Fulda, Samstag, den 21. Januar 1905
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int der Arbeiter, die er za«
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32. Jahrgang.
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jBä*. roodfobtikut: .^««ftrierte Soimtagqeitung-
Die Sorge der Geistliche« für da» Familim- lebe« ist nirgends votweadiger, als mb« Diaspora; aber auch nirgends schwieriger. Ma» kann sich davon leicht ei« Bild mache«, wem» man bedenkt, daß die gemischten Eh« dort vielfach nttht mehr die Ausnahme ditden, sondern di« Mehrzahl und zur Regel zu werd« drohe«.
Mit einem Geistlichen, der lang« «stet der zersprengten Heerde sich adgemüht, sprach ich mW Sb« seine schivtarige Ausgabe. „Die Böswillig-
Seklam« Re petktzeKe 26 Pf«.; bei Metz« lehrag« wh* eatfpe
Labatt atw8|rt.
vrnck »atz Verla, Mw guldaer Letirodruckers te Sulda (h«m«W -ernfprech« Wut.
Zweites ZZtcrtt
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Unpolitische Zeitläufe.
(Nachdruck verboten.)
© Berlin, den 19. Januar 1906.
Das Fest lei hl. Familie wird hi« nächsten Sonntag gefeiert. Eigentlich ist ja die ganze Weihnachtszeit hindurch ein hl. Familienfest. Die Hiuen sowohl als die drei Weisen auS dem Morgenlande sanden daS Heil der Welt im Rahm« eines lieblichen Familien. bildeS: Maria und Joseph und daS Kind in Windeln.
Bis dahin war eS etwas Schönes und Nütz- licheS, ober seitdem ist eS etwas Erhabenes und § eiliges geworden, wen« Mann und Frau und re Nachkommenschaft in christlichem Frieden zrrsammenhaus«. ,
Auf einer Katholiken-Versammlung (tch glaube, eS war in Neiffe 1899) hatte ein Kapuzinerpater eine mächtige Rede über die Familie und für die Familie gehalten. I« flammenden Worten hatte er daS Familienleben verherrlicht und aufgefordert, durch Gründung und Pflege d« christlich« Familie mrtzuarbeiren am Reiche des Glückes und zugleich am Reiche Gottes auf Erd«. Tin andersgläubiger Zuhör« sagte mir nachher: „ES ist doch sonderbar, daß - eure Serstliche» so viel von der Familie red«, während sie selbst unvttheiratet find. Sie können doch ihre FamilienweiLheit nur aus Büchern schöpfen!- Der Mann hatte keine Ahnung, wie große Kenntnisse von dem Familien, leben sich die katholisch« Geistlich« bei d« Seelsorge arteignen! Das ist eine viel weitere und tiefere Erfahrungsweisheit, als wie fie der einzelne Familienvater in feinem «gen «reise finden kann.
Die And«sgläubigen rühmen gern da« „evangelische Pfarrhaus». Die Pastorenfamilie soll danach ein heilsame« Dorbild und eine Quelle deS geistig« und leiblichen Segens für die ganze Gemeinde fein. DaS hört fich sehr schön an, und ich will auch g«n' zugeben, daß es edle und tüchtige Predizerfrauen gibt, die viel Guter in der Gemeinde stiften, namentlich in kleiner« Ort«. Ab« die Wirklichkeit entspricht nicht immer den Idealen, die man im Kopfe ob« au dem geduldigen Papi« aufgestellt hat. SS hat längst nicht jede Frau die Befähigung, als beffere Hälfte eine« Seelsorgers fich richtig geltmd zu machen. Die Kind« deS Pfarrhauses find auch nicht immer Engelch«. D« Familten- anhang wit seinen vielfachen gesellschaftlichen Be- rührunaS- und Reibungspunkten bürdet dem Geistlich« oft eine Last von Mißverständnissen, Spannungen und sonstig« ärgerlich« Zwischeu- säll« auf, die seine pastorale Tätigkeit W schweren ob« gar hemmen können. Der katholische Geistliche hat bagegm d« groß« Bartell, daß er nur für seine eigenen Worte, Mt««, Tracht, Mani«en und Werke vrraNtwo^lrch gemacht werden kann. Die Hauptsache ist ab« die: «Der verheiratete Prediger ist ein Familien- Dai«; bet katholische Pfarrer aber ist der Obnfamili«oat« für seine ganze Gemtiude. I» dem ein« seh« die HauSSvät« deS Orte» ihres Gleichen, m dem ander« den Patriarch«, d« selbst Sb« dem Dorngestrüpp bei
Wodien-Rundfdiau.
