Hulüaer W Zeiuing
Monatsbetlage t „Küöser GeschichtsHWter"
31. Jahrgang
Krlda, Montag, den 19. Dezember 1904.
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zählten, wurde gerettet. Der brüte Torpedo« boot Zerstörer lief auf eine rusfische Mine und flog in die Luft.
W. Lvndov, 18. Dez. 1904. .Daily Telegraph' meldet aus Tschtfu vom 17. bf., General Stössel sei burch einen Gewehrschuß verwunbet worden; doch sei bie Verwunbung nicht schwer. Die frühere Kopfwunbe heile auS. Die japanischen Schiffe beteiligten sich an bem Bombardement. Ein Blockadebrecher brachte 1000 Tonnen Mehl nach Port Arthur. Dort trafen viele Dschunken ein, an deren Bisitzer die Ruffen für jede Fahrt etwa 300 Pfund bezahlten.
W. London, 18. Dez. 1904. Nach einer Lloydmeldung aus Moji vom 16. Dezember stieß der japanischeTransportdampfer „Man- shu Maru" mit dem Hospitalschiff „Rohill Maru" bet Shimonoseki zusammen, wobei beide Schiffe Beschädigungen erlitten. Das Hos pitalschiff wurde auf den Strand gesetzt und di< Kranken an Land geschafft.
W. Petersburg, 18. Dezbr. 1904. Wie General Stössel in einem Telegramm vom j 2. Dezember dem Kaiser meldet, wurde der 12- tägige Sturm auf die Festung in der Nacht zum 2. Dezbr. endgiltig zurückgeschlagen. ! General Stöffel erklärt, es sei bis jetzt der heftigste Sturm gewesen. Um die Abweisung deS Angriffs haben sich besonders die Generale Kondradenko, Nikitin und Gorbatow ski verdient gemacht. Die Japaner sollen nach den Aussagen von Gefangenen und Chinesen nicht weniger als 20 00Q Mann verloren haben. — General Stössel rmWet unterm 6 Dez.: Im Kampfe um den hohen Berg, den die Japaner, nachdem wir im Laufe des Tages drei Angriffe abgeschlagen hatten, am Abend des 6. Dezember nahmen, wurde der Inspektor bei Hospitäler, General Zerpitski und Oberst leutnant Butusow verwunbet. — Ein drittes | Telegramm General Stöffels vom 10. Dezembe« | meldet, daß die im Hasen liegenden Schiffe durch | ilzöllige Bomben der Japaner litten, General
Zerpitski sei seinen Wunden erlegen.
W. Petersburg, 18. Dez. 1904. Mit der Ausrüstung und Leitung des dritten Geschwaders wurde der Kommandant der Flotte der.Häfen des baltischen Meeres, Bivilew betraut. Er reiste gestern abend nach Libau ab.
W. Tokio, 18. Dezember 1904. (Reuter). Nachrichten zufolge, die von der Port Arthur belagernden Armee eingetroffen find, wurde bie „Sewastopol" zehnmal von Torpedos mit vollem Erfolge getroffen. Sie liegt jetzt auf
nicht in Ordnung ist. Warum schweigt bte ,Nordd. Allg Ztg.' dazu aber gänzlich und be- gnügt sie sich mit einer Entgegnung in einem tanz untergeordneten Punkte? Das wird der Vorwärts' auSlegen müssen als eine Anerkennung einer Vorwürfe. Auch die ,Voff. Ztg.' hat dem Minister nachgewiesen, daß es mit seinen Zitaten ehr bedenkiich aussteht.
V Berlim, 17. Dez. 1901. Der Kaiser hörte heute vormittag im Neuen PalaiS die Borträge deS StaatS- sekretärS deS ReichSmarineamteS, StaatsmimsterS, Ad- miralS von Tirpitz, und des Shess des Marinekabineits, von Senden-Bibran; später empfing der Kaiser den Präsidenten deS Brandenburger Konsistoriums, Seb. OberregirrungSrat, sowie Frau Baurat Wentzel-Heck- maun. - Der Kronprinz hat fich heute früh nach Barby begeben zum Jagdbesuch bei dem AmtSrat von Dietze. Die Rückkehr nach Potsdam erfolgt m der Sonutaguacht. - Zu der kürzlich durch die Blätter verbreiteten Angabe, der Kaiser habe für Ende März eine Mittelmeersahrt in Aussicht genommen und die Kaiserin werde ihn auf dieser Fahrt begleiten, stellt die Mordd. Allg. Ztg.' fest, daß nach den bisherigen Dispositionen eine solche Fahri nicht m Aussicht genommen ist. — DaS Staatsministerium trat unter dem Borsitz deS Grafen von Bülow heute zu einer Sitzung zusammen. — Die Fachreferenten der österreichischen Regierung werden noch vor Weih, nachten zur weiteren Borberatang deS Handelsvertrages in Berlin erwartet. — Der König von Italien beauftragte den Herzog von Genua mit feiner Vertretung bei der Hochzeit deS deutschen Kronprinzen.
