Einzelbild herunterladen
 

32. Jahrgang.

Fulda, Samstag, den 14. Januar 1905.

BBS

(Nachdruck tterfeeien.)

24

Lau? loff -n. pfUe Hau«, läuttiea und «tönten.

üaerall btt Lieder der heilige» Nacht

9. Kcpitel Sturmwolken.

de« Taschen der einzelnen Proletarier ist eine tote Unnöglichkett."

Gegen dieselbe Krankenverficherung, der hier ans sozialdemokratischem Munde das hohe Lied gesungm wird, haben di« sozialdemokrati» scheu Abgeordneten im Reichstage sogar noch im Jahre 1903 gestimmt, obwohl die damalige Novelle zum Gesetz bereits eine Reihe vo» wei­teren Verbesserungen enthielt — natürlich a«S purer sozialdemokratischer „Arbeiterfreund lichkeir". Die llmerstützuncisdouer wurde dämlich dsmaiS von 13 auf 26 Wochen rerlängert, Krankengelder sowohl wie Sterbegelder können nach der neuestc» Novelle höher als bisher fest» gesetzt werden, auch den Angehörigen der Vrr- sicherten können vuumehr Unterstützungen gewährt werde». Im übrigen werden die obigen Aner- kenvungen aus der eigenen Mitte der sozialdemo­kratischen Partei nicht hindern, in der Agitation von den Leistungen dieser Krankenversicherung, als dem „bischen- Arbeiterverstchrrun^ „Almosen. Bettelsuppen :c.* zu sprechen.

in den Mund gelegt werden konnte. D-e Worte, >ie er gesprochen haben will, konnten doch v cht wo-l io mißverstanden werden, wie eS geschehen ist. Nun, einerlei; Herr Paasche wll die un­bedachtsamen Aevßerungeu nicht getan haben; also hat er sie nicht getan.

* Bei der in Berlin vom 9. bis 12. d. M. zunächst unvrrbtndl'ch geführten RegierunaSver- Handlungen über Blldung eti er Betriebsmitlel- «emeiufchaft ist der wü'ttembergisch- Antrag m einzelnen durchberaten und sodann wegen der anzustellenden Berechnungen und Feststellungen im einzelnen ein Ausschuß 'gebildet. Nach Er­ledigung dieser Zwischenarbeiren wird die Ge- samt Kommission wieder zusammentreten.

• Die Beratungen über die Neugestaltung der Kolonialoerwaltung find, wie von kolonialer S ite geschrieben wird, zu einem bestimmten Beschlüsse gelangt. Di« Errichtung eines selbständigen Reichökolo«i»l»«teS in der Frist von einigen Monaten kann jetzt als gesi­chert argeschen werden. Von vornherein war ein solches Re'chsawt in Aus ficht genommen, wie schon aus der Rede des Reichskanzlers am 5. Dezember d»u»ltch he vorging.

, GrafPückler-Kl.-Tschirns wurde am Donnerstag von der 9. Berliner Strafkammer für seine tollen antisemitischen Flugblätter zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht erklärte, es habe keine Veranlasiung, an der Za- rechnungsfähigkeit deS Grafen zu zweifeln, wie­wohl er ihm wieder die Geschichte von dem in der Schweiz gegen ihn unternommenen Vergif- tungs versuche, sowie allerlei ungereimtes Zeug über seinen göttlichen Auftrag zum Verhauen der Juden erzählte. Durch die Rede des Staats­anwaltes fühlte er fiq als Gentleman beleidigt; er verlangte, daß der Staatsanwalt sofort revo- ziere, und behielt fich, falls er das nicht tue, weitere Maßnahmen vor, d. h. drohte ihm mit der Herausforderung zum Zweikampfe. Der Staatsanwalt war gutmütig genug, eine Erklä­rung abzugeben, die den Angeklagten befriedigte. Als dann aber der Vorsitzende das Urteil ver­kündete, sprang Graf Pückler erregt auf und rief in drohendem Tone: , Sie werden die Folgen dieses Urteils tragen, wir werde» uns mit der Waffe weiter sprechen." Die Wirkung wor. daß eine sofort zu vollstreckende Strafe von 3 Tagen Hast wegen Ungebühr vor Gericht über ihn ver­hängt wurde, nachdem er es in ungezogener Weise abgelehnt halte, fich zu entschuldigen. Wir unser- seit- müffen an der Ueberzeugung festhalten, daß bei dem edlen Radaugrafen eine Schraube kos ist.

