Einzelbild herunterladen
 

25*ti«taae. Ototd« ÄBt ittgspreis Set Srhtgettoln und

Verantwortlicher Hchrtstl«it«r:Zos.B<m» fix die Znferate § Parze»« in Zriida.

Zuldaer

Zeitung

MsnatrbeNage: „KÜda« GeschlchtL'MttN".

wochcilbeiiage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

»uzeigenr Bit t®, lpaltige pelitzeUr efc« deren Raum 15 Pft Reklamen die petitzekr, 25 pfg.; bei wieder Holungen wird entsp»

Rabatt gewährt.

Bruck und Verla- der Zuldaer Actiendruckerel in Znlda (Harmonik Fernsprecher Ur. 9.

Mda, Donnerstag, den 22. Dezember 1904.

M 293

1

Stellung ab bis Code Dezember gratis.

f~ erstes Blatt

von und

31. Jahrgang,

er- Be-

der »Fuldaer Zeitung« zu» Preise 1 Mark 50 Pfg. (ohne Bestellgeld Briugerloh«) eutgegeu.

Neu hiuzutretende Abouueute« halten die Zeitung vom Tage der

wenn er von ihrem Setter spricht. Ein tüchtiger Oifizier! Prächtiger Mensch. Wissen Sie, sr>'a Hrransreißer, wenn einer mal in der Patsche fitzt. So'n Bkrlahdichdr uf. Sie wissen ja wohl. Aber im Trinken — Temperenzler. Sollten mal sehen, trenn er zum Kasino kommt, to'-e da jeder, der ein birchen lüderlich schwätzt, gleich 'n Schnabel hält. Im übrigen charmanter Kerl, lustiger Fritze, macht mit; soweit bi- es in den Dreck geht, da scheuert er die Stiefel und geht. Wir wissen das und feiner läßt in seiner Gegenwart 'S Maul überlaufen, wenn'S auch noch so doll ist; aber gern haben rott ihn doch. SS gibt so wenig ehrliche Kerle mit Grundsätzen."

„Pah, Prinzipien'', machte Rolf, „Schiwmelteiteri Sonntags rettet! Bertrakte Philister. Adieu, Herr Leutnant, Sie gefallen mit und mein Bettec gesollt mir nicht, und damit basta."

Der Zug brauste h«an. Robert kam mit dem Billet.

„Wie wird man zu Hause in Unruhe wegen Deinem AuSbieiben sein!" bemerkte er v.rwurssvoll, indem er Rolf beim Ansteigen half, den» er dachte an Jdarie, und daß fie schon genug der Sorgen ge- HM habe. Zur Erwideeung bii b keine Zeit, denn der Zug, der mit Verspätung kam, setzte sich nach kurzem Aufenthalte wieder in Bewegung.

„Grüße mir den Onkel und Zdaiie", tief noch Ro­bert, > nb dann sah man pur roch die lauge Linie d:S Zuge- ia den Dampf der Lokomotive gehüllt nm die Mde des Friedhose- verschwinden. Rolf legte sich in die Wagenecke zurück und sah sich seine Mit­reisenden an. Ihm gegenüber saß ein beleibter Herr mit langem weiße» Barte, der eifrig, in einem Buche Icf. Er Halle feinen Hut abgelegt und seinen kahle» Kopf mit einem Sammetkäppchen bedeckt.

