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Druck und Verlag den KuldarrAetiendrnckere! tu Zulda «hanuoniq Lernsprecher Ur. K
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Fulda, Samstag, den 7. Januar 1905.
32. Jahrgang.
Zweites Mtcrtt.
Wodien-Rundfchau.
[) Fulda, den 7. Januar 1905.
(Nachdruck verboten.)
Rttm Neujahrsfeste pflege« in verschiedenen Hauptstädten di« Staatsoberhäupter »nd leitenden Minister bet den amtlichen Empfängen mehr oder weniger pokitlfche Reden zu halten. Bekonder« Bedeutung koo mr diesen Reden längst nicht mehr z«. Sie find aHe über eken Lasten aeschlagen, und handeln von Frieden, Z vilisation, Fortschritt und Kultur Die« Jahr scheint man auch mit den herkömmlichen Phrase« noch sparsamer gewesen zu sein al- sonst In Berlin pflegen überbaupt keine politischen Ansprache gehalten zu werden und der j-tzige Augenblick ist überdies dazu angetan, der größten Rdelust Zügel anzulegen. In Paris mußte der SchredSz-danke und die Kommission zur Uatersuchsng bei Zwischenfalles bei der Dogger- bauk die Koste« der amtlichen NesjshrSunterhsUung bestreiten. Außerdem fehlte nicht der üblich« Depeschen- wechsel zwischen dem russtsche» usd franzöfische« Kriegs« Minister. Zn Budepch hat Graf TiSza beim Empfange seiner liberalen Freunde diesmal gesug lfaerhalirmg«- floss an der Opposition-
Die Handelsverträge stad zum 31 Dezember nicht gekündigt worden, <mch der mit O stetreich-Ungarn »icht. Di« österreichischen llmerhätchler find am DienSiaz zur Fortsetzung der Berhandlungen nach Berlin zurückgekehrt und man erwartet, daß sie in den nächsten Tagen zum befriedigenden Abschluß führen werd n. M« L ertrüge werden dem Reich'tage nun vielleicht doch nist „gleich nach denWechnachtSferien" zngehen. Ob die neuen Verträge und de- Zolltarif cm 1. Jaunar « Ais Kraft rretenwerde», i«unser noch ungewiß- Der ReichÄa»zlrr hat dem Aeltefien der Berliner Kaufmannschaft anßehit A--.frage hierüber eine ganz tlnbeßimmte Awwsrt gegeben.
E-n Partettng der preußischen Sozialdemokratie wurde in der Weihnachtswoche in Berlin abgehalten. Er beschäftigte fich mit dem Wohnungswesen, der Schulftag«, der KvntrakchrnchS« Vorlage und dem Landtagswahlrecht. Wenn man een Großsprechereien der sozialdenokratische« Presse glauben wvllre, handelte ei fich bei dem „Preußentsge" wieder einmal uw ein Ereignis wettgeschichtlicher Tragwefte. Wir können das dmckcms nicht finden. Auf diesem Parteitage ist nicht- gesagt worden, waS nicht so und io ost ta der sozialdrmokrstilche» Press« gesagt worden wäre. Soweit Kritik und Forderungen berechtigt waren, ist alle- von andere« Leuten auch schon längst gesagt worden. Um dir Frag«, wie ihre Fordernugen durchzusetzen wären, kümmern fich ;bie Herrn Genossen niemals. Sie erheben nur mit faßet Stimme möglichst extreme Forderungen, von denen fi« wissen, daß fie fie nicht turchsetzen können, und machen dann anderen Parteien Bvrwürse, daß fie diesen Forderungen nicht zustimmen und zur Ber- wirklichung verhelfen. Ihnen kommt el eben bloS auf die Agitatio« an. auf die Schürung der Unzu- lriedcnheit. Diesmal hatten fie es besonders auf die Verhetzung der ländlichen Lrbetier abgesehen, zu denen fie eit ihrer Agitation immer noch nicht recht vorzn« dringe» vermögen. — In Neuß wurden in voriger Woche die Generalversammlung de» „Arbeiter» wohl" abgehatte«. Str hat zwar nicht soZvielLSrm gemacht wie der„Pr ußesisg", bedeutet aber praktisch für die Besserung der Lage der Arbeiter wehr al» dies».
