unter Koutraktbruch vollzogene Arbeitseinstellung ortdauere. Auf diesen starr formalen Stand« »unkt stellt sich ja nicht einmal die Regierung. Von ihm aus zu einem friedlichen und befriedigenden Ausgleich zu gelangen, ist einfach un« möglich.
Die Besprechung der Interpellation wurde >ann abgebrochen und soll morgen (Samstag) ortgesetzt werden.
Bus dem Reichstag.
123, Sitzung vom 20. Januar 1908.
Eröffnung IVi* Uhr.
«in Antrag Sitrart mtb Senoffen (8) »•t« CnlsteLunfl eine« Strafverfahrens gegen den Ldg. Racke» (Z) wird debatteloS angenommen.
ES folgt die Interpellation A«t ««»Gen. <Soz)betr.den Bergarb eite» streik im Ruhrkohlen« bezirk. Die Jntervellation führt Rlate darüber, daß die Werebesttzer im Ruhrkvhlenbezirk eine förmliche Organisation behufs Berruf erklärung unbrquemer Arbeiter geschloffen haben, daß der ArbeitSvrrtrag verletzt, die Arbeitsordnungen willkürlich angewandt und fortgesetzt Ronkraktbrnch geübt werde, daß das NullenderRohlen» wagen dir Arbeiter Übervorteile und daß endlich da» Kohlmsyndikat die Rohlenpieise hinanfschraube.
Abg. Hu« (So,.) hielt eine dreistündige Red« über den Verlaus deS Streiks und schob dl« ganz« Schuld auf die Seite der Arbeitgeber; er b achte reiches MateriÄ zur Beurteilung des Streiks vor, so daß nachher der -andelSmiuister selbst anerkennen mußte, daß ihm viele Klagen bisher unbekannt gewesen wäre«.
Der Reichskanzler drückte seine Anerkennung darüber auS, daß, wie der Abg. Hue erklärt habe, die Arbeiter ihre Ehre darein setzen wollten, den Streikt» so musterhafter Weise zu führe», wie eS bisher in eine» Stre k noch nicht der Fall gewesen fei. Dabei ließ d« Reichskanzler, wenngleich er die Hoffnung hept«, das der Abg. Hue mit seiner Auffassung über den Berlaui deS Streiks hinsichtlich der Verminderung von Exzeffe» im Rechte bleiben werde, eS nicht an einem deutliche» Winke fehlen, daß eventuell mit allen Mitteln Unruhe», unterdrückt werden würden. Gleichzeitig betonte er, daß die Unterscheidung, auf welcher Sette daS Recht und auf welcher daS Unrecht liege, äußerst schwierig sei, und »war umso mehr, alS in die Gewerksfragr politische Fragen hineinspielten. ®8 mußte auffallen, daß der Reich? kanzler dieS auch hinsichtlich der christlichen GrAerlichaften behaupte.
Handelsminister Möller gab die Hoffnung noch nicht auf, daß man schließlich doch noch zu einer Verständigung kommen werde. In der Hauptsache waren seine Ausführungen Wiederholungen auS dem Abgeord« netenhauke. Zur Genugtuung mutzte eS gereichen, daß der Minister betonte, eS seien die Nachrichten flbeit bt« Tätlichkeiten der Streikenden Uebertreibungen, daß für die einzelnen Bezirke deS StreikgebietrS UnterfuchuugI- kommisfionen gebildet werden sollten, und daß ein Gesetz in Vorbereiiung sei, welches sich gegen die Stilllegung von Zechen richte. Sinzelue seiner Ausführungen, fo hinsichtlich deS Nullens mußte der Minister richtig tßHCB.
