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Fulda, Mittwoch, den 25. Januar 1905.
M 20
Zweites ZZtcrtt.
[:] Religion und polUU
haben nach einer alten demokratisch liberalen Sage, die allemal zur Zett einer Wahl fleißig kolportiert wird, nicht- miteinander zu schaffen. Deshalb ist eS nach der Anschauung solcher Leute ein unerhörtes Verbrechen, wenn der KleruS an der politischen Arbeit teil» matt, ein Verbrechen so frech und nichtswürdig, daß diese Leute sich deshalb das Recht zuschreiben, den Klerus in der gemeinsten Weise anpöbeln zu dürfen.
Seitdem in Frankfurt a. M. durch ein gemeinsames Vorgehen der Katholiken und Protestanten auf Grund eines Kom- promiff s zugunsten der Konfissionsschule Bresche gelegt worden ist in die dortige Rathaus- Demokratie", ist natürlich die .Frankfurter Zeuung' herzlich schlecht zu sprechen auf die Geltenimach- urg religiöser Gesi tztcpu kle in den politischen Kämpfen. So haben denn die Männer de» ,Fikt. 3^/ die Harfen, welche einst ihre Vor f ihren im feinen Ast n an den Weiden der Flüffe Babel-» aufoehängi hatien, herur t-rgeholl um als moierne Ba sen wilde, trunkene Kriegs lieber zu stnaeu wider die Bösemichler. S'fft ein recht ortentali ckes L ed, dem auch der Haut goat deö Zynismus nicht mangelt, was da die ,Frkf. Zrg/ in einem Artikel „Religion eine Parteisache" (Nc. 19 vom 19. Januar 1905, E'stes Morgenblati) als Klageweib zum Besten gibt.
Daß auch die jungen Kapläne es wage», in den verschiedenen Vereinen über soziale Dinge zu reden, ohne erst bei der ,F«kf Zr?.' um hohe Genehmigung einzukommen! Ach fie find auch gar so unwissend diese „Kapläne"! tön en sie buch gor- icht ihre Nasen so tief in die Bücher hineinstecken, w e die schwarz'ockig n Jüngelchen, welche in demokratischen ißeietmn das große Wort führen.
Damtt aber die »Frankfurter Z»'tung" weiß, weshalb die Religion mit der Politik etwas zu schaffen hat, weshalb die R-ligwn „Politik treibt", wollen wir ihr verraten, daß das feit jenem Augenblick geschieht, da die Politik Re ligion zu treiben angefangen hat d. h. seitdem der Parlamentarismus zu einem neuen Faust echt sich ausgebildet, wo mit brutaler Ge ro.lt die Gewtssensreeiheit niederge. treten rotto, zu einem Schaffott, wo die Freiheit htngericht-t w >d durch oen Terra»ismus der P irteien, dec oti n cht minder b ut l zu We>ke gebt, als der Absolutismus russtschrr Knutokralie; ror n Omen daoon die Ja »end mokratte von Sch age der Frar-ksurter Zeu-ng nicht a s, ro-lch- von wirklich r D mokraiie noch weiter entfernt ist, als der Raffe vom Besitz Port Arthurs.
Wer wie D utschlands Katholiken mit dem Wahlzettel geknechtet worden ist, der lernt mit dem Wablzettel sich za verteidigen und zu schütz?«. Eben deshalb, weil über religiöse Jutereffen heutzutage so oft und so viel in den polm-ch n Kö:pe schaf.en entschieden ro r», eben deshalb und edensolang haben Re igion und Po- l-.t'k recht Diel mit einander za schaffen. Oder w ll oieUeichl die Frankfurter Ze lung glauben wachen, daß bei ihr und etwa einer von diesem jü'isch-asta!isch „demokralisch n' Geist erfüllt n M jorität die religlösen Jnlereffen, eiroa der Kakholiken gewahrt würden? D»r rüde Ton und die gemeine Anpöbelung des Klerus, wie er nicht erst feit gestern und heute in ihren Spalten der Jader preffr sich breit macht, bezeugt das direkte Gegenteil.
Wir geben aber eam Schluß der Frankfurterin den wohlgemeinten Rat, nie wieder heuchlerische Kkr kodilet änen zu vergeßen über die Zunahme deS Antisemitismus in Deutschland. Wer Wind sät, wird Sturm ernten und der erfolgreichste Förderer des Antisemitismus ist nicht" Graf Pückler, sondern die jüdische Preffe durch ihre Frechheit und G-meil heit in der Ver^öznung der religiösen Anschauungen anderer.
Das Krens der Handwerker.
