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, Dochenbellage:„Illustrierte Sonntagzzeitung

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druck und Verlag de» zuldaerActiendrucker^ in Zulda (Harmonie;

Zernsprecher Ur. 9.

M 280,

Kslöa, Mittwoch, den 7. Dezember 1904.

31. Jahrgang,

mit großer Geschwindigkeit heroorzasprudeln.

ffusdem Reicbstaq

babtS gefallen: Reiter Otto Rätz. An Typhus

gestorben: Reiter Xaver Lehner,ReiterJohannH-oel.

106. Sitzung vom 6. Dezember 1904.

Eröffnung l1/* Uhr.

und Herabsetzung der Mindestrafen für Vergehen militärischer Untergebener gegen Vorgesetzte und war wit dem Fhrn. v. Richthofen der Ansicht, daß man bei der Entschädigung der südwest-

.* Eine nette Verlustliste liegt aus Windhuk vor. Danach find am 1. Dezember im Gefecht bei Rietmont gefallen: Leutnant, , .... ...

Kurt Hildebrand von der Marwitz, Reiter Her« scheine ihm erwägenswert. Für wünschenswert kalte mann Becker, Reiter Max Richter, Reiter Her- "* ' ----------

mann Rietzel. Vermißt: Gefreiter Friedrich Bartels. Leicht verwundet: Leutnant Hel- muth Auer von Herrenkirchen, Retter Richard MaaS. Am 1. Dezember im Gefecht bei Sv.

Jesuiten und, als der oberste Philister, Eugen Richter, fielen wie eine Horde Krippenretter über die ahnungslofe Minderheit her, der Hauptmann derBande, der parlamentarische Strolch von Kardorff, machte den Regisseur, der Reichszerichtsrat Spahn illustrierte dir deutsche Klassenjustiz in Permanenz durch einen nieder­trächtigen Staatsstreich, und der beschäftigungs­lose Advokat und Streber Baffermann gab zum ersten Mal in seinem Leben einen juristischen Kommentar. Es ist heute übe, flüssig, an die infame Affenbosheit dieses parlamen­tarischen Gesindels zu erinnern, das damals wie eine SauHerde über Geschäftsordnung und j Verfassung hereinbrach und niedertrampelte, was ihm im Wege war. Jetzt hat sir samt der glor­reichen Regierung, die am 13. Dezembrr zu dem Staatsstreich des Brotwuchers ihren Segen gab, ihr Geschick erreicht: Graf VosadowSky kehrt mit herabhängenden Ohren zu seinem Chef zurück, der jetzt ganz der Gefangene der Agrarier ist: ein Bild hoffnungsloser Unfähigkeit und | jämmerlicher Ohnmacht. Der Held vom 13. Dezember 19021“ — Selbst der ,Berl. Volksztg.' oeht diese Schmiererei in dem Organ ihres früheren Chefredakteurs zu weit. Sie schreibt: „Gras Pückler ist durch diese ordinäre Schimpf, leistung von sozialdemokratischer Sette hundert- fach übertrumpft. Und das will der bürgerlichen Preffe Moral predigen!“

* Bo«Herero Anfftnnde. Dem Reichs­tage ist, wie schon kurz erwähnt, eine Denk- schrift des Reichskanzlers über die Eingeborenenpolttlk und den Herero- aufftand in Deutsch-Südwestafrika zu­gegangen. Die Denkschrift umfaßt 94 Seiten, einschließlich zahlreicher Anlagen, liebet die Ur­sachen der Aufstandes heißt es darin u. a, der । Hereroauffland wäre nach Lage der Dinge auch Vermehrung i auSgebrochen, wenn es nie einen weißen Händler ^«»gen steh- im Hererolande gegeben hätte. Die Grundursache 6e9ecUDcl roil des Aufstandes sei in der Tatsache enthalten, daß die HereroS als ein von alterS her fretheitliebendes, eroberndes, maßlos stolzes Volk auf der einen Seite die Ausbreitung der deutschen Herrschaft und ihre eigene Unterdrückung von Jahr zu Jahr lästiger empfanden, auf der anderen Seite aber — und das ist das Entscheidende — von der deutschen Herrschaft den Eindruck hatten, daß sie ihr gegenüber im letzten Grunde der stärkere Teil seien.

