Maer
Zeitung
Fulda, Mittwoch, den 4. Januar 1905.
32. Jahrgang.
Druck wib Verlag bet zolbaerSctieubruckeret
verantworUich« rqristleiter:I»,.V«t« tat bie jMfeiate J. parzeller in Zulba.
rrtchcM tRgttH.lM Ausnahme btt Senn« enb Stiertage. öiertd» fthrl. vezugsprei, ahne Sringtrlahn xnb BefteUgelb in $ulba nnb «MSWätts 1M. so Pta,
Injeigeit: Vie ein» tpaltige Petitzeile ober deren «mm ts Pfg. Reklamen bie Petitzeile 25 Pfg ; bei wiedet- holnngen wirb entspr. Rabatt gewährt.
) Der Satt Pott Atthurr
Dir Erobere Port Arthurs bildet für dir Japaner die hauptsächlichste @en«gtuung im ost- astatische« Ä liege, der in der Hauptsache unter» vommeu wurde, um sich die Frucht der Siege über die Chinesen im Jahre 1894 rndgiltig zu ^hern, nachdem die Koalttton der Mächte Port Arthur den Japanern im Jahre 1895 zugunsten Rußlands wieder entrissen batte.
Schon der umsichtige chinesische Staatsmann Lihungtschang erkannte den großen strategischen Wert Port Arthurs, das er mit großen Opfern W einem Kriegshafen ersten Ranges ausbauen und auch auf der Landse'te stark be- festigen ließ. Nur die bekannte Feigheit und sträfliche Nachlässigkeit der Chinesen machte es den Japanern möglich, am 22. November 1894 nach kurzer Beschießung den Platz zu erobern. Nach dem Fff-üensoer trag von Schimor-oseli sollte Port Arthur mit der parzen Halbinsel Liauton.r den Japanern zufallen, de«en dann dieser Eiegesprets durch daS Emaretfen R- ß- lands, Frankreichs und Deatichlaübs enir ffe» wurde. Russiiche Kriegsschiffe fuhren in oen Hafen ein, machten klar zum Geftcht und zwangen die Japaner, sich zurückzupehen. Am 18. De zernber 1897 wurde ba«n Port Archur mit dem Kwantunggebiet von Rußland China auf 25 Jahre „obgepachtet", d. tz. die Ruffen setzten sich dauernd, wie sie glaubten, dort fest, froh, «unmehr in Oftustrn einen immer eisfreien Hase« als Flottenstützpunkt gewom en zu haben. Millionen von Rudeln wurden daraus verwandt, um aus Port Arthur eine furchtbare Festung zu machen uns um neben der polüisch-miltränschen auch die wirtschaftliche He»,schäft des Zarenreiches in ehemals chinesi chen Gebiete« za fichern. Nicht weniger als 56, zum T-il mit sechszölligem Panzer bekleidete Forts murren angelegt. Im Hffen lag bri Ausbruch des Krieges der beste Leit des russischen oftastat'.lchen Geschwaders. Statthalter Abxejew r-stdterte in Port Arthur als Stellvertreter des Kasse,8
Es würde zu wett führe«, wollt?« wir heute einen Röck »lick auf die um die Eroberung von Port Arthur sich drehenden Vorgänge werfen. ®ene*-al Stöffel hat sich verzweifelt gewehrt und dem Feinde j *oe« Fußbreit Bodens streitig gemacht. Wiederholt wurde von den Japanern der Fall Port Arthurs als nahe deoorstetzend bezeichnet, aber der Wunsch blies immer der Vater vieses Gedankens. A«ch die Hoffnung der Japaner, daS eroberte Port Arthur am 3. November dem Kaiser als Geburtstagsgeschenk avzubieten, erwies sich als eitel. Der November mußte zu Ende gehen, ehe die Belagerer den ersten größeren Er fslgchmchdie Erstürmung des 2y3 Meter- Hügels im Nord westen von Port Arthur errangen. Von dort aus waren die ganze Stadt und der Hasen bequem zu überschauen, bie Japaner brachten sofort schwere Geschütze in die Position und vernichtete« mit ihren Granaten die im Hasen liegenden hilflose« russischen Pin- zerschiffe. Der „S wrstopol" wurde noch deion- ders hurdi einen To»p»dian<mff von der See
Woberts GHre.