ZnOrsterreich hatMimsterprSfident v.Körber se'n EntlassungSgesuch eingerercht, du» ihm vom Kaiser «ach längerem Zöger« bewilligt wurde. 6t wollte sich nach fünfjähriger Amt»tätigkeit nicht mehr mit den hadernden Nationalitäten hersmärgern, zumal «r fich infolge der Lnfregung« eine bedenkliche Magen- nemose zugrzogkü hatte. 6r wollte «s ndt keiner Partei verderben und dadurch hatte er alle gegen fich. Zn feinem Nachfolger wurde Freiherr v. Gautsch ernannt. — Zu Ungarn wurde nach einem nochmaligen »ergrbllchen B-rsuch de» Mintsterpräfidenten »rasen TiSza, in friedlichem »ege für kurze Frist Jdemuilät durch Bewilligung eine» Budgetprovisonmu» zu er- laaaen, tun 4. Jaunar das Parlament ausgelöst.
In Frankreich ist die außerordentliche Paria- u «ntrsessio« vor Neujahr geschloffen worden. Ge- leistet ist in ihr so gut wie nicht». Al» Skgrbni» ist m r ein Gesetzentwurf aufzuNeisen, der ben Pforr- kiiche» da» Monopol der Beerdigungen nimmt und eß ben Gemeinden zumeist. Gegen diesen Entwurf, den die Kulturkämpset al» den Beginn der Trennung von Staat nud Kirche preisen, erhebt fich aber »asf protestantischer Seite starker Wider-
). Die neue ParlamtAtStagung am 10 Januar wird gleich wieder mit Interpellatioae« beginnen, so betreffend den Fall Sydeton, von dem jetzt immer mehr Leute alauben, daß ein Verbrechen an ihm begangen ist; sodann ein« Jrüerpellation wegen Marokko, wo di« Franzosen über den Sulla« hinweg einmal „OtbtuKfl*' schaffen möchten.
Zu Rußland hat da» Manifest de» Zaren «xb die ihm folgende RegirrungSveMgurg große »nttSuschung hervorgerufen. In der Presse kommt diese natürlich nur zmn Teil und in seh- gedämpfter Form zum Ausdruck. Dageaen überbieten fich jetzt manche sonst „reformfrenndliche- Blätter und andere Mefamfreunde' in der Berhrrrlichnng bei Lyzan- ttitileu» Ob da» Manifest und die Negierung». Verfügung »och i»fk»nde sein werde», die GSHrnng
Unpolitifdie Zeifläufe.
j(Nachdruck verboten.)
D Berjlin,^den 5. Januar 1905.
UlS die ersten christliche» Wallfahrer können wir die drei Weisen aus dem Morgen- lande begrüßen. Und diese Wallfahrt durch die asiatischen Wüsteneien hindurch hatte etwas mehr auf sich, als wenn wir heutzutage in einem Eisenbahnwagen nach ein«n Snadenorte fahren. Auch zu einer Pilgerfahrt nach Rom gehört nicht viel Opfergeist und Wagemut, und. zum hl. Lande kann man sogar auf dem allerschönsten Verauü- gungSdampfer sich behaglich hinschaukeln lassen, soweit nicht di« Seekrankheit baS Vergnügen stört.
