phantastereien aufgeregte Pastoren erschweren. Man stellt mit dem ganzen Geschrei ja doch nur den Protestantismus bloß, der nach Austastung aller Protestler trotz aller Ruhmeshyrnnen, die man sonst für ihn hat, neben einer freien katho lischen K,rche nicht leben kann.

Daß der Toleranzantrag eine „Aufhebung I rerstaatlichen Kirch en-und Schulhoheit" redeute, ist eine Entdeckung, die auch nur von Leuten gemacht werden konnte, die den An- trag nicht gelesen haben. Allerdings von iberflüstiger Staatsbureaukratie möchte er Vie Personen und die Kirche befreien, und wir meinen, daß das auch von vielen gläubigen Protestanten angestrebt werde, die die

stillem vorläufig zurückgezogen, weil die Zeit zu ferner Durchberatung nicht «ehr ausreichte. Für den ersten Teil stimmte die große Mehrheit des Reichstages nicht etwa bloß Zentrum und Sozialdemokroten, sondern auch die Konser­vativen und Nationalliberalen. Daß diese dem- Zertrum ein gefährliches Zugeständnis hätten machen sollen, ist von vornherein nicht ar gu« । ^$>1 ui« öryuigo^eu urs ssiume» mtqi netncBen.

$ Enthält der Antrag auch Im üörixen wird das Jntkrtffe, daS der Staat vlcht das Mindeste, worüber sich ein Freund der an der Erziehung und dem Unterrichte der Toleranz aufzuregen brauchte. Im Gegenteil, ‘ ........*

jeder anständige Mensch muß die Freiheit der Einzelperson in Bezug auf die ReligionS- Übung, wo sie da ausgesprochen wird, ohne weiteres anerkennen. Nur wer den Zwang in religiösen Dingen will, kann dagegen protestieren.

Auch der zweite Teil, der den ReligionS gejelischaften seine Religionsübung im ganzen Reiche verschaffen will, enthält absolut nichts, wodurch sich irgend eine Konfession beschwert fühlen könnte. Es wird j, für alle anerkannten Rsligionsgesellschasttn das Gleiche gefordert; nicht von einer Bevorzugung der Katholiken. Wer da-regen protestiert, stellt sich das Zeugnis aus, daher die Unterdrückung der Katho­liken will und wer gar noch seinen Protest so „begründet" vor dem Synodalverband, der verrät außerdem, daß er die protestantischen Kirchen für zu schwach hält, als daß sie den ferneren Wett­bewerb mit der katholischen Kirche ausnehmen können, daß vielmehr der Staat dnst knebelns müffe, wenn sie den Protestantismus nicht über-1 Pfigeln soll. !

: nicht mehr brauchen. Wurf für Wurf bleibt der i Unteregger in der Minderheit. Bonifaz hat das ®e» heimnis seines Glocke in der geschloffenen rechten Hand

■ I verborgen — 's ist ein falscher Würfel.

Der Schleiftrioni Hilst sich beim Zusammeqzäblen, das geht „wie 's BtterSniex", und ob auch drei oder vier Punkte mebr gerechnet werden, die verschleierten Augen des Bauern können das nicht mehr unterscheiden, er verspielt.

Nachdem die Würfel entleibet find, wird noch mit Kaiten gespielt. Ter Schleifer und der Wirt haben „kippich", und der Bouer verspielt. Jetzt wird er aufgeregt und et vergrößert den Einsatz von Spiel zu Spiel; gwinnt er manchmal Unbedeutendes, so verliert er doch stetig und der Verlust steigt über einen dvppckten „Goldvogel." Tie andern winken und deuten und lächeln mitunter, eS kann darum nicht anders sein.

So erreicht der Unteregger die Stimmung, in der Menschen alles „Wurst' ist, wo er zu allem „ja" sagt und alles unterschreibt, selbst sein Todesurteil. Jetzt ist die Zeit zum erfolgreichen Pferdehandel da, der Jude sub sie mit Freuden kommen.

In der WirtSstube wird nun g-handelt und ver­handelt. Drei Männer reden auf den Bauern ein mit einem Eifer, dec eurer befferen Sache würdig ge­wesen träte, und mit einer Zungenfertigkeit, die jedem Advvkater vor Gericht die besten Lorbeeren einge­tragen hätte. Dem Unteregger vergeht Hören und Setzen; der Bierzenutz trägt auch seinen Teil daran.

