gdertage. viertel- t Vrm-ENvy» wb» MttlMSVPf-
ZMaer
viertel-
a
V«Mrt»»»rtlicher «|riftiettet:3ef.B<m« ,.£Ä?Ä«. Wochenb-Uagi:„IllustrierteSonmagsjeitung
Zeitung
monatstoiage: „Zuldaer Geschichttslätter".
»njetgetti vr« e?» fpdttge petttjeile Mete« Bann |5 P»K. Heflame« die petitzeis« 25 Pf«.; bei wieder befangen wird entfp»
Habalt gewährt.
Druck und Verla- de« 8«ldaerActiendrucker^ in Kulda t Harmonie» Zernfprecher Ux. 9.
M 284.
§ulöa, Montag, den 12. Dezember 1904.
31. Jahrgang,
Deutsches Reich.
Berlin, de« 10. Dezember 1904
* EtimmaugSbild auS de« Reichstage. Im Reichstage wurde am Samstag die vor acht Lagen begonnene erste Beratung deS StatS und der Militärvorlage zu Ende geführt. Zunächst unterhielt der elsässische Hospitant der Süddeutschen Volkspartei Adg. Blumentha das nicht gerade überfüllte Haus ein Stündchen mtt seinen Späßen. Er sagte weder zu dem Etat noch zu den Milttärvorlagen auch nur ein Wort, sondern erging sich vorzugsweise in Be» Pachtungen über die Verhältnisse Elsaß-Lotl- ringens. Dabei glaubte der Redner, der sich im Parlaments-Almanach als reformiert bezeichnet, aber noch immer Blumenthal heißt, der Zentrumspariei und den Katholiken eine lange Vorlesung über den konfessionellen Flieden halten zu müffen, den er so sehr liebt, jene aber fortgesetzt stören. Abg. Dr. Heim verbreitete sich in seiner lebhaften Weise unter Rücksichtnahme auf die Aeußerungen seiner Vorredner zunächst über die Finanz- und Steuerfrage, schilderte weiter an einigen Beispielen die Auswüchse deS Syndikats- und Kartellwrsens und trat dann mit großer Entschiedenheit unter lebhafter Zustimmung der Mehrheit, oftmals durc> seine drastische Redeweise Heiterkett erwecken» für die Gewährung von Diäten ein, namentlich vom Standpunkte der Abgeordneten aus den nichtpreußischen Staaten aus. Jeden Gedanken an „Kompensation" durch Verschlechterung des Wahlrechts wieS er auf das bestimmteste zurück. Zum Schluff rechnete er mit dem Abg. Blumenthal, der sich als Friedensfreund aufspielt, während er die Konsesiionrn aneinander zu hetze» sucht, gebührend ab, was dem Hause sichtlich noch wehr Freude bereitete, als die Späße des Herrn Blumenthal, auf dessen Kosten «unmehr tüchtig gelacht wurde. Abgeordneter Dr. Paasche gab mit Recht seinem Befremden darüber Ausdruck, daß man am ÄundeSratStische keinen von den Rednern aus alle Fragen einet Antwort gewürdigt hat, daß aber der Reichskanzler sich jebeimal sofort zur Entgegnung erhob, nachdem Bebel und Dollmar geendet hatten, wiewohl diese Redner gar nichts besonders gesagt hatten. Das gebe der Sozialdemokratie einen Nimbus, der ihr nicht gebühre. Weiter legte er feine Ansichten über die Steuerfrage dar. Auch dieser Redner erklärte die Diäten für unbedingt notwendig; die Zustände würden unerträglich. Nunmehr schrie Bebel eine lange Erwiderung auf den Reichskanzler und seine meisten Vorredner hinaus. Da er unverdrossen jeden ihm nicht paffende« Satz eines Gegners breitspurig zu kritisieren pflegt, so wirkte die eintönige Schreierei bald ermüdend, wiewohl
zwei Ordnungsrufe etwas Abwechslung brachten. Dem vom Reichskanzler verlesenen Artikel der ,Leipziger Volkszeitung' schüttelte er gleich zu Beginn seiner Rede ab. Es hieß schon bevor Bebel zu sprechen angefangen hatte, der Reichskanzler werde ihm abermals antworten. Gra Bülow kam aber nicht, vielleicht weil er durch die Unterredung mit dem österreichischen Botschafter verhindert war. Gros Posadowsky, der ihn hätte vertreten können, war vermutlich durch den Abg. Dr. Pausche von der Erwiderung ab» geschreckt worden. Vom Zentrum sprachen «och die Abgeordnete« Osel, der u. a. unser handelspolitisches Verhältnis zu Amerika erörterte und zum Kampfe gegen die Schmutz, literatur aufforderte, und Gröber, her sich unter vielem fröhlichen Beifall des HauseS, nochmals de« Genoffen Bebel vornahm, und dem Abg. Storz gegenüber die stärkere Heranziehung des Laienelementes in der Rechtspflege, wie sie der Abg. Dr. Spahn angeregt hatte, verteidigte. Die weitere Debatte, die sich bis gegen 8/*7 Uhr hinzog, verlief in persönlichem Geplänkel.
