31. Jahrgang.
zul-a, Dienstag, den 13. Dezember 1904.
M 285
)) erstes ßlatt
JIus dsmBeicbstag
verantworMcher HM W
schefftleitenZof-vanru
Wochenb-Uag-: „Zilustrierte Sonntagzzeitung
Deutsches Reich.
Berlin, den 12. Dezember 1904,
* Aus Deuisch-Tüdwestafrika. General s. Trotha melde: aus Windhuk unter dem 10. Dezember: Hendrik Witbooi ließ bei der panikartigen Flucht auS Rietmont seine BrKfschaften zurück. Wagen, Gewehre und Munition wurden in Rietwont und Marienthal gefunden, die Zahl dis Beuieviehs wird auf 12000 Stück geschäht. Die Spuren des Fein, des gehen von Kalkfontrin in östlicher und südöstlicher Richtung auseinander. Oberst Deimling will Major Meister mit der weiteren Brrfolgvnz der Witboois beauftragen, und selbst mit der Abteilung Kleist nach dem Süden marschieren, um zusammen mit der Abteilung Lengerke Mo- renga anzugreifen. Die schlechten Weide- Verhältnisse des Südens bedingen starken Hafennachschub, der bei den schwierigen Wege- oerhällniffen und dem Waffelmangel große Anforderungen an die Kolonnen und Trains stellt und dir Verfolgung ungünstig beeinflußt.
• Sine eene Verlustliste wird aus Süd- westafrika mitgeteilt: Am 5. Dezember im Gefecht bei Narts gefallen: Sergeant Karl Litt, Sergeant Adolf Boigt; schwerverwundet: Unteroffizier Karl Kleeöerg, leicht verwunde,!: Unteroffizier Erdmann, Sergeant Julius Wend- ler, Gefreiter Otto Kunisch, Retter Heinrich Koch. Am TyphuS gestorben: Sanitätsuuterofstzier Friedrich Geßmann, Sergeant Schleßmann, Leutnant Gustav Eihardt ans Simmersfeld, Gefreiter Gustav Hanfer sus Mengen und die Rester Wsthrlm Kropp aus Darmstadt, Gustav Tschea aus Raubten und Franz Herrndorf aus Guffen. Im Gefecht bei Rietmont am 2. Dezember gefallen: Kriegsfreiwilliger Jacob Geißler, Rester Wilhelm Schütt ist an Bord des Dampfers „Eduard Wörmann" an Gelenkrheumatismus verstorben.
* Ueber den ehemaligen Oberleutnant Rüger, der am Kaiser-GebmtStag 1900 in Mörchingen den Hauptmann Adams erschoß und dafür vom Ober kriege grricht mst SJahren Zuchthaus bestraft wurde, wird in militälischen Kreisen viel besprochen. Rüger wurde, nachdem er zwei Jahre im Zuchthaus zu EnferS- hrim verbüßt hatte, für den Rest zu Gefängnisstrafe begnadigt und in das Straßburger Bezirksgefängvis übergrsührt. Am Kaiser-Geburtstag 1903 wurde er vollständig begnadigt. Er richtete damals ein Gesuch an die Militärverwaltung und bat, als gemeiner Soldat in die Schutz truppe m Deutsch- Südwestafrika eintreten zu dürft». Da die Zuchthausstrafe in Gefängnis umgewandeit worden war, glaubte er auch damit von d-r mitdrr ersteren verbundenen Entehrung befreit zu sein. Dies traf aber nicht zu, da brr Eintritt
Anzeigern vir «s» fpalttge Petitzeile oPxi deren Saum 15 Ptt Beflamtn dieprtitzei^ 25 Pf8.; bei Wiederholungen wird «stspr
Sabatt gewährt.
Druck und vertag des 8«lda«r Aciiendrucker«-' in gelbe (Harmonie
Fernsprecher Ur 9
oct ww «dKeiertage. viertel' M^ve;»S»prei, Set Sringerloh« und
Dir Zahl der Unfälle im Bergwerksbetrieb sei zwar gestiegen, aber daS komme daher, daß jetzt auch die lleir.ste» Unfälle zur Ameiar gebracht würden.
