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M 297.

Zslda, Mittwoch, ben 28. Dezember 1904.

)( Zehnftukbemag.

Die heftigsten Gegner eintä gesetzlichen Zehn- stundentoges waren bisher unsere Scharfmacher. Las Wunder, daß da die kürzlich im .Rrichs- arbeitsblait' veröffentlichte Erhebung über die Arbeitszeit in den in den brutschen Gewerben abgeschlcffenen Tarifverträgen, aus der hervor- ging/ daß 91,1 Prozent aller Tarifverträge eine Arbeitszeit von zehn Stunden und weniger haben, diese rasch auf die Beine brachte, um die Wirkung dieses für die gesetzliche Einführung deS ZehnstundentagrS so günstigen Ergebniffes nbzuschwächrn. Die Aufgabe übernahm dann der Geschäftsführer des Zentraloerbandes deutscher Industrieller, Herr Bueck, in der .Deutschen Industrie-Zeitung'. Allerdings mit mehr Wage- mut, als Geschick! Herr Bueck wies zunächst darauf hin, daß die der Erhebung zugrunde liegenden Tarifverträge sich im wesentlichen auf das Handwerk und daS Kleingewerbe erstreckten, mithin die Ergebm'ffe der Erhebung bezüglich der deutschen Ölindustrie kein zutreffendes Bild gäben. Die Großindustrie vornehmlich bedürfe auch in Zukunft einer über den Zehpstundentag hinausgehenden Arbeitsdauer, besonders auch mit Rücksicht auf den internationalen Wett­bewerb; der gesetzliche Zehnstundentag würde die Kvukurrenzsähigkeü der deutschen Industrie in Frage stellen; für die Arbeiter könnte sich dann die Arbr-t-zrit „recht kurz, so kurz gestalten, daß sie mit den Ihrigen in Hunger und Rot ver­sinken" 2C. 2C.

Solche Redensarten sind zu abgenutzt, als daß sie auf den nüchternen Beurteiirr der Ver- HLltniffe noch Eindruck machen könnten. HM Bueck hätte sich diese vollends sparen können und lieber zahlenmäßig Nachweisen sollen, weshalb denn die Grgebniffe bezüglich de» tJk« dettSzeit auS den Tarifverträgen!em zutreffendes Bild auch bezüglich der Industrie geben. Das dürste ihm nämlich schwer gefallen sein. Denn die Erhebungen der Gewelbeaufstchtsbeamten vom Jahre 1902 über die Durchführbarkeit des zehnstündigen Arbeitstages für Arbeiterinnen er­gaben ein Bild, das sich zum größten Teil in gleicher Richtung bewegt, wie die Ergrbniffe aus der Ta isstatisttk und auch für die Beurteilung des allgemeinen ZehnstundentageS von großer Bedeutung ist. Diese Erhebungen der Gewerbe- ansfichtsbeamten scheint Herr Bueck vollständig übersehen zu haben, weshalb sie hier in ihren »Wichtigsten Punkte» nochmals wiedergegeben seien.

Bei den Erhebungen kommen für Preußen in Betracht 397 714 über 16 Jahr« alt«, -in Fabriken und (in einer Anzahl von 8890) über Tage auf Bergwerken beschäftigte Arbeiterinnen. 38 Prozent derselben (149 137) hatten eine längere Arbeitszeit als 10 Stunden, die anderen 247 577 »der 62 Prozent in 72,2 Prozent der Betriebe erfreuten sich schon eines Arbeitstages von 10 Stunden oder weniger. Das aus den einzelnen Ausfichtsbezirken (Provinz, Regierungsbezirk rc) eingelaufene Urteil der Gewerbeaussichtsbeamten über die gesetzliche Festlegung eines Zrhnstunden- taget gliedert sich in der Weise, daß von 29 amtlichen Berichterstattern 16 unumwunden für den gesetzlichen Zrhnstundestag für Arbeite-

-Iloöerts Khre.

Trzählemg au» der Gegenwart von Llca Ruth.

Ä ------ (Nachdruck verboten.)

