BerNn, den 8. Dezember 1904.
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Momtsbeilage: „zultzaer Gefchichtt'Mtter"
Krlta, Freitag, den 9. Dezember 1904.
(Nachdruck verboten.)
31. JahrgMg,
indeß nicht recht einleuchtev. Die Denkschrift sagt ja selbst, der Uebergang von StammeSland in weiße Hände, die Verarmung der mittleren und kleineren Viehbrsttzer, dis überhandnehmende Verschuldung der eingeborenen Stämme und die Uedergriffe mancher Händler hätten das Empfinden der Eingeborene» gegenüber der deutschen Herr» schäft nicht gebessert. Das scheint uns doch dafür zu sprechen, daß die an anderer Stelle ge» leugnete Gefahr wirtschaftlichen Unterganges der Eingeboren en infolge derGr un dstücksoer äußermigen tolsächlich bereits in hohem Maße vorhanden war. Wir meinen, man braucht sich für die Erklärung deS Aufstandes gar nicht auf die Freiheitsliebe und den'maßlosen Stolz der Hereros zu berufen. Ein minder freiheitsliebendes und stolzes Volk würde sich wohl ebenfalls wehren, wenn eS durch die Weißen in immer größere Verschuldung und Armut geriete.
)( Die LaildpoliM in Züdwestafrtta.
In der Denkschrift über die Eingeborenen» Politik und den Hereroaufstand in Südwestafrika heißt eS, die Regierung sei ehrlich bemüht ge- wksen, die Eingeborenen gegen die natürlichen Folgen deS Zusammenstoßes von Kultur und Unkultur nach Mög» lichkeit stcherzustellen. Man kann auch so sagen: Die Weißen kommen in die Kolonie, um unter allen Umständen Land zu erwerben, denn daS ist die Grundlage für jede europäische Besiedelung und für den Viehzuchtbetrieb; die Eingeborenen wollen das Land nicht hergeben, denn es ist ihr wichtigstes Besitztum, ohne daS sie verhungern oder ihre Unabhängigkeit verlieren müssen; und nun nehmen ihnen die Weißen das Land mit Gewalt, List oder Betrug ab, und wenn die Eingeborenen stch dagegen wehren, so uenut man es „Zusammenstoß zwischen Kultur und Unkultur".
Allerdings nicht von Anfang an und immer wehren sich die Eingeborenen gegen die Abtretung von Land. Sie sind, wie die Missionare sagen, wie die Kinder, denken nicht an die Zukunst, sondern folgen den Lockungen des Augenblicks und lassen stch leicht verführen, zu hohen Preisen Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen, und sich in Schulden zu stürzen, die sie ohne Vernichtung ihrer Existenz gar nicht bezahlen können. Mr haben schon gesehen, wie sie durch das Heer der Händler zum Kaufen und Schuldenmachen verlockt und so erst um ihr Meb, und dann um ihr Land gebracht werden, wie sie bereit sind, für Branntwein das letzte Stück Vieh, die letzte Parzelle Landls zu opfern; wie sie für Gewehre und Schießbedarf Vieh urd Land hergeben. Fast alle soaenannten Ansiedler sind nach dem Zeugnis der Rheinischen MisfionS- zesellschast gleichzeitig oder ausschließlich Händler, die auf die gekennzeichnete Art und Weise in den Besitz von Vieh und Land zu kommen suchen; es gibt unter ihnen sogar Spekulanten, die nicht blos für sich, sondern zum Wiederverkauf möglichst viele Farmen von den Eingeborenen erwerben.
So bereit die Vertreter der „Unkultur" nun auch jederzeit zum leichtsinnigen Verkauf von Vieh und Land find, hinterher ärgert es fie doch, daß immer mehr von ihrem Besitztum in die Hände der Weißen übergeht und sie selbst verarmen. Von der Viehzucht allein ernähren sie sich; wenn sie ihr Land verkaufen, müssen sie verlumpen und verhungern. Das ist freilich das ausgesprochene Ziel mancher weißen „Kulturträger". Sie wollen alles Land in den Besitz der Weißen bringen und die Eingeborenen entweder verdrängen oder in ihre Dienste zwingen. Die Regierung hat sich zu diesem Standpunkte bis jetzt
Freiheiten berauSnahw. Da wurde er Zeuge einer Szene, die seine Gefühle auf» höchste erregte.
