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MaerW Zeitung

MonatrdeUage: ,,8«lda« GeschichtLÄlAter".

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31. Jahrgang.

Hulda, Samstag, den 10. Dezember 1904.

M 283.

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Verantwortlicher EiftleitenIos.vanm

ßjyfjk wochEiiage! „Zlluftriette Sonntagrzeitung

Unpolitische Zeitläufe.

(Nachdruck verboten.)

® Berlin, 8. Dezember 1904.

Was feiern wir am heutigen Judeltage? Das Fest der Unschuld, der vollen, reinen, ganz und gar flecken- und schattenlosen Unschuld, wie fie bei einer menschlichen Kreatur in dieser Vollkommenheit nur einmal und nie wieder vor­gekommen ist. Auch die Sonne am Firmament hat Flecken; dir Sonne dieses Festes aber hat keinen dunkeln Punkt auf ihrer hellstrahlenden Fläche. Das Fest der absoluten Unschuld! Ein erhebender Gedanke, daß wenigstens ein Nach­komme des gefallenen Menschenpaares ganz frei- gebliebrn ist von dem Schmutz und der Schuld, die allen anderen Kindern des Staubes an­hasten !

„Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle Bewahrt die kindlich reine Seele."

So läßt der Dichter die Rachegrister singen- Wohl dem! Aber wo ist er? Und wenn es einem gelänge, sich frei zu halten von persön­lichen Fehlern, so wäre er doch nicht unberührt von Schuld geblieben, da sie als erbliche Krank­heit sich durch die Jahrhunderte fortschleppt. Nur Eine ist vollständig freigeblieben von Schuld und Fehle; nur Eine hat die Seele wirklich rein bewahrt, und zwar nicht bloß kindlich rein, sondern engelhaft rein.

Die höchste Verherrlichung der Menschheit im Gnadenwerke der Erlösung läßt beiden Ge­schlechtern das Ihrige zukommen. Das männ- liche Geschlecht darf mit Stolz sagen, daß der göttliche Erlöser als Menschensohn ihm angehört hat, und das weibliche Geschlecht dors sich rühmen, daß aus ihm die makellose Lilie, die Hofe ohne Dornen hervorgegangen ist, die er­habenste Blüte menschlicher Unschuld und Schön- heit. Unsere liebe Frau, die in jedem Augen­blick ihres Daseins würdig war, die Mutter Gottes zu sein.

Das Fest der Unschuld! Das stimmt weh­mütig. Denn die, welche es zu Ehren der alle- zeUReinen feiern, find nicht unschuldig, sie sind nicht frei von Schuld und Fehle. Das Fest der Un­schuld feiern die Büßer. Sre sagen: Du bist voll der Gnaden; wir find weit entfernt von der Fülle der Gnaden; wir möchten nur in Reue und Demut den Saum deS Gnaden- Gewändes fasten. Wenn wir an diesem Jubel- tage der fleckenlosen Sonne uns freuen über die höchst« Blüte des Menschentums, so fühlen wir zugleich unsere eigene Minderwertigkeit, aber nicht etwa rrm zu verzagen, sondern um weiter zu streben nach besten Kräften in festem Gott- -vertrauen. Denn das Fest der Unschuld ist der Anfang von de» Festen der Erlösung. Der Morgen»

Ausgestoßen.

Kon Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene Kremb».

W6 ------(Nachdruck verboten.)

i Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Ja, warum? 6-in Herz gab wshl auf diese Fragen ganz leise Antwort, aber die Vernunft war nicht da- mit einverstanden.

Jede freie Stunde brachte Rollon einsam in seinem Juoggefelleuheim zu im Streit mit seinen Erinne­rungen und seinem Schmerze.

In den Proben waren die spitze» Bewttkuuge« der Schauspieler über die Abreise der jungen Pianistin eine stete Q teile des AergerS für ihn, wenn er auch anscheinend mit gutem Humor darauf eingivg.

Die Kränze und Sträuße flogen ihm noch wie vor bei jedem Austceten zu; es fehlte ihm weder an Ehre noch an Geld. Aber was sollte» ihm Fortuna- Liberi? Er hatte wenig Bedürfnisse. Und der Ruhm? Aimee war nicht mehr do, um fich daran zu erfreuen und ihn zu ermutigen.

Während dieser langen, kalten Winters mit seinen Stürmen und Schneewehen waren die Briefe seiner jungen Freundin Rolls einzige Sonnenstrahlen.

