32. Jahrgang.
Fulda, Donnerstag, den 26. Januar 1905.
Der ruöiFdi-Japan. Krieg.
In den letzten Tagen find fast feite Nachrichten von Bedeutung über die Vorgänge in Ostafien verbreitet worden, was darin seinen Grund hat, daß die Vorgänge in der Hcnpt. stadt Rußlands ein ungleich größeres Jntereffe in Anspruch nehmen.
Auch heute ist nicht viel vom Lrtegk schau- platze zu melden. Die japanischen Schiffe lauern der baltischen Flotte auf. Admiral Roschdftst- wensltz erklärte in einer Unterredung, er wiffe sehr wohl, daß fich japanische Schiffe in der Nachba, schäft aushalten, er habe selbst bet der Fahrt an der Ofiküfie von MadogaLkar vier Schiffe bemerkt, die vermutlich japanische waren. Er glaube aber nicht, daß Togo den Fehler be« gehen würde, ihn so weil von seiner Operationsdafis entfernt amuareifen. RoschdjeftwenkLk,
geben, um den Gang der eingeleiteten Untersuchung zu vrrfslzen. Am Samstag sollen auf dem Oserderaamt wiederum Verhandlungen mit den fieben Delegierkn der Bergarbeiter statl- finten.
* AnS Deutsch -Endwestafr ik« find in den letzte« Tagen demerkenSwertr Nachrichten nicht fint.egangen. Nach einem Telegramm aus Wtndhok «st der SefreÜe Ernst Henlschel, geb. am 9. Mai 1882 zu Zedlitz, früher Leib- husarer reMent Nr. 2, am 23. Januar in Klein, wmdduk am Typhus gestorben.
Abg. Böckler (Äntif.) wendet sich gegen die Anstellung vo» Damen *« Postdiexst.
Staatssekretär KrStke erwidert, daß weibliche Kräfte nur im relephondierst beschSfiizt würden und sie sich bisher au-gezeichnrt bewährt hätten De Damen würden in diesem Dienste nicht so leicht grob tote dir H-rre«. (Heiterkeit.) „ . ,
«bj. E zbrrg r (Ztr.) begründet dtr Refolotiou des Zentrums, namentlich nach der Serie hin, daß den Arbeitsnachweise» die Benetzung von Fernsprechein- richtungen zu ermäßigte n Gebühre» gestattet werden solle.
UaterstaatSsekretäe v. Lybow stellt sich bufer Forderung deS Zentrums sympathisch gegenüber. Er nahm allerdings an, daß die Resolut on nicht Dender- rarise f-ir die Arbeit saachweisr verlange. DaS, waS die Resolution anstrebr, nämlich die Zulässigkeit ein,» Abonnemsais über d e jetzt von Aborrventen zulässige Z-it von S Ubr abrndS b-i 7 Uhr früh hinaus, werde stch auf dem Berw«ltnng?w?g« erreichen lassen.
Hierauf vrrtagt fich doS HauS.
Morgen i Ubr: Fortsetzung.
Schluß */i7 U -r.
Deutiches Reich.
Berlin, den 25. Januar 1905.
* Prinz Eitel Friedrich, der zweite Sohn des Kaisers, ist erkrankt. Oberstabsarzt Wiede- mann und Stabsarzt SSiemuth haben bei dem Prinzen beginnende Lungeneny.ündung sefigrstellt. Nach dem Kl ankhrilsbericht ist die Temperatur 39,6, der Appetit gering.
—* Nach einer Mitteilung der »Franks Ztg ' soll der Nücktritt de» Handelsministers Möller nach Etledigung des Budgets und nach Beendtgung des Streiks in Parlamente rischen Strei en als sicher gelten. Der,Deutschen Tagesztg/ wird im Gegenteil versichert, daß Hanbelmtnifter Möller durchaus nicht daran denke, zmückm« t eten. Das sei freilich richtig, daß der Minister die Hoffnungen, oie man gerade auf ihn gefetzt, bisher nicht erfüllt hab?, und daß er bei seinen bisherigen Maßnahmen besonders geschickte und glückliche Hand gezeigt hebe.