Eben ging der Vorhang zum Schluß nieder, dir Surgänge füllten sich mit den befriedigten Zuschauern. Fräulein Mariel stellte ihre Notenhefte in den Ständer, als ein Diener in grünte Livree sich ihr näherte und im Auftrage seines Herrn ein prächtiges Rosrn- borquet und einen Brief in himmelblauem Umschlag überreichte.
Der Herr saß in der Nachbarloge Herrn Marie!» und überwachte daS Benehmen der Künstlerin. . . .
„Ah!" fagte Aimee im höchsten Maße beleidigt. Und ohne nach der Loge, welche der Bediente ihr zeigte, aukzuschauen, nahm fie den Strauß und warf ihn in die entfernteste Ecke. Dann zerriß fie den blauen Brief in Stücke.
„Mein Rmb, meire Tochter, Slimer!" rief Herr Maritl, nicht länger imstande, fich zu beweistern.
Jetzt hob die schöne Pianistin den Kopf und ihre großen Auge» suchten sehnsuchiSvoll nach der Stelle, von wo der Ruf erscholl:». ES war zu plötzlich gekommen, . . . ihre Kräfte verließen fie, und erbleichend brach fie über dem roch rffenen Instrument zusammen.
AlS ihre Sinne wiederkehrten, lag fie cm Herzen ihre» BaterS, urb Rvllon, noch io Theotnkvstüw, bemalt und gepudert, aber triumphierend über da» Glück seiner kleinen Freundin, baoete ihre Schläfen wir frischem Messer und ries einmal über» andere:
„Siehst Du tocy, daß ich Recht halte? Im vierten Akt gibt'» immer einen hübschen Schluß«ffekt. Jetzt komm wieder zu Dir, Schwesterchen! Dein Baier ist do, um Dich sortan zu beschützen und zu lieben."
„Mein Vater!" jubelte Armee und führte Herrn Mariel» zitternde Hand an lie L-ppeu. Da» ist de» Glücke» zuviel!"
Zum ersten Male fi Uten sich ihre Augen, die so olt un Kummer geweint, mit Träne« reir-fier, seligster Krude.
Der Baler kennte fich nicht satt s.hen an de» rührend schönen Srfichich'n seiner Tochter, die fich so
Sie Halle da» Mitleid nicht blind gemacht und wenn fie ihrer Nichte die Tür qetote^eIr, so mußte Herr Mariel wohl annehmen, daß fie de» Stempel der Verworfenheit in den Zügen de» Mädchen» ge- fthrn....
Bon Zweifel» gepeinigt, entschloß fich der uu- Mckliche Baler, da» fliehende, verlorene Schäfchen anfzusuchen.
Nrh verschildenen Nachforschungen erfuhr er durch den Bahnhofsvorsteher, daß die beiden Fremd en Fahrkarten nach Toulouse gelöst hatten. So benutzte er den» auch ohne Zögern den Zug dahin.
Aber wie würde er in dieser volkreichen Stadt feine Tochter aut findig wachen. Als er planlo» und unruhig durch die Straßen irrte und die bunte» Zettel ans den Anschlagrsüuleu studierte, fiel ihm iÄötzlich folgende» in die Augen:
„Abendvorstellung im großen Theater.... die §s°dwr^aleitung wird auSgeführt von Fräulein «mee Martel-Barletti."
H«r Mariel la» da» ein* zwei «al, und sein Herz juckle krampch-st zusammen.
... "ind ! o mein Lind! wa» tust Du? wo !<Ae e» in ihm. „Ach, ach, zu spät muß ich Dich dem Abgrund entreißen'^
Dau» stürzte «r unbekümmert um die Vorüber- gehenden, die er bewahr umranute, zum Direktor de» poße» Theater». Herr Eimiane gab ih« bae" wiwsst die Adresse der Pianistin. ' 9
. Wir haben gesehen, wie rr dann, getragen von der giften Sehnsucht seiner Baterliebe, zu Sinue» Woh- gelaufen, urd da diese Mühe fich al» vergeben» "wiesen, ir» Restaurant g-gangeo, und wie er dort
Ausgestoßen.
Bon Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene KrembS.
Lnzetgeui We E» fpelti-e Petitzelle deren «au» pt$. «eklames diepetttMr 25 pfg.; bei Wiederholungen wird entfpe
Rabatt gewährt.
Druck und Verlag d« KtldaerSettendruckerep in Allda < Harmonie;
Lernsprecher llr 9.
cu. Der Ev«»zelischeBund ««d die Studenten. Der Evangelische Bund versucht neuerdings auch unter den Studenten Mitglieder zu werben. In Leipzig halten Univerfiiätsprofefforen Vorträge in diesem Sinne und während der Vorlesungen (!) kursieren Zirkulare, die zum Beitritt auffordern. Im Studenten'Organ.Schwarzes Brett' erschien kürzlich ein Aufruf „An die Studentenschaft Leipzigs", worin es heißt: „Es war erhebend und ergreifend zugleich — nämlich auf der Generalvrrsammluns des Evangelischen Bundes in Dresden (Anfangs Oktober d. IS.) — in Einmütigkeit hoch und niedrig, arm und reich, alt und jung sich die Hand reichen zu sehen zu dem ernsten Gelöbnis „in geschlossener Kraft und willensstark auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens für die Beseitigung der ultra montanen Vorherrschaft in unserem deutschen Volke einzutreten". Nur einen vermißte man, der sonst in den großen Zeiten unseres Volkes stets zuerst eingetreten für Deutschlands Größe und Herrlichkeit: Den deutschen Studenten. Zwar fehlten einzelne studentische Vertreter nicht ganz. Allein, wo sieht man eine wirklich große Bewegung durch dir Studentenschaft gehen? Wo drängt fich der deutsche Student in Scharen zn den Fahnen des Eoangelischen Bundes? Haben wir, Kom- militonen, etwa kein Interesse an der Arbeit des Evangelischen Bundes? Das kann nur behaupten, wer den Ultramontanssmus, dessen Bekämpfung des Evangelischen Bundes erste und vornehmste Aufgabe ist, nicht kennt. Der UltramontanismuS ist der Todfeind unseres deutschen Volkes." Er vergiftet bezw. erstickt den „deutschen Wissensdurst", die „deutsche Treue und Lauterkeit", kurz „unsere herrliche deutsche Eigenart" — nämlich soweit fie bei den evan
gelischen BuadeSbrüdern und ihren Gesinnungsgenossen überhaupt noch vorhanden, denn bei den übrigen Deutschen, wenigstens bei den „vorherrschenden" Mtramontanen, find „deutsche Treue und Lauterkeit, deutsche Innigkeit und Ge- mütStiefe, deutscher Wissensdurst und Freiheitsdrang" selbstverständlich schon längst erstickt! WerS nicht glaubt, der greife zum — Syllabus! Folgen die bekannten häufig widerlegten Argumente aus demSyllabus nach protestantischem Kommentar. Nach diesem „8erod$“ der etwa die Hälfte des ganM Aufrufs aukmacht, heißt es zum Schluß: „kämpfen wir mit den schwersten Kampf des neu erstandenen deutschen Reiches, treten wir ein in die Reihen des Eoangelischen Bundes, sorgen wir dafür, daß Sachsens Lalstiesuniverfität, unsre teure alma mater Lipaiensis, der Vorort wird im Kampfe der akademischen Jugend für Glaubens- und Gewissensfreiheit, für Freiheit der Wissenschaft und Schutz der modernen Kultur, für deutsche Art und Deutschlands Herrlichkeit. Das Vaterland ruft. Wohlan, Burschen heraus!" Unterzeichnet ist der Aufruf von dem „Ausschuß für die akademische Ortsgruppe Leipzig des Evangelischen Bundes." — Eine Kaltwasserkur wäre vielleicht angebracht!
* Zu de« Handelsverträgen wird der »Köln. Ztg.' anscheinend offiziös aus Berlin geschrieben: „Die wahrscheinliche Aufschiebung der Vorlage der Hsndelsverträge hat darin ihren Grund, daß neuerdings auf den Handelsvertrag bezügliche Mitteilungen aus Oesterreich-Ungarn hier eingegangen sind, die zunächst geprüft werden müssen und möglicher Weise zu einer Wiederaufnahme der Verhandiungen führen können. Eine Verschiebung der Vorlegung erscheint um so bedenklicher, als die parlamentarische Lage ja doch nicht gestatten würde, noch in diesem Jahre in eine Verhandlung eimutreten."
* I« be« deutschen Münzstätte« sind im Monate November geprägt norden für 10 646 640 Mk. Doppelkronen und für 1 5l 3 310 Mark Kronen, beide auf Prioatrechnung, für 200 000 Mk. Fünfmarkfiücke, für 3 886 092 Mk. Zweimarkstücke, für 1009 993 Mk. Einmarkstücke, für 89 060 Mk. Zehnpfennigstücke, für 61 956,15 Mk. Fünfpfennigstücke, für 47 290,06 Mark Zweipfennigfiücke und für 44 398,12 Mk. Einpfennigstücke. Es fällt auf, daß in den letzten Monaten die Prägung von Zwei« und Einmarkstücken stark gefördert wird. Während in den ersten Monaten deS lausenden Jahres hauptsächlich auf die Herstellung von Fünfmarkstücken Wert gelegt und davon beträchtliche Mengen geprägt wurden, belief stch die Summe der in den letzten vier Monaten fertig- gestellten Zweimarkstücke auf rund 13 und die der Einmarkstücke auf rund 4* 1/» Mill. Mk,
* Die PetiliottSkommissistt Reichs- tag es beriet gestern über eine Anzahl von Petitionen um Weiterführung der Sozialreform. Unter diesen Petitionen befand sich eine solche, um Einführung des zwölfstündigen Arbeitstages für daS Gaflwirtgrwerbe, die auch das Hilfspersonal einbeziehen will. Die Kommission be-
schwach vor dem Glücke zeigte, und doch ein harte» Geschick mit Starkmut ertragen hatte.
Ei» Kronleuchter »ach dem andern erlosch in dem leeren Saale und man hörte da» Schlüsselgrklirre der Türhüter.
„Roll!" tief Aiwee am Eingang der Garderobe, wo der ffowiler verschwunden war, um den Anzug zu wechsel».
„Rollon ist fort!" antwortete ein Kollege.
„O, warum denn? Da» ist nicht schön von ihm," murmelte Kirnte. „Er soll die Freure teilen, wie er da» Leid mit mir getrogen!"
Allein der junge Mann hatte fich au» Zartgefühl zurückgezogen.
„ES gibt Umstände, wo ein Dritter übe» flüssig wird," dachte et. „Aimee hat mich jetzt nicht mehr
i ölig . . . Jetzt nicht und nie mehr," sügte er in seinem tiefsten Innern bei, mit einem schweren Seufzer. „Meine Rolle ist aukgespielt. Morgen kann ich ehr ein letzte» Lebewohl lagen."
Uab traurig und allein begab er fich auf den Weg »ach feiner Wohnung.
Herr Mariel rief die letzte Droschke vom Halteplatz, ließ Aimee einsteigen und Beide fuhren in hetterster Stimmung durch die St'aßen.
„Diesen Abend laß ich Dich nicht mehr von mir," „lächelte der Baier. „Ich nehme Dich mti mir in» Hotel „Hotel du Capitol-", dort können wir un» au-sprechen."
In einem trauliche» Gastzimmer, neben dem hellen, warmen Komin fitzend, erzählte Aimee dem Bater ihre Lebevrschicksale. Sie schilderte ihm vor allem Regina» Reue und Einkehr, urd dabei vermischten sich die Träume ter beiden Trauernden al» eine Besiegelung verzeihender Liebe.
Sie verschwieg auch nicht Roll» aufopfernde Freundschaft und weckte Henn Mariel» aufrichtige Dankbarkeit gegen den jungen Künstler, der seinem Kinde m den Tagen der Not so uneigennützig zur Sette gestanden.
(Fortsetzung folgt.)
nicht bekannt, doch wird ihr von den protestanti- schrn Misfionären ziemlich unzweideutig vorge- warfen, daß fie fich ihn angeeignet habe und danach verfahre. Was die Denkschrift über die Landfrage sagt, soll offenbar diesen Vorwurf widerlegen, aber die Widerlegung ist doch nur recht mangelhaft gelungen.
Jedenfalls wird man den Eindruck nicht los, daß die Verwaltung manches versäumt und b.e Dinge viel zu lange hat gehen lassen. An gutem SBinen und an Verordnungen mag fie es ja nicht haben fehlen lassen, aber was fie tat, war offenbar nicht ausreichend, den verderblichen Fotzen des von ihr selbst bezeugten Leichtfinnes der Eingeborenen zu begegnen. Ävceits im Jahre 1892 wurde verfügt, daß zur Befitzergreifung oder Erwerbung von Rechten an herrenlosem Lande, sowie zu Verträgen, die den Erwerb deS Eigentums oder dinglicher Rechte an Grundstücken Ein- geborener oder die Benutzung solcher Grundstücke durch Nichteingeborene bezwecken, es der Genehmigung des Gouverneurs bedürfe, der an diese Bedingungen knüpfen könne. Aber gebesserr ist dadurch offenbar nicht viel worden.
Die protestantischen Missionare drangen immer wieder auf Schaffung von Landreservaten für die Eingeborene», damit diese vor gänzlicher Verarmung und Ausplünderung bewahrt blieben. Die Regierung scheint die Bestrebungen mit einigem Mißtrauen betrachtet zu haben; obschon es zweifellos ist, daß die Missionare eS mit den Eingeborenen gut meinten. Jedenfalls ist die Verwaltung der Anregung der Missionare nur mit einigem Widerstreben gefolgt. Wiederholt bezeichnet fie deren Forderungen als übertrieben oder „ganz ungeheimlich." Jetzt hat man fich dem Gedanken der Reservate nicht zu entziehen vermocht. Schon im Jahre 1888 erging eine kaiserliche Verordnung, wonach bestimmte Ländereien für das unveräußerliche Eigentum eines Eingeborenen-Stammes erklärt werden können. Den Eingeborenen verbleibt auch das Eigentum an Ländereien außerhalb des Reservats; diese können fie nach wie vor mit Genehmigung deS Gouverneurs veräußern.
Leiöer ist von der Errichtung der Reservate bisher nur in bescheidenem Umfange Gebrcftch gemacht worden. Nach Ansicht der Regierung wäre aus politischen und wirtschaftlichen Gründen zurzeit noch eine gewisse Zurückhaltung am Platze. Man hält es für ausreichend, einstweilen dafür zu sorgen, daß, wenn einmal Reservate notwendig werden sollten, es an den nötigen geschloffenen Ländereien nicht fehle. Wenn man dageaen die Missionare hört, ist die Gefahr, daß die Eingeborenen durch die Abgabe von Land ruiniert werden, bereits sehr groß.
Nachdem nun der Aufstand ausgebrochen ist, ist die Frage vielleicht für alle Zeit gegenstandslos geworden. Die Weißen, die den Eingeborenen alles Land abnehmen und diese selbst zu Sklaven machen wollten, haben alle Aussicht, zum Ziele zu komme«. Daß die Behandlung der Landsrage durch die Regierung ohne alle Schuld an dem Aufstande sei, will uns
III«» ■! WWMMMMW—8—MMBBBB feinem verlangende» Herzen Schweigen geboten, um auf di« kalte Stieme der Vrrnunft zu höre», welche immer ncch fei» Glück i» Frage stellte.
J-tzt hatte er feine Tochter wieder gesunden, er hatte sie gesehen und sollte fie diesen Abend hi ihrer Tätigkeit beurteile» unter den strahlenden Kronleuchtern unb den neugierigen Bücken de» Publikums ... im Theater! Morgen gehörte fie dann ihm!
„Mein K nd!" sagte er innig „Ja, Du waist e» auch, die ich im Forst bei Mont Dore als anmutige und kühne Retterin bewundert. Ich habe Deine Züge sofort wiedererkannt, d » treuherzigen Äutdruck Deiner dunklen Aage», Deine einfache, würdige Haltung l"
Er bereute jetzt feine Zweifel und Befürchtungen, sein Zöger» und Schwelgen.
Eine Gruppe nach der anderen batte da» Restamant verlassen, auch Roll war verschwunden. Herr Mariel saß noch unser in Gedanken ver,unken. Wie langsam schlichen die Stunde» dahin, bi» da» Theater geöffnet wurde, und wie endlos lange dauerte e» dann noch, bi» die junge Klavierspielerin ei Wen!
Jetzt kam fie und setzte sich auf ihren gewohnten Platz. Ban feiner Loge au» konnte H rr Mariel fie ganz nach Gefallen betrachten. Für ihi> existierte weder Bühne mch Publikum mehr, seine Trchter allein - ahm seine ganze Ausm-rtsa»kett gefangen: man hätte sagen können, daß sein Herzschlag Tat! hielt rr.it be» Tasten be» Flügels.
Aimee spielte, spielte immerfort, unbekümmert um die Schwierigkeiten, unbekümmert auch um die Beifall klatschende Menge. Er sah. wie fie zu weilen ermüdet ausatmete, wie fie mit ihrem feinen Taschenttich über die feuchte Stirne wischte.
Er hörte aber auch, wie in der anstoßenden Loge eine Gruppe junger Gecken mit Bewunderung von dec Schönheit und der Kunst deS Mädchen» sprachen, auf welche» fie ohne Unterlaß ihre Operngläser richteten. Sein väterliche» Herz erzitterte vor Unmut bei den leichtfertigen und beleidigenden Ausdrücken eine» der Herren, be» Sshre» eite» höheren Beamt-n. ir hätte ihn gern gevhrfeigt, diesen Kulissenheld, der fich solche
SgefcrtNt. viertel. Eg!
Huldaer
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Zeitung