32. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch, dm 25. Januar 1905.
M 20
(Nachdruck verboten.)
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•.föStoÄc wsch-nbeu°g<:„Illustrittte Somltagrzeitung'
Jetzt geht du Gerede und Gefrage an, wie - geh »sd ob aaf der Uatn-gg alles gesund sei rl«d wie Futter und Früchte stehe» und ob die Milch- and Bi h- preise hochgehe», und schließlich kommt» ans Wetter, wie allemal, wenn'» Gespäch Pocken will, veil» nicht» Gescheites wehr z« rede» gibt ___
Der Bauer hat am mittleren Tlsch Platz genom« men und »eben ihm seine Bäuerin. Er läßt Wein llustragen — sie stößt ihn unwillig «"dem Ellenbogen — er aber versteht nicht. „Eine Awicke Roten!" wünscht er. Die Wirtin läuft geschaf-ia, indes der Wirt die Unterhaltung wetter'ührt. ES dreht sich alle- «m eine kleine Anklage und ihre Ab. wehr. F emd, meint der Buwbererwirt, sei der Uner- eggrr, man habe ihn schon laug« nicht mehr in sein« Wirtschaft geichrn. Der Bauer redet fichm^, man komme nicht jedes Jahr gleich ost tu die Staat. Und der großen Profits wegen brauche mau auch necht zur Stadt zu fahr«», 's Geldaurgeben fet fo die ekizige Em btto* Der Wirt M ihn «d fie nur so a» und meint, der Unteregger bad' eine häurllche Bänerm.
Am andern Tische drüben ptzen noch drei Gäste. Mau köuar' fi- jür imm-rwährend« Reisende hatten, die nnieim Herrgott den Tag abstehlen uad stuft den Menschen „d»e Häuser fast nrederlausen." Die Schnaps« aläser avf Brm Ttsch und die mindere Kleidung lasten eine solch; Deutung avskon-me». Tie drei rucke» die Söpse zusammen und „dimpscheu" Geheimes herüber Md hinüber.
Grad so etwa- Geheimes ersäbrt der Unteregger gern »nb richtet seine gante Auimerksomkdt sdtwärt-, während Anna mtt den W'Hilruten die Unterhaltung weiterspinnt. Allem noch suchen die drei zu erraten, wer der Unteregger sei, und ein Aelterer au- ihnen sagt mtt aewiffer Besttwwtheil:
„Ja, der ch'L, der fernem »ater aas t ein toten« bett zehntausend Mark gestohlen haben soll. Wie der Hoi heißt, - ech ich gerade nicht, aber zur Ge- Mtiud' Tannach g'hört er, sell ist g'wiß '
(Fortsetzung folgt.)
Wruöepzwist.
Schwäbische Dorfgeschichte von SaSpar Baumgärtner.
seu uillz s zuldaer
monatebeilage: „Klldark GefchichttblAter".
Aus dem Reichstag.
126. Sitzung vom 24. Januar 19«.
rag^wdrumg: ^Interpellation deS Abg. Büsing (ntL) betreffend die mecklenburgische» VerfaffmegSver- hä.1nUe>b^p,ggiion lautet:
»W der Herr Reichskanzler nicht de« rwm BMdeSrate in seiner Sitzung vom 26. Oktober 1876 •«feiten Beschluffe : „Dtt
eS werde den großher »»glich mecklenburgische» «« gierungen gelingen, eine «enderung der bestehende» mecklenburgischen «ersaffung mtt dem me«m- bun^rm»dttch«"«erhmdlungen eine wettere Folge
Deutsches Reich.
Berlin, den 24. Januar 1905.
8 LuS Anlaß des Tode- be8 FürstbstchSs« stch-n Delegaten Prälat Neuber hat der Maiser an Erzpriester Frank folgende- Tele- fltamm richten lasten: „Seine Majestät der Kaiser und König haben die Meldung von dem Htafcheü»en deS Fürstbischöflicheu Delegaten Prä« lat Neuber mtt Teilnahme entgegenzunehmen ge« ruht und lasten der St. HedwigSkirchengemeinde zu dem Verlust ldes treuen Seelenhirten Ihr Allerhöchste- Beileid aussprechen. Auf Allerhöchsten Befehl, LueanuS."