§ Die Paragraphiernag desT.rtes deS dentsch-österreichisch «uzarischen Handelsvertrages nebst Annoxen durch die deurschen und die österreichisch-ungarischen VertragSklM- miffate ist am Dienstag abend in Berlin erfolgt ur.b gegen Mitternacht beendet worden. Der Verttag dürfte der offiziösen ,Tüdd, Reick»« korresp.' zufolge das Datum deS 26. Jan. 1905 tragen. Weiter wird erklärt, daß die Nolwen- digkeit und Zweckdierlichkeit einer Kündigung des alten Handelroertrages gegenüber den fieben Ve:tragt staal en in den Hintergrund getreten fei. Es lasse stch in allen diesen Fällen so emrichten, daß ohne Kündigung der alte Vertrag non neuem abgelöst wird. Dem Bundesrat sollen die sämtlichen Hantzelsoorlräge gletchzeirig vorgelegt werden. Die Ausarbefiung der Begründurg und die Drucklegung des österreichischen HandelsvLr- traaes wird noch einige Tage in Anspruch neuner*, jeooch in anzunehmen, daß der BundeSrat Sn« f«pp» nächster Woche dre» Sexatung beginnen könne Zu diesen Beratungen werden auch die leitenden bezw. die Reffortminister sämtlicher Bnndesregterunaen nach Berlin komme»?.
? Bei der ReichStagsstichwnhl ivKalbe- Aschersleber» hat der Sozialdemokrat Albrecht mit 21719 Stimmen über den nationafliberaltn Kandidaten Plack-, der 19433 Stimmen erhielt, gefiegt. Das GrgibniS hat vielfach überrascht, da der Sieg Plack, S sicher schien, wenn die nichtsozialdemokratischen Wähler ihm sämtlich ihre Stimmen gaben. Von liberaler Seite wird fre« hauptet, der Bund der Handwerker, der es in Verbindung mit dem Bunde der Landwirte btt der Hauptwahl auf 8147 Stimmen brachte, habe das Ergebnis verschuldet, da er nicht einmütig für Placke eingetreten fei, vielleicht gar Stimmen für den Sozialdemokraten abgegeben habe. Und das scheint recht zu fein. Selbst die .Deutsche Taxesztg/ .bedauert und mißbilligt aufs tiefste und schärfste" daß rin Teil der Bürdler der Parole, für Blocke zustimmen, nickt gestlqt sei.
(*) Der Oberberghanptmann v. Velsen hat stch van neuem ms Ruhr S'.reikgebiet be«
Muter schulen ei« und ve. laugt, daß neben dem fachlichen U»l«nicht auch R-ll,r,-nr unterricht ertellt werde.
Minister v. PotzblrlSki: Die Re,>ermra hat fich überzeugt, daß d>e Wwier schulen vor den Acker da» schulen den Vorzug verdienen und erhrdlrch gefördert werden wüsien.
Abg «erthold (fit.) ist Bit den Resorruplüve» deS Ministers einverstar-dev.
Abg. Dr. Glattfelter (Ztr) erklärt, manche ®e» meinten würden ländliche FottdildungSfchulen ernfüh« text, W'UN der Staat nicht bloß zwei Drittel, sonder» die Vesamlksteu übernehme. Dieser Wunsch sei be« rechtigt, weil viele Gemeinden schon überlastet feie».
Abg. Erust i‘r. Bg.) wünscht, daß die «olks« schullehrer in weiterem Umsorge zum Fachschulunterricht herongezogen würden. .
Der Titel wird bewilligt rmd die Resolution
Beim Ttel .Tierärztliche Hochschulen" b» fürwortet Abg Neumann (t) die Berleihuug der ». Rangklasse an die ZireiSiierärzte.
«bg. v. S-vig»Y (Zir) unterstützt diesen Antrag.
Abg. Dr. Dahle» <Zt-.) wünscht Beseitigung de» Fleischbeschau für Hau-scklachtunkeu in Raffau.
Minister v. PoobiclSki erklärt, man müsse die HauSschiachtunge« unbedingt fefihuUen, weil iu Noffr» viele Fälle von Milzbrand vorgekommen seien, bet denen man zum Teil sogar die Anzeige unterlassen habe.
Abg. Dr. Dahlem (Zlr.) verlangte, wenn de» Minister eine derartige P.yavptvng vor dem Forum der Och ntlichklit auffielle, daß er auch daS Material dafür vorläae.
Minister v. Podbielski erwidert, er habe da» Material dem Ober Präsidenten überwiesen.
Abg. .^ofmann Dillenburg tnatl) schlitßt fich oe» ArSführungen d°s Abg. Dahlem an.
