Fulda, Donnerstag, den 5. Januar 1905.
32. Jahrgang.
------ (Nachdruck herbsten.)
Wege« des Ke ertsgs E»l. 3 Könige wird die «Schfte Nummer «userer Zeit««g erst am G»«st«g amsgegebe«
> letzt, sondern weil er damit die Madigen Pro testanten fangen will, ohne die Liberalen, dte . sich die Worte je nach chrem Gefallen beute« , können, abzuftoßen.
—* Bo« der Agitattox des Standes i btarnten in der Köpemcker Straße in Bettln für de« Protestantismus weiß der.Vorwärts' abermals einiges zu erzählen. Wieder handelt eS sich darum, daß der Beamte eine i protestantisch« Braut, die eine« Katholiken heiraten wollt«, zu sich kommen ließ und ihr zu- redete, die zu erwartenden Kuder protestantisch l taufen zu kaffen oder von der Berhevatung zu rückzutreten. Eine Stunde lang redete er au sie ein und schließlich bedeutete er sie auch tn diesem Fall wieder, dem Bräutigam nichts zu sagen. Der Mann treibt die protestantisch- Propaganda unter den Brautleuten offenbar ge- werbsmäßis. Selbstverständlich find eS nicht die vom,VorwärtS' erwähnten Fälle allein, in denen er es für seine Pflicht gehalten hat, zu protestantischer Kirdererziehung zu mahnen. Das tut er zweifellos immer, wenn Brautpaare verschiedener Konfeffwn bei ihm das Aufgebot bestellen. Die meisten Brautleute machen es nur nicht öffentlich bekannt. Ob man dem „(Soun^e- listen" trn Standesamt das Handwerk nicht bald legen wird? Hätte ein katholischer Beamter es gewagt, Brautleuten von der protestartffchen Kindererziehung abzuraten, so würde schleunigst gegen ihn eingeschritten worden sei«, und von Memel bis Trier wäre ein Zetergeschrei über römische Propaganda erschollen.
(*) lieber Diebsitxhl geistigen Eigen tumS durch bie Konfekttonsfermen beklagen sich, wie »Berliner Blätter' schreiben, die Berliner Damenmäntelschnetdermeister: DaS Geschäft dieser Merster geht immer mehr zurück, im letzten Jahre haben viele ihren Berus ausgegeben. Die Schuld an diesem Notstand im Gewerbe wird den Konsektiom firmen zvgeschrieben. die fich von den alten bewährten Meistern wohl die Muster anfertigen lsffrn, ihnen dann die Bestellung ent ziehen oder so niedrige Preise bei der zweiten Liessuyg anbieten, daß die Meister die Aus» fÄhM-g der Arbeit ablehnen. Die Musterarbeil der Meister wird dar« anderen zum Kopieren übergeben, die für billiges Gld arbeiten: oft werden damit auch Beamten frauen usw. be- schäfttgt, die nur für ein Taschengeld arbeiten. Die Damenmäntelschneider erblicken in diesem Verfahren einen Diebstahl ihres geistigen Eigentums, daS sie an den von ihnen zuerst ausge- führten Musterarbeiten haben und wollen gegen diese Geschäftsbräuche der Konfektionsfirmen jetzt energisch vorgehen. Zu diesem Behufe bat sich die Berliner Damenmäntelschneider-Jnnung mit dem Verein Berliner Damenmäntelfchneider verbunden. Bei genügend starker Organisation will man eine schwarze Liste der Firmen aufstellen, die das gekenn-eichnete GeschäftSverfahren anwenden. Die Meister sollen dann angewiesen werden, nicht mehr für diese Firmen zu arbeiten. Den Innunosmeistern, die nach den von ihren
Woöerts (Sßre.
Erzählung aus der Gegenwart von Alca Ruth.
Deufidies Reich.
Berlin, dm 4. Januar 1905.