§ Das feudale Mecklenburg stand heute ün Reichstage noch längerer Pause wieder auf der DrgeSordnung. Alle seit Schaffung deS deutsche« Reich- unternommenen Versuche, vom Reichstage und Reiche au-, Mecklenburg zu einer den heutigen Berhältniffen angemeffenen Ver- fastuug zu verhelfen, find bis jetzt gescheitert. Da chn Antrag auf Änmischung des Reichs in die innere« Verhältnisse Mecklenburg- bei der Mehrheit de- Reichstag- aus Gründen der Verfassung kam» auf Annahme rechnen dürfte, so versuchte eS der nationalliberale Abg. Büsing jetzt mit einer Interpellation. Er konnte sich auf einen BundeSratSbeschluß vom 26. Oktober 1875 berufen, worin die Erwartung ausgesprochen wird, lttch eS der mecklenburgischen Regierung gelingen werde, eine BerfaffungSänderung mtt dem Landtage zu vereinbaren, und fragte, >ob der Reichskanzler diesem Beschluffe nicht im Wege bunSeS- freundlicher Verhandlungen weitere Falke geben wolle. Seine Schilderung der vorsündflutltch«n staatsrechtlichen Berhältnlffe des Obc-trilrn-Lan» deS und der durch sie herbetgeführten politischen, wirtschaftlichen usw. Z rstärde erregte nicht allem vielfach die Hetterkeit des HauseS, sondern bestärkte auch offenbar die große Mehrheit von neuem in der Ueberzeugung, daß eS hohe Zeit wäre, eine Aenderung eintreten zu laffen. AlS er zum Schluß mtt beredten Worten und steigender Wärme davon sprach, wie er schon vor einem Menschenalter bei seinem Eintritt in den Reichstag für moderne staatsrechtliche Einrichtungen in Mecklenburg etngetreten sei und auch als Greis nicht aufhören werde, seine Stimme dafür zu er- heben» war davon ein Teil der Zuhörer auf der Tribüne so begeistert, daß er fich zu ganz ord- mmgSwtdrigem Händeklatschen dinreißrn ließ. Die Drohung deS Präsidenten, im Wiederholungsfälle die Tribüne räumen laffen zu wollen, nahm daS durch die mecklenburgischen Zustände humi- ristisch gestimmte Haus mtt Hetterkeit aus, wie e- überhaupt eine Art grimmigen Humors in dieser Sitzung vielfach bekundete. Gleich der Staatssekretär Graf Po s a d o w S k y, der die Interpellation beaniwortete, bekam Proben davon zu kosten. Er legte, wie vorauSzulehen war, dar, daß es
Dem Beklagte» Jvsrvh Werner von Unteregg, Gemeinde Tannach, und seiner Sheftau wird auserlegt, Mter einem Eide auSzi s g«i>, daß ihnen von einer Geldsumme ihres Baier» nvd Schwiegervater» nicht» bekannt ist, außer derjenigen, die zur Kenntnis der TeilnngSbkhSrde gelangte. Der Eid ist von beiten Beklagten innerhalb 14 Tanen zu leist«, und mit Äbfauf de» letzten Tage» dieser Frist tritt daS Urteil aege» de» Kläger in Kraft Leist« eine» der beiden Besagten den auf«, legten Eis nicht, fo ist da- Urteil geaee den Kläger aufgehoben und beide Telle habe» fich in die Kosten de» Recbt-ßreUe» zu testen. Wegen Mangel» an Beweis müssen die Beklagten von der Auflage frttgesprochen werde».'
DaS ist da» Svde deS Prozess,».
Bett der gerichtlichen Turchsvchung auf der Unter» egg hatte» fich die urgloubuchsten Gerüchte in der Enyw Umgegend verbreitet. „Mehr als zehntausend ar! soll der Utteregger ans die Seite getan haben," erzähle» fich di« Weiber aus dem Krchwege, „da iät fich ehe jeder rühren und btt Buchbamr hat recht." „So wo» hätt' Ich vom Unteregger nicht geglaubt," Jagen andere, „von dem nicht und vo» feiner Bäuerin Meimak nicht; aber so kau» man fich lauschen.* „Wem, man gar so scheinheilig ist, wie bie Unter» egget in. da» find bann schon die Recht-»!" weint eine böse Z'Uge. Und so geht daS S-rede von LauS zo Han», in der ganzen Pfarrer und in der Nachbarschaft.