Zu der ardern Ecke mit Rolf »f dem Ricksitze saß aufrecht ein jurgeS Mädchen mit eitern bis über die Augen emporgezogenen Schleier und häkelte. Rolf- rebellischer Seift, den da- Sekttensilche« wie

Streichung auszuregen. Die liberalen Bläiter, die das dennoch tun und höhnisch darauf bi», weisen, daß in Trier Dr. Rorum regiere, erlnne t die,Kreuzz>g.' daran, was einst in dem von einem Stadffchulrat herauSqegebenen brrlinischen Lesebuche au- dem Rückerr'ichrn Gedichte „Vom Bäumlein, das andere Biälter hat gewollt", ge. worden war. Rückert hat gereimt: „Da ging der Jude durch den Wold mit großem Sack und großem Bart". Ja Beilia regiert nicht Dr. Felix Rorum, sondern jemand andk's. Also mußte Rückert verbessert werden. Zuerst wurde aus dem „Jude" ein „Kaufmann". Da aber auch dies Wort noch verdächtig klang, entschloß man sich zu einem „Bettler" oder „Räuber". Ja einem andern Berliner Lesebuche war aus einer Rede des Raffers eine Ieußerung über den „christlichen Staat" durch Weglaffung drs Worte? christlich gefälscht worden.

* Drei österreichisch-ungarische Unter Händler sind heute in Berlin eingetroffen, um die Handelsvertragsverhandlungen wieder aufzunehmen. Da sie am 24. bK M s. bereits wieder in W'en eintreffen wollen, ist wohl nicht anzur.ehmen, daß b:e Verhandlungen bis dahin schon zum Abschluß gelangen werden. Die Unterhändler werdea sich wohl nur vorläufig orientieren und die Vechandlrm^en «Weiten wollen und dann in nächster .Woche, vielleicht verstärkt, nach Berlin zurückkehren. Was dir Ründtgung der Handelsverträge angeht, so scheint die Regierung ja daran festzuhalien, daß der neue Zolltarif und die neuen Verträge am ersten Januar 1906 in Rrast treten scllm und deshalb der Stticag mit Oesterreich-Ungarn am 31. Dez. gekündigt werden wird, wenn bis dahin kein neuer Vertrag vereinbart ist. Ob auch die Ver­träge mit den Staat n, mit welchen neue Ver­träge vereinbart find, zum 31. Dezember gekün­digt werden sollen oder die Regierung sich daraus verläßt, daß die Verträge die Zustimmung des Reichstags finden, und dann eine Ründtgung nicht notwendig sein wird, ist aus denZettungs- angaben nicht mit Sichrrh it zu entnehmen. Ei scheint aber, als ob bereits an die Mögl chkeit gedacht werde, den neuen Zcll'arif zu einem spätere» Zeitpunkte als dem 1. Januar in K ast treten zu kaffen. Anders wenigstens vermögen wir uns die Bemerkung deS ,Berl. Lokalanz.' nicht zu deute», es liege in der Absicht des Reichskanzlers, der kaufmännischen Weir etwa ein Jahr Zeit zu kaffen, sich auf die neuen Set« hältrnffe einzurichten; jedenfalls werde der neue Tarif vor dem 1. Januar 1906 nicht in Kraft gesetzt werden. Die Staate« seien mit diesem Plane einverstanden, so daß die nähere Verein« darung über den Termin der Inkraftsetzung der n«uen Hanoelsoerträge keine weiteren Schwierig« teilen haben dürfte. Die »Natztg.' redet von der Möglichkeit, die Frist bis zum ,1. Juli 1906 zu vri länger«, falls der Vertrag mit Oesterreich nicht vor Jahresschkuß zu Stande komme. Aber auch wenn er erst nach Neujahr fertig wird, hindert doch nichts den reuen Vertrag am 1. Jan. 1906 in Rrast treten zu taffen. Handel und In­dustrie brauchen doch nicht unbedingt rin volles Jahr VorbereitungSfrist.

* Der russisch-japanische Krieg.

