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32. Jahrgang

Fulda, Dienstag, den 24. Januar 1905.

WW Cll I AAAf s« AUIVUVV verantwortlich«

TchrisüeiterrIosvam« t-

3. PSSk wochenbellage: „)llusttktte ZSNNtagSZettUNg

WeN» fpattigr petttzelle o-M 6er« San» 18 -W» ltfl«mea »iepetitzoGe 25 pfg ; lei wird«. Holungen wti* tn$Mb Kobort gewährt.

Druck und Verlag da ZuldaerA

tu Zulda (Qonaonie Lerusprech« Xr. *

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' Vie Mvolmion fis Rntzlavd.

2>e; Führer bei Lrteite'.b<wrK««g tn St. Prttnöburg, die m ihrem seitherigen Verlauf 9öo so verhäaWisoollün Folgen begleitet rra*, ist' der etwa SO jährig« griechisch.katho­lisch- Geiflltche Äeorgtj Gapon, d-r seine Kraft sSllig der Sache der Arbeiter widmet. Ex erklärte dem Ber-reter des »Standard'.: Wir Haden dem Fürsten Mirtlp notifiziert, daß wir den Kaiser um diese Stunde zu treffen wünschen, und daß wir Seine Majestät tatsäch­lich erwarten, usi ihm eine Petition um eine Verfassung zu unteroreUen. Wenn er sich weigert, wird es einen gräßlichen Aufwand geben. Sollte ein Minister statt des Kaisers kcmmr», so werden wir ihn gar nicht anhören.

Der Kaiser ist nun nicht vor seinem Volk erschienen und sehr viel Blut ist am Sonntag in der Hauptstadt Rußlands geflossen. Nach alle» glaubwürdigen Nachrichten waren die Arbetter- maffen, die am Sonntag demonstriere« wollten, vor ihrem Kaiser, nicht bewaffnet. Der Zar war gar nicht im Winterpalais, sondern im Schloß von ZarSkoje-Tselo, er hat von dem Blutbad nichts gesehen, daS seine Gardettuppen unter den Demonstranten anrichteten. Der Zar ist vor dem Volk geflohen. Vergebens hatte der Pope Gapon noch in einem Brief an den Mi­nister der Innern darauf hingewtesen, daß es die Pflicht deS Ministers sei, auf den Kaiser ein- zawirken, daß er die Bitt« btt Arbeiter erfülle. Um seine Sicherheit brauche er nicht besorgt zu fei», die Arbeiter würden ihn schützen. Gopo« hatte ferner mit dem Justizmtsifter eine lange Unterredung. Der .Minister »ahm die Forde­rungen der Arbeiter zur Kenntniß und äußerte, jeder müsse die Pflicht erfüllen, nach seiner fieber« zrugurtg zu handeln. Der „ Reform», inister" Swiatopolk hat ebenso versagt in dieser schweren Zeit wie der Justizminister Mnrawiew.

Dem Militär allein ist eS überlasse« worden, in der Stunde zu handeln, da alles erwartungs­voll »ach dem Zarenthron ausschaute, das Mili­tär hat seine Schuldigkeit getan, die friedliche Demonstration ist am Sonntag in ihrem Blut erstickt worden, jsstzt wird die Revolution ihr Haupt erheben. Äe Wut und Erbitterung in alea Schichten der Bevölkerung, die nicht blind- Itag8 dem herrschende» Regime ergeben find, kamt keine Grenzen mehr.

Rußland steht nicht mehr am Vorabend schwerer innerer Ereignisse, nein, der Tag der Revolution ist da; schwer rächen fich am Zaren die Sünden, welche seine Minister und Beamten am russtschen Volk« begangen haben.

De« Oberbefehl über di« Truppen führt gtzoßfürft Wladimir, in blfsen Palais fich seit dem Mhen Morgen sein Stad befand. Die erteilte Parole war, keinen zu schonen und jede Zusammenrottung znsammenznschießen. Diele Pa-ol wurde streng befolgt, ein entsetzlich blutiges Wert wurde Verrichtet; viele Unschuldige haben leiden müffen, dir für ihre Rengier streng bestraft erben find. Die Polizei nnb die Send arm erie waren so gut wie außer Funktion gewesen. SS herrscht« Rilitärgrwalt. Biel« Ange- hSrig« der ge-ildrteu «reise Haden Petersburg eilig per Bahn verlafs-.n, nm ihre Person in Sicherheit zu

Wrrröerzwist.

