31. Jahrgang,
KULa, Freitag, den 30. Dezember 1904-
M 299
(Nachdruck verboten.)
schränkte« Wahlrecht wesentlich besser geroktt bäite, erscheint unS gleichfalls sehr fraglich. W»r glauben, es würde in einem russischen Parlamente sehr bald alles drunter und drüber gehen, weil die geschichtliche Vorbereitung und Schulung für parlamentarische Einrichtungen dem Volke vollständig fehlt und der Charakter, die Zuoer- äsfigkeit und Ehrlichkeit auch in den Kreisen der Gebildeten noch gar zu viel zu wünschen.übrig äßt. , u r „
Der Erlaß des Zaren bekundet zederfalls einen aufrichtigen Willen, Besserung herbeizu- ühren. Wir wenigstens vermögen nicht einzusehen, warum man en diesem aufrichtigen Willen troetfeln sollte. Os nun aber das, waS er an- kündigt, wirklich Besserung dringen wird, ist freilich ehe andere Frage. Zum Teil ist es in so unbestimmtem Ausdrucke gehalten, daß man einstweilen nicht weß. waS man sich unter den an- gekür.digten Maßnahmen vorzustellen hat. Was oll eigentlich für de» Bauernstand geschehen? Welche erweiterten Befugnisse find den Selbstverwaltungskörpern zugedacht? Sehr erfreulich ist die Ankündigung, daß die Gleichheit aller vor dem Gesetze dmchgesührt werden, die administrative Willkür eingeschränkt, der Presse größere Be- wegungSsreiheit, dm verschiedenen Religionsbe- kenninissen größere Duldsamkeit gewährt, die staatliche Arbeiteroersicherung eingeführt werden soll. Aber abgesehen davon, daß diese Reformen zum Teil in schr verklausulierter Form angekündigt werden, wo ist die Bürgschaft, daß der Wille deS Zaren auch wirklich beachtet wird? Es fehlt in Rußland an dem zuverlässigen, gewissenhafter, Beamtentum, dessen ein Kulturttagt bedarf. Sollen wir glauben, daß dir an Bestechlichkeit und Willkür vom Gendarmen bis zum Gouverneur hinauf gewohnte Beamtenschaft stch nun auf einmal an Recht und Gesetz halten, die per- önlicke Freiheit achten werde? Der Punkt 1 des Erlasses spricht sehe gut von «wirksamen Maßnahmen zum Schutze der vollen Kraft des Msetzes als der wichitasten Stütze des Thrones" unb davon, daß alle Obrigkeiten es als ihre Pflicht anzuseden hätten, das Gesetz zu erfüllen und daß sie für jede willkürliche Handlung zur Veraniworlung gezogen werden müßten. Aber da« steht auf dem Papier; in der Wirklichkeit wird es in der Hauptsache bleiben, wie es ist. Der Zar müßte schon das ganze Beamtentum auswechseln und durch ein besseres ersetzen können, wenn man der angekündigten Reformen sicher sein wollte. ist vollständig ohnmächtig gegenüber der Willkür seiner Beamten. Wer kontrolliert denn diese? Wer darf es wagen, sich über einen von ihnen zu beschweren, da sie einen förmlichen Ring gegen die Bevölkerung bilden?
Mit dem Erlaß wird also schon deshalb die Zufriedenheit im russischen Volke nicht leicht wiederhergestellt werden können, weil man nicht an die Verwirklichung der Reformen glauben wird. Ein eigentümliches Gegenstück zu der Kundgebung des Zaren bildet der Regierungserlaß, worin die Sernst- wos nnd Stadträte wegen ihrer Reformforderungen abgekanzelt und mit Strafen bedroht werden.
UoSerts KHre.
ErzWung au- der Gegenwart von Alca Ruth.
Snzeigenr Vie spaltlge petitzeile ob* deren Kamt 15 psG. Reklamen dl« Petitzeür 25 Pffl.; del wieder- Holungen wird entspe.
