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Denn sonst müßte ich befürchten, daß Du su» Spar- samkeitSrückfichten Deine Gesundheit leiden lassest. Also abgemacht?
„Jo, Roll, ich barte Dir."
Beider Zartgefühl stand ans gleicher Höhe. Rolls Zuneigung war zu sehr von Achtung getragen, al» daß er dem Mädchen feine stete Gegenwart aufge. drungen hätte. , „ ,/
„Da» hieße richt mehr über fie wachen, dachte er, „wenn ich ihre Tugend verdächtigen ließe."
Am gleichen Abend noch oab er ihr Nachricht von seiner Unleitunst in einem Kür stserheim der Odeon - straße. Z>'g'eich brachte er ihr eine bitte Mufitrolle, Noten zu Opern und Operetten, Begleitung von Bor- trägen usw.
„Da hast Du etwa» füt die einsamen Stunden," sagte er; „übe einige» davon, denn der Direttvr wird wahrscheinlich eine Probe Deine» Können» verlangen."
Sie lächelte und taalte freundlich.
„Da de,kst doch an alle», mein guter Roll. . . . Wa» würde aus mir, wenn ich Dich richt hätte, da ich ganz allein in der W«lt stehe, verlassen von Vene«, auf deren Schutz und Hülfe ich den meisten Anspruch habe?"
„Rege Dich darüber nicht aus, Htmee."
„Du hast Recht, me n Freund, denn Deine Ergebenheit entschädigt mich vollauf für da» traurige Er- lebni» in D«lb."
„Ich tue nur meine Pflicht; glücklich wäre ich, wenn ich fie würdig erfüllen tönnte."
Ei« wehmütige» Gefühl malte sich auf seine« männlichen Zügen. 6t hotchie noch eine Weile auf da» Geplauder d.r Waise, dann drückte er ihr die Hand und entfeinte sch eiligst, während Aimce die zmückge- laffenen Mufithefte zn streut durchblätterte.
Anderen Tage» zur verabredeten Stunde holt Roll da» junge Mädchen cb zum Be uche beim Direktor
„Nun, wa» gibt'» denn noch?* fragte dieser bet; Somit«r, indem er ihm freundlich auf die Schulter stopfte. „Sind Sie nicht zufrieden? Soll ich Ihre Rolle gegen die eine» Statisten vertauschen?" (F
nm denjenigen, der fie schon so lange betrauert, ihrer reumütigen Gesinnung zu versichern. Und wenn ich keine» Erfolg habe, wenn auch er mich verstößt, ru«, dann. . . ."
Sie hielt inne in der Befürchtung, zu weit gegan« gen zu sein.
„Nun dann?" forschte Roll.
Sie hob den Blick nach Obe", um ihrem Freunde nicht 'n die Augen sehen zu müssen, und sagte leise, aber bestimmt:
„Tarn gehe ich nach Pau zur Schwester Therese; fie wird mir eine Zelle der Vinzenz Schwestern tffnen . . . ."
Rollon antwortete zuerst nicht». War er erstaunt? Seine Züge verriete» nicht, wa» in Seinem Innern vorging, während er die Waise starren Blicke» betrachtete.
Plötzlich rief Rollon, sich erhebend:
„Du sollst Deinen Vater wiebetfinben t So komm den», wenn Du ben Mut zu eftem neuen Opfer hast. Gehen wir zum Direktor."
„Nicht so eilig," lächelte Aimee jetzt über ba» Ungestüm de» jungen Mann-:». „Morgen ist'» dazu noch Zeit. Laß un» erst cn unser Unterkommen denken. Wo hast Du vor zu wohn««?"
„In der Nähe de» Theater» ist'» wohl cm besten, da man bann nicht so viele Stunden durch Hin- md Herlaufe» zu den Proben verliert."
„Wa» mich anbelangt, ta gestehe ich, daß die engere Umgebung von Schauspiele,» und der Verkehr mit densetben, der sich dabei nicht vermeiden läßt, mir wenig behazt. Ich möchte lieber h.er bleiben- Die Wertin hat mir tm vierten Stock zu mäßigem Preise ein kleines Zimmer angtboter, wo ehedem «in Klavierlehrer gewohnt, der durch Mittellvstgkeit gezwungen tooiben ist, idr sein Jestri-m-ut zu virpsänden. Dieser Umstand wiegt auch in meinem Entschlüsse mit; ich könnte auf diese Weise bequemer üben."