SchwWffche Dorfgeschichte von Kaspar Baum­gärtner.

8 ------(Nachdruck verboten.)

Kommenden Storgf« fährt Frarz Werner in aller Frühe schon der Stadt zu Sein Seiger htt fich über Lacht nicht gelegt, und beim Erwachen war seine "itaß sofort bei der Hand, tie glühenden Kohlen deS Zorurt zns lodernden Feuer anzudlasen. „Ich laß' mich in «einer eigene« Heimat nicht hinauswerfrn," > '.gt er und spannt «in. Bei« Rechtsanwalt spricht , r v«k und die thdetreb«ng dauert lange. Befriedigt k hrt er abend» h.rm und versäumt nicht, i» Borbei- t hreu noch eine« giftige«, drohenden Blick nach de» Umeregg hinüber z« sende». In Lotte ««gesetzt v üßt« et heißen: „Der wird schaue« und sein« feine, sarrtuheiliche Anna «it I Da» Geld «nß einfach her­aus 1 Wer den Bruder übervorteilt am väterliche« Erbe, ihm da» Hau» der Heimat verbietet, wo beibe al» Kinder gespielt, denselben Bat« und dieselbe Mutter geliebt — der verdient feine Rücksicht 1"

Wach» sitzen die vuchbauettente lelbzweft am Lisch. Kinder und Dienstbo-en find zu Bett gegangen. Bei Acht «zählt der Bau« ferner harschenden Ehe» hälfte bi» inS eiuzelne, war er mit dem Rechtsanwalt verhandelt, va» dies« gesprochen und wa» « für eine« Rat erteilt hat. Auch die Bänerfti kann iS« btn Bericht eine schadenfrohe Befriedigung nicht verberge».

Wenige Tage nachher erscheint aus dar iUteiegg ein SrrichtSbeamter «it zwei Landjägern. Bauer nud Bäuerin werden vom Felde heretvgehoit und sofort, eines nach dem ander», einem eingeheude« Verhör unterzog«. Alsdann werden beide, nachdem die Sin» der entfernt stad, in der Stube einem Landjäger zur

Ma. Li driugen. Morgen bleibt PetnSbur, den dritten Tag ohne Zeitungen.

Dre letzte» Telegramme a«S PeterS- burp ertthalre« sachfvlzente M»tteil«nLS«:

W. Petersburg, 23. Jan. 1905. Die AaLfiändigen b außen in des Gebäude der »Nowojr Wrenjs' et; und zerstörte« die Maschinen — 12 000 Arbeiter von den KatftöW- werkrn (drei Meile« von Pttersbury entfernt) «rarich eren auf die Hauptstadt, Da» Militär, d«S gegen sie anruckte, wurde von ihue« geschlagen.

W Petersburg, 23 Jan. 1905. Auf dem Nemslp Prospelt kam es heute zu einem Zusammenstoß der Menge n it dem Militär, weit letzteres feuerte. — Die vierte Zioilab- teilung deS hiesigen Bezirksgerichts stellte ihre Sitzungen ein, da zehn Rechtsanwälte bean­tragten, die für heule angesetzten Verhandlungen wegen mangelnder Ruhe zu vertagen.