** Welche Verdrießlichkeiten daraus entstehen können, wenn ein Referent im Justizministerium eine wichtige politische Anklageschrift nicht durchlieft, weil er in die Ferien gehen will, das hat heute die freifinnige Interpellation im Abgeordnetenhause über den Königsberger Prozeß gezeigt. Weil der Referent indem 222 Seiten umfassenden Schriftstücke nicht bis zur Seite 155 vordrang, deshalb ist nach der Aussage des Justizmmifters im Ministerium die Prüfung und Klärung der Frage unterblieben, ob die Gegenseitigkeit in den zur Anklage stehenden Punkten festens Rußlands gewährleistet fei. Man Hot sich vertrauensvoll auf falsche lieber» setzungen des russischen General-Konsuls in Königsberg und auf die Vorsicht des Königsberger Gerichtshofes und des Staatsanuialtes verlassen. In Königsberg hatte man aber nicht einmal einen authentischen Text des russischen Gesetzes. Daß die Uebersetzungen des General-Konsuls falsch waren, hat man im Justizministerium erst nad dem Urteile erfahren. Der Minister konnte woh das vorgekommene Versehen bedauern, aber er mußte eingestehen, daß ein Versehen vorgekommen ist. Er selbst hat dann auch übersehen, was in Königsberg erst durch die Verteidigung und ihren Sachverständigen klargestellt wurde, daß das russische Strafgesetz zwei Arten von Majestätsbeleidigung kennt und daß bei wörtlichen Majestätsbeleidigungen die Gegenseitigkeit nicht vorliegt. Er mußte weiter zugebsn, daß für das Einschreiten der Polizei und Staatsanwaltschaft eine „ungenaue" Uebersetzung aus den geschmuggelten Schriften, welche ebenfalls von dem ruf fische», Generalkonsul herrührte, maßgebend gewesen ist. Die Unterlage für die Anklage habe bann allerdings eine an deren Ueberfetzung des Privatdozent«« Rost gebildet. DaS Versehen mit der Verwechslung der beiden Paragraphen ist nach der Meinung des Ministers nicht von Bedeutung, da die Anklage haupisäch lich auf Hochverrat lautete. Zugeständnisse und
EnlschuldigungSverfuchr können nun einmal an der bedauerlichen Tatsache nichts ändern, daß arge Fehler begangen worden find und man sich von russischer Seite hat täuschen laffe«. Das russische Strafgesetzbuch muß nach allem, was man hört, ein ungemein konfuses Werk sein, in dem man sich nur mit großer Mühe zurecht finden kann, zumal wenn man kein russisch versteht und auf die amtliche lleberfi tzung angewiesen ist. Ts ist daher nicht allzu stark zu rügen, wenn bezüglich der Frage der Gegenseitigkeit Versehen vorgekommen find. Da aber jetzt das Reichsgericht zu entscheiden hat. <o hätte der Minister beffer getan, mit feiner Meinung noch zurückzu hallen. Vielleicht hätten auch die Interpellanten bester noch etwas gewartet. UebrigenS bleibt auch noch Klarstellung der Hauplfrage manches recht Unerquickliche an dem Königsberger Prozesse.