Ja bist zu weilen Abständen nach seiner Meinung, der jeden Lag den Postboten anhielt, kamen die der- bald um so längeren Plauderei-v auS der Franche- Towte Er laS und überla» fie hundertmal, Wog ;ede Lime, jedes Wort ab nnd küßte dann traurig die Unterschrift, aus die rfimalS eine Träne ft l.

Armer Rollt . . . Eise- Tag-S bliebe» die Nach- ruhten au- ... . Die Wolke, die seine Seele uw- msterte, wurde noch düsterer ... er wartete . . . .

Wochen vergingen . ... von wettem schon schüttelte der Briefträger, sobald er des Künstlers crr

sinn verkündet die Sonne deS Heiles und fie wird alle wärmen und beleben, die guten Willens find.

* *

Am Feste der Unschuld gedenke ich des Wehe, das über diejenigen gerufen ist, das eins von diesen Kleinen ärgert. Wir sollten doch alle da­zu mithelfen, daß die Kinder so lange als irgend möglich die kindlich reine Seele bewahren, frei von Schuld und Fehlen. Wir könnten etwas mehr Respekt vor dem Kinde haben, und wenn wir beide in den Baun von Schwächen und Lastern geraten find, können wir uns dann nicht wenigstens so lange zusammennehmen, als das Auge und das Ohr eines unschuldigen Kin­des auf uns gerichtet find?

Schlimm genug, wenn Du vom Zankteu- felchen besessen bist. Kannst Du's nicht ganz austreiven, nun, so ducke eS wenigstens so large unter, als die Unschuld in der Nähe ist. Und wollen gar Eheleute fich die Leviten lesen, o, um des Himmelswillen nicht in der Gegenwart der Kinder! Zerstört doch nicht in den Herzen der Kmder den beseeligendrn Glauben, daß sie einer christlichen Familie von Liebe und Frieden rnt- sprossen seien. Tötet nicht die Achtung vor den Eltern, die dem Kinde Stolz und Stütze ist! .Leitet nicht das Kind durch das schlechte Beispiel zu Rechthaberei und Streitsucht an, denn das ist eine Quelle des Unglücks, zu der es so wie so noch viel zu früh gelangt.

Schlimm genug, wenn Du eine Klatsch- und Lästerzunge hast! Aber wenn Du Dich wohl fühlst bei dem Sport, die schmutzige Wäsche an­derer Leute zu waschen, so betreibe dieses schmutzige Geschäft doch wenigstens so, daß die Unschuld der Kinder nicht bespritzt wird. Sie erfahren ja wirklich noch früh genug, daß es im menschlichen Leben nicht immer so zugeht, wie es sollte; und fie brauchen erst recht nicht schon so frühzeitig zu erfahren, daß es Leute gibt, die an dem Schmutz ihr Verzügen haben, und daß vielleicht' ihre nächsten Angehörigen zu dieser Art von Straßenfegern gehören. Freue» wir uns doch, wenn die Jugend noch Sinn für die Blumen hat, die im menschlichen Leben aussprietzen; warum fie durch üble Nachreden über dir Mit­menschen so zu sagen mit der Nase in den Schmutz stecken.

Und nun auch die häßlichen Worte und Werke, welche die kindliche Schamhaftigkeit ver­letzen und die Unschuld der Tugend gerade an der gefährlichsten Stelle angreisen! Von solchen Leuten, die den Kindern eine Arleitung zur Liderlichkeit geben, gilt wirklich das Wort vom Mühlstein. Rings umher erhebt sich der Not­schrei, daß man die Kinder kaum noch auf die Straße aetzen kaffen darf, ohne daß ihre junge Seele gefährdet wird durch liderliche Schaufenster oder sonstige Aergerniffe im menschlichen Ver­kehr. Das ist in der Tat ein ernster Punkt, und den Bestrebungen zur Abhilfe kann man nur den besten Erfolg wünschen. Aber wenn die Polizei auf der Straße auch für die schönste Sauberkeit sorgte, so wäre damit das Aergerniß für die Unschuld «och lange nicht beseitigt. Was

wird da in den Wohnungen, in den Werkstätten, in den Wirtshäusern, ja auch in den Schulen gefrevelt durch leichtfertiges oder liderliches Ge­rede und Getue vor den Augen der Unmündigen! Das soll „Spaß" sein, und dabei wirkt eS unter Umständen verderblicher, wie Gift und Totschlag.