Staatssekretär Graf PofadowSktz berichtet über die wiffenschastlicheu Untersuchungen im ReichSgesund- heitsamt über die Wurmkrankheit. ®8 sei bei Tieren sestgestellt, daß der Wurm nicht bloS durch den Mund in den menschlichen Körner eintrete, sondern auch durch die Haut. Es solle weiter untersucht werden, ob daS beim Menschen ebenfalls der Fall sei. Trockenhaltung der Betriebe und Reinlichkeit sei daS beste Mittel zur Bekämpfung der Krankheit. Die Desinfektion nutze nicht viel. Dabei sei strenge Ueberwachuug der der Wurmkrankheit Verdächtigen notwendig. Dem Reichstag werde über die Untersuchung deS ReichSgesund- heitsamts demnächst eine Denkschrift zugehen.
«bg. Bomelbnrg (.6.) beschuldigt die Knappschaf, ten und BergwerkSbesttzer, daß fie mit Ausgaben zur Vorbeugung von.UnglüdSfäUen und Gesuudheitsschä- digungen geizten und daß sie Gaunereien gegen die Bergirrvaiiden verübten.
Abg. Stopf0) (fr. 8p.) beantragt Ueberweisun« deS Antrags Auer zur Berücksichtigung. , ,
Preuß. BundesratSbevollmächtigter Geheimrat Reust verteidigt den Bochumer KnappschastSvereen wegen der von ihm geübten Anrechnung der Reichs- invalideu-Rente auf die Berginvaltden-Rente. DaS ser keine Gaunerei, sondern beruhe auf dem Gesetz.
Abg. Sachse (Soz.) hält die Charakterisierung deS Verfahrens deS Bochumer KuappschaftSvereinS als Gaunerei aufrecht und wirst der Reichsregierung vor, daß sie nicht genug für die Bekämpfung der Wurm- krankbeit getan habe.
Staatssekretär Graf PosadowSky erwidert, daß die Bekämpfung der WurmkrankheU Sache der Sinzel- staaten sei. WaS das Reich zu tun habe, nämlich die Krankheit zu erforschen, habe eS getan.
Abg. »urlage (Ztr.) stellt gegenüber einer Behauptung des Abg. Sachse fest, daß Abg. Hitze nicht gegen eine gesetzliche Mitwirkung der Arbeiter bei der Bergaufsicht fei.
Die Diskussion schließt.
Die Resolution Stötzel wird angenommen. Der Antrag Auer wird der Regierung als Material überwiesen.
Morgen: Resolutionen zum Etat bett. Handwerker. Versicherung und BesähigungsnachweiS.
Schluß 7 Ubr.______________________
Ausgestoßen.
Bon Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene Krembs.
38 ------(Nachdruck verboten.)
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Nach einige« Woche» war Aimee in La Landy so eingewöhat, als hätte fie ?r niemals v er la ff m. Die Zufriedenheit und Ruhr ihrer Seele konnte man von ihrem heiteren Gesichte abhfen. He r Marie! strahlte vor Freude, wenn er fie betrachtete. Stundenlang konnte er »eben ihr fitze« und wußte nicht, was er alles zu ihrem Vergnüge« und ihrer Bequemlichkeit tun sollte Doch da« junge Mädchen wehrte in ihrer Miifachheit allm Neuerungen. So wie es war, so »siel e- ihr.
Nur gestattete fie dem Sonnenlicht freien Eingang durch die breiten, von fchl eeigem Muffil» umrahmte« Fenster; und Blattpflanzen nnb blitzende Blumen, vornehmlich breitblätterige Palmen und sarbenpräch. tige Azalien au» dem Warmhaus belebten die geräumigen Wohnzimmer.
Wen» de« Morgen» die Adeglocke ertönte, weichst, fchaü-nd über da» stille Tal, erhob fich da» junge Mädchen, getreu ihren einstigen Gewohr Herten und
® Gretchen8 Begleitung zur Kirche.
Auf de» Wege dahia läng» de« Usern der Maine begeanrten ihr ®: tippe» von Männern und Frauen, die fich zur Fabrik begaben.
