Einzelbild herunterladen
 

I

)

Ausgestoßen.

Bvn Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene KrembS.

39 ------(Nachdruck verboten.)

Einer Morgens, als „daS junge Mädchen eben im Begriff war, anSzufayken und ihre» Wagen anfpanneo ließ, wogte oer zehnjährige Heinrich fich z« ihr heran uno sagte höflich, wie ein kleiner Mann:

„Fräulein Base, vollen Sie erlaute», daß ich Sie begleite?"

Freudig Überrascht legte Aimee die Hand auf den blorvlockigen Scheitel der Knaben und fragte:

„Warum möchtest Da denn mit mir fahren, lieber Heinrich?

„Weil . . . weil ich . , . weil ich Dich sehr lieb habe, B-se Atme-."

Dar junge Mädchen blickte tief in die klaren Augen der »indes, dann schloß fie cS in inniger Umarmung an ihr Herz.

,, »8ch auch, mein lieber Junge, habe Dich sehr, ^b", flüsterte fie zwischen zwei Küss-». „Aber !«tzt lau}, lauf schnell. ... Ich darf Dich nicht munehmeu. . . .*

„Mama ist seit gestern verreist; fie wird nicht» vavon erfahren. . .

•®8 “?ä“ obfr 'in Ungehorsam, Heinrich Ein andere» Mal, dann . . . vielleicht erlaubt fie eS."

Dec Kerne Mann machte ein betrübtes Gesicht, aber tapfer bot er Aimee die Hand:

„Dann Adieu und aus Wieoersrhrn!"

Sie küßte ihn noch einmal und sah ihn liebevoll «m. Seit diesem Tage lauerten die Kinder häufig chren Ausgängen aus und standen unverikher» ander «'egwlg eine» WrgtS vor ihr oder warfen Sußbänd- aus der Ferne.

Selbst Kincerfreundfchaft ist erfinderisch.

Binder und Schwester unterhielten sich jetzt mit jeder«- ann im Schlöffe von der „großen Base", und ihre Köpfchen sannen auf Mittel und Wege, um die Mutter zu ihre» Gunsten umzustimmen.

Doch Frau F.irdnch zeigte fich unbeugsam; da» Verbot wurde nicht aufgehoben.

Eine» Abend», als die Traurigkeit überhand zu nehmen drohte, setzte fich Aimee an» Klavier, um ihrem bedrückten Gemüte in Tönen Luft zu wachen. E» war oft die» ein schon oft «probte» Mittel, die Ruhe de- Geistes wiederzufinden. Sie sang Verse eine« geliebten heimischen Dichters und begleitete dir Melodie mit harmonischen Akkorden. Plötzlich hörte fie hinter fich ein süße- Engelstimmchen, da» in den Refrain de» Liede» eil fick:

„Du grüne, freie Franche Comte!"

Sich umwendend, g« wahrte fie in der Türöffnung Heinrichs und Margaretens vergnügte Gefichtchen.

Das kleine Märchen wollte fich beschämt zurück- ziehen; al» ihm aber Atme« ermutigend die Arme öffnete, stürzte e» fich hinein und rief:

„O, wie schön Du stngst, Base Aimee . . . Sag, darf rch e» auch lernen?"

„Gewiß, L ebchev, sobald e» angeht; jetzt bist Du noch ein wenig lieht"

„O, ich bin heute Morgen fieben Jahre alt ge­worden," s'wätzte Margarete wichtig und hob sich auf die Fußspitzen.

Und daun mit der L-bhastigkeit kindlichen Charak­ter- auf einen andern Gedanken springend, fuhr fie ort:

„Weißt Da, weshalb wir gekommen find?"

„Nein, sage e» mit,"

„Ja weil . . . sprich Du Heinrich, Du kan:st da- Kiffer «klären."