Rabatt gewährt.
Druck und Verlag der Kuldaer Actiendruckerv in Hulda (Harmonie;
Zernsprecher Rr.
[:] Das Jahr
i.
Tas Jahr, das morgen Abschied auf Nimmer- wied»sehen nimmt, hat uns in politischer Hinsicht mehr unerfreuliche als e.fteuliche Dinge gebracht; insbesondere hat es an Zwistigkeiten nicht gefehlt. Mit einer Störung des äußeren Friedens hat eSuns glücklicherweise verschont, wenn wir von den Eingeborenen» Aufständen in Südwestafrika absehen, deren Anfang schon das Vorjahr gebracht hatte und deren Ende nach schweren Opfern an Menschenleben und Geld uns das nächste Jahr hoffentlich recht bald bescheren wird. An Anfeindungen von unser» lieben Nachbarn hat eS uns freilich das ganze Jahr hindurch nicht gefehlt, besonders haben unsere lieben Vettern jenseits des Kanals es stch eifrig angelegen sein lasten, durch Verleumdung und Verdächtigung der deutschen Politik uns ln Streit mit andern Mächten zu verwick ln; wir haben auch infolge deS ruffisch-japanischen Krieges ein paar Verdrießlichkeiten zu Master gehabt, aber die Gefahr eines ernsten Zerwürfnisses ist nie in Sicht gekommen. Wir können sogar mit Genugtuung verzeichnen, daß durch die EchiedSgerichtab- kowmen mit England und Nordamerika die Möglichkeiten eines Krieges vermindert worden sind.
Desto mehr aber haben wir durch den inneren Hader zu leiden gehabt. An erster St-ve ist da der konfessionelle Hader zu beklagen, den der Evangelische Bund immer skrupelloser schürt. Hatte er schon das Vorjahr hindurch den protestantischen Fanatismus wegen der angekündigten Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes mit allen Mitteln zu entflammen gesucht, so wurde er vollends «wild-, als der Bundesrat am 8. März d. Js. b:e Aufhebung, die man schon hintertrieben zu haben glaubte, tatsächlich (mit 29 gegen 25 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen) beschloß. Eine prukrisch so avt wie wertlose Verfügung des preußischen Kultusministers vom 23. Januar, welche die Grrlchttmg Mariantscher Kongregationen an höheren Schulen „gestattet", tat noch ein übriges, um eine krankhafte Jesuitenangst in gewissen Kreisen zum AuSbruch kommen zu lasten. Verschiedene tapfere Regierungen, die schon früher auS seiger Nachgiebigkeit gegenüber den unduldsamen Schreiern versprochen hatten, gegen die Anfhebung des § 2 stimmen zu wollen, beeilten sich alSbald, vom Reichskanzler abzurücken und zu erklären, daß sie mit Nein gestimmt hätten. Mit komischer Wichtigtuerei geberdete man sich in Sachsen, Thüringen und anderen Nestern protestantischer Duldsamkeit auch, als wolle man Anstalten treffen, die schreckliche Invasion des Jesuitenheeres abzuwehren.
Der Evangelische Bund veranstaltete natürlich Protestoersammlungen, ließ die Synoden wieder resolvieren, machte den Eoan- gelischen Kirchenausschuß mobil, kurzum, tat alle-, nm die protestantische Bevölkerung gegen den Reichskanzler, die BundeSratSmehrheit und die Katholiken zu verhetzen und den friedliebenden
JWm grau so düster wie Riobe, eine Cornelia ebw auch nur ein „späte- Mädchen", puh" — mur- e« im Hinab«!en.
Inzwischen dachte Jdalie: „Der gefällt mir nicht al- Freund Rost». O Gott, üt welcher Umgebung lebt de» Junge!"