*6« Sringerlotz» ab fertige» iegxlb« mb
' Der iMch-japasische Krieg.
In der Nordmaitdschxrei sind vorläufig keine ernste Zusammenstöße zu erwarten. Die paar Vorpostengefechte und die Kanonade, wobei nur Munittonsverschwrndung getrieben wird, find kaum der Rede wert. Die Ruffen find immer noch mit der Neuorganisation ihrer Streitkräfte beschäftigt, die nach und rach auf die stattliche Zahl von nahezu einer halben Million Krieger gebracht sein sollen. Die Befehlshaber der zweiten und dritten Mandschurei-Armee, die Generale Grippenberg und Kaulbars haben ihren Dienst anaetreteni Grippenberg sucht den Mut^ seiner Truppen durch Ansprachen anzuseuern. Nach der Ruff. Telegr.-Agentur sprach «Job flenbe Worte zu den Regimentern der 54. Divi- sion: „Ich bin sicher, daß Ihr beit Feinden nicht nachgeben a erbet. Es wirb keinen Rückzug geben; wenn jemand seine Position ausgeben wird, lötet ihn; wenn ich den Rückzug befehle, tötet mich!"
Der Berittst von drei japanische» Torpedobootzerstörer« bei Port Arthur wird aus Tokio gemeldet. Zwei dieser Boote wurden von den Riffen beschoffen, ein russisches Geschoß iraf den einen Zerstörer und drang in ben Mu> nitionsraum ein. Eine Explosion erfolgte, unb baS kleine Schiff flog in bte Luft. Fast gleichzeitig trafen einige Geschosse ben anderen Torpedobootzerstörer, welcher in drei Minuten unter- ging. Nachher in der Stille der Stacht konnten bie verzweifelten Hilferufe der ertrinkenden Mannschaften deutlich gehört werden. Allmählich wurde alles still. Kein einziger von den beiden Mannschaften, welche zusammen ungefähr 150
Zigarren rauchen, die er fich durch externe Zöglinge ] vrrschcfft. Z-vei von diesen find schon dieserhaib aus dec A> statt entlassen worden, weil Ro s fie voischob al« Mitschuldige." Der Geheimrat rückte auf seinen Eissel. „Hm, mein kk nd, ich finde nur ein Vergehen darin, daß er die MitsSutdiaen verriet, im U-brigen — nun seraucht h-be ich mit 17 Iah. rn auch schon."
„Aber die Vorschrift ist einmal bu und muß be» werde», Vater. Du hältst auf die Gesetze im Staate, solch' ein Knabeninstitut ist eine Welt für fich unb muß seine eigene Verfassung und seir.e Vorschriften haben. Ick meine, Rolf könnte ti kaffen. Dem An- sitttS«ärtrer hat er die schö sten Rosen abgeschnitten au« Mutwillen, der arme Mann hatte Tränen in den Augen und Rcls lachte."
„Kann man dem Manne den Schaden nicht bezahlen ?" ,
„ES war mehr bie Freude al« ber Wert."
Hw, al« Univerfitä-rstudent wirb er wahrscheinlich Nacht« die Laternen auSlöschen unb ben steinernen Löwen om Rathause die Schlafwütze aufsetzen. Da» nennt man bann Studentenstrerche und lacht darüber."
Jdalie ließ fich nur zu gerne überzeugen, und so Kiekte fie denn: „Er wird beffer fein, daß ich nicht wehr Hinreise, ich bin immer ganz bedrückt."
„Das macht, weil der GefichtLkrei» der grauen euatt ist, tote derjenige ber Männer. Sie find imstande, über eine Suche Kummer zu etopfindrn, über bie wir mit Liich In hinweggeheu.
Nun, bi« Ostei n wirb« Wohl noch gut gehen. Dann macht er sein Abitur und wir schicken ihn auf die Hochschule nach Bonn, da liegt Robert in Garnison unb könnte unfern Jungen m die Gesellschaft, etwa bei ben Offifiecen, einföhren."
„Und die leitende Hand über ihn halten," stimmte fie lebhaft bei, „ich hab'« Robert au» schon gesagt."
„Du hast'« 'hm auch schon gesagt?" fragte der Geheimrat gevelwr, „wo hast Du ibn denn gesprochen?"
