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31. Jahrgang.

Kü-a. Montag, den 19. Dezember 1904.

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Gewerbe-Ausstellung

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von feinen besonderen Wünschen, die niemandes Recht oder Jntereffe verletzten, sondern nur auf Herstellung der verletzten Gerechtigkeit gingen, durchgesetzt hat. Hat eS Minderheit vergewal­tigt oder sonst jemand ^Unrecht getan? Wir möchten den kennen lernen, der daS behaupten und beweisen wollte. .

AuS dem Gesagten geht schon hervor, wie groß die „Gefahr" wäre, wenn das Zentrum auch im preußischenLandtage zur ausschlaggebenden Stellung gelangte. Wir vermögen überhaupt nicht abzuiehen, wie jemals die Krone in Preußen .lediglich vom Zentrum abhängig werden könnte. Die Parteien der Rechten haben nahezu für sich allein die Mehrheit. Wenn die Krone vor dem Zentrum zu schützen wäre, würden mindestens die Nationalliberalen der Rechten beispringen. Daß die Krone in Abhängigkeit von denKonservativen gerate, ist viel eher möglich, als daß fie m Abhängigkeit vom Zentrum gerate. Und wie die Konservativen trotz aller LoyalitätSverficherungen ihre Macht auszunutzen wissen, und zwar zum eigenen Borteil, das haben wir doch schon zu deutlich erfahren. Das wird natürlich ganz in der Ordnung gefunden, aber wenn eine andere Par tei zur auSschlaggebendenStellung gelangt, dann ist das unerträglich und eine Gefahr für die Krone, die immer vorgeschoben wird, wenn man sich selbst meint. w _

Im letzten Grunde steckt hinter der Scheu vor dem Zentrum nichts als das protestan­tische Borurteil gegen die Katholiken. DaS Zentrum ist eine „Gefahr", weil es aus Katholiken besteht. Es ist intereffant zu hören, daß auch die Regierung die Zentrumsscheu teilt. Im Grunde wußten wir es ja wohl, aber es ist immer gut, es von einem Eingeweihten bestätigen zu hören, daß die Regierung daran arbeitet, daS Zentrum tmLand- tage niederzuhalten, und sich dazu der Konservativen tedient. Ob diese sich durch die Konzession bet der Kanalvorlage für diese ge­winnen lasten wollen, ist ihre Sache. Wir möch­ten aber zu den Urteilsfähigeren unter ihnen nur noch daS Vertrauen hab:n, daß sie sich nicht durch die Zentrumsscheu und konfessionelle Gespenster­seherei bestimmen lasten, sondern daS Zentrum nach seinen eigenen Taten beurteilen und dann zu der Erkenntnis kommen werden, daß sich die gläubigen Christen beider Konfessionen über die Köpfe der Hetzer hinweg die Hand reichen müssen zum Wohle des Vaterlandes, zur Verteidigung der idealen und materiellen Güter unseres Volkes. ________________________

Regierung die Konservativen zuzutteiben und da- mit soll dann das Zentrum selbst matt ge­setzt werden. Seit Jahren wird uns ver- sichert, man betrachte allerseits die Kanalfrage als eine rein wirtschaftliche Frage, die mit Politik nichts zu tun habe. Und nun wird UNS von einem mistenden Konservativen verraten, daß für die Regierung wie für die Konservativen die Unschädlichmachung des Zentrums daS eigentliche Ziel und zugleich der für die Konser­vativen ausschlaggebende Beweggrund sein soll. Wir sehen hier davon ab, daß daSSchlepp- Monopol, das nach Herrn v. Pappenheim zu den Früchten der „ernsten Erwägungen" von Regie- rung und Konservativen gehören soll, seine An­regung einzig und alle,in einem Zen­trumsabgeordneten verdankt, und daß die Mehrheit der Konservativen bisher noch keineswegs für die Kanalvorlage gewonnen »st. Die Tatsache ist ohne Zweifel richtig, daß mit der Zentrumsscheu mehr als mit wirt­schaftlichen und sachlichen Gründen an der „Bekehrung" der Konservativen gearbeitet wird.

