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Druck und Verlag dal Fuldaer Actiendruckeref in Fulda (Harmonie), Fernsprecher Ur. eu

Fulda, Dienstag, den 10. Januar 1905.

32. Jahrgang.

Q Vie Untersuchung über die vmch- sührung der yanöwerkergesetzes

SSM 26. Juli 1897, die vor kurzem vom ReichSamte deS Innern durch die Der- fenbung besonderer Fragebogen an dir fteien Innungen, Zwangsiunungen und Jnnungsaus« schüffe, JnnungSoerbände, Handwerkskammern und höhere Verwaltungsbehörden in die Wege «leitet worden ist, wird ohne Zweifel für eine zukünftige Revision deS Gesetzes im Sinne der Handwerketforderungen von großer Bedeutung werden. Die Fragebogen sind im Februar dieses JahreS, also in einigen Wochen schon M beantworten und es darf angesichts ihrer Wichtigkeit wohl die bestimmte Erwartung aus. gesprochen werden, daß die Beantwortung der Fragebogen mit aller Sorgfalt, Gewisse». Hastigkeit und Pünktlichkeit geschieht. Zu Reser wohlgemeinten Mahnung fühlt man sich umsomehr veranlaßt, als die Handwerkskammern in ihren Berichten, die doch auch für die ganze Handwerkersache von gewissem Belang find, immer noch darüber klagen, daß die ihnen unter­stehenden Innungen auf die Beantwortung von Fragebogen so außerordentlich wenig Wert legen. Bei dieser eingehenden Untersuchung des ReichssmtS des Innern muß das anders werden.

Es empfiehlt sich ferner, an die Beant­wortung der Fragebogen nicht etwa in letzter Stunde heranzuaehen, sonder», wo eS noch nicht geschehen ist, möglichst sofort; bestimmt doch auch eine Vorbemerkung zum Fragebogen, daß derselbe nicht etwa in einer, sondern in Vor­standssitzungen einer Besprechung zu unter­ziehen ist. Ferner ist derselbe vor Beginn der Beantwortung ganz durchzulesen. Dies na­mentlich deshalb, weil sich manche Fragen in Unterabteilungen wiederholen und verhütet werden soll, daß dieselben doppelt beantwortet werden. Die Beantwortung der Fragebogen ist durchaus nicht so einfach; allein derjenige für freie Handwerkerinnungen umfaßt zwölf große Seiten in Aktensormat. Deshalb sei hier auf diesen Fragebogen, der von dem fürZ-vanaS- Innungen nur in einigen unbedeutenden Punkten abwricht, mit einigen Worten näher eingegangen.

„Von den den Innungen zur Beantwortung aufgegebenen Fragen erledigen sich diejenigen zu 1—4 durch das JnnungSstatut. Zu Frage 5 ist anzugeben, wann die Innung errichtet worden ist. Reorganisiert worden sind alle Innungen im Jahre 1897 oder darnach auf Grund des Handwrrkergesrtzrs, es würde hier das Datum der Genehmigung des Statuts durch die Aufsichtsbehörde einzutragen sein. Die in Frage 6 genannten Jnnungsneben statuten find erforderlich für die von den Innungen obliga­torisch bezw. fakulatio einzurichtenden Junungs- schiedsgerichte, Arbeitsnachweise, Herbergen, Unter- stützungSkassen rc. und gegebenenfalls hier anzu- aebrn. Zur Beantwortung der Frage 7 ist wie bei einigen anderen statistischen Fragen der 25. Oktober zugrunde gelegt. Aus dem Stande der Mitgliederzahl am 1. Oktober ist in der Regel die Frage leicht zu beantworten, Ver-

Moöerts KHvs.

Erzählung aus der Gegenwart von Alca Ruth.-

20 ------(Nachdruck verboten.)

E; wagte nicht einmal Gegenwehr, so erschreckend war der O fifier iu seinem Z >rn Klatschend fuhren die Streiche auf Rücken und Gesicht. Die Striemen brannten wie Feuer.