Sie setzte stch ganz erschöpft nitbet und stützte den Kopf in die Hand. ffia» sollte sie nun machen? ‘»tat Vater alle- verschweigen und ihn schonen! Ä^er e mußte doch mit jemanden darüber reden und sich t '-sprechen. Durste sie da- Uebck weiter gedeihen ll ffk»- Dann konnte man ihr mtt Recht om Ende eite Schuld beimkffen. Würde not Rolf ihren Ermahnungen nnd via« zugänglich sein I Sie fürchtete Akin. Sch! sie fürchtete jetzt alle-. Die liebraswür- dige Hau-wirtm trat ein rwd räumte die Taffe weg.
De* schmucke Leutnant war hier oben," begann sie heiter, „ein lieber Mensch, der stet» zu Spaß« aufgelegt ist."
sch hört,, daß er der Freund meine» Bruder- ist."
Jtab da» scheint Ihnen nicht zu gefall«?"
Avittle deutete mtt einer verächtlichen Handbe- wegnnG nach den abqeriffenen Zeichnung«: .Da» sind wcchrichetalcch die Folg«, dieser Frennd'chast'
,0)0, machte die Frau gedehnt, ,®te hab« ihm Re vstder zerstört. Da» wird er Ihn« sehr, sehr übel nehm«. Ich tarne die jungen Lente von heute. Sem, sie dir Liaison mit einer Theaterdame roch ent* reh-ieu, sind sie in ter ersten Svtwickclnng, nachher heißt alle- „moralischer Defekt" unb darüber 86« 64 keiner mehr graue» Haar wachsen. Sie sind witWch noch schr naiv, gtäuidn."
«Sber, beste Fran," rief Jdalie empört, „ich bin.
Zuckerbrot und Peitsche werden hier dem russischen Volke so rohe beieinander gezeigt, dich man glauben lönnte, es sei mit dem Zuckerbrot der Kundgebung deS Zaren überhaupt nicht ernst gemeint. Man hat aber wohl geglaubt, durch den RegierunaSerlaß sofort energisch jede Vermutung zurückweisen zu müssen, als fei der Erlaß des Kaisers ein Zeichen von Schwäche un» Stinten größere Zugeständnisse erzielt werden, wenn man nur fortfahre, recht stürmisch zu ordern. Man verlangt jetzt, daß alles sofort verstumme und sich mit dem Gebotenen zufrieden gebe.
Ob eS gelingen wirb, die Göhr urig ewzu- dämmen, erscheint, wie gesagt, einstwellen fraglich. Eh,r wäre zu vermuten, daß die Enttäuschung über den Erlaß des Zaren sich noch verstärkt,. Kommen doch gleichzeitig mit den Meldungen Iber die Erlasse des Zaren und der Regierun- auch neue Nachrichten, welche bekunden, daß bk Wogen der Unzufriedenheit im Lande sehr hoch gehen und die Erwartungen sehr hoch gespannt waren. Rußland befindet stch in einer schweren Krisis und der arme Zar ist nichts weniger aS zu beneiden. Vielleicht haben diejenigen Recht, welche annehmen, ein Sieg in Ostafien wäre das besie Mittel, die Gefahr zu beschwören. Aus lange Zeit könnte das jetzige Regiment bet Willkür und der Verkommenheit ber Beamte« ich doch nicht mehr halten. Wenn es nicht gern gt, das Beamtentum zu reformieren, so wirtz es wahrscheinlich eine gewaltsame Explosion geben, chr das russische Volk durch ernste Er» zirhungSarbett für politische Verhältnisse reif geworden ist, die die gebildeten Kreise so leibe*« chaftlich ersehnen.
§ Russische Reformen.