Was doch die Schlagwörter in der Politik für eine Rolle spielen! Im Reiche soll die „Krone lediglich vom Zentrum abhängig" sein. Sonst heißt es doch blos, die Regierung sei in der Gewalt deS Zentrums; jetzt ist es auch der Kaiser. Und warum? Weil das Z-.Mrum im Reichstage die ausschlaggebende Partei ist. ES wird wohl in allen Parlamenten so sein, daß irgend eine Partei entweder für sich allein die Mehrheit hat oder zwischen den übrigen Par- teien den Ausschlag gibt. Das gilt als natür­lich und selbstverständlich. Wenn aber das Zentrum eine ausschlaggebende Stellung hat, dann ist das eine „Gefahr", dann ist die Krone „abhängig". Hat etwa das Zentrum seine Stel- lung im Reichstage je mißbraucht, um die Krone von sich abhängig zu machen? So etwas zu behaupten, wäre angesichts der Reichsverfastung barer Unstnn. Hat es seine Stellung zu Willkür- licher Verwerfung von Regierungsvorlagen, zur Schädigung des Reiches benutzt? So etwas kann nur behaupten, wer der Meinung ist, die Volks- Vertretung habe jede Regierungsvorlage unbesehen anzunehmen. DaS Zentrum darf sich rühmen, in seiner ausschlaggebenden Stellung das Zu­standekommen der schwierigsten und wichtigsten Gesetzesvorlagen bewirkt und damit dem Vaterlande den größten Dienst geleistet zu haben. Hat es seine Stel- lung zur Erlangung eigener, unberechtigter Vor­teile benutzt? Jedermann weiß, wie wenig es

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)( Die Zentrumsscheu.

Der konservative Landtagsabgeordnete von Papp en heim, der in der Kanalksmmisfion für den Rhetn-Havnover-Kanal gestimmt hat, äußerte sich nach Zeitungsberichte« kürzlich in Hofgeismar über die Kanalvorlage folgender­maßen: Die Vermutung, dvß die Regierung durch irgend welche Zugeständnisie von konser­vativer Seite zur Wiedereinbringung der neuen Kanaloorlage ermutigt worden sei, sei vollständig unzutreffend. Die konservative Partei habe die Regierung vielmehr keinen Augenblick im Un- klaren über ihren ablehnenden Standpunkt gelassen. Aber die Gefahr, daß die Krone ttt Preußen in gleicher Weise wie im Reiche lediglich vom Zentrum abhängig werde, habe die Regierung wie die Konser­vativen zu ernsten Erwägungen veranlaßt, deren Frucht die wesentlich umgestaltete Kanal­vorlage, daS Schleppmonopol und die Schiff­fahrtsabgaben, nicht zuletzt auch die Regelung der Flutoerhältniffe sein werde.

Es ist zwar kaum anzunehmen, daß Abg. von Pappenheim das wirklich gesagt habe, was ihm hier in den Mund gelegt wird, aber immer­hin find diese Mitteilungen für uns von hohem Jntereffe. Also Regierung und Konservativen fürchten, daß „die Krone in Preußen in gleicher Weise wie im Reiche lediglich vom Zentrum ab­hängig" werde, und deshalb find fie zu der ver­änderten Kanalvorlage, Schleppmonopol usw., gekommen. Dadurch soll den Konservativen die Annahme der Vorlage erleichtert werden und das Verdienst des Zentrums um ihr Zustandekommen herabgedrückt werden. Der srrikonservative Abg. Frhr. von Zedlitz hat mit seinen eindringlichen Ermahnungen in der Presse den Konservativen ebenfalls wiederholt vorgestellt, daß fie die Gelegenheit, sich bei der Regierung einen Stein im Brett zu verschaffen, ergreifen und sich vom Zentrum den Rang nicht ablaufen lassen sollten. Und der .Retchsbote' erklärt, die Ausführungen des Abg. von Pappenheim stimmten ganz mit dem überein, was er selbst wiederholt aus­geführt habe.