I Q Fulda, den 21. Januar 1905.
(Nachdruck verbot«.)
Da» wichtigste Ereignis dies« Woche ist b« Au»- hnkch deS groß« Bergarbetterstreitt im Ruhrfohlen- Hebiete. D« Streik hat trotz allen «bmahuen« d« Führer eine größere AuSdehauug angenommen, well ewige Heißsporne den Führern eutgegeuarbeitetenund -te jungen Leute in ihr« unbesonnene» Leidenschaft- Achkeit viele Arbeit« mit fortriffeu nud in den Ber- Imunüungeu die Stimmung beherrschte«. Tatsächlich 'konnten auch die Führ« nicht mehr brems«. Eine Delegttrtroversamuttung in Essen stellte am Don««»- tag vorig« Woche einmütig eine Anzahl Forderungen .«ms, die dem Sfcrein für bergbauliche Interessen vor- gelegt wurden und bei dnen Ablehnung am 17. ds. Ml», die ganze Srbeit«schaft in d« Sustz.;-o treten srllte. Jazwischen ging am Sonnabend die Zahl d« AuSstäudigen, die am Taos vorher gegen 66,000 bk- frag« hatte, um fast 6000 zurück. Sn demselbe» tage brachte der Abg. Herold den SuSstand bei bet Ma s-Debatte im Aogeordnetenhaufe zur Sprache.
asttäglichen Lebens «hab« steht und fich rück- ralüos dem Wohle fein« Gemeinde widme» 'arm.
Wenn in dem Pfarrhanse eine Hausfrau fitzt, so kann fich unt« Umständen ein intime» esellschastltch« B«kehr mit Kaffeevifit« rtc. bilden, aber immer nur mit einig« Familien deS Ortes, die in Rang und Bildung d« Pre- digersarntlie näh« steh«. Dieser engere Steil lat auch seine Gefahr«. Die and«« Familie» önn« fich leicht zurückgefetzt fühl«; namenllich wird daS Mißtrau« d« Arbeiter leicht« er» weckt, w«n d« Predig« ein Famili«leb« im Rahmen der „befitzenden Klaffe- führt. Dal uubedstrgte Vertrauen, die volle Offenherzigkeit einer Gläubig« kann fich offenbar ein allein- tehender Geistlich« viel beff« «werb« und rr- »alt«, als ein Prediger, d« mit ein« Vertreterin deS neugierig« und rebfeUgen Soege* chlechteS in der innigsten Gemeinschaft lebt. Beichte und Priesterehe find nun vollends
Dinge, die fich nicht reim« wollen.
Darum ist eS offenbar viel nützlich«, w«n vn> fere Geistlich« auf die eig«e Familie ver- ^ichim und dafür richtige Gemeindeväter find, sie für das Famsttenled« ihrer Herde fich auf»
Maer M Seitung
Monatsdellage: „HslöLlek S-WchtöNätter".