Aks der Krieg mit Japan auSbrach, hegte man in den gebildeten und freiheitlich gestnnien Kreisen Rußlands weithin die Hoffnung, er werde den Anstoß zu inneren Reformen geben, wie auf den Krimkrieg die Bauernbefreiung gefolgt war. Viele wünschten sogar, daß Rußland eine Aieder- lage erleiden möge weil d-nn R-sormen um fo sicherer seien. Mitten im Kriege hat denn eise starke Bewegung eingesetzt, die den RegiereMn zeigte, wie stürmisch daS Verlangen nach größerer Freiheit ist. Fast drohend klangen die Bitten der Semstwos, Stadtvertretungen, Prosefforen, Rechtsanwälte, Studenten usw. um Reformen. Es war unmöglich, diese Bewegung unbeachtet zu laffen. Aus den scharfen Worten, mit denen der Zar in letzter Zeit mehrfach die Semstwos in ihre Schranken verwiesen hat, erkannte man aber auch schon, daß dieser nicht geneigt sei, die Hauptforderung, die Einführung einer konstitutionellen Verfassung mit Volksvertretung usw. zu bewilligen. Das Manifest, das er nunmehr er» laffen hat, konnte also in dieser Hinsicht kaum noch eine Enttäuschung bringen.
Bei dem überaus niedrigen Bildungsniveau deS weitaus größten Teils der russischen Bevölkerung, die ja zumeist des Lesens und Schreibens unkundig ist, war vernünftiger Weise nicht an die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts zu denken. Das hätte zum Chaos und zur Anarchie geführt. Und ob ein stark betete jede» anständige Mädchen fein soll, und da» verlange ich auch von meinem Bruder."
„Rann, verlang« Sie mal," erwiderte diese ge- kräutt, „Eie schein« Ihr« eigenen Bruder nicht zn tarnen," und sie ging hmau».
Gleich daraus wnrd« von neuern Schritte auf der Treppe laut, auch SSbelgeraffel, al» komme jemand im Sturmschritt die Treppe heraufgerannt.
„E» wird doch nicht wieder jmer schreckliche Leutnant feie," dachte Jdalie erschrocken ausspring«o. Da wurde die Tür aufgeriff«:
„Wirklich, da ist ste höchst selber. Ra, herzlich willkommen, liebe» Kustnch«!' und Robert schloß ste ohne weitere», vielleicht wärmer, wie e» sonst bei Verwandten üblich, iu die Arme. Die Freude der unerwartet« Wiedersehen» strahlte ihnen beiden au» feen Augen.
Da» nenne ich ein« gwck ichm Zufall," versetzte er, sie neb« sich auf» Sopha ziehend, und ihre Hand noch immer haltend, „»der ist e» Boriehüngk"
Er sah sie dabei lief ernst an. „Ich traf an der Brücke Leutnant Söller, der Rolf auffnchm will und mit Deine Anwesenheit mitteilte. Da kannst Du Dir vorpellen, wie ich durch die Straßen raffelte.
Sie sah ihn lächelnd an.
„Und ich trag in der ganz« Zett d« lös« Gedanken in mir herum, Du könntest mir zürnen."
„Warum sollte ich Dir zürn« ? Sag e» mir," drängte er, denn wenn Du weißt, warum Du wich kränklest, dann bin ich nicht ohne alle Hoffiusg."
„Geh, Robert, so etwa» kann ich doch nicht sag«," stotterte sie erröt«d.
„Sckau, warum feenn nicht? Da wußtest ja auch sou ngraiett da» Kränkende zu sag«, warum also auch nicht einmal mutig etwa» Ange-«bmeS?"
Sie kämpfte mtt ihrer Verlegenheit.
Ich kann e» wirklich nicht, Rovert."
„Wnß ich mich wirttich w -der der Geiaht einer kühl« Abfertigung Ersetz'«? S» hält so schwer, feie Bitternis zu feekämpf«, Jdalie."
„Du sprichst ja, al» hättest Du schon die Antwort."
„Jdalie, Mädchm wohinau» zielst Du? Et hatte sie au bnben Schultern gefaßt unb versuchte, in ihrem Gesicht zu les«, „sage, Jdalie, glaubst Du, mtt mtr spielen zu können?"