In der Rordmaudschnrei ist alles beim alten geblieben, auch nicht das kleinste Vorposten­gefecht wird vom Tchaho gemeldet. Eine Be­ruhigung für die Ruffen liegt in der Meldung der ,Rusfifchen Tettgraphkn-Agentur', wonach ein? von japanischen Offizieren befehligte, 10 000 Mann starke Tschuntschusen-Abtettung im Tale des Flusses Lao sich um zwei Drittel ihres Be- standes verringert hat, weil die Japaner die Soldabmachungen nicht einhielten. Die Tschunt- schusen fingen rämlich schon an, im Rücken der Karcpatkinjchin Stellung gegen die Eisenbahn vorzuaehen. Wären die Japaner wirklich ihrerr Hilst tcuvpen den Sold schuldig geblieben, so hätten fie sehr rrckiug gehandelt. Ucbrtgens scheint sich Kuropatkin noch immer nicht stark genug zu einer neuen Offenfire zu fühlen, da aus dem Westen immer noch mehr Truppen nachge- schoben werden. Ein kriserl'.cher Ukas vom Dienstag ordnet an, einige Truppenteile in der Militärbezirk,n Warschau, Wilna- Kiew, Kasan Petersburg, Moskau und Odkffa bed^s* Set, mehrung der Streitkräfte im fernen Osten, au zu sitzen. Diese Mobilmachung er stt-ckt sich im Mffstärbezr-k Warschau auf 29, ir Bezirk Wilna auf 24, in den Bezirken Riem Kasan, Moskau, Petersburg und Odeffa auf ob bezw. 38, 46, 44 und 24 Kreise. Auch wurden sämtliche Rkservrosfizikre der neu mobilgemach'en Truppenteile zu den Fahren einberufen.

Port Arthnr macht, abgesehen von dem Donner der Geschütze, einen schweigsamen, ver­lassenen Eindruck. E; sah niemals gräßlicher aus als in der Nacht vom 9., in der japanische Granaten wiederholt in die Hospitäler einschlugen und 7 Patienten töteten. Andere Patienten, die fähig waren zu fliehen, liefen in die mit frischem Schnee bedeckten Straßen hinunter. Ir» ihren weißen Hospitalgewändern sahen diese blaffen, verstümmelten und zerriffenen Gestalten grauenhas: aus. Es d werte eine ganze Weile, ehe es der Wache gelang, die Leute zur Rück­kehr in die Hospitäler zu bewegen, und eine An­zahl von ihtm starb infolge der Kälte, der fie sich ausgesetzt batten. In den Hospitälern liegen jetzt 8000 Kranke und Verwundete."

W. Tokio, 21. Dez. 1904. (Amtlich. Wie von der Armee vor Port Arthur berichte wird, besteht die Beule der Japaner weiche bei dem Nordfort von Tunkikwaq sch an gemacht wurde, in vier Schnellfeuer kanonen, von welchen zwei brauchbar find. Ferner wurden vier brauchbare Maschinengeschütze, fünf Feldgeschütze, die noch einer Untersuchung unterzogen werden, außerdem Gewehre, Bomben, MunUion, Handgranaten und anderes erbeutet.

W. London, 21. Dez. 1904. Der,Mor- ning Post' wird aus Schanghai gemeldet: Der russische Offizier, der Depeschen von Port Arthur nach Tschifu brachte, berichtet, die Garnison bestehe noch aus 16000 Mann, wenigstens 8000 seien in den Lazaretten und

Fortwährend

nehmen alle Postanstalten, Landbries- boteu, Zeitung-träger und unsere Expe­dition (Harmonie)

-chiimzm ms dm 1. Gmial 1905

„Kennt die mich?" dachte er und genauer sah er hin. Sie lächelte und errötete. Da- gab ihm der Mut zu stagen:

„Mein Fräulein, kennen wir un8 beim?"

„O gewiß, Herr Mario!!"

„Na, ich SchasSkcpf," rief er da, sich vor di' Stirn schlagend, „da- Liekchen au- dem „Engel" wa-? Woher kommst Du beim, Lie-chen?"

„Au- der Pension, Herr Mariol."

„Ah, da kommt dem „Engelwirt" ein wahrhaftiger Engel in- Hau-."

„O, Heer Mariol."

„Ja Lie-chen, Du hast Dich hübsch entwickett; ich auch, wa» Lie-chen?"