„Da« läß: sich hören; e» shetnt wir ein guter Pl-n. Abe: "ur unter der Bedingung, daß wir unsere Mahlzeiten in Restaurant gemeinsam emuehmrn.
M 279
gulöü, Dienstag, den 6. Dezember 1904.
3L JrchrMM
Deutsches Reich.
Berlin, den 5. Dezember 1904.
% Eine außerordentliche deutsche Gesandtschaft, an deren Spitze ein höherer Offizier aus der unmittelbaren Umgebung des Kaisers fleht, begibt sich Mitte Dezember nach Abeffynien, um in der Hauptstadt Addis Abafa mit dem Neaus Menelik II. Handelsverträge abzuschließen und ihm Geschenke des Kaisers zu überbringen. Die Gesandtschaft wird eine Anzahl auserlesener Mannschaften vom Regiment der Garde-du-Eorps begleiten, teils zum Schutze, teils zur Repräsentation am Hofe des Neous. Am Sonntag wurden auf Befehl des Kaifers in Potsdam diese Begleitmarmschaften ousgewählt: 1 Mzrwachtmrister, 1 Sergeant, 1 Unteroffizier und 9 Mann, die verschiedenen Eskadronen entnommen wurden. Als die Anfrage nach Freiwilligen für diefe Gefandtfchafls • Reise, die auf 4 Monate berechnet ist, cn das Regiment erging, meldeten sich etwa 100 Mann. Dir Gesandtschaft reist am 14. Dezember von. Potsdam ab und nimmt eine vollständige Kriegsausrüstung samt Küraß und Lanze mit. Aber auch die Gala-Uniform, .wie sie hier bei Hoffestlichkeiten getrogen wird, fehlt nicht.
* Sechs russische Kommissare sind zur Verhandlung über zwei Eiseubah«a»schl«ß-Ver- träge zwischen dem Reiche «nd Rußland am 4. d. Mts. aus Tt. Petersburg in Berlin eingetroffen. Die Verhandlungen, an denen auf russischer Seite auch ein Mitglied der russischen Botschaft teilnehmen wild, betreffen die Schaffung neuer deutsch-russischer Eisenbahnverbindungen, und zwar zwischen Skalmierzyce und Kalisch (Warschau KaUscher Eisenbahn), sowie zwischen der preußischen Staatsbahnfirecke Lublinitz Herby bei Herby m.d der He.by Czmstochauer Eisenbahn. Beide Verbindungen werden scho^ seit längerer Zeit von den beteiligten Interessenten erstrebt und würden zur wirtschaftlichen Fortentwickelung der in Betracht kommenden beiderseitigen Gebietsteile wesentlich beitragen. Ein günstiges Ergebnis steht in Aussicht, und wir bewillkommenen es als neuen Zuwachs an Ver> bindungSmitteln für den wirtschaftl chen Verkehr beider Reiche.
* Zum Abbruche derHuudelsvertrugs- verhaudlungen mit Oesterreich - Uugar« schreibt die offiziöse ,Nordd. Allg. Ztg.': „Die Handelst! ettrags Verhandlungen haben am Anfang der Woche eine Unterbrechung erfahren. Auf beiden Seiten besteht der aufrichtige Wunsch, trotz der in Wien ungelöst gebliebenen Schwierigkeiten eine Verständig»»«, herdeizusühren. Im Hinblick auf diese Disposition taten die Blätter beider Reiches wohl daran, sich bei Behandlung
I der Angelegenheit größere Mäßigung mifouei legen, als dies mehrfach geschehen.ist. Insbesondere läge es im Interesse unserer Freihändler selbst, mit Prophezeiungen sparsame! umzugehen, die ihnen und ihren Ärchängern im In- und Auslande bittere Enttäuschungen eintragen könnten."