„Hör aus," brüllte Rolf vor Zorn und Schmerz, „so wahr wich der T.....holt, ich werde Dich

vernichten!"

Da atmete Robert tiff auf. Sein Arm sank.

„Elender, Du hast mich vernichtet!" und er wankte hinaus.

Die furchtbare Erregung war verraucht, nun fiel alles in ih-u zusammen und warf ihn in den Zrstand dumpfer Schlaffheit. Er sao kernen Ausweg mekr al­bte Unehre Dieser G'danke verursachte ihm körper­lichen Schmerz. Der Tod schien ihm leichter zu er­warten als diese Zukunft.

Za Haus: fand er einen Eilbrief von seiner Mmter vor, der tt« der Verzweiflung nahe brachte.

„Robert, mein Einziger," schrieb sie, und er klang wie ein Wehrschrei, „wenn Du Deine Hand mit seinem Blute bist ckst^ dann ist mein Tod Dein Werk. Du bist ein Christ, wie kurvst Du spotten der Gesetzes Gottes? Muß ich das erleben — eine kurze Spanre vor dem Tod»? Robert! Robert! Ich will es rufen lau*, bis ei Drin Herz erreicht und Gehör findet."

Und dann ging dieser verzweifelte Mahnruf einer Mutter in die ruhigen sachlichen Erwägungen eineS geläuterten Gemütes über.

„Nun wohl, mein Sohn, Du bist beleidigt worden Wer ist'-, der die Hand gegen D:ck erhob? Wenn rin Hund Dich beißen will, weisest Du ihn mit einem

änderungen werden in den 3 Wochen kaum ein« getreten sein. Die weiteren Fragen unter diesem Punkte erledigen sich auS der Mitgliederliste, für die ja 8 4 bezw. § 6 des Statuts maß. gebend ist. Darin ist bestimmt, ob außer den selbständigen Handwerkern auch noch Werk meister, frühere Selbständige oder Werkmeister, oder Guts- oder Fabrikhandwerker Mitglieder der Innung sein können. In der Regel werde» ja wenige solcher Mitglieder vor« Händen sein. Die Fragen für die gemischten Innungen erledigen fich aus der Mitgliederliste. Bei Frage 9 Punkt b ist nicht etwa nur der Ausschuß für das Lehrltngswefen gemeint, sondern es kommen auch in Betracht Aus­schüsse, die für besondere Fragen eingesetzt find z. B. würde hier der Ausschuß aufgeführt werden müssen, den etwa eine Innung zur Er­ledigung der Vorarbeiten eingesetzt hat, wenn sie z. B. de» Beschluß, eine Genossenschaft zu gründen, gefaßt hat. Punkt 9c (Mitglieder- verirrter) wird nur bei ganz großen Innungen zutreffen.

Frage 10 ist von ganz besonderer Wichtigkeit, es handelt fich im allgemeinen hierum die Em- richtungen, welcher innerhalb der Innungen ge­troffen werden müsse» bezw. können, so auf dem Gebiete des Bildungswesens, Unterstützungs- Wesens und dergl. Zu 10c ist zu bemerken, daß dar Jnnungsschiedsgericht nicht gleichbedru- tend ist mit Lehrlings au8 sch u ß, wie deS öfteren fälschlich angenommen wird. Die Innungen müssen Lehrlirgsausschüffe bilden, vor denen Streitigkeiten zwischen Meister« und Gesellen zu entscheiden. Im allgemeinen werden nur wenige Innungen ein JnnungsschiedSgericht haben, in den meisten Fällen wird diese Aufgabe der Jnnungs aus schuß übernommen haben. lOe handelt von dem Genossenschaftswesen. Auf eine sorgfältige Beantwortung dieser Frage sei hier noch besonders hingewiesen. Frage 12 handelt vom Gesellens»sschuß. Zu den Unterfragen b-d sei bemerkt, daß die Gesellen das Recht haben, ihre Zustimmung zu den ihrer Zustimmung unterworfenen Beschlüsse» der Innung zu versagen. Die Innung ist jedoch be- rechkgt, die Aufsichtsbehörde anzugehen, sie fehlende Zustimmung der Gesellen zu ergänzen. Das ist besonders der Fall bei Beschlüffen, die sich auf Arbeitsnachweis, HerbergSwesen, Lehr- ltngswesen beziehen; da haben Gesellen mttzu- reden und der Gesellenausschuß muß mit vollem Stimmrecht zu bet Jnnungsoerfammlung zuge. zogen werden. Diese Einrichtungen, wieArbetts- nachweis, HerbergSwesen u. a. find auch in Frage 13 als diejenigen gemeint, für welche die Ge­sellen Aufwendungen zu machen haben.