„0, Herr Mario!."

„Hör mal, Lie-chen, willst Du mir nicht mal nen Kuß geben?"

„Aber, Herr Mario! "

„In men em ganzen Leben bat niewal- ein „aber" gestanden. Ich war zur Zeit ja verliebt in da- Em getlie-chen. Kannst Du noch so schön Guitarre spie­len. Weißt, wir fangen dazu: Im vollen Keller fitz ich hier."

„Ich spiele jetzt Klavier, Herr Mariol."

„So — schön! Dann fingen wir jetzi zum Klavier."

„Ich gehe fitzt nicht mehr in die Wirtschaft, Herr Mariol."

„Wohin gelst Du denn?"

„Ich gehe in« Boudoir, mein Bater hat mir ein» einrichien lofsen."

,Na gut, bann halten wir Wirtschaft nn Boudoir, schön."

„E» geht wirklich nicht, Herr Mariol."

„Ach wa-, e- gebt nicht, e- läuft sogar. Ich bleibe einige Monate zu Hause, bis ich zur lluivnfi ät gehe, um wetter zu Uffeln und bann komme ich wieder zum „Engel", aber jetzt ist e» nicht mehr der Skt. Ber­stehst Du da-, Lie-chen?"

„O, gewiß."

* Zu den fünf Ländern der im Reichsamt des Innern bearbeiteten „Systematischen Zu fammenstelluug der Zolltarife des uud Auslände-" find wettere Nachträge er­schienen. Die Nachträge, welche die se.t Heraus­gabe der letzten Pud'ttkationen amtlich bekannt gewordenen Abänderungen und Ergänzungen der ausländischen Zolltarife in Form von Tekturrn bringen find für die Brsitzrr der Hauptbände bts auf weiteres kostenfrei durch die Königliche Hofhuchhandlurg von @. S. Mittler & Sohn tu beziehen.

% Um darzulkgen, daß bei der bevorstehenden Reform der H-ersoueutarise auf den preußisch hessischen SkaatSdahnen zwar auf Ver­einfachung, aber schwerlich aus Verbilligung zu rechnen sei, führen die ,Brrl. Pol. Nachr.' auS: Es liegt in dringendem Interesse der Steuer» zahler, daß bei der Behandlung der Tarife mit der größten Vorsicht und «wer sorgsamster Wü disMg der finanziellen Sage verfahren wird. Unter sinsem Gefich^punkte gelingt man zu dem unabweisbaren Schluffe, daß die in Aussicht zu nehwinde Reform der PeIonentarise zwar eine wesentliche Vereinfachung herbeizusühren h"ken wird, daß es ob.r unerläßlich sein wird, dabei jeden nennenswerten Ausfall aus dem Erfrage des Perfone' Verkehrs sorzfänig zu vermndcn.

% In diesen Tagen ör'cht eine deutsche wissenschaftliche Expedition nach dem zum Koigostaate gehörigen Kassai Gebiete auf. An der Spitze des von der Karl-RMer-Stfftung, der Rudolf-Virchow-Stiftung und verschiedenen reichen Privatleuten unterstützten Unternehmen steht Dr. Leo Fro benius, Verfasser verschiedener anthro­pologischer Arbeiten Es begleiten ihn der bis­herige Lehrer an der Charlottenburger Kunfige- werdeschule, H. M. Lemme, und em Zoologe. Es wird beabsichtigt, hauptsächlich den Norden des Kaffai - Gebtetes zu erforschen, da über den Süden dir Arbeiten der deutschen Reiserden Pogge, Buchner, Wißmann,Wolf, Kund und Tappenbach genügend Licht verbreitet haben. DieReisenden, denen die Kongo-Regierung freund­liche Unterstützung in Aussicht gestellt hat, ge­denken auf der Kongobahn bis Stanleyport zu fahren und von da ihren Weg durch das südliche Raffst @ebiet zum Sanhw.ru, zum Lomanni und den Stanlcysällen zu nehmen.

