Fulda, Samstag, den 14. Januar 1905.
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nicht au-genützt werden.
Schließlich muß ich noch mit einigen Worten auf dir Frage der Barzahlung zurückkommen, die im ReujahrSarttkel besprochen war. Wir ich cu8 verschiedenen Zuschriften ersehe, ist das wirklich eine brennend« Frage. Eiurge haben sogar an den Pfarrer Deitmer in Steglitz geschrieben, sie ließen jetzt etrooS für die Zehlen- dorfer Kirche springen, weil ihnen dieser Ge- schästsartikrl aus dem Herzen geschrieben wäre. In einer Zuschrift von einem Erfahrenen beifit e8 *
Ez gibt ouck wohlmeinende Christeu- menschen, die fich nichts arges dabet denken, wenn ste ihr Geld so schnell als möglich auf die Spai- oder Darlek? skoffe bringen und den Kaufmann oder Handwerker nicht bloS Wochen, sondern Monate lang auf Bezahlung warten lassen. Ich kenne Leute, die Anfang Oktober mir VI* Prozent zahlen sollten, aber trotz thrrr Spargelder «i st Ende März nächsten Jahres ! zahlten und dann 2 Prozent Kürzung forderten. Anderseits gibt es auch Sewerdetreibende, be- sovdei 8 Handwerker, die man ein halbes Jahr lang zehnmal vergebens um die Rechnung et« I suchen kann; fie kommen erst im Januar mit ! ihrer Rechnung, wenn der Wettlauf um boS Geld so arg ist. Ja, eS gibt sogar Geschäfts- leute, die bei Barzahlung oder sofortiger Be- | gkichung der Rechnung bemerken, eS hätte doch
_________ 32. Jahrgang.
.Rückzüge" denken w d sagen? „Nein," schreist Du, „ich laste mich nicht bange machen!" So rennst Du fort auf dem falsche» Wege, kommst Dir schr tapfer vor und bist tatsächlich doch ein Sklave der Menscher furcht und Deines E genstnuev.
Selbst ist der Ma«n; er mr ß von dem Gerede und Getue der anderen Leute fich unaddäa- aig halten und seiner eigenen ruhigen, gewissen- haften Ueberlegung Folge geben.
Aber «an darf fich doch Rat holen? Freilich, bei der richtigen Schmiede! Stammtisch. Genoffen und sonstige unverantwortliche Gesell« schäften find nicht die richtigen Ratsherren. Wenn Du wegen der Gesundheit Rat brauchst, so geh zum erprobten Arzte, und wenn Du Rechtshändel vorhast, so geh' zum erprobten Re^tsanwair. Oder trägst Du Deine kostbare Uhr, wE fie einen Fehler hat, Vielleicht zum Stammtisch oder in eine Bolksoersammlung, damit fie dort repariert werde? Und hast Du sonstige Sorgen und Zweifel, so geh' zum Seelsorger oder dem betreffenden Sachverständigen, um Dir Klarheit zu holen. Und dann kommt die Hauptsache. Du darfst nicht sagen: „Rat mir gut, aber rat mir nicht ab," sondern Du mußt auch den ehrlichen I Rat schlucken, wenn er Dir bitter schmeckt.
Gilt das nun bloß von den Männern? Ach nein, die Frauenwelt unterliegt auch der Ansteckung durch Maffen-Torheiten und hört auch lieber auf hetzerische Zungen, a!8 auf besonnene Ratgeber. Wie manche törichte Stimmungen uud Entschlüsse reifen in einem Klatschkränzchen oder in sonst einem gelegerttlichen Plauderstündchen? Wie oft kann man beobachten, daß die Dierst- boten den besten Ratschlägen einer wahrhaft mütterlichen Herrschaft die Ohren verschließen, aber von einer bökarticrm Frau und der Nach- barschast fich um den ginget wickeln läßt! Ja, man kann sogar als Regel ausstellen, daß die bösen Weiber einen größeren Einfluß auf ihre Mitschwestern haben, als die guten.