M nifier v. PodbielSki: Wenn Eie mich »eilet provozier will ich noch eine Tatsache tn tu eilen. 3ut Bezirk D-eSbaden wurde bei tzausschlachtungen der Rin> beanstandet, im Nachbarde,irk Raffel nur 13 /.. S« daS keine bedenttiche «rscheivung i
Beim Titel, Biehzucht" ersucht Abg «ahen-kP (Ztr.) den Minister, daß er den von dem ©«ff‘«’ Nassauischen Bauernverein an gestellt, n Obftlehr er über« nehme. ___ ,,, .. ,.
Abg. Busch (gtr.) dankt dem Minister für die Unterstützung, die man dem Rotweinbau an der Atz» habe zuteil werden lassen.
Abg. v. Dnvigvy (8tr.) stellt für die S. Lesun« einer: Antrag auf Gehaltserhöhung der Rieiitteiarzt» :n Autficht.
Mmister v. Podbielski verhält stch zu diesem An«
’ Hieraus vertagt fich daS HauS. — Mittwoch: Fortsetzung.
Schluß 6 Uhr.
AMM Cll I AAAf SssjaSä ÄUIvHVt Verantwortlicher W Jy gchristleitenZosva«« **
J. SSÄmu wochenb-il-ge: „Illuftttette Sonntagrzettung
Bus dem Landtag.
Abgeordueteutz-nrS.
126. Sitzung vom 25. Januar 1805.
6 £ffnunfi 111 * Uhr.
Die Epezialderatoug dekLandwirtfchaftSetatS wird beim Kapitel .«eueralkvmmissionen" fort« gesetzt. Zrr Debatte steht der Fonds „Beihilfen zu Renten« utSbildungen" und in Verbindung damit der neu eingestellte 2 Millionen. Fonds zur Förderung der inneren Rolonisation in bett Provinzen Ostpreußen und Pommern. — Die Budgetkommisston beantragt, bei „Bestimmung des Fonds" den Setz beizusügen: .Rückeir.nahwen fließen dem Fonds »lebet zu", und verlangt im weiteren all- jährlich eite Denkschrift über die verwendrng deS Fonds.
Abg. Malkewitz (kons.) erklärt, seine politischen Freunde fttmmien bei Anträgen der Bubgetkommisston zu.
L»tzlere werden angenommen.
ES fo’flt da» Rapitel .Landwirtschaftliche Lehranstalten". Znm Titel „Pomolo^ische Institute" bittet
Abg. «ottchinS (ntl.) die Regierung, auch in Zukunft Osstausstellungen durch Sewährung von Preisen zu fördern. Dadurch würden die vorzüglichen Prooukte LrS Irland? bester an den Ma lt gebracht.
Abg Dr. Dahle« (Ztr.) bemerkt, die Regierung müsse alle» tu», um den nassauischen Obstbau auf der AAhe zu halt eit.
Zum Titel .Beihilfe für landwirtschaft« l i ch eM i 11 e l s ch u l e n" bear tragt dieBudgetkommissto«, bas ProvinzialdotationSgesetz, welche» den Provinzen bie Sorge für ba» niebere landwirtschaftliche Schulwesen zur Pflicht macht, - unter Aufrechterhaltung der bisherigen Pflichten bet kommunalen verbände — ba- hin ju ändern, daß e» in Zukunft auch möglich wird, Staatsmittel zur direkten Förderung de» landwirtschaftlichen niederen Unterrichtswesens aufzuwenden.
Abg. Zwick (ft. Bp.) erklärt die BereitwiMgkeit feinet politischen Fremde, daS lant wirtfchastiiche Schulwesen kräftig zn fördern.
Ab,, »ras Pcaschma (Z) konstatiert mit »enu,. luuna, daß ton allen Setten anerkannt worden sei. eS sei daS Schulwesen ein wichtiger Faktor süt bie heimische Landwirtschaft «nb baß bie für baSselbe auf. gewandten Mittel erhöht werben müßte» Seine Pattei wünsche, baß bie Provinzen auch in ZukunftbieTräger beS FoitbilbungStchulwesenS bleibe« sollten.
Adg v Suvigutz (Z) spricht bie Hoffnung auS, baß die Erklärung beS Mw,stets tn bet «ubg-ttom- wisston übet bie Reform beS niebere» laubwittschaft- Schulwesens bald zur Tat werbe, bawit bie Winter- schule» enblich von bet schweren Sorge befreit würde», daß sie ganz von den Zuschüsse» der Provinz abhängig seien. Weiter tritt Redner für eine «etmehrnng bet
Aus dem Reichstag.
127. Sitzimg^oom 25. Januar 1905.
Kröffitung l* 1/« Nhr.