Erzählung aus der Gegenwart von Alca Ruth.
16 ------ (Nachdruck verboten )
Beschleunigen Schrattes eilte der O fizler derweil tot die Straße weiter. An oer Kirche vorüber- kommend, verglich er feint U>r mit dem Zri-ie' stand der Turwu rr und fa-d, daß E le nicht so Nt tat, wie fei« guter Bursche glaubte. So mäßiate er seinen Schritt und nahm sich die Zech s-inen hastig üb:rge- WotttHCB Mantel zuzuknöpsen. Da meinte er, fich ange'Ufen zu kören.
„Bitte, Herr Beding.*
Es war eine FrauevstimWe, und daS erstaunte ihn noch wehr. Schnell wandte e sich um und sah sich einem städtisch gekleideten jnnq.n Siebten gegenüber, dessen äußere Erscheinung, uotz aller A flrengung. «icht d-e Dame bei riet
„Herr Meding," sagte sie hatbllise, „ich müßte mit Jh -n sprechen."
Er fach e ihr Gesicht durch d-n weißen Schl-irr, der es vervöll-e, zu e»kennen
„Ich bedauere ftbr," meinte er, „aber ich weiß «ichl eir mal, wer Sir find "
„£)*, machte sie, mit ikrem Schirm in den Schnee bohrend, „Herr Wrdi«g hat wich schon als ktii e» Ki-d eis mal aus dem Schote g'hrbt, aber n<m sind Sie 'chva so lange von Malo stör fort, Laß Sie dns L>eichen Vorn E gel richt m H kennn."
„Ja — huh erinnere ich wich. Darf ich wissen, was Sie zü mir stchrt? Ich muß nämlich rtir Kasern« imb bebaute sehr, Ihnen so kurzer Gehör geben $8 wt ffen.
„Er ist schnell gesagt," versetzte sie, durch seine kühle Z «rück Hal tun a geärgert, „Ihr Herr Beller hat mir nach und nach Über hundert Mark hei ankgrschwivdrlt
her zsgesetzt. Such j tzr doch hielte« die tapferen Sereibiger mutig stand. Erst tn de« letzten Dezembertage« machten bie Japaner wertere Fortschritte. Am 20. Dezember wurde im Osten das Krkwan-Forts erobere. Im Westen setzte sich die jopamsche BelagerungSarrnee in beherr- schende Stellungen an der Taubenbucht fest. Am 23. Dezember wurden wichtige Anhöhen im Weste« von Port Arthur erstürmt, roobd drei russische Generäle fielen. Der tapfere Oberbefehlshaber der Ruff»«, General Stöffel, der bereits zweimal durch Gewehrkugeln verwundet worben war, soll in diesem Kampfe eine neue Verletzung durch einen Sturz mit dem Pfer e erlitten haben. Von der Ostfront kamen immer mehr Nachrichten über die gu'en Fo t'chrttte der japanischen M« «arbeiten. Am 27. D-zbr. wurde die erste Bresche in den Hauptsoris- gürtel geschlagen durch die E oderung Erlung- schass im Osten, wobei die Japaner einen Verlust von lausend Mann und ziemlich hundert Offiziere« zu beklagen batten. Aus der Ver. öff-ntlichung emeS den Japanern in dir Hände gefallenen Brüses eines russischen Schiff?osstziers ergab sich, daß bie Festung itibon damals unhaltbar geworden war. Die Eroberung weüerer Forts in d-n letzten Tagen gab bann der stolzen Fest« den Rest, nachdem ihr heldenmütiger Verteidiger, General Stöffel, selbst jeden weiteren Widerstand als zwecklos bezeichnet hatte.