§ Nach den Verhandlungen in der Bmdget- k-mmisisio« des Reichstags vom Donnerstag hat die Regierung fich natürlich beeilt, einzu- lenken und dem Verlangen noch Einholung der Indemnität für Me Ausgabe für Südwestasrika zu entsprechen. Im Auftrage deS Reichskanzlers hat der Kolonialdirektor alsbald die Zustimmung des BundesratS zu einer entsprechenden Aende- rung der Vorlage eingeholt und ersuchte nun heute förmlich um Jnlemnität, indem er fich mit Einschaltung einer dem Gesetze vom 25. Februar 1901 über die ofiafiaiische Sxpe- diiiou nachsebildeteu Bestimmung einverstand-u

„Warte, fine, ich gehe mit D r," sagte Jdslie auf'pring'nd und teile zu Frau W?bivg, „rS bleibt noch eine schwere Stunde für mich, Ppr vo« ollem zu unterricht-».'

Eis küßte die Leidende und wandte fich zu Robert »Begleite mich nicht, -s ist brffer so.'

Kkaire ging mit ihr hinaus und zeigte aus den Haubk ff« im Korridor. „Darin hat er -eine vernich­tete Zmunft mit heimgebracht, feiner SöaiqS Rock'

Hastig eilte Jdalie in die Winter nacht hinaus, sodaß ihr fiert kaum zu folgen vermochte.

In der noch behaglich du'.chwärmleu Stube fand sie den Titer in großer Erwartung. Er hatte seine Pfeife weggestellt m-d sah ihr schmunzelnd entgegen Wie Einer, der fich auf eint« starten GefüblSraulch gefaßt hält. Ihr Aussrhen erschrecke ihn und wischte alle Heiterkrit hinwes.

„Ist er nicht gekommen?' fub eS ihm heraus, als könre einem verliebten Mädchen nichts Entsetz« licheres zusteßen, wie diese Möglichkeit.

G'r warf den Abkndmantel über die Stullehne und stellte sich vor den Vater

„Er ist gekommen und hat einen Keffer mit seiner lerntttden Zukunft mitgedrachr,' kam er tont '8 von chren fiippen, „ich »eine den LevtnantSrrck, den Re ihm ausg'.zag'N Haden, well ec Deinen Sohn richt tot;chief.en gewollt."

Rre Worte hallten wie hohle Hamrnerschläge tarch den st.lleo Raum uid in dar Denken des tief, erschrockenen Mann?.

„Durch Rolf — Du — und Dein Glück!" drang steßweffe über des a'teu Mannes Lippen, und t%

Freu Weding wurde stiller und immer m-hr in fich gekehrt, wr l d s Mu terhr>z ur.endkich litt. R--

btrt ertrug dieses stumme Leiden nicht länger und reffte fich empor. Es gab Stunden, wo er den Druck voa fi» abschüttelte mb der Leitenden ftohplaodernd die tage verkürzte oder vorlas. 3tr aber wurde nur weh«r dadet, wenn sie so bs ß-ben ei-eS Mannes, der aus ttebgewordener Tätigkeit geiiffen worden, verrim.e« seh mit Borlesen und b.langlvsem Sprechen, Umh-rschlendern und Hinaurstanen in die öde Wtnier- landschalt. Der Lummer bohrte fich in ihr weicher Gemüt ein und brachte eine erschreckende Veränderung in Vst hervor. » „