Die «eralung beS Postetats wirb fottgesetz!.
Hierzn liegt vor die Resolution Dr. Hitze (Z.) «nb «enoffen bett. Ermäßigungen für Benutzung von Fern sprech eint ich tungrn durch btt cen-eto» »ützige Arbeitsnachweise und die Resolution Gröber unb Senoffen (Z.) auf Erweiterung bet Sonn» tagStube, Beschränkung bet Maximalar- beitszeil unb Ausdehnung ver Poftstatimk auf die Postbeamten in den Rolonie». Sin Zusatzantraz Dr. Eickhoff (fr. 8p.) will bie Statistik aus dos AuS- lanb überhaupt auSoebebnt wistr».
Abg. Dr. EhlapowSki (Pole) ktit fl-tt den Erlaß, daß alle »riefe mit polnischer Adresse an die liebst» setzungsstellen geleitet werden. Dadurch werde in leicht- fertiger Weise daS PostgedeimniS verletz». Mit bet «erbeutfchung polnischer Ortsnamen w-rde geradezu Unfug getrieben, »riefe zwischen polnischen Orte», die cur 4 Kilometer »3» einander entfernt seien, müßt.» 8 Tage unterwegs bleiben
Staatssekretär KrStke ersucht tn solchen Fällen, wie fle bet Redner vorgebracht habe, das betreffende Material an die zustäneige Stelle zwecks Unterfuttung ein,»reiche». klebrig-nS werde die Uedetsetzur-gssteUe gar nicht so seht in Anspruch genommen, vielleicht in Bolen täglich mit 2(0 »tiefen «S werden uns auf de» Äbreffen oft Rätsel angegeben, die wir ohne die Uebe; setzungt stelle nicht lösen könne».
Abg. Rette» (Ztr) verurteilt in scharfer Weise bfe Schickanterungen bezüglich der Br Handlung von »tiefe» mit polnischen «breffen und verlangt, man sollte die gante U-der,'rtzungsstelle befette». $kii jetzige System könne die Polen nut ve-bitter». Der Redner spricht stch gegen die Ostmarkenzulage aus und begründet dann bte Resolution b«l Zentrums. Die Paketdeförderung körne an Sonntagen sehr wohl en« geschränkt werd n. »ei de» Drucksachen handle eS sich nur in bet Hauptsache um Reklamen, die bedeutungslos seien oder wenigsten» doch Zttl bis zum Montag hätte» »beuso könnte die Anrahme bet Pakete und »eldbriese an Sonntagen eine Einschränkung erfahre», «ebnet verlangt wei er, daß Disziplinarstrafen nicht eine Berschieoung in bet «ewährung von Dienstalte »zulagen »ach sich ziehen, weil aus diese Weise der Beamte doppelt bestraft werde.
StaatSsekreiär Kv»tke stellt eine Einschrä kmrg bet Pakitdefötberung an ben Sonntagen in Au'ficht, kann aber ein solches hinsichtlich bet «ttesbest lluug nicht tun, ba biefe Frage einet gründlichen Prüfung bedürfe und bte v ttichen BsrhSttniffe dabei berück- fichligt werden müßte». Daß bet »eflrbeinngen tn gehobene Stelle» anbere »tarnte, bte nicht b--ri ckstchtigt würbe», fich bebrüdt fühlten, verstehe er. Da» ftt bet neuen Einrichtungen immer ber Fall Mit bet Zeit würde fich da« hebe». Sine D.Sziplinarstrafe ziehe nicht, wie ber Vorredner geglaubt habe, eine »er« schiebung in bet AlterSzulage nach fich.
Abg. E'cktzoff (fr. Bp ) stimmt bet Zentrums- resolution, soweit ste fich auf die Postbeamten im Ro« lontalbienft bezieht, zu, verwirft sie aber, soweit sie fich auf bte «usbehnnng bet Sonntagsruhe begeht.
fpaltige pttttyOe »dE deren Saum 1« pW» SefiamtM bie petitjeUe 26 pfg; bet Wiebe» Holungen wir» entff*.
Rabatt gewährt.
Druck und vertag des Fuldaer Lettenbruckertz in Zulba (yarmomch Zetusprecher Nr. T
Wruöerzrvist.
Schwäbische Dorfgeschichte von KaSpar Baumgärtner.
i ------ (Nachdruck verboten.)