In der ,Straßb. Post, ist ein Handwerkerbrief zu lesen. Der Bande spricht.
Geschrieben hat den B ief ein Mann, der soeben vom Gericht verurteilt worden ist, weil er bei einer Mahnung um Gel» augenscheinlich nicht innerhalb bet Grenzen geblieben ist, die dafür oom G-fttze gesteckt sind. Wie leicht aber kann ei« Handwerker, der mit den Fußangeln des Gesetzes nicht vertraut ist, sich den Staa s anroalt auf den Hals laden, wenn er die Sckeide- linte zwischen dringender oder drohender Mah
nung einerseits und zwischen dem, was der Kurist al« Erpressung definiert, andersests nicht genau zu z ehen weiß! Doch hören wir den Verfasser der in dem Straßburger Blatte abgedruckten brieflichen Darstellung seines Un gluck-s! Er schreibt nach seiner Virurteilung;
Ich hatte ein G-schäft als Schneidermeister. Ich verstehe mein Handwerk, habe in England und Amerika gearbeitet kenne die Stoffe und schnitt selbst zu. Meine Preise waren mäßig, ich lieferte gute Ware und hatte Kundschaft aus den btfferen Ständen. So wäre alles gut ge gangen, wenn — meine Kunden mich nur regelmäßig bezahlt hätten. Aber „da liegt der Hase im Pfeffer." Ich selbst mußte meine Stoffe und meine Arbeiter bezahlen, aber ich konnte meine ausstehenden Forderungen nickt einbekommen. Man macht sich keinen Begriff daoon, wie schwer es für einen Handwerker ist, sich durchzufchlagen. Alle Welt — Regierung, Parlament, Preffe — spricht bei jeder Gelegenheit davon, daß man das ehrsame Handwerk unterstützen, daß man den schwachen Schultern die Lasten tragen helfen, daß man dem Mittel- stand Hilfe angedeihen lassen soll. Schöne Redensarten, löbliche Theorien! Wenn man fie nur wenigstens soweit in die Prox s übertragen wollte, daß man dem Schneider, dem Schuster, dem T.schler seine Rechnung pünktlich begabten wollte! Dann hätte das Handwerk auch heute noch einen goldenen B rden. Aber da leben die Leute gut, machen Gesellschaften mit, str-d in jeder Beziehung standesgemäß, gehen gut gekleidet mit Pelz, Handschuhen und fiiberner Krücke an Stock und Regenschirm, geben Trinkgelder im Wirtshause und — zahlen ihre Schneiderrechnung nicht. So ging es auch mir. Ich arbeitete mit Hochdruck, hatte genug zu tun, wurde von meinen Kunden gelebt und weiter empfohlen, aber — nicht bezahlt. Nun stelle man sich oie Loge eines Schneidermeisters unter solchen Verhältnissen vor! Ich mußte meine Lieferanten un» meine Arbeiter bezahlen und wurde selbst nicht bezahlt. An Kunden in guter Stellung, die selbst regelmäßig ihr Gehalt bezogen, batte ich Forderungen von vielen Hundert Mark Monate undJahre vergingen, siezahl- ten nicht. Mahnte man sie endlich, so wurden sie unwillig, machten Grobheiten und gingen von mir ab zu einem andern Schneider. Kann mir jemand Übelnehmen, wenn ich nun alles aufbot, zu meinem Gelbe zu kommen? Sicher nicht. Nun war ich ein guter Schneider, aber kein Rechtsgelehrter. Das ist am E-.de erklärlich und verzeihlich. Die guten RechtSgrlchrten sind auch reine Schneider, und ein Jurist, der einen nach allen Regeln der Kunst gebauten Schriftsatz aus dem Aermel schüttelt, käme in große Verlegenheit, wenn er ine Hose machen oder einen Frackanzug zu schneiden sollte. Umgek-Hrt ging es mir. Von meinen Gläubigern gedrängt, von meiner Frau, die ihr sichergestelltes Vermögen an sich zog, verlassen, bot ich alles auf, meine Außenstände einzuziehen, schrieb meinen Schuldnern, schrieb ihren Verwandten, bat, sie möchten nttch — nach jahrelangem Warten — doch endlich bezahlen, drohte ihnen, wenn sie nicht bezahlten, müffe ich zu an deren Mitteln greifen — was tut ein Mensch in meiner verzweifelten Lage nicht! Dabei soll ich mich der Erpressung schütt ig gemacht habe-,! Das ist so ein heikler juristischer Begr ff — Erpressung. Dte Juristen st-d sich selbst manctmal