„Base," hob der Knabe a?, in acht Tagen ist Mama» Namen-tag. . - . Wir wollte» Dich bitte», un» einen Spruch zu lehren . . nicht so lang und schwer, weißt Do, aber tett . . ."

zaghaftes „Herein" erschien Gretchen, gefolgt von Frau Friedrich.

Den beiden Kindern kamen die Träne»; Margarete versteckte fich schluchzend hinter Aimee und ergriff tote zum Schutze die zitternde Hand de» jungen Mädchens. Heinrich senkte schuldbewußt das Köpfchen. Aber wider alle» Erwarten sah die gesürchtete Dame weder hochmütig noch böse au», sonder» sie trat mit freund­lichem Geficht, beinahe ein wenig schüchtern auf Aimee zu und reichte ihr die Hand.

„Liede Nichte", erklärte fie mit Freimut, „ich habe Dir Unrecht getan und komme Dir Abbitte zu leiste». Verzeihe mir!"

„Tante!" rief Aimee und führte die schöne Hand Fra« Mattel- an die Lippen. „Teure Tante!"

Sie fand kein weit««» Wort, allein die Sprache ihrer Angen war deutlich genug: fie umfaßte die Ge­stalt der großen Dame mit einem B ick unendlicher Zärtlichkeil.

Verwundert und erfreut sprangen die Kinder hinzu.

„Siehst Tu wohl, Base, ich habe immer gesagt, daß Mama dich auch einmal besuchen würde."

„Der kleine Naseweis!" lachte Frau Friedrich und ließ sich in den ihr gebotenen Seffel nieder, „er hat richtig vorhrrgesehen, daß ich ebensowenig, wie alle and«», den Reizen deiner Tugenden und deiner Ta­lente widerstehen könne. Ganz Delle verehrt und liebt Dich Jede uuscrer Gräfinnen und Baronmnen würde Dich gern als Tochter besitzen. Ueberall singt man dein Lob. Wa» bleibt mir da ander» übrig, al» meine Blindheit einzugesteben und meine bisherigen Unfreundlichkeiten wieder gut zu machen, wozu ich übriger» gern bereit bin."

„Man tut mir viel zu viel Ehre an, liebe Taute. Deine Zuneigung genügt mir."

„Die gewähre ich Dir au» vollem Herzen. Be­trachte mich 60» »un an al» Deine zweite Matter; ich werde stolz auf utin Töchterchen sein."

„Ja, bitte, bitte", schaltete Margarete ein, „wir wollen ganz artig und aufmerksam sein

Aimee zögerte einen Augenblick. Doch deu ver­trauend und verlangend auf ihr ruhenden Blicken war nicht zu widerstehe».

„Nun den», e» sei!" gewährte fie. „Setzt euch auf d e Schemel, wir wollen gleich beginnen."

„Ach, wie gut Du bist!" jubelte da» kleine Mädchen. „So sagen auch alle Damen zu Mama, und fie schelten fie, daß Dn nicht zu un» kommen darfst . . ."

„Und weißt Da, Base," fügte Heinrich bei, „Papa verbietet uv» gar nicht, zu Dir zu gehe»! im Ge­genteil . . *

Armee vergnügte fich am Geplauder der Kinder.

„Sieh mal," sagte Margarete, indem fie ganz der» legen aus der Schürz-ntasche eine große hebrosa Ranunkel zog, „fie ist au» ineinem Gärtchen: da» Christkind hat fie zu Weihnachten erblühen l ff en und ich hatte fie für Dich gepflückt . . . beinahe hatte ich fie vergessen."

Damit nestelten die winzigen Fingerchen am schwar­zen Kleide Aimee», um die Rose zu befestige».

„Danke, danke," sagte diese uad lohnte da» Be­schenk mit einem Kusse. „Nun aber müffen wir unfein Spruch lernen!"

Sie suchte in ihrem Gedächtuiffe nach de» Stro­phen, die fie selbst ehemals wir Roll» Hilfe zsm Feste der Mutter aufgefegt, und langsam, Wort ,ür Wort, prägte fie de» horchende» Kinder» die Zeile« ein ...