W. Petersburg, 23. Jan. 1905. (WB) Nach Mitteilungen von Augenzeugen ist ter griechisch-katholische Geistliche Georgi Gapon, der an dem Arbeiterzuge von der Na- wa-Triumpdpforte her teilnahm, unversehrt. Die Zahl der Zugteilnehmer wurde auf 15,000 Marn geschätzt, darunter zwei Geistliche, einet im Ornat mit dem Kreuze in der Hand. Im Zuge wurde autzer Heiligenbildern und Kirchen, sahnen das Bildnis des Kaisers getrogen. Georgi Gapon schritt in BeUetturg seiner Leib­wache und trug das einfache Kle d der Geist­lichen, das Ornat sollte er erst bei Erreichung des ReichSratkgebäudeS anlegen, von wo et un­gehindert über dis Morkkäja nach dem Platze vor dem Neuen Palaste zu gelangen hoffte. Dre Menge zog unter Abfindung des Chores: „Gott, rette deine Leute, sch-vke Sieg unseren rechtgläu- blgen Fahnen!" dahin. Als daS Kom­mando zum Feuern erscholl, «.»folgte eine Salve gegen den Zug. Die Heiligenbilder und daS Bildnis des Kaisers wurden von Kugeln durchlöchert; der an der Spitze gehende Geist­liche wurde verwundet. Gapon der sich gleich andere» zu Boden geworfen hatte, kroch in ein benachbartes Haus und zog bürgerliche Ge­wänder an; einer seiner Umgebung vermochte zu entkomme«. — In vielen Zwetg»ereinen des Arbeiterklubs wurden gestern Abend Ver­sammlungen abgehalle», welche beschlossen, die gestellten Forderungen aufrechtzuerhaltrn; ferner wurde brschloffen, Plünderungen und Schädi­gungen des Eigentums vorzubeugen. DaS Bild­nis der Kaisers wurde gestern in dem Arbriter- klub unter Beleidigungen vernichtet, daS Bild der Kaiserin blieb unbeschädigt. Heute Vormit­tag 11 Uhr wurden auf telegraphische Weisung des Ministers des Innern alle Zweignieder- laffnngen des ArbeiterklubS geschlossen. In der vergangenen Nacht hat «in besonderes Arbeiterkomitee beschlossen, die fremde« Bot­schafter um Einmischung der Mächte anzugeden.

W. Petersburg. 23. Jan. 1905. (Peters- kurzer Telegraphen-Ägentur) In dem Stadt« teile Wassili Ostrvw war heute Nachmittag i Uhr der Verkehr unbehindert. I« der 5. 6. und 7 Linie waren Truppen zusammen- gezogen. Auf dem Mittelprospkkt wurde daS

Bewachung Übergeben. Sie müffen sich auf der ®uffe ou-halien. Die beiden andern Männer durchstöbern da» Han». Bon der Bühne bi» in den Keller bleibt lein Kaste« lwverrückr, keine Lildertafrl unberührt Bestürzt sitzen indeffe» Joseph wb Anna in der Srnbr. Jedem von Herden iS bekannt, wem fie diesen Besuch z« serdankr« taten. Bor dem Hrn» »einen die Sinder, die zwei größere« drücke« fich an die Fenster und luge« furchtsam nach Vater ttvb Mutter. Tie letzrere hält berde Hände vor da» Gesicht und schluchzt Die Schande der gerichtlichen Durchsuchung ist ihr eine harte Demütigung, die ihr zu Herze« geht. Der Schwager ist doch eia geld- und rachgieriger Man«, er lönute ihnen sonst nicht da» Bericht auf beu Hals lade«, da fie doch so unschuldig find al» nur ei am». Joseph fitzt grollend und still und beißt fich die Lippen blutig. Die Hagen funkln ihm unheimlich, fie find forschend «ach der Stubeatftre gerichtet, obwohl die Sucker bald znrückkommen «erde«.

Nach zwei laugen, bange« Stunden kehrte der Grrichttbeamte mit dem Ämdjäger in die Stube zurück. Sr erüffrst de« so jählings überfallenen Bauer« und seiner Bäuerin iw geschäftsmäßigen Tone, daß die Tbrrchsuchuuz de» Hrnse» nicht da» nötige Ergebnis zu einer Verhaftung geliefert habe. Ar entschuldigte ßL wegen der Unoibamtg, die er an­gerichtet, die Erfüllung der Pflicht habe e» aber ver­langt. Hösllch grüßend entfernte er fich mit den Unter» beamten.

Den Leuten ist e», al» erwachten fie au» eisern tiefes, schweren Trau«. Ihr Bruder mb Schwager hat also Mage erhoben. Wa» boch der Geldteufel alle» im I Was wird aber sitzt weiter geschehen und wie wird eS enden?