* Die geplante Reichuarzueitaxe wird am 1. Januar 1905 noch nicht in Kraft treten; eS soll nämlich zu diesem Termin, amtlicher Mitteilung zufolge, noch ein Nachtrag zur sächsischen Arzneitaxe erscheinen.
* Weitere Verluste in Deutsch > Güd westasrika. (Amtlich.) Am Typhus sind gestorben: Reiter Wilhelm Martini, geboren am 5. November 1882 zu Orlishausen, früher Infanterie-Regiment Nr. 87, am 2. Dezember im Lozaret zu Okahandja. Gefallen bei Warmbad am 28. November: Leutnant Alfred' Schmidt, geboren am 30. Marz 1874 u Meppen, früher Infanterie - Regiment Nr. 78; Leutnant Ewald T essen v. Heydebreck, ge- boren 17. Juli 1879 zu Guben, früher 2. Garoe« Regiment zu Fuß; Unteroffizier Karl Gerber, geboren 10. Februar 1877 zu Büttstedt, früher königl. bayerisches 1» Ulanen-Regiment; Gefreiftr Ernst Wilke, geboren 17. September 1879 zu Seehausen, früher Husaren - Regiment Nr. 10; Reiter Otto Moser, geboren 22. Mai 1880 zu Merzig, früher 2. Gm de Ulanen -Regiment; Gefreite c Karl Huebner, geboren am 2. Dezbr. 1879 zu Fischback, früher Hus.-Regmt. Nr. 14: Reiter Karl Marckwardt, geb. 18. September 1883 zu Schutschur, früher Huf.-Regt. Nr. 15; Reiter Reinhold Backhaus, geb. 4 Aug. 1879 zu Msml-.bkn, früher Jnsanlene-Regt. Nr. 61; Reiter Johann Oftk am p, geb. 16. Januar 1884 zu Gronau, früher Kürastür-Regiment Nr. 4; Reitkr Walter Riese, geb. 25. November 1877 zu Berlin, früher Feld-Artillerie-Regiment Nr. 39. — Verwundet im Gefecht bei Warmbad am 28 Nov.: Unteroffizier Michael Wannenmacher, geb. 11. September 1880 zu Schaffhausen, früher Feldartillrrie-Regimrnt Nr. 23, schwer; Reiter Hermann Heinz, geb. 10. April 1884 zu Schirnrod, ftüher Jnsamerir-Regiment Mr. 95, schwersReiter Gerhard Ossendorf, geboren 6. Juli 1881 zu Wessum, früher Inf.» Regt. Nr. 144, schwer; Reiter Emil Rulle, geb. 14. März 1882 zu Prachenau, früher Dragoner- Rtgimenl Nr. 23, schwer; Reiter Peter Lang, geb. 2. Mai 1883 zu Kelterbach, früher Infanterie-Regiment Nr. 173, leicht. — Vermißt: Unteroffizier Ernst Bammel, geboren 28. Dezember 1880 zu Darnebeck, ftüher Hus.- Rrgt. Nr. 10.
105, Sitzung vom 5. Dezember 1904.
Eröffnung 1' - Uhr. — Fortsetzung d«r I. Beratuvg deS Etats.