Zum Tell liegt das daran, daß die guten fich mehr zurückhalten, während die bösartige» überall fich einmischeu, wo fie ihr Unkraut unter den Weizen säen. Da erhebt fich nun die wich, tige Frage: Soll der unverfiändioe und wohl- meinende Mensch feine Ansicht v »sichtig in fich verkneifen, oder soll er den Mitmenschen, die es nötig haben, ein gutes Wort der Belehrung und Warnung zukommen laffen? „Was mich nicht brennt, das brauch' ich nicht zu blasen", sagt der BorfichtskommiffariuS. Das ist aber nicht die höchste Blüte der Weisheit und erst recht nicht der Nächstenliebe. Wenn du fiehst, daß ein fremde- Kind in ein fremdes Feuer fällt, so greisst du zu, wenn auch vielleicht deine Finger etwas angesengt werden. ®8 kommt darauf an, ob I man Aussicht hat, erhebliches Unhefl zu verhüten; dann kann man schon einen Ratichlag riskieren, wenn er auch wie eine bittere P lle wirkt. Wer klug ist, gibt der Pille einen mildernden Ueder- zua Man braucht ja dem Manne nicht vor den Kops zu sagen, daß er ein Esel sei, sondern man kann so in aller Artigkeit einfiießen laffen, daß die Sache wohl überlegt werden müffe, daß dabei auch dies und daS in Betracht kommen u. s. w. Bloß aufmerksam machen auf die Segengründe, ober ja nicht einen Kommandoton anschlagen oder fich auf Streiterei einlassrn! Es gehört etwas Diplomatie zu einem solchen Werk der Nächstenliebe. Wer dazu nicht fähig ist oder die betreffende Sach« nicht ganz klar hat, der laffe die Finger davon.
iti«t|et> We SS frettigt petthefk ri» deren Straw |S psß. Kennten die petitzeM 26 Pf,.; lei «iedes- Holungen wird enffpr. Kadett gewährt.
Arnck und Verlag bet Kuldaer N eriendnttk«< tu Zulda (tzarmntq Lerufprecher Nr.«.
Zeitung
mouatsbeöagt: „gulbatr SeschichKÄStter".
nicht«. «
DaS gilt natürlich nicht nur von Arbeiter- Versammlungen und Gtteikhetzereien, sondern hat allgemeine Bedeutung. Du willst z. B. einen P ozeß oder sonst einen Streit mit.einem Mit« menschrn anfangen» Wenn Du nun in der Gesellschaft Deiner Freunde und Bekannten die Sache zur Sprache bringst, so wird in der Regel das । schönste Orl in das Feuer gegoffen. Diese Ge- sellschast hat keine Zeit und keine Lust, fich mit der langweiligen Prüfung zu befaff«», wieweit Du eigentlich Recht hast und wie weit Du Recht kriegen kannst. Sie reden Dir nach dem Munde | und bestärken Dich in Deinem Eifer, denn erstens ist eS höflicher und zweitens ist die Hetzerei intereffanter. Dein Kopf wird immer röter und immer fester wird bei Dir die lieber- zeugung: „Stein, daS kann ich mir nicht gefal- len laffen, ich muß gegen den Mann vorgehen" u. f. w. Wenn nun die Gesellschaft fich verlaufen hat, so tritt vielleicht bei Dir eine gewisse Ernüchterung ein; Du bekommst doch wieder einige Zweifel, und Deine Frau oder sonst em verständiger Angehöriger macht Dich darauf aufmerksam, daß bei oer Geschichte noch vielleicht mebt Seiger und Schaden herauskäme, alS die ganze Sache wert ist. Aber nun sträubt fich Dein Eigevfinn und Deine Eitelkeit. Sollst Du den Entschluß ändern? Was werden die Kameraden, bie toben Deine Tapferkeit bewundert haben, von Deinem
Unpoliftfdie Zeitläufe.
Machdruck verboten.)
K Berlin, den 12. Januar 1905.