Abg. v. Kardorff (Rp.) bedauert, daß der Abg. ' t m -

Richler durch Krankheit verhindert sei, namens der I £ebrauchSunfahig; er sollte an Stille von „Bo. freisinnigen VolrPartei zu sprechen. Für die Sanierung " *“ ‘ 1

der Reich!fiuan,en sei daS Bebet'sche Rezept der Reichs­einkommensteuer nicht brauchbar. Hoffentlich werde die Regierung bald mit Sanierungsvorschlägen kommen. Sus dem Gebiete der Sozialpolitik müfle er vor einem allzu schnellen Tempo warnen.

gatyr“ in» Lock, waS jedoch nun unterbleiben muß. — Auch der letzte Kreuzer „Roshigir“, ist noch nicht wieder ledig, und so haben wir jetzt nur drei Tor­pedoboote als Rest von vier Kreuzern und flehen Torpedobooten. Am selben Tage mit „Tromoboi“ lief unter Führung eine- russischen Lotsen auch der deMsche Kohlendampser „Heinrich Merzet“ aus und fitzt heute noch scst. Nur „TunguS“ ist am 1. Oklbr. zum zweiten Male von Schanghai und Hongkong mit Waren glücklich hier avgekowmen, ebenso der Dampfer „Progreß“. Dar ist deutsche Cch ffahrt! Was na« unser hiesiger Fr-iwilligerkorpS anbelongt, so gibt efc auch dort, wie in ollen russischen Einrichtungen, grüßte Bummelei und Nachlässigkeit in allen Ecken wob Kamen; ich habe fast einen Ekel davor beton men und werde, wenn nur mögl ch, nebst mehreren ander« noch niht verrußtin Devtsa-en aut beten. Gott sei Donk bin ich nicht zu« Gefiesten oder vniero^fiz er befördert und somit zu nichts verpflichtet.

Bo« Wle»hiw»ftok>Geschw»der. Nach einem der .Neuen Hamb. Ztg/ zur Beifügung gestellten Briefe sieht es mit dem Wladiwostok- Geschwader recht traurig aus. In dem Briefe, dessen Schreiber übrigens gerade kein großer

-sympathisch gegenüber.“ Der Königsberger Prozeß i» ihm dagegen weniger sympathisch ge­wesen. Mehr Aufmerksamkeit als diese beiden Redner, die es übrigens kurz machten, fand zu­nächst der freisinnige Abg. Dr. Müller-Sagan, wohl weil man annahm, daß Eugen Richter auS ihm spreche. Er besitzt dessen Rednergabe indessen nicht, und da er es heute im stockenden Vortrag den beiden Vorrednern gleich tun zu wollen schien, so ging die Aufmerksamkeit bald

aufgeschlossen worden wäre, so hätte es nach feiner Ansicht wohl gar keinen Aufstand gegeben. Der Militärvorlage steht er mit seinen Freunden

Heute gelang ihm auch das nicht; er sprach stammelnd und stockend. Er polemisierte zunächst scharf gegen Bebel, erklärte sich mit dem Abge­ordneten Dr. Spahn für Schutz der Heimarbeit

Deutsches Reich.

Berlin, den 7. Dezember 1904.