* Koburß, 21. Dez. 1904. Die verwitwete Herzogin Alexandrine von Sachsen- Koburg-Gotba ist gestern abend um IO1/* Uhr auf Schloß Callenberg gestorben.

Dir Verstorbene war in bet vorigen Woche an Lungenentzündung erkrankt, der fie nun erlegen ist. Sie ist dre Witwe des im Jahre 1893 verstorbenen Herzogs Emst II. von Sachsen-Koburg Gotha und die einzige überlebende Schwester des Großherzogs von Baden. Am 8. d. Mts hatte sie ihr 84. Lebensjahr vollendet. Da ihre Ehe kinderlos blieb, ist bekanntlich im Jahre 1893 der Sohn des Bruders Ernst II., deS Prinz-Se­rn ahlS Albert, der Herzog Alfred von Sdinbnrg. auf den Thron gelangt. Da auch dieser schon im Jahre 1900 ohne erbsolgeberechtigte Erben starb, wird nach der gegenwärtigen RegierungSoerwesung durch den Erbprinzen von Hohenlohe-Langenburg im nächsten Jahre der «och minderjährige Herzog Karl Edmund von Albany Herzog von Koburg-Gotha werden. Die verstorbene Fürstin ist eine Wohltäterin großen Etil- gewesen und hat sich dadurch viele Sympathien erworben.

ein Irrlicht In feinem Kostte hm und her trieb, fetzte sich an dem etwa- vernachlässigten Aeußern de-alten Herrn fest. Von dem Bewußtsein geschwellt, einen prächtigen Witz zu machen, befleien sich seine spoit- sunkeloden Augen auf dessen Glatze.

„Herr Professor, da fie da- große Borrecht ge­nießen, so nahe unter dem Monde zu leben, könnten Sie mir sagen, ob die Menschen, die im Monde leben sollen, Barle tragen oder nicht"

Der alte Herr sah au- seinem Buche auf und mit den klugen Augen auf den jungen Menschen.

„Da» kann ich Ihnen ganz genau lagen", ver­setzte er ruhig, „die Menschen im Monde zeichnen sich durch Lenkende» Schweigen au-, daher ihr Bart zum Wachstum den günstigen Boden hat Ich begreife also, daß e» bei und gedankenlose Schwätzer ohne Bart gibt."

Da der Zug an einer Zwischenstation hielt, nahm er seinen Huk, «küßte und stieg au». Zwei Herren empfingen ihn ehrerbietig.

„Herr Rektor Staubt von der Universität Bonn," stellte der jüngere der Herren ihn vor. „Herr Rektor, über 300 Personen haken sich zu Ihrem Bortrage gemeldet."

„Dornerwetter," dachte Rolf, „der Rektor der Universität. Na, der kennt wich jetzt süc sechs Se­mester. Dumme Geschichte"

Mißmmig über die scharfe Zurückweisung, warf er sich in die Wageneck-, schlug die Beine überein­ander und zog fetse Börse hervor.

,30 Mark ü er tummelt, und damit gedachte ich die kleine Schuld b.im Engelwirt einzulösen. Na, Jdalie muß au-helien."

Seine Blicke wandten sich nun feiner Reisege­fährtin zu

„Hoh, pe häkelt. Ich wette, fie 'ährt mit btt Malmfi or. Wo ander» gab e» noch häkelnde Jung­frauen." Lr bemerkte, wie auch ihr Blick zu ihm hergliit und ihr Köpfchen sich grüßend neigte.

Deutsches Reich.

Berit«, den 21. Dezember 1904.