.Ein guter Sew ffeu ist bock da» beste bei der Sach'/ m ist die Bäuerin, „gottlob, wir habe« ein solches."

Nach Vrifluß von mehreren Tage« e' hält der

Publckum von militätischen P-krts sehr scharf Lngefadreu. Gestern plünderte die Menge eines Kl-äderstofflader sowie eine der stontttchen Branniwetr budef, woslsst für 3000 Ra.el Branntwein sernichtrt wurde; hisgegen m^-rde kern Geld geraubt Dlefes mar vor der L fünft bet Arbeiter aa die ftsatltchen Einnehmer ab- qeführt worden. Heute beweg-» fich bis Arbeiter in lUinett Gr »open in allen Erchen.

W. PererLborg, 23. Jan. 1905. (W. B) IV» Uhr nvckm. Auf dem NemSky Pro­spekt sammelt fich immer mehr Volk an. Auf dem Palaispiatz werde« Ansammlungen durch die Garde zu Pferde verhindert. Grstcrn abend um 11 Uhr warfen Arbeiter die Fensterschechrn der an der Straß; und a« der Tstzeiniaowbrücke bis zur Aaitschkowbrücks gele» genin Häaser und des bei der letztgenannten Brückr gelegen Palais des Großfürsten Sergei ein. Auch dir Fensterscheibe« vieler Häuser deS Newki-Prospekts wucoi» eingeschlagr«.

Deufidies Reich.

Berlin, den 23. Januar 1905.

* Bei dem Kröuttugs- »ud Orbeull« ftst- am Sonntag find im ganze« 2903 Ordm und Ehrenzeichen verliehen worden, 45 mehr als im Jahre 1904. Am häufigsten ist, wie immer, der Rote Adlerorden verliehen worden, r.ömNch 1101 mal, (1143), der Role Adlerorden 4. Klaffe allein 918 mal (947). Ferner find 700Kromnordni verliehen worden (664), darunter die 4. Klasse 217 mal (202). Der Königliche HauSorden von Hohenzoller« ist 39 mal (32), daS Kreuz des Allgemeine» Ehrenzeichens 120 (116) mal, das Allgemeine Ehrenzeichen 943 (904) mal verliehen worden. Außer den schon gestern in der.Fuldaer Zeitung' genannten Zentrum«, absteordneten Rintelen, Dr. Svahn, Kirsch, Euler und Sittart haben vom Zentrum noch erhalten: Abg.Juflizrat Dr. Porfch Bizepräfi- deut des Adgeordnetenhauses den Roten Adler­orden 2. Klasse und Abgeordneter Dr. Bachem den Roten Adlerorden 4. Klasse.

§ , Z«r Entwickelung des preußische« f inanzwesens" veröffenrl cht die »Nordd. Allg. lg.' einen längeren Artikel, der fich richtet gegen „die hier und da noch immer vorkommende Betonung der einseitigen Interessen der „Steuer- zahler" als eines Faktors, der dem Staate ge- wiffermaßen feindlich gegenüberstehend gedacht wird, und die erkennen läßt, „daß die Bedeu­tung des Staates els Kulturanstalt im höchsten Sinne dieses Wortes arch gegenwärtig nicht überall die verdiente Würdigung findet.- Nach Borbrmgung eines reiche» Zohlenmatrrials kommi eer Artikel zu folgendem Schluß: „Wenn der Herr Finanzminister mit Recht zur Vorstcht ge­mahnt hat, so ist die StaalSiegirrurg doch ihrer- seits keineswegs engherzig oorgegange», vielmehr find auf verschiedene» Gebieten wesentliche und sehr erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Äe- sonders zieht fich durch den Etat als roten Fade« der Wunsch, die mittleren Erwerbsstände tn Stadt imd Land zu festige«. Wir hebe« in

