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Kernsprecher Ur. 9.
M 296.
KZlöü, Dienstag, den 27. Dezember 1904.
31. Jahrgang.
’ Der Ausstand in Villtsch-SSd- westasrika.
Währeud man Anfangs geglaubt hatte, den 'Aufstand der Herero i« unserem südweflaftikani- schen Schutzgebiete in kurzer Zeit und mit verhältnismäßig geringem Aufwande niederwrrfen zu können, habe« die Schwierigkeiten sich immer mehr gehäuft, und wenn unsere Truppen auch wiederholt den Aufständischen empfindliche Niederlagen beigebracht habe», so ist doch heute noch eine Beendigung deS Krieges nicht abzusehen. Die neueste Meldung des Oberbefehlshabers Generals o. Trotha, die am 23. Dezember »on Windhuk abgegangen ist, lautet: Von der Ab- teilung Kleist griff Oberleutnant Ritter mit der zweiten Kompanie und einer halben Batterie am 21. Dezember aufständische Rordbethanier, Kamo- dams und Witdoois an und zersprengte den 150 bis 200 Mann starken Feind, der in verschanzter Stellung am Hudup südlich Zub hartnäckige» Widerstand leistete, nach zehn Stunden langem Gefecht vollständig. 12 beladene Ochsenwagen, 50 Pferde, gegen 100 Stück Großvieh, mehrere tausend Stück Kleinvieh, mehrere Gewehre, zahlreiche Munition wurden erbeutet und 10 tote Hottentotten gefunden. Nach Meldung LevgrrkeS sind dis Veldschoendragrr, die am 15. Dezember bei Koes geschlagen und nach allen Richtungen zersprengt waren, mit dem Hauptteil in südlicher Richtung nach den Karrasbergen panikartig entflohen. Dis Verfolgung wurde am 18. Dezember abends abgebrochen. Der Feind hat bei Gefecht und Verfolgung insgesamt 54 Tote, 45 Gewehre und viel Muniton verloren. Erbeutet wurden 500 Stück Großvieh, 50 Pferde und Esel, etwa 3000 Stück .Kleinvieh.
An demselben Tage, wo diese telegraphische Meldung in Berlin eintraf, ist von Hamburg ein "weiterer Truppentransport zur Ver- stärkung unserer Schutztruppe abgegangen. 'Mit dem Dampfer Prinz Regent fuhren 24 Offiziere und 680 Unteroffiziere und Soldaten mit 82 Pferden nach Südweftaftika ab. Wie oft es noch notwendig sein wird, wettere Truppen nachzusenden, kann man noch gar nicht voraussagen.
Fast jeden Tag meldet der afrikanische Tele- Öetne weitere Verlustliste. Die neueste
Bei der Erstürmung Koes' am 15. Dezember gefallen: Gefreiter Hermann Köhn, geboren 17. 3. 85 zu Moisling, früher im Infanterieregiment Nc. 85; Reiter August Schweißer, geboren 5. 1. 80 zu Elberfeld, früher im Frld- ArtillerieregiMent Nr. 15. Leichtverwundet: Sergeant Wilhelm Müller, geboren 3. 2. 74 zu Pirna, früher im Infanterieregiment Nr. 76, Schuß rechte Hüfte; Gefreiter Ludwig MauSberg, geboren 16. 2. 80 zu Düsseldorf, früher im Feld- Arttllerieregiment Nr. 23, Schuß rechten Unterarm; Reiter Richard Friedling, geboren 15. 2 84 zu Steuden, früher im lllanenregiment Nr. 14, Schuß linken Unterschenkel. — An Typhus gestorben am 21. d. M>: Sergeant Oskar Kügler, »■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■Mi
Moberts KHre.
Erzählung au» der Gegenwart von Alca Ruth.
9 ------ (Nachdruck verboten.)
ich Papa düs sage, ist alles wieder gut Ach, Du glaubst nicht, wie sehr wir uns Summer darüber machten.*
„Wirklich? Na, bann hättest Du schon früher mit mit darüber spreche« sollen. Sehe also runter und sag eS dem Vater, damit keine unangenehme Scene losbricht. Du glaubst gar nicht, wie ich dar Unangenehme boffe.*
„Und Da wirst Stand halten?"