Eine Unglückswoche! Zunächst für die Berg- arbeitet und das Ruhrgebiet; aber an der Suppe, bie dort eingkbrockt worden ist, wird ganz Deutschland miteffen müffe», besonders der ganze Arbeiterstand. DaS ist daS Muster eines Streiks, wie er nicht fein soll. Die Führer, welche die Arbeiter i ch selbst gewählt haben, reden fich den Mund zu Schaden, um die Leute von dem Renne» in'» Verderben abzuhalten; aber die kräftigste» Vernunftgründe und die stärksten Beschwörungen der erfahrensten Männer helfen nicht. Unreife Burschen rufen den Arbeitern auf ihrem Weze zur Schicht zu:
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christliche Gendarmen, IhreEntlaffung Anzahl Gendarmen, di« fich einschüch den deshalb vor ein Kriegsgericht gestellt G-legeat- lich kommt e» auch vor, daß kleine Banden durch die türkischen Truppen vernichtet werde».
Auf dem ostasiatischeuSriegSschauplatze haben die Japaner Port Arthur, deffen Erwerbung ste 50 000 Mann gekostet hrben soll, unmehr^ besetzt. Die Ueberaabe der Gefangenen wmde am Sonntag beendet. Nach rinem Bericht de» Generals N'gi vom 5 J,nuar sollte die Zahl der Geiangenen über 32 0M Personen betragen, darunter 22424 Unter» o ftrirr und Mannschaften de» Landheeres, 4500 Ma- rinnnannschafle» und über 4000 Nichttomdattanten des Landheere» und der Marine. Außerdem befinden fich 15- oder 16000 Kranke und Verwundete in den Hospitäler». Da» würde sehr schlecht stimmen mit der Angabe br» General» Stöffel in seinem Telegramm an den Zaren, daß nut noch 10000 Mann unter den Waffen seien, aber elle krank. N ck einer späteren Meldung au» Tokio beträgt die Zahl der Gefangenen im ganzen 878 Offiziere und Beamte und 23491 Mann. Man muß annehmen, daß die kranken und verwundete« Soldaten inbegriffen find Andern- sall» würde da» gefeierte Heldentum Stöffel» doch in einem eigentümlichen Lichte erscheinen, womit Wit jedoch nicht sagm wollen, er hätte bi» zum letzten Mann mto letzten Blutstropfen kämpfen müffe», wie er eS feierlich „versprochen" hatte. Im Gegenteil, e» wäre eine unverantwortliche Maffenschlächterei gewesen, den Widerstand fortzusetzeu, nachdem dieser zu writer uich'» führen konnte, al» zu unnützen Mafien- opfern. Bo-- den 878 Offizieren haben 441, darunter Stöffel und 7 andere Generale, foule 4 Aswkale ihr -hrenwort gegeben, am Kriege nicht wehr teilzunebme«. S,e werden nach Schanghai ge- bracht, wo ihre Freilaffuua erfolgt. Die andern gehen in die iseiae-gevschaft nach Japan. Am Schaho wird e» in nächster Z it vielleicht lebhafter vergehen. Tie Japaner find sofort Rat dem Fall Port Arthur» daran gegangen, ihre schweren Belagernngrgeschütze zur Armee Oyama» zu schaffen. Der deutsche Kaiser hat den Generalen Stöffel und Nogi wegen der von ihnen und ihren Truppe» bewiesenen heroischen Tapferk-it den Orden paar le merite verliehe».
3» Südwestatrrka ist die Widerstandskraft der Hottentotten doch nicht wett stärker at» man nach den ersten Erfolgen über fie annahm. Maior Meister hatte vom 1. Ui 4. Januar schwere Gefechte mit denselben zu bestehen, wobei fich bi» an 1000 Hottentotte» am Kampfe beteiligt habe» sollen. Leider konnte der Sieg über die Eingeborenen vom Major Me-ster wegen Mangel an Mnnikion und Berpflegung
„W wn» nicht angefahren!", und darauihml drehen fich die allen Leute und Familienväter in Stoffe um und gehen nach Hause. In I der Freude ruft eia törichter Hitzkopf: „®te Brocken hinschmeißen!", und man wirft fie hin. Blindling» stürzt man fich in die schweren Lasten, Gefahren und Röten eine» Streik»? Ist Geld da zur Führung eine» Kampfes? Stein. Ist bie Kawpftruppr geordnet und bewehrt und hat fie eine ordentliche Führung? Rein. Ist irgend etwa» zu erwarten, waS der eigenen Sache hilft oder den Gegner schwächt? Rein. Hat man irgendwelche Aussichten, etwa» durch- zusetzen? Rein. Ist man überhaupt fich darüber klar und einig geworden, war eigentlich erkämpft werden soll? Stein. ES ist kein Sinnuvd Berstand in der Sache. Die Unvernunft ist eben anfgekonnnen, und die Unvernunft wirkt leitet ansteckend.