Abg. «löffel 'Z.r) wies zunächst die Angriffe LrS Reichskanzlers gegen den christlichen Bergarbetterver. band und gegen die GewerkfchafiSorganisation überhaupt zurück. Der christliche Brrgarbeiterverbaud, den Protestanten und Ratholiken angebörten, verfolge kein, politischen, sondern lediglich wirtschnstiche Zweck« Daß die Organisationen diesmal ihre Mitglieder uich in bet Hand gehabt habe, liege nicht an bet Drgtm sation; gegen btt Unsumme von Erbitterung, bi« sich allmählich unter ben Bergleuten augesammelt hab« würde auch die stärkste und beste Organisation versag haben. Redner erörterte bann eingehend die Ursachen dieser Erbitterung, die vor allem durch die Stilllegung von Zechen, durch die übermäßig« Länge der Tchicht- »eit und vor allem durch die schlecht« Behandlung der Arbeiter hervorgerufen worden sei. Es fei auch ein schlechter Drost, wenn gesagt worden sei, daß eS frühere Rameraden der Bergleute feien, welche den Arbeitern eine so schlechte Behandlung augedechen Keßen, n>6b«*b die höheren Beamten sich an den Beschimpfungen usa>. überhaupt nicht beteiligten. DaS letztere sei zwar richtig, es erkläre sich aber nur daraus, daß die höheren Beamten eS überhaupt ablehuteu, dirett mit ben Arbeitern zu verhandeln Im weiteren besprach Redner die Forderungen der Bergarbeiter, die er in ihrer Gesamtheit als durchaus nicht unbescheiden bezeichnete. Einen großen Teil diesmc Forderungen habe daS Zrntrum schon im Jahre 1682 bei
sahen selber, daß der Großvater kränker war al« sonst. Sie liefen deswegen ausS Feld hinaus, eS den Eltern zu erzählen. Lm:a machte sich sofort auf, «ach dem Schwiegervater zu schauen. Er lag im Bett und stöhnte laut; Schmerzen auf der «r^st setzten ihm hart zu, heftige Beklemwuvgrn und Atmunzkbeschwerden triebe« ihm den Schweiß auS den Poren.
„Hol' den Joseph," sprach er, al» er zu rede« vermochte. Die Frau lief eilig davon. Ihr Man« kam schon mit dem Gespann vvm Felde her- Sie winkte ihm, er trieb die Pferde zur Eile an.
„Der Barer ist wieder schlimmer,- meldete sie und fährt mit der Schurze über di« Auges, beide gehen dem Speicher zu. , ,,
„Jo?eph," beginnt der Großvater, „heul' bin ich gar nichts. Einige Zeit nach dem Esten ist'» mir so ans die Brust gefahren und ich kann oft fast nicht mehr schnaufen und atmen, und dann ist'- wieder, a?» ob'- Herz wollt' Klopfen austören — bald wird's wohl een letzten Klopfer tun. Vorher will ich aber noch Ordnung machen mit der Erde wie mit dem Himmel."
Ter alte Mann holte tief Atem, räuspert fich und fährt dann fort: »Im Kommodkaste« dort, in der oberen Schublade, ist mein Lagbuch. Darin find zwet Pfanbvriefe «ud dabei in einer Stärkeschachrel einige hundert Mark bare» Geld. I« der zweiten Schublade find noch etliche Obligationen. Der Schlüffel ist in meiner Sonntag-Hose im Kleiderkasten, nimm ihn für alle Fälle zu Dir und teile redlich mit : bem। gtanj.
„Bater," sagt Anna, „wollet Ihr nicht» der Kirche verwachen, oder eine« Jahrtag stiften? Von uv» au» könnet Jdr tun, wa» Ihr wollt."
g' ist schon gescheveu," versetzt der Alte, .und Joseph, hol' jetzt den Pfarrer und schick' in» Buch, Franz und KreSzerz solle« ko« men und auch die Kinder mitbringts; ich »ächt' sie alle roch einmal sehe«."
Trancig «echt fich Joseph an die Ersölltwg de» väterlichen Befehl». Aus de« Vuchhof schickt er eine«
Knecht und er selber fäyrt nach Tannach, den Geistlichen zu holen.
Anna richtet unterdessen da» Bersebzevg zurecht, bettet den alten Baier in frische Leinwand, kehrt und schmückt da» Zimmer, soviel e» in der Eile möglich ist und steht dem Kranken in seinen Schmerze« bei. Dabei totH sie Träne um Träne.