„Mein Wort daraus. Ich habe genug mit der Sugelliese. Sie ist, im Grurd genommen, eine dumme Gans. Sag' auch »chou dem Vat>r, daß ich sogleich die Uaiversttät beziehen will *
„Schau, so kenne ich auch weine« lieben Junge« wieder.- und sie nahm sein Gesicht in beide Hände und küßte eS.
4. Kapitel. Glück im Leid.
Sie war eine bleich','kränkliche F-au, die ta dem Rcllflrchl lag und ziemlich gelangweilt in einem Buche blätterte, das tbr im Schatze tag
„Ein Tag ist doch sehr lang, wevn man vich s zu tun hat, al» feine Standen zu zählen," fegte sie zu Claire, die mit ihrem guten freundlichtn Gefickte in ewig gleichmäßiger Laune den Iieisea Haushalt besorgte Staue, die auch den Zunamen Mario! führte, stand in engecm Bern? rndtschattSverhältm- zu dem Geheimrat, als zu Frau Weding. Robert» Mutrer J-m beiden verband eine innige Freund'chaft, die, in der Jugend geschloffen, auch dann noch chre Treue bewahr re, als dar Lr-.d über daS HuuS SBebteg kam Loh« erhi-lt Claire nicht. Bon der schmalen Witwenpenfion suchten beide so gut e» eben ging zu wiktschastr«. Claire
geboren 8. 5. 76 zu Rodfirben, früher 1, Leib- Husar em egiment Nr. 1, in Okahandja; Gefreiter Rudoph Köplm, geboren 23. 7.90 zu Wuffeken, früher Grrnadierregiment Nr. 5, in Windhuk.
Das Kaiserliche Gouvernement von Deutsch- Südweftaftika hat ferner eine zusammenftffende Liste über diejenigen Weißen vorgelegt, welche dem Wttboi-Sufstande bei seinem Ausbruche zum Opfer gefallen find. Hiernach find 33Per- fönen in der Zett vom 3. bis 8. Oktober von den Aufständischen getötet worden; fünf Per- sonen werden noch vermißt, man darf fie wohl zu den Toten zählen.
In letzter Zeit Md wiederholt Ausstärdige aus dem deutschen Schutzgebiete auf daß angrenzende englische Gebiet geflohen, und man befürchtet, daß fie von dort aus ihre feindseligen Bestrebungen fortsktzen wollen. Neuerdings meldete der kaiserliche Generalkonsul in Kapstadt, daß nach einer ihm zuzegangeueu amtlichen Mitteilung der Häuptling Samuel M ah ar er o nach Betschuanaland übergrtrrten ist und die Erlaubnis zum Verbleiben auf britischem Territorium nachgesucht hat. Der Magistrat für Ngumi Land hat Jnstruktiorten erhalten, daß die aus dem deutschen Gebiet kommenden Flüchtlinge von dem Uebtttritt auf englisches Gebiet tunlichst abgrhalten und, falls sie es gleichwohl tun, unverzüglich entwaffnet und daran verhin- derr werden, auf deutsches Gebiet zurück- zukehren und wetteren Anteil an Sen Feind- selißkeiten zu nehmen. Sie sollen in genügender Entfernung von der Grenze sestgehalten und es sollen legitimierte deutsche Beamte bei Feststellung von Vieh, dessen Diebstahl angenommen wird, unterstützt werden. Samuel Maharero wird benachrichtigt werde», daß er mtt einer beschränkten Anzahl seiner Gen offen nur unter den gleichen Bedingungen wie andere Flüchtlinge auf britischem Gebiet bleiben kamt.