Wenn Übermütige Knaben auf ihrem Tummelplätze einen recht tollen, gefährlichen Streich auShecken, so halten die meisten Jungen eS für Ehrenpflicht, mitzutun, wenn ihnen auch die Sache nicht geheuer vorkommt. Zum Mittun bei eiter Verwegenheit gehört weniger Mut, als zum Widerstände gegen die Torheit. Man will doch nicht al» Bangbvx«, Feigling, Leisetreter, Spielserderber, Verräter, oder dergleichen betrachtet werben. Also die Augen zu und die Fäuste geballt, immer rin in'S Abenteuer! Die „Anderen" machens'» ja auch.
WaS man den Kindern allenfalls verzrihen kann, steht ausgewachsenen Leuten und nament- lich den verantwortlichen Oberhäuptern von Familien schlecht an. Natürlich können und sollen auch fie tapfer sein; p, gerade ihre Sache ist die wahre Tapferkeir, die mit Harem Kopf uud geordnetem Sewiffen furchtlos den Wez beschreitet, den die Vernunft und daS Pflichtbewußtsein für den rechten erHflren. Aber blindwütig hinter Windbeuteln und Narren her- zulaufen und in'S offenbare Verderben zu rennen, das ist keine Tapferkeit. Der wahrhaft tapfere Mensch darf fich nicht hinreißen laffen, weder | von dem schlechten Beispiel seiner Umgebung, noch von feinen eigenen Leidenschaften.
ES ist eine alte Erfahrung, daß die Menschen im Men Kämmerlein vielmehr Vernunft entwickeln, als wenn fie in Hausen zusammen- kommen. Die Stoffe ist wie ein Btütosen für die Bazillen der Lewenschaft. In der großen Volksversammlung pflegen leicht bi* hffntzst«« und wildesten Reden daS Ueberperoidjt über die verständigen und gewiffevhaslen Elemente zu erlangen, selbst wenn die letzteren viel mehr Kenntnisse und Beredtsamkeit entwickeln. Wir haben eS ja soeben erlebt. Ein VerbandSführer und ReichStagkabgeordneter entwickelt den Leuten in der durchschlagendsten Weise, daß kein Geld und sonstige Kampfmittel da find, daß der Streik Wahnsi.in und Verderben ist; aber nach dieser überzeugenden Beredtsamkeit ruft ein un- bekannter Heißsporn: „Wir stretk-n doch weiter!" Dazu ertönt Bravo, der Beifallssturm wächst, man schlägt mit der Faust auf ben Tisch und schreit allgemein „Streik!" Die verständigen Abmachungen find damit nicht widerlegt, aber fortgeblaseu. SS geht ähnlich rote bei Uferbauten an bewegten Wassern, da kann Verstand und Kunst die Steine so schön aufeinanderfügen, wie eS nur menschenmöglich ist; wenn der Wird der Leidenschaften fich erhebt und die Wille darüber schlägt, geht die beste Arbeit im Nu zu
ttoetiese, bie bie Libr-I-n tm lchteu Sommer ver- titelt haben i» wird ihn« richt leicht sein, bie jetzt au ihre ichttgkett glaub« zu mache, und ben tofe, Eindruck zu verwischen, de» ihr rigem üchttge» und unehrliche» Berhalten he der Wahl- reformftage hervorgnmlm hat. , „ ,
Jq Baden arbeit«A Rationalliberale, Fretfimüge und Demokraten am Zusammenschluß gegen da» ße» frwp Aus einer auch von Sozialdemokrate» besuchte» Bersammttmg in Karlsruhe wurde eine Resolut»» augesommen, dir den Zusammenschluß für »rb-blrat uötta trUätie. Daß «an bie Soz»aldsnokraten in da» Bünvni» mit einschli-ße» ttffl, wagte man zwar nicht ,o fiftell" a»»zusprtchen, ist aber gleichwohl all- brtannte Tatsache.