* Als Hochzeitstag des Krouprivzerr ist Mittwoch, 24 Mai, in Ausficht genommen. Wir verlautet, wird bie hohe Braut am Sonntag, 21. Mai, in Berlin eintreff n und im Schloß Bellevue Wohnung nehmen. Die feierliche Einholung in Berlin würde chann am 22. Mai erfolgen und die kirchliche Traufeier am 24. Mai. Indessen stehen diese Dispositionen noch nicht ganz fest, so daß Verschiebungen um einige Tage wohl möglich sind. Von einem ursprünglich früher geplanten Termine ist, wie der.Konfektionär' erfährt, besonders ans dem Grnr.de Ab- stand genommen worden, weil die Brent des Kronprinzen seit ihrer frühesten Jugend noch keinen Winter in Deutschland, sondern alle im Süden verlebt hat und deshalb man sie nicht unvermittelt den Unbilden der rauhen Witterung in Deutschland aussetzen wollte.
§ lieber de« Zeitpunkt des Inkrafttretens der «e«e» Havdrlsvertrage orakeln die ,Berl. Pol. Nachr.' einiges. Der lange Rede kurzer Sinn ist: entweder treten die Verträge am 1. Januar 1906 in Kraft oder später. Uns dünkt, das hätten wir schon gewußt. Auch Überrascht eS uns nicht sonderlich, zu hören, daß in den neuen Verträgen nicht der 1. Januar 1906 a S feststehender Termin für das Jnk-sfttreten ang-geben sein könne, wenn an der Kündigur^S- frist von einem Jahre frstgrhalten werden soll'. Nachdem die alten Del träge am 31. Derew ber I nicht gekündigt worden sind, können selbflver- ständlich die neuen nicht am nächsten 1. Januar in Kraft treten, falls die alte« ocm Tage einer künftigen Kündigung ab noch ein Jchr lausen. Wenn di» ,Berl. Pol. 9t.' uns etwas neues sogen wollten, hätten fie verraten sollen, was in de« neuen Verttäge« über das Inkrafttreten vereinbart worden sei. Richtig ist, daß nunmehr, «en« die Neueinstellung der Handelsbeziehungen am 1. Januar 1906 ««treten, also die einjährige Künd^jungsfrist abgekürzt werden soll, die Zustimmung der Pa' lamente erforderlich ist. ES bedürft« unseres Erachtens aber keineswegs einer ausdrücklichen Aushebung der alten Verttäge; die Zustimmung zur Inkraftsetzung der neuen am I 1. Januar würde genügen. Die ,Berl. Pol. Atchr.' wiedkrbolen die Zulage des Reichskanzlers, daß auf jeden Fall der Geschäftswelt eine genügend lange Zeit werde gewählt werden, fick auf die reuen Verhältnisse einzurichten. Was aber unter einer „genügend langen Zeit" zu verstehen sei, wird nicht verraten; eS kann ein Jahr sein, es kann auch weniger fein, vielleicht auch mehr, obschon die Geschäftswelt auf das Mehr keinen Lnsprr.ch hätte. Die ,9tat. Ztg.'
Hand einer niebtotoür feigen Buben! Er hätte den Zorn himmStchreien mögen in cie stille Nacht, und bann war es ihm wieder, al» müsse er den Säbel 08« d-r Scheide reiße» und fich hineivstürzen.
Ach, wenn diese Summe doch orrf hörte, ihn zu verfolgen, JbalienS Stimme! Er mußte ihn ja töte», wenn bie Unehre nicht über ibn kommen sollte. Er wußte ihn töten, ben Berauschten, der im Zastonde der Trunkenheit gehanbelt. Ach 1 wie bas Mal brannte, und durch chn — durch diesen!
Er wandte fich und eilte zurück, er wollte ben Unseligen strafen, wie er eS verdiente, prügeln tote eke.i stechen Buben.
So lief er bis zum Klubhause, schlug fich vor die Stirne und ban i rannte er, unfähig zu weiterem Denken, seiner Wohnung zu.
Geräuschvoller als er feine Art war, stieg er bie Treppe zu fein/t Stube hinauf und warf fich in bem kalten, bnnMen Raum auf ba» Sopha.