nicht klar, ob etwas E-pr-ffu-g ist oder nicht. Beweis die einander wlderspr.chenden Urteile der verschiedenen Instanzen. Ich habe jedenfalls nicht vorgehadt, etwas Strafbares zu tun, das kann ich auf Ehrenwort versichern. Ich wollte nur endlich zu meinem sauer verdienten Gelte kom- men. Auch heute kann ich noch nicht begreifen, wie ich mich da strafbar gemacht habe, aber natürlich liegt es mit fern, d-m Gerichte irgend einen Vorwurf zu machen. Die Herren handeln nach bestem Wiss-n und Gewiffen, wie die Gesetze ihnen vorschreiben, aber das Volk — und als Handwerker rechne ich mich zum Volke — versteht es manchmal nicht. Ich bin vom Gerichte verurteilt worden; man hat m't vom Militär die Treffen genommen, die ich als Unteroffb zier des B.urlaubtenstandes mit Ehren getragen habe; mein Geschäft ist ruiniert; ich selbst stehe buchstäblich auf der Straße. Ich habe nur noch den einen Wunsch, mich vor meinen Mitmenschen zu rehabilitieren und ihnen zu zeigen, wie all-s gekommen ist, und daß ich ohne subjektive Schuld ins El-nd gekommen bin. Wenn ich von wohlwollenden und verständnisvollen Menschen nicht unterstützt werde, daß ich wieder zu Arbeit und Verdienst komme, so bin ich verloren. Deshalb haße ich hier meine ganze Geschichte wahrheitsgetreu erzählt, ohne j-mand zu beschuldigen ober anzukiagen. Meine Geschichte ist gleichzeitig die G'schichte so vieler anderen Handwerker unsrer Tage, deshalb ist sie
vielleicht lehrreich. Möchte man nur die richtigen Lehren daraus ziehen.
Franz Müller, Schneidermeister, Gießhausgasse Nr. 8.
„Die Geschichte so vieler anderen Handwerker I" Ja, sie ist es, die der Briesschreiber erzählt! Es ist die höchste Zeit, daß alle sozial empfindenden Menschen in gemeinsamem Streben mit den Handwerkern selbst daran arbeiten, die elenden Pumpgewohnheiten aus der Welt zu schaffen! Nut so kann unser Handwerk gesunden und gedeihen!
Kus dem Jahresberichte der Hanauer Handelskammer.
i.
Neber die allgemeine Geschäftslage sagt bet Bericht:
Im ganzen betrachtet hat das Berichtsjahr die Bewegung und b;e Bestrebungen des Jahres 1903 fortgkführt, deren Richtung bedingt wat durch die Tendenz, die Folgen der vorausgegangenen Siörungen des deutschen Wirtschaftslebens ausmgleichen und es in die normalen Bahnen zrückzuletten. E» zeigt daher auch das Jahr 1900 wieder eine im allgemeinen aufstetgende Eat- wick'luia des geschöftttchen Lebens; doch ist da bei unverkennbar der Fortschritt im Vergleich zum Vorjahre nicht so intensiv, wie der des Jahres 1903 gegen 1902 war, und ferner muß hervorgehoben werden, daß die bezeichnete Aufroätts- bewegung nur im großen und ganzen als charakteristische Grundtendenz gelten kann, von welcher die einzelnen Gewerbs- und Handelszweige verschieden beeinflußt wurden und eventuell auch mehr oder weniger abgewichen sind. Es kommen gerade für das Berichtsjahr eine Anzahl hemmender Momente in Betracht, deren teils unmittelbarem, teils voraus fühlbarem Einfiuffe es zu zuschceiben ist, wenn sich hier und da zeigt, daß die Befferung keine allgemeine zu werden und noch nicht mit der vollen Eoeraie sich durchzufttzen vermochte, welche für eine andauernd gedeihliche und beständige Fortentwickelung unseres Wirt schastslebens gewünscht werden muß.
Die Mehrzahl der haupffächlichsten Gewerb- zweige unseres Bezirkes berichtet von befriedigen- der und ausretchender Beschäftigung ihrer Betriebe und von der Erzielung eines gesteigerten Umsatzes.
Dagegen wird allgemein geklagt über eine zum Teil sehr erhebliche Preissteigerung für eine große Anzahl wichtiger Rohstoffe und Halbfabrikate. Dabei hat stch, wie ebenso allgemein mit lebhaftem Bedauern betont wird, trotz oller Anstrengungen eine entsprechende Erhöhung der Preise für das fertige Produkt keineswegs durchsetzen loffen.