Eine verräterische Röte pulsierte ihr unter der weißen Haut.
Deutscher Reich.
Berlin, ben 17. Dezember 1904.
** Am Freitaa abend 8 Uhr ist, wie schon telegraphisch gemelbet wurde, der General ber Artillerie z. D., Fürst Anton Radziwill, zu Berlin infolge eines Herzschlages gestorben. Mit ihm ist wiederum einer ber Ueberlebeuden aus bet militärischen Umgebung des großen Kaisers Wilhelm I. hingeschiedsn, unb zugleich eines ber« jentgen Mitglieder des hohen Adels polnischer Abstammung, die stets eine vollkommen loyale Haltung dem preußischen Staate gegenüber ein» nahmen. Am 31. Juli 1833 geboren, trat Fürst Anton am 19. April 1852 beim Garbe-Artillerie- Regiment aufBesötberung ein unb würbe 3 Monate später Leutnant. Nach dem Feldzuge von 1866, den et beim Generalstabe des Gardekorps mitmachte, wurde er Major unb Flügeladjutant des Königs, bei dem er dann unausgesetzt Dienst tat, bis 1876 als Flügeladjutant, bann als General ä la Suita und seit 1885 als Generaladjutant. Nach dem Tode Kaiser Wilhelms I. wurde er Generaladjutant Kaiser Friedrichs HI., der ihn zum General ber Infanterie beförderte. Nach der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II. wurde er am 27. Juni 1888 auf sein Abschiedsgesuch zur Disposition gestellt. Am 22. Mai 1889 erhielt er ben Diensttitel als General der Artillerie. — Der am 3. Oktober 1857 zu Sagan geschloffenen Ehe des Fürsten mit Marie aus dem Hause der Marquis da Castellane (geb. in Paris am 19. Februar 1840) entstammen die Prinzen Georg unb Stanislaus, sowie die Prinzessinnen Elisabeth unb Helene. Der Entschlafene war Ritter bes hohen Ordens vom Schwarzen Adler unb Mitglied des preußischen Herrenhauses.
* Der Unterstaatssekretär im Ministerium für Handel und Gewerbe, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Theodor Lohmann, begeht am 21. Dez. sein 50jährige8 aktives Dienstjubiläurn. Theodor Lohmann ist am 18. Oktober 1831 in Minzen a. d Aller, im Kreise Celle, geboten. Er erfreut sich noch großer Rüstigkeit. An seinem goldenen Jubiläumstage wird der hochverdiente Beamte nicht in Berlin weilen.
§ Kciegsminister v. Einem hat in ber Reichstagssitzung vom varizen Donnerstag etwas eigentümliche Grundsätze für die Berab- schieduug höherer Militär- ausgestellt. Es war von ber schon mehrfach e, örterten Bei ab- schiebung bes verstorbene» Generals v. Kretsch- man bte Rede gewesen, v Kretsch nan selbst hat feine Verabschiedung darauf zurückgesühtt, daß er ben P.inzen Wilhelm, ben jetzigen Kaiser, einmal im Manöver besiegt und bte Kavallerie- takt»! und allerlei Neuerungen bes Kaisers abfällig kritisiert habe. M m hat biefe seine Behauptungen zuerst bestritten unb verspottet. Auch
Woberts KHre.
Lzählung ou« dr Gegenwart von Alca Rutil ------ (Nachdruck verboten.)
1. Kapitel. — Am Abend.
Er hatte eine Glatze unb war L-heimrat.
Darnach mochte er seine Tage in Frieden zubringen; denn bc» G-ld hatte er dazu vnd den Drang zur behaglichen Stille auch.
"So bitt« er denn den Damps aus seiner Vfei'e gegen die Fensterscheiben, an welchen die dicken Schneeflocken herabglitten u d lrgte sich bequem in denScffel zurück.
Der Abend kam In dieser Zeit der kurze» Tage schnell und erfüllte das waimdurchheizte Zimmer mit jenem traulichen Halbdunkel ter Winterdämmerung, daS den roten Feuerschein Im Karnin noch eirrnal so traulich hervortrrten läßt.
Swon ei. igenale hatte der Geheimrat rach der aus dem Sim« stehenden Stutzuhr geschaut, die, al« der einzige Sprecher in drm Zimmer au« der Lmpire- zeit erzählte, auS welcher fie mit ihrem Gold und ihren Schnörkeln hervor gegangen war.
Nan trat durch di- sich öffnende Tür seine Tockler Jdatte und sagte ia ihrer ernsten freundlichen Art, daß S»ne ihr auf d-m Fuße mit der Lampe folge.