Durch das Fenster fiel der Schein der Gasflamme vor bem Haufe. Er starrte hinein, ohne zu einem festen Gedanken zu kommen, wie ein Wirbel drehte sich sein Denken ihm im Kopfe.
Da glaubte er ein Geräusch an der HcmSrüre zu hören, jemand setzte .kesse zögernd die Hausglocke in Bewegung.
Robert fuhr auf und horchte. Er riß da» Fenster aus und sah hinab. Ein Mensch in Uniform stand mit dem Rücken gegen bi# Türe und schaute bei dem Knarren des Fensters herauf.
.Ich bitt'», Kamerad," drang Leutnant Söller» Stimme zu ihm her, „auf ein Wort, bUle."
Unten ging schon die HauSiüre auf. Robert chloß da» Fenster und öffnete weit die Stubentüre, n deren Rahmen der Leutnant erschien, hinter thm der schlaftrunkene vnrlche.
„Raufpeigen, weiter schlafen!" winkte Söller i tiefem ab, und dann schob er Robert in» A mmer zurück, schloß sorg'ältig die Türe und wandte fich zu dem O fizier:
„Herr Kamerad, Sie wisse», warum ich noch in der Nacht komme. Morgen wstd mich wahrscheiulch
Kollegen gefertigten Mustern zu Schandpreise» arbeiten, werden von brr Innung Strafen auferlegt werden, oder tS wird ihr Ausschluß vollzogen.
* Z«r Frnge der Reformbedürftigkeit der Unterfachuugrh^ft $p«rb der ,Vsff Zig.' auS Hannover folgender Bo frll müge-teih:
•ine Dirnitmagd wurde im Frühjahr 1901 lange Zeit au?S Krankenlager geworfen Als fie ihre Ä-fmd- heil roieSeteilaugt hatte, befaß fie nicht die gntagften Mittel; auch Blutung man# eile ihr. Da wurde dem Mädchen von einer in Hannover weilenden amerikanischen Herrschaft eine Stellung angeboten, aber um diese onjutieten, fehlte es der Armen an dem Notwendigsten. In ihrer Verzweiflung entwendete sie einer Freundin ehr Jackett, ein Hemd und ein Beinkleid, worauf fie mit nach Amerika ging. Dort ist fie bet ihrer Herrschaft geblieben ur.b hat fich ?or:restlich geführt. Allein die. Reue über ben Diebstahl ließ dem Mädchen keine Ruhe Sie nahm fich Urlaub und reist« nach Deutschland. Vorher sch leb fie Dem St aal? anwalt in Hannover daß sie ihr Unreckt gutmackem wolle. Sofort nach ihrer Ankunft am 17. November d. I stellte fie fich auch bet Behörde, woraus fie iw Untersuchungshaft genommen wurde. Gestern, also au 29. Dezember wude daS Mädchen endlich abgeurtrilh Staatsanwalt und Gerichtshof waren der gleiche« Meinung, daß die Angeklagte de« tiefsten Mirgrfühl würdig fei. Sie wurde zu i rei Tagen Gefängnis oea urteilt, die als verbüßt erachtet wurden. Drei Tagt Gefängnis und sechs Woche« UnterfuchungshLft t
§ Ar» deu ortsüdlirtten Taggelöhne« ge- wölmltcher Tugem better, wie fie auf Grund des § 8 des Krankerwerficherunasgesetzks aufgestellt werden müssen, fi d in verschiedsnrn Bezirke« Arnberungen vorgenonm n worden, so in de« preußischen RegterungSb zirken Liegnitz, Trier, in bem büyerischtn Oberboyrrn und Mrtiel- franfen, in den sächfischen KretShavpttnannschaf- ten Leipzig, Chemnitz, Bautzen, in sehr viele« Oberamtsbezirken Württembergs, in Sachsen» Meiningen, Schaumburg-Lippe, Bremen und Hamburg.