Der Patient gewahrt ihre Trauer und spricht langsam mit zftiernder Stimme: „Brau, st nicht zv weine«, Anna; Du hast mir nicht» abzubitte«. D» warst mir eine brav«, liebe Lchwtegerttchter, und « danke e» Dir vor Go't. Hol' mir Deine Kinder, ich - muß sie Deinetwegen noch besonder» segnen.\ -
Sie bringt alle an da» Krankenbett, des lüngstc aus dem Arm tragend. Jedem legt der Grotztmj». die zitternde Hand aus und bezeichnet e» mit dem Zeichen der Erlösung, und zum Schluß sagt er:
„Um eurer Mutter segne euch, lieb« Kinder, Gott der Bater, Gott d tr Sohn und Gott der heilige Geist und vergelte an euch ihr Bravsein mit eurem Großvater."
Nachdem er noch einem s-dem die Hand gereicht «nd ein liebe» Wort gesagt hat, verlassen die Kiuder da» Krankenzimmer.
Der Herr Pfarrer kommt mit dem Allrrheiligstev, bald daraus auch Franz und seine Frau und sein« Kinder.
Der alte Untrregaer macht fertig" mit dem Zeitliche«, fegtet alle seine Kinder und Enkel noch einmal und schließt in wenige« Stunden da» Leben.
Die Leickevfeierlichkeire« werden „zwar ländlich fittlich", aber eine» Bsuern und Gemeinderat» würdig gefeint. Kosiba-e Kränze und Sträuße ziere« nicht den Sa^g; dieser seiber ift einfach und schmmkor; aber nach dem Totenomt >st der „Hrich" in Tannach, da» einzige Wut»hau» im Ort gestickt voll mit State«, die am Totenmahl ttilnehrren, d. h. auf Kosten bi» Bastorbene« Bier trinken und Käse ober Würste rffr«, soviel fie „zwinge«". _
Die endgittige Teilung der Hiuterlaffeaschast vollzieht der Notar ans dem Rathaus«-
0 Der vergarbettkrausstEN- vor -em Reichstage.
Iß« Reichstage kstand heute (Freitag) die sozialdemokratische Interpellation über den B e r g- arbeiterauSstand auf der Tagesordnung. Wenn da» Haus gleich zu anfang etwas bester besetzt war als gewöhnlich, so rührte das offenbar daher, daß im Abgeordnetenhause die Sitzung aus fiel. Die Doppelmandatare, die sonst um 4 oder 5 Uhr komme«, waren jetzt schön um */»2 da. Die Tribünen mochten ein wenig bester besetzt sein alS im Durchschnitt, aber man merkte e3 kaum; jedenfalls war von einem übergroßen Andrang keine Rede. Am Bundesratstische sah man neben dem Reichskanzler und dem preußischen Handelsminifter auch wieder den Staatssekretär Grafen PosadowSky, ein Z-.ich?n, daß die Kämpfe um den Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn auSgesochten find.
Die Interpellation wird« begründet durch den sozialdemokratischen Abg. Huö. Dieser gab Och sichtlich Mühe, ruhig und maßvoll zu sprechen, um die bisherige Haltung der sozialdemokratischen Führer in der Bergarbeiterdewegung nicht Lüge» zu strafen und keinen Anlaß zu dem Vorwurf zu geben, daß er und die Übrigen Genoffen hetzten und den Frieden störten. Gr warnte davor, den Nachrichten über Ausschreitungen der Arbeiter zu glauben; fie seien tendenziös entstellt übertrieben. Selbstverständlich war es sein Bestreben, alle Beschwerden und Forderungen der Arbeiter als berechtigt darzutun, und die Schuld der Zechenbefitzer, die den Streik systematisch * heraufb-jchworen hätten, nicht zu klein erscheinen zu lassen. Er schließt seine 2^/,stündige Rede mit dem Appell an die Regierung, den Bergarbeitern gegenüber dem Kohlensyndikate zu ihrem Rechte zu verhelfe» und dem Syndikate ihren Willen aufzuzwingen. Seine iParteigeaoffen begleiteten seine AuSfühmntzen fleißig mit Beifall, „Hört l Hört!" und gelegentlich auch „Pfui!" DaS übrige Haus verhielt fich schweigend, folgten ihm aber mit Aufmerksamkeit. Nur gegen den Schluß wurde eS müde und unruhig.