Und doch kalte >hr Robert schovungSovll und bei we tem nicht die Wahrheit in ihren furchtbaren Tir- zelheiten erzählt, Wie eS ihm auch widerstrebte, be dem Geheim-.«« als «rllläger feine» Sohne- aa'zutreten. Dafür war er zu edel und vornehm denkend, u»d — er wollle auch die Geliebte schonen!

klaire allein wußte alles, und in den stunden, wo fie 'he alt S Gesicht »Umsehen in die Kummer- salteo legen durfte, saß fie auf dem Küchevstudle neben rem flackernden Herd'euer, ging in Gedanken ihrer wiltverzweigteu Familie nach und sann, wer da Helsen könne. ' Und dann hatte sie e<!

Sn der ungarischen Grenze, 'm deutsch bauatifeten R-gim-ntsbezirk log mit seinem Regiment schon feit einer Flucht von Zähren ein Verwandler ihrrS bet« storbeve« Vaters, ein wunderlicher alter Sonderling, der General Kramser!

Dw mußte Helsen! .

S-e flog ordentlich empor und hmauS, obschon ter brenzliche G uch au8 dem Soppenwps ihr mahnend nachz^g „Dir muß h-lftn!' sog'e fi« und schlug auf die Klinke, daß ort Türe zum Wohnzimmer cu>- sprang und Mutier und Sohn erstaunt awschant-n. Dann ab-r besann fie fich und wollte erst mtl Robert fcie Sache be'p ech-n, um der leidenden Frau keine Hiffaungen eirzufloßen, die sich am Ende trügerisch erwiesen.

Wit 1&*ei- de« Gesicht, daS fich die audrren nicht

Woberts KHre.

Erzähltwz au» der Gegenwart von Alca Ruth.

X«$eigen: Vir ein.- fpaltige petiijeile ode. bereu Raum 15 yfg. Leklamen die potttzeilr 25 Pfg; bei Wieder­holungen wird cntfpr Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der siuldaerActiendruckeret tu Fulda (Harmonie).

Fernsprecher Rr. fc

zu tun ist '

Schlrppii den SckritteS ging sie in 'hr Schlange- mach h nauf und durfte endlich ihrem SHmrrz freier. Zhr trostloses Weinen scholl durch da- während die Glocken zur C.ristmette

W Moaer

Verantwortlich« aArifileiterjof-Banm w°ch°nbeu°ge: „Illustrierte Zomtagrzeitung

erklärte. Bei der Forderung sür dir ostastattsche Expedition ist »an ganz so »erfahren, wie jetzt. Auch da setzte die Kommission nachträglich die Bestimmung über die Indemnität in das Gesetz inein, Zwar wäre es richtiger gewesen, die Regierung hä te auS freien Stücken von vorn- derein di« Indemnität beantragt: Man darf aber wohl annehmen, daß fie fich »och der charsen Zurechtweisung durch die gesamte Kom- mtffion den Vorfall werkt und "künftighin n ähnlichen Fällen das Budgetrecht des Reichstags mehr respektiert. Nachdem die Kommiff'on m der Sache ihren Willen und ihr Recht durch- gesetzt hatte, konnte ihr nichts mehr bar an liegen, auS rein formellen Gründen noch eine Staats­aktion daraus zu machen und erst noch umfangreiche und aufregende Debatten im Plenum deswegen zu veranlaffen. Die Mehr­heit wies daher den von Sozialdemokraten und Freisinnigen befürworteten Antrag, nicht iu die Beratung einzutreten, sondern die Vorlage an das Plenum zurückzuverweisen und durch dies den Reichskanzler zur Einbringung einer neue« Vorlage avffordern zu laffen, zurück.

-* Auf Wunsch des Grafen v. Bülow wird mit Rücksicht auf die Erkrankung des MwisterS v. Bud de die wasserwirtschaftliche Vorlage voraussichtlich nicht vor 14 Togen int Abzrord- netenhause zur Beratung gelangen.