Der Fall Pott Arthurs wird wohl nicht ohne Einfluß auf die gesamte Kriegslage bleiben, da Rußland, einerseits augenscheinlich außerstande, Port Arthur aus dem Seern ge wieder in feine Gewalt zu bringen, anbei, vits angesichts der Mauer, welche bte Armee Oyamas vor derjenigen Kuropatkms bisher, in den nächsten Tagen roch verstärkt durch Nogis Armee, ernstlich mit sich zu Rate gehen muß, wobi« eine Fortsetzung des dazu im eigenen Lande gar8 m sympathischen Kliegks eigentlich führen soll. In Japan hat man sich zwar auf eine mehrjährige Dau-r des Kampfes um die poisti che Existenz gesüßt gemacht, die Einnahme Port AnhurS nach so riesigen Opfern an Blut wird ober wohl durch die tn ihr liegende Befriedigung der Hauptforderung nationale« Eyr- geizes auch auf dieser Seite E wägungm drr Vorzüge einer diplomatischen Auseinandersetzung mit Rußland die Bohn öffnen.
Deuffches Reich.
Berlin, den 3. Januar 1905.
** Fürst Ferdinand von Bulgarien war, wte, offerbar aus bulgarischer Quelle, der ,Polit. Konesp.' berichtet wird, anläßlich seiner Anwesenheit bei ben Beifetzungsfeierlichkeiten für die verstorbene Herzogin Attxanbrine von Koburg- Gotha Gegenstand befonbeter Aufmerksamkeit von seten des Kaisers Wilhelm. Der Kaiser hatte bei dieser Feierlichkeit die große Collane des bulgarische« Alexander-Ordens angelegt. Er halte innerhalb zweiundeinhalb Stunden mit dem Fürste« drei Belprechrnaev, deren erste fast eine
u«d nun zirht er sich zurück und glaubt, ich lasse wich abspesies wie eine Dir, e."
„Fräulein Liese, ich bitte Sie!"
„®te w ssen vttll-icht nicht," fahr sie erregt fort, „daß er mir vom Heiraten sprach und fi.h wie toll stellte, wenn ich ihm den Laufpaß geben wollte. Ich kann nämlich rock andere Partien wachen, als einen verschuldeten Gehermatssohn. Nach z hn I hren wollte er wich betraten und schwätzte mir unter solchen Borspiegelungen mein G ld betau». Damit st-llte er sich großarttg und kaufte Geschenke u-.b tun höre ich, daß er auch noch einer Tyeoterdawe den Hof machte. DaS lasse ich mir nicht gefallen, und da er fich nun zurücklätt, fühle ich mich gezwungei-, mit Ihnen dar- über zu spr-cheu; vielleicht Haden Sie nicht gern, wenn ich die fäubne Geschickte seinem Ba'er schreibe."
„Tun Sie das nicht," st 4 er host g em, denn er dach.e an die Seiltbte, „was möglich ist, wird für Sir geschehen. Entschuldige» Sir, meine Zeit ist um "
Er nickte kalt und ließ fir stehen.
Sie to« wütend und ging über den freien P ctz an der Ki che im ingrimmiqsien S lbstgespröch- Sie sah gar nicht einmol, daß jemand neben fir trat u«d mit ihr glech-n 8ch-i-l zu hsl'ea suckte. E-st als fie sich angestoßen fühlte, erblicke fie Rolf, der sie Höhnisch anlcchte.
,No, Mädel, Du liebst die Veränderung; von der Humen Mütze ans den bunten Rrck. aber n.nke Dtt's, er ist keiner von deren, d:e an der Enxeü-e^' e!waS Anziehen "cs finden. Wenn diesen ein Tröpfchen W sser bespr-tz«, daun fetzt er fich schnell Hütter dm O en und läßt fich tudnen.
„Bolltttt.t bot er die b.ssere Manin, daß ’t mir auS Vrrwcmttlchaft zu Dir mein Ged zmückgibt," erwiderte fie ihm lp p.
,L-ho, b<« srugst Du ihn! Na, meineiwegen laß Dick bezahlen, so können wir beide ohne G-oll von reuem beginnen. Ich habe für Dich, Evgelkiid, doch >mmer noch eine Schwäche."
Smns« dauerte. Ferner zeichnete der Kaiser wäyrenb der Frühstückstafel ben Fürsten Ferdinand besonders au», intern er fich fast unausgesetzt mit ihm unterhielt.