Von ben Greueltaten der Aufständischen, denen sich bekanntlich verschiedene Hottentotten- ßämme angeschloffen haben, ßibt ein deutscher Farmer, dem «§ gelungeu ist, fick vor drv Hotter - totken auf englisches Gebiet zu flüchte», folgende grauenerregende Schilderung:
„Einigen Farmern gelang eS, entblößt von Hab und Gut, die verwüstete Farm, all das Resultat Mre- langes KtagenS und Entbehrens, im Stiche tastend, nach »ibeoB, KeetmanShoop oder über die englische Grenze zu flüchten, eben nur das Leben rettend. Ich selbst hatte daS Glück, von der aus der Grenze gelegenen, von mit bewohnten Farm in der Nacht der größttrr Teil meines Besitzes inS englische Gebiet zu retten. Wie aber ergeht eS Sen Weißen, die fernab der Grenze, die einzigen drei im Süden n«ch militärisch besetzten Plätze nicht wehr erreichen? Schlecht; so schlecht, daß uns-ie einzige Hoffnung ist, daß sich in Deutschland alles zu rascher, energischer Hilfe vereinigt.
Gestern kamen zwei Wagen hier an, fie kamen aus dem deutschen Gebiet, ein lebendes BUd des Jammers. Der eine Wagen brachte den Mistionar von Koes mit Krau, der nur durch List den Aufständischen entwich. Der andere Wagen barg 6 Witwen; fie beklagen 11 Tote. Ich war selbst bei der Protokollaufnahme. Die eine der Frauen erzählt: Wir saßen beim Wage», mein Mann, meine Kinder und ich, Mittagkotz machend. Da kam ein Trnpv Hottentotten, forderte unS, zuletzt meinen Mann auf, auf den Wagen zu steigen. Als mein Mann sich eben anschickte, nm dem Befehl nach
war rin wirklicher Trost für die leidende, sanfte Frau Ihr steter Frvhfinn war die Folge ihrer liefen grünt- rnigkett, die alle Sorgen als Schickungen Gottes hin- vahm und, da fie nun einmal ertragen sein mußten, Verdienste für ihr ewigeS Heil daraus schlug
So wandte fie sich auch j tzt, den Staubwedel unter dem Arme, zu Frau Wediyg, und lächelte fir jeelencut an.
„Hier ist doch noch der Brief von unseren Robert und Du hast chu «st zweimal durchgeleien, Hanmden. Sieh mal, ich habe von Gefangenen gehört, die ihre Brief« jede Stunde von neuim durchlesen, damit sie die tätliche lange Welle nicht zum Wahnsinn bringt. Wenn fie den Inhalt Wort für Wort aurw-ndig können, dann studieren ste die Schriffz-ichen. Sie zerpfl cken jedes Wort und ft .ben aus dem Buchstaben diese ober jene Eigentümlichkeit, fir gehen dem Schreiber gleichsam jeden Federzug nach denken, was er dabei gedacht haben könne, «spähen vielleicht eine Lücke, ein Abbrechen, wo er ausgestanden war, vielleicht um eine« lieben Vast zu begrüßen, oder ein Löschblatt zu holen, oder brit Fruster der eiufirömeu- dru Frühliugslult zu öffnen. Run Haunchrn, und Du hast den Brief Deines lieben großen Jungen «st zweimal gelesen."
Die bleiche Frau seufzte.
„Er crzähit mir so erfreuliches nicht. Zwischen den Zeilen liegt g-uug deS Nachdenkens für mich Er chreibt Heller, aber wenn ich daS krause Gewirr der pQen Lettern hirwegstreiche, dann starrt mir hinter dem Frohsinn sein «achderklicheS sorgenvolles Erficht entgegen Ach Claire, eS ist mir wirklich beklommen um» Herz. Du weißt doch, es hängt allemal so schwer in mir, wenn Leidvolles über uni kommen soll."