„Hast'» auch schon g'hört?" fragt der nenigkettr- stile Erttihler, „kennst den Unteregger auch und iröen Bruder, den Bnchbamr?" »°d bann geht'» to» und alle» wird Haarkinn h«gefchkagen. Go
* DaS kaiserliche »ufsichtSamt für Privatoersicherung hat die nachdezeichueten «rlaubttiserteilttngeu auSgespochen: I. Durch Entscheidung vom 19. Oktober 1904 gegenüber bet Eterbekasse deS BerdandeS kathol. aufm. Vereinigungen Deutschland» in Effen a. d. Ruhr zum Geschäftsbetrieb im,Deutschen Reiche unter Anerkennung als kleinerer Verein und unter Genehmigung der in der Generalver» ammluug zu Fulda vom 14. August 1904 be» chloffenen Satzung (§ 96 Satz 1 de- Berficherungs- aufstchtSgesetzeS); 11. durch Entscheidung vom 19. November 1904 gegenüber der Areeearantia cleiieorom in Freiburg i. B. zum Betriebe der Mobiliar-Feuerversicherung in Baden und den Hohenzollernschev Landen unter Anerkennung als kleinerer Verein und unter Genehmigung der n der Mitgliederversammlung vom 22. Juni 1904 beschlossenen Satzung (§ 96 Satz 1 des V-rficheruntzSausfichtSgesetzrS).
* Gchttl»ätmer-«onfrre»r. Im Laufe dieses Monates wird nach der .Köln. Ztg.' hier eine amtliche Konferenz von Schulmännern ftatt- finden, um über die gegenseitige Anerkennung der Reife-Zeugnisse der Ober-Realschulen, hinsichtlich deren noch in den einzelnen Bundes- floaten bie verschiedensten Grundsätze bestehen, zu beraten. ~.
♦ DaS Herrenhaus tritt am 15. Februar zusammen Bis zum 17. oder 18. Februar unterzieht eS die Kanalvorlage, falls fie am 15. Februar bereits vorliegt, sofort der allge- meinen Beratung und wählt die Kaualkom- misston. Weiter erfahren wir, daß die HiberaiakomMission deS Herrenhauses am 3. Februar tagen wird.
* Esse« a. d. 24. Jan. 1905. Bon der Belegschaft in den 18 Bergrevier en deS Ober- bergamtSbezirls Dortmund sind im ganzen angefahren 47605 Mann von 243263. Mithin fehlten 195658 Mann gegen 195 071 am gestrigen Tage, d. i. eine Zurahme der Ausständigen um 587 Manu. Nach einer anderen Meldung aus Essen beträgt jetzt, da die Belegschaften zweier ttaatlichen Zechen ebenfalls in den AuSstar d getreten fink», die Zahl der Streikenden 210000. — Dem Gewerkoerein christlicher Bergarbeiter find namhafte Spenden derZenttumiführer zugegangen; so haben die Abgg. Hitze, Spahn und Trimborn erhebliche Summen gesandt.
geben, da bie groß herzoglich mecklenburgische» Att» gimmge» fett länger al» 24 Jahren leinen «ersuch mehr gemacht habe«, bet vom gfanbeState au#» gesprochenen nnb von ihnen ausdrücklich gedUligte» Erwartung zu entspreche»? „
Staatssekretär Gras PosadowSky erklärt fich berett. Die Interpellation sofort zu beantworten.
«bg. vüfin« (ntL) wie» gut Begründung f^« ‘ ttteipeUatwn auf die unhattbare« staatsrechtlichen . ustände in Mecklenburg und die nachteilig«» Folg«« auf polnischem und wirtschaftlichem Gebiete hin. Nachdem der Reichskanzler bereit» bdm Tolererauz- antrag de» Zentrums tn die VrrhSltu'ffe der Eim^ lauten eingegriffen habe, könne er da» unbedenvtch auch in dieser Frage tun. K
Staatssekretär Graf PosadowSky erwiderte, der . ftnweiS auf diesen Vorgang sei nicht stichhaltig, da e» ch beim roleranzantrage um Art 8 der Reichsver> affung, also um bie staatsbürgerlichen Rechte der deutschen Staatsangehörigen gehandell habe. Da» sei hier nicht der Fall. De», alb habe das Reich tetne Berechtigung, tn bie mecklenburgische BerfaffuugSfrage ein,ugreifen. Allerdings sei eS zu hoff«», daß die
mecklenburgische» Regierungen von selbst di« gewünschte Abänderung in die Wege letten werden.