Wer etwas dagegen sagt, wird gern als Kopf­hänger oder Duckmäuser rc. verlästert. Aber der gesunde Mensch findet leicht den rechten Mittel­weg zwischen Prüderie und Ausgelaffenhett. Wenn wirklich das sittliche Gefühl verletzt wird und erst recht, wenn die Unschuld junger Leute gefährdet wird, dann kann und soll man ein- schreiten, und zwar mit vollster Ruhe und Höf­lichkeit, aber zugleich mtt Bestimmtheit und Sicherheit. Das erste und notwendigste ist frei­lich, daß man nicht selbst des Aergerniffes schul­dig wird. Wenn dich mal Mutwillen sticht, so siehe wenigstens erst vorsichtig dich um, ob nicht ein unschuldiges oder schutzbedürftiges Wesen in der Nähe ist, dem Deine sog. „gute Laune- schweren Schaden zusügen könnte.

„Ich kann nichts dafür", heißt eS, wenn das Porzellan in Scherben geht. Und doch hätte fich bei etwas mehr Aufmerksamkeit, Vorsicht und Bedächtigkeit mancher Krach vermeiden laffen. Die Unschuld ist auch gebrechlich wie Glück und Glas. Ich glaube, am jüngsten Tage wird mancher erschrecken, wenn ihm vorgehallen wird, daß er durch böse Worte oder Beispiele des Teufels Jagd auf die Unschuld unterstützt habe. „Ich konnte nichts dafür", wird er stammeln, aber es wird ihm nachzewiesen werden, daß er sich nicht gekümmert hat um die Wirkungen, die sein schlechtes Gebühren in den Herzen der Un- müüdigen Hervorrufen mußte. -

Betätigen wir den Respekt vor der Unschuld, sonst wird uns die Verantwortlichkeit zu schwer werden!

Man entrüstet fich mtt Recht über die sog. Engelmacherei. Gibt es denn nicht auch Teuf el- macher?!

* *

Zwischen Nikolaus *urrd Weihnachten muß man von Schenken reden.

Es gibt Sprichwörter, die viel gebraucht werden, aber doch nicht wahr find. Dahin rechne ich den Spruch: Einem geschenkten Gaul fiehr man nicht ins Maul! Ach nein, ein geschenkter Gaul pflegt sehr scharf gemustert und kritistert zu werden, namentlich wenn er ein Weihnachts­geschenk ist.

Ein anderer Spruch sagt: Kinderhand sei bald gefüllt. Für den Augenblick — ja. Das Kmd kann man vorläufig verblüffen durch minder­wertige Geschenke, die „nach waS aussehen". Aber die Kritik kommt auch dort nach. Ist da ein billiger und schlechter Kram zusammengekauft, so geht die schwache Herrlichkeit alsbald in Scherben und das Kind steht heulend am Grabe seiner Habe. Hat man dem Kinde ungeeignete Sachen gegeben, die sür sein Alter und seine Fähigkeiten nicht paffen, so liegen die „feinen Geschenke" bald in der Ecke herum und das Kind greift zu einer Lumpenpuppe, mit dec es machen kann, was es will. Nein, es ist gar nicht so leicht, eine Kinderhand richtig zu füllen.

fickrig wurde, den Kops. . . . Endlich vermied Roll ihn.

So hatte er fich also nicht getäuscht. Er war aus. Aimee dachte nicht mehr an ihn. Vergessen waren die vertrautiche« Siurden von ehedem, vergessen die gemeinsame» Freuden und Leide», vergessen seine treue Sorge! O die Undankbare!

Da warf er fich wir toll in eine Künstler!ättgkeit, er gönnte fich nicht Ruh nach Rast zu dem eine Zwecke, feine Verzweiflung durch Arbeit zu ersticken.

17

„Welch guter Junge! Hast Du bemerkt, wie nahe ihm die Trennung ging?" sagte Herr Mariel zu seiner Tochter, als die Beiden sich in ihrem Abtell erster Klasse bequem eingerichtet hatten. Wurm eingehMt in ihre Reisedeckea, die Füße aus den frisch gefüllten Wärmflaschen, konnte der draußen pfeifende Nordwind Ihnen nichts anhaben

Da» junge Mädchm gab keine Antwort, sondern wandte nur den traurigen Blick von den Eisblume« am Fenster ab und dem Vater zu. Eine Träne rollte über ihre Wangen.