Krim d« Beschwor««-Wahrsprüche durch die Schwurgerichtspräfideut«, den Strafvollzug, die fidele Festungshaft deS ehemaligen Fähnrichs Hüffen«, die Pückiersche Judenhetze, die Aaideburg des § 166 des StraigeschbuchS. Begenüb« dem Verlang« »ach Reform d« Strafproz ßordnang wies der Justiz- fekretär wieder aus die ihr entgegmstrhend« Schwierig- kett« hin, für die Behandlung Hüffuer» lehnte « jede Verantwortung ab, die Beseitigung des § 166 bezeichnete er auSfichtSlo», die Kritik der Befchworeoeu- wuhrfprüche durch die Prästdeute-i »«urteilte « ent* schieden, wie eS auch der Justizminist« Schönstedt im preuß. Abgeordnetrohause tat. Für bie Aufhebung des 8 166 begeifl«!« fich besond«» die Freifiunigen. D« FreihettSfinn »«langt, daß man ungehindert schimpfen darf auf da«, waS and«« heilig und ehrwürdig ist. Bei« Etat deS Reichsschatzamte» wurde mit groß« Mehrheit eine vom Zentrum beantragte Resolution angenommen, wonach die Bemessung de» WohunngSgeldzufchnffe» dm gesteigerten örtlich« Wohnur.gsmietprcisen entsprecheud unt« besond«« Berückfichligung derjenigen, di» mit Familienange- Hörigen den Haushalt führen, neu graegett werden soll
Da» preußische Abgeordnetenhaus begann am Samstag vorig« Woche die erste Lesung de» Etat». Mau kann nur wünschen, daß die Mahnung de» Graf« Limburg-Stirum befolgt werde, man möge nicht soviel red«, nicht so oft bereits Besagte» wiederholen und fich der Kürze befleißige». Fast scheint el, al» solle die Mahnung nicht ganz unbeachtet bleiben. SS wmde zwar in d« Etats- debatte üb« alle» mögliche gesprochen, wie daS selbstverständlich ist, ab« man ging doch nicht allzu kehr in die Brette Md in drei Tagen war man fertig. Besonder« erfteulich war, daß die öde Kultur- kämpferei, da» Geschwätz üb« die .ultrawontane Gefahr- u. s. w. diesmal uni«blieb. Möge e» ein gute» Vorzeichen für die weitere SiatSberatung sein. Die Poienpolttik, die d« MinistnprSfident wieder in Schütz nahm, spielte dagegen in der Debatte eine ziemliche Rolle. Die Regternngsttlaffe, die den Lehr«» b« Gebrauch de» Polnischen in d« Familie verbieten, tourbm vom Kultusminister verteidigt. Siu absolute» B«bot sollen fie zwar nicht enthalte». S» wird ab« auch nicht viel daran fehle». Jedenfalls handelt e» fich da em eine ungehörige Einmischung in die intimsten Privatverdältniffe. DaS SchulLnterhallnngSgesetz soll mit Rücksicht auf die Geschäftslage nach fcer ErMttnvg des Sulturmi ister» «st in ein« Herbsts-fftou eingebracht tottben. Die Nationsllib«alen hab« also einstweilen nicht nötig, die Behauptung te» Abg. Friedberg zu beweisen, daß fie an dem Kompromiß festhalt«. Auch eine Wahl- reformvorlage soll in d« nächsten Tagung kommen. Man weiß ja ab«, w»S Freiherr von Hsmmerstein unter Wahlreform versteht. Er meint »enberusgen in unt«georbn(ten Punkten und Teilung übergroß« Wablkreise.
Bei b« LandtagSerfatzwahl in Kosel-Leob« schütz für den verstorben« ZentrnmSabgeordnet« Borke hat d« ZentruwSkaadidat Dr. Hag« mit ansehnlich« Mehrheit gesiegt. — Ja dem Reichstag»- Wahlkreise Kalbe-«scher»leben, wo eine Ersatz- wähl für dm »«storbenen sozialdemokratisch« Abg. Schmidt staUzufind« hat, «gab fich im erst« Wahl- gange die Notwmdigkeit ein« Stichwahl zwischen dem sozialdemokra-ischm unb dem nationalliberalen Ronbibst«. Ä,
D« Fürst Alexander zur Lippe, btr durch Geisteskrankheit an der Ausübung d« Regierung in Lippe-Detmoid verhindert war, ist am Freitag in Baireuth gestorbm. D« LiPPische Thronstrett wird dadurch nicht berührt. Er war bekanntlich zwffch« Schaumburg und Biesittfrld vereinbart worden, daß «rafregeat Leopold die Regentschaft an« nach dem Tode des Fürst« weitasührea solle bi» zur Entscheidung b« Thronfolgefrage durch da» Schiedsgericht. — In Weimar ist die Großherzogin Karoliue am Mtttwoch im Atter von 20»/» Jahren gestorben.
In Frankreich ist da» Ministerium Cowbe» nach d« unaufhörlich« Anstürmen endlich über ben Haus« geworf-m. Daß e» dahin kommen mußte war klar; denn di« freiwauttische Angeb-rei hat bei allen anständig« Elemmte zu große Entrüstung hervor- gernfe». E» wird nicht leicht sein, ein n«e» Robbtet zu bilden, da» irg«dwelche Dauer verspricht. Daß nunmehr auf dem »ege zur Trennung von Kirche und Staat inuegehalteu und umgekehrt w«de, ist noch keinerweg, sich«. Wenn die Katholiken sich der Kulturkämpfer dauernd erwehr« woll«, toerbte fie ganz andere Methoden anwenden wüff-n al» bisher.