Die folgenden Tage brachten zur selbe» Stunde die Keinen wißbegierigen Schül-r.

Al« die Kompliminte schon fast fehlerlos und mit richtigem Tonfall wiedergegeben wurden, ertönten eine» Abend- schnelle Schotte im Hauiflur. Hein­rich horchte, dann strckre er und wurde rot wie eine Pfingstrose

„Mama!" stotterte er angstvoll.

E» wurde leise an die Tür g'k.opst und auf Aimee»

31. Jahrgang.

AU-a, Mittwoch, den 14. Dezember 1904.

M 286.

Maer

verantwortlicher

a

Äfchetut lügttch. nrit Divttch«« öer Sm* sHgeiertage. viertel* -Arl.ve,ug'prei, Att vringttlohn und

■ ,chriftleiler:Zos.Saum

i K'.’t'wt«. wochmbtiiage: „Illustrierte Sonntagsjtitung

Zeitung

monatebdiage: „Zuldaer GeschichtMätter"

Snzetge»! vte enh spaltige Petitzeile vor­deren Kaum 15 pfß, Keklame» die petttzrili 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr Rabatt gewährt.

Druck und Verla- der Kuldaer Scttendruckerep in Zulda (Harmonie;

Kernfprecher Ur. 9.

An die Universitäten?

Dieser Aufruf ergeht neuerdings wieder in eindringlicher Weise an die deutschen Katho­liken und zwar in Artikeln der jüngsten Num­mern der Historisch politischen Blätter und deS .Hochland, welche denselben Verfasser haben.

Der Artikel in den Münchener Gelben Heften geht davon auS, daß im Deutschen Reiche an die Gründung einer katholischen Universität in absehbarer Zeit nicht zu denken sei; mit voller ^Sicherheit könne man sagen, daß die Gründung schon an dem Widerstande bet zunächst in Be­tracht kommenden staatlichen Faktoren scheitern werde, abgesehen von den sonstigen Schwirrig- teiten, welche man vielfach zu unterschätzen ge­neigt fei. Jedenfalls könnten die deutschen Katholiken für die Anteilnahme an dem wiffen- schastlichen Leben ihres Landes, wie es nun ein Mal an den Universttäten seinen Mittelpunkt habe, auf die Gründung einer spezifisch katholi­schen Universität nicht warten; die Zeit würde ihnen dabei zu lang werden.

Im weiteren gibt der Artikel her Historisch- politischen Blätter in der Hauptsache die Aus- führungen wieder, welche der Vorsitzende der Görresgesellschaft, Prof. Dr. Frhr. v. Hert- ling, in mehr als einer programmatischen Kundgebung bei Eröffnung der Generalversamm' lungen dieser Gesellschaft und besonders nach­drücklich in Aufsätzen über das Thema Katho­lizismus und Wiffenschaft im letzten Hefte deS Jahrganges 1897 und in den ersten Heften deS Jahrganges 1898 der Historisch - politischen Blätter zu dem in Rede stehenden Kapitel ge­macht hat, bringt dann in Erinnerung, wie der ordentliche Profeffor der Chemie an der Univer­sität Königsberg, Dr. Wilhelm Lossen, in seiner 1901 als Bereinsschrift der Görresgesell- schäft erschienenen Schrift Der Anteil der Katho­liken am akademischen Lehramte in Preußen der Frage „ganz konkret" gegenübergetreten ist, ob heute noch ein Fernbleiben der Katholiken von dem akademischen Lehramte in den Verhältniffen seme Rechtfertigung finde, und wiederholt schließ­lich, was auf der vom 10. bis 12. Oktober dieses Jahres in Mainz stattgehabten General- Versammlung der Görresgesellschaft dos Mitglied des BerwaltungsausschuffeS der Gesellschaft Justizrat Dr. Jul. Bachem in seinem Referate über die vor kurzem zum Abschluß gelangte zweite Auflage des StaatSlexikons sowie daran anschließend auf den zu Ehren der Görreszesell- schäft von den vereinigten katholischen Srudenten- korporatfi nm veranstalteten Kommerse speziell be­züglich der Verhältnisse der juristischen Fakultäten ausgeführt hat.