(Weitere politische Nachrichten finden unsere Leser im Zweiten Blatte. D. Red )
109. Sitzung vom 10. Dezember 1904.
Siöffmmg l‘/‘ Uhr.
Die Beratung deS State wird fortgesetzt.
«bg. Blumenthal (südd. BoltSp.) lehnte eine Vertretung Elsaß-LothriugenS im Bundesrate ab, weil die Stimmen des Reichslandes doch nur dem Staate Preußen zu gute kommen würden. Sodann folgte eine öde Kulturpaukerei, wie ste seit langer Zeit im Reichstage nicht mehr gehört worden ist. Redner stellte in Anknüpfung an tue Forderung des Abgeordneten Spahn, daß den Katholiken, auch dem einzelnen Katholiken, dem Ordensmann volle Gleichberechtigung gewährt werden müfle, die Behauptung auf, daß die katholische Kirche den Orden Regeln auferlege, welche dieser For- derung entgegenständen, da fie die Jntereffen anderer Religionsgemeinschaften und des Staates verletzten und den Frieden störten. Selbstverständlich bildete das Zentrum den besonderen Zielpunkt der Angriffe dieses Vertreters Slsaß-Lothringens. Diese Angriffe gipfelten in dem albernen Gemeinplatz, daß das Zentrum auf Grund der Parität alle Freiheiten und Rechte für fich in Anspruch nehme, sie aber anderen vormthalte. Den Famrcker Sirchhofsstreit benutzte der Redner zu neuen Brruugüwpfunzen der elsaß-lochringischen Katholiken, und er schloß mit dem Versuch, die Regierung gegen den katholischen Klerus scharf zu wachen, ein Versuch, der nicht ohne Verdächtigung deS Staatssekretärs v. Köller abging.
Abg. Dr. Hei« (Ztr.) wieS zunächst die Sozialdemokraten und speziell Bebel auf den Widerspruch hi», der zwischen der Klage über die Zollpolitik der Vereinigten Staaten und der Verweigerung der Mittel, dieser Politik wirksam zu begegnen, bestehe. Dann ging Redner aus spezielle Statsfragen ein. Sine Quotifierung der MatrikularbeitrSge erklärte der Redner für bedenklich, meinte aber, daß die Süddeutschen wohl ein Recht aus stärkere Berücksichtigung hätten; denn von den vielen Millionen, die für Anschaffungen für das Heer und die Marine auSgegebeu feien, feien nur wenige nach Süddeutfchland gefloffen. Für seine Person erklärte sich der Redner mit einer Reichseinkommen- und Vermögenssteuer einverstanden. Sine solche sei jedenfalls dem fortgesetzten Schulden- machen vorzuziehen. Mit einer Objektsteuer werde man schwerlich das große Loch stopfen können, daS die Reichsfinanze» aufwiesen. Sveutuell könne man die Reichseinkommen- und Vermögenssteuer beweglich gestalten. jedenfalls müffe sie progressiv fein. Selbstverständlich müsse aber bei der Sinkommensteuer die
Landwirtschaft geschont werden. Der Redner sprach fich weiterhin für gesetzliche Maßnahmen gegen die Auswüchse der Kartelle, Syndikate und Trusts a«S. St belegte die Notwendigkeit solcher Maßnahmen mit dem Vorgehen deS Kohlensyndikats. Mit besonderer Schärfe forderte der Redner daun die endliche Bewilligung von Diäten und betonte, daß speziell die Süddeutschen ein Recht auf die Forderung hätten Die von der Regierung ins Feld geführten BerfaffuugS- bedenken bildeten kein Hindernis. Aber alle scharfen Reden würden nicht Reifen; der Reichstag müße an geeigneter Stelle auf eine Forderung der verbündeten einmal mit Rein antworten, bann würden die Diäten schon kommen. Mit Nachdruck wieS der Redner aber jede Kompensation für die Gewährung von Diäten auf dem Gebiete deS Wahlrechts zurück. Schließlich widmete Redner den Ausführungen deS Abg. Blumenthal eine scharfe Abwehr und Zurechtweifunq unter lebhaftem Beifall im Zentrum und auf den Rechten deS HauseS.