«Daß Robert munter schreibt, kann ich nicht dr- hanpten, doch auch nicht betrübt. Du weißt, er ist die seltsame Mischung seine- ChaiatrerS, Frohsinn u«b Bitternis. Wer mit dem Leben ringt, hat n<e etwa» ungetrübt und wer so karges Maß zug teiit erhielt, weiß nicht» von dem Uebermut de» UeberfluffrS *

«Rolf kann auch nicht vom Ucker fluß zehren," er­widerte Jdalie kleinlaut, „mein er feite Stabten vollendet, bleibt noch eben jo viel, um mich nicht hungern zu lafleo, aber ich gestehe die UeiverfitSt ver­schlingt viel Ich darf Papa richt all s sagen.“

„Saran tust Du Unrecht," war die Claire ein, „wirklich Kindchen, über da» Geld darfst Du nicht afae Borwissen Deiner Baier» verfügen “

„ES geht ja auf meinen Antel. Ich hab« ja immer »och genug für meine bescheidenen Bedürfnisse."

„stmdchev, Kiodchs», Du hast ein Erzteh'mgSsystem, da» ich Nicht patentieren mochte. Schau mich an. Bin $ «iu nachahmnr-gSwertk» Beispiel, ich die alte Claire, du übnsi.rfsige alte Jungfer. 6i bi», ich fühlte auch Mwal yrog, aber ich lebte nur immer für die andern. Memer Mutier hals ich die Sorgen tragen. Hose» ja&e ich gestopft, und Stümpfe gtfleickt uob karge« mot Legkflen. Au» unserer Mühe und unserm Schweiß st-d meme Brüder in behagltcheu Stet- fusgen hwetngewachse«. Sie Haden nicht gedarbt, da­für war die gute C'aire da, und al# sie in den war­men Nestern saßen, da durfte die Claire za ihnen lew men und schauen, wie glücklich sie watet, und man setzte ihr die Studer auf den Schoß und dachte s^b Zunder», wie Tante (Matte glücklich ft in müft,, »ji

linnen etutraten, 7 nur unter der Voraussetzung von Ausnahme, und Usbergangsbesiimmungen und bloß 6 ihr Votum in einem verneinenden Sinne abgaben, weil sie die gesetzliche Maßregel für unnötig, unmöglich oder bedenklich hielten. Allein dieses Urteil der Gewerbeaufftchtlbeamten dürfte wohl genügen, um die Frage des Z?hn- stundentages für Arbeiterinnen alS spruchreif er­scheinen zu lasten. Aus den Ui teilen und de« Ergebnissen der Erhebungen der preußischen Ge- werLecmffichtsbeamten seien nut diejenigen für die industriereichen Prooin-en Rheinland und Westfalen wiedergegeben, wobei die Zahl drr Arbeiterinnen über 16 Jahre jedesmal in Klam­mern betgesügt sei.

Im Regierungsbezirk Münster (8231) bestand fftr 8 9 Proz. gleich 7296 mehr als lOstündige Arbeits­zeit. Urteil: Zehnstundentag, jedoch einstweilige Gestaltung einer längeren Arbeitszeit für Spinnereien unter gleichzeitiger Forderung sorgfältiger Betriebs­leitung und Beschaffung hygienisch tadelloser ArbeitS- räume. J-u Rgbz. Minden (10/36) arbeiteten 21 Broz. gleich 2215 mehr alS 10 Stunden. Urteil: Zehnstundeutaß. 3« Rgbz. ArnSberg (8575; batten 42 Proz. gleich 8537 eine Arbeitszeit von mehr als lv Stunden. Urteil: Zehnstundentag. Zm Rgbz. Kassel (8419) herrschte für 24 Pro,, gleich 2011 eine mehr alS lOflündige Arbeitszeit. Urteil: Zehnstundentag bet hinreichender Uebergangszett. Im R«bz. Wiesbaden (7715) herrschte für 14 Brz. gleich 1093 «ine Arbeitszeit von mehr alS 10 Stunden. Urteil. Zehnstundentag.