Aus den Schriften unserer Rfrikaforscher können wir unS zur Not »och eine Borstellung bilde» von den Strapazen und Gefahren, die früher eine Reise mit sich brachte. Und dabei warm bie Vorfahre» durchaus nicht reisescheu. Im Gegen- teil, die ganze Wellgeschichte und auch die holl. Schrift erzählt fortwährend von wellen Reisen einzelner Personen, großer Heere und sogar ganzer Völker. Denken wir z. B. an die Geschichte Josephs im allen Testamente, wie da zwischen Palästina und Egypten hin- und hergereist wird; und dann an die gewaltige BolkSretse von Egypten nach dem gelobten Lande, die Moses lellete. Wie viele größere und kleinere Reisen knüpften fich an die Geburt Christi? Maria geht über'S Gebirge, um ihre Base Elisabeth zu besuchen. Ll» der Kai'er TibertuS die Volkszählung auSschreibt, müssen Maria und Joseph von Galiläa nach Judäa reisen, weil damals nicht einfach die orlSanweseude Bevölkerung gezählt, son dern verlangt wurde, daß
im Land« aufzuhaltrn und bi« getobete» Kuff-n zu« Verzicht auf iyre konstitutionellen Fordern«,'! zu be- wegen muß bahmqestellt bleiben. Jede fatt« haben verschiedene Städte är« uvd SemfiwvS fich berrtte übet pol-zrillche llroergr ffe besckwai Diese und ähnliche „redelltiche" Reoungm werden wohl »LLfie-S durch ein Quoe egol der Regieruog niederg schmeti rt werden.
Aus dem ostasiatischrn KriegSschan- platze habe« die Japaner am Jahresantang einen neuen grrßen Erfolg ertunaen. Port Ar! hur ist am 2. Jaruar gefallen. Am 28 Dezemoer ervberi-n die Javaner da» Fort« Eriuvgschan, wobei ihnen 43 Beschütze in die Hände fielen. Am 31. nahmen fie da» Fort Sungschuschan im Sturm, wobei ein Teck der rusfi'ches Besatzung unter ben durch bie Sx.lofion der Brustwegr ausgewogenen Messen btqrabrn wurde. Am 1. Januar besetzten st- da« Fort SBargtoi, da» Fort H. und dc» n ut Fort PLulungsch-m. tasauf erklärte auch General Süffel in einem Briese an Nogi, daß er jeden weiteren Widerstand nui wehe für unnütz batte. In Telegrammen an b n Zaren hatte er die,en bereit» auf da« Ende vorbereitet Gr be- richtet u. A., daß bi« Munition fast vollständig zer- ichvflrn sei, 14 000 Kranke und Be.wundete in den HoSpitLirr« lägnt, die Garnison am Skorbut leide, nur noch 10000 Mamt unter Waffen, aber fast alle erkrankt seien, von 10 GenerLlen 3 tot und 3, da- runter er selbst, verwundet seien. Nach de« Kaprtn. lationtzbMngungen tenb-n die Mannschaften Krirg«- gtfange««, während di« OWere fich In die Heimat begeben dürfen unter der Bertflichtung, an diesem Krieg« nicht mehr teilzunehm n. Bevor Stöffel bie Uebetgabe anbot, hatten die Buffe« noch mehrere Fort«, sowie ihre beschädigt«« KriegSlch ff- in di« Lust gesprengt. Der M.kado sprach in einem Ttte- gr^W» an Rogi sttne hoh- Unerkennung für Stöffel au» und wie» ben ispanische« General an, der töpferen Besatz mg von Port Arth« alle Ehren zu erwecke». So ist ben« rach fast achtmonatiger tapferer 8er» teiblgnsg die Feste grs-lle«. Un^heune Opfer an MensLenlede» hat bte Eroberung den Japanern gekostet. Die gerene Zahl wird nm« wohl nie erfahren. Auch die Besatzung ist furchtbar znsammen- geschmolze», 66 Proz. der O fistere ftub tot oder ver- Wundtt Der Fall Port Arthur» wird für den Fort- garg de« Krieges von hoher moralischer und maieri- eilet Bedeutung sein. Den Japaner« erhöht er bie Kampfeslust und die Siege«zuverficht. Ei« groß« Teil der B taaetungMxsee wird rat« frei und kamt die japanische Armee bi der Mandschurei verstärke«. Die japanische Flotte wird nun ganz frei für den „Empfang" de» baltisch«» Geschwader», dem nun jeder Stützpunkt in Ostafien fehlt. Ob bal überhaupt noch bie Fahrt fvrtsetzen wirb (bet eise Teil ist kjirzUch bei Mabagadkar anaekommm), nachdem fein Zweck, bie Enisetziw, von Port Arthur, vereitelt ist, wirb fich bemnächst entfcheide«. Für bie Russen mag b« Fall Port Arthur« keine lleberraschung mehr sein, oder ihre Lag« vrrschlechtert fich «rheblich da» bnrch. Son btt tnsstschen Flotte in Port Arthur seien übrigen» vier Torpebobootzerstörer une ein Kanonenboot noch urmittelb« vor bet Kapitulatto« nach Dchifn entkommen, wo fie abgerüstet wurde«. Zwei Torpedobootzerstörer und ein Dampfer mit 800 Soldaten kamen tn Tsingtau au. D-e jüngst 6er» breitete Meldung, e« seien acht Torpedobootzerstörer au-gebrvche», war dagegen falsch. Admiral Logo hat sich nach Tokio begeven, fich jedoch Huldigungen verbeten, da «S baut noch zu früh fei. Sr bereitet fich jetzt zum „Empfange", b. h. zum Angriff auf da» Ofiseegeschwaber vor.