* Erhöhung der Juvnlideuverfiche- ruuzsbeiträge? Bor ewiger Zeit gwge« Nachrichten durch die Presse, nach welchen einige Lande Versicherungsanstalten bereits wieder mit eir-nrr D fiztt zu kämpfen hätten, da die Zahl btt Jn»iilidepreitten ganz gewaltig gestiegen ist. Die rasche Erhöhung dis RrichSzuschuffes be- tsinbete auch dieses rapide Anwachsen. Währens 1899 nur Über 90000 Renten genehmigt wurdest waren es 1903 schon über 1500001 Nunmehr hat die Reichsleitung eine Anzahl von Kreiser bereisen lassen und es hat »ch bereits betau» gestellt, daß in der Genehmigung der Renier zu lax verfahren worden ist; man gab di sr schon bei eintretenb« BerufstrwaUdität, statt erst bei der gesetzlich geforderten allgemeinen Invalidität. Nachdem die ausführenden Organe auf diesen Umstand hivaewresm worden sind, ist auch bereits ein Rückgang der Rentmanttäge wie der Rmtenbewilligungen ebgetreten, sodaß offiziös verlautet, eine Erhöhung, der Beittäge sei nicht geboten. So erfreulich das ist, tiameni« lich im Interesse unseres Mittelstandes, so muß doch oitf der anderen Seite auch betont werden, daß die Wohltat des Gesetzes j nrn nicht normt»
I sprich: wieder davon, daß der Termin möglicher« wette bis zum 1. Juli hiaauSgeschoben werde.
\ Der frühere Polizeipräsident von Potsdam, jetzig« Regie ungiPräsident in Köln. v»a Bal««, ist heute morgen am Herzschlage in Potsdam, wo er zum Besuch bei Verwandten weilte, tm Alter von 56 Jahrm gestorben.
*„ Die Subskription auf die 324 Millionen Mark 4t/,prozentige »«sfifche ftener freie Staatsanleihe oo« 1905 findet in Deutschland, Rußland und Holland am 12. Januar statt. Der SubskriptionSkurS tn Deutschland ist 95 Prozent. Der Prospekt wird morgen oder übermorgen veröffentlicht.
§ De« Evangelische« Bande war br- kanntlich zum Vorwurf gemacht worden, daß er die Angriffe des Berliner protestantischen Pastors Fischer gegen die Grundlehren der Kirche in keiner seiner Kundgebungen zurückzewiesen habe. Der ,Hann. Kurier', der neben der .Magdeb. Ztg.' unter dm Kämpfern für den Evangelischen Bund in erster Reihe steht, bewirkt hierzu, die ,Kreuzztg' scheine noch immer nicht gefaßt zu haben, zu welchem Zweck der Evangelische Bund gegründet sei und daß er zur Erreichung dieses Zweckes die Evangelischen zusammenschließen, aber nicht auseinander- reißen wolle. „9Benn er alle die au! schließen, verketzern und bekämpfen wollte, die von den Unfehlbaren der,Rreu$tg.' nicht als vollwertige Eüristen anerkannt werden, dann würde daS Häuflein der Streiter so bedenklich zu- sammenschrumpfen, daß lediglich das Zen trum, die Jesuiten und ihre Geistesverwandten Freude daran empfinden könnten." DaS Gc- ftändnis ist intereffant. Also es find fast ausschließlich die kirchlich Liberalen, die im Gefolge deS Bundes gegen „Rom" hetzen. Die Zahl der beteiligten „Orthodcxen" ist immer noch sehr klein. Die .Kreuz stg.' weist gegenüber bem Hanno-er'schen Blatte auf den § 2 der Statuten des Bundes hin, worin eS. heißt: „Maßgebend ist für ihn (den Bund) das in | seinem ersten Aufrufe enthaltene Programm: I „Der Evangelische Bund bekennt sich zu Christo- bem eingebote en Gottessohn, als den alleinigen Grund des Heiles" und bemerkt dazu: Es sind also nicht nur die „Unfehlbaren der Kreuzztg.', welche die Stellung des Pfarrers D Fischer mit einem Predigtamte in der Kirche nicht vereinbar halten, sonder« diese Stellung widerspricht auch derjenigen, die der Evangelische Bund als für sich maßgebend betrachtet. Weil aber der Bund das nicht feierlicher Weise ktmdgegebeu hat, tarnt es allerdings kein angenehmer Eindruck machen, daß er jede Stellungnahme in dem Falle Fischer vermeidet, während er doch sonst mit Kundgebungen nicht gerade zurückhält." DaS konservative Blatt läßt hier unbeachtet, daß der Bund absichtlich eine un bestimmte AuSdruckSweise gewählt hat. Er spricht von Christus, „dem ein- geborenem Gottessohn als bem alleinigen Grunde des Heiles", nicht etwa weil er diesen Worten einen positiv christlichen, „orthodoxen" Sinn beige-
„Bon Dir ettoade ich nichts," zischte Rolf und seine Äugen sprühte« vor Verdruß und Wut.