Um den halben Mittag kommt eine Maurer- gesell'chaft fzum Vesperbrot. Von der Anwesenheit der Unteregger» find sie sichtlich erfreut. In nächster Nachbarscha t der Wirtshauses hat uämlich ter Blitz in der Tonerbauern Haus geschlagen und schon nach vierzehn Tagen arbeiten die Ha-dwerkSleme „per Dampf', um den Neubau recht bald unter Dach zu driugea. 8m Tisch deS Unteregger- nehmen fie Platz urd zwar hart an diesem.

»Heiß' ist'S hrm',' klagt der Hüttenkonrad, ein

gege» den Toleranzantrag protestiert, verraten weiter nichts als die Intoleranz der Pro­testler. Man will keine Freiheit und Gleich­berechtigung der Katholiken, weil man fie haßt, weil man trotz aller Tolrranzphrasen unduld­sam ist bis auf die Knochen. Wie weit | die Protestler bei den Parteien im Reichstag Eindruck gemacht haben, werden wir ja nächstens sehen. SS würde ein trauriges ! Zeichen des Rückschritts sein, wenn man I den Antrag nicht mit derselben Mäßigkeit und ! Ruhe behandeln wollte, wie es zu allgemeiner Genugtuung bei seinem erstmaligen Erscheinen im Reichstage der Fall gewesen ist.

staatlich-bureaukratischen Fesseln ihrer Kirche a'.s eine unerträgliche Last empfinden. Bon den Rechten, die dem Staate zukommen, wird mch ein Titelchen angetastet Die Schulhoheit des Staates wird erst recht nicht angefochten. Daß die Eltern über die Konfession ihrer Kinder fre zu bestimmen hoben sollten, wird doch wohl oegen die Schulhoheit des Staates nicht verstoßen

—* Die von mehreren Zeitungen gebrachten Miiteilungen über militärische Echutzmatz- regel« «u der ruffischen Grevze beruhen, wie offiziös erklärt wird, auf freier Erfindung.

§ Der Beirat für Arbeiterstatiftik war vom 23. bis 26. Januar im Kaiserlichen Sta­tistischen Amt unter dem Vorsitz des Präsidenten von der Borght zu einer Plenarsitzung ver- sammelt, um 5 v. H. Auskunftspersonen aus der Fischindustrie zu vernehmen. Von den Fischin­dustriellen, welche frische Seefische räuchern, bra­ten, marinieren oder sonst verarbeiten, werden Klagen darüber erhoben, daß fie mit den Be­stimmungen der Gewerbeordnung Über die Ar­beitszeit der Arbeiterinnen nicht auszukommen vermögen, weil ihnen die unregelmäßige Gewtn- vuvg und die leichte Verderblichkeit der Fische kleine gleichmäßige und an bestimmten Tages­stunden gebundene Beschäftigung der Arbeiterinnen gestalte. Es handelt sich darrm, ststzustellen, inwieweit diese Klagen begründet find. Zn diesem Zweck waren Auskunftspersonen — sowohl Ar­beitgeber als Arbeitnehmer — aus allen Hauvt- plätzen der Fischindustrie der Nord- und O isee- lüste sowie aus einigen binnevländ schen Orten geladen, welche über die besonderen Bedingungen, unter denen die Fischindustrie arbeite!, über die Arbeitszeit der Arbeiterinnen und die Einwir- hingen der beschränkenden Bestimmungen der Gewerbeordnung, sowie über die Notwendigkeit und Möglichkeit ihrer Abänderung gehört wur­den. liebet die Ergebnisse der Vernehmungen wird demnächst in einer neuen Sitzung des Bei­rats verhandelt werden.