Die folgenden Fragen 14—31 beziehen sich u. a. auf die Regelung des Lehrlingswesens, Einnahmen, Ausgaben und Vermögen, Einrich­tungen zum Ausbau der Jnnunge' .Submissionen, Beauftragte rc. Bemerken wolktt wir nur noch, daß es unstatthaft ist, bet der Beantwortung der Fragebogen etwa Klagen brzw. Wünsche an- bringen zu wollen. Die Fragen find klar und präzise gestellt und begehren lediglich eine eben­solche Antwort.

Fußtritt zmück. Nennt em Jnfinriger Dich Dieb, dann zuckst Du mitleidig die Schultern. Raust ein unartiges Schoßkind Dir da- Haar, dann klvpjfi Du ihm zart aas die Fmgec und bleibst der Vernünftigere. Ruls hat von allen Dreien etwas. Er ist das ver­wöhnte, entarirte Kind und in dem Augenblicke, als er Dich beleidigt, war er in einem ZaSande, in dem man Irren und Trunkenen nicht» mehr verübelt. Im Utbiignr, mein Sohn, laß die Hunde klüffen, an Deine Ehre reichen sie nicht heran. Sage Jenen, die in ihrer Verblendung blutige Sühne fordern, daß Du «in Gffetz über alles anerkennst, das Gesetz Gottes, das Dir sagte: „Du sollst nickt töten!" Wevn der Dieb einen Wucherer tötet, well dieser ihn Spitzbube gescholten, ist der Dieb darum kein Stehler weh.? Ist de» Lüstling» Schandfleck abgesascken, weil er denjenigen niederaesckkffrn, der mit dem Mute heiliger E-Pönmg ihm Eh-brecher entgegengeschleudcrt? Ist die Ehre wieder h-rg-stellt, weil der tote Mund schwelgt? DaS ist Räubermoral! Da» ist die Rück- k-hr zum Faustrecht, zum Jahrhundert der rohen Willkür. Du, mein Schn, stehst vor der einzigen Frage: Willst Du ein Verbrecher werden? Zerstöre Deen Lebenrglück! Als AuSgestoßeeeer au» dem Schoße der Kircke und dem Herzen der Mutter gehe dann Deinen Weg. Mögen die Verblendeten D>r die Hand drücken rnd Dick zum Helden wachen, sür Gott, für Deine Mutter, für Deine Braut bist Da der Un­würdigste Deine» Standes, denn Du bist ein Mörder, ein Verbrecher!"

Erschüttert legte Robert den Brief auf den Tisch und sank auf den Stuhl. Er war nahe daran, in die Nacht de« Wahnsinns zu verfallen. Er war Christ, er war Sohn, er war Bräutigam, aber er war auch Offizier, und darum mußte er ein Mörder werden oder — er sprang auf und griff sich mit beiden Händen irs Haar. Er war Soldat mit ganzer Seele, er trug mit Stolz de» König» Rock, e» war der Tod alle» Glück », wenn er hinavSgestoßrn ward al» Entkhrer.

Deutidies Reich.

Berlin, ben 9. Januar 1905.