* «uS Deutsch-Lüdwestafrika. Roch einer Meldung General o. Trothas traf Oberst Deimling am 10.Januar mit den vereinigten Abteilungen Lengerke und Ritter in Dtampriet- fontein bei der Abteilung Meister ein. ES haben siegreich gesochten: Die Abteuung Ritter am 3. Januar bet HarnchaS gegen 200 Himon Kopperleute und W'iboi, die vereinigten Abteilungen Lengerke und Ritter am 5. Januar bei Gochas gegen den gesamten S man Köpper- Stamm und am 7. Januar bei Zwartfontein gegen die gesamten Witbois unter Hendrrk Witdoi, der unter dem Druck der «nmar- schierrrden Südtruppen von Meister adließ und fich gegen Dtimlmg wandte. Der Auob Ad- schnitt lst vom Feinde gänzlich gesäubert, n ie Hottentotten find zersprengt und haben ins- gesammt 150 Tote bei Zwartfonte n und 22 Ochsenwagen verloren. Ihr Widerstand war in allen Gefechten außerordenttich zäh'. Unsere Truppen haben trotz der größten Anstrengungen mtt hervorragender Tapferkeit gekämpft, was namentlich auch nach der Meldung D rmli«gs von der Abteilung Meister g,lt, die ihren 50 Stunden langen Kampf mit einem siegreichen Sturmlcuf abschloß.

(«mttiche Meldung.) «in teleeramm au» W-vd- M meldet: «n TypvuS geporbemr Unterofftjier Adolf Bergan: er, geb am 21. Dezember 1881 ln Pelerka. schütz, früher t-eib Greuadirr-Regiment Rr 1. am 4. Jarrvar auf dem RratifentraxSport in Orumbo. — I» den Gefechten bet GochaS am 6. Januar und bet Zwartfortei am 7. Januar 1905 find ses"llen: Oberleutnant Thriftian AhreuS» s^b. am 11. April 1873 zu Hullersen, früher Pionier Bataillon R>. 19 und 6 Mann. Schwer verwundet: Obeilleutuant Wilhelm GrooS, geb. am 14, Juni 1872 zu Wunstrrf, stüder Feldarlillerie-Regtment Rr. 22; Leutnant <lirwbtr 6 ff nett, geb. am 18. Februar 1875 zu Bellich, ftüuer Pionier-Vataillolk Nr. 21; Leutnant H tnrtch Freiherr v. Mallzahn, geb, am 2 t. Januar 18.0 zu

rrstären konnten, ging Klaire abstäubend im Ziemer un her und erzählte die wohloekannten lustigen Scynur- ttn, die in gchobrner Stimmung allemal nach bet Reihe auftaudjten, wie von einer Mufikwalze fich die hetkömwlichen Wnsen abspielen. Dabei winkte fie Robert heimlich zu urd machte ihm Zeichen, die ihm die alte treue Klaire ganz unheimlich erscheinen luße«. Dann sagte fie noch:

„Robeticheu bringe mir den Blumentopf in die Küche, daß ich die Blätter wüsche", und ging, iyr Leiblied schmetternd, liitauS.

A!S Frau Wed'ng Die Augen schloß und fich z«- rücklehnie, schlich er fort, denn die Neugierre trieb ivn, zu erfahren, ob Klaire den Verstand verw r« habe. ,,

Diese saß mit geheimnisvoller Miene neben ihren Tspien urd ritf d m ®n.t- eienden entgegen:

„Jungcher, ich beb’» jetzt. D-hit-teu im Unga- lischei- ist der alte bärbeißige Krawler, em Berwa- dter von Deiner Mutter urd m.inem Vater selig. Der ist General und Sxzillenz und kann etwas für Dich tim. «iso zu dem g hst Du und legfi ihm alle- gründlick auseinander. Paß auf Junge, eS wird roch alle« gut.

Er mußte uvec diese Einfalt lachen.