** Heute routbe im Abgeordnetenhause daS Verzeichnis der mnerledigte« Vorlage« auSgegeben. An Gesetz-ntwürfe« harre« noch 12 des Abschlüsse»; ein vom Abgeordnetenha se erledigter Entwurf (Regelung der Hochwaffer- usw. Verhältniffe an der oberen und mittlere« Oder) liegt dem Herrenhause vor. Ferner find noch za rrlediqe« drst Rechnungen und Denkschriften, 39 Anträge von Mitgliedern des Hauses, darunter 16, die noch nicht im Plenum beraten worden find, und 23, bie in Kommissionen sticken. Von ben bis Ende Dezember v. I. eingegangenen 3548 Bittschriften flnb~2100 in Kommission und Plenum erledigt, 381 von Kommissionen zur Plenarbkratung vorbrrrilrt.
§ Gine Interessante litterarische Veröffentlichung w-rd von einer Korrefpondenz angetünbißt. I« nächster Zeit, voraussichtlich im Monat Februar, erscheint eine Sammlung von Briefen aus dem Nachlaffe des verstorbenen Frei- herrn Wilhelm von Hammerstein, des l'LNpjährip'N Führers der Koniervatioe« und ehemaligen Chefredakteurs der.Kreuzzeitung'. Die Sammlung enthält eine Reihe von Briefen, bie namhafte Staatsmänner an Hammerstein gerichtet haben, unb ferner des Verstorbenen persönliche Aufzeichnungen. Während die letztere« Hammersteins eigenen Strafprozeß behandeln, liefern die Briefe der Staatsmänner — unter diese« solche von Siaatsminister o. Putt- kawer und v. Rauchhaupt — Beiträge zur po- liti chen Zeitgeschichte mit Aufklärungen Über verschiedene Vorgänge der letzten Jahrzehnte, so übet die Entlassung Puttkamers und dir Gtel- lungrmhme des jetzigen Kaisers unb Bismarcks dazu. Auch Briefe, die auf Grund authentischer Quellen Nachrichten über bie l>tztrn Lebenslage unb den Tod Königs Ludwig von Bayern enthalten, brsinden fich in dieser Sammlung Ein Berliner Polizist wurde seitens der Familie Hammerstein mit der Herausgabe der Briefe betraut, die auf spezielle« Wunsch des verstorbene« Freih?rm geschieht.
• Zu dem Streit über de« guten Ton in der sozialdemokratischen Presse nimmt Genosse Parvus nochmals das Wort. Er gibt zu, daß Genosse Mehring sich diesmal in seiner Polemik gegen bk« .Vorwärts" verhauen habe. Weiter führt er auS: „®8 war vor allem taktisch verfehlt, die Affären Krupp unb Kaiserinssl, die uns einen erbitterte« Kamps mit den Gegnern gekostet habe«, gegen den »Vorwärts^ in daS Feld zu führen. Das war ebenso unangebracht, wie es seitens derFraklion unangebracht war, die »Leipziger Volkszeitung' vor den Reichstag zu diskreditiere«. Desgleichen war der Vergleich mit dem Minister Hammer- fttin bepleeiert — wir binden urs ja dadurch selbst die Hände in unserem Kampf gegen diesen. Die Partei geht freilich darob nicht zu Grunde. Wir können in allen diese« Fällen unsere Position behaupten, und daß wir neues agi-
„Glb Dir keine Mühe, wir beide find fertig mit- fammen," und sie trat einen Schritt voll ihm weg.
Er ging ihr vach.
„Ach waS, lu nicht so entrüfiet. Du brätst im A-rger, daß ich in der letzten Z-it Dich etwas in die Eck« stellte. Tu mußt dies LwpfirdUchsem ableg-n, Mädel, so zahm wie der Gelbhaarige von Malwstvr bin ich nicht. Sorge auch, daß Deine Söckchen rosig blnben, denn io lange Du daS siische Röschen bist, hällst Tu wich. W-hrha'tig Lieschen, ich liebe Dich trotz meiner Tollheiten."
Er lachte fie an, und obschon fie's zu verbergen suchte, sie war sehr geschmeichelt, daß der schöne, flotte Grheiwratsohn so fest an ihr halten wollte.