% Der Kaiser hat den deutschen General- konsut in Rom beauftragt, nach Palermo zu gehen, um ihn am 12. d. Mrs. bei der Ein­weihung des Denkmals Erispis und bei ben zu dessen Gedächtnis veranstalteten Feierlich­keiten zu vertreten.

)( In den letzten Tagen find wieder Ge- rüchle über eine angeblich politische Bpa«- nttng zwischen Deutschland und England aufgetaucht. Unter vager Berufung auf „auS- wärtige" Blätter wurde sogar behauptet, es hätte ein „gereizter Notenwechsel zwischen Berlin und London" stattgefunden. Jetzt schreibt die,Nordd. Allg. Zig.':

„Mehrere deutsche Zeitungen habe« sich bereit» daS Verdienst erworben, diese «eußerun, al» jeder Begründung entbehrend ,« bezeichnen. Zu einer Ver­wickelung mit Großbritannien fehlt unv fehlte lebet Anlaß. Huf dem publizistischen Gebiete habe« aller- dtnis gewifle auffällige Aenßerunge», wie sie verein,eit in der englischen Presse — wir denken z. ». an,«imq and Novq Ga,etta' und .Banity Fair' — aufgelaucht sind, bei unS Aufmerksamkeit erregt. Diese aggressiv kli-genden Bemerkungen waren aber doch nicht im- staube, eine Spannung zwischen Deutschland und Eng­land zu erzeugen."

Der Vizepräsident des Reichstages, der na» tionalliberale Abgeordnete Dr. Paasche, er- zählte dieser Tage im Nationalliberalen Verein zu Kreuznach, er wisse es genau, daß Deutsch­land in der letzten Woche einer großen Gefahr kriegerischer Verwickelungen mit England viel näher war, als es sich viele hätten träumen lassen, und daß es unserer Diplomatie gelungen sei, die Gefahr geschickt, wenn auch mtt Schwierigkeiten zu beseitigen. — Die Aus­lassung der ,Nordd. Allg. Ztg.' darf man wohl auch als gegen diese Erzählung gerichtet ansehen, wenngleich das offiziöse Blatt sie nicht besonders erwähnt. PaascheS Rede hat Übrigens im Aus- lande mehr Beachtung gefunden, als in Deutsch­land. Der Berliner Korrespondent der Londoner «Morning Post' bemerkt dazu, ihm sei von Ge- währSleuten, die ihre Information von fetten utS Auswärtigen Amtes erhallen haben wollen, mttgeteilt worden, die britische Regierung habe ein Ultimatum an die deutsche Regierung ge- richtet, worin sie die weitere Vermehrung der deutschen Flotte verboten habe. In- folgedessen habe Kaiser Wilhelm die Movil- machung der Flotte zu Kiel und die Entsendung eines besonderen Departements nach Cuxhaven behufs Organisation der Küstenverttisigung be- fohlen. Dir Krieg sei im letzten Moment durch persönliche Intervention König Eduards abgewandt worden. Die Panik sei jetzt vorüber, doch bleibe die Flotte noch im mobil­gemachten Zustand in Kiel. Die.Morning Post' drückt den stärksten Zweifel an der Wahr­heit dieser Gerüchte aus, die britische Regierung habe kein Ultimatum gesandt, die deutsche Re­gierung wisse, daß England keinen Streit mit ihr wünsche. Der ,Brrl. Lok.-Anz.' bemerkt noch „auf Grund zuverlässiger Informationen", daß an dieser Erzählung von einem angeblichen Ulti-

In grenzerloser Aufregung rannte er im Z mm-r umher. Er dachte nicht wehr an Jdalie, nicht mehr an seine Mutter, er war ei« Verzweifelter, der mit Grauen fich sagte, waS der sinkende Tag ihm bringe» würde.