„W^S glaubst Da denn, närrisches, altes Kind, war er an mir großes üben toll? Ich habe nichts andere- gelnm als Soldat fein. D S war ich mit dem Femr meiner Kraft und meiner Jugend. Zn allim anderen fehlt mir Mut und Luft “

Sie fptarg frend-g an dem großen schlanken Mann empor, um seinen stolzen Kopf ein wenig zu ihrer kle-nen ^e>chcffer.heu de-abzuziehen.

„Do» sollst Da ja auch kle ben, dummer Jangei Einen Soldaten soll der alte Krasser wieder aus Dir machen, einen O fizier. Ec soll Deine Nnnahme >n die österreichische «rmee desürworken, und Da kehrst D inrm Vaterlande, da« einen »cd«en O fizier von fich gefioßen, well er kein Barbar sem wollte, den Rücken."

Deutiches Reich.

Berlin, den 13. Januar 1905.

(*) Aus den Mittellungen besKolonialdirekttns Dr. Stübel in der heutigen Sitzung der Budget- kommiifion der Reichstages über unsere See­lüfte in rützwestafrika heben wir folgende EiszelheitkN hervor: Bis zum 10. Januar 1905 mürben verzeichnet Tote bei der Schutztruppe: 35 Osfiziere, 75 Unteroffiziere, 363 Retter; bei der Marin«: 7 Osfiziere, 11 Unteroffiziere, 72 Mann; von den Farmern, Reservisten, Kriegs- sreiwilliaen seien gefallen und ermordet worden: 12 Offiziere, 177 Mann. Im ganzen 752 Mann gefallen, davon vor dem Feinde 265, daran 152 Schutztrvpplrr, 45 Marinemann- schäften, 68 Farmer-Freiwillige. Den Wunden seien erlegen 15 von der Schutztruppe, 3 von der Mariee; an Krankheit!» seien gestorben von der Schutztruppe 11 Osfiziere, 34 Unteroffiziere, 222 Mann, beurlaubt seien 4. Verwundet find 25 Offiziere, 52 Unteroffiziere, 134 Marn von der Schutztruppe, 6 Offiziere, 5 Unteroffiziere, 15 Mann von der Marine. Der Totaloerlust an Toten und Verwundeten betrage bis jetzt 1041 Mann.

§ Der natiouallibrral« Abg. Dr. Paasche will in Kreuznach nicht gesagt haben, es seien iu allerjüngfiec Zeit ernste Verwicklungen zwischen England und Deutschland nur durch die Geschicklichkeit der deutschen Diplomatie hintan- aehalten worden. Auf einer Versammlung in Quedlinburg am 10. d. Mts. erklär!« er, wie bte ,Nal.-Lib. Korresp.' berichtet, daß es ihm garnicht eingefallen sei, eine solche Behauptung aufzustellen, und er fich auch sehr wohl hüten werde, jemals derartiges anszusprechm. Er habe fich vielmehr dahin geäußert, daß für uns eine größere Gefahr in dem englischen Brotneide liege, als darin, mit dem Nachbar die Klingen kr-uz-n zu müffen. Da ist es aber doch »ich recht begreiflich, wie ihm so g:nz etwas anderes kam ihm vor, alS habe et diese Tochter nie io geliebt, wie in dem Äugenblick-', da daS schwerste Opfer au ihre Schuitrr gelegt war.

Sie LNtworieke nicht und er redete fich in Eifer.

„Wie kamen jene Menschen denn dazu, fich in bi* dummen Reide-eien zw schen Verwandler zu mischen? Rolf ist ja kaum von der Schulbrvk weg, wie kann man eine Dummejungenmawer von ihm so biutia ernst auffafien! WsS sagt denn Robert von Rolf? Kommt der Junge be?n nicht auch?"

„Ich weiß nicht», Vater," erwiderte sie ktmffe- (oü «nb trübe, „ich habe nur immer bcS Eine vor Äixaen, wie er da p'ötzl'ch an bet Türe stand, so un- glÜÄich, so wirre. O Gott!" Sie drückte die geruxge- neu Hände wider ble bebenden L p^en und starrte in daS Feuer. ,

Der Grheimtat rtck e unruhig auf seinem Stuhle.