„Narr hör aber auf, Haunchen, wenn Deine Träume Dich wieder eiälen, dann ist meine ganze Rusft zu Ende. Sie gehen wie Gespenster im Hauke um, und decken auf jeden frohen Laut ein Leichentuch W r sind doch jetzt aus dem Aberglauben heraus: aber mein armes Havnchen muß immer fitzen, tote eine
zukommen, wurde er von t-tateit erschossen,ureinsiebenjähriges Söbuchea mußte ihm in ben Tod folgen 8ine andere Frau erzählt: Mein Maus wurde von hinten an der Stallmauer erschossen. Ich selbst war im Haus«. Der Mann meiner bet wir bleibenden Schwester wurde ebenfalls zu gleicher Zeit ermordet. Meine Schwester ring heraus und bat die Hottentotten, ihren Monn beerdigen zu dürfen. „Die Krähe» mfiffen auch Futter haben-, war die Antwort, mit denen die Hottentotten die Beerdigung des Ermordeten untersagten. Darauf kamen fir in das HauS. Da sie mir mein 18 Monate altes Söhnchen nehmen wollten, hielten meincSchw-ster und ich da! selbe au je einem Aermchen fest. Um ein AuSeinanderreiße» des KindeS zu verhindern, mußten wir schließlich loSIaffen. Die Hottentotten schleuderten es im Bogen au8 der Türe und begännest bann ein wahies Scheibenschießen auf daS arme Geschöpf.
Fast jede der Frauen hat neben dem Verlust ihres Mannes den ihrer männlichen Kinder zu beklagen. ®ine Frau, die ihren Man» beschützen wollte, wurde gefeffelt. der Munn gefangen, mit einem Riemen um den Hals nach dem nächsten Baum gebracht und dort vor den Augen seiner gehjfeiten Frau ermordet. Eine andere Frau erzählt: Mein Mann mrrtte, daß etwaS nicht gavz geheuer sei, und schickte nach @ibeon um ein paar Soldaten. Bou Sort wurde» ihm vier ein gebotene Soldaten gesandt, fie kamen, eine Herde Rebellen im Gefolge, bet unS aa und ermordeten meinen Mann auf die schrecklichste Weise
18 Leichen zählt n die geflüchteten Frauen, die fie längs deS WegeS liegend fanden. Die armen Frauen mußten chier j-de eine Decke zufawmenbrtteln, so daß sie mit ihren kleinen Rinbetn doch etwas hatten, um darauf zu schlafen.
Wir rechnen mit Zuversicht darauf, daß all das unschuldig vergofleue Blut Deutscher und deutscher Schützlinge gesühnt wird, und daß auch wir, die wir jetzt verlaffen vom Schutz unseres BaterlandeS sind, entwaffnet von der englischen Regierung, in deren Gebiet wir flüchten mußten, die traurige Rolle des geduldeten Refug'SS wieder mit der des stolze» Deutsche» vertausche« dürfen."
Berlin, den 24. Dezember 1904,
** Ei« offiziöses Dementi. Auf der Provmrialversammlung bcS Bundes der Landwirte für Westpreußen hat bet Abgeordnete v. Oldenburg vor kurzem erklärt, er hebe einen hohen Staatsbeamten gefragt, wie er einen dem Vaterlande schädliche« Handelsvertrag unter- schreiben könne. Der Staatsmann habe ihm geantwortet: „Wenn ich es nicht tue, dann tut es ein anderer." Jetzt schreibt die ,Nordd. Alla. Ztg/ „Da diese Aeußerung in mehreren Blättern dem Reichskanzler Grafen von Bülow angehängt wird, fo stellen wir fest, daß der lettende Staatsmann niemals etwas Derartiges gesagt hat. Wir üderlaffenes dem Abg. v. Oldenburg, zu erklären, wer der von ihm gemeinte hohe Staatsbeamte ist." Nach dem,Hamb. Sott/ soll es sich um eine von Herrn o. Oldenburg mißverstandene Aeußerung des LandwirtschastZminifiers o. Podbielski handeln. Was dieser aber gesagt hat, erfährt man nicht.
* Grhebnuge» zu« Lchuluuterhaltuugs- Gesetze. Der lkultusminister läßt durch die Regierungen und Kreis-Schulinspektoren eilige Er- Schneck- in ihre« Hänichen und spinnt sich in ungesunde Quälereien ein."