Jetzt hat, er aber auch schon g'nn, gehört, der Intereganc. Da» Blut weicht ihm auf einmal an» dem Gesicht, et wird kreideweiß und wirst dem eit- ckbschneidertiche» Erzählet einen zotigen, ja grimmige» Blick zu. Dan» wird sein Än'btz plötzlich mit «tue« beutle» Not übergkfiee. Anna ea: dieser mit Besorgnis beob chiet.
hast, Joseph?" frogte sie, ,ist Dir nicht >.ohl?"
«Wnspanne» I" sagt er nur mit gepreßter Stimme, '-inst!big nimmt et Abschied von Witt und Bittin, i -h kaum sitzt er neben keiner Bäuerin im Gr- hxt, so Pfeil über ben Rücken bei Pferde» bie Lettsche.
Seine Minute später erzählte er, wa» er gehört, und beginnt zu schimpfen und zu räsonieren übet ben Bruder und lebte Sem:
..«h- und gtfen Namen haben sie nn» geraubt, ans Stund-n im Umkreis, bet girzen gamtlte." Und er kann nicht genug Schimpftedeu und Lorwürfe über sie ausgießen, unb manchmal mischt er auch einen derben Fluch darunter
Da» letztere verweist ihm zwar seine Frau jede»- mal, aber da» Schimpft» tört sie doch nicht ungern, denn ba» Unrecht, ba» ihnen zug-fügt wurde, deucht ihr nicht so klein. Der flim wühlt weiter im Herzen bei Unteregger», und er fttzt sein Schimpfen fett bi» an bie hetma licke Hauri Üre.
«von» fick Z»n u»d «erger in ein Männerhetz eingeniff et habe», io zieh?» ste sobald nicht au». Auch bem Baterrgger geht ei so. Roch die folgende Z-it HStt er bie Worte in ben Ohren hingen, bie ihm leim Bumbererivitt ba» Blut au» dem Sefichte
trieben. Sein Humor verschlrmmert sich und seine Gereiztheit wird größer und unerträglicher und er rotrb emffibig unb verschlossen gegen Weib und Kind Ganz vlleine geht er am folgenden Tage in feiten Feldern heru a und von ba in ben Waid und ,hä«gt ben Kops in ben Boden" und finnt und studiett.
Knechte u> d Msigde sehen die» Tun mit Sov?« schütteln und erzählen ei weiter in be» benachbarten W-iletn und im Pfarrborf.
„Den Unteregger treibt wa» um", deuten die
L Ute da« seit ame Benehme» und geve» fich vielsagende Blile. In diesem wühlen aber Trotz und Zorn in sürchierlicher Arbeit, manchmal huscht es auch wie Scheu und Furcht über seine Zsige.
Am dsr^uffslgenb'N So-»tag besucht Franz Werner bie Stiche in Tann ach, k<htt aber im Witt», hius nicht ein. Rach Taunach hat er vom Buch au» ewige hundert Meter näher al» nach Wer buch. Bon der Kirchtüre weg begibt er fich auf ben H'imweg Swnenb-ichrkitet et zwischen ben Büschen unb Stauben dahin- Da teilen fich die Zwe ge eine» Holnuder- busche» unb vor i m steht bet Bruder. Schamröte schießt dem Buchbaner in» Gesicht, aber schon donnert ihm ber Unteregger entg-gen:
.Elender Mensch von eh ern Bruder, miserabler Kerl! Hast mich und mein Weiß um den ehrlichen Namen gebracht, daß wir tw» uirge-ds mehr sehen losten dürfen, hast nn» al» Diebe verschrien, bte £ mb» füget ins Haus geschickt, und zum schöne» Schluß einen Prozeß auf be» Hali geladeu. Doch Recht ist Recht geblieben und Du hast den Proz-ß verspi-lt, aber bte Schänd', in die Du nn» gebracht, verzeih' ich D t uimmer. Soll Dir nicht» Schlechtes ge- wünsche» sei» bafffr, aber auf dem Todbett sollst mich bitten um Betzrihung, hörst Du, aus oem Tod- dett, ander» verzech' ich nicht!"
Der Sprechet kehrt dem verblüfft breiuschauevbe» Bruder ben Rücken und verschwinoet den Abhang hir unter ber Unter egg zu Kein unberufene» mensch
liche» Auge war Zeuge bieiet Begegnung und leine» neugierigen Meuchen Ohr vernahm bie barten Worte des U»! er egget», nur bie Blätter bet Busche md bte Vögel in len Zweigen; sie plcudern nicht» weiter. ,, .