Geistlichen, vcn der Schule, von den Se< eine« u s. ro. Hilf ihnen, den rechten Anschluß z» indrn, «he fie zum falschen Anschluß verlellet stnv. D-nn sehr oft find feindselige Kräfte schnell hinter den Zugezoaeven her und benutzen die UnkenntaiS und Hilfslostßknt, um fie in ch« Netze zu locken.
Der Wetrbewerb ist fmchtbar scharf, nicht floß auf dem geschäftlich-n Gebiet, sondern auch im öffentlichen Leben. Wenn w»r nicht allzumal aus dem Posten find, so fängt man unS die Stelen vor der Nrcht fort, die von Rechtswege» ri unS gehören. Wir müssen auch viel mehr at holifche Freimaurerei treiben, wenn mal da» Wort recht verstehen will Nicht in bem Sinne, daß wir von den Andersgläubigen uns exnbfelig abschlössen, sondern im Gerste der rrüderltchen und scyweste- lichen Fürsorge. Und da darf man nicht in steifer Würde warten, bis die unkundigen oder m beholfenen Brüder und Schwestern bei unS anklrpfeu, sondern kann ihne» g-rn das erste Wort und bie erst« Handreichung widmen. Wer dem Zugtzogenen Hilst, bald heimisch zu werden und im testen Boden Wurzel» zu schlagen, der arbeitet auch verdienstlich mit vr Weinberg«. Das ist die moderne Beherberßuiß der Fremden.^ *
Die Weisen auS dem Morgenlande beobachtete» ben Stern und folgten ihm. Als fie aber t» der großen Stadt Jerusalem beim König wäre«, hatten fie ihn auS dem Rüge verloren. Wie fie abtt! von Jerusalem weiter zogen gen Bethlehem, „stehe, der Stern, den fie im Moraenlande ge» sehen hatten, ging vor ihnen her, bis er üb« dem Orte, wo da« Kmd war, anka« und stille stand. Da fie aber den Stern sahen, hatte» fie eine große Freude".
Nicht bloß die Weisen, sondern die ganzei Völker der Vorzett war fleißige „Sterngucker*, eifrige Beobachter der Sonne, deS MondeS und der kleineren Lichter des Himmels. Sie mußt« fich den Ausbau der Welte» »»ch nicht klar |» machen und fielen in ihrem kindliche» Eifer bet Rärsellösung tn phantastische Jrrtürmer der Stern» deuterei, aber im Beobachten deS Laufet der Gestirne und ihres Gestattwechsels waren fie sehr sorgfältig und erfolgreich. Dar Uhrwerk bliest ihnm noch verborgen, aber das Zifferblatt kannten und versta«den fie ganz genau.