Sein Bmsche steckte den Kopf durch die Türe: .Herr Hauptmann," seit daS Gerückt von der Avon- ziermtg (aut geworden, hielt der Wackere mft Beharr­lichkeit an diesem Titel fest, „He-r Hauptmann, et iS schon Viertel über die Zeit. Man tut vergeben» warten »ff den Herrn Hauptmann." "

Robert unterdrückte eint» qualvollen Aufschrei. Vernichtet die schöne Illusion vorn heimischen Herd!

Er stülpte die Dienstmütze auf und eilte die Treppe hinunter, in der halben Straße blieb er stehen. Hatte er da» Recht »och, al» feine» König» tüchtiger Offizier zu den Kameraden hinzutreten. Nei.<, nein, da» Recht nicht, aber die Pflicht! Und er eilte dahin.

I« Kasernen>ofe standen einige Offiziere beisammen. Er ging im großen Bogen an hnen vorüber und sie tiefen ihn nicht sremckschastlich wir sonst an. Er gab teilte Befehle und streifte die Soldaten mU scheuem Blick, als wolle er den Ausdruck der Mißachtung auf ihren Gesichtern ergründen. E» war ein qualvoller Z-stard. und er atmete befreit euf, als er die Kaserne hinter fich hatte nnd fich in feine Stube verschloß.

So starrte er vor fich hin und die Stunt en ver­gingen. E» wurde dunkel und er verspürte kein Be­dürfnis zur NahrungSeiNBahme. D:e SaSlampe unter feinem Fenster warf einen traurigen Schein in da» Zimmer und auf den Tisch, wo Jdalie» Bildni» stand. Er schaute darauf, und e» schluchzte in :hm. Da­vor vorüber! Ohne Lebensfreude, r&ne Beruf- himruSg,stoßen — entehrt! WaS wollte die» Glück bei ihm?

Et horchte aus. Die Treppe heraus kamen spoten- klirrende Schritte. E« zuckte zusammen, fuhr empor und zündete die Lampe an. Al» hr hübet Schein den Meinen Lichtkreis ans dem Ttsche zog, stopfte e»

matum Englands kein wahres Wort sei' Sin Ultimatum oder überhaupt Verhandlungen über Den Ausbau der deutschen Flotte existierten nicht, auch sei irgend eine Störung in be» Be­ziehungen zwischen Deutschland und England nicht zu verzeichnen. Wir verstehen Übrigens nicht, wie Dr. Paasche in Kreuznach so fvrechen konnte, wie er es getan haben soll. Selbst wenn er gehört hatte, was er mitteilte, hätte er chweigen müssen. Vielleicht find aber seine Aus- ührungen in ben Zeitungsberichten falsch wiedergegeben.

* Der kaiserliche Vizegouverneur a. i. der Karolinen,Berg, hat «meldet, daß er mtt Unter- stützung des Kriegsschiffes Kondor die Druck Jnfela friedlich ganz entwaffnet bat. Den Eingeborenen find 436 Gewehre und 2531 Pa­tronen abgenomme» worden.

—• Morae» nehmen der Reichstag «nd das preußische Abgeordnetenhaus ihre Arbeite» wieder auf. Die Satzung des Abgeord­netenhauses beginnt um 11 Uhr. Dort wird der Finanzministerin üblicher Weise mit einer längeren Rede den neuen preußische» Etat einbringen. Der Reichstag Mit um 2 Uhr wieder zusammen. Auf der Tazesordnung stehen weitere ursprüng­lich zum Etat gestellt gewesene Resolutionen, und zwar die Resolutionen betreffs Jnvaltdenoer- ficherung, Befähigungsnachweis fürs Handwerk und Ausbildung der Lehrlinge.

