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Druck nnd verlas M Mdaer Rctirndrnckers in Md« (Harmonik Zernsprecher M.».

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Fulda, Samstag, den 28. Januar 1905.

32. Jahrgang.

Zweites ZZtcrtt.

Wodien-Rundfdiau.

gZFulda, den 28. Januar 1905.

(Nachdruck verboten.)

Der große Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet dauert »uverSndert fort; <8 find im ganzen etwa 200,000 Bergleute ausständig. Der vorn preußischen Handel»» Minister »er Vermittlung des Frieden» in da- Sus» standSg'bier entsandte Oberberghaup'mann v. Brl.en hat ««verrichteter Sache nach Berlin zurückkehren wüffev, da der Bergbauliche Berein es Mehnte, mit den Arbeitervertretern kontradiktorisch zu verhandeln und au einer gemeinsamen Besprechung von Berg- wskSbefitzern und Bergleuten teilzunehmen. Es ent­sprächt da» ganz seiner bisherigen Haltung, ist aber wenig geeignet, den sozialen Frieden zu fördern und zur Beruhigung der Gemüter brizutragen. Im ReickStage, wo drei Tage lang sachlich und ruhig über die sozialdemokrattsche Interpellation wegen de» Streck» verhandelt wurde, hat die große Mehrheit keinen Zweifel darüber gelassen, daß fie da» selbstherr­liche uns trotzige Bebahren der Zechenbefitzer entschie» den nicht billigt. Selbst HandelSmmister Möller, der unsicher hin und herpendett, unparteiisch sein will und von seinem Herzen doch stark nach der Seite der Besitzer bingrzvgea wird, bald nüchtern sachlich, bald «ie ein Scharfmacher sprach, sah fich schließlich durch die schnöde Behandlung seine» Kommissar» doch der» anlaßt, den Zechenbesttzern zu sagen, daß fie einen schweren Polltischen Fehler begangen und die öffrnt» liche Meinung gegen fich hätten. Solche Vorhaltungen werden natürlich auf die Herren, die auf dem Stand- iunkt stehen: ich mache mit meinem Eigentum, wa» h will, nicht leicht Eindruck wachen. Wenn fie starr» finnig fortfahren, nur ihr Interesse z« verfolgen und auf da» Interesse der Gesamtheit zu pfeifen, wird man fie schließlich doch schärfer anfoffen müssen, da­mit fie Vernunft annehmen. Ein Ende de» »mrston- de» ist noch nicht abzusehen. Die Regierung will zu­nächst noch wettere» Beschwerdematerial von den Ar­beitern sammeln. Dan» sollen verschiedene Kom­missionen zur Untersuchung der Bei hältniffe in das Ruhrgebiet entsandt werden. Die Untersuchung wird schwerlich in kurzer Zeit durchgesührt werden können und wenn der Ausstand bi» dahin in aller Schärfe fortdauern sollte, so würde die Wirkung nur Elend und wachsende Verbitterung sein und dieSozialvemo» kratie würde da» beste Geschäft bei dem Streik machen. Sie ist ja ohnehin mit allem Eifer darauf bedacht, Parteikapital daran» zu schlagen. Wiewohl die sozial­demokrattsche Gewerkschaft mit den übrigen Arbeiter» Organisationen gemeinsame Sache gema-ht bat, geht die sozialdemokratische Presse doch unaufhörlich daraus au», den Frieden zu stören. Nennenswerte AuSschrei- hingen find bisher nicht vorgekommen. Der Berg­bauliche Berein bat zwar eine Menge Sensation»» und Schreckensnachrichten in die Welt gesetzt, aber selbst Handelsminister Möller erklärte fie im Reichs­tage für Wind. Man hat ein großes Aufgebot von Polizei in das Aurstandigebiet geschickt. Möge e» feine Aufgabe, die Ordnung Mfrechtzuerhalten, nicht selbst durch überflüsfige Schneidigkeit vereiteln. Daß auch Bergbeamke bewaffnet worden Nnd und Poliz-t- dienste tun, hallen wir für einen gefährlichen Untug. Gerade diese Leute haben durch ihr grobe» Auftreten Süber den Arbeitern viel zu der herrschenden Un- denhett beigetragen; wenn fie jetzt auch noch ,ei spielen sollen, so ist zu befürchten, daß fie durch ihr Verhalten die Streikenden mehr reizen, al» zur Aufrechterhaltung der Ordnung beitragen.