Mecklenburgischer BundeSratSbevollmächttgter tees Oertzen schloß sich dieser Srllärung an und warnte den Reichstag, fich in Dinge einzumifchen, die ihn gar nichts an^gm. Dr. Sattler (ntL) sand
eine Besprechung der Interpellation statt.
Abg. Dr. Herzfeld (Sotz) meinte, mtt einer f« zahmen Resolution werde man die Regierung und die Stände nicht veranlaffen, auf ihre Privilegien zu ver- zichten. Erft wenn die Sozialdemokratte die Mehr he rt tn Mecklenburg und im Reichstage habe, werde tt anders werden. BersaffungSfragen feien nun einmal» wie die Vorgänge tn Rußland ze-gte», Machtfragen.
Staatssekretär «ras PosadowSk, gab seinem Er- tannen über eine solche Auffaffung Ausdruck, mtt der man schließlich jeden VersaflungSbruch rechtserttgeu könne versaffungSfrage!, seien Rechtsfragen.
Ab,. Dr. Spahn (Ztr.) führte au8, daß daS ^ech keine» RechrStttel habe, tn bie Mer lenburgifche» «er- HÄtniffe einzugreifen, auch hab« »an kein Recht, an dem ernsten Wille» der Mecklend. Regierung, »u einer BerfaffungSänderung zu kommen, »u zweifeln. Bteich. wohl fet eS im höchsten Grade erwünscht, daß bie Frage bald geregelt werde. Auffallend sei übrizenS, daß Graf PosadowSky heute die /tompete», deS Reich« gegenüber dem Toleranzantroge deS Zentrums aberkannt habe, während die Regierung seinerzeit lebe »e- teiitgung an den Beratungen Über diesen Antrag ab- gelednt habe. Gegenüber bem Abg. Dr dachutcke (ft. Bgg), welcher auSgeführt hatte, der Reichstag habe eventuell daS Recht, die «ompeter^ des Reich» zu erweitern, führte er weiter ou8, baß bie gattiattoe zu einer solchen Erwetterung nicht vom Reichstage, sonder» nur vom BundeSrate anSgehe» dürfe.
Damtt ist die Interpellation und die LageSordonng erledigt.
Abz. Dr. Spahn (Ztr.) -zur GeschäftSordEg- regt an, morgen wieder einen Schwerins tag abjubalteu und den Toleranzantrag be» Zentrum» auf die Tage»- OTb”«bg.i$r^eattler (natl.) widerspricht dieser Anregung. SS sei nicht mögllch, fich RS morgen ge» nßgenb auf die Beratung dieser schwierigen Materie vorznber eiten. Die „
Abgg. Schrader (fr. «gg) und Rettich (louf.) haben gleichfalls Bedenken, den Antrag schon morgen auf die Tagesordnung zu setze».
Abg. Dr. Spahn (Ztr.U «tt find 6« f» grausam, zu verlangen, daß die Mttglieder deS RerchS- tagS sich zu Tode «bette» (ßeüetltttj wir erwarte» aber, daß, wen» wir heute über acht Tage mtt unserer Anregung wie der kommen, wir zu einer Verständigung darüber aelauae».
Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. (Postetat.) Schluß '/.S Uhr.
dem ReichSkauzler an einer verfassungsmäßigen Handhabe fehle, um fich ttt die ÄerfaffungSver- Mtuiffe Mecklenburgs einzumifchen und sprach eine Ueberzeugung auS, daß die Mecklenburgische Regierung an dem schon längst bekundeten Be- heben, eine den modernen Empfindungen ent» precheuden BerfaffungSreform herbeizufübren esthatte. Die Mehrheit lachte über diese Der- trauensstärke. Sie lachte auch, und zwar noch häufiger und stärker, al» der Mecklenburgische Bundesbevollmächtigte v. Oertzen dem Sinne nach so ungefähr dasselbe sagte und eine Erklärung der mecklenburgischen Regierung verlas, worin fie etne Einmischung deS Reichs tn ihre Verfassung-Verhältnisse zurückweist. Ihre im Bunde-rate übernommenen Verpflichtungen haben fie damtt erfüllt, daß sie wiederholt ernstlich be- müht gewesen sein, mit den Ständen eine Verfassungsänderung zu vereinbaren. Da die Be- mühungen zu keinem Ergebnis geführt hätten, müffm fie sich vorbehalten, wenn sie den Zeit, punkt für günstig halte, diese Versuche wieder- aufzunehmen. Aus eigenem fügte Herr v. Oertzen dann noch die Mahnung hinzu, der Reichstag möge fich nicht um die inneren Verhältnisse der Einzelflaaten kümmern, da er im Reiche gerade genug zu tuen habe. Dieser Versuch, den Reichstag zu schulmeistern, erregte nicht nur lautes Gelächter, sondern auch Unruhe und Lärm links. Die Sache steht also so: Bundesrat und mecklenburgische Regierung wünschen so gut wie das mecklenburgische und das ganze deutsche Volk moderne Berfaffunszustände in Mecklenburg, aber die Rttter im Lande deS Ochsenkopfs wollen nicht und da daS Bolk sett BräsizS Zeiten zur Revolution nicht mehr aufgelegt ist, bleibt alles beim Alten.
*• Der Zeutrumsabgeorduete Radbyl kam am Montag Abend beim Abspringen von der Straßenbahn zu Fall und verletzte sich die Kniescheibe. Nachdem er da« Abgeordnetenhaus betreten hatte, wurde er ohnmächtig und muh der Portierloge gebracht. Der Abgeordnete Dr. von ChlapowSki leistete ihm als praktischer Arzt die erste Hilfe. Daun wurde der Verletzte in da» Krankenhaus der Grauen Schwestern in der Ntederwallstraße gebracht. Heule war sein Befinden schon wesextlich bester. Sin Bruch der Kniescheibe hat nicht stattgefunden, sodaß seine baldige Wiederherstellung zu erwarten ist.
♦ Das Verzeichnis der Mitglieder de- Herrenhanse-, abgeschlosten am 14. Jan., ist im Herrenhause au-gegeben worden. Rach diesem Verzeichnt- bat da- Herrenhaus 296 Mitglieder, Ost- und Westprevßen 39 (3 Stimmen ruhen), Brandenburg 56 (5 Stimmen ruhen), Pommern 30 (1 Stimme ruht), Posen 18 (2 Stimmen ruhen), Schlesien 49 (12 Stimmen ruhe»), Sachsen 28 (4 Stimuen ruhen), Schleswig-Holstein 9 (2 Stimmen ruhen), Hannover 13, Westfalen 23, (2 Stimmen ruhen), Hessen-Nassau (3 Stimmen ruhen), Rhein- Provinz 29 (3 Stimmen ruhen), Hohenzollern 1 (1 Stimme ruht), ferner Generaloberst v. Wit- tich in Eisenach, mangels eine« Wohnsitzes in Preußen zur Ausübung des Stimmrechts nicht befugt. Im ganzen ruhe« 25 Stimmen.
erbäten „alte W-ider" mit und ohne Schuauzbort, weibliche» und männlichen Geschlecht», bi» bie Pwzeß- grschichte allgemein bekannt ist, droben in de« Wäldern und di unten im Tal im Wittelried uvd in den Lrimmelhöfen drüben, nvd dozngewacht wttd nicht wenig; denn Gew ffr» war nicht Manat worden. Der Buchbauer war nur an einem Sonntag abend bett» Httschwirt ta Tannach gewesen, batte sich eine „Latte" angetrunken und bann in halbverpänblichen AnSbrückt» über be» Bruder losgezogen:
„Ich laß' mich nicht mmSwerfe» aus der Unter« egg, 's ist wehte Heimat gewesen v« «ie seine Uad 'S Gilb, s,ll muß rau», ch laß nicht lack, her muß et!" Dann trank er »ab bann schimpft« er wieder: „Er hat'», ich setz' meinen Kops, er muß e» rauSgebe» »nb bet Prozeß ist gewonnen!'