* Stimmungsbild a«S dem Reichstage. GS scheint im Reichstage die Regel zu rein, daß auf einen Tag heißerer Etats­debatten ein kühler Tag folgt. So ließ sich denn auch heute die Fortsetzung recht nüchtern und fiimmungslos qm. Mäßig besetzte Tribünen, rin noch mäßiger besetztes Haus und viele Lücken am Bundesratstische Die Hauptplätze waren hier zu Anfang ganz leer. Der Reähskanzler Graf Bülow, Staatssekretär Graf Posadowsky uud andere erschienen erst im Laufe der Sitzung, De? schwanden aber bald wieder. Graf Posa vowsky kehrte erst nach Stunden, Graf Bülow gar nicht zurück. Der Reichsschatzsekretär hatte »einer Gewohnheit nach neben der Rednertribüne seinen Sitz gesucht. Zunächst sprach der konser, vative Abgeordnete Frhr. v. Richthofen. Er kündigte gleich an, daß er eine rein geschäfts­mäßige Etatsrede halten und über die Milrtär- vor lagen gar nicht sprechen, sondern dies einem FraktionSgenoffen überlassen wolle, der später kommen werde. DaS war nicht eben geeignet, ihm „daS Ohr" des Hauses zu verschaffen und so mühte er sich denn vergebens ab, gegen die Gleichgiltigkeit und Unaufmerksamkeit an tu- kämpfen. Natürlich war auch er der Ansicht: So kann eS mit der Finanzwirtschast nicht weiter gehen. Er und seine Freunde erwarten

V Berit», 6. Dez. 1904. Der Kaiser hat dem Hsrzog von Anhalt den Schwarzen Adlerorden ver­liehe». — Wie aus Wernigerode gemeldet wird.

afrikanischen Farmer großmütig sein müfle. Wenn Südwestafrika rechtzeitig durch Eisenbahnen

begab sich der Kaller heute vormittag mit dem Fürste» Stolberg zur Suche auf Sauen in daS Wolssholz. Nach einem Frühstück fand die zweite Suche auf Damw- wilv unb Sauen am Fenstermacherbern statt. Nach 3 Ubt kehrten der Kaiser und der Fürst zum Schlöffe zurück. — Die Budgetkommisston des Abge­ordnetenhauses hat die Borlage betreffend die Beteiligung des Staates au der BergwerkSgesellfchast Hibernia mit 14 gegen 2 Stimme» angenommen. — Prinz Albrecht von Preußen, der nach Rom gereist rst, um als Vertreter deS Kaisers der Taufe dtS italienischen Kronprinzen beizuwohnr», hat heute vormittag, wie aus Rom gemeldet wird, sich vsn der preufiikchen Gesandtschaft beim Heiligen Stuhle nach dem Vatikan begeben, um dem Papste einen Besuch abzustatlen. Später besuchte der Prinz den Staats­sekretär Merry del Bai uud besichtigte die PeterS- k rche — Der Dampfer „Palatin" der Hamburx- Amertkalinie mit 43 Offizieren, 639 ttnteroffiz'eren und Mannschaften und 996 Pferden ist heute nachmittag 1 von Hamburg nach Deutsch-Südmeftafrika ab» i gegangen. Der Kowmandikreride des neunten Armee­korps Bock v. Polach verabschiedete die Truppen in der üblichen Weise,

* Schwerin, 6. Dez. 1904. (Amtlich) Bei der Reichstag-Stichwahl im Wahl­kreise 2, Mecklenburg-Schwerin, wurden insgesamt 24,528 Trimmen abgegeben; davon erhielten Geh. Finanzrat Otto Büsing (natlb.) 13.315, Stadtverordneter Otto Antrick (Soz.) 11,213 Stimmen. Büsing ist somit gewählt. Derselbe hatte schon früher dem Reichstage an- grhört und war eine Zeit lang dessen Vize­präsident.

* München, 6. Dez. 1904. Die europäische Fahrplan.Konferenz wurde heute, nachdem mehrtägige Dorbesprechungtn staitgefunden hatten, eröffnet. Es wurde beschloffen, die nächste Kon- serenz am 15. und 16. Juni in Lüttich abzu- haltrn.