Robert erhob fich unb ging erregt auf und ab.
Die »eisten der Klubmttglieder brachen auf unb verabschiedeten fich von Robert. e>le wußten, daß et blieb, um den Bruder seiner Braut vor dem Fall in fern Abgrund zu bewahren, an dessen Rand er so tteventlich heruwlief.
Wir verschränkte« Arme« lehnte Robert an einer l r Säulen und war bereit, bei dem ersten großen B tluste Rolf», der schon iw Zustande der Unzurech» »•- agSsähigkeit Var, energisch dazwischen zu treten, f- saßen nur wehr einige wenige Spieler am Tische, tzahuisch fest an Rolf» Seite. Rn« bemerkte Robert, toi' Letzterer fich an Zähnisch wandte, «erlangte er »liiere« Kredit? Jähussch erhob fich kalt und förmlich und toa» er sagte, hörte Robert deutlich:
»Ich bedauere, bar Kredit, den ich Ihne« geben kann, gehr nicht weiter. Ich habe Sie schon um einige Hundert überschätzt."
Rolf sprang wütend auf.
^Was sagen Str? — Sir! Sie haben mich über-
.«erstehen Sie wohl," bemerkte Jähnisch mit Ruhe, .Ihre Vermöaentverhältnjffe — ich unterlass- Hk, »ick davon vorerst »n vergewisser« — find nicht derart, daß ich '.hnen wettere Summen vorschieße« kann."
Drmit gvg er und mit ihm die Andere«, nur Robert und Söller bliebe«.
Rolf faßte die Stuhllehne, al« wolle er in seiner Wut irgend etwa» dem kalten Geschäftsmann nach schlenkern.
Söller hl-tt dm Berauschte« »«rück.
»Sin Jude ist er," brüllte dieser und schüttelle die 8»st.
Rolf Mario! zum Sekundanten haben wollen, und dann möchte ick ihm legen, daß ich daS Borrecht habe, Ihne» dienen zu können."
Danach «rat eine beengende Stille ein. Der Leut Bant wußte nicht, toaL er von diesem unbeweglichen Manne vor fich halten sollre. Da faßte dieser ihn (1 beiden Schultern m d schob ihn einen Schritt zurück n den Lichtkreis bet Garflunme.
.Hatte« Sie m.ch feer Feigheit fähig, Leutnant Söller?" schlug die vibrierende Stimme de» Dfty.er» an fein Ohr, und dessen Blick schien fich in Stiller» Seele einbobren zu wollen.
»Beim Jupiters Dreimal nun! Da» ist eine ber* dämmt -unangenehme Fmg?. Herr Kamerad."
»Nun denn, so totffm Sie: Ich werde mich nicht mit »einem Vetter schlagen," versetzte Robert mit ester Stimme, wandte fich hinweg und trat au» öenster.
„Sie werden fich nicht schlagen?" stammelte de» Leutnant und »iß seine Augen weit auf „Da» heißt. Sie werden fich also mit ihm schießen i" Er näherte ich dem Unbeweglichen. „@8 ist auch meine Ansicht, saß der Antgieich nur mit Pistolen erzielt werden an» Herr Kamerad, ich stehe Ihnen zur Ber» Ügnng."