In Rußland dauert trotz ber scharf« Re- gierungSvttfügung bie Resormdeweguug in btn gebildeten Kreis«, besonders in den akademischen au. «Mrch polizeiliche Auflösung von ««eine» und Btt- sammluog«, wobei grlegenüich auch mit de» blanken Säbel ringehaneu wird, sucht mau die Leute mund- tot mi mach«, aber eS will nicht gelingen. Wie statt die Bewegung ist und wa» badet alle« Vorkommen mag, erzählt mau freüich tat Auslande nicht genau und zuverlässig; da» meikie wird amtlich vntuscht und verheimlicht. Ein Erlaß de» Minister» deS Innern schwächt übrig«» da» Manifest de» Zaren ab; die» habe kein«lei Veränderung gebracht. Au den Polizeichef von Morkau, Trepow, wmde am Sonntag von einem jung« Manne wieder ein Re- volverattrntat verübt. Sr wurde nicht gettoff«.
Auf dem ostafiatifchen Sricg»fchauplatz erfolgte am Freitag vorig« Woche der feierliche Ein marsch btt Japaner in Port Arthur. Die Stadt svl in bebratrab beff«em Zustande sein, al» mau erwartet hmte und die Bente an Kanonen, Gewehr«, Krieg»- ,ch.ff« all« Art u. s. w. ist a«b torit erhebltch« gewesen, al» mau «wartet hatte, »erb« doch rach
opfern. - ,
Bon ihrer ErziehungSkraft wird nichts m
'chlag genommen für die eigenen Rtnber, fou-
NogiS Angabe u. a. auSgeliesert 546 Geschütze, 4 Gchiachtsch'ffe, ohne bie gesurck«, Svvastvpol, 2 treuitt 14 Kanvuenboote unb Torprbobootszerfiörec, 10 Dampfer, sowie 35 kleiutte Dampf«, bte nach uutthrdlichen Reparatur« noch brauchbar fiub. Die «uftuerffamkett wendet fich jetzt Wied« mehr dem Kriegsschauplätze in der Mandschurei zu. Die R ff« unt« General Mischtschenko machten in btt vorigen Woche einen restliches Bttsuch, ben link« Flügel ber Japan« zu umgehen, ihnen in denRück« zu fall«, bie Sisenbahuv«biubung mtt Port Arthur unb Riutschwang zu zerstör«, bie von Port Arth« kommenden schweren Geschütze Nogis abzufang« und die japanische» Vorräte bei Kakuwantse zu vernichten, zz gelang ihm auch ein Stück b« Bahn za zerstören, ab« wiebttholte Angriffe aus Riutschwang unb Riut- schiatung mißglückt«. Die Japaner waren auf dem Pov« unb schlug« fie zurück, so baß ihr Unternehme» ie der Hauptsache erfolglos war Allerdings gelang e» den Japanttu auch nicht, ihn« den RückM abzuschneiden. General Mischtschetch^chreibt die Schuld für seinen Mißttfvlg seinem M«gel an Infanterie zu; er hatte außer Artillerie nur Kosaken bei sich, )ie fich in dies-m Kriege bis jetzt sehr schlecht bewährt ! ;aben.
Ja Sübwestasrika hab« am 3, 5. und 7, Januar Wied« siegreiche Gefechte mtt b« Hottentotten iattgefunb«. Leider hab« auch die Deutschen mavche empfindliche Verluste zu vtt?ieichoes,taSbesond«e falle» unverhältnismäßig viele Offiziere. Rach ein« tn ber Birdaetkommisston des Reichstags mttgeteitt« Liste betrug de- Sesamwttlvst bet Schutztruppe an Toten und Berwunbeten, soweit et bi» zum 10. Januar be- kannt war, 1041 Manu. — Der Kapitän der Otfim- btngwer Herero, Zacharia» Zeraua, hat fich mit einig« BegleitttN dem Major v. Estorff «geb«.