Bis zur Fontaine ging er mit ihr, und dann war vollständig Fnede grich'ossen.
Aui dem Ka'ernenhvfe trat der Oberst zu Robert.
„Sie wissen p wohl schon, daß unter ft.'elet Hauptmann frtarn Abschied geuowwen, um bte Erb- schafr, bte ihm seitens eines OakrlS zugeiall n, nämlich ein Rittergut, vi bewirffchaiten. Hat zu viel Schmio zu etrem L-ändjunkrr, btt HaLpiwann. Na, wir trrff.-n uns ja wrhl rro-g-n beim L-ebesmahl? Zm Regiment ist sua eine Lücke Ich glaube, wein lieber Wcdwg, Sie Pässen.gerade hiveiu", und mit bedeu'uatzLvollem Zulächeln gttg der Obnst davon.
NikwslS zuvor schritt Robert mit io gehobenen Gisüh'rn durch da- Tor der Kaserne. Wo rechts und lidte Vie firawmrs Buffche«! faiutkrenb an ihm vor- über 6c(fetter, da nickte er ihnen fo freundlich zu, daß sie uße die uvbändise Freud e In feines leuchtenden Augen ousbl.tzeu sahen. D.r Ernst öeS LrtenS war fo ttuh au ihn heran grtrtHn, daß er um einen karcen Teil semrS TaservS i» slückttchkr Sotgkftfi!ttt vttträcm», mm fuhr e» so glückverh-ffend iu ihn, daß er wieder Träume spa-n — und wahrhaftig, er baute Luftschlösser. Mit stillem, seligem LLcheln schaute er vor sich cuf be8 Pflaster, wie eiter, der in einer asb tn Welt wartest und Gehör und Sirpfitiurg für die WirNichkeir verloren Hot. 6r
tator.fj>e6 Material bekomme«, dafür so-ge* ja unfere Gegner recht fie-ßig. Aber zu ver' weide« war eS. Das muß konstatiert werden- Doch wenn wir gerecht sein wollen, dürf-n wir auch dir Umstände nicht außer acht lassen, bie Genosse M hriug zu dieser Entgleisung geführt haben. Der,BaiwärtS' hat wtt Mitteln gekämpft, die durchaus verwerflich stvd unb Mehring auf's äußerste reizen mußte«. Er hat bie Sache so hingefietit. als wenn die Redaktton der .Leipziser Bolksz- itung' und wir olle die für den strittigen Artikel ein traten, nichts anderes als Schimpfbolde wären, die fick an @u nm« späßen gefallen. ,Xibleientum in Worten", „tn« haltlose Phrasenhafttgkeif — das sei es, wofür wir eintraten. Nun wohl, so hat den N-ttkel bet .Leipziger Volkszeitung' Graf Bü!ow auf- gefaßt, dem steht es an. Von unserem Zentral- organ durfte wu« aber verlange«, daß es nicht bloß daS Bülow'sche Zitat vor ben Augen bat, sondern, bevor es daS Wort ergreift, den Artikel selbst liest und bie Kraststellen in ihrem sachlichen Zusammenhang nimmt. Dem .Vorwärts ist bie|et Vorwurf nicht zu ersparen, baß er sich krittkioS das Urteil unserer Gegner über den Artikel andgnete und in die gleiche Kerb« mit ihnen einschlug. Der .Vorwärts' bat aber noch ein übriges getan. Er hat die bekannten Vorgänge in der Vorstandsfitzuug ausgenützt, um Mehring gegen Jaeckh auszuipielen. Wat das unumgänglich? War dcs nötig? Welche« anderen Zweck hat es aehabt, als — bte Persönlichkeiten zu diskreditieren, Unfrieden in bet Redaktion zu stiften? Mehring wurde dadurch zu der schärfsten Polemik gezwungen. Er stand vor der Wahl, entweder seinen Redoktiors- tcliegen Jaeckh preiSzugebe«, oder mit aller Energie gegen den.Vorwärts' auszutreten. DaS find unleiblitbe Dinge “