I» Krank reich trat a«Dieu»tag dir Sammer r« «»er neuen Sfffio« zusammen. Da» Minister,uw C o m b e » erlitt gleich bet der «»öffaung eine empfisd- licht Niederlage, da die Kammer anstelle de» bisherigen Präsidenten Brisson ben Führer ber r publikanifches Oppofitio» Doumer, ber schon seit längerer fielt auf ben Sturz ber jetzigen Regierung hinarbeitete, zum PrSfidenten wähtte.
In Italien findet der Gedanke, eine politische Bewegung unter den Katholiken Hervorzurusen und fie vor allem zunächst politisch zu organisieren, zusehend» an Bode». Freilich fehlt e» auch nicht au Meinung,, verschledeuhette» und e» wirb rin harte« Stück Arbeit fei», eine brauchbare Mb beachtenkwerte Organisation zu sch ff'N.
In Rußland Hai »achfieitung»meld«nge» bet Minister de» Jauern, Fürst Swistopolsk-Mir»«, seine Entlassung uachgesucht. Ai» sei» Nachfolger wird ber frühere Finanzministrr Witte bezeichnet. Die Re- svrmbewegung geht im Innern immer weiter.
Ja Mazebonien geht e» täglich bunter her. Immer neue bulgarische Banden tauchen aus unb begehen ihre «»»schreitMgen. Ju ber letzten Zeit zwingt da» bulgarische Komttee unter Androhung de» Tode» christliche Gendarmen, ihreEntlaffung zu nehmen. Sine Anzahl Gendarmen, die fich einschüchter» ließen, wur-
Wodten-Rundidiau.
g Fulda, den 14. Januar 1S0S.
(Nachdruck verboten.)
Der deutsche«eichStuglMdda» preußische Ab geordnet enhau» haben am Di-nStag ihre Wtzuugeu wieder ausgenommen und damit find Wir in die parlamentarische Hochsaison ringetreten. Bem Reichstag find die nkuen Handeksverträge nicht sofort zugegangeu. Aber nach einer Mitteilung im Seni- orenlorveut hofft man in 8 Tagen mtt Oestreich zur Einigung z» gelangen und solle» dann 8 Tage später dem Reichstag vorgelegi Werden. Der Reich»- tao trat am Mittwoch in bie 2. Lesung be» Etat» «im Beim Reichsjustizetat wurde der Söttgsberger Prozeß Auer langen Srörierung unterzogen. Staat»« Skretär Meberding ließ fich jedoch aus eine sachliche entzerung über diese heikle Angelegenheit nicht ein. — Im preußischen A geordseteubause brachte der Fiuauzminister den Mat du. Da» Jahr 1903 brachte ritten Rein-Ueberschuß von 631/» Millionen, für da» laufende Jahr wird mit einem solchen von 40 Milli- »nen gerechnet uud auch ber neue Etat weist kein Defizit aus.