ÄIS erster Redner aus dem Hause erhält das Wort Aba. Dr. Spahn (&): 3°- vorigen Jahre bat der ReichSschatzs kreiär bet Beratung der linnen Finanz, teform ausgeiührt. daß dieselbe eine Znschußanleihe in Zukunft auSschlikßerr würde Gleichwohl aber haben wir auch ix diesem Jahre wieder eine große Zuschuß anleihe nötig. Wir haben vermißt, daß der Reichsschatz- sekretär, welcher eine Sanierung unserer Finarizver- hältntfse a’8 unumgänglich notwendig bezeichnet, fette Vorschläge zur Sanierung gemacht hat. Er hat allerdings gesagt, daß man bet der Sanierung schonende Rüüüchl auf die wirtschafUich Schwachen nehmen müßte. Angesicht» der sich steigernden Reichsschuld hat man gegen uns den Borwurf erh.ben, daß wir an derBer- medrung der Reichsschuld mitgewirkt hätten. (Sehr richtig! bet den Sozialdemokraten). Jndeffen die Vermehrung der Reichslchuld ist entstanden durch unsere Expedition in Ostasten und durch die'Wirren in westafltka. AlS die Flotterrvorlage seiner Zeit zur Beratung stand, find auch wir es gewesen, welche die Deckurgkfrage augeichnitten vnd geregelt haben wollten. Der ReichSschatzsekretür hat gar nichts davon erwähnt, daß eine Steigerung der Matrikularbeiträge möglich sei, und dcch find gerade dieMatrikularbeiträgedaseinz'ge Mittel für eine stärkere Heranziehung der leistungsfähigen Schultetn. ES wird daher tn Erwägung zu ziehen fein, ob nicht die Linzelstaaten weiter herange- zrgcn werden müffe», und zwar nicht nach dem Prinzip der Kopfzah!, sondern nach ihrer Leistung! sähigkett. Dte «eue Militärvorlaze macht sich in dem Etat noch »tat tn ihrem vollem Umfange geltend. Wenn derReichSschatzftkre- tär gemeint hat,dstz die Mchrein»ahmeu auS den Zöllen selbst die jetzigen Ausgaben nicht ersten könnten, so ist es Pflicht des Echatzsikretärs, Vorschläge für dte Dickung der Kosten für d'e M.litärvorlage zu machen. Wir verhalten uns der Militärvorlage gegenüber nicht ablehnend, aber derartige Vorschläge muffen unS gemacht werden; und wenn wir nrcht wollen, daß dte minderleistunzsfähizen Schultern, die weniger bemittelten Klaffen deS Volkes, noch weiter belastet «erden, fo verstehen wir darunter nrcht allein die Arbeiter, sondern auch den ganzen Mittelstand, und wir müffe» verlangen, daß diejenigen herangrzoge» werden, die vom Reiche auch den größten Vorteil haben. (Lebhafter Beifall). Nach dem Gesagten ist eS klar, daß eine Tabak- und Biersteuer für uns nicht annehmbar ist. Im weiteren gedentt Redner des tapferen Verhaltens unserer Truppen tn Südwestafrira und bedauert, daß, während man im Frühjahr geglaubt hat, eS gingen die letzten Truppen ab, noch ein so ge» waliiger Nachschub notwendig geweftn fei. — Bezüglich unseres Verhältnisses zu England äußerte sich Redner im Sinne der bekannten Aeußerungen des Reichskanzlers gegenüber dem Mr. Bahsford. Was die Handelsverträge anlangen, so dürfen wir fie wohl im Laufe der nächsten Woche erwarten. Es mag fein, oaß uns über die Verhandlungen mit Oisterreich-Un- garn keine Mitteilungen gemacht werden können, aber es muß doch an dieser Stelle ausgesprochen werden, daß, wenn Oesterreich-Ungarn glaubt, daß eS nach wie vor im Besitze der Meistbegünstigung verbleibe, dirS ein entschiedener Irrtum ist. (Lebhafter Beifall im Zentrum und rechts.) Auf daS Wort RoofeveltS übergehend, welches er bei Einweihung eines kathol. Schulgebäudes gebraucht hat und in welchem er zum Abdruck brachte, daß unter ihm jedes Kind feinen Gott tn feinem Glauben verehren könne, wünscht Redner, daß auch in Deutschland diese Auffassung herrschend sei und daß infolge einer derartigen Auffassung dem Katholizismus praktisch die Gleichberechtigung zuteil werde. In der heutigen Zeit müßte» die christlichen Kräfte für den Staat gesammelt werden. Die Statistik habe ergeben, daß die Selbstmorde nicht nur unter den Elementarschülern, sondern besonders unter den Schülern höheren Lehranstalten in bedenklichem Maße zuuehmen. DaS hänge zum Teil mit der unstttlichen Litteratur zusammen. Die Staatsanwälte begehen den Fehler, daß sie an bett Orten, wo die BerlagSbuchhändler derartige unsittliche Bücher zum Versandt brächten, nicht sofort einschritten, sondern erst einschritten, nachdem die Bücher in alle Windrichtungen gegangen wären. —