Abg. Dr. Paafche (nattb.) sprach fein Mißfallen darüber auS, daß der Reichskanzler unter Be.nach- lässtgung der Ausführungen und Vorschläge anderer Parteien sich lediglich mit den beiden soz aldemokra- tischen Rednern Bebel und Bollmar beschäftigt habe. Auch die Mttglieder des HauseS und die Mitglieder deS Bundesrats hätten dielen beiden Rednern gelauscht. alS ob sie die wichtigsten Offenbarungen verkündeten. Durch eine solche Behandlung der Sozialdemokraten vom Regierungstische aus werde nur der NimbuS der Sozialdemokratie verstärtt, und sicherlich nicht zum Besten unseres politischer» Lebens. Zu alledem seien die Reden der beiden sozialdemokratischen Vertreter völlig bar allen sachlichen Inhalts, aller pofi- tioen Vorschläge gewesen. Weiter sprach Redner die Ansicht aus, eine Reichseinkommen» und eine Vermögenssteuer könne unmöglich die Bedürfnisse deS Reichs decken. Reue Steuer quellen zu finden, fei in- deffen Sache der verbündeten Regierungen. Snt» schieden trat der Redner für die Gewährung von Diäten ein und versicherte am Schluffe, daß seine Partei unter keinen Umständen einem Handelsverträge mit Oesterreich-Ungarn zustimmen würde, der nicht vollen Schutz der deutschen Viehzucht vor der Seuchengefahr Mete.
Abg. Bebel (Soz ) begann mit einer Preisgabe der gestern vom Reichskanzler zitterten.Ausschreitung" der .Leipziger Volkszeitung' und wandte fich dann gegen den Reichskanzler. Ec versuchte nicht nur zu bestreite«, daß tiefergehende Meinungsverschiedenheiten in der Sozialdemokratie vorhanden seien, sonder« leugnete auch schlankweg, daß von Seiten der sozial« demokratischen Parteileitung irgend ein Druck, ge- schweige denn eine Despotie in bezug aus die Meinungsfreiheit in der sozialdemokratischen Partei auSgeübt werde. Der Nqme Marx werde »noch in goldenen Lettern prangen", wenn der Name des jetzigen Reichskanzlers längst vergessen fei. (Gelächter.) Nach einer abermaligen Srörterung der „Schmach von Königsberg" und der „Ruffenpolittk" deS Reichskanzlers wandte fich Redner der Reihe «gch den Ausführungen der einzelnen Redner auS dem Haufe zu. Dabei zog er fich einen direkten Ordnungsruf zu, als er den Freiherrn v. Mirbach des Meineids zieh, und einen nachträglichen Ordnungsruf, weil et den Abg. Liebermann v. Sonnenberg den „ReichtagSclown" genannt hatte. Der Abgeordnete für Straßburg-Land mußte sich von Bebel sagen lassen, daß er daS «er. hälttriS zwischen Sozialdemokratie und Zentrum in Bayern vollständig falsch dargestellt habe; er wußte fich weiter sagen lasse»,daß seine (BlumenthatS) politischen Freunde in Bayern ein freiheitlicheres Wahlgesetz durch ihr, völlige Kopflofigkeit Hintertriebe» hätten.
Abg. Graf Reventlow (wirtsch. Bg«.) befürchtet, daß bei den Handelsverträgen die Interessen der Landwirtschaft nicht genügend gewahrt werden.
Abg. Otel (Z.) wieS nochmals die Verdächtigungen zurück, die fich der Abg. Blumenthal gegen die lothringischen Katholiken erlaubt hatte, und rechtfertigte die Haltung deS Zentrums in der Zolltariffrage, sowie die Handwerkerpolitik desselben.
Abg. Gröber (Z.) hielt bann noch Abrechnung mit Bebel wegen verschiedener Auslaffungrn, die gegen daS
Ausgestoßen.
Bon Maurice de Beaumont. Deutsch do» Helene KrembS.
37 ------(Nachdruck verboten.)
„Mein Bott, welche» Glück," ri:f der alte Diener und faliete die Hände. „Welche Frenoe für Sie, mern Herr; wie hübsch ste ist! Sehen Sie, Türk hat sie auch gleich wiedererkannt und bereitet ihr eine« seltenen Willkomm!'
, 3” der Tat, att ob er des Gärtners Worte besteigen wollte, leckte der Hund zutraulich Aimeer Hsnoe.
Das junge Mädchen glitt leichtfüßig über den welchen Schnee und zog den Bater mit sich dmch die sich schlängelnden Pfade.
„Ich könnte mich mit verbandenen Augen zurecht- fiudeo," scherzte fie und zeigte lächelnd auf den rechten Flügel des Schlosser.
Nur Himer dem Spitzenvorhang iineS der Fenster « Erdgeschosse zeigte sich die Silhouette Frau Friedrichs, steif und falt wie eine Marmor figur.
Äiwee hatte ste vielleicht bemerkt, Denn fie blieb fMjen und sah fragend den Bater an, ehe fie de» ^»ß an die Treppenstufe setzte. Dieser hielt fie zuruch nahm ihre Hand u..d fliüsterle ihr bewegten TvneS, aber unendlich saust zu;
„Komm, Kind! — später ! . . ."
Sie fühlte, wie seine Hand kälter wurde und zitterte.
Mutig drängte ste die atfaxtW. tu Träne» zu-
°*b folgte ihm zum rechre» Flügel. Sie schob l«cht ihren Arm unter de» {einigen unb versuchte zu «ihnrr:
,We nett wird e4 dort fehl! Wir zwei ganz Ein für uns mit unfern Erinnerungen .**
Er antwortete mit einem Kuss».
Kein Fußtritt hotte die Schneedecke geflreist, die vor dem rechte« Flügel lag Er schien wie aus ge- fhnben, alle Fensterläden waren fest geschlissen Aber eine Menge kleiner Bögel, Spatzen, Rotkehlchen und Meisen saß auf den Gesimse» und «al.'ongitter» und drängle fich gegen einander mit geplustertem G<fieber.
Bei der Ankunft der Reisenden ging wohl eine gewisse Bewegung durch die Bogelgesellschaft, allein fie entfloh nicht.
„Sieh doch, wie reizend, Papa!" tief Aimee. -Es steht aus, a!S ob fie auf uns gewartet hätten. Und mit heiterem Tone versuchte sie, die Tierchen an fich zu lrckrn.
Einige flöge« auch wirklich zu ihr beton; als aber bald daraus die Tür in de» rostigen Angeln knarrte erhob fich der ganze Schwarm eiligst zur Flucht.
Unter der Führung des BaierS hielt das junge Mädchen jetzt seinen Einzug in die Räume, die seine erste Kindheit beschützt hatten. I» den langen GSn. gen war eS dunkel, kalt und still; der Lärm ihrer Schritte allein «»eckte ein melancholisches Echo.
»Armes Kind," seu'zie Herr Mattel, „welch eine Heimkehr! Ich bin ganz betrübt, daß man Dich so empfängt, wo man Dir doch kniefällig Abbttie lkisi-n müßte!"
»Laß gut sein. Batet! Mach' Dir keine Sorgen, ch bitte Dich. DaS wird schon allrS kommen . . . Wir wollen ucS zuerst mal einrichten."
Trotzdem lief ein faltet Schauder durch ihre Glieder, und die Aufregung zwang fie in einen Sessel neben dem Fenster, baS Herr Marie! so eben geöffnet falte. Sie befanden fich im Wohn-immer, Zeuge so mancher vergangenen Freuden, wo fie zwischen Bater und Mutter die ersten zaghaften Schritte gemach'. Aber die reichen Tapeten, die seidenen Bot hänge wa- ten verblichen, die geschnitzten Möbel und die taufend wrstvollen Kleinigkeiten vernachlässigt, beschlagen, beleckt dmch dir Hand der Z it, w-e Herr Marie! ae- agt hatte.
Der Staub halte in feinem steten und langsamen
Niederfallen olle diese Andenken mit einer dicken grauen Sch cht bedeckt. . . .
Der Kamin gähnte ihnen kalt und leer entgegen, unb die Blabasteruhr auf dem SimS stand schon feit Jahren still.
Herr Mariel sah nach seiner Taschenuhr.
„Früher spersten wir um sechs Uhr. Jetzt ist es bter, nno Du mußt müde und hungrig fern. Ich batte Befehle gegeben, alles zu unserer Ankunft instand zu setzen, und ich begreife nicht . . . Man hätte doch tarn wenigsten die Wohnung Herrichten können . . . Aber nein, nichts ist geschehen, niemand ist da!"
Und mit schlecht verhehltem Anger zog er heftig an der Klingel.
Im feiten Augenblicke vernahm man eilige Schritte Ein Mann von untersetzter Gestalt mit aufgeregter Miene stürzte inS Zimmer. ES war Franz, der Brr- toalter beS Herrn Mariel.
„Um Gott-.S Willen, Herr Mariel, entschuldigen Sie . . . wie ist eS möglich?" .
„Hat Ihnen Frau Friedrich keine Anweiinng gegeben?"
„Nicht die geringste. Ich erfahre hu Augenblick von einem Gärtner Ihre Rückkehr und die Antunft von . . . von Fräulein Tochter, welche ich unterlänigst bitte, den AuSdrrck meiner Hochachtung und meine Entschuldigung entgegen zu nehmen ..."
Er hielt inne und verbeugte fich so tief er jei-e ürze gedrungene Figur zuließ vor Simee, die er mit einen runden Augen eifrig musterte.
Dann schnellte er wieder auf.
„Ich »warte die Befehle der Herrschaften. Zuerst Feuer 'm Samin,bann zu (ffen, aobete Kleider.. Ach, da soll man ja den Kopf verlieren . . . nichts st in Ordnung, und dabei diese Källe! Welcher Empfang! Ich bitte tausendmal um Verzeihung, gnäsiseS Fräulein, ich hatte keine Ahnung . . ."
„Schon gut. 'chvn gut, antwortete Aimee, eS ist nicht io schlimm "
Unb ihr liebliches Lächeln beruhigte etwas den
bestürzte» Bei Walter, der ausgnegt und in drolliger Verzweiflung seine grüne Tuchmütze zwischen den ginget« drehte.
„Gehen Sie, Franz, und holen Sie ihre Tochter. . . . Gretchen wird uns schnell ein einfaches Mahl b«eiten und uns unsere Zimmer aufräumen. Das genügt für heut abend.
Fünf Minuten später erschien die schmucke Elsässerin und war «imee behüflich, ihre Reifekleider abzulegerr.
Dann zündete fie eiligst ein Helles prasselndes Reifigseuer an und deckte einen kleinen Tisch in der Nähe beS Kamins. Dabei ruhten aber ihre lebhaften Ange« vnftohlen auf der neuen Herrin und allem Anscheine nach entsprang ihre Diensteifrtgkett bem ausricht.gen Verlangen, fich derselben angenehm zu machen.
Aimee war darob gerührt und dankbar; fie lohnte jede Handreichung mit dem freundlichen Lächeln, daS ihr gleich jedes Herz gewann.
Die wohlgenährte Flamme im Herd züngelte in rötlichen Strahlen und knisternd hob fich dann und wann ein goldener Funkenregen. Aimee lehnte sich ermüdend von der Fahrt und den Gemütsbewegungen an die Schulter des Vaters.
Sie hätte nicht zu sagen vermocht, welches der verschiedenen Gefühle ihre Seele am meisten de- herrschte: ob Freude oder Leib, Befürchtung ober Vertrauen; ein sonderbar traumhafter Zustand halte fich ihres ganzen Seins bemächtigt. Ihre strme-dn» Augen glitten über all diese Andenken vergangener Zett und zauberten die schöne, anmutige Gestalt ihrer jungen zwanzigjährigen Mutter in den Rahmen dieser Umgebung. Dana plötzlich entstand in ihrem Geiste ein anderes Blld: dar ärmliche Bett im Hokpttal, auf welchem die geliebte Mutt« den letzten Seutz« aui= gehaucht . . . und ganz zuletzt sah sich in nebelhafter Ferne daS tramige Geficht Rolls, wie er fich ab- wendend, fein letzte- Lebewohl tief.
Herr Mariel betrachtete schweigend die unbeweglich ruhende, in fich versunkene Tochter und wagte nicht,