* „Kaiser und Papst." Bei drr letzten Etatsberatung im Reichstag erzählte nach dem stenographischen Bericht des Abg. Stöcker:

hat neulich jemand den Brief eir.es Herr» gezeigt, der in Rom den Papst gesprochen hat. Dßain he.ßt es: daß der Papst vom Zerfall drr Kirche in katholischen Ländern, z. B. in Frankreich gesprochen und dabei die Worte ge­braucht habe: Er denke in Uebereinstim- mung und im Zusammenwirken mit Kaiser Wilhelm die Welt wieder zu Chr.fto prrückzusühren. Die Worte lauteten französisch: restiitier le monde dana ls Ciuiat.“ In dem neuen christüch>fozia»en Blatt ,DaS Reich' kommt Stöcker rn einem Artikel mit der Ueberschrift „Kaiser und Papst" auf diesen Vorgang zurück und versichert, daß der Mann, zu dem der Papst jene Worte gesprochen habe, „ein hervorragender Geist" fei, „klar genug, einen Ausspruch von solcher Tragweite" richtig auszufaffen, und objektiv genug, um ihn wörtlich wiederzugeben. Der Vorschlag des Papstes findet den Beifall GtSckerS.

§ Liberale Blätter ergehen fich in hämischen Glossen über die Nachgiebigkeit de- K«l tnsmi«isterS Gt«dt gegen die katholische Geistlichkeit, well aus einem Lehrbuche für höhere Mädchenschule das bftarnte Gedicht Ballets vom alten D.rsflmger beseitigt worden ist. Es werken oft in neuer Auflage von Lehr- bücherr- usw. alte Gedichte entfernt und neue mifgeuommen, ohne daß ein Haha danach kräht. Das ist weist Geschmackssache. Das fragliche Gedicht ist stch-r keine Perle der Weltliteratur, daß es bribehalten werden müßte. Wohl aber steht eS mit der geschichtlichen Wahrheit in Widerspruch und enthält unnötige Derbheiten. Ss liegt also gar kein Grund vor, sich über die

Hloberls Khre.

Erzählung ou» drr Gegenwart von Alca Ruth.

i ------ (Nachdruck v.rbvteu.)

Robert legte die Hand auf sein GlaS.

„Unter diesen Umständen ziehe ich vo-, nicht zu tunten."

„Ich bitte Sir, Kamerad," flttfitile der Leutnant ihm z«, „legen Sie dem Tollkopf da« Beiguügev. S nn er e« fich tristen kann, na."

„Er kann e» nicht," gib Robert mit scharfer Be­tonung zurück, während Rolf mit heraurfiirrerndkm Bücke ein Sla» nach dem andern leerte und dann am Arme de« Leutnant- batontoanfte, dem Bahnhose zu.

„Gib mit Dein Billet," sagte Robert zu ihm, and die Falte de- Urmutes sm feiner Stirne ver­tiefte fich, „Du hast wohl nicht daran gelacht, daß dasselbe bei N chtvenutzung 6e6 fahrplanmäßigen Zuge- feine Giltigkeit verliert. Mir ;st der Station-chef be­kannt, mit ihm will ich dleserhalb reden."

„Löse ein neues," und er reichw^ih» die Börse mit einer Bewegung, wie etwa Ser Herr seinem Hmrrknechte in gnädiger Laune eine Zigarre.

Rodert rahm Rücksicht onf (einen uozmechvu-gr- fähigen Zustavd und übersah es, wa- den Leutnant in Bewurderu'g zu fetzen schien.

Robert enti ahw schweig nd der Börse da» Bittet und begab fich damit zum S ationSchef.

„H-rr Leutra»:", sagt« Rott, unbekümmert um die Urnfieheurer', die auf sein lanit» Ee>p üch auf­merksam wurden. „Sie sind eia schneidiger Kerl, aser mein Bett«, der Moralfix, der Tugerdbvld, der Jmm»t sicher mit einer Zipfelmütze üter den Ohren zu Ihnen.

„Na, btt e Sie, da find Sie gründlich fm Irr­tum. Der Sl-e Bern Regiment Megi'l Ktuderfieber,