Und heutzutage? O, die astronomssche W ssen» schaft ist mächtig fortgeschrllten. Die Kinder in der Schule lernen viel von Etddrehung, Mondphasen, Sonne^stellung r». Aber wenn man <m eine« schönen Herbstabend mit einer Gesellschaft, bie fich für gebildet häll, unter dem Sternen- gewöibe dahinspaziert, wie viele find darunter, die Planete von Fixsternen zu «Nterscheid« wissen, bi« den Namen der Sternbllder (außer dem großen Himmelswagen) und der Fixstern« erster Klaffe kennen, die sich überhaupt zurecht» finden können in diesem strahlenden Reichtum der Schöpfung? Wie oft habe ich bei solche» Wanderungen vergebens nach Ausgang vnd Unter» gang, nach No'd und Süd gefragt. Sogar de» Polarstern, das Tüpfel auf dem i der Weltachse, vermögen nur Wenige zu finden. Dat kommt davon, daß wir unsere Stervenkunde aus Bücher» lerne», statt fie vom Himmel abzulesen, wo der liebeGott die allerherrlichstellrschrist angebracht hat.
In der Schule rotrb neuerdings viel getan, um die Kinder zur unmittelbaren Beobachtung der Natur anzulellen. Aber die Sternenwett kvmmt immer noch zu kurz, denn die Sterne scheinen nicht während der Schulstunden, und et yat seine besonderen Schwierigkellen, am Abend eine Schulsbrnde im Freien zur Betrachtung bei gestirnten Himmels abMbatten. Und die Gr» wachsenen? Nun, die sehen fich abendt lieb«« die Echaufenster der Warenhäuser an, alt bat Wellpanorama, das fich in unvergleichlicher Herr» lich!«ll über ihren Hänpttt» spannt. Je Mdttscher die Lebensweise der Mensche» wird, befto fremder wird ihnen die Sternenwelt.
Schade, schade! Möge jeder nach Kräfte» darauf bedacht sein, fich ben großen Genuß und die schöne Erbauung zu sichern, die in der verständigen Betrachtung der Weltalls liegen. Alle ttdischen Künste und Kunstgenüsse find nichts dagegen. So oft du kannst, laß deinen Blick fich weiden an dem Reichtum, der Ordnung der Un- ermeßlichkett der leuchtenden Schöpfung Gottes, und führe deine Kinder in diesen Dom, der fich der unendliche selbst gebaut, und wenn ihr inne geworden seid, daß die Erde nichts ist, alS ein Tröpfchen auf der Sonnenwelle dieses Ozeans von Belten, dann nehmt die Mütze ab, alS ob euch zu warm würde, und sagt leise oder laut: Großer Gott, wir loben dich! Der Lichtstrahl braucht Jahrhunderte und Jahrtausende, um von den fernen Sternen zu uns zu dringen; ab« bet fromm« Gedanke des armseligen Grdenwurms dringt im Augenblick fiter bte Myriaden w»
jeder in seiner Stadt, in seiner Stammes- urb Geschlechtsheimat sich dm Zählern stelle. Das wird also in Palästina ein ungeheures Hin- und Herwogen von Rch'enden gewesm sein! Dann kam die Reise der heil. Dreikönige vom fetten Morgenland« nach Jerusalem und Bethlehem; daran schloß sich die Flucktreise der hl. Familie nach Egypten und ihre Rückkehr. Das Eoange- lium vom zwölfjährigen Jesus im Tempel erinnert uns an die alljährliche Wallfahrt der Juden zum Tempel in Jerusalem. Die dreijährige Lehrtätigkeit des Heilandes war eigentlich eine sort- gesetzte Reise durch das Land des auserwählten Volkes; als ein Wrhckäter im Umhergehen be- zeichnet ihn die hl. Schrift. Die Apostelgeschichte vom Pfingstfefie entwirft uns ein Bild von der bunten Menge der Juden, die von allen Ecken der Windrose aus dem Auslarde «ach ihr m Mutterlande zur Festfeier gereist waren. Und dann kommen die ausgedehnten Reisen der Apostel, die getrmlich dem Befehle folgten: „Gehet hin in alle Welt!- Zu Ehren ihrer Unermüdlichkett gebraucht man noch heute von einem braven Fußgänger das Wort, er reife per pedes apoetolorum, zu Fuß wie die Apostel. Vorn Mittelalter wollen wir nur die Kreuzzüge erwähnen, hinter d men Nicht weniger Wagemut steckte, als heute hinter einer Polarfahrt.