Der Artikel der Historisch-politischen Blätter klingt in folgende Sätze aus:

Werde» die fortgefefcten ernsten Mahnungen end­lich Erfolg haben? Die Dinge stehen in der Tat so, daß einer wissenschaftlichen Betätigung junger katho­lischer Gelehrte» an den Hochschulen keine Hinderniffe mehr im Wege stehe», welche festes Wollen und tüch- ttgeS Könne» nicht zu überwinde» vermöchten. Wenn die deutschen Katholiken ferner in dem Maße wie bis­her von den Hochschulen auSgeschaltet bleiben, so wird eS in erster Linie ihre eigene Schuld fei».

Der dasselbe Thema behandelte Artikel im Hochland stellt mit Befriedigung fest, daß der Mainzer Appell Dr. Jul. Bachems in den Or­ganen der verschiedenen katholischen Studenten­korporationen einen lebhaften Widerhall gefunden habe.

Die .Akademischen Monatsblätter', dar Organ deS Verbandes der katholischen Stu- dentenvereine Deutschlands, gibt denselben wieder und fügt hinzu:

Die Berechtigung dieser Mahnworte wird niemand leugnen, der die Verhältnisse kennt. Wer aber, wie der Schreiber dieser Zeilen schon seit Jahren bei seinem Bestreben, Studierende auf die rein wifsenschaft- jiche Karriere hinzuweifen, fast regelmäßig die trübe Erfahrung gemacht hat, daß das bequeme Brotstuden- tum leichter Anhänger findet als der schwierigere und von vornherein nicht so aussichtsreiche, aber schließlich, wie die Berhältniffe einmal liegen, verdienstvollere Wiffenschaftsbetrieb, der wird zu der Rede deS Herrn Dr. Jul. Bachem sagen: „DaS war daS rechte Wort, am rechten Ort!" Es ist in der Tat zu bedauern, daß gerade rheinisch, Juristen, die über gemünzte und un­gemünzte Talente in beneidenswertem Maße verfügen, fich so schwer dazu entschließen können, der akademischen Laufbahn vor dem Notariat und der Anwaltschaft den Vorzug zu gebe».

In der ,Akadernika/ Monatsschrift des KartellverbandeS der katholischen (farbentragenden) deutschen Studenten. Verbindungen, fügt der Re* dälteur Dr. Wurm dem Abdruck der Bachemschen Ausführungen seinerseits hinzui

Diese Worte verdiene» dringendste Beherzigung üftd Beachtung, namentlich auch bei u»s im C. V. In der Akademia ist schon mehrere Male auf oiesen Punkt hingewiesen. Wir haben unter unsere» alten Herren 29 Dozenten an Universitäten und technischen Hoch­schule», davon lo in Deutschland, 6 in Oesterreich, 7 in der Schweiz; es kommen noch mehrere Dozenten an Lyzeen; theologischen und andere» Anstalten hinzu. Die Zahl 29 muß für ein Philistertum von 3600 als viel zu gering bezeichnet werden. Bon diesen 29 ge­hören 9 der theologischen Fakultät an (in Deutschland 6), 4 der juristischen (in Deutschland 3-, 1 der medi­zinischen (in Deutschland keiner), 15 der philosophischen (tu Deutschland 7). Privatdozenten haben wir gegen­wärtig überhaupt nur zwei. Wir haben im C. V. doch so manchen, der ausgezeichnete Examina gemacht hat, dem also die Fähigkeit nicht abgeht, und dem auch die pekuniären MUtel nicht fehlen, Privatdozrntzuwerden. Wo sollte also daS Hindernis liegen, die akademische Laufbahn einzuschlagen? Also an die Unive-fitäten! Namentlich sei die Mahnung an die Juristen, Medi­ziner und StaatSwiffenschaftler gerichtet. Mag c5 auch leichter sein, Amtsrichter und Anwalt und praktischer Arzt zu werden. Worauf eS uns Katholiken in Deutsch­land ankomwt, ist, daß wir mehr katholische Dezente» haben, und da darf der C. V. nicht zurückbleiben. Hoffentlich kann die Akademia recht bald von neuen Privaldozeuten auS dem C. V. berichten, namentlich in der juristischen und medizinischen Fakultät.