Der Handelsvertrag mit Oesterreich- Ungarn ist endlich zustande gekommen, über den Inhalt ist natürlich noch nichts bekannt.

Bei BeratMg de» Postetat« im Reichstage wurden selbstverständlich wieder zahlreiche Vorschläge |8r Verbesserung der postalischen Einrichtungen und der Lage der Angestellten gewacht. Die soziale Seite wurde vor allem durch den Abg. Trimborn eingehend erörtert. Vom Zentrum lagen »öe* sozialpolitische Refolrttionen zu dem Etat vor, die hauptsächlich auf Einschränkung der Arbeitszeit abzielen.

Die Budgetkommission deS Reichstag» l Hute e» prinzipiell ab, wettere 6 Millionen für die d «rch den Hottentottenausstand Geschädigten zu geben E4 find genug Millionen in den Wüstensand geworfen. Wetter hat die Bndgrtkommiffion in den Nachtrag»« o t für Südwestafrtka die Forderung von 200000 Mir! zu Vorarbeiten für eine Eisenbahn von Wind­huk nach Rehvboth abgelehnt, wiewohl da» Geld zum größten Teck bereit» ausgegeben worden ist. Da» Plenum wird den Beschluß hoffentlich bestätigen Man muß der Regierung doch endlich einmal zeigen, baß man keinen Spaß versteht imb fich da» willkür­liche Auraeben garnicht bewilligter Gelder nicht ge­fallen lassen will. Mtt dem Ausstande hat die ge- plante Bahn nicht» zu tun. Trotzdem hält man ei nicht für nötig, erst den Reichstag za fragen, ob er die Bahn auch bauen lassen will, sondern schließt wir nichts dir nichts »1t einer Berliner Firma einen Vertrag über die Ausführung der Vorarbeiten ab. Der Reichstag muß doch endlich ein Exewpel statu­iere« und die Beamten, die unbefugt Geld auSgeben und Verträge Meßen, in der Patsche stecken lassen, damtt fie lernen, do» StatSrecht zu achten.

Bei Beratung de» Land«irtschaft»etat» im preußischen Sbgeordnetenhause kündigte der preußische Landwirtschaft»minister energisch Schritte

Unpolififdie Zeitläufe.

(Nachdruck verboten.)

<S Berlin, den 26. Januar 1905.

„lieber die Mischehen sollte der Unpolitische auch mal eine Lippe riskieren!-, schreibt mir ein Berliner Leser und fügt hinzu: „Diese Butter fieht ost sehr schön auS; aber wenn die Leute sie in den Mund geschoben haben, dann merken fie ast, daß ei Margarine ist und auch noch Haare darin !“

Da da Unpolitische nicht auf der Kanzel steht, sondern vielmehr im Untergeschoß da Zet» hing haust, so möchte ich die heikle Sache von da rein menschlichen Leite aufaffen.

an zur Entschuldung da Landwirtschaft unb Auftei­lung von Großgrundbesitz in Gegenden mtt geringer bäuerlicher Bevölkerung. Wetter teilte er mit, daß eine Reorganisation der Geaeralkcwwiflwnen im Sinne bet ZentrumSantrSge erfolgen solle.