Reichskanzler Graf Bülow überließ die sachliche Beantwortung der Interpellation wieder dem HandelSminister und beschrankte fich im wesentlichen darauf, alle Beteiligten im Ruhrgebiet nochmals zur Mäßigung zu mahnen, die Arbeiter unter Hinweis auf die Machtmittel des Staates vor Ausschreitungen zu warnen und den Ausdruck der Hoffnung zu wiederholen, daß die Verhandlungen doch «och zu einem friedlichen Ergebnis führen würden trotz res ablehnenden Verhaltens der Unternehmer. Die Staatsorgane hohen nach seiner Meinung das Ihrige getan, um eine Einigung herbeizuführen. Eine Stellungnahme gegenüber den streikenden Parteien vermied er ebenso wie «ine Aeußerung darüber.
Deufiches Reich.
Berlin, den 20. Januar 1905.
8 Die diesjährige Generalversamm- lang deS Bundes der Landwirte findet Montag, den 13. Februar, im Zirkus Busch statt. Die Borfitzenden des Bundes, Freiherr v. Wangenheim und Dr. Roeficke, werden Ansprachen halten, während btt Direktor, Abge- ordnetet Dr. Diederich Hahn, den Geschäftsbericht vorlegen und erläutern wird. Die übrige Tages- ordnung steht noch nicht fest, es werden aber vorausfichtlich die künftige» Handelsbeziehungen Deutschlands zum Ausland«, die in Ausficht stehende Reform des Börsengesetzes und der preußischen Kanaloorlage erörtert werde». AlS Red. er find Abgeordneter Malkewitz und Ritter- gutsbesttzer von Bodelschwingh in Aussicht genommen.
** Nachdem der BundeSrat am 6. Oktober 1904 beschlossen hat, idaß neue Fünfzig pfermigstücke mit der Wertangabe „‘/a Mark" und mit schärferer Riffelung des RandeS im Betrage von etwa 100 Millionen Mark ausgeprägt werden, ist zunächst mit bet AuSmünzung von 10 Million?« Mark Vorgängen worden, beten Ausgabe bemnächst ihten Anfang nehmen soll. Sobald ungefähr 25 Millionen Mark in den neuen Stücke« hererstellt fein werden, was voraussichtlich im Laufe des nächsten Sommers der Fall sein wird, soll mit der allmählichen Einziehung und Umprägung der bisher grltexben FÜ!ifM7-s?nüizstLcke begrasen werden.
* Eine «e«e Verlustliste a«S Tüdwest Afrika. Amtliche Meldung. Ein Telegramm auS Windhuk meldet: Im Gefecht bei Gochas am 5.1.05 gefallen: Gefreiter Gustav Graffow geboren am 22. 6. 1883 zu Loewenberg i Mark, früher im Ariilleriersgiment Nr. 39. — In den Gefechten bei Groß NabaS am 2 bis 4. 1. 05 leicht verwundet: San.-Gefreiter Richard MöbiuS, geboren am 8. 1. 1883 zu Borna, früher im Dragonerregiment Nr. 16 und Reiter Robert Berger, geboren am 24. 10. 1882 zu Berlin, früher im Infanterie-Regiment Nr. 146. — Im Gefecht bei HarnchaS am 3. 1. 05 leicht verwundet: Gefreiter Wilhelm Pätzold, geboren am 6. 9. 1883 zu Waldau, früher im 3. königl. sächsischen Infanterieregiment Nr. 102, Fleisch- schuß am Oberschenkel. — An TyphuS ge- ftorben: Reiter Franz Thismicke, geb. am 17. 11. 1882 zu Köthen-Anhalt, früher im Jnfau- terte-Regiment Nr. 27, am 16, 1. 05 im Lazarett zu Windhuk.
Bruderzwist.
Schwäbische Dorfgeschichte von Ka-par Baumgärtner.