Dazu kommt noch der sehr empfindliche Uebel- fiand, daß die Kredilv-rhältn ffe sich keineswegs bessern wollen, vielmehr Unsicherheit und insbesondere unpünktliche Zahlungsweise auf Seiten der Abnehmer sich in bedauerlichem Maße geltend machen. Es sind übrigens nicht nur die Gewerbetreibenden, welche entgegen den Begriffen von geschäftlicher Solidität zu diesen Klagen Anlaß geben, sondern in noch weit höherem Maße trifft dieser Vorwurf das private Publikum in S.adt und Land. Manche Verbindlichkett könnte innerhalb des vereinbarten Zieles vom Käufer ohne Schwierigkeit erfüllt werden, wenn r nur om guten Willen das» hü te. Bequemlichkeit und Mang-l an Ordnungssinn sind häufig genug die Veranlassung der schleppenden Zahlungsweise. Wenn hier eine Gesundung der Verhältnisse her- beigesührt werden föhnte, so würde dies ein Segen für das gesamte deutsche Erwerbsleben fein. Die Selbsthilfe wird ja leider gehemmt durch die Befürchtung, die Kundschaft zu verletzen und zu verlieren ; vielleicht ist es eine der guten Seiten und manchmal auch eine Ursache der Kartellierungs- Bestrebungen, daß von Lieferanten-Verbänden in dieser Hinsicht weniger Rücksicht genommen zu werden braucht und auf die Erfüllung eingegangener Verpflichtungen seitens der Kaufenden mit größerer Strenge bestanden werden kann.
vermischtes.
' Di« Mutter d S Präsidenten der fran- zösischeu Republik. Im Alter von 92 Jahren Ist, rote gemeldet. Frau Loubet, die Mutter drs Präfi. deuten der R-publik, nach einer kurzen Krankheit tu Marsa»»r gestorben Mit ihr schied eine brave und tüchtige Frau aus dem Leben; fie wurde von ihrem Sohne, dem Prüfidenten, wie eine Ä' verehrt» und fie vergalt ihm diese Liebe. D-r Gatte der Frau Loubet war ein wohlhabender Bauer, der sein Land bebaute und Maultiere züchtete. Sie hatte von ihm drei K>nde>-, zwei Knaben und ein Mädchen; der eine dieser Knaben ist Arzt und praktiziert in Trignan; der zweite wurde Advokat, Abgeordneter, Senator, Minister und schließlich Präsident der Republik; die Tochter hat einen Herrn Barbier gihrtratet. Frau Loubet war sehr stolz auf ihre Söhne; fie glaubte
32. Jahrgang.
immer, daß Emile Komponist werden würde, denn er komponierte Oratorien oder auch lustige Märsche. Emile wich jedoch nicht vom Wege deS .Rechtes" ab, er eröffn-te in Montelimar ein Anwalt? bureau, und dann packte ihn dte Politik, Frau Loubet, die Mutter, wurde unruhig und besorgt, als fie ihren Sohn Minister werden sah, denn fie fürchtete, daß .das Kmd* oder .Herr Emile", wie fie ihn später nannte, fie in diesem schrecklichen Paris verreffsn könnte; er vergaß fie aber nie. @S war ein schöner Tag für die brave alte Frau, alS die Stattkapelle ihr, alS der .Mutter deS Präsidenten", ein Stänocken brachte. .Sie werden nun sicher nach Paris gehen?" sagte man zu ihr. — „O nein!" erwiderte fie, „e8 geht mir hier ganz gut, und da mein Emil ein lieber Junge ist, wird er schon zu mir kommen." Loubet machte in der Tat feine erste Prästdentenreise zu der alte» Mutter nach MonlL limar. AIS er ankam, schlicht wie immer, und die Mutter inmitten der „offiziellen Welt" auf der Terrasse stehen sah, sprang er mit jugendlichem Schritt aus dem Wagen und umarmte und küßte die alte Frau; und die brave Bäuerin weinte und sagte; .Ich wußte es ja, daß mein ®»il nicht stolz ist, und daß du dich deiner bäuerischen Mutter nicht schämen wirft, j tzt, wo du wie die Könige bist!" — Seitdem er Präsident der Republik ist, verbrachte Loubet mehrmals im Jahre einige Tage bei feiner Mutter in dem bescheidenen Häuschen in Monislimar.
• Uatrrge angene Schiffe »Daily Telegraph' meldet aus Konstantinopel vom 20. Januar 1905: Aus Herakles am Schwarzen Meere einlauf nüe Dampfer melden, daß durch einen furchtbaren Sturm 82 Segelschiffe und 7 Dampfer im Hafen von Herallea ne nichtet worden feien. Unter den Dampfern befanden stch die Kalypso vom Oesterreichischen Lloyd, ferner drei türkische, ein griechisches und ein französische? Sch ff. Man befürchtet große Verluste an iberisch enleben. Einzelheiten fehlen noch wegen Unterbrechung d's telegraphischen Dienstes. — Bremen. 20. Jan. 190b. Der schon feit längerem überfällige Bierwaster Rodert Rckmers gilt für verloren.