Wetter hat da» Abgeordnetenhau» fich wieder einmal mit dem Seucheugesrtze beschäftigt und nun glücklich die zwette Lesung zu Ende geführt. Aber da» Zustandekommen da Vorlage ist noch keinesweg» gefichert. Am Montag begann die zweite Lesung de» Etat». Die Porre-en Haven eine Vereinbarung Ä über die Zeit, die etwa auf die Beratung jtldai» verwendet werden soll und bei bereu Jnnehalmng die Etattberatung um ben 18. März herum beendet sein würde. Auch versprachen alle Parteien beim Eintritt in die zwette Beratung, über- flussigeS Reden zu ve» meiden und alle» zu tun, uw den Etat fertig zu stellen. Hoffen wir, daß fie Wort halt»«.

In Oesterreich trat am Dienttag das Abge­ordnetenhaus wieder zusammen. Der neue Minister- präfident Freiherr v. Gautsch hielt ihm eine schöne Rede über die Notwendigkeit, pofittve Arbeit za leisten unb ben Nationalttätenhaber bei Sette zu setzen Auch in einer Konferenz bet O-männer fast aller Parteien redete er eindringlich zum Frieden. Ob'» hllst, werden wir ja bald scheu.

In Ungarn ist die Wahlbewegung hn schönsten Gange. Wie landesüblich kommt er dabei reichlich zu Zusammenstößen zwischen den Parteien, und Prügel werden nicht gespart. Einig« Tote stehen schon auf der Rechn«" g dieser „Bewegung".

In Frankreich hat die Bildung des neuen Ministerium» nicht geringe Schwierigkeiten gemacht. Ob da» Minifieriuw Rouvier lebensfähig ist, muß man abwarten. Solange wie da» Miristerinm Tom- des wird e» fich schwerlich am Rude' halten, da der Block nicht zusawmenhalten wird. Leisten wird es wohl erst recht nichts.

In Rußland scheint alle» unaufhaltsam der Re- volmion entgegen rntrtiben. Am Donnerstag voriger Woche wurde in Petersburg bei der Feier der sogen. Wafferweihe, an btt auch da» Kai'erpaar teilnadm, auS den zum Zwecke de» Salutschießens aufgestellten Geschützen ein Kartätschenschuß abgefeuert, durch den mehrere Fensterscheiben im Winterpalais zerbrochen, in einem Saal de» Palais einige Zerstörung enge» richtet unb ein Polizist verwundet (oder getötet) wurde. E» soll ein Versehen gewesen sein, vielleicht aber war eS eine Warnung für den Zaren, den Reform­wünschen länger zu widerstehen. Inzwischen verlautet, daß der Zar fest entschlossen ist, da» alte, schroffe Knutenregiment mit aller Schärfe wieder durchzu- führen. Am Sonntag spielten fich In Petersburg trau­rige Vorkommnisse ab. Seit einigen T'gen streikt dort fast die ganze Arb iter schäft. Man pellte auch politische Forderungen auf und betchloß, diese dem Zar zu überreiche«. Al- nun die Massen unbewaff iet zum Winter Palais zogen, wurden fie vom Mttttär mit schärfen Gewehrsalven empfangen. Wi: viel P rsonen gefallen find, steht nicht genau fest, jedenfalls find eS Hunderte. Das ganze Blutbad war unnötig und wird die Erregung nicht mildern. Ob er gelingen wird, die überall fich erhebende Bevölkerung mit Gewalt niederzuzwingen, steht vorläufigHahin. Ein schlimmer Zeichen ist die Meuterei von Marinesoldaten in Se- bvstvpol und die Weigerung der dortigen Infanterie auf die Meuter er zu schießen. Wi« mag dem Z iren zu Mute sein angesichts de» „Siege»", den seine Truppen in der Reichrbauptstadt über seine eigenen wehrlosen Untertanen erfochten haben, während fie im fernen Osten Niederlage über Niederlage im Kampfe mit dem Feinde erleiden?

Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplätze find Ereignisse von Belang in letzter Zeit nicht vor­gefallen. Die Russen beschweren fich bitter über Ber- l'tzung der Neutralität durch die Ehiuesen, und zwar hauptsächlich, weil Ehunchusen-Banden die Japaner unterstützen und unter japanischen Offizieren einen Guerillakrieg gegen Rußland unterhalten sollen unb weil die Chinesen die Wegnahme eine« russischen Torpedoboote» in Tschifu durch die Japaner nicht verhindert haben. Umgekehrt werfen die Japaner den Russen vor, daß viele reguläre chinefische Truppen die Russen unterstützen.

In Südwestafrika darf nach einer Meldung de» Generalsv. Trotha der Feldzug gegen die Hereros als beendet angesehen werde,.. Wühelm Maherero, der noch einen Rest gut bewaffneter Leute zusammen- dielt, hat seine Unterwerfung angezeigt. Die Üb igen Kapitäne und KriegSleute wurden zersprengt, flohen mtt wenig Vieh oder kamen um. Mtt dem Wider­stande ist ei jedenfalls vorbei Die Rot zwingt ben Rest be» Volkes, Stieben zu suchen.

stummer Ergebung.

Auf einem großen Kochherd standen ovale und runde Schmortöpfe durcheinander. DaS ging ganz gut; aber als der Koch mal in der Eile einen ovalen Deckel auf eine runde Kasserole

nützlichen Mörtelkalk vereinigen.

StnS im Fleische — das reicht für den zoo­logischen Garten; eins im Geiste, daS ist für beseelte Menschen die Hauptsache. Aber gerade damit hapert eS bei dem verschiedenen Glaube«. Der chemische Prozeß gelingt nicht reckt, weil unvereinbare Stoffe übrig bleiben. Bald nach den Flitterwochen und manchmal schon früher gibt eS Trübung und Bodensatz. Die Flasche muß geschüttelt werden m einigen BeschwichtigungS-

üud Versöhnungsversuchen. Schließlich versagt auch dieser Notbehelf. „Wir verstehen unS nicht." Sie können fich nicht mehr vertragen in Eintracht, sondern nur noch ertragen in

„Mischehe-. Schon daS Wort hat was Unbehaglicher. Die Familie soll eine Sin. hrit bilden, und nicht ein Neben- oder Durch» einander von fremdartigen Elementen. Die Ehe soll keine Mischung sein, sondern eine chemische Verbindung.

„Dor dem Gebrauch zu schütteln!" So steht auf den Flaschen, in denen man Stoffe gemischt

hat, die nicht in einander ausgehen wollen. SBen* die Flasche auS der Apotheke kommt, fieht e® freilich so au», als ob die Stoffe fich regelrecht vermählt hüten; aber das pflegt nicht lange au» zuhalten. Allmählich bildrt sich unten ein Boden­satz oder oben eine Schwimmschicht. Man muß immer erst schütteln, um wenigstens ben Schein der Einheit wiederherzuflellen.

Mir einem Ehebündnis, das „absetzt", ist es nicht richtig bestellt. Da darf fich keine Aus­scheidung bilden, die zeitweil.ß durch Schüttel» beseitigt werden muß. Mann und Frau sollte» eins sein ohne Vorbeha'te und Hintergedanken, chemisch verbunden, ein neuer Körper auS zwei zu einander paffenden Elementen gebildet, wie z. B. Kalk und Waffer aufglühend fich zum

stehen:

Wohl kam ich durch, so ging el allenfalls: Mach'» einer nach unb breche nicht den Hal»!