Der Herausgeber der Unitss, des Organs des Verbandes der katholischen wissenschaftlichen Gtudentenvereine, knüpft an die Wiedergabe der Bachem'schen Ausführungen die nachstehenden Bemerkungen:

Dm Uuitariern sind diese Gedanken nicht neu. Herr Justizrat Dr. Jul Bachem nahm schon wieder­holt bei Gelegenheit unitartscher Festlichkeiten Veran­lassung, die junge» Studierende» und Studierten auf die Dozentenkarriere besonders in der rechts- und staatrwiffeuschaftliche» Fakultät hinzuweifen. Dennoch ist eS al» höchst bedeutsam zs verzeichnen, daß Herr Dr. Bachem dieselbe» Ideen mm auf der Generalver­sammlung der Görresgesellschaft, also sozusagen von autoritativer Stelle auS, vertrat. Und da bin ich der feste» Hoffnung, daß dieser Weckruf in den unttarischen Kreisen, die eS angeht, nicht verhalle» wird, ohne daS Zielbewußtsein ein gutes Glück höher geschraubt zu haben. Man sollte meinen, daß eS speziell in unserem Verbände, der daS Prinzip der socienti» praktisch be­tätigt, wie ein fühlbarer Ruck durch die jungen Juristen gehen müsse bei solchen Worten.

Hoffentlich macht der „Ruck" fich bald „fühl­bar"! Hier muß Wandel geschaffen werden. Alles, waS Einfluß hat, sollte immer aufs neue einsetzen; denn eS handelt fich bei der Anteil­nahme der deutschen Katholiken an dem wissen­schaftlichen Leben unserer Hochschulen um eine Frage von weittragender Bedeutung. Mit vollem Rechte hat Frhr. von Hertling auf der Mainzer Generalversammlung der Görresgesellschaft be­tont, daß die deutschen Katholiken auch ihre starke Position im politischen Leben auf die Dauer nicht würden halten können, wenn sie nicht auf allen Gebieten des geistigen Lebens fich als ebenbürtig erweisen. (.K. V.')

Berlin, tzen 13. Dezember 1994.

* „(gilt ernstes ZeicheU Z-U" hat die,Tägl. Rundschau' entdeckt. 8. Dez. trat der mit seiner Rede gegen den „Ultras"' tanisrnlls" im ganze» Reiche hausierende Graf Hoensbroech fn einer Stube lltenversamm- lur.g in Leipzig auf. In 'der sich an den Vor­trag anschließenden Diskussion trat nach dem Berichte deS geno nuten Blattes ein katholischer Student der Jurisprudenz auf und erklärte: «Ja, so ist es, der Papst hat auch heute noch das Recht, Könige abzusetzen, Staatsgesetze zu annullire», Untertanen vorn Treueide zu ent­binden." Sollte der wackere Jüngling nicht ein Strohmann des hausierenden Exjesuiten ge­wesen fein?

** Die,Tägl. Rundschau hatte unter der Ueberschrist "Klerikales aus Spanien" einen ge­hässigen Artikel gebracht, der die schwersten Be, lridigungen des Erzbischofs Nozaleda von Valencia enthielt und u. a. behauptet, er sei „für das ganze spanische Volk der Typus eines ver­abscheuungswürdigen Mönches, eines vollendeten Hochverräters und Vaterlandsverächters." Wegen dieser und anderer schweren Beleidigungen hatte sich der verantworlliche Ausland - Redakteur des Blattes, Friedrich Hussong, heute vor dem Berliner Schöffengerichte zu verantworten, nachdem der Erzbischof Nozaloda durch den Justiz­rat M edler hierselbst Strafantrag gestellt hatte.