„Na, na .... nun bist Du auch gerade so unver- nüastig wie er! .... Ja drei Monaten ist ja die Theatersaison zu Ende, dann kommt Roll nach La Landy, um seine Ferien bei un8 zu verbringen."

Armee schüttelte >>en Kops.

„Er wird nicht kommen."

„Warum denn nicht?"

„Ec ist zu stolz und zartsühlend, um an die Tür der reichen und glücklichen Almer zu klopfe». Er wird »ich: komme», ich ferne ihn!"

„Aber wenn Dn ihn eivladest, und ich ihn bitte?, .Ich bin Lderz-ugt, daß er nicht darauf eiageht l" Hab btt sich dachte fie:

„In La Landy gibt es ja auch Jemand, der nie­mals einen Komödianten willkommen heißen würde. Roll unter dem Dache F'au Friedrichs? Undenkkar!... Es ist roch iebc iraguch, wie \ e mich, ihre Nichte, aufn hmen wird?"

W-Hrscheinliky erriet Herr Mariel die Gedanken seines Kinde»; denn er nahm die kleine Hand Aimee'» in die sein'gen und fuhr fort:

„Was hätte er denn bei uns zu befürchten? Ich habe es Dir ja schon gesagt: Wir zwei werden für uns allein leben in dsm rechten Flügel de» Schlosse», wo ich ehemals mit Leiser Mutter wohnte. Nicht» ist dort verändert, der Staub liegt auf den alten, auS der Mode gekommenen Möbeln. Ja, der Staub ... et bedeckt schließlich olles, die schönsten Sachen und da» reinste Glück "

Ein Schatten flog über seine Stirn, und er schwieg eine Wtt'e.

Dann fragte er plötzlich:

„Aimee, hast Du Frau Friedrich ihr unfreundliche- Benebmen o-rziehen?" t m r

„G-toiß, Vater. Ich habe nur den Wunsch, fie als eine zweite Mutter betrachten zu dürfen."

„Gutes Kind! Wenn fie Dich näher kennen lernt, wttd fie Dich lieben müsse» . . .

„Ich Werde mein Möflichstt» tu», um ihr zu ge- fallen und ihre Liebe zu erringen. Ach, eS muß schön fein, mit vielen Familien gliedern in herzlicher Ein­tracht zu leben! Wie freue ich mich, den Onkel und die Vettern kennen zu lernen i"

Ec »»fing fie mit zärtlichem Blick.

„Ja, sagte er, e» ist wohltuend, wenn die Ange- hörigen sich um denselben Herd scharen. Dein Pias ist lange leer geblieben, mem Liebling; gelobt fet die Stunde, die Dich zurückführt . . . ."

Trotz des väterlichen Zuspruch»- sah Aimee mit Bangen, wie die Entfernung von La Lindy fich stünd­lich verringerte.

Die verschiedensten Landschaftibilder: Berge, Ebenen wilde Schluchten, volkreiche Städte und deicheidene Dörfchen g i’ien Wie graue und schwarze Schatten übrr den meßen Teppich, den der allerorts cwge- häufte Schnee über die gefrorene Erde ausgrbrettet; won hätte gsglarbt, eine Lrterna Magica werfe ihre R fl x« auf ein große» Leintuch

Das Gel» tut'S nicht; d!e Kunst des Schenken will erlernt fein, und mancher lernt sie nie. Wohl ihm, wenn er wenigstens eine Ahnung davon hat, daß es eine Kunst des Schenkens fidt, und wenn er sich dann den nötigen Rot jolt bei den berufenen Künstlern oder noch besser den Künstlerinnen auf diesem Gebiet.

In der Neuzeit vermehrt sich die Schenkerei; es wird viel geschenkt, aber leider wird schlecht geschenkt. Mit demselben Geld, das jetzt auf die Geschenke verwandt wird, könnte man doppelt o viel Freude und dreimal so viel Nahen stiften, wenn man bie Schenkerei mit Vernunft und Ge­wissenhaftigkeit betriebe.