Im Rgbz. Koblenz (8183) hatten 36 Prz. gleich 1114 eine Arbeitszeit von mehr «IS 10 Stunden. Ur­teil: Zehnstundentag. Im Rzbz Düsseldorf (51141) arbeiteten 50 Proz. gleich 26183 10—11 Stun­den. Urteil: Wöchentliche MoxunalarbeitSzeit von 60 Gtunden. Im Rgbz. Köln (12 347) bestand für 34 Brsz. gleich 4195 eine mehr alS lüstündigr Arbeitszeit. Urteil: Zehnstundentag bei hinreichender Ueber» -angS- und»«rnahmebeft-mmungev. Im Rsbz. Trier “3009 arbeiteten 18 Prz. gleich 544 10—11 Stunden. Urteil: Zehnstunden tag. Im Regbz Aachen (16966) hatten 38 Proz. gleich 5909 eine Arbeitszeit ro» mehr alS IO Stunden. Urteil Zehn stund en tag, trotz mancher Bedenken.

In den 38 Aussichtsbezirlen der 5 Oberbergämter BreSlau, Halle, TlsuSthal, Dortmund und Bonn (889.' ) arbeiteten 22'/» Prz. gleich 2091 über 10 Stunden. Borherrfchenbes Urteil: Zehnstundentag.

Dah zutreffend« tzrld der AtbeilSzsft weicht also auch für die Industrie gar nicht so sehr von demjenigen, das die Tarifstatisti! ergibt, ab. Fünf Siebtel aller Fabriken haben jetzt bereits den Zehnstundeotag und für den Rest derselben dürfte er gewiß nicht so sehr einwirken, daß mü ihm, wie Herr Bmck behauptet, der Rain unserer Industrie verbunden wäre. Daß im übrigen die Konkurrenz des Auslandes bezüglich der Fest­sitzung eines gesetzlichen ZehnstundentageS be- devtangslos ist, geht daraus hervor, daß in un­seren hauptsächlichsten Konkurrenzländern, Amerika und England die industriellen Arbeiter bereits seit Jahren 9 und noch weniger Stuvden arbeiten und in den übrigen Ländern nttwtder sich dem Zrhnstunkentag nähern oder bereits bei ihm an­gelangt sind.

Die bisherige Entwickelung zum Zehnstunden- tag in Deutschland hat sich vornehmlich vollzogen unter dem Drucke der Gewerkschaften. Dieken auch weiterhin die Sorge für die Verkürzung der Arbeitszeit überlassen zu wollen, erscheint weniger ratsam, nachdem Proben der letzten Jahre gezeigt haben, wie z. B. in der Textilindustrie manche Unternehmer einem gewerkschastlichen Drucke zur

die Kind« nur von ihr gewaschen und zu Bett getrauen werden sollten. Und al» bann dir Claire still leben wollte und hitth« zog, da sprach wirklich «hier von Unbai k, ja Dolchen. Aber ich war zum ersten Mole im ßeben egoistisch und ging."

„Wenn mein Alt« so Heb und freundlich wird, wir da» Deinige,' schmeichelte Jdalie, Clakr» schon runzlige Wange streichelnd, „dann will ich schon gar* nicht mehr Hagen. Ab« Taute,' wandte sie sich tw-de- zu dies«, „Du bist heut« so nachdenkerd. Leidest Du? Kann ich nicht etwa» süc Dich tun?'

Die Kravke lächelte schmerzlich. „Ich befürchte immre, daß ich launig »erbe; allein seit Robert mit Rolf zusammen ist, verläßt mich der Druck nicht mehr. Ich bange mm vor jedem Briefe d« kommt.'

Erichrrcke« frug Jdalie:

„Schreibt denn Rob«t Uigüi-stigek, Tante? Wie Du mich in Lugst versetz st.'

„Er schreibt nicht», usd da» beunruhigt mich.'

„Da» beunruhigt Dich, Tante?'

„Verzeihe mir, Kind, ich kann nicht glauben, daß Rolf ihm keine Sorgen macht.'

„Er schreibt doch so artig,' verletzte da» Möschen mit einem schwachen Versuch zur Bttteibigurg ihre» Bruder».