dieser Beziehung var hsreor die erh bkchs stchkung der Beträge für ländliche Me!eorLbnse»L die Ei«st-llimg von 2 Millionen Mork fSr dt« innere Koronisatisn in Psmmkru und O-prr«ßev. dre eine drökutekde Rückkehr za fridrrizienischM Tradition zeigt, und dir Gcr chiu^i eine« bt-an­deren La«'Sisgrwerllea»ts, die tu gleicher Rich­tung, wie die erwähnten MoßnohAr» auf dm» Lande, btt Förderung der mittleren Gewelffr- tteibende» in den ©täbtfn dienen soll. Ueb*t» dieS ist zu e wähne», daß auch in diesem JfthM neue Mittel vorgesehen wurde», um durch St> richiung weiterer Grminare und Präparak-denan« statte» dem Lthrermangel zu begegnen. HeLr«!' l'ch wird eS den konstq -mt durchgeführte» Maß« nahmen geling?», diesem Uebelstande adzuhelseu.

-* Die Arbeiten für de» deutsch ester- reich ungarischen Handelsvertrag stns, wie die .Nsrdo. Aüg. Ztg.' mitteilt, soweit gediehen, daß die Unterzttchnung für die nächst« n Tage st» Aussicht steht.

*♦ Die zweite Beratung der Kanal­vorlage soll, wir die «Post^ jetzt behauptet, doch nicht am 30. Januar b^innen. Der früheste Termin fti der 31. Januar, es besteve aber bei der Mehrheit der Abgeordneten der Wunsch, daß die Beratung erst «ach dem 2. Februar beginne, wül man annehme, daß bis dahm die Handels­verträge dem Reichstage vorltegeu würden, und eS frt daher mindestens wahrscheinlich, daß Me Verhandlungen über die Vorlage erst am 3. Februar beginnen werden.

* Zum Streik iw Ruhr-Reviere liege« heute nur wenige Mitteilungen vor. Im ganz«« Bezrrke fanden am Sonntag zahlreiche Bergarbeiter- Versammlungen statt, d-k sämtlich in der größt« Ruhe und Ordnung verliefen. Bemerkenswert ist eine auf dem Schützenhofe in Bochum abgebal­te ne Volksversammlung, Die von 6000 Bürge« und Arbertern besucht war. Der Gewerkoer ehrt« Sekretär Es fertz teilte hier mit, daß avf bet Zeche „Freie Vogel und Unverhofft" ein Arbeits- Vertrag zwischen Verwaltung und Bergleute» bezw. deren Siebener - Kommisfion abgeschloff« worden sei. Danach hat fich die Verwaltung schriftlich bereit erklärt, einen Arbeiter-Aus­schuß einzuführen. Wenn der neue Schacht hergt stellt sein wird, soll die Seilfahrt «m eine halbe Stunde verkürzt werden. Weite« stellt die Verwaltung eine Lohnerhöhung für die nächste Zett in Aussicht. Dir Versammlung nahm schließlich eine Resolution ar, in welch« fich die Bürger mit den St reitenden so­lidarisch erklärten. Die Streikenden erkläre«, im Ausstande verharren zu wolle», und die Bürger versprechen, die Ausständigen in ihrem Kampfe moralisch und finanziell zu unterstütze«. — Wie aus Essen gemeldet wird, hat ,Ob«- dürgermeister Zweigert fich veranlaßt gesehen^ die von den Streikenden zur Aufrechterhaltung dcr Ordnung eingerichtete Arbeiter. OrdnungS- polizri aufzuheben, Da fich heraus gestellt hat, daß splche Ordner Arbeitswillige belästigt hab«. S ne Verstärkung der Pol zeimannschasten lief im Interesse der Lufrechrerhaitung der Ordnung am Sonntag ein. — Der Regierungspräsident von Düsseldorf erließ für die Dauer des TtteW ein Verbot aller öffentlichen Tanzlustbarkriten im

Buckbanrr von lewem RechMeckand in der Stabt die Nachricht, bi ff die Untersuchung auf der Ukieregg zu keine» »venenwerte» Resultat gesüßt habe. Da» Srimiualverfahrrn sei bkStzalb von der Staatsanwalt­schaft irtebergefchlage« worben. Sr könne feinen Bruder jetzt »’ä auf dem Wege bet Privatkage belangen. Der Rechrkan-velt wolle dazu gerate nicht drängen, doch seies nicht alle Aukfichte« «ngch.stig.