«nsar.g» drehte» fich die Arbeiter um und scheu t« rangen Dame rach, die i-^ttn und graz-ösen Schrittes über bie bereisten Pfade ging; während sich die Morgenröte kaum am Himmel zeigte Später Müßten olle mit Achtung und Verehrung dar "gatt gtäultie" ei» fie da» junge Mädchen näher kenne» lervte«. Den» e» gab beb en der Uwgrdsng DeueS
Siot, die fie richt gelindert, keine arme Hütte,
* Der russisch-japanische tlrieg.
Die Lage auf dem Kriegsschauplatz in der Rordmaudschurei ist allem Anschein nach unverändert. „Nur, so oft bie Truppen ihre Stellungen wechseln, kommt es," so wird dem Bureau Reuter aus Mulden gemeldet »zu leichtem Feuer. Recht unwahrscheinlich klingt jedenfalls, was fich der ,Daily Telegraph' aus Schanghai telegraphieren läßt. Danach sollen die Russen nach 72 stündigem harten Kampfe fich nach dem südlichen HunhoUfer zurückgezogen haben. Am vierten Tage seien die Japaner zum Angriff übergegangen. Bei der Station Mulden herrsche große Verwirrung.
Dasselbe Blatt weiß auch über die jetzige Stär.ke der russischen Armee genaue Auskunft zu erteilin Sie soll 4C0 000 Mann, darunter 40 000 Mann Kavallerie betragen. Die Japaner kaufen auf neutralem Gebiete Kamele auf. 2000 Japaner landeten bei Kint- schau. Man glaubt, daß dies darauf hindeutet, daß die Japaner eine fliegende Kolonne gegen die rückwärtigen ruffischen Verbindungen nördlich von. Tirling senden wollen.
Aus Port Arthur liegen tei^e Nachrichten von wesentlicher Bedeutung vor. Der FortSgürtel fich allein lebte unter demselben Dache mit ihrer nächsten Familie.
Zar Ehre Herrn Friedrichs muß gesagt werde», daß er die Vorurteile seiner Frau nicht teilte. Wenn er fich auch anfangs etwa» zurückhielt, so bezeugte rr seiner Nichte en der Folge eise um so herzlichere Freundschaft. Ost vrrbrschte er einen großen Teil der Abendstunden bei den „Nachbar» im rechten Flü- g-l". Unb wenn der Thee im silberner Kissel so gemütlich summte und die glühenden Holzscheite im großen Samin eine behagliche Wärme auSstrahlten, dann bejammerte Herr Friedrich die blinde Halsstarrigkeit seiner Frau und versicherte ein übers andre Mal, fie Würde mit Freuden an Armee Mutterstelle vertreten, sobald fie nur ihre Nichte kenne« lernte. Allein mittlerweile bezeugte die stolze Patrizierin der Waise nur Mißachtung.
Schon häufig hatte Aimee am Fenster gestanden und mit feuchten Auge» den Spielen der beiden Kinder Frau Friedrichs zugesehen, wie fie auf dem gefrorenen Teich Schlittschuh liefen oder den hungrigen Bög-lchen Futter streuten. , t
Eben so oft hatten ztv-i hübsche Köpfe, ein blonder «ed ein brauner, fich herumgrdreht zu chren Zimmer» und manch nevgiertgen Bick hatte fie ausge- fongei?.
Aber wenn Hiinrich und Margarete fich zu lange in dir Nähe de» rechten Flügels aufhielten, so erschallte alsbald die heroische Stimme der Mutter, und die Waise sah feuftend die beiden Kinder sich Hand in Hand eiligst entfernen. Diese lieblichen Geschöpf- che» wären ein Eonrrnstrahl flewtpn für die g oßen leeren Räume, die fie mit frohen Sümmchen belebt hätte«.
Aimee litt uvter dieser Ent rembung Allein auch die beide» Kinder brannten vor Bertange«, die Be- kanuischaft der groß-n schönen Base zu mache», die so lieb und gut LUSsah.
(Fortsetzung folgt.)
110. Sitzung vom 12. Dezember 1904.
Eröffnung l1,« Uhr.