Dre Vorfahren waren keine globetrotter (Welt- bummlet) zum Zeitvertreib; aber sie waren furcht- lose und unermüdliche Reisende, wenn die Pflicht oder ein heiliges Ziel ihnen den Wanderstab in die Hand drückte ober bie Steigbügel an bie Füße hielt.
Will man bie früheren Reisebeschwerben richtig Äen, so muß man auch bedenken, baß die Welt
lks nicht mit offenen Gasthöfen und bienst- bereiten Kellnern gepickt war, wie heutzutage. Sogar in ben Städten sah es mitunter schlecht auS mtt ben Herbergen, unb in ben weiten Striche» zwischen be« einzelnen Orten mußte man in bet Regel bei Mutter Grün übernachten. „Weil in bet Herberge kein Pl«tz für fie war-, sagt bei Weihnachtsevangelium kurz und inhallSfchwer. fffte reichen Leute fanden Platz in den Herbergen oder bei ihren Gastfteuvben; die anveren mußten ftoh fein, wenn fie nach einen Stall als Obdach fanden.
„Die Fremden beherberge»", heißt das sechste Werk der leiblichm Barmherzigkeit. DaS kann die jumze Welt, die mit allen Bequem« licyketten bet Eisenbahn urb ber Hotels aufge- wachsen ist, nicht recht mehr verstehen. Dem armen Frernbling gibt man im besten Falle eine Kleinigkeit, bamit er in eine billige Herberge ober wenigstens in eine „Penne- gehen kann. SDmntt glaubt man all« Pflicht gegen den Fremd- Ung überreichlich erfüllt ju habe».
Ich möchte aber in meiner heutigen Laien- predigt zur Erwägung stellen, ob man nicht ein büchen «ehr Fremdenliebe üben sollte.
Erstens gegen die durchreisende» Fremden. ES find nicht alle arbeitische« Strolche, bie ba eti Zugvögel kommen unb gehen. Es lohnt sich boch manchmal ber Versuch, ben Weizen von ber Spreu zu sondern unb durch einen prüfenden Blick unb eine fonbierenbe Frage zu ermitteln, ob nickt ein guter Kern in ber zweifsldaften Hülle steckt. Dann kan» ein freundliches Wort dn Labsal für eine verschmachtend« Seele sein, ein guter Ratschlag großen Segen stiften.
Zu den Fremden rechne ich auch diejenigen, die t» einen anderen Ort gezogen find, die »n- unb Umgepflanzte». Auf be« letzten Katho- likerttage würbe ein Btschluß gefaßt, ber bie organifierte Fürsorge für bie Zugezogenen, namentlich für bie vom Lande in bie Stadt Vemogene», eindringlich empfiehlt. In der Tat, da güt eS Seele unb Körper zu re«en auS großen Gefahre», unb an biefem RettungSwerk müssen fich Geistliche unb Laten in ölten unb neuen Vereinen beteiligen. Aber bie Augen unb Hände ber Vereine können nicht überall fein; alle braven Leute muffen u»b könne» helfen, wen» fie etwas auf bte Fremde» achte», die sich in ihrer Nachbarschaft niebetlafftn oder sonst mtt ihnen in BeÄhrung kommen. „WaS gehen mich die Zugvögel an? Die mögen selber sehen, wie fie fertig werden! Ich steck« meine Nase nicht in fremde Töpfe." Solche und ähnliche Philister- weiSheit ist nicht sehr christlich unb auch nicht ersprießlich. Einzumischsn brauchst Du Dich nichtt aber Du kannst boch mal einen fteuudliche» Btt« unb ein herzliches Wort riskieren. Dann merkst Du bald, ob fich wettereS lohnt. Findest Du, baß el biebere Leute stnb, so setze baS Gespräch fort, tu ihnen einen kleinen Gefallen, wie fich bie Gelegenhett gerade bietet, gib ihnen auS Deiner Ortskenntnis heraus nützliche Fingerzeige unb Ratschläge, natürlich nicht tm Hofmeisterton, sondern in aller Gemütlichkeit. Unb wen» eS Glaubensgenossen find, so erzähle ihnen von der Psankitche, ben GotteSbtenststunben, von ben