* Die wissenschaftliche Weiterbildung der Volksschnllehrer. Zur Frage bei wiff-n- schaftllchen Wemrdttdung der Volksschullehrer hat der Kultusminister anläßlich eines Falles, in dem es sich um eie französrsche Sprache als Fach freiwilliger Fortbildung bei einer zw iten Lehre« Prüfung hcndelte, in einem Bescheide ar eine Bezirksregierung sich in bemerkensw.rtkt Weise geäußert:
SS wird zunächst baran festgehatte», daß jeder »> prüfende L-Hret nach der neuen Ordnung für bii zweite Lthierprvfuvg n cht nur die vorgefchrtebene» Lnforderuvgen zu erfüllen Hai, sonder» fick anßerde» noch über den Umfang und Inhalt seiner Urb-iten ii der jenigen Fache au!weisen soll, iu dem er sich noch seiner Angabe besonders weitetgebUbet hat. Diese Anordnung bezweckt, rote in dem ministeriellen Bescheide hertorgehvben wird, hauptsächlich den jüngeren Lehrern Anrezung zu selbständiger Forrbtldung ans wissenschaftlichem Gebiet in einem ihrer Wahl überlassenen Fache zu gern, für daS sie besondere Neigung besitzen. 6tne ausreichende Beravlassung, hiervon die sranzöstiche Sprache auSzuschltrßen, mit der fich die Lehrer während ihrer Ausbildung in der Kräparandenaastalt und im Seminar bdanit gemacht haben, liegt nicht vor.
*— I« Frankfurt a. M. halte bei ben letzte« Stabtoerorbnetenwahle« dis „Freie Eoangelische VolkSvernnigung" mit der Mittel- staubsoereinigung, sowie mit ben Katholiken stellte fich vor, wie ihn rmn bald kein kalter, unfreundliche- Zimmer wehr erwarten würbe unb nickt mehr ein ungeschickter Bursche ihn vom Morgen! ffee auftreibe. In, rost er nicht schon auf dem Wege nach dem trauittzen Heim? Wartet nicht cm Fenster schon bie ©tlietie, bte er tun feine Frau Hauptmann nannte, auf ihn? Usb er beschleunigte seinen Schritt, benn fie schalt so !i-b, wenn er fie warte« liest, unb er flsg die Teppen hinauf und streckte ten Kopf durch die Türe, und fie zoz ihn mit inniger Umarmung herein und auf dar Sopha. Hah, wie er ba fich behaglich reckte in dem dmchwärmien Zimmer, uno fah ben fljuken Finger ehe« zu, bie auf dem Kaff-etische hantierten und — ja vielleicht strich fie ihm das Brötchen feibfi und erzählte ihm habet ihre Erlebnisse. Sch, welch defcheidveS Gluck uns doch — er hätte auf rffmer Srraße einen Fceudensprung tun mögen, fo toilb u >d jubelnd klang es in ihm. ,
»Morgen Kamerad I' riß ihn ba bie Summe SölleiS i"u8 ollen Himmeln. „Eie scheine« am hell- iichjea Tig- nicht mehr zu sehen. Kommen doch morgen zum LiebeSmahl?"
„Ja nun, natürlich,' lachte er btn verbluff-en Lemaant an und eitle cd* er. ♦ *
DaS LiebeSmahl hatte die äußerst- Grenze leistungsfähiger MilstäiS erreicht, a!S Leutrant Söller vir L tzie» ziif-mn'emt.ff e und mir ihnen zum Klubkasse zog, wo b m C vil noch d-r SpiuSel einer sekffttigen SriMNUvg gewidmet sek sollte. S-e lrüfen. dvrt r och einige Ossiznre vom Liebe-mrhl, die fich früher zu- rückgezogm hatten, ns »ihr Spiel'* zu m dien oeer ihrer Gewoheheil gemäß die aufliegenden Zkttungen dmchzulesen unb all d«m Genossenen noch einen beruhigenden Csgrec uackzmchtcken.
Zu diesen gehörte auch Robert, dessen fröhliche Stimmung fich absolut nicht in nüchrerrer Erwägung rach Hause in daS kalte, dualle Heim trogen li ß. Aber noch ei» anderer Grund hielt ihn zurück. Au der Seite JShvi'ch'S saß Rolf wieder beim «Piel, uv»