Die starke Gährung, die schon seit längerer 'fielt unter den Bergleuten im Ruhrrevier herrscht, bat jetzt zu einem umfangreichen Streck geführt. Wie im Jahre 1889 wird die Unzufriedenheit der Arbeiter «regt durch die rückficht»lose Behandlung feitet« imrachrr fiecheubeamte», durch da» häufige »nd Willkürliche WagenRullen, dmch bie niedrigen Löhne, die Länge der Schichtbauer, die Zurücksetzung ber Hebertet bei der Berwaltmta ihrer Umerstützungekoffen u. s. w, Äüs einzeln« Zechen komme» nun noch besondere Befthwerde-Gründe hinzu. Aus der Zeche „Herkules beschweren fit fich übet die Eutlaffung eine» Beaurteubekridiguttg denunzierten Knoppschast^ätteste». Aus ber Zeche „Brachstraße" widerstreben fk bet Betlängerung bet Seilfahrt, wodurch die Schicht verlängert wird, und verlangen, daß die Schtcht ein- Wieft ber Seilfahrt eur 8 Stunden dauer» soll; außerdem Vage» fie, daß die HauSbtanlkohlen ihnen willkürllch voreuthalteu würden. Die fiecheri>etwal- tmrs lehnte die Forderung, bie kürzere Srilfahrt Wirde, einrusühren, rundweg ao und reizte außerdem die Berglertte dmch Nichtanerkennung unb rückfichtr- tof» Behandlung ihrer Bertteter. Die A-beiter ließen fich znnächst »och bewegen, die Vermittelung de» Ovetbergamt» anzutufen; die» lehnte ober ab und verwies ste an da» Einigung»awt de» Bergyericht». Die» beschloffk» fie wegen bet Seilfahrt denn auch anzmufeu. Da aber die Gmbenverwaltung fich weig-rte, die Wünsche ber Arbeiter in Bezug auf die HauSbrandkohle zu erfüllen, brach am Sonnabend ber Streik an». S» muß snerkanri werden, daß bie »toter, auch die sozialdemokratischen, eifrig und rrvstiich bemW gewesen find, zu bremsen und «inen Aurstand zu verhüte». Sie Wiffe» eben nnr zu gut, daß die gegenwärtige Lage de» Köhlen- Markte» einem Ausstande nicht» fweuiget al» günstig ist. Die Zechenbefitzer haben fo viel Kohlen auf staget, daß ihnet riu Stteck vi-lfach ganz erwünscht wäre. Wenn daher von den SynbikatSgewaltige» behauptet wirb, die Ursache be» «nistanbe» sei in ber Hetzerei bet gieret nab der Berbär-de ,u suche», so darf man da» al» Flunkerei bezeichne» 4$et ist die Annahme berechtigt, daß manche Z-cheubefitzet eS abfichttich zum Streik «erben möchte». Leute, b’e rückfichtslo» um ihre» Profi:» Willen Zechen still legen und dadmch nicht nur zahlreiche Bergleute brotlos man en, so »der» auch die m-beleiligte Bevölkerung uab ganze Gemeinden schwer schädige» usb so eine allgemeine Unzu- ftiebenbeit und Erbitterung Hervorrufen, sollen doch nicht erst andere beschuldigen, daß fie die Gärung ltostlich Hervorrufen. Den streikenden Arbeitern wird nun natürlich Kontraktbnich öorgeworfen. Al» ob «tot in ber Willkürlichen Bo» eathaltung bet Hau»- btandkohlen bereit» vorher SostraklSverlchunq durch die Zeckervetwaltung votgelsgm hätte. Nachdem am Svnniag an verschiedenen O ie» erregte Berssmm- (ungen ab iebalten worden waren, kam e» am Montag unb Dienstag such noch aus einet Reihe anderer Zechen zum «ukstand. Ein allgemeiner Bergarbril-r- fheif wird gleichwohl vermieden werden. Die Brog- leute wifftn, Wie gesagt, daß dafür bie Berhälin ffe augenblicklich zu ungünstig liege» und man mir den firtheobefitzern einen Gefallen tun würde, Wie ihr schroffe» n d drohende» Verhalten beweist.
Am Moriag trat is B-rlin eine Konferenz der Eisenbahnverwaltungen zusammen, um über die Schaffung einer Betrieb»mittelgemeinschaft ber deutschen Eisenbahnen zu beraten. Bera'nngen über bie Reform der Personen- unb ® Her taufe und über die Emschränknng de» Fahren» von Umwegen sollen folgen.
In Bakern hielt am Montag die Zenirumrpat- (H in Märchen einen DeleMertentaa ab, der sehr rack besucht war und hauptsächlich bet Mobilmachung für die LanbiagSwahle» galt. Das Zentrum steht dem Wahlkampf mit Zevechcht eatgrgen. — Die vereinig- len Liberale» uud Demoktaien haben ein großmäch- tiae» Wahlprogram» für die Landtag»wahlen lo»qe> ae». Gegen ba» fienttum! ist bekanntlich bie Ps- > «nd um damit za fiegm, muß man schon «ine tot reichhaltige Sprisckarte mit alle» möglichen schöne» Lchtm ausiell«^ «eich au Mittr Stelle stcht 4Üe Wahlrechtsreform trab die unparteiische Wahlkrei«.