groß« Teü al» bttechtigt anttkenne» warnte vor 5taer Kraftprobe und forderte die Regierung zur Ber- mtttlnug auf. Miuistttprifident Graf Bülow, der ch^usall» beide Teile vor einer Kraftprobe warnte, «kannte die Pflicht ber »ehörben, »uf Eimguvg hin- ßuwirkeu, durchaus an. HandelSmtuist« Möller «örterte daun ebenfalls, und zwar ziemlich objektiv, bie Ar fach« bei Busstandes und teilte mit, daß die Berg' dehörbm zu »ermitteln suchen sollten, »ros e» nötig nud «wünscht sei. Die Verwaltung sei angewiesen, die strengste Neutralität zu beobachten. Da» iß er- .. treulich zu hövm; man kann nur wünschen, daß die "Anweisung auch befolgt wird. Bisher war ras gewohnt, die Behörden bei Streitigkeiten zwisch« Arbeitern und Nnternehme« nur auf Seite d« letzteren #i sehen, was dann oabittttub auf die Arbeiter wirkte und ihr Vertrau« in die ll»Parteilichkeit der Behö-den auf» schwerste erschütttt« mußte. Vielleicht Hat die Erfahrung, bie Minister Möller neuerding» mtt den mächtig« und herrsqsüchtigen Kohlenmag- «et« gemocht hat, ihn darüb« belehrt, daß e» doch nicht iwm« gut unb klug ist, aus deren Sette zu stehen. An» dem Zurückgang d« Zabl d« Ausständigen am Oonnabrod schöpfte v« Minister die Hoffnung, daß Re Bewegung bereits nachzuloff« beginne und ein nögemeiner Ausstand nicht zu fürchi« sei. Am Montag aber mußte « mitteilen, daß ber bergbauliche Vöeein, obwohl Obttberghaupiman« v. Bels« zu v«- Mitteln versucht hatte, di« Forderung d« Effrner De« tagitttknversammlung schlankweg abgelehnt habe und /M auf Ltthandlung« nicht emkaff«« wolle, dagegen eine amtliche Uniersuchuag der Bergbauvtthättnlffe Wünsche in ber Ueb«zeugu«g, daß sie irgend welche Mgemeine Mißstände nicht ergeben würde. Darauf -»» die Regittnng sofort de« Herrn v. Bett« ur.b mehrere Kommrffrre de» Ministerim»r de» June« nach dem Ruhrgebiet geschickt, um zunächst ben Arbeitern Gelegenheit zu geben, ihre Beschwerde« näh« churzuleo«, nm dann weitere Ermittlung zu objek- ttacr Feststellung der Sachverhalt es vorzuuehm«. Mitt- httveile hab« leid« die Dkl-giert« am Montag dro allgemeine» Ausstand proklamiert, weil btt Bttgvrüberein ihre Forderungen abgeleb t batte. Ei haben jedoch »och nicht alle Bergleute dir Arbeit eingestellt. Hoffentlich gelingt e» ber Min pkrialkom- «ifston, wohl bald beruhigend zu wirke« unb mtt Erfolg den Friede« zu vermitteln. Sie Forderungen der Arbeit« sind ia b« Hauptsache berechtigt, wie der Abg. Brust, ein alter Bergmann, im Äbgeord- «trohause uachwie». Die Debatte zeigte, daß auch ick- Mehr heft dr» Hause» fie nicht ohne wettere» unbegründet findet, sondern objektive Prüfung wünscht Md auch von ben Unternehm«» Entgegenkommen «wartet. Ausschreitungen, wie Straßentumulte unb ^Zusammenstöße zwischen Ausständig« nud Gendarmen -Ümb bi» jetzt kaum vorgekommen; die Arbeiter benehmen sich durctavea ruhig und besonnen. Daß der Streik mtt einem Siege der Arbeiter rod« könnte, wird von den meisten Renn«« der Sachlage bezwei- ML Zwar ist e» nicht richtig, daß g-waltige Kvhlen- Hvrräte Vorhand« sei«, um deretwillen d« SuSstand d« Zechrobefitzttu ganz lieb wäre, im Gegenteil, e» hat sich für die Industrie bereit« eine empfindliche Kohlennot bemttkbar gemacht, ober sehr fraglich ist, e6 die Arbeit« die Mtttel habe», einen länger« Streck aUSzuhalten. ES wäre verbrecherisch, fie zur BeiPoeip^g zu treib«, und wen-« die Grub-nbefitz« «da» nicht woll«, müffeo fie entgeger.lommen. Sie Htza«» e», und w«n fie e» trotzdem in protzen Haftern Machtgeftthl nicht tu», so trifft fie die schärfste B«- uutworlung. Die sozialdemokratische Preffe, die zum Teil doch nicht unschuldig ist, wenn die Arbeit« fich svrtrckß« kaffen, sucht schon im voran» bie Leravt- Wortung für ein etwaige» M ßlingen be» Streck» auf die Zentrumspartei abzuwälz«, wiewohl doch diesmal die Führer der verschiedenen Brrbäude Hand in Hand finb.