§ Zum lippischen Thronfolgestreit wird der ,Voff. Ztg.' aus Detmold geschrieben: „Der „erste Schriftsatz" zur Begründung der Thcon- ansprüche des Fürsten Georg von Schaumburg- Lippe ist am 4. Januar fristgerecht dem zur Ent­scheidung der Thronfolgestreites eingesetzte» Schiedsgericht und dem gegnerischen Rechtsan - walt zugestekt worden. Den Inhalt Zdieses Schriftsatzes will die schaumburg-lippische Staats- regierung nicht veröffentlichen, da es ihre be­stimmte Absicht ist, während des Prozesses jeder Erörterung der streitigen Frage» vor der Orffent- lichkeit und in der Presse zu vermeiden. Nach Artikel 3 des Schiedsoertrags hat dir lippffche StaatSregftruitg sechs Wochen Zett bis zur Ein­reichung ihrer Entgegnung. Inwieweit bann noch ein weiterer Austausch von Schriftsätzen stattfinden wird, und zu welchem Zeitpunkte die Entscheidung des Schiedsgerichts erwartet werden kann, entzieht fich zur Zeit jeder Voraussage."

§ Bekanntlich war von Württemberg und später auch von Bayern bei Preuße» die Vereinbarung einer Betriebsmittelgemei»- schäft beantragt und eS hatte» hierüber grund­sätzliche E örterungen der Reffortmintster im Herbst v. I. in Heidelberg stattgefundm. Dem­nächst wurde auch von Sachsen, Oldenburg und Mecklenburg der gleiche Antrag gestellt. Kom- miffarr der sämtlichen beteiligten Regierungen find heute hier in Berlin zusammengetreten, um über die Einzelheiten der beantragten Gemein­schaft su beraten.

* Der Zentrala»ssch«ß der vereinigte» J»o»«gsverbände Deutschlands hat im Auftrage des Allgemeinen Deutschen Jnnungs« und Handwerkertages an das preußische Staatk- miniflerium eine Petttion gerichtet, in der die

und Major Kroll mit einem ander« Offizier trat ein, hinter ihnen der bereits verabschiedete Hauptmann Stmmer in Zivil, der fich noch nicht von de» Freunden der Garnisoofiadt trennen konnte.

Robert wußte, warum sie kamen, und er stützte fich schwer auf die Tischplatte.

„Herr Kamerad", begann der Major feierlich, „ich bl« beauftragt, Ihnen den Beschluß de» LbrenrateS über jene fatale Geschichte mftz-ttelen. Man er­wartet von Ihnen, daß Sie al» Offizier in dieser Angelegenhett korrekt handeln" — und dann nach einer kleinen Pause — „da» heißt, daß sie aus die Verletzung ihrer Standerehre durch eine Forderung auf Distolen antworten."

Nun gewann Robert seine Haltung wieder. Mit erhobenem Havpft sah er dem Sprecher und denen die in erwartung-vollem Schweigen hinter dem Ma­jor stavde«, in» Gesicht.

„Meine Herren, ehe ich mich erkläre, fordere ich Antwort auf eine Frage von Ihnen. Glauben Sie, daß einer der öftrere meine» Regiment» mich der Feigheit fähir hätt; oder feffen wir die Frage all- a em einer, daß er in dem Verkehre mit mir etwas findet, was mich al» solchen kennzeichnet, der des Sönig» Rock mit Unehre trägt, sei ei wegen feiner Gefimmng, fei es im kleinsten Verstoß eine» korrekten Verhalten» ? Ich bitte, meine Herren, sagen Sie mir die volle Wabrh-it darauf. Ich bemerke Ihnen im voran», voa Ihrer Antwort mache ich meine Er­klärung abhängig "

„Zum Donnerteeiter, nein", ließ fich der Haupt­mann a. D. von seiner ehrlichen Ueberzengung hin­reißen „Aber Herr Major, Eie haben» Wort."

„Ich laffe eine höhere Verfügung für mich reden, die soeben auf dem Kommando eingetroffen. Herr SBebtng, Sie find weg n ihrer Tüchtigkeit im Dienst zum Hauptmann ernannt worden."

Da» ging wie ein Ruck durch Robert» Körper. Er fchlog seine mühsam erhaltene Fassung nieder.