De» Leut nontS Stimme hatte schon etwas Fremde»» Erstaunte». Danach kehtte fich ihm Robert mit ben Worten zu:
«Sie hören jo, ich »erbe mich nicht mit ibm duellieren," vnd hakig fügte er hinzu: »Was wolle« Sie bei»? S'll ich ihn wie einen Hund nieder» chießeu, der nicht» von der W ffe kennt? Ich, der leitete, der Verständigere, ich soll ihn niederftechen, >er berauscht und urzmechoung»iäh g war?“ Er neigte ich, heiser vor 6rregueg, dem Regimentskameraden n. .Ich will Zhueu noch da» Eu e sagen. Er ist hr einyget 9m*er und fi.- ist meine 8-aut. Soll ick ihr Glück vernichte« r-nfe das meintg-? Leutnant Söller, ich bin feige in de« Einen: Ich toiC mein Glück nicht «st eigener Hm d zerstören!"
lFvttsetztirg folgt.)
Da faßte ihn Rodert bei der Schulter.
,WaS feist Du?" frua er mit vor Erregung bebender Sti«mt», „Du, Rolf Marios, der Du Dir jolche« sagen lassen mußt?"
Heftig riß dieser fich los, sodaß er in» Schwanken kam und schlug dem O fifler ins Gesicht.
Wie erstarrt fLnb Leutnant Söller da und brachte nut da» eine hervor: „Na!"
Leichenblaß fuhr Robert zurück.
Er seh Söller» Brick mit eigenem Ausdruck auf fich gerichtet, und nun wußte er, daß er vor der gefürchteten schrecklichen Wahl stand.
Seine Hand zuckte nach der Seite, wo sonst sein Säb-l hing — da glaubte er den gellenden Rus der geliebten Stimme zu hören:
.Robert töte ihn nicht, Du vernichtest unser Glück l"
Sin Zittern überlies feinen Körper. St wandte fich um und rannte hinaus in die kalte, stLÜnssche Nacht.
^Donnerwetter", sagte Leutnant Söller und schüt- tette Rolf teim Ann, ,toa8 haben @$e ««gerichtet? Da ist nur ein An»weg."
Iber et sprach zu einem Berauschten, der die Herrschaft Über fich selbst nicht mchr besaß. So holte et denn eine Droschke und schaffte ihn nach seinem Qnartter.
Wie ein Wahnfinniger stürmte Robert durch die vachtstcklen Straßen. An den Häusern waren die Lädm herabgelassen und die Haustüren berranuneü. Mit glanzlosen Augen starrte er die öden Häuserfronten entlang. Diese düstere Abgeschlossenheit schien idm wie eine kalte Abweisung in seinem qualvollen Zustande. Den wilden Aufruhr tn seinem Innern körnte er nicht in ben kalten Wänden seiner Stabe b-kämpfen, so irrte er durch die unfreundlichen Straßen, wo die Wafferlachen standen und wo an den weniger betretenen Stellen bet Wind ben übrig- geblieben»« Schnee in Haufen zniammentrieb. Die kalte Lutt blie» ihm in» Geficht, aber darin brannte e» wie die Glut im Ofen, da» Mal bet Kränkung, ber llneh-e, bet Ennebrignng, Hervorgernfen durch bie
Zuldaer
verantwortlich«
Erscheint täglich, mit Aurnahme d« $o«n« und Zeiertage. viertel- jährl. Vezngspreis ohne Vringeriotzn und Bestellgeld in Zulda unb auswärts 1 Mk. 50 pfg.
8chriftieiter:Zof.vamn
J. KÄsrn«. wochendella,«: „Illustnette Sonntagszeitung
An,eigene Mi «iw- fpaltige Petitzeile ebw deren Raum 15 pfg. Reklamen die pelitzetw 25 pfg; bei Wieben. Holungen wirb enssp«. Rabatt gewährt.
Druck unb Verlag bef ZuldaerAetiendruckerck in Mba (Harmonie), Fernsprecher Nr. tt.
Zeitun
Monatrdevage: „Wdaer Seschichtzblätter".