------(Nachdruck verboten )
Der Untereggerhof ist eine Einöde. Inmitten der mehr al» zweihundert Morgen groß-« Fläche von Wiese« «ab Feldern ei heben fich da» Wohnhaus und ei« lange» Wirtschaftsgebäude mit Scheuern «nd Stallnrg-n. Sus einer Anhöhe gelegen, schauen die zwei fiartlichen Firste über ihre Umgebung hin, hinab in den fern fich hi"streckenden Talgrund, hinüber in bat dunkelgrünen Tannenwald, nn» hinan» in die «rette Hocheber« zu den Weilern und Höfen. Der Weg zur Sircke geht den Hiigel hinab durch ehr anmutige« Wiffemal an Hecken und Buschwerk vorbei. Er »ftnbet ein auf die Straße, die am Buchhvf vorbei «ach Tannach führt, in» Pfarrdorf, von dem die Uutereeg ein halbe» Stündchen entfernt ist.
Ecne Viertelstunde nordwärts, dem Pfarrdorf Werbach zu und zu diesem gehörig, liegt an der Land- Kraße bet vachbof. Seine ausgedehnten Grundstücke grenze« a« die Felder der Unteregg. Früher, al» die Besitzer noch Beziehungen zu einander unter hielten, verband ein Fußweg die beiden Anwefe«. Ws» Größe und Wert anbelangt, gibt kein Hof dem andern etwas «ach. Franz, der Buchbauer, ist feinem Brvdt auf bet Sntetegg al» Bauet vollkommen ebenbürtig. Sein Hof wat da» schöne Erb« einer einzigen Tochter, mit beten Liebe fich der zweite Sohn de» Uot-regger» auch deren Besitz um erwarb.
Der alle Unteregger war nach der llrbergabe de» Hofe» an Joseph, seinen Acktesten, mit der betagten Wehäifte in be« Speicher gezogen. Da» ist eia kleiner Anbau am WohnvebSude be» Hofe» mit S übchen, Kammer «ud Küche für zwei Personen; «urdiug. Sübchrn heißt die Wrhvnng auch in ander« Orten. Macht»« aber sein« Walbnrg da» Zeitliche gesegnet
was die Regierung Denn eigentlich zu tun gedenke, wenn fie bei dem Kohlensyndikate nichts ausr chte. Dafür griff er zu einer nicht unge- schickten Polemik gegen bie Sozialdemokratie, der er vorhielt, baß sie durch ihre Angriffe auf bie Regierung bie VerständizungSarbett erschwere, währenb sie fich zugleich den Schein gebe, als erwarte fie von ihr Hilfe für die Arbeiter. Diese Ausführung gefiel beit Sozialdemokraten natürlich sehr wenig, fand dagegen bei anderen Parteien viele Zustimmung. Die Arbeilerorga- nisationen find nach Ansicht des Reichskanzlers nicht natürlich erwachsen, sondern Produkte der Patteipolitik, insbesondere der Sozialdemokratie und sie werden nicht heilsam wirken, so lange fie fich nicht wieder Parteipoiitik emanzipieren.
Der preußische Handelsminister Möller mußte beginne« mit dem Geständnis, daß seine Kommiffarien einstweilen unverrichteter Sache nach Berlin zurückgekehrt sind, und mit dem Bedauern, daß bie Unternehmer eS ablehnen, kontrabiktorisch mit ben Arbeitern zu verhandeln. Er gibt aber die Hoffnung noch nicht auf. Zu- nächst soll noch weiteres Beschwerdematerial ge- sammelt werden. Dann sollen Kommiffare für die verschiedenen Reviere eingesetzt werden, um die Verhältnisse zu untersuchen. Eine einzige Kommission soll also die Arb-it nicht mehr über- nehmen. Auch Herr Möller ist der Ansicht, daß die Regierung ihre Schuldigkeft getan hat, und zwar schon von vornherein, um den Streik zu verhüten, und wünscht, daß auf beiden Sellen Besonnenheit und Nachgibigkeit herrschen möchten. Im Übrigen sagte er nicht viel neue?.