„Robert, sprich doch nicht so, Du weißt'» t» doch."
„Sarnichts weiß ich."
„Wie kannst Du so garstig sein!"
„Ich bitte nicht wieder."
„Wie stolz Du bist!"
„Ich kann wirklich nicht um Liebe betteln."
„Aber ich kann mich Dir doch nicht oabietm," rie sie außer sich.
Da legte et sein« Atm om ihre Schultet und zog sie an sich.
„Dann wvll« wir nicht lange mehr streit«, mein süße» Mädchen, der Manu ist doch immer der Besiegte, wenn di- Fra« nur will. Jdalie, nun habe ich lange genug aus Dich gewartet. Jetzt lasse ich Dich nicht nach Hause reise«, ohne den Brautkuß," und er neigte sich zu ihr herab und küßte sie.
„Ich bin Dir treu geblieben, Tu bist et mir. Wir haben die schönst« Iahte vorüberstreichen lass«, mtt Rücksicht auf andere. Da- hört nun au5. Du gibst mit ein Anrecht auf Dich. Ich nehme Dich für mich in Anspruch, die Andern tret« jetzt zurück. Ist Deine Liebe stark g«ug, mit diese» Opfer zu bring«?"
Et sah sie fast bangend au.
Sie zögerte, da fühlte ste den warmen Truck seiner Hand, sie sah d-n flchenden AuSdrrck seiner Augen, und sie zog sein« Kops zu sich herab:
„Ran will ich mein Glück sestbalt«. Zum letzten Mal tritt e» vielleicht in mein Leb«, u*o Robert, ach! ich hab- ein glühende» Bet!äugen, glücklich zu sein. Mache mich glücklich, Robert." Sie schmiegte stch in seine Atme, und er schaute strahlend« Blicke- auf ste herab. Die Welt um ste verschwand, sie waren im Hi«nel des Glücke».
Jdalie» Blick fi-l auf da» mttg brachte Päckchen und lächelnd griff sie danach.
Berlin, dm 29. Dezember 1904.
*— Eine «en« Flottenvorlage wird für die nächste Re.chStagsfefstvn wteber von ber ,Osi- preuß. Ztg.' angelündigk. Als höchst wahrscheinlich bezeichnet bas Blatt dabei, baß nicht direkt ein reneS Doppelgeschwader gefordert werde, sondern daß man eine andere Form finden werbe, um die erwünschten Neubauten durchzus'tzen.
** Ein neuer militärischer Erlaß gegem die Soldatenmißhandlnnge« ist Blärtermel- dungen zufolge dieser Tage den Truppenteilen zugegange». Danach soll fortan mit keinem SÄ- baten mehr kapituliert werben, der in seinem Zivilverhältnisse Jroegen eines Roheitsvergehenr vorbestraft worden ist. Ebenso soll mit alle» Angehörigen der Armee, die während ihrer DienK- zeit wegen Mißhandlung bestraft wurden, nicht weiter kapituliert werden.
§ Die Kündigung des Handelsvertrag- mit Oesterreich-Ungarn wirb nach einer anscheinend offiziösen Zeitungsangabe am 31. Dezember erfolgen, wenn man bis dahin nicht die Gewißheit habe, daß der bestehende Vertrag
„Etatre schickt Dir von ihr« Waffeln, die ff« selber gebacken. Wa» werfe« ste nun zu Hause sagen, wenn ich heimkomme unb läge:
„Er will mich absolut hab«!"
„Meine arme Mutter mtrfe vor Freufee weine«. ES war ja immer ihr Wunsch. Nun sind die Bedenken, feie sich unserm Glücke eutgegeustellt«, gehoben. Ich sehe in allernächster Zeit meiner Beßm- feetung entgegen, unb bana komme ich und hole wir eine Frau Hauptmann."
Sie streichelte seine Hand.