„Ach die artigen Briese', seufzte die Krank?, „wenn fi« artig find, find sie nicht wahr. Da lies, wa» Robert schreibt. Er fragt nach allem, scherzt und erzählt, und da», wa» ich toiffen möchte, verschweigt er. Er schweigt üb« sich. Auch an Dich sendet er Grüße.'

MU leite zitternder Hard rahm Jdalie den Brief entgegen. Sic brauch-« lauge zum Lesen, denn ihr Herz Hopste stürmisch im Bertiefeu in diese Beile ener­gische Handschrift. Dann gab sie ihn zurück.

„Ja, « verbirgt etwa»,' sagte sie leise und dann plötzlich: „Ich werde Hinreisen und tdb.r sehen.' Sie sprang auf. „Morgen schon gehr ick.'

Verkürzung der Arbeitszeit den stärksten Gegen­druck entgegensetzen. Deshalb möge die Gesetz gebrrng endlich einmal mit starker Hand zur Ein­führung des ZkhnstundeutageS eingreifen, wenn auch noch nicht für die gesamte Industrie, ob> wohl auch für diese nach den obigen Darlegungen die Frage spruchreif ist, so doch für Arbeiterinnen, die derselben am meisten bedürfen.

■*?

Berlin, den 27. Dezember 1904,

** Der .Reichsanzeiger' meldet amtlich, daß der König durch Ordre vom 24. d. M. dem Geschlechte vo« Bülstv auf Grund des § 4 Nr. 3 der Verordnung vom 12. Oktober 1854 das Präsentationsrechl zum Herrenhause rerliehen hat.

** Dem Direktor im Auswärtigen Amt, bis­herigen Wirklichen Geheimen LegationSrat Dr. vo» Koerner ist der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat „Exzellenz" verliehen worden.

* Der Abgeordnete v. Oldenburg hat nach einer von ihm an einige ost- und west­preußische Blätter gesandten Berichtigung aus der Versammlung deS Bundes der Landwirte sür Weflpreußen nicht erzählt, ein hoher Staatsbe­amter habe ihm auf die Frage, wie er einen dem Vaterland schädlichen Handelsvertrag unter­schreiben könne, geantwortet: „Wenn ich es nicht tue, dann tut es ein anderer", es handelt sich vielmehr um die Caprtvischen Handelsverträge. Er erzählte, er habe damals einem hohen Staats­beamten, der ihm feine Bereitwilligkeit erklärte, dir Verträge zu unterschreiben, gefragt, wie (er das tun könne, obwohl sie doch zugestandener­maßen die Landwirtschaft schädigten; er habe dem betreffenden Staatsmanne ferner gesagt, wenn« es nicht täte und vielleicht zwei andere nicht, die nach ihm berufen würden, bans werde aus der Sache möglicherweise nichts werden. Die Ant­wort des Staatsmannes habe gelautet: „Zeigen Sie mir die beiden anderen!"

* Bebel steckt im Kampf mit dem Genoffen Mehring den Degen ein. Er erklärt im ,Vor­wärts er verzichte darauf, „auf die höchst ein­seitige und die Hauptsache beiseite schiebende Eatgegung Mehrings noch mit einem Wort zu antworten." Zwar begründet er diesen Verzicht damit, daß er die Entgegnung Mehrings auf seine Erklärung, weil er mehrere Tage auf Reisen gewesen sei — feine Erklärung ist aus Zürich datiert — erst nachträglich zu Gesicht be­kommen habe. Aber das tkt offenbar eine Aus­rede. Er getraut sich nicht zu antworten, weil er nichts antworten kann, denn Mehring ist ihm gegenüber im Recht. Wer mag den armen Lord Protektor nur zu der Unbesonnenheit ver­leitet haben, das „psychologische Rätsel" öffent­lich im Reichstage zu verleugnen? Es wird vermutet, daß es dis Revisionisten gewesen seien. Das wäre aber doch eine allzu grausame' Rache sür Dresden. Freilich, den Revisionisten ist jede

„Nicht gar zu schnell zum Entschluß,' drängte Claire sie zurück, „was sagte Sein Bat« zu alledem?'