Bei der Besprechung der Interpellation er- hielt »«nächst der Zentrumsabgeordnete Stötzel das Wort. Es war ungefähr 5 Uhr geworden und daS Haus schon recht abgespannt. Der Redner betonte zunächst gegenüber dem Reichskanzler, daß der christliche Bergarbeiter- verband keine Partei-, sondern lediglich wirtschaftliche Interessen verfolge, und bestritt gegenüber dem Handelsminister, daß der Streik etwas gegen die Arbeiterorganisationr« beweise. Ec erörterte dann sehr rnh'g und fach, lich mit aller Gründlichkeit und unter Erwähnung zahlreicher tatsächlicher Einzelhellen die Ursachen de» Ausstandes, wobei er das Recht zumeist auf Seiten der Arbeiter sah und betonte, daß, wenn man man mehr auf die Anregungen und Warnungen deS Zentrums im Parlamente geachtet hätte, viele Erbitterung hätte vermieden werden können. Zum Schluß sprach er dem Kardinal-Erzbischof von Köln i« Namen des Zentrums seinen lebhaften Dank auS für die Spende von 1000 Mark zur Linderung der Not unter den A-britern. Da» erinnere an das Beispiel des Kardinals Manning beim Londoner Dockarbeiterstreik. Unter großem Beifall verlas er das Schreiben des Oberhftten und schloß fich seinem Wunsche an, daß der Friede bald wieder hergestellt werden möge. Ziemlich kläglich zogen die Konservativen fich auS der Sache.
Der konseroatise Redner Abg. v. Norman« erklärte, fie lehnten es ab. in die Prüfung der Gründe des AuSstandes eirtzttreten, solange die batte,aß derUwer om Tffche de» jungen Sauetr« Kid) toi« vor hals er mit Rat und Tat bei der Arbeit trotz seiner grauen H°are; denn schon feit inngen -»ihren hatte er eine unermüdliche Freude zu beständiger tätigtet Gei« Sohn war der im-ge Bauer er aber die Seele be» ganzen Hose», hin aus oder Verkauf, eine wichtige Arbeit, bet allem breß es: „Man maß ben Bater fragen!" Dazwischen Waufelte et bie herzigen SM unb trug st« durch die Stube. In Müschen Setten macht- « den flnßigen Kleirckvechr bei der Schwiegertochter in ber Küche «nd er tat„da» immer gern, beim Anna war ihm wie «ine wirkliche Tochter so gut unb so brav und zuvorkummrad. Mit siet» heiterer Miene begegnete sie dem alte« Mann, befolgte feinen kleinen Haushalt unb hatte immer ein freundliches Wort für ihn zur Hand.
Die guten Beziehungen be» Großvater» mit der Sch-viegertochter mögen e» mit sich gebracht habe«, daß er ihren Kindern mit besonderer Liebe zugernn war, daß er nie einen Gang a«»wSri» machte, ohne ben Kleinen ein Spielzeug, ein Würstlein oder ein Wccklein tzeiwzubringen. -Von der Fern« schon sahen diese den Großvater komme« und liefen den Grund hinab ihm entgegen; die Tüchlei« Myrten und die Röcklei« flogen und jede» bekam sem Teilchen.
Manchmal gab'» freilich Eifersucht °us dem Buch- Hof, ober bet Großvater gab wenig aus spitzige fteibtr«
Da geschah e», baß et von einet langwicnge« Krankheit ergriffen worbe. Die Gicht fudr ihm in bie Glieder. Er war gelungen, wen« Nicht immer da» Bett, ko doch da» Slüdchen »»hüten; da waten nun bie Kinder tagsüber feine einzige «esckftchaff Sie holte«, wa» er verlangte, vermittelien wahrend be» Halde« Tage, die Nachrichten »wachen ihm nnb Bater und Mutter und waren fcrNoahrevdbei ihm. Er unterhielt fich mit ihnen und fie wachten ihre mnntren Spielchen. Eine» Nachmittag» sch«-« bei Großvater die SHnber fort.. Sie sollen draußen avf der Gaffe spielen, sagte er. T.e s>öß»en Kinder
Zuldaer
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Monatrbeilage: „Zlll-aer GeschichtZblätter"
32. Jahrgang.
Fulda, Samstag, den 21. Januar 1905.
wochenbeilage: „Zllustriette Soimtagsjeftung“
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