* Bergarbeiterstreik im Rnhrrevier. Die Zahl der Ausständigen hält sich mit ge­ringen Schwankungen auf derselben Höre, Die Ruhe ist nirgendwo gestört. Mit den Unter- uchungen der Zechen in bezug auf die von den Arbeitern behaupteten Mißstände ist am Mon­tag nachmittag begonnen worden. Den Anfang machten die Zechen Herkules (Esten) und Bruch­straße (Langendreer). Das Resultat bezüglich der Zeche Herkules ist folgendes: Obschon die Zeugenaussagen beschränkt wurden, hat die Untersuchung ergeben, daß auf Zechs Herkules in bezug auf das Wagennullen und das Bestrafen Zustände herrschen, die von den Vertretern der Bergbehörde als unzuträglich und unzulässig bezeichnet wurden. Es wurde ferner festgestellt, daß. obwohl das Berggesetz die Anstellung von Wagenkontrolleuren durch die Arbeiter zuläßt, diese Bestimmung von der Zechenverwaltung durch allerlei Maßnahmen illusorisch gemacht werde.

Wegen des Feiertags Maria Licht­meß wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Freitag ansgegebe«.

ranz an trag. Er will aber gar nichts, was nickt in so und so vielen Staaten, in denen wirklich religiöse Freiheit herrscht, längst und ohne Gefahr für das Gemeinwohl Rechtes rst. Ec will aber auch hier gar keine Bevor-

Die Zulassung von Orden allerdings will der Antrag. Dafür ist er eben ein Tole-

Jugend hat, nicht im mindesten bestritten oder verkürzt.

reiz ist mäßig. Nach den Hustenanfällen stärker? Matvgkrit.

gez. Kraus. Wideman». Wiemuth.

Hoffentlich hält diese günstige Wendung an und schreitet weiter fort.

** sämtliche sieben Haudelsänträge find m der heute unter dem Vorsitz des Staats­sekretärs des Innern, Grafen von PosaSorvsly abgehaltenen Sitzung des Bundesrats zur Annahme gelangt.

Noch öfter kreist der lederne Becher; der Jude „wird sämtliche vier Liter Bier", und diese find ichon getränten, bevor der letzte au§ gespielt ist. Den Löwen­anteil davon «hält der Unteregger. Beständig hat er den Krug am Mmid. Die andern beneiden iha nicht darum, fie schieben'- ihm eher noch zu. 'S könnt ein teurer Bier geben, Bau r, ob's auch der Jade be­reinigt, die Zeche ist auf dich g-richtet!

Bonifaz füllt die Gläser wieder; des UntereqgerS Glas behandelt er mit besonderer Sorgfalt. Zuerst langt er nach einer Flasche und d-ckt den Boden mit kuschenschnopS, m d erst dann füllt er auf mit Bier. Doch werkt er sich das GlaS genau, daß er eS ja nicht dem Unrechten ouftrage. DaS tut. naiüilich seine Wirkung, und der geirrsftne Baur «erkr'S bei keinem Schluck.

Es wird weitergewürfelt, aber der Haiwann tritt aus dem Spiel, die beiden »r dern können ihn euch

zugung der Katholiken, sondern nur Gleichstellung mit den Protestanten. Die katholischen Orden sollen dieselbe Freiheit genießen wie ähnliche religiöse Genoffenschaften der PreißDanten. Daß die Orden den Pro- teftanlen gefährlich werden könnten, gehört in das Gebiet proteckantischer Kindermarchen. Es hat noch hin Ordensmann oder Ordensschwester einen Protestanten mit Haut und Haar ver- fpeilt oder mit Gewalt karholtsch gemacht. Wir verlangen die Orden überhaupt unsertwegen, nicht der Protestanten wegen.

Alle dröhnenden Redensarten, in denen man

Deutfehes Reich.

Berlin, den 31. Januar 1905.

* Das Befiudeu des Hirioze« Eitel Friedrich ist in erfreulicher Beffernng begriffen: Die hohe Fiebertemperatur hat beständig abge- nommrn, und die Entzündung ist in Lösung übergegangen. Am Montag abend wurde folgen­der ärztliche Bericht ausgegeben:

Seine Königliche Hoheit hatte am Tage weniger Beschwerden und viel geschlafen. Temperatur am Abend 37,7, Puls 72, Atmung 28, Nahrungsaufnahme gut. Wideman«. Wiemuth.