* Seereisen gegen Schwindsucht. Die Absicht der Hamburg-Amerita Linie, besondere Seereisen für die Behandlung von Schwindsüchtigen zu veravstaltn, gibt der großen Wochenschrift .Science* Veranlassung, sich über die Nützlichkeit euer derartigen Unternehmung in einem besonder« Leitartikel zu äußern. Zufällig hat gerade j tzt ein schottischer Arzt aus die Bedeutung der Seereisen in Der Behandlung der Tuberkulose hm« gewiesen und gleichfalls einen Versuch durchgesetzt. Auf dem großen Segelschiff, das schon Ende Januar von England au. eine längere Reise in dte warme Zone antreten soll, werden bis zu 50 Schwindsüchtige und außerdem andere Kranke Platz finden, man w ll auch einige Passagiere aufnehmen, die eine Entziehung deS Alkohols durchwachen wollen. Was insbesondere die Behandlung der Tuberkulose durch Seereisen betrifft» so wurde ihr früher mehr Aufmertsamkeit zugewandt alS in den letzten Jahren. Man hat geglaubt, daß die Notwendigkeit des Anfen Halts der Kranken in den engen Kabinen während schlechten Wetters und auch der etwaige Mangel an frischem Fleisch, Gemüse und Milch die günstigen Er flufse des Aufenthalts auf dem Meer wieder aufheben könnten. Die äizrliche Zeitschrift meint, daß diese Einwände wenig stichhaltig feien. Namentlich bezüglich der Säest des Wetters könne man zu gewiffen Jahreszeiten in den nieder« Breitengraden wohl ziemlich beruhigt sein. Andererseits wird es für nötig erachtet, einige andere Einschränkungen mit Rückstcht aas den Vorteil der Seereisen für Schwindsüchtige zu machen. Eine Behandlung, wie fie in den Heilstätten statlfinde, könne auf dem Schiffe schwerlich durchgeführt werden. EM ruhiges Leben in freier Luft sei freilich an Bord einer Schiffes durchaus möglich, wenn die Elemente gnädig find, und auch die Schwierigkeiten der richtigen Ernährung könnten zum größien Teil wohl überwunden werden. Bedenklicher sei die «e- hlnderung der körperlichem Uebung, die für den Kranken zar Stärkung der Lungen unerläßlich sei. Um lange Spaziergänge auf dem engbegrenzren Raum eine- Schrff-S zu machen, g höre fqon e ne ziemliche Energie, und außerdem wurde das Promenieren aus Deck unter einem tropischen Himmel nur zu gern ff en TaaeSz iten denkbar fern. T oy dieser Einwände meint der ,Lan- cet', daß viele Kranke einen großen Vorteil aus der Te.lnahme an einer solchen Seereise ziehen könnten, denn bie starke Sonnenscheinwirtung und die völlig staubfreie Lust geben dem Seeanfemhalt einen großen hygienischen Wert. Besonders wird darauf hinge- wi-ien» daß Fälle vor Tuberkulose der Drüsen Und Gelenke stch zunächst einen erheblichen Nutzen von einer Seereise versprechen dürften, daß aber auch Lungen« schwindsüchtigen sehr dazu zu raten sei, vorausgesetzt, daß ihr Loden nicht zu wert fortgeschritten fei. Schwere Fälle müßten zurückgewiesen werden, da fie am besten aa Land behandelt würden; dazu wären zu rechnen alle solchen, die von starkem Fieber Heimsesucht würden. die zu Blutungen neigten und die von Verdauungsstörungen als Begleiterscheinung befallen wären. Außerdem wäre es selbstverständlich ratsam, daß auch eine gewisse Liebhaberei für das Leben auf einer Seereise bei dem Kranken vorhanden wäre. Ein vortreffliches Mittel zur völligen Genesung werde eine See« reife unbedingt für diejenigen sein, die stch berettS auf dem Wege Der Besserung nach einer Lungcnkrankheit befinden, ebenso für junge Leute» die unter der Gefahr der erblichen Schwindsucht stehen und an Engbrüstigkeit leiden. I densalls steht man in ärztlichen Steifen den bevorstehenden Versuchen mit Wohlwollen und ihren Ergebn ffen mit Interesse entgegen.
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