Im Reichstage scheint fich dieEtatsberatung Wied« sehr lauge hisziebe» zu woll«. Bleich beim begann« die langen Reden üb« immer Wied« »iesel« Ding-, und zwar vielfach Dinge, bie M ReichSjapizamt nicht» angeh«. Besonder» -«führ- sich wurde gesprochen üb« die «ahstratprozege, die
Beschlag genommen für die eigenen Rtnber, sondern fie können ihre ganze Liebe und ganze Fähigkeit ungeteilt dem Nachwuchs ihrer Se- meinbe widmen. Wron unsere Seelsorger am Weißen Sonntage die hoffnungsvolle Schar der Srstkommunikanten zum Tisch dessHerr» führen, dann fühl« die Eltern in dankbarer Freude, daß eS nicht bloß dem leidlich« Vater und der sor- ;enb« Mutter, sondern vor allen dem geistliche» Batet zu danken ist, daß die Kinder glücklrch diS zu dieser Stufe gelangt find. Dann kommen die kritischen Jahre zwischen Schalzett und Mi- itärzeu oder Volljährigkeit; auch da kann der Seelsorger, der für eigene Burschen ober Backfische nicht zu sorgen hat, feine ganze Kraft frei und front ohne Hemmnis und ohne Mißtram», bet wichtigen Aufgabe widmen, der nunmehr dop- peU schwierigen Aufgabe, bie Ettern durch Äti und Tat zu untertiLtzen unb die jungen Leute zu tüchtiger-, christlichen Hausvätern und Hanl- müttern entwickeln zu helfe«. Dazu kommt daun die Htttensorge für die bereits bestehenden Ehe». Wie oft muß da bet Geistliche der Tröster, der Rater, der Friebensengel, der Warner, der Arzt unb der Retter fein! Gerade diese Hausseel- sorge unb HauSglückssorge erfordert die volle Uudefangenheit auf der einen, daS volle Vertrauen auf der andern Seite.
Predig« von der Kanzel und Stundengebeu tm's nicht allein. Der gute Hirt muß bem Schäflein nachlaufen, wo'S nottut, Nachläufen bis auf bie Wüste unb baS kann er am besten, wenn er kein eigenes Familiengepäck rnttzu- schlepp« hat Wir bftrfen sagen, daß unsere Priester, bie keine Familie haben, bie regten HauSseelsorger unb Fümiliengeistlichen stub. Sie gleich« bem Manne, bet selbst auf ben Becher verzichtet, um bie durstigen Mitmenschen desto reichlich« tränken zu können.
Daraus folgt, oaß wir nichts beffetes tu« können, all bie segensreiche innige Verbindung zwischen bem häuslichen Heerde und bem Altäre, zwischen der Kinderstube unb der Sakristei zu wahr« und zu pflegen.
Ein besonderer Punkt wäre noch der: Das PredigerhauS entsendet viel protestantische Schüler auf bie höheren UmerrichtSanstalten und liefert so ein« erheblichen Nachwuchs für bie sog. höher« Berufe. Auch bieser Umstanb muß beamtet werben, wenn man d« Borsprung erklär« unu, ben die Andersgläubigen auf diesem Gebiete noa) vor bem katholischen Volksteil hab«. Wo ist die Abhilfe zu suchen? Auch in b-m tüchtig« katholisch« Famüienleb«. Alle Glte«, die eS irgrob möglich machen können, sollten ihre befähigten Sprößlinge (b. h. die wirkUch bo- fähigt«) ftubieren loffen, und zwar nicht ausschließlich für ben geistlichen Beruf, sende« auch sür dre weltlich« Stände bei ArzteS, Lehrers, RechtSanwaU, Beamt«, Baumeisters, Technikers re. Wer bofür sorgt, baß ein braver Katholik in diese einflußreich« Stände hineivkommt, hack einen wertooll« Baustein geliefert für die Ankunft des Katholizismus in Deutschland.