Franz Werner ist mit feiner FicM bald einig. ..Wir tage» weiter!" sagt fie, ««b er «eint zustim­mend: „wir wollen sehe», wer recht hat. Jetzt ist schon angefange» and bet Rechtsanwalt bring»'» rau». 6t ist bet beste i« btt ganze« Stabt nnd b:i „alle Trichter"."

Vierzehn Tage nachher tr ist ans bet Unteregg die Mitteilung bet Slagschtifr em uab die vorlabang gut Bethanblung vor tem König!. Amtsgericht. Joseph Werner ist von s-i»em Stuber beschwbigt, der UebeiDorttilnwg und Veruntreuung in Sache« bet väterlichen Erbschaft: seine grau ist ter Beihilfe be­zichtigt. Zeugen stns keine gelabt».

„Ich treib’ fie ollf einen 6id," sagt der Buch- bauet, „»en» ich audi keine Zeugen hab' und tun kann ihn keine», bet Joseph nft uttö die Anna nit"

Der Kritische Tag kommt. u

In aller Frühe schirrt der Untetegget sein Pferd an. Klopfende« Hetzen» besteigt er mit seiner Bämrm da» Sesährt. Serichi,fachen find immer herlle Sache«. Wie viele unschuldige Beturteilunsen fi-rd nicht schon ausgesprochen »orten! Dagegen richtet ost da» un­schuldigste Vewiffen mch'S au». Recht wirb ost durch irgend einen anschemenb nebensSzlichen «rund m.d Umstand, durch da» Fehle« eine» Zeugens oder eine» genauen «urweises z« Unrecht gestemprtt. Wie oft S®t ab« nicht ter Scher» gegen eine« UnschnttizenI ist in einem solche« Sette der ganze SLuffiun eine» vvrttiffiiche»K«teidigeks no wendig, die Unschuld Ui beweisen. Dir Richtet urteile« nach den An»saM

bet beeidigten Zeuge«, nach (Slaubtrnirbigteit uab Wahrscheinlichkeit. Die llutereggerleute habe« h b« Stabt da» SerichtSgebäude eben so oo« außen gesehe« und sitzt sollen fie e» von inne« kennen lernen, und ba» als Lngellagie.

Zur st Iben Zeit macht fich auch bet Buch bauer mW sein« Kreszevz retsesertig. llvb, wie e» fich schick^ schon bei ber Einmünbuug bei Unteregger Weges i« bie Landstraße kommen fich die beide» Fuhrwerke in die Räbe. Die Morgendämwnung verhüllt »och die haßafMte« «licke, die herüber und hinüb« geschossen »etten.

Der Bmhbamt gibt seinem Fuchsen die Peitsche und et saust voran. Der feurige Braune de» Sätet- egget» will auch nicht znrLckblerbe« und rast trotz bet stiessen Zügel dem cotauifaffrenben Wagen nach. <5e jagd einer beu anbern bi» zur Stadt.

Neun llht schlägt'» und die iSetichisvethandluvg beginnt. Zögernd treten die Beklagten in den Se- richtssaal. Zuerst wird Joseph Werner vernommen, tena seine F-au. Sie bereuet« wiederholt ihre Un­schuld. Franz Werner weiß ber schiss.! chen Klage mündlia- nicht» mehr beizufugen, als bas, daß et »o» seinem Stab et eine eidliche AuSsage über de» Set- bltib des fehlenden Geldes verlange.

Nach den mivermeidlichen Anklage- unb Sertei- digungSreden bet RechtSbeistände, beider Teste zieht sich da» Gericht zur Beratung zurück. WaS niewae* gesehen, kann auch niemand beweise«, ba» bitte* lautet:

,Ds e» dem S>äzer Franz Werner von Buch, Ge­meinde Werbach, nicht gelungen ist, die Anklage gegen seine« Beutet za erhärten, so wird der Kläger ffieia# vom hrefige« Schöffengericht mit seiner Klage abge* wiesen und zur Tragung sämtlicher Kost« sowie als erhobene. Gegenklage hin wegen vffeutticher 8efe* dignvg zu vietzehu Tagen Hast oder huadert Mm* Geldstrafe verntteM." (Korts, folgt.)