Das Schöffengericht verurteilte ihn, wie die ,Germ., berichtet, zu 50 Mk. Geldstrafe eoent. 5 Tagen Haft und zur Publikation des Urteils auf der ersten Seite der .Täglichen Rundschau'. Dem Verurteilten wurde zwar der Schutz des § 193 des R. - Str. - G. - B. (Wahrnehmung berech­tigter Interessen) insofern zuerkannt, als die .Tägliche Rundschau' die Aufgabe habe, die „klerikalen Tendenzen zu bekämpfen und deshalb auch Berichte über „klerikale" Bewegung im Aus­lande im Interesse ihres Leserkreises bringen müsse, aber au» der Form der Aeußerung gehe die Absicht der Beleidigung hervor, weshalb eine Verurteilung und Bestrafung eintreten müsse. DaS Urteil des Schöffengerichts ist sehr milde ausgefallen, zumal wenn man, wie Herr Justiz­rat Medler hervorhob, in betracht zieht, daß am Schluffe desselben Artikels der,Tägl. Rundschau' die Tatsache festgestellt war, daß der spanische Ministerpräsident Maura den Erzbischof Nozaleda in der Kammer verteidigt hatte und daß ein des­wegen beantragtes TadelSvolum mit 128 gegen 69 Stimmen abgelehnt war. — Bemerkens­wert ist ferner die prinzipielle Zu­billigung des Schutzes deS § 193 in diesem Falle, mit der Begründung, welche das Gericht, dieser Zubilligung gegeben hat. Danach würden die Organe deS Evangelischen Bundes sich ungestraft allen Verdächtigungen und Ver­leumdungen katholischer Kirchenfürfien hingeben dürfen, wenn sie nur die Form der Beleidigung dabei vermeiden.

* „Wer selbst im GlaShause sitzt . .

Schon oft ist Katholiken ein Vorwurf daraus gemacht worden, daß fie bei Einkäufen und Ver- gebunz von Arh^en Glaubensgenossen bevor­zugten und Andersgläubige aus schlossen — ob­schon daS aus katholischer Seite am averwrn^,.^ geschieht. Nun finde» wir in der Neuen Oder- futufener Zeitung, dem amtlichen Organ für den KrelS Ober^^u (Nr. 285 ^m 6^ Dezembn). Lieferungen zum Neubau ~oe£ evangelischen Kirche in Oberhause» au^fckrieben, “ der vom Bauleiter veröffentlichte» effannt« mschung heißt eS: „Die Ausführung folgender Arbeiten und Lieferungen sollen gehesnt oder in Mehreren Losen zusammen im Wege der öffent­lichen Ausschreibung an evangelische Unter­nehmer und Handwerker vergeben werden." Wir verübeln eS den Protestanten nicht, wenn sie beim Neubau einer Kirche lediglich ihre Glaubensgr- noffen heranziehen, und es fällt uns daher nicht ein. Über die vorstehende Bekanntmachung ein Geschrei zu erheben und über konfesfionelle Ein­seitigkeit und Rücksichtslosigkeit zu klagen. Aber was werden die katholikenfeindlichen Organe da­zu sagen, die sich, wenn auf katholisch?r Seite ähnliches geschieht, vor Sntrflftung nicht zu fassen wissen? Oder ist es „etwas anderes", wenn Pro­testanten das tu», wegen dessen man Über die Katholiken herfällt?

* Die Bndgetkommisfio« des Reichs­tages beendigte heute die Generaldebatte Über die Novelle zum Reichs stempel gesetz. Abg. Müller-Fulda (Zentrum) weist daraus hi», daß seit vier Jahren die Einnahmen aus dem