„Hcffkntlich legt mir Robert morgen bte Sache ctnxral grünbttch auseinander. Wahrscheinlich fi bet Rolf , ach cHebern den Mut uicr-t, zuröckjukvwmen. Wie hätte rr auch eir.ea solchen Aukgang rineS un« üderlegien Streiche« erwarten können! Möchtest Du nicht w ebet nach Bonn rersen, Jdoli.? Wir. muff-n b;dj Nuchricht'N Haden."

iAkqrälk wanbtr bcS Mädchen fich ab.

„ßjß uns zur Rohe gehen, Batrr. Ich bin am Ende meinet Kraft. Morg n wollen Wit setzen, wa»

Des „bischen" ArbeiterverKcherMg!

Des öfteren haben wir bereits Zeugen dafür anführen können, wie jetzt den Sozialdemokcalen -er Segen unserer Ar bei ter Versicherung tarnet mehr zur Erkenntnis kommt, derselben Arb^teroerficherung, gegen die die sozial- -emokralische Partei bis vor kurzem noch ta Reichstag gestimmt Hal. So schreibt neuer- hingS wieder einer der besten Kenner der Ar- -eiter verficherung unter den Sozialdemokraten, Paul Kampssmeyer, in der Januarrmmmer In »Sozialistischen Monatshefte' (S. 81) au8 Anlaß des 20jährigen Bestehen«der deutschen staatlichen Krankenversicherung:

„Am 1. Januar 1885 waren im deutschen «eiche 3,727,231 Personen versichert, am 1. Jan. 1901 dagegen 9.087,711. In diesen Ziffern stnd nicht die verficherten Mitglieder der Kaapp- schastskaffen enthalten. Die Krankenverwaltungen der ersten Zeit Hoden ihren Blick kaum über die ärmlichen Mindestleistungen M Krankenoer- ficherungsgesetzes hinweg. Erst nach und nach richteten fie ihre Augen auf höhere, im Rahmen der Verficherunq liegende sozial-bpzienische Ziele. Die Krankenkaffen einiger Großstädte schufen die Familienversicherung, fie förderten die moderne Heilftätter-pflege für Schwindsüchtige, sie errich teten Sanatorien und Genesungsheime. Sie schloffen fich begeistert den großen Volksbewe­gungen für die Bekämpfung der Tuberkulose, der Geschlechtskrankheiten und des Alkoholismus an. Sie riefen hygienische Vorlesungskurse sür ihre Mitglieder ins Leben. Im Dienste der Krar.k- heilSverhütung spürten fie den Ursachen bei Ge- werbekronkheiten «ach und wirkten ia Berlin, namentlich aber in Straßburg i. E., an der Wohnungrreform ernfig mit. Wenn wir heute eine Herabminderung der Volkssterblich- ?eit kovstalirren können, sc müffen wir für diese ersreuliche Tatsache zum Teil den Einfluß der deutschen Krankenversicherung in Rechnung stellen. Mtt Recht schrieb die »Sächs. Arbetterztg.' vor kurzem: „Heute kann es fich Mr die Arbeiterschaft nicht mehr für oder gegen Die Krankenversicherung handeln, sondern um ihre gründliche Berbefferung."

Derselbe Sozialdemokrat schrieb bereits vor drei Jahren in der Septembernummer desselben Organs vom Jahre 1902 über den Segen der staatlichen Krankenversicherung für die deutsche Arbeiterschaft folzendeS:

„E§ ist sicher, daß, wenn dir erkrankten Ar­beiter die Kosten für 733 Millionen Kranlheits- tafle selbst aus ihren einzelnen Geldbeuteln ge- . zahlt hätten, sie vielleicht die doppelte Summe Mr diesen Posten hätten zusammentragen müffen. Derartig hohe Aufwendungen dLrfien die Ar> -eiteifamilien ökonomisch völlig erschöpft haben. Die Ausbringung von zirka 2 bis 3 Milliarden Mr die Gefunderbaltnng der Volksklaffen aus