Der heute vormittag um 9 Uhr ausgegebene Bericht lautet:

Die erste Hälfte der Nacht wegen Schmerzen und Atemnot unruhig gewesen, am Morgen erfolgte fünf stüudrger Schlaf, Temperatur am Morgen um 37, PulSfrrquenz 70. RechterseitS beginnt sich die Lungen­entzündung zu lösen; lmkS ist der örtliche Befund un­verändert. Der Auswurf ist weniger blutig, der Husten-

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Verantwortlicher V

Schristleiter:Zos.vaum

Z. Parzeller in Zulda. WOttyCttbCifagC i „Illustrierte Sonntagszeitung

Diesmal war nicht der Evangelische Bund, sondern der „Freie Verband deutscher Synodalen", der aus dem Wormser Synodal­tage heroorgegangen ist, zuerst am Platze und bestätigte damtt, daß er weher nichis als eine Filiale des Bundes ist. Er läßt schleunigst ver­breiten, daß er in seiner erweiterten Ausschluß- sitzung soeben beschloffen habe, im Hinblick auf die bevorstehende Beratung drs Toleranzantrages an die Ftaklionsoorstände ein Telegramm zu richten, in dem er protestierte „gegen die Ver­suche des Zentrums, unter dem Deckmantel des sogen. Toleranz,ntrages ein- Aufhebung der staat- lichen Kirchen- und Schulaufsicht, eine Zulaffung fremder Orden und eine Katholisiernnc Deutschlands zu erreichenAlso so änMich war die Sache und so aufgeregt dieser Synodul- verband, daß er sich nicht die Mvh» nahm, eine schrtstltche Eingabe an die Abgeordneten zu machen und feinen Protest zu begründen. Es mußte schleunigst telegraphiert werden, daß man protestiere.

Freilich war das das bequemste. Wollte man eine wohlüberlegte und wohl begründete Eingabe machen, so hätte man den Antrag wenigstens lesen müssen, denn sonst bestand die Gefahr, daß man sich mit seinem Dokument blamierte. Das konnte man sich durch ein Tele- gramm sparen. Da brauchte man nur zu er­klären, daß man „protestiere" und das „Evan­gelium" war gegen „römische Anschläge" gerettet. Man ist aber doch so unomsichtig gewesen, diesen Vorteil nicht voll auszunutzen. Man hat nicht nur protestiert, sondern auch noch in einigen kräftigen Phrasen erläutert, wogegen man pro- testiere. Und da ist denn richtig doch ein» Bla- maae herausgekommen.

Was will denn derToleranzantraa? Er zerfällt bekanntlich in zwei Teile, von denen der erste die persönliche Freiheit der ReligionSÜbung, der zweite Religions­freiheit der Religionsgesellschaften gewährleisten will. Der erste Teil ist bereits einmal vom Reichstage angenommen worden. Der zweite wurde von den Antrag-

Wrrröerzwist.

Schwäbische Dorfgeschichte von Kaspar Baum-

„NrchtwSchter!" sagt de- Unteregger nach dem «pen «schluck, bann aber wird denm ch Schoppen um schrien getrunken und dazu gehandelt „auf Mord und Brand."

„'S ist zu viel, 'S ist zu viel", beteuert der Hai- mann bei seiner edelsten Tugend, bei der Ehrlichkeit. „39 will kein ehrlicher Jud sein, wenn 500 Mark °'cht ein brüderlicher Kaulpreis wär' für dein Rößle." schon sv* 6e$ ®mr 6Iti6t tatt, hem' ist er jetzt Ueber eine Weile geht b-r Wirt zur TürehttauS. — Auf dem Fuße folgte ihm ter Jude.

„Bonifaz", sprach dieser im Hau-flar, „könntest auch war verdienen bei dem Handel, wenn du nur em bijchen gut reden wolltest.

Bntfaz nick e verständnisinnig.

., Mark kommt eS wir nicht an, wen»

^as P«e,d um SCO Mark kaufen kann; aber ein Lrnschhandel rst mir lieber, cö-st, Bonitaz, ein Tansch- ^A ist mir l eber. - Hast für den Unteregger kein

In BonifazenS Augen lerchiet tieferes Berständ- mS und er ermuntert den geriebenen Juden:!