„Uao bann erzähle ich Dir von dem Verlaus «einer Reise," fügte fie hinzu und band eine breite Wirtschaft! schürze um, denn fie hatte nach dem srühen Tode der Malter nicktnurde-HaufisSorg-n,sondern auch seine Pflichten übernommen Ewige behaup'eten, da« sehe man schon ohne viel Aufwand von Meafchen- kenntvir au idremMadonueugefich e,i»diff.n abgesehen davon, baß ihr zar Tändelei wenig Muße blieb, liebte fie ei auch nicht, ihr seideve«, schwarz glänzen- de« Haar ander« glatt gescheitelt zu trogen, un-
„Er wußte, daß ich an Bonn vorbeireiste und kam an ben Babnhof. um mich zu begrüßen. Ich habe ihm natürlich von Rols erzähtt, er tst un« ja Tun Fremder; abqes hrn davon, daß ec noch gewtffermaß-v in verwandtschaftlichem BerhSlinifle zu ur.« steht, wat er immer W artig mit Rolf und er nimmt wirklich viel Anteil, Papa — fo meint er denn, daß e« Rott« Ungestüm nicht schad.n könne, wenn man ihm etwas bie Zügel halte."
Der Geheimrat hing roch an dem ersten Gedavk.n
Also Vetter Robert kam zum Bahvhof. Da« war hübsch von ihm. Er ist sonst sehr karg mit Liebenrwürdig'eiteu." „ r
„Er bat sich redlich durchkampsen muffen, um seiner Mutter die geringe Wittwenpenfio» nicht -u schmälekn. Er entschloß fich übrigens, mit mir hier- her zu fahren, um feiner Muller, die er sehr lud hat, einige Stunden zu widmen. Heute abend, mit dem letzten Zuge reist er wieder weg."
„Schau, ich meinte, er wäre sparsamer, im Hinblick nämlich aus d'.r klein- Rente seiner Mutter."
„Nun, Vater, ich glaube Wirklich richt, daß er sein Geld bester verwerten könnte, als bei feiner Mutter; so geht es wenigstens nicht im Spftl unb Trunk fort, w.e bei seinen meisten Re^menukameraden." Sie »prach dies lebhafter, al» rs sonst ihr- Art war und der Geheimrat beschränkte fich darauf, mit einem „hm" zu erwidern. , „
Sie sprang auf. „Du armer Papa, wirst wohl schon lange nach dem Effen verlangen. Ich will sofort nachsehen, ob Lene heute selbständig etwa» Gemeßbar-K siriig gebracht hat." „ . ,
Ec aber köpfte ihr mit seinem Pfeifenstock begütigend aus die Schu ten.
„Ruhig fitzen bleibst Du, Mädchen, und laßt für heute die Lene allein wirtschaften. Mußt ia hundr- müde von der Reise sei». Na ja, Du bist mein tapfere« Mädchen, das ehrlich 6n wir auSgehalten | hat, als Deine gute Mutter von mir ging " (8- !•>
ber Kriegsminister tat bas. Als aber bie Sozial- i bemolraten (bie Tochter v. KretschmanS ist bekanntlich bie Frau beS Aenoffen Dr. Braun) nicht nachließen, machte er plötzlich eine Schwenkung unb erklärte bem Abg. Dr. Sübekum: „Wenn ein hoher General in biefer Weife gegen Neuerungen ober gegen Bestimmungen bes allerhöchsten Kriegsherrn vorgeht, fle tabelt unb laut kritisiert, kann er sich ba rounbern, wenn ber allerhöchste Kriegsherr sagt: Wenn ber Mann mit mir nicht einoerftanben ist, bann kann ich ihn nicht brauchen? — Ja, meine Herren, ob das so ge- wesen ist, wie es im Buche steht, weiß ich absolut nicht. Das Verhältnis eines tommanbierenben Generals zum allerhöchsten Kriegsherrn beruht in erster Linie auf gegenseitigem Vertrauen unb auf einer unbedingten Hingabe des tomman» bierenben Generals zu feinem allerhöchsten Kriegs- Herrn." Diese Worte finb in ber Presse vielfach so ausgelegt worben, als habe ber Kriegsminister bamit ben Grunbsatz proklamiert: Ein General hat zu allem, was von oben angeorbiet ober getan wirb, unter allen Umftänben zu schweigen, sonst wirb er entlassen; an ben militärischen Anordnungen des Kaifers bars ein General keine Kritik üben. — Wir glauben nicht, daß der Minister solche Grundsätze ohne jede Einschränkung hat aussprechen wollen; wir glauben nicht, baß ber Kaiser ben Generalen eine geziemend vor- grbrachte Kritik seiner militärischen Maßnahmen und Handlungen verwehrt sehen will. Wenn eine begründete Kritik in geziemender Form an ber richtigen Stelle vorge bracht wirb, so wirb bas nicht ein Grund zur Entlassung eines Generals sein.