„Er begrüßt e» immer mit Freuden, wenn ich Rolf besuche» will, aber diesmal möchte ich unerwartet kommen. Ich sehe t* in Deinem lieben Gesicht, Xante, Du umerfiützest mein Vorhaben. Ist'» nicht so?'

„88 würde mich sehr beruhigen, wenn ich Nach­richten von ihm au» Deinem Munde hörte. Komm Jdalie,' sagte sie, den Kcpf de» Mädchen» zu fick tzttabzieheod, „nimm ihm diesen Kuß von wir mit.“

J'alie wurde glühend rot und konnte sich nicht ouSdenken, wie sie s'ch diese» Auftrages zu entledigen habe.

Sie frische kalte Luft draußen tat ihr wohl, und so eilte sie ihrem Heim, zu, wo Lene sie mit ein« rüstigen Ansicht! karte, um«schriebeu von Rolf, Roben und anderen Offizieren und Studenten, «wartete. Jdalie la» sie mit einem tiefen Ausatmen.

„Xante» Unruhe ist sich« unbegründet“, sagte sie sich, „sie scheinen beide fast brüderlich mit einander zu verkehren. Xrotzdem will ich reifen. Ich möchte Rolf sehen,“ und tief innen sagte eineflüsternde Stimme: „Ich möchte Roben sehen.'

Mit diesem Entschlüsse ging sie zum Geheimrat hinein.

„Haft Du dir Karte gelesen? rief er ihr schmun­zeln» entgegen, „ich wollte Lene bamü zu Stirer laste sckickeu. Uns« Junge hat einen netten Verkehr. Hast Du'» bemertf, e» st ht manch avadelig« Rune daraus.“

„Ich hätte große Lust, morgen mal hinüberzu­fahren, uv zu scheu, was et treibt, weißt, Väterchen, so ganz unerwartet, um ihm einmal in die Karten za schauen.“

Der Alte kachle bchsg'tch.

„Ei die Weibnlist! Jedenfalls triffst Du ihn nicht beim Fasten und Kasteien an. Da maß man vach­

31. Jahrgang.

Schlechtigkeit zurutrauen, auch daß sie Bebe! an» stiften, dos „psychologische Rätsel" zu reizen, um ibn so mit ihm zu verfeinden. Allzuschwer körnte ihnen das ja nicht werden, denn Bebel ist ein harmloses Kind und macht die seltsamsten Sacken, wenn er inS Feuer gerät.

*„ Der .Kerl. Lok.-Anz/ ließ sich vor dem Weihnachtsfest aus „wohlunterrichteten Kreisen" mitteilen, man rechne dort mit der Möglichkeit, daß die »tuen Handelsverträge erst Ende Januar oder anfangs Februar dem Reichstage oorgelegt werden. Die ,Nordd. Allg. Zig.' stellt demgegenüber fest, daß zu Ausstreuungen über einen solchen Aufschub für die Einbringung der Haudelsoerttäge in den Reichstag kein Anlaß vorliegt.

% Die zur Reichskaffe gelangte Ist-Ein­nahme, abzüglich der Ausfuhr-Vergütungen rc. und der Verwaltungs-Kosten, beträgt für die Zrit vom 1. April bis Ende November bei den nach- bezeichnrten Einnahmen: Zölle 306,568,199 Jfc. (— 13,705,334 Jh\ Tabaksteuer 7,952,491 M. (— 313,275 Jt), Zuckersteuer und Zuschlag 81.682,217 M (-[- 12,407,128 M Salzsteuer 32,083,747 Jk. (-f- 442,480 M), Maischbottrch- fieuer 491,109 (+ 3,277,567 Jt), Verbrauchs-

abgabevon Branntwein undZuschlag 78,757,454 A (— 272,134 Jk), Brennsteuer — 1,390,528 Jk (+1,093,533 Jk), Schaumweinsteuer 2.826,894.6. (4- 409,099 Jk>), Brausteuer und Uebergangs- Abgabe von Bier 19,623,677 Jk (4- 351,913 X), Summa 528,595,260 Jk. (+ 3,690,977 .*). — Spielkarten-Stempel 990,061 (-j- 40,964 M.).