„Hab' keine Sorg', hab' leite Sorg', 'S Geschäft werd recht I"

Haimann kehlt an seinen Platz zurück, aber der „,tl "ft in einer halben Stunde die WirtS- darf im Unteregger von der Abmachung zwischen ihm un> dem Juden fei e Ahnung anisteigen ^b n der Zwischenzeit war ja die Wirtia zum Ein­schenken in der Nähe

„Will der Handel nicht vvlwärtS gehen?" fragt er, wieder an den Tisch tretend. „Unteregger, ist heut' nichts mit dir zu machen?'

Der stellt sich, als wolle er bald oufbrechen, Er soll aber bleibe«, und um ihn festzuhalten, meint der Schleiserton', er werde, vor lauter Reden durstig, ob man nicht einige Map Bier auk würfeln wolle. Ohne Verzug setzt der schlaue Bonifaz den Würfelbecher au den Lisch. Mit diesem ist Joseph Werner seit Jahren gut Freund, drum greift er auch gleich danach.

„Auf den Mann eine Maß", spricht er, „ich wer!' an — zwölf."

Nach ihm kommt der Schmuser an die Reihe und noch diesem der Haimann.

„Ich vertrau' mein Geld nicht dem Zufall an, ich werfie nicht", sagt er.

. Drohenden Auges mißt ihn der Wirt und zu gleicher Zeit plauscht ihm der Schleifer woS ins Ogr, uab der Jude wirft. Ten Schluß macht der pst'fize Bonifaz.

„Der Haimann nimmt an," entscheidet der Wirt, „er hat den niedersten Wurf."

baumlanger Mensch mit Stiefel - wie Kmdersärgchen und einem graudurchschrffenen Bart. Ec wohnt in einem einstöckigen Hänschen, da» böse Leuts mit dem Spitznamen „Hütte" bedachten, 's zwar nichts an« dlM,- aber der Konrad will'S nicht leiden.

„Heist," llsgi er wiederholt und fährt mit dem kalkigen Ae-mel inner blaugestreiften Binse über das G ficht. Ein Sacktuch bat der Konrad bloß am Sonn­tag. Jedweder Maurer bringt in kürzester Z it den Lckerkrng leer; der Durst macht daS und die geübten Züge. Die Mörtelzmift soll, was Trinkarbeit anbr- longt, seit uralten Zeiten mit GlaS und Krua Er­kleckliches leisten. Doch beul' hat die H tzr am Durst bedeutend,t Schuld. Daß Wasser da» natürlichste Mittel gegen Durst ist, denkt keiner, zul tzt der Hüttenkonrad, drum jammert er wehmütig vor sich hin:

„Jetzt ist er halt leer, und 'S mag keiner mehr leiden; Unteregger, zahl' noch eine Halbe!"

Der fährt bei der Anrede anS seinem Haibschlumm r auf und sieht den Bi tsteller mit glasigen Augen an.

„Der könnt'S machen" sekundiert em anderer Maurer, „der reichste Bauer mit dem schönsten Hof weitum."

Da» prächtige Anwesen, die guten Felder vnd der ichöne H-uwachs!" rühmt ein dritter.

, ,,®ai Lod fettes Hofe» bört der Unteregger gern; ftlbfi wenn sich auch der N bei um ihn zu spinnen woht, daS verficht er noch und es tut ihm wohl. — Welchem Bauern macht es nicht Freude, fein Anwesen rühmen zu hören! — Die dtplomatischen Lober erreich en aber ihren Zweck.

„Scheut' ihren ein!" b fiehlt er dem Wirt. Der lauft toie „Michel In’ Himmel". Lobreden find ein­träglich, wenn fie einem lummen gelten und auch sein Ohr erreichen. Dankbarkeit hat aber eine solche Wohl­tat nicht im Grsolge. Als die Maurer die Wirtshaus- iure hinter sich haben, spricht der Hüttenkonrad: „Aber der Unteregger hat hem' keinen kleinen —"

„Rausch" ergänzt ein anderer, und die ganze Gesellschaft stimmt mit GelSchttr ein. (Forts, folgt.)

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Druck und Verlag des ZuldaerActiendnickerq'

Monatsberlage: „Zllldaer GeschichtrbMer". Zernsprechtt Nr. 9.^