Also daS Zentrum, und immer wieder daS böse Zentrum soll dazu dienen, der

Wilhelm Stöhr

Besonders wohlfeile Artikel der,

Leinen- und Wäsche-Abteilung.

vrrmllcht«.

• Lebende gefrorene Fische. Nach Wissenschaft. Heben Untersuchungen ist eS möglich, Fische lebend et»- frieren au lassen und fie dann durch Austauen »u rrgen» einer Zeit wieder ins Leben znrückzurufen. Mit der Frage, ob dieses eigentümliche Verfahren für de» «er­fand lebender Fische nutzbar gemacht werden tarnt, be­schäftigt sich Paul Zirzow in der .Allgemeinen FischNei- Zeitung. Die Mängel, an beiten diese Maßnahme leidet, liegen darin, tmß unverhältnismäßig viü Wasser dazu gehört, um eine gew'ffe Zahl von Fischm etn= frieren zu taffen. Dadurch würde sich selbstverstanduch der Transport erheblich verteuern, und man kann nach den bisherigen Erfahrungen noch nicht einmal fugn sein, daß alle Fische wieder lebend zum Vorschein kommen. Außerdem muß daS Gefrieren sehr langsam geschehen, waS damit in Verbindung steht, denn eine getirge Waffermenge würde eben zu rasch grfneren. Die Zeit wird sich kaum abkürzen lasten. weil dte Fische sonst durch Schädigungen ihreS Körpers diese «ehand- lung nicht überstehen würden. AuS dem Allem läßt Keben der Schluß ziehen, daß nur bei sehr billigem rnSport, wie er zu Wasser erzielt werden kann, lebende gefrorene Fische .marktfähig* sein würden. Außerdem hat aber auch der Transport selbst und end­lich daS Wirderaustauen seine besonderen Schwierig« ketten. Während deS Transports muß selbstoerständ- lich daS Austauen verhindert werden, wozu em SchMl der Behälter vor der Wärme von außen her nötig ist. Nach glücklicher Ankunft der «iSblöcke mit ihrem lebenden Snhalte muß rin paffender Raum vorhanden fein, wo die Aisblöcke langsam geschmolzen werden nab das Schmelzwasser sofort mit Sauerstoff versetzt wird, damit die herauSkommenden Fische.nicht auS Mangel an Lebenslust ersticken. Danach kann man kaum er­warten, daß jenes Verfahren eine Anwendung m größerem Umfange finden werde. AlS vorteilbaftiw wird sich vielleicht daS Mittel erweisen, lebende Fische in Schnee zu verpacken.

* Eine Fabrik, in der jeder Angestellte blind ist, bkfiiidet sich in Philadelphia. Die Fabrik wurde im Jahre 1874 von Mr. h. L Hall, der selbst blind ist, gegründek. Er ist noch jetzt der Leiter der Fabrik, der von dem glühenden Wünsch beseelt ist, Mm Blinden in Amerika Arbeit zu verschaffen. Seine Fabrik schildert er selbst: „Im ganzen beschäftigen wir 125 Mann; wenn daS große Publikum un« mehr unterstützen würde, könnten wir die doppelte Anzahl beschäftigen. ES find über 100 Blinde vorgewerft, die auf Anstellung warten. Wir machen hauptsächlich Besen. Sie werden aus Besenkorn gearbeitet, von dem wir in den letzen beiden Jahren 1927 848 Pfund verbrauchten. Dar ist natürlich die denkbar feinste Qualität, da Blinde keinen anderen Besen verarbeiten können. Wir haben 92175 Dutzend Besen verfertigt, wofür wir etwa 800000 Mk in bar erhielte», und wir bezahlen den Leuten 2,75 Mk. für da, Dutzend. Einige der geschicktesten Arbeiter verdienen wöchentlich 50 Mk, die Ungeschicktesten bringen er auf 30 Mk. wöchentlich. Aus da- Besenbinden bin ich verfallen, well e» schnell erlernt und alle dazu gehörige Arve» von Blinden auSgeführt werden kann. Außerdem stergr die Nachfrage nach Reisbesen ständig; das ganze Jahr über gibt eS keine stille Zeit."

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