Fottsetzung der znm Bergrecht vorliegenden Resolutionen Stötzel und Genosfen (Zenkrum) und Auer und »tneffe« (Soz) auf Ausdehnung deS BergarbeiterschutzeS, Bekämpfung-der Wurm- krankheit, gleichmäßige Echichtzeit von 6 bejw. 8 Stunden, Ueberwachuna der Schutzvorfchristen durch Arbeiter, Verbot der Frauenarbeit und Regelung des KaappfchaftswesenS. „
Abg. Burckhardt (wirtsch Bzg.): NameuS der christlich-sozialen Bergarbeiter kann ich mich mit beiden Resolutionen im wesentliche» einverstanden erklären. Allerdings halte ich es mit dem Abg. Dr. Spahn für richtiger, die sozialdemokratifche Resolution der Regierung alS Material zu überweisen.
Abg. Korfanty (Pole) erklärt, die Polen stehen grundsätzlich auf dem Bode» der Resolution Auer. Im weiteren verlangt Redner den Gebrauch der polnischen Sprache bei drrgamtlichen Bekanntmachung,».
Abg. Dr. Paasche (ntlb.): Dem Antrag des Zentrums werden meine Frermde ohne weiteres zustimmeu können. Wir sind gern bereit, die Lage der Bergarbeiter zu verbeffern. Jnd-ffen haben wir Bedenken, die Frauenarbeit grundsätzlich zu verbieten. Den» wenn ihre Männer erkranken oder mit dem Tode ab- geken, so kann ma» de» Frauen den Verdienst doch nicht untersagen. Die Bestrebungen zur Schaffung eim5 hygienischen Arbeitstages für Bergarbeiter haben mir stets einmütig unterstützt und werden sie auch weiter unteistützen, ebenso die Bestrebungen, die jetzige Unficherheit bei den Knappschaftskaffen zu beteiligen. (Beifall bei den Nationalliberalen)
Abg. Stütz l (Z) begründete nochmals eingehend den Antrag des Z-ntrumS. Er wie« darauf hin, daß durch die Stilllegung von Zechen im Ruhrkohlevrevier viele Arbeiter arbeitslos geworden find, daß die Freizügigkeit der Arbeiter beschränkt werde, indem der Zschenbefitz in immer weniger Hände gelange und daß dir Forderungen, welche der Zentrumsantrag enthält, durchaus erfüllbar find. Bor allem handle es fich um die Ginführung des «stündige» MaximalarbritStageS, Sin- und Ausfahrt eingerechnet, um daS Verbot der Beschäftigung lugendlicher Arbeiter und die allgemeine Einführung von BrbeiterauSfchüffe», sowie schließlich um eine Reform der Knappschaften. Die w-itergehendeu Forderungen der Sozialdemokraten beantragt daS Zentrum der Regierung alS Material zu überweisen.
Die Abgg. Bömetbnrg (S.), Sachse (S.) und Megda« (frf. Vp.) traten dagegen für die uneinge- schräulte Annahme dieser Anträge ein, Korfanty (Pole) äußerte fich in demselben Sinne. Dagegen sprachen fich die Abgg. Dr. Paasche (nil.) und Burckhardt(wirtsch. Vgg.) für die Annahme deS Zentrumsantrags auS, sowie für Ueberweisung der sozialdemokratischen Anträge als Material.
Preußischer Geh. RegierungSrat Meißner stellt fest, daß die Dauer der Schichten innerhalb deS preußi- fchen Bergbaues nicht gestiegen sei, ebenfalls nicht die Zahl der Ueberfchichten. Sin kausaler Zusammenhang zwische» Ueberschichichteu und Unfälle» bestehe nicht.
meinet Mutter hat meinem Herzen eine Wuave geschlagen, die nicht vernarbt.
„Wie oft hat die Hoffaung mich schon betrogen! JrdeSmal wenn ich glaubte, den Traum meines Le- brnS, ein ruhiges ftiedlicheS Dasein am eigenen Hrrd verwirklicht zu sehen, ist meine Erwartung grausam geflött worden. So zweifle ich auch jetzt noch an der Zukunft....
„Aber nein. Ich Will mich nicht versündige«. Sott hat mein Schmal gdeitet und ihm will ich auch daS We tere anverrrauen und jetzt, wie Du mir manchmal gesagt hast. *ber Gegenwart leben*.