„Unb bann hör« alle Sorg« auf. Mr Beim Mutter wirb auch ein schönere» Leb« beginn«. Elle denkt so ttübe, bie atme Taute Ja Dein« man« ter« Briefen liest sie versteckte» Kummer. Du hast kostbare Einfälle, unb ich lachte darüber, aber was meinst Du wohl? Die arme Tante lächelte MC bitter und meinte: „Ihr tarnt ihn nicht."
Al» er darauf nicht» erwiderte, sah ste ihn frage* in» Gesicht. „In diesem Falle", meinte er, „sieht die Mutter tiefer al» die Geliebrr", und al» habe er p viel gesprochen unb sich durch den Moment htareiß« last«, lenkte er ab.
„Laß doch von unserem Glück sprech«."
Hebet Jdalie kam wieder die ganze Schwere de» Gehört« und de» Geschaut« und so ließ ste sich nicht durch seine errungene Sorglosigkeit täuschen.
„Robert", begann ste leise, „sei aufrichtig gegM Dein Lieb. Wie denkst Du über Rolf? Macht * Dir Sorge?"
„Muß die- in unserm kurzem Zusammensein erwähnt werden", fragte er und eine Falle legte sich zwischen seine Brauen.
Sie begann zu bang«.
„Wir wollen keine Bogel - Strauß-Methode befolg«, Robert", versetz'« ste zum äußerst« ratsch lassen, „ich will mut g sein, reiße $w mit bie Biiwe von den Bugen, die mich blind macht gegen den Bruder. Du blickst mich ungläubig au? Lew- suche e-, Liefert. Da Du nun meta Herz omrsülleßh
Mscheilt täglich, «it Vmmahme der Sen» «d Feiertage. Viertel- Mrl.ve,ugr»rei, »Hne Vringetlohn und HeßB-«lbin8uldannd iSfcsSärtS l M. 50 psfl
Vetanttoartticher
Teil ber Protestanten »wzuschüchtern. D'.e preußische fonferoatioe Partei, die von dem Evangelisch« Bunde tr.it Recht eine Be- cünstigung des kirchltchen und politischen Liberalismus befürchtele, hat stch seiner Eir flösse möglichst zu erwehren gesucht. Schon gegen Ende des vorigen Jahres hatte die Parteileitung öffentlich vor dem Bunde gewarnt und auch im Laufe dieses Jahres hoben di- Konservativen in ihrer Presse vielfach die Berk umdungen und Ge- häsfigkeilen der Bundespresse kräftig zurückge- wiesen. Daß aber auch an ihnen das ewige Gehctze nicht spmlos vorübergegangen ist, sah man deutlich bei den pirlamkn torischen Debatten Über Jesuitengesetz und Marianische Kongregation. Ja, noch ganz neuerding» Hai man den Wiederhall des Bündlergeschreies vernehmen können aus den Erörterungen innerhalb der konseroa- tioen Partei über die Kanalvorlage Sehr wohltuend stechen gegen die unausgesetzte boShaste Anfeindung der Katholiken die Friedensreden ab, die im preußischen Abgeordnetenhaus« bei Beratung des Antrags Douglas gehalten wurden und die dann im Herrenhause noch eine Fortsetzung färben. Leider waren es ziemlich p a- tonisch« Friedensbeteuerungen; draußen ging die Hetze weiter. Alles und jedes mußte ihr dienen. Sogar der Umstand, daß der Kaiser auf das Huldigungstelegramm der Regensburger Katholiken persönlich, auf ein Telegramm der bei der Einweihung der Protestationski'che in Speyer Anwesenden aber durch dos Zivilkabwett geantwortet hatte, wurde gehässig ausgrbeutet.
ii___ ————■ 11 m» ii '■in ittt imggl ;g;
MaerM Zeitung
wochenbeiiage: „Illustrierte SonntagrMung" Mon-kb-iiag-: „8«Idaer GeschichkÄatter'.
Deutsches Reich.