“ Still unb in fich gelehrt, g'hi ber Buchbauer heim. Lange Zeit bleib' er verschloflen unb brütet stumm vor fich bif. Keinew Menschen rff-nlart er {ein Hetz, selbst feinem Wecke nicht, wie sehr r» auch in ibn bring'. „
Jahre eilen bohin Jede» bringt Saaten und Ernten. Ost ri»->t die Erbe den Same» in ihren Schoß und gibt ihn hun^ertfäliiq miede- zurkck in be» Sandmann» H.nd. Ott geht bet Winter zur Neige unb bet Schnee vergilbt an ben Hängen und Hacken — bte Sonne leuchtet mit verjüngtem Glanze, eau dt mit neuer Wärme — »ft schwellen die Knospen ber Bäume mb rffnen ihre fleckenlosen Blüten — eft lehrt bie Schwalbe au« bem Süden und zieht wieder dohin: zwischen Unteregg unb Buch- Hos wirb nicht Fnebei
Für bie Untereggerbäuerin find bte Jahre ber Feindschaft eine schwere Zeit, in ber sie viel Kummer und krev» zn tragen bat. Sie bat e» kaum br auet, wie alle» so tarn. Rach B.erckrgung be» Proz-sse» besuchte ihr Manu bie Wirt« Häuser zu Tannach unb Wnbach öfter al» vorher Sri '», d<.ß u sich nach de» Batet» Tod einer täfi gen Aufficht frei sah, ftt e» daß ihn bie »eindlchaft mit bem Bruder drücke unb mit innerer Unruhe erfüllte; er zeigte wenig Freude mehr an cet Arbeit. So oft al» möglich suchte er in den Nachbardörferu etwa» zu schaffe» und aurzurichte», der anziehenbe Magnet war ober ba» Wittrhau».
Die Arbett de» Hofe» hing bi mit ganzer Schwere an ihr, der schwache« Frau; unb wa» da» bedeutet, ba« weiß ber am beste» zu ermessen, ber M seinem Geschäftsbetriebe selber auf „fremde Leute" angewiesen ist Sie gehorchen einer Frau nach eigenen Gutdünken unb bereiten ihr überdies noch
bie mannigfach«» Dimüttguigen. Gut war e» füt Ao ns, daß sie fich aut len alten Leopold vnlafl« konnte. Der war schon 60 Jahre alt und übet zwanzig Iahte cuf ber Unteregg. Die em Willi eu aber die andern da» Bliiben auf bem Hofe entleiben.
Da» erste Jahr nach bi» Battr» Tod trieb» Joseph gerade nicht so schlimm, bock kam er Sonntag» sehr spät »c6 Haufe und ba jebekwol in auge- bereiter Siimmung. Ein gute» Slick L rsühru^g l egt in ben geistige» Get' anken. ist st fetzen sie b« Trinker in eine argimtroe Aufregung, Icffnr 'vo die Sorgen unb KLwmeiniffe vergtffrn, btJeben anfÄri« »end seine Kräfte und tri: gen ihm bie total fauche Meinung bti, al» ob tr au» ihnen Kraft gewimm zur Arbeit. Tabtt »üchten ff-, h" wahre Rai« verberkend, im Trink'r ba» «erlangen rach weht Alk-bol, den Durst nach Geistig.n, bi» sie ft«
ben Willen geraubt urck ben Menschen zum fcUabm erniebriat haben. Dann aber berbrei en fte wnenn« botr» Elend über eine ganze Fcm-lie, Tranerckücke werde» erweckt, bittere, b ttete Tranen.
So tarn’» beim Unteregger mit jebem Jahre ärger unb bunter. Hier einige Bilder, Momentphotographien:
Joseph ist an einem Wochentag nach Tanvach zu etter Reisig- unb Holzversteigerung. Holz lauft keine» unb auch kein Reisig, aber Bier unmäßig viel, auf ber Streße beschreib: er beim Rochhauseaeh« die schönsten Z ckzackinien nach bem bekannten Lehv- satz der Trinkergeomttrie: Herüber und h'nudrr * ^Rachtt^llhr pocht er ungestüm an die Hau»t«e.
Anna wacht noch bei bem kranken Linde in d« ©tobe. Sie macht fi», so schnell fie kann, au ba» Offen; allein schon ilopft der Bauer h-ft'»»- »w venchiedenen Stunden aus ber Bierbank Hal, r rnjtg« und geduldiger abwarten können al» die einzige iStnrne auf der Han»treppe.
(Fottsetzung fol^.)