„Bcdame mich, mein guter, alter Freund; schelte, daß ich undankbar und unvernünftig bin, aber bewahre mir Shine Zuneigung! Sie War mein Trost in den Tagen der Prüfung. DaS Werde ich Dir nie vergeffen .... Du mußt jedoch entschuldigen, daß ich so feiten davon spreche . . . .*
Dan» verginge» Wochen und Monate, während die Feder untätig im Schreibpulte ruhte
Auf ihren Sängen der Nächstenliebe jedoch suchten SimeeS Augen oit unbewußt den Süden. Und wenn fie zu Hause allein war, inten die Gedanken durch die P'ade der Erinnerung ....
Dann neigte fich der Kopf schwer auf die Brust, daS Buch, in welchem fie lesen wollte, entglitt unbemerkt von ihrem Schoße auf den weichen Tepp ch, und daS Feuer erlosch langsam im Kami».
Arm » Kind! Ja, ihr weiches zartbesaitetes Gemüt litt unter mehr al» einem Schi erz.
„DeS Lebens ungemischte Freude wird keinem Sterblichen zuteil!*
Dieser alte, aber traurig wahre Satz trat oft aus ihre L pp n. Wenn fie auch unter sanftem Lächeln vor ibr-m Bater ihre Angst verbarg.
Jedermann achtete und liebte Aimee; nur Frau Friedrich hatte sich ettichiede» g« weigert, bie „Tochter die Somödiar tin" oufznmhme». * lle ArmähervngS- versuche tlrtr Nichte bli-bnr »ergebens und ließe» fie ungerührt, so daß Armee gezwungen« .«tie fe für
in die Schutztruppe nicht gestattet wurde. Rüger ging daraus als Privatmann nach Afrika und schloß sich dort aH Krankenpfleger einer Kolonne an. Sein Verhalten dort soll vorzüglich gewesen fein, und er soll auch in mehreren Gefechten eine hrivorragende Tätigkeit bewiesen haben. Auf Grund dieses Verhaltens soll nun, wie Privattrachrichtep aus DeutschSüdwistafrika melden, ein Verfahren zur Wiederaufnahme ins Heer entgleitet worden fein.
* StittNttttttSsdild ans dem Reichstage. Im Reichstage herrschte heute eine muster- hafte Friedlichkeit und Stille. Wenn man die Augen zumackie, merkte man kaum, daß außer dem jeweiligen Redner noch jemand im Saale war, und so wenige waren es dock nicht. Wie die zahlreichen Zuhörer auf den Tribünen das stundenlang äugelten, gehört zu den viel'n ungelösten Rätseln des Lebens. SBBenn sie in einer unruhigen Sitzung nicht wanken und nicht weichen, wiewohl sie von der Debatte kein Wort verstehen, so begreift man das ja einigermaßen aus ihrer Erwartung, daß sich doch noch ein tntereffanter Zwischenfall ereignen werde. Aber was konnte» sie heute erwarten? Höchstens, daß alles einschliefe. Es standen gut abgelagerte Resolutionen auf der Tagesordnung. Zunächst die schon in der vorigen Woche angeschnittenen Resolutionen zum Bergrecht. Ein Redner nach dem anderen trat auf, um darzulegen, welche sozialen und sonstige« Maßnahmen er im Interesse der Bergarbeiter für notwendig halte. Der eine forderte mehl, der andere weniger, aber alle waren darin einig, daß noch manches und möglichst bald zu geschehen habe. Der zahlreichen Wünsche und Beschwerden der Bergarbeiter im rheinisch-westfälischen Kohlengebiete nat?m sich besonders der Zenirumsabgeordnele Stötzel mit ebenso viel Entschiedenheit wie Sachkenntnis an. Staatssekretär Graf PosadowSky berichtete überden Stand der wiffenschastlichen Untersuchungen im Reichsgesundheitsamte über die Wurmkr ank- heit und teilte mit, daß dem Hause eine eingehende Denkschrift vorgelegt werden solle. Ueber die Wurmkrankheit wurde dann noch viel gesprochen. Der Genoffe Sachse trieb aber doch mit feinen endlosen Reden schließlich die zähesten Zuhörer zum größten Teil in die Flucht. Der Antrag Stötzel wurde einstimmig angenommen, der Antrag Auer der Regierung als Material überwiesen. Da es mittlerweile gegen 7 Uhr geworden war, wurde die Beratung weiterer Resolutionen auf morgen vertagt.