Andere sagen nun, ei sei intolerant und ultramontane Engherzigkeit, wenn man vor Misch­ehen warne. Ach nein! Unter den Evangelischen find gerade die besten Elemente derselben Anficht. Sie wünschen den evangelischen Männern evan­gelische Frauen und umgekehrt, damit die Fami­lie einig und fest stehe in dem gleichen Bekennt» nis. Dagegen haben wir gor nichts einzuwen» ben; wir gönnen ihnen, was wir für UN» selbst wünschen: Keine Konfession soll der anderen in daS Heiratsgehege kommen. Warum sucht der heiratslustige Katholik A. fick gerade eine Pto- testantin B. auS, und der heiratslustige Pro­testant E eine Katholikin SD.? ES wäre ja viel schöner, wenn A. die D. und E. die B. heim» führte. Dann hätten wir statt zwei gsmischten Ehen zwei ungemischte, in denen kein Zwist wegen Religion und Kindererziehung zu befürchten ist! Schiedlich und friedlich — daS ist hier offenbar das Beste.

Ader so ruft die Mischmaschpartei, die Äon» feffionen sollen fich in Deutschland doch nicht von einander absperren, sondern die nationale Gemeinschaft pflegen. — Dieser Hammerschlag geht am Nagelkopf vorbei. Wenn ich mir eine Frau auSsuche, die nach Bildung, Stand, Ver» mögen, Weltanschauung rc. so recht zu mir und meinen Verhältnissen paßt, und mir mit ihr ein behagliches Nest gründe, so ist das keine Ab» sperrung gegen die Leute von anderm Geschmack und anderer Art, sondern vielmehr eine neue Eingliederung in die menschliche Gesellschaft. Jede Familie ist eine Blüte am großen natio» nalen Rosenstrauch; die Blüten gehören zum Ganzen und tragen umsomehr zur Verherrlichung des S.raucheS bei, je hübscher und kräftiger fie fich entfalten. So gedeiht das Volkstum am besten bei der vollkommensten Ehe, und niemand wird bestreiten können, daß eine Ehe mtt reli­giöser Gleichartigkeit dem Blütenideal besser ent­spricht, als eine Mischehe. Sine rein katholische Familie verkehrt mit dem andersgläubigen Teile der Nation ebenso gern und ebensogut, wie eine rein protestantische Familie. Wo der eigene konfessionelle Standpunkt recht klar und fest, so zu sagen natürlich und selbstverfiäud'.ich ist, da ist gerade die rechte freimütige Sicherheit im Verkehr mit Andersgläubigen gegeben. Aber wenn die Mischehen die konfessionelle Verträg­lichkeit befördern sollen, dann macht man den Bock zum Gärtner. Demi man braucht ja nut einen Blick auf die eigene Umgebung und in die Zeitungen zu werfen, um zu erkennen, wie ge» rade die Mischehen sehr häufig die Quelle von Reibereien und Streitigketten find und das AergerniS oft auf die Verwandtschaft von beiden Seiten, ja auf die ganze Gemeinde fich ausdehnt.

Darüber kann bei vernünftigen Leuten gar kein Zweifel fein: Wenn wir in Deutschland statt der halben Million Mischehen noch eine viertel Million katholischer und eine viertel Million evangelischer Ehen hätten, so würde der konfessionelle Frieden und die nationale Ent­wicklung dabei nur gewinnen.

Und wenn die Kinderstube fich füllt, bau» wird dieser Himmelssegen, der anderSwo uner­meßliche Glückseligkeit verbreitet, dem „gemisch. ten" Hause oft zum wahren Verhängnis. Wer fich auf die vorhergegangenen Versprechungen verlassen hat, fieht fich nicht selten grausam ent* täuscht. „Ja, daS habe ich mir damals freilich so gedacht; aber Du mußt doch einsehen, daß daS so nicht geht. Ich kann mich ja vor de» und den Anverwandten und vor ben und de» hohen Herten garnicht sehen lassen, wenn fie sehen, daß meine Kinder katholssch «erden. Das schadet mit in meiner Harri dre, das verdirbt unS den Broterwerb, die Erbschaft re. Nein, dar geht mir auch gegen meine Ehre. Und die

„Wohin Du gehst, dahin will auch ick gehen." So heißt es in der alttestamentlichen Werbung. Bei den Mischehen aber geht der eine Teil in die katholische Kirche, der andere in die evange­lische Kirche. „DaS ist der Tag des Herrn", verkünden die Glocken und die Welt ist voll freudiger Andacht. Die gemischten Eheleute aber stehen gerade an diesem erbaulich; n Tage am Scheidewege.