„Ja, ihr eiligen Menschen, die ihr so nunter hin und hir rennt, ihr glaubt nicht, wie sich das innere Leben eine- zum Stillstarrd gezwungenen Wesens entwickelt. Ich glaube, da wir die weltbch-n Sorge» von uns abwäizei', treten wir in nähere Verbindung mit Gott. Weißt Dr», Ciaire, Go.t ist uns nicht so fern, al- wir glauben. Wir hören nur seine Stimme nicht, »eil die Welt so laut ist. Warum soll uns also (Sott, wenn er unS näher zu sich heranrücken hieß, nicht auch snne Schickung vorher empfinden lösten? ‘
„Ja aber, Harnci en, er will doch nicht seine Lieblinge quäle», wirklich nicht."
„Im Gegenteil, er gibt m.r dadurch Zett, mich vorzubeeei'.en, mich zu taffen. ,Jch bete dann viel eifriger, viel dringlicher, und fühle schon den göttlichen Trost, der mich stärkt."
„Schweig, Hanvchen, mit gchen die Sagen über, und Du wachst mich gar selber bange. Höre mal, ist das nicht die Stimme unsere» Dalck-en?*
„Za natürlich ist er die!" rief Jdalie Marivi und firckle den Kopf herein.
„Was gibts denn so Feierliche» ? Tante schaut wirklich grämlich aus, und SaS ist sie doch gar nicht, sondern eine liebe, sanfte Dulderin Ach (Sott, Tantchen, gegen Dich scheine ich so Mchibar klein mit meinen dummen Sorgen.*
Sie küßte die ihr zulächelnde D me herzlich auf die Wange und zog sich einen Stuhl neben fie. Sie hatte die hebe Gewohnheit der Kinder jahre, in Robert» Mutter ihre „Tante* ,ju sehen, beinhalten.
„Bitte Ciaire, fetze Dich zu uns, Du hast so e n gemütliches Gesicht, daß ich mich gleich behaglicher fühle, wenn Du d e Hornbrille aufsetzest und das Klöppelkissen mir te.i fl-.nten Händen bearbeitest.*
„aber Krrdchen, beim hellen Tage am Klöppelkiffen! Da» oehr denn doch nicht. ist eia mühselige» T.schaff, Staub zu rehrmn, findest Du nicht
Hebungen anstellen über Vie Zahl der vorhandenen Schulen und Schulklassen, über die Arr der Schulen, ob es öffentliche oder private, ob eS evangelische, katholische oder paritätische sind. Ferner soll festgeftellt werden, wie viele der voll- beschästigten Lehrkräfte evangelischer, katholische? ober jüdischer Konfession sind. Bezüglich der Schulkinder soll ermittelt werden, wie viele Kinder die deutsche, die polnische oder eine andere Muttersprache haben. Diese Erhebungen dürsten im Zusammenhänge mit dem Entwürfe des Schulunterhaltungs-Gesetzes stehen.
** Großfürst Kyrill vor» Nnßlaud ist in Ko bürg eingetroffen. Dort sollte, wie Berliner Blatter melden, zu Weihnachten die Veröffentlichung seiner Verlobung mit der geschiedenen Großherzogin von Hessen, Viktoria, nachdem der Kaiser von Rußland seine Zustimmung gegeben hatte, erfolgen. Infolge Ablebens der Herzogin-Wstwe, Alexandrine, dürste von dieser Abficht Abstand genommen worden sein. Die Tatsache der Verlobung steht jedoch fest.
% Die österreichisch - ungarischen Ha»- delsvertrags-Delegrerten werden vermutlich zwischen Weihnachten ur>d Neujahr nach Berlin zmückkehren. Nach dem Verlaufe der Besprechun- gen, die hier bereits stattfanden, find die Aussichten für die Abschliefiung des deutsch-österrrichi- scheu Handelsvertrages dem Vernehmen der ,Nat- Zig/ nach günstiger.