Aber e» ging ander». Die Würfel find also gefallen und ans der Heimfahrt gottlob-t die Uot-rreggeri», boß e» so gut gegangen ist: ,R-a>t ist »echt «bliebe» »nb den Eid können wir mtt gutem Gewissen schwören. Mtt gutem G w.fle», gelt, Joseph?" Der zuckt wie erschrocken zusammen. „H»st geschlasen?' fragt fie. „3a", brummt er und gibt de« Pferd die Dettsche. Sonst iS er etnfllbig und „maulfaul"; bi« Bäuerin gibt’» bem B «r zo, da» er de» ganze» Tag gittuske», und glaubt, es hab' ihn schläfrig gemacht
Aber merkwürdig! Der Humor wttd auch h de» sorgenden Tagen nicht bester. Der B-mer hängt de» Lvp? und bei aller Arden start »nb pnbiett er vor fich hin. Er ist nicht „gespräch" wie sonst und Leid und Kinder bekommen würrrsche Rede«, die eine um die andere; fie kennen den Vater und da» Gestade der Bauer» nicht mehr, so hat er fiv verändert.
„Was hast?" fragt bie Bäuerin.
„Nichts!" bekommt fie zur Antwort.
„Die Feindschaft mtt dem Bruder geht ihm halt nab'," erflärt Re fich da» schweigsame „grätige" Tun. „Aber der Franz bat selber angeiangea, wir find an der ganzen Geschichte rwfchntbig und wen» man nicht fchnkd g ist, kann man j» wa» doch nicht letben.
Der letzte Tag der vierzehntägige» Frist naht heran. Am Abend vorher mahnt die Untetegg«” ihre» Bauern: „Morgen werde» wir zur Stadt fahre» wüsten?"
Ja," jagt er, und b. stehlt dem «.recht, am andern Morgen zeitig da« Fuhrwerk z« richte».
Auf der Fahrt meint btt Bäuerin: „Heut kränkt S «ich wilder, wie an der Tagfahrt zur Bei Handlung, mb wenn'» bloß um» »Id wär', um die Sericktr- kvsten, so könnt' man de» Eid grab bleibe» loste», aber wa» täte» bin» die Lern' fogen ?'
Kuf dem Heimweg kehrt der Unteregger beim „BumbererU ist bie» eine kleine Wirtschaft hart an brr Sttaße, auf halbem Wege. An den RachmMnge» bet Jahrmärkte in der Stabt geht e» hier immer sehr lebhaft zu. Wer ba in der Stadt vor lautet Handel» und Feilsche» »nb Schreien zu wenig Bttr bekam, hält fich beim Bumber« schadlos; w« sein Stück Breh ob« fein P,«b auf dem Markte «ttht lo» brachte, schont in Vorbeigehen, ob nicht beim Bnmb«« »och ein Liebhab« fitze, nnb w« fürchtet, vom Markte zn ttüh nach Hause zu komme», kehrte in dem WtttjHms« ein, wo bie j®et große» Llnbenbämne den Hof beschatte»; und der Bumber«, wttt t.-ntt solche Gäste und weiß fie zn fchätze». Da kreist bann bet Würfelbecher, und oie Karte« „llöpsen" auf dem Tisch. „'» wttd Geld «----setzt, sagt der Wttt vergnügt, wen» die Bauern um Marke» und Täler ipiele», denn «welche» bleibt bann auch an seinen Händen hängen. Di« Zeche wächst, uno bie Jhe>be tn der Schenke hat strenge Dienste.
Dem Unt«egg« steigt eben heut der Tmst wiedir bi» tn bie stehle, wie'aper « auch m d«Stadt gegm ihn gekämpft. Der Bumber «wirt ist zubem noch em entfernt« Bett«, also kehrt man ein. Anna sträubt 8ch> aver wie b« Wagen hält, tarnt sie auch nicht fitzen bleiben i« Geftch«, j- fi- muß bb«dtein noch ein freundliche» Erficht nassetzert, ba d« .wettschichte" Bett« mtt d« noch „wettschichtertn Base vor btt H.urfttte komme».
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