Ober bet katholische Teil geht allein in die Kirche; der andere bleibt zu Hause. Auf dem einsamen Heimwege fällt dem katholischen Teil wieder ein. was für Bemerkungen über das „ewige Kirchenlaufen" schon gefallen find. Oder wenigstens konnte man aus gewissen Anzeichen schließen, daß der Kirchenbesuch lern Verständnis und keinen Beifall findet. Und vor der Kirche und in der Kirche fieht man die anderen unge­mischten Paare einträchtig in voller Seelenge­meinschaft gufammentnieen und einstimmig beten für daS Heil ihres HauseS. Das sticht im Herzen. Und wenn schließlich ein Verwandter ober Be­kanntet einen „Stuß zu Hause" mitgibt, so glaubt man nur daraus einen Klang des Bedauerns herauSzuhöten. — Bei manchen werden die ein­samen Kirchengänge seltener und seltener; aber die Lauheit macht erst recht nicht glücklich.

Und zu Hause gibt eS kein gemeinsames Ge­bet, kein MultergotteSbild, kein Weihwafferdecken, keine Feststimmung zu Fronleichnam oder z» Allerheiligen u. DaS Kreuzzeichen darf nur ver­stohlen gemacht werden. Ueberall geniert, auch in der Unterhaltrng, DaS bekannte Gendarmen- Wort: „Hebet Thema darf nicht gesprochen werden!- hängt wie ein Damoklesschwert über dem gemischten Familientssch. Ueber religiöse oder kirchliche Angelegenheiten muß man diplo­matisches Stillschweigen beobachten, wenn daS Herz auch davon voll ist. Sogar die Zeitungen find gefährlich für ben Hausfrieden, namentlich in der jetzigen Zett, wo die Zeitungen alle Tage konfessionelle Zett* und Strettfragen berühren. Will der katholische Teil ein katholische- Blatt halten, so ärgert fich der andere über daS „ultra- montane Zeug-, und hält der evangelische Teü ein Blatt seiner Richtung, so darf der Eheg^ nosse kaum einen Blick hineinwerfen, um fich nicht in seinen Gefühlen verletzt zu fühlen. „Wir verstehen unS nicht-. . ,

Ist daS ein richtiger Ehebund, ist daS ein wahres häusliches Glück, wenn ich mich nicht frei und frisch geben kann, so wie ich bin und so wie ich möchte — wo ich immer mich zieren und schnüren und in acht nehmen muß?

legen "wollte, da klappte die Geschichte nickt. Halt, sagte er, ei ist doch besftr. wenn Deckel und Topf von derselben Fasson find!

Wenn ich sage, daß gleich und gleich fich am vorteilhaftesten gesellt, so soll eS kecke Kränkung sein für ben armen Mann, der eine reiche Frau geheiratet hat, ober für das Mädchen auS dem Volke, daS von einem hochstehenden Bräutigam heimgeführt wurde. Jeder mag denken, daß fein Fall eine glückliche Ausnahme bilde. Auch die Leute, die fchon in einer gemischten Ehe leben, mögen fich sagen, daß hier nur von der Reget gesprochen wird und auch gerne in der Abficht, für die Braut- und BräutigamSwahl einen Fingerzeig zu geben. Wer schon gebunden ist, der muß fich in Treue und Klugheit mit der vollendeten Tatsache abfinden. Ihm sei von Herzen gewünscht, daß auf feinem Ehewege fich alle Steine deS Anstoße« in Blumen verwandeln. Aber wenn er fich umfieht in der Welt, wie eS dem Andern in den gleichen Verhältnissen geht, „ , , ...

so wirb er wohl ben Spruch von Göthe ver-" 'geschüttelt werden m einigen Beschwichtigung^