Ein grundverderblicher Irrtum ist die An­sicht, daß man minderwertige Sachen noch „recht gut" zu Geschenken verwerten könne. Das trifft weder für die Pflichtgeschenke, noch für die Liebesgeschenke zu Wenn du deinem Dienstboten ein Kleid und dergleichen zu Weihnachten ver­sprochen hast, so bist du verpflichtet, ein voll­wertiges, fehlerloses Exemplar zu liefern. Wer da einen verschossenen oder brüchig gewordenen Rist „schenken" wollte, beginge ein doppeltes Unrecht, da er erstens fein Versprechen nicht hält und zweitens den Beschenkten zu Ausgaben für das Machen und Ausschmücken verleitet, die sich bei der Mangelhaftigkeit des Stoffes gar nicht lohnen. ,, _

Aber die ganz freien Geschenke, die bloß aus Siebe ober Höflichkeit erfolgen, die laffen sich doch auch in solchen Dingen machen, die man gelegentlich billig erwischt hat? Aber ich bitte Sie, ist es Liebe, wenn Sie mir fehlerhafte Sachen anhängen? Ist das Höflichkeit und Ehre, wenn der „Geber" meint, für mich wäre der alte billige Quark gut genug? Die Empfänger find nicht so blind, wie der selbstbewußte Geber glaubt. Sie werden schon die Fehler gewahr, die hinter der glänzende» Außenseite stecken, und dann gibt rs statt Freude und Dankbarkeit nur Aerger und Haß.

Nein, zum Schenkin ist das beste gerade gut genug. Willst du mit List spotten, dann lasse eS lieber ganz bleiben. Ein wertvoller Finger­zeig für die Kunst des Schenkens ist der Rat: Versetze dich in die Stelle des Empfäng« ers, was würdest du da wünschen und er- warten, was wäre dir notwendig und nützlich?

Nachschrift: Wer nicht recht weiß, wie er fein flüssiges Geld in guter Gabe los werden soll, kann fich Rat holen Bei dem Pfarherrn der künftigen Zehlendorfer Jubiläumskirche, Herrn Pfarrer Deitmer in Steglitz.

Römischer Wochenbrief.

[**] Rom, 9. Dezbr. 1904.

Die letzte Woche war außerordentlich ereignisreich: Marianifcher Kongreß, An­kunft der internationalen Pilgerzüge, Vorberei­tungen zur großen Immaculata-Feier, feierliche Taufe des italienifchen Thronfolgers, Parlaments- Eröffnung, Konsistorium rc. Der Kongreß nahm im großen und ganzen einen guten und würdigen

Aimee verglich dies« Reise mit der Fahrt, Welche fie eine« Monat früh» gemacht; damals gab'S »och einige Sonnenstrahlen, das letzte Lebewohl der Herbst- soune an die entlaubten Wälder, an die kahlen Berges­hänge. Der flüchtige Lichtschein war ihr vorgekom- mrn wie da» Bild ihrer Hoffnung inmitten der Schwie­rigkeiten ihrer Lage. Jetzt, da fie den "sehnten Ha­fen, das Heim erreichte, jetzt war draußen aller m einen dichten Schleier gehüllt. Wollte er ihr dar Glück noch verbergen? ....

La Landy! Wir klopfte ihr Herz, al» der Baier ihr die Besitzung zeigte! Da lag dar Haus in der weite« Ebene, die Türmchen zeichneten sich ab durch den Nebel auf dem Hintergrund der alten Fichten.

La Santi)! Geliebte» Heim! Endlich sollte fie feine Schwelle überschreiten, fich am eigenen Herd erwärme«, am Familientische Platz nehmen!

Und der Vater! Jetzt konnte er sein durch Kummer und Leid ergraute» Haupt zur Ruhe legen unter dem Dache, wo er geboren Sein Kind wst bei ihm, ihn zu pflegen und die Wunden zu verbinden, die da» Unglück feinem Herzen geschlagen.

Die Empfindungen schienen Verde zu überwältige», den» Herrn Mariel» H-nd zttterte, al» er am große» Einfahrtstor die Glock- zog, und er ließ seinen Kcpf auf Aimees Schulter finken, während ein Schluchz « feinen Körper erschütterte.

Beim Nahen ryre» Gebieter» war dre Dogge freu- big aufgesprungen und bellte ihm entgegen, indes der Gärtner fich beeilt zu öffnen.

„O, unser Herr! rief der Alte, der auf baS Er­scheine« Herrn Mariel» nicht vorbereitet war. „Ach, und die junge Dame! ....

Er hatte Armee wiedererkannt unb verneigte sich, vor ihr so sreundl'ch atS seine Unbeholsenyett e» geflatiete.

„Tai ist mein: Tochter, Comtoik," sagte Herr Mariel, weine Tochter!"

(Fortsetzung folgt )