*e Die,Voff. Zig? hatte nachzuweisen versucht, daß der Justizminister in der Sitzung deS Hauses der Abgrordneten vom 10. Dezember ds. Js. in Bettiff seiner Auslegung des Artikels 260 des riffsischen Strafgesetzbuches und seiner hierauf gegründeten RechtSauffaffung über das Vorhandensein der Gege»seittgkett zwischen R«tzl««d und Tenlschlaud sich zu Unrecht auf die Autorität deS ProfefforS Dr. Lammasch in Wien berufen habe. Aus juristischen Kreisen ist Professor Lammasch um Auskunft hierüber gebeten worden. Er hat dem FraseMer geMwortet. daß er sowohl 1883, als auch seitherMe Bestimmung d-S russischen Strafgesetzbuchs § 260 stets so aufgefaßt habe, daß ein Gesetz drS fremden Staates, welches ebenfalls Angriffe gegen auswärtige Staaten mit Sttaft bedroht, genüge, und daß irgend eine besondere Vereinbarung mit jenem auswärtigen Staate oder ein zweites russisches Gesetz im Sinne beS Herrn v. Reußner nicht notwendig sei. Und ebenso habe er stets die Verbürgung der Gegensiittgkeit in § 102 R. St. G. B. auf» grfaßt und darin den Gegensatz dieser beiden Gesetze gegen das österretchische St. G. B. erblickt, welches außerdem noch eine Kundmachung über den Bestand Meter Gegenseitigkeit erfordert.
* Der französische Spionagedienst in Deutschland soll nach einer neuerlichen Ministertalverfügung fortan schärfer als bisher überwacht werden. Die Polizeibehörden erhielten Berliner Blättern zufolge ein Verzeichnis solcher französischer Personen, die erfahrungsgemäß im Narbrichtendienst Verwendung finden, und haben, falls sich btefe verdächtig ober auf»
Dolchen? Wir stöbern ihn in der einen Eck- aus und treiben ihn ta die andere. Man könnte ihn füglich ruhig da beiaffen, wo er ist.*
Frau Weding hatte indeffen JdalieS Hand festgehalten.
„Du hast also mietet Sorgen?* fragte fie teil« nehm-nd, „ich habe Difieuigen, die über Sorgen klagen, lieb, die Lebensfreudigen u«b Glücklichen find mir so fremd. Aengsttich verschließe ich meta kranke» Herz vor chneo, den» ihre Blicke, die fo feurig glühen können, erstarren auf dem Elend za Ei».*
„O Tante, ich wollte auch wirklich einmal von Herzen so ganz namealo» glücklich sein,* sagte Jdalie, „bi-her habe ich nur in dem Abglanze deS Glücke» anderer gelebt.*
„Dar ist ein stiller Scheiu,* rief Tlaire au» der Zimmerecke, „der nur wärmt und nicht blendet. Brennen gibt Winden, ueb Wunden Schmerzen. Er gibt keinen schöneren Z»stand, al» nicht» wünschen und alle» amehwen.*
„Ach Claire, ich faege j tzt as zu wünschen, denke Dir, ich, die Achtundzw nzigjahlige. Ich glaube, jeder Mensch muß seine Jugend nachholen; mir kommt fie erst jetzt.*
F-au Weding strich ihr mit der Hand über den Scheitel.
„Wenn ich diese ernsten Augen einmal im wahren Glücke glänzen sähe, wäre ein lieber Wunsch von mir erfüllt.*
Ein Ettra» tag in diesem Tone, der Jdalie Me Röte der Verleger heir ausdrängte. Sie wollte von Um Gegenstände ihrer Befangenheit oblenken und steuerte in ihrer Berwirnmg ger?dewegd darauf hin.
„Ich sebe, Tn haft einen Bries von Robert. Wie stell er schreibt. Er hat doch keine Mühe mir Rots? Der Junge ichreibt Io muuter, daß Popa sich allemal aus kie Briefe treu?.*
Frau Weding strich fast zärtlich mit der Hand Über da- Schreiben und legte eS in seine Falten.
(Fortsetzung folgt.)