* Zur Entschuldung des ländliche« Grmvdbefitzes ersähet die.Deutsche Tsgesztg.', daß die „Probe-Entschuldung" in der Provinz Brandenburg und in der Rheinprovinz vorge- nommen werden soll. ES sollen aber nicht, wie man früher annahm, 1 Million Mark für diesen Zweck in den nächsten Etat eingestellt werden, sondern nur 2S0000Mark. Die EntschuldungS» grenze soll nicht verttagSweise, sondern gesetz­mäßig festgelegt werden. Je nach der Etsah- rung, die in den beiden Provinzen gemacht wird, soll dl« Möglichkeit geschaffen werden, den EntschuldungSgesetzentwurs auch für die anderen Provinzen in Kraft zu setzen, und zwar durch Änigliche Verordnung.

• Der russisch-japanische Krieg,

Bei der Belagerung vo« Port Arth«r haben die Japaner wieder einige FortschrÜte ge­macht; es geht aber auS allen Berichten hervor, daß eS ihnen bisher nicht gelungen ist, in eins der Hauptsorts einzudnngen. sondern daß sie rur die äußeren Befestigungswerke bisher genommen haben. Der Hüzel östlich von Hojangschakao, den eine Abteilung der rechten japanischen Br- lageruugskolonne am Freitag besetzt hat, nachdem ein energischer Gegenangriff der Ruffen zurück­geschlagen wurde, lie»t, wie sich jetzt ans den japanischen Berichten herausstellt, ungefähr l1/* Meilen südlich des 203 Meter-Hügels. Die Meldung englischer Blätter aus Dalvy, wonach die Ruffen eine Kapitulation vorgeschlagen hätten unter bet Bedingung, daß der Besatzung mtb den Schiffen bte Rückkehr nach Rußland gestattet

sichtig sei», Jualte. Da» Studentealeben läßt manche Entgleisung zu, die nicht gefährlich ist. Rachh« werden sie die beste» Ehemävv«."

„Fürchte nicht« von mir, Bat«," lächelte sie üb« seinen Eifer, seinen Jungen hnauSzurede«, „von meinen zwei Aug-n habe ich bisher immer ein» zu viel gehabt, wenn ich Roll» toll- Streiche aburteile« mußte. Ich nehme ihm einige Cmarrea von Schien Hochfeinen mit, nicht P-pach.-n? Er wird wohl nicht von dem besten Strout besitzen.“

Ehe Sfctie an diesem Abend eis schlief, hatte sie schon verschiedene Male diese Reise nach Bonn gemacht und sich die verschiedenste Empfänge auLgedacht. Sie freute sich tote ein Kind darauf, unbemerkt bei Rolf, dec gewiß üb« seinen Büch« saß, einzutrrien inüb etwa zu sagen: „Schönen Tag, Jungchen,' oder „bet Bat« läßt Dich g.üßev.“

Wie überrascht « sei« würde! Und dann gingen sie wahrscheinlich zu Rodert, b« auf dem Kasern er­hole seine Soldaten in langen Ragen auiwarsqterr« ließ. Mit einem glücklichen Lächeln schlief st: ein. Meine Reisen untttuahm sie gerne, dar gab Verän­derung in ihrem eintönigen Leben, und riß sie doch sicht au» b« Gewohnheit.

L« gram Wi- termoraen lag nebelhaft auf des Häusern, a!» Jdrlie de» Vater zum kurzen Abschied küßte «kb ihn noch warm in die Bettdecke einhükttr.

Auf bet Keine» Station waren sie und einige »beuten, die e-llmorgemkich mit dem Frühzuge «ach Boi>u fuhren, fast die einzigen Possagiere. Bon dem Biebwageu her drang da» Gcschrei eine» Borste»- tiere», da» sich ein« Eisenbrhnsahrt mit allem Proteste eise» konservativ:» G.-mütS widersetzte.

Eben hn Begriffe cirzusteigev, kam eine wohlbe­kannte Gestalt durch den ftlleudm Rebel auf sie zu- greift.

(Fortsetzung folgt.)