Was den lippischen Slreit anlange, so sei die Sache zur Zufriedenheit erledigt worden. Wenn bie beiden Teile sich nicht geeinigt hätten, so wäre keine Instanz nötig gewesen zur Entscheidung deS Streites, und rS sei daher nötig, daß eine besondere Instanz für derartige Sachen im Reiche errichtet werden. — Sodann gedenkt Redner des Jubiläums des Reichsgerichts und der deutschen Reichsgesetzzebung. Wester wünscht Redner, daß zu Beginn des Reichstages die Befchlüffe des Bundesrats auf Beschlüsse deS Reichstags in Übersicht- ltcher Form vvrgelegl werden, und daß, wie man ein ReickSarbettSblatt habe, ein ReichShandwerkSblatl ge> schaffen werde. Redner spricht seine Befriedigung darüber aus. daß die Handwerkererquote nunmehr erngeleitet worden sei. und wünscht, daß die Reichsverwaltungen ausdrücklich ihre Berettwilligkeil erkläre« möchten, bet Vergebung von Lieferungen mit leistungsfähigen Hand- werkern zu verhandeln. I» wetteren fordert Redner die Fortführung der Sozialpolüik und fordert insbesondere die Regelung der Frage der Berussveretns, der Arbeiterkammern und eine Vorlage zum Schutze der Heimarbeiter. Besonders dringlich sei die gesetzliche Regelung deL Mündigen ArbeitStageS, wünschenswert sei auch auS religiösen wir auch auS allgemeinen sittlichen Gründen eine strenge Handhabung der Sonntagsruhe. — Zum Militäretat sich wendend, behandelt Redner eingehend das Kapitel der Soldatenmißhand« Handlungen und bedauert es, daß allzu häufig bet Verhandlungen gegen Vorgesetzte die Omentlichkeit von den Militärgerichten ausgeschlossen werde. Gerade die Oiffentlichkeil solcher Verhandlungen sei das beste Vo, - veugiingsmittel gegen Soldatenmißhandlungen. Die neuerdings in Freiburg und Dessau erhangenen Urtetre hätten die Reformbedürftigkeit des Miliiärstrasgefetzes nach der Richtung hin gezeigt daß die Mindeststrafe für Verfehlungen von Vorgesetzten abgesetzt werde. — Weiter legt Redner entschieden Verwahrung ß'ß«1 die Andeutung des Staatssekretärs ein, daß dem für die Witwen- nr.d WaisenLersicherung bestimmten Fonds wözlicherweife dasselbe Schicksal bevorstehe, ww dem Invalidenfonds. An diesem Fonds würden feine polt- tischen Freunde nicht rütteln. — Zum Schluß fordert Redner die Bewilligung von Diäten. (Lebh. Be.fall im Zentrum.) . k .
Abz. Bebel (Soz.) bezetchnet den Mat als den schlimmsten, der je rem Reichstage vorgelegt worden sei. An der schlechten Finanzlage fei das Zrmrum Schuld. Mit dem „Wuchertaris", der unter Bruch der Geschäftsordnung unter Führung des Ab«, «c.ffermann zustande gekommen sei (Große Unruhe rechts, lebhafte Zustimmung linkS) haben wir nichts errercht.
Vizepräsident Dr. Paasche: Sie dürfen keinem Abgeordneten einen Bruch der Geschäftsordnung vor- werfen.
«bg. Bebel (fottfahrend): Ich habe diesen Vor. wurs gegen die Mehrheit beS Reiches erhoben .Große Unruhe — Glocke deS'Präsidenten).
Vizepräsident Dr. Paasche: Ste haben gesagst daß unter Führung deS Abg. Baffermann ein Bruch der Geschäftsordnung erfolgt fei. Ich rufe Sie zur Ordnung!
Abg. Bebel (fortfahrend) kritisiert unsere ganze innere und äußere Politik, wobei besonders das Zentrum und der Reichskanzler scharf mitgenommen werden. Eingehend behandelt er den Königsberger Prozeß und den Prozeß im Saarrevier. Da» sind, rief er aus, die Muster haften Zustände im gegenwärtigen Staate des Grafen Bülow, der sich um die Zustände deS Zukunftstaates den