V Berlin, 12. Dez. 1904. Der Kaiser kam beute vormittag von Potsdam »ach Berlin, um der Generalprobe von LeoncavalloS .Roland ven Berlin" im kgl. Opernhaufe beizuwohnen. — Der Fürst von Schaumburg.Lippe hat fich, »ach der.Baff. Ztg/, auf der Sarjagd eine Fußverstauchung zugezogen. Infolge dieser Verletzung ist eine schmerzhafte Schwellung eiugetrete», sodaß der Fürst gezwungen ist, einige Zeit das Zimmer zu hüte». — Auch zwischen Hamburg und Preußen schweben zurzeit Lotterieverhand- luugen. SS haubell fich aber nach dem .Hamburger Fre-ndenblatU nicht um eine Gemeinschaft, sondern um gegenseitige Zulassung der Lotterie». — Der .Reichsanzeiger' meldet, daß dem ordentlich,» Professor welche sie nicht betreten, um Kranke mit eigener Havd zu pflegen oder Betrübte zu trösten.
Sie öffnete nicht nur ihre Börse, fontern auch die Schätze ihre» Herzens, fie gab vor cllm Dingen mit großem Zartgefühl and freundlicher Miene. Was Wunder, wenn idr Nrrne gleichzeitg mit einem Segenswunsch über bie Lippen bet Bedrängten gmg!
Dem Bater za Gefallen li.ß Aimee sich Lt einige vornehme Familien der Städtchens einführen, wo fie auch, Herr» Mariels Wegen, freundlich aafgenouimm wurde, doch merkte sie bald, daß die ernste Richtung ihrer Gesinnung schlecht zu den ziemlich leichtfertigen Gewohnheiten der Leute paßte. Sie machte daher nur selten Besuche.
I» La Landy wurde ihr die Zett niemals lang. Die Stunden vergingen im Fluge: fie sorgte für die Hautbaltung, trieb Musik, las ober plauderte mit dem Baieft der soviel von seinen Re fm zu erzählen wußte, während ihre geschickren Finger Kleidungsstücke für die Armen verfertigten.
Wohl kam es auch vor, daß in einsamer Sunde, wenn der Fabrikbesitzer seinen Ge Lasten nschgivg, AtmeeS Gedanken in die F-rne schweiften, zum Grabber geliebten Mutter oder in der Erinnerung an Roll.
Zuerst hatte fie ihm oft geschrieben, von ihrem Glücke beim Bater, von ihren neuen Freunden, den Armen usd Arbeiterfamilien in La Landy.
Aber nach und nach stoche der Briefwechsel, ohne daß fie selost wußte, warum.
„Warum soll ich Dir stets dasselbe sagen, lieber Bruder?* schrieb fie eine# Abends; „Tu weißt nun, welches Leben ich rühre „Die Vorsehung hat mick in dem Hafen landen lcfftn, den fie mir aus Erden bestimmt, bis ich die letzte Reise antrete zu den einigen Grstad-n, wo die höchste Seligkeit herrscht .
„Hier bin ich glück! cd, ja, ich kann «S nicht genug Wiederholen .... Aber efi mein Glück vollkommen? .... Leid« muß ich gestehen: nein!
„Ich find- auf dem Gernd« metre: S efe vne Leere, bie niemals aus gefüllt werden Der Tod
ia der katholisch-theologische» Fakultät der Universität in Breslau, Geheimen RegierungSrat Dr. Lämmer der Rote Adlerorde» zweiter Rtcffe mit Eichenlaub verliehen worden ist' — Dem Hause der Abgeordnete» ist folgend« Antrag Dr. Arendt zugegangen: .Das HauS bei Abgeordnete» wolle beschließen: bie GeschäftSordnungSkommisfion aufzufoi der», den § 29 der »rschäftSordnu-g einer Durchsicht zu unterziehe», um eine zweckdienlichere Keschäftliche Behandlung der Petitionen herbeizuführen."
(Wettere politische Nachrichten finde« unsere Leser im Zweiten Blatte. D. Red.)