\ Rechtsanwalt Dr. Liebknecht erhebt im .Vorwärts' bie Beschwerde, daß Stellen aus seiner in ber Volksversammlung vom 29. Juli b. I. über ben Königsberger Prozeß ge- haltenen Rebe in ber Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 10. b. M. burch ben Justizminifier auf ©ruiib eines ungenauen Zeitungs- berichts unb beshalb unrichtig mitget^M worben seien. Dazu bemerkt bie »Norbb. Allg, Ztg-':
„In der Tat war daS Zitat deS Herrn Justiz- ministrrS die wörtliche Wiedergabe aus einem dem .Berliner Tageblatt' über jene Versammlung erstatteten Bericht, in welchem der von Herrn Liebknecht angeblich vorgetragene Wortlaut etneS von dem Ersten Staatsanwalt zu den Gerichtsakte» gegebenen Ersuchungsschreibens, um daS eS sich handelt, in Anführungszeichen wiederholt ist Dieser Bericht ist auch in andere Zeitungen übergegangen und nirgendwo, insbesondere noch nicht in den Organen des Herrn Liebknecht, beanstandet worden. Es sind daraus in der Presse dieselben Schlüffe gezogen worden, die der Herr Justizminister im Abgeordnetenhaus« zum Ausdruck gebracht hat und die fich jedem Leser des Bericht« von selbst aufdräagen mutzten. Wenn diese dem Herrn Liebknecht nicht paßten, so hätte er wohlgetan. alSbald mit einer Berichtigung hervorzutreten. Mit feiner verspäteten Richtigstellung wird er wenig Erfolg haben.'
Dem Justizminister ist vom .Vorwärts' noch in viel wichtigeren Punkten ber Vorwurf ungenauer ober unvollständiger unb daher falscher Zitate sowie sonstiger unrichtiger Angaben gemacht worben. Der Unbeteiligte empfängt ent- schieben ben Eindruck, daß da in ber Tat etwas bekümmert, ob die Mode nun hoch oder tief hinaus- wollte, und es gehörte Charakter dazu, den vl-len ievolutionären Eingriffen von foitschrilveiifchen Csu- finen Staad zu hauen Freilich manche behaupteten, ! bie ernste Jdalie wisse ganz genau, wie kleidsam zu ihrem ianften Gesichte diese weiße Linie in dem plä-zen- den Schwarz stehe, und toideriegen konnte fie dies- Behauptung nicht.
Inzwischen hatte Lene dir Lampe hereingebracht, unb bte aufmerksame Tochter rückte dem Vater den Seffel heran. Daan ordnete fie ben etwa» fdief au? fitzenden Lampenschirm und setztefich, de» Strickstruwpf zur Hard nehmend, auf daS S'pha.
So kann ich beff-r erzählen," lächelte fie dem Geheimrat z ', der etwa« b Hemmen fragte:
Wag haben bie Professoren üb-r Rolf erzählt?" Sie entrollte bedächtig das bis zur Ferse gediehene Strickzeug und erwioerte: ,
„Ich meine Vater, wir müßten nun Rolfs dumme Streiche niqt mehr mit Lachen abtun. Der Direktor sprach sich sehr bestimmt, ja unzufrieden ouS."
„Wegendummer Streiche? Ich habe fie als Siu- bent auch gemacht unb bin doch kein schlechter Mensch geworden!"
Da schaute ihn die Tochter mit eigenem Blicke an. „Väterchen, vergiflest Du denn, daß Dein Sohn schon bte hiesige Schule wegen solcher Streiche vr.-. [offen mußte? Dieselben Klaze» wieberholen fich jetz», ja nicht genug, nun geht Rols weiter- 'Seine Lkhrer nennen eS Bosheit, ja U"gezogenh?it. Vater, ich kann Dir sagen, baß dies Wort mich gekiänkt hat."
DaS berührte auch den nachfichiigeu Vater unan- g-nehm. Er ftellre die Pfeife weg unb sagte ärgerlich: °Liß mich also bad btr urteilen, ob mein Sohn Un« öezooenhetten brg-ht."
„Er Hal wieber geraucht, trotz drS strengen Verbotes. Man hatte ibn auch ia Verbucht, daß er nu» der Anstatt auf einige Stunden auSgerücki s«i und in der Kneipe gezecht habe, itt fehlte aber der strickte Brwe'S. Er soll fogar deS Nrchi» cufstehen und