(SBeüete politische Nachrichten finden unsere Leser! im Zweiten Blatte. D. Red)

In Port Arthnr hat nach Ablauf des sechsstündiger WoffenfiMandes der Kampf um die Forts wieder mit alter Heftigkeit eingesetzt. Nach dem Londoner «Daily Telegraph' machten die Japaner am Montag hartnäckige Versuche, die Nordostsorts zu nehmen. AuS Port Atthur in Tschifu eingetrcffene Passagiere melden, daß die Japaner 4äglich Verstärkungen an Geschützen, Munition und Leuten erhalten, daß die Ruffen aber trotzdem ausharrev. — Russische Agenten bieten außerordentlich hohe Preise für kleinere Seeschiffe, die geeignet erscheinen, Mund- oorrat und Munition nach Port Arthur zu bringen.

Die Aufregung in Japan über die Unterstützung der russische» Ostseeflotte durch die neutralen Mächte wächst nach einem Telegramm aus Tokio. Maßgebende Zei­tungen geben dem allgemeinen Verlangen Aus­druck, daß die Regierung energisch handeln müsse. Sollten die russt-chen Schiffe in den Gewässern des fernen Ostens Privilegien eingeräumt er­halten, die das überschreiten, waS man unter Neutralität versteht, so werde sich wahrscheinlich Japan nicht für verpflichtet halten, die Neutralität der betreffenden Mächte zu respektieren und er fei möglich, daß eS hinter den russischen Schiffen her seine Flotte in jeden Hasen senden werde, dessen Neutralität durch das Verhalten de? Feindes als verletzt betrachtet werde. Sollten die Russen durch Be- setzung neutralen Gebieter sich ei-,e Ba- fis im fernen Osten zu schaffen suchen, werde I Jopan wahrscheinlich dasselbe tun. Man trifft besonders für die Flotte umfassende Vor­bereitungen zum Empfang des russi- scheu Geschwaders. In Bezug auf die Armee zieht man die Möglichkeit in Betracht, daß die Verbindung Japans mit der Halbinsel Liautung abgeschnitten wer­den könnte. Um die Zeit, wo die Flotte ein- treffen kann, werden die Truppen in der Mand­schurei in Stand gesetzt fein, ohne Verbindung mit der Heimat mehrere Monate hindurch Krieg führen zu können.

* Der preußische Städtetag, der gegen­wärtig hier in Berlin tagt, nahm nach lebhafter Debatte über das Re.cht der Städte in ihren Schulen die von den Referenten Stadttat Rieve<BreSlau und Bürgermeister Lichtenberg- Dortmund vorgeschlagenen Leitsätze mit allen gegen eine Stimme an. Die Leitsätze betonen u. a., die städtischen Volksschulen seien zwar staatliche Veranstaltungen, aber städtische An> stalten. Die Rechte der Städte an ihren Schulen entsprächen nicht ihren Leistungen dafür. Der bekannte Erlaß des UnterrichtsministeriumZ vom 17. November überschreite die Grenzen des staat­lichen Ausfichtsrats und sei geeignet, die Opfer- williakeit der Städte für das Schulwesen zu schädigen. Für die Entscheidungen der Schul- aufstchtsbehörde solle eine Rechtskonttolle ange­strebt werde«.

?? Gemäß Art. 15 des französischen Zoll- tarifgefetzes vom 11. Januar 1892 ist dr-' Einfuhr derjenigen ausländischen Erzeugniffr nach Frankreich verboten, die auch sich selbst oder ihr n Umschließungen, (Sittetten rc. «inen Namen, ein Zeichen oder irgend eine Angabe tragen, die drn Glauben erwecken könnte, daß sie aus Frankreich stammen. Die sianzöstschen Zollbehörden hatten nun bisher derartige Waren dann zur Einfuhr zugelaffen, wenn sie durch den Vermerk „io porte“ als fremde gekennzeichnet waren. Ncuerdings ist jedoch, wie der Reichsanzeiger mitteilt, tr/t-er»! schiedenen Fällen von Grenzzollämtern verlangt worden, daß die fraglichen Einfuhrwaren außer- dem mit der Angabe des Ursprungslandes ver­sehen sind.

* Wie der flute To« von der Sozial­demokratie gepflegt wird, zeigt eine Muster- leistung der,Leipz. Volksztg/. Dieses von F ra n z Mehring geleitete sozialdemokratische Organ schreibt über Graf PosadowskyS Rückkehr nach Berlm: „Die konservativen Wegelagerer, die Zentrumsgauner, die nationalliberalen

• ver rrlsiisch.jgpMische Krieg,

1 Vom Kriegsschauplatz in der Rord«a«d- schorei liegen nur dürftige Meldungen vor. Nach einem Telegramm aus Mukden sollen in­folge des durch die Kälte bedingten Lagerns der Truppen in den ausgehobenen tiefen Laufgräben und wegen der fortdauernden nervösen Spannung unter den Truppen beider Armeen häufiger KrankheitSerscheinungen sich einge­stellt haben. Davon weiß anscheinend General Ssacharow nichts. Ein oo» ihm nach Peters­burg aufgegebenes Telegramm besagt vielmehr, daß zwar große Kälte herrsche, daß die Truppen aber dank der warmen Kleidung und den ge­heizten Erdhütten nicht dar unter leiten. Bisher sei niemand es froren. Ter Geist der Truppen sei ausgezeichnet.

Hier bei uni in Wladiwostok steht er mit der Flotte geradezu jammervoll auS. Wie Du weißt, sind verschiede- e Kohlendampser ausgelaufen, der Kreuzer „Sutil“ von den Japsen versenkt, der Kreuzer „Bogalyr“ seit Juni im einzigen Trockendock und sollte vor einer Woche fertig (d. h. auf russische Art geflickt) aul dem Dock entlassen werden, bricht aber bet dieser Gelegenheit durch irgend ein Versehen (?) mit den Gestellen im Tock zusammen und wurde dabei dermaßen beschädigt, daß er heute fast ebenso schwimmunsähig ist, als vor 3 Monaten. (I) Vor einigen lagen ist der im Gefecht beschädigte Kreuzer „Gromoboi“, der aber wieder repariert war, bet bet asten Probefahrt scharf mit 16 Knoten Geschwindig­keit an einen Felsen, einige Meilen von hier, gelaufen und drückte sich etwa 15 Platten ein; mit Not er­reichte er den Hafen und liegt hier jetzt auch völlig

er es, wenn daS einjährige Dienstjahr abgeschafft und allgemein die Dienstzeit auf zwei Jahre festgesetzt würde Zum Schluß polemisiert Redner gegen die Sozialdemokratie.

Hieraus wird ein BertagungSautrag «n genommen.

Fortsetzung: Mittwoch 1 Uhr.

Schluß i1/. Uhr.

in Ermüdung über. Einige Scherze vermochten die lähmende Wirkung der Rede nur auf Augen­blicke zu unterbrechen. Er sprach insbesondere über die Kolonialpolitik, doch nicht so schroff weg­werfend wie Richter zu tun pflegt, und über die Militärvorlage, deren kavalleristischer Teil ihm schlecht gefiel. Die Kompensation für die zwei­jährige Dienstzeit lehnte er ab; ebenso eine Finanzreform auf Grund neuer indirekten Steuern. Der fteikonservattve Abg. v. Kardorff ist trotz c?rauer Jahre immer noch ein Feuerkopf, wenn e- auf der Rednertribüne steht ^-nur halten die Kräfte auf die Länge nicht Stand; man bemerkt ^ld. daß er mott wird.' Er begann mit dem A -drucke des Bedauern«, daß der Abg. Richter, dessen Fleiß, Kenntnisse, Zuverläsfigkett und Charakterfestigkeit er hohe Anerkennung zollte, durch schwere Krankheit verhindert sei, zum Etat »v sprechen. Auf der Reichseinkommensteuer wünscht er die Reichsfinanzreform nicht aufgebaut i*t iehen. Er erwartet vom Bundesrat bald Vor­schläge, wie die Finanzwirtschast der Emzelstaaten « erleichtern sei. Entgegen dem Abg. Dr. Spahn haßt et ein beschleunigtes Tempo in der Sozial-

wie man längst weiß. Lebhaft wandte M gegen Bebel, dem gegenüber er eine an- Üblich in Rußland bestehende Sitte empfehle, wonach der Redner auf einen Stuhl steigen muß «d ihm, wenn er zu lange spricht oder lang- wird, einfach der Stuhl unter den Füßen ^Eggezogen wird. Als Herr v. Kardorff geen« 2”' begann ein begeisterter Zuhörer auf der •Wen kräftig Beifall zu klatschen, hielt aber erschreckt inne, als ihm einfiel, daß daS nicht ge­wartet ist. Den Schluß machte heute eine ebenso *®R9* wie kräftige Rede des antis. Abg. Lieber- «ann v. Sonnenberg.

Fortsetzung der ersten Beratung des Etats.

Abg. Frhr. d. Richtbofe« (kons.) spricht fich für eine gründliche Finonzreform aus. Vorschläge für die­selbe» zu mache», sei 4 flicht der Regierung. Gewarnt werden müfle vor einer zu günstigen Beurteilung der Mehreinnahmen. Der Ansatz von 14 Millionen Mehr- einnahmen bet der Zuckersteuer erscheine ihm zu günstig. Zum Schluß spricht Redner, wie eS bereits der Abg. Spabn getan, den Truppen in Südwestafrika seine Anerkennung auS.

Abg. Dr. Sattler (nl.) bezeichnet eS als eine Un- verautworllichkett, wie der Abg. Bebel geller» daS deutsche Volk in feiner Gesamtheit angegriffen habe. Dem Abgeordneten Spahn stimme er darin zu, daß für die Heimarbeiter etwaS durchgreifendes geschehen müsse, Wenn die Finanzlage auch trübe sei, so mßffe doch alles bewilligt werden, waS tätig sei, um die Machtstellung deS deutsche» Reiches aufrecht zu erhalten- DaS gelte vor allem von der Militärvorlage, der seine Freunde durchaus sympattsch gegenüberstäuden. Seine Freunde seien mit dem Abgeordneten Spahn auch darin ein­verstanden, daß eine Herabsetzung der Mindest- strasen für Vergehungen von militärischen Untergebenen unbedingt notwendig sei. WaS Südwestafrika anlange, so könne man sich der Verpflichtung, dort wieder ge .. - ,

otbnete Suflänbe ju schaffen, nicht wieder entziehen. Ruffenfteund zu fein scheint, heißt es: Zum Schluß spricht Redner sich für die Bewilligung M nr e '

von Diäten und für diebaldig, Vorlegung der Handels- '

vertrüge auS.

Abg. Dr. Müller Saga» (fr. Bp.) befürwortet ebenfalls die Einführung der Diäte». Der StaatSsekre- tär habe von „Sparsamkeit" gesprochen, aber er habe I dabet de» stillen Vorbehalt gemacht: ausgenommen Militär, Marine und Kolonie» (Heiterkeit links); von wirklicher Sparsamkeit könne nicht die Rede sein, so­lange wir uns in den Bahnen der Wevpolitik bewegten. Auf die Neuforderung von 10000 Man» Infanterie unS rinzulaffeu, haben wir keine Veranlassung. Der Vermehrung der Artillerie und der Telegrophen-Ab- x" Heu wir allerdings nicht so antipathisch gegenüber wie der Vermehrung der Kavallerie. Die Kavallerie hat, wie der russisch-japanische Krieg lehrt, auSgelebt. Redner wendet sich schließlich gegen rin« Finanzreform auf der Grundlage neuer oder höherer indirekter Steuern.

Abg. Lieber«»»» v. Souneubrrg (Antisemit) befürwortet die Einführung einer Wehrsteurr. Die Börfensteuer könnte erheblich höhere Erträge liefern, wen» man be» Defraudanten ernstlich zuleide ginge. Auch der Gedanke einer Reichseinkommensteuer er-

balb Vorschläge von der Regierung; es sei nicht'Smhe des HauseS, solche zu machen. Auch der natl,*Abg. Dr. Sattler ist kein großer Redner. Ec versteht nur, manchmal die Worte