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je. ^83. Kllda, Samstag den 10. Dezember 1904. 31. Jahrgang.
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Photographische- Unter halt«vg»b«ch. Praktisch« Änltttu»fl j« inteiiflanten uno leicht auSzuführe«- deu photographischen Arbeit eu von «.Parier« Mühlbacher. Mil 105 lehireichen «bblldnuaen im Text mb 16 tafeln, »ehestet 3 60 Mart, st» Ganzlemeuband 4 öO Mal. «erlag von Sultm Schmidt in Berlin W, 10.
DaS Buch bietet eine Füll- von Material in de« verschiedenart gftrn Betätigungen auf photographischem S-bietr — sowohlzu ernster Arbeit wie,u unter! altevden Experimenten in anregender und verständlicher Darstellung. Der v-rfüsser hat dabei nur solch, «erfahren und Beschästtgungen in den vereich drS «uch-s ge,oaen. deren «ursührung weder»« lostspirliz ist noch ,u großen Schwstr'gsttten unterliegt. Dadurch wird anch de« Anfängern Gelegenheit und Anleitung gegeben, sich st, der verschiedenartigsten Weise photographisch »„ betätigen. DaS reichhaltige und gut tlluNrreri e Buch kann allen Photographierenden besten« empfohlen werben.
§ Vie sozialdemokratische „Gefahr."
Seit bett letzten Reichstagswahlen, die der sozialdemokratischen Partei 3 Millionen Stimmen eindrachten, entwickelt dieselbe ein großer Sieger- bewußisein und eine auffallende Hoffnung-- freudig kett für ihre nächste Zukunft. Wenn nun auch der kurz nach der Wahl abgehaltene Dresdener Parteitag mit seinen so blamablen Standalszenen, sowie die mit einer Niederlage der Partei verbundenen Nachwahlen wie kräftige Duschen abkühlend au den foztaldemotraltschen Siegesrausch gewirkt haben, so legt doch die sozialdemokratische Preffe oft noch einen Größenwahn an den Tag, als stehe der Dretmtllwnenpanet jetzt schon halb der Weg für die Erringung der politischen und ökonomischen Herrschaft offen. Wie weit aber die Sozialdemokratie selbst in dem Falle, daß eS ihr gelange, durch einen Generalstreik als Mittel
großindustrtellen Arbeiter allein bliebe betnnad ttn Falle eines StegeS im Generalstreik nur au einen und zwar geringen Teil der ökonomischen Macht der Nation beschränkt.
Me obige nüchterne Darlegung der wirtschaft, lichen Machiverhältniffe ist nicht nur für die Generalstreikler, sondern für die Anhänger der Entwickelung zur sozialdemokratischen Gesell- schaff geradezu niederschmetternd; sie schiebt ihre Zukunft-Hoffnungen auf eine ganz unbestimmte Zeitdauer hinaus. Und erst recht, wenn man erwägt, daß unter den drei Millionen sozialdemo kratischer Stimmen, auf die die sozialdemokratische Preffe so gerne pocht, nur ein gewisser Pro »ent. satz wirklich „waschechter" Genoffen ist. Will man a!S Maßstab sür die Erfaffang der letzteren etwa die Zahl der Abonnenten auf die sozialdemokratische Preffe a nehmen, so erhält man nach dem Siand derselben, vom März d. IS. 600000. Noch winziger fällt ihre Zahl auS, wenn man diejenige der wirklich in sozialdemo- krattichen Vereinen organisierten Genoffen wühlt; sie beträgt nur etwas mehr alS 200000. Daß man mit solchen Zrhlen keine großen Schlachten schlägt, ist wohl selbstverständl ch.
Nicht viel günstiger gestalten sich die Lhaucen für einen Generalnreik, wenn man die eine Million sozialdemokratischer Gewerkschaftler alS seinen Träger annimmt. Denn bilden diese erst einen Teil der großindustriellen Ar beiter, so veiringert sich hinsichtlich der Teilnahme an einem Generalstreik ihre Zahl noch dadurch, daß ein sehr großer Teil derselben wohl nicht „mit- machen" würde, ein anderer, weil er in kleineren Betrieben beschäftigt, für einen entscheidenden Schlag garnicht in Betracht kommt. Zu berücksichtigen bleibt ferner, daß die Opposition gegen die Sozialdemokratie in der christlich-nationalen Arbeiterbewegung an Boden gewinnt, sodann aber auch die Koalition der Unternehmer fort, schreitet und sich innerlich festigt: alle« Umstände, die auf die Stoßkraft eines Generalstretks lähmend einwirken müffen. Vater diesen Umständen braucht man sich nicht zu wundern, daß der Generalflrerk angesichts der üblen Erfahrungen, die man mit ihm bereits als Demonstrationsmittel gemacht hat, von einsichtigen Sozialdemo, kraten als Mittel zur Erobern n, der politischen Macht immer mehr aufgegeben wird.
Nichts wäre nun aber verkehrter, angesichts dieser Berhältniffe, die Macht der Sozialdemo- hatte unterschätzen zu wollen. Die drei Millionen sozialdemokratischer Stimmen stellen ein Menschenheer dar, von solchen, die teirS durch die gleisnerischen Versprechungen der Sozial- demokratie angelockt und im trügerischen Glauben an eine bessere Zukunft sich dieser angeschloffen haben, teils durch die sozialdemokratische Stimmenabgabe ihrer zum Teil berechtigten Unzuftieden- heil mit den sozialen Verhältnissen Ausdruck geben wollten. Und ein solches Heer kann immerhin bis zu einem gewissen Grade für das Gleichgewicht des Staats gefährlich werden, be- onderS wenn es, wie bei der Sozialdemokratie tn geräuschvoller Agitation und finanzieller Opferwilligkeit nicht fehlt. Um einem »eiteren Umgreifen dieser tatsächlichen sozialdemokratischen „Gefahr" entgegenzuwirken, bleibt nur ein Mittel: Die Arbeiter widerstandsfähig zu machen durch eine umfassende Aufklärungsarbeit über )ie Undurchführbarkeit der Sozialdemokratie und durch ein energisches Eintreten für eine staat- iche Sozialreform und die Bewegungsfreiheit >er Arbeiter auf dem Gebiete der Selbsthüife. Ueberichützung der Sozialdemokratie führt leicht zur Verzagtheit, Unterschätzung derselben aber icherzur Gleichgültigkeit; gerade dem etzteren Fehler Gegner hat die Sozialdemokratie aber nicht zum geringen Teil ihr Wachstum zu danken.
* Leipzig, 8. Dez. 1904. Eine scharfe Warnung liegt in emem Urteil, welches gegen einen hiesigen Kaufmann erging. Dieser hatte die Rückfahrkarte eines Bekannten zu einer Fahrt von Dresden »ach Leipzig widerrechtlich benutzt. Er wurde deshalb zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt.
(*) Kleine Nachrichten. Nierstein. Die Rettungsmedaille wurde dem Schiffer Fr. Hammel 6 von Er. Kgl. Hoheit dem Eroßberzog verliehen. H. rettete im letzten Sommer einen Knaben vom sicheren Tode des Ertrinkens. — Bochum. Während de SturmeS ist am Dienstag abend vier ein vierstöckiger Neubau ein gestürzt. Menschen wurden nicht verletzt, nur zwei Pferde wurden getötet. — Eharlottenburg. Ja der Narkose verstorben ist der 2öjährige Schuhmacher Friedrich «roll. Wegen einer Ohren- leidenS begab er sich auf ärztlichen Rat in eine Privat klinik zu Eharlottenburg. Bei der dort vorgenommenen Operation am rechten Ohr starb K. in der Narkose. Nach der polizeilichen Feststellung trifft den operierenden Arzt keine Schuld. — «om Odenwald Der einzige Sohn deS MühlenbefitzerS Stein in Mörlenbach geriet gestern nachmittag, alS er daS Kammrad schmieren wollte, in daS Treibwerk. Der Kops wurde ihm vollständig zerrieben, et war sofort tot. — Memel. Die im Kurischen Haff etngefiDienen ünf Fischerboote find an Mittwoch, nach einer Woche, durch den Memeler Fiichdamp er „Richard" aufgefunden und mit Lebensrnittel versehen worden. Die Boote konnten sich, da fie frei von EtS geworden.
mit zwei Gravüren geschwück, da« „Waldesrauschen* auch mit dem BtldmS de« Berfaffer».
Karl Landstetner bat mit feinem sozialen Roman „Die Geister der Sturme«" (zebunden 4 Mk) einen vollen Griff tn da» L ben der mo» d-nien Groß- und Fabrikstadt getan, während die Srzäh'ung „Ein Jünger Aha« der«' (-legaut geb. 3 40 Mk.) einem in der mobttnen Wettanse auung B rfirickien den einzigen Weg de» Heile« weist. Eine ftffeinbe Lektüre ist auch der historische Roman „König und Mönch" von Edmund Kr rusch (geb 410 Mark). „Der letzte Franzi« kau er in Berlin", historisch-chronikalische Erzählung desselben VersvfferS, erweck- schon durch den behand'lien Gegenstand besondere« Interesse. (Be-. 4 Mark)
Eine spannende histoiische Erzählung nur dem 16. Jahrhundert ist Marg. Mirbach», au» dem Hal» länviichen übersetzter Band „Im Kamps um die Ehre" (prächtig gebunden mit 1 Bildern 4 M rf)
Zu den beff-ren Erzählungen gehört „Ein edle» Frauenherz" von Leopold Kist, ein stattlicher Band (6 Mart), dessen Handlung in den Alpen spielt. Hübsche, gut auSgestatiete Geschenk- bände sind auch die Erzählungen .Der Senne von Roßberg" von F. 8. Robischuug (geb. 4 Mark), „Die Gotteiimühle* und „Jeph- tba» Tochter" von Frauzi»ka Panzer und „Die Hexe vom Elsenbruch" von I. Quinte (geb. 2 Maik). Bon letzterem Be.sofler stammt auch da» Märchen vom Berloreueu Paradie» (geb. 1.80 Ma-k).
Ein sehr preirwürdige» Festgeschenk in seltenem äußerem Gewände ist die gediegene, wohlau»gewählte Gedichtsammlung „SonntagSglocken", ein dichterische» Handbuch sür jung und alt von Maximilian Bern (mit 1 Gravüre und 19 Holzschnitten, Goldschnittband 3 Mark). Ein originelle« Buch find die von Joseph Wichuer gesammelten „Stundenrufe undLieder deutscher Nachtwächter (geb. 6 Mark).
Au» der reichhaltigen „Jugendliteratur" de». Manz-Berlage» heben wir tut die interessantesten Bücher hervor. Für reifere Knabe» empfiehlt sich „Der Talisman be» Inder»" von Hermann Htrschfeld (gebd. 1 M'.), sür die t-.fete Jugend überhaupt die schön au-gestattete Eizählung „Die Armin» «Brüde " von Karola v. Eyaalten (mit 2 Gravüren gebd. 4 Mk )
Für die reifere weibliche Jugend find 3 mit je 2 Bilder» geschmückte, in ihrem duit gen Einbände besonder» anziehende Bände von Redeati» (gebt), je 4 Mk.) sehr zu empfehlen: Die Novelle „Eor- velia» Geheimnis" und die beiden Erzählungen ,Herzen»wünsche", „Blüte und Frucht"; ferner „Junger Herzen Freud und Leid" von Eveline Petrow tz" (mit 15 Jiustratwnen g-bd 4 Mk), „Die Freundinnen" von Bet ff y Schuppe (mit 2 Gravüren gebd 4 Mk), „Stolz u>d Schön" von P. Jolanda (mit 2 Gravüren gebd. 4 Mk)
An dieser Stelle sei auch die von Jok. Segerer, Seminar-Präfekt und Reli ionilehrer tn Regensburg erfolgreich und gediegen redigierte katholische Ingen d- zeilschriit Efeu ranken" besten» empfohlen. Der vollendet vorliegende 14 Jahrgang spricht sür sich selbst (Jadr »-Abonnement 8 60 Mk., jede» Monatsheft 30 Psg.'.
P. Koneberg» „Kinderlegende" (7. Auflage) bedarf ka.m meor der Empfehlung (t 80 Mk), ebenso wenig desselben Bersafier» „Kompaß für die Jugend und da» Volk" 2 Arfl 1 60 Mk ).
Schließlich seien aus dem Manz-Lerlage noch zwei größere Werke erwähnt, die fich zu Geschenken eignen: Tr. S Pp» monumentale» Buch „Ludwig Augusta» nno das Zeitalter der Wiedergeburt der Künste", da» m vorigen Iahte in vermehrter md verbesserter Auflage erschien (Halbftavzband 13 Mk ) und die 2 Bände „Römische Mosaiken", Wanderungen und Wandlungen in der ewigen Stadt und durch da» Patrimonium Petri von Georg Eoer». (Ha.bftanzbände 8 MI. und 12 Mk.)
Dr, k. weihnachtrbüchekschau 1904. vn.
Die BerlagSanstalt vorm. G. I. Mauz in Re- (;eneberg zeigt sich mit Erfolg bepreot, ben alten Rus de» Manzverlage» auf dem Gebiete der Unter- baltungsliteralur neu zu beleben. Zahlreiche Romane, Novellen, Erzählungen und Jagevdschristen de» neuen Manzverlage» gehören zu d-n beliebtesien ihrer Art. R Herbert» „Fraueunovellen", dieseGalerie ftereffanter Frauen ypen, von denen jede in ihrer l Eigenart erfaßt und ot» in» Kleinste meisterhuit a.»> gemalt ist, erschienen in zweiter «vflrge mit dem Bildni« M. Herbert». S b. 4 60 Mark Nicht minder anregend und fesselnd find die nenn Herbert- chen Novellen „Au« dem Buch« de» Leden»" (geb. 3.20 M ).
Auch Otto von Schachlng ist mtt einigen einer besten Erzählungen im Manzverlage vertreten: „Geschichten au« dem Volke", „Geschichten au» alter Zeit" und „Waldesrauschen". Jeder dieser dr« schöne« Bände (geb. * 4 Mark) ist
ohne Hilfe nach der Heimat begeben. — Leipzig, DaS ReichSgericht verwarf die Revision der Mörderin Frau Elisabeth Wiese in Hamburg, die vom dortigen Schwa pe icht am 10. Oktober wegen Ermordung von fünf Pflegekindern, schwerer Kuppelei und »ersuchter Verleitung zum Meineid ,«m Tode und zu sechs Jahren Zuchthaus verurke It worden «ar. Bielefeld. Ein lehrreicher Enlf chädigung»- prozeß wurde in Bielefeld verhandelt. Ein Ätiminab Wachtmeister fl-l dort abevdS über eine zur Abgrenzung deS fMadhaflen Bürgersteigs dienende Leine und wurde untauglich zum Dienst. Ihm wurden nun 2500 Mk. Karkosten, 10,000 Mk. Schmerzensgeld und eine jährliche Rente zugesprochen. - Berlin. Unmittelbar vor der Prüfung vom Tode ereilt wurde in Berlin der Kandidat der Theologie St. Bevor die eifte Frage an ihn gestellt werden konnte, hatte ein Herzschlag seinem Leben ein Ziel gesetzt. — Tann- stad t (Württemberg). Hier wurde die 24 Jahre alte Empfangsdame üugenie Mast deS Photographen Klaiber im EmpfangSfalon ermordet aufgesunde«. Die Kaffe mit etwa 12 Mk. Inhalt ist geraubt, «om Mörder hat min keine Spur. — Heidelberg. Die beiden vermummten Räuber, die hier ein Ehepaar in der Wohnung Überfi-len und beraubten, wurden verhaftet. ES sind zwei BSck-rgefellen, die im Einverständnis mit dem Dienstmäschen handelten. — Helbra (Sachsen). Bor Schreck die Sprache verloren. Der Frau deS Bergmann» Kutscher sprang neulich in der Schulstraße in Helbra ein großer Fleischer- Hund an die «tu». Darüber erschrak die Fra« so sehr, daß siebte Sp-acheverlor. — St. Johann. Am Donnerstag um 2 U,r früh wurden hier Erdstöße mit lang« andauerndem Geiöse wahrgenommen. Um 3 Udr früh folgte Gewitter. Gegenwärtig herrscht starker Schneefall. — Essen. Die Ruhr führt Hochwasser und überflutet weite Strecken. — Salzburg. In Bischos-hofen und Werfen fand gestern 1 Uhr nacht» ein starke» Erdbeben statt. Biele Häuser weisen Svrünae auf. Der Schaden ist b-t ächilrch.
□ Zur Schärfung be» Sprachgefühl». Die i« der Zeitschrift deS allgemeinen deutsche» Sorachverein» unter dieser Ueberfchnft verö lentlichteu Sätze enthalten folgenden Brief eine» größeren Berliner Geschäfte», der reichlichen Stoff zu sprachlichen Bemerkungen bietet: „Hierdurch teile ich ganz eigebenft mit, daß e» mir leibet zu meinem Bedauern nicht möglich ist, die hier zur Reparatur befindliche Waschkommode schon morgen zurückliefern zu können. Ich werde die Arbeit so viel al» irgend möglich beschleunigen lasten und die Kommode vorauSfichtlich am Freitag zur Ablieferung bringen. Ich bitte, sich biS dahin freundlichst gedulden zu wollen und empfehle mich gern zu den angenehme« Diensten." WaS ist der Hauptfehler diese» Briefe» f Er enthält zu viel Worte. Ein Geschäftsmann sollte sich, schon mit RückstLt auf feine Zeit und feine Arbeit, möglichst kur, fasten. Ueberflüfstg ist da« Wort hierdurch, überflüsfig die Wendung „teile ich mit", denn wozu braucht man noch besonder» z« sage«, daß man etwa« sage« will? „Leider" und „zu meinem Bedauern" drücken dasselbe au», ein« von beid-n müß ealso Wegfällen. Zusammen angewendet bieten fie ein Beispiel jener, in der Gelehrtensprache alS P-eonaSmuS »der Tautologie bezeichnete« fehlerhafte« Häufung von gleichen Begriffen, die man mit Recht in Wendungen wie „ein we ßet Schimmel, eta chwarzet Rappe, ein alter GreiS" belacht Dieselbe U-berfulle d«S Ausdrucks und Gedankenlosigkeit liegt vor in den Worten: „es ist mit nicht möglich, die Kommode zurückliefer« zu können", denn wat mir nicht möglich ist, da» kann ich nicht, und darum beißt der Satz weiter nicht» al»: ich kann die Kommode nicht zurückliefern können, wa» natürlich kein vernünftiger Mensch sagen würde. Aehnlich verhält e» ich mit: „ich bitte fich gedulden zu wollen", wo außer dem entbehrlichen „wollen" noch die AuSlaffnng von Sie (statt: ich b tte Sie, fich . . .) zu tadeln ist. Warum „zur Ablieferung bringen", also drei Wörter, wo ein» (abliefern) genügt? Sa um so viel al» irgend möglich statt möglichst? .Ganz ergebenft* ist eine ttebertteibung der Höflichkeit, die fich grammatisch nicht rechtfertigen läßt, da die dritte Steigerungsstufe (der Superlativ) in „ergebenft" nicht noch gesteigert werde« kann. Heber« trieben ist auch „empfehle mich gern z« ben angenehme« Diensten", denn, wa» ich gerne tue, ist mir angenehm. ..Reparatur" schließlich ist rin unnütze», weil leicht durch „Ausbesserung" zu ersetzende» Fi emb» wort. In besseres Deutsch gebracht, lautet bet Vries nun: „Zu meinem Bedauern (ober: Leider) kann ich die mir zur Ausbesserung übergebene Waschkommode 'ben . . Waschtisch nicht schon morgen zurückliefer«. Die» wird aber voraussichtlich am Freitag geschehen, da ich die Arbeit möglichst beschleunigen taffe. Bi» dadin bitte ich Sie, sich freundlichst zu gedulde«, ««d empfehle wich zu Ihren Diensten." Diese Form de» Briese» spart gegenüber der ursprüngliche« 21 oder 23 Wörter.
zur Erringung der politischen und ökonomischen Macht „die kapitalistischen Betriebe zur Kapitulation zu zwingen", von ihrem vollen Ziele entfernt sind, zeigt eine lehrreiche zahlenmäßige Darlegung deS Sozialdemokraten Paul Kampfs- meyer in der Nooembernummer der »Soziali- stijcheu Monatshefte'.
Kampffmeycr fetzt auseinander, wie die ökonomischen Machtmiiiel eines Landes sich auf die landwtrischllftltchen und industriellen Beiriede, auf die Handels- und Verkehrsunternehmungen, auf den städtischen und ländlichen Hausbeflh verteilen und weift zunächst sür die Land- wirtschaft an der Hand der Berufs, und Betriebszählung vom Jahre 1895 nach, daß ein Generalstreik, der sich selbst auf die länü- lichen Arbeiter erstrecken würde, nur ganz kleine Gruppen von landwirtschaftlichen Groß- betrieben in Mitleidenschaft ziehen dürfte. Durchweg wären die seldfländtaen Landwirte imstande, ihre verriebe mit ihren Angehörigen ruhtq fort- zuführen. Viel günstiger find die Aussichten eine» Generalstreiks auch nicht in Gewerbe und Industrie. Denn hier ist eigentlich nur die S oßtndustrie — d. h. die Betriebe, die mehr als 50 Personen beschäftigen — in unbegrenztem Umfange für die Fortführung ihres Betriebes auf die Arbeiter angewtesen. Diese Großbetriebe bilden aber nur 0,9 Proz. aller i. 1.1895 vorhandenen Betriebe in Gewerbe und Industrie. Der Zahl nach gab eS 17 941 solcher Betriebe. Sie beschäftigten über 2.9 Millionen Arbeüer, d. h. 38,3 Proz. von sämtlichen gewerblichen und industri ll-n Arbeitern.
Gin großer Teil der Arbeiter unserer Großindustrie fällt auf die katholischen Distrikte der Rheinlande, Westfalens und Oberschlesiens. Diese Arbeiter, meint Kampffmeyer wohl mit Recht, werden sich nicht so allgemein einem Generalstreik anschließen, wie vielleicht die protestantischen Arbeiter Sachsens. N.cht unbeträchtlich find ferner unter den groß- industriellen Betrieben die KomrnandÜgesell- schaf.en, die Kommanditgesellschaften auf Aktien, die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die eingetragenen Genossenschaften, die kommunalen und staatlichen Unternehmungen. Gegen derartige finanziell gut fundamentierte Kollektiv Unternehmungen wird vielfach der Kampf der Arbeiter viel fchwieriger sein, als gegen private Unternehmungen. Noch weniger Bedeutung hat der Generalstreik für den Handel, denn hier überwiegt der von einer Person geführte Be- trieb. Erst recht haben die gewerkschaftlich or< ganifierten Arbeiter keinen Einfluß auf den Um- fang de- Bank- und Börsenwesens, das Verkehrswesen, sowie den städtischen Hausbefitz und seine Verwaltung; und ungeheure Werre liegen gerade tn diesem Besitze fest. Er waren z. B. 1896 bei der Berliner Feuersozietät, einer auf ZwangSverficherung beruhenden Anstalt, allein 233j7 Berliner Grundstücke mit 3615602 700 Mark versichert.
Die vorhergehenden Zahlen, so bemerkt Kampffmeyer za obiger Zusammensiellung, werden zur Genüge gezeigt haben, weichen kleinen k 1 ^et ökonomischen Macht der Nation die Industriearbeiter durch einen siegreichen Generalstreck in Besitz nehmen könnten. Eine Umsestoliung der kap talistischen Wirtschaft im sozialistischen Sinne könnten unter den 22,1 Millionen Erwerbstätigen Deutschlands die paar Millionen großinduftrieller Arbrfter nur im Em- vernehmen mit Millionen ländlicher Arbeiter selbständiger Landwirte, staatlicher Eisenbahn^ arbeiter und -Beamten bewerkstelligen. An eine Gewinnung dieser ist aber vorerst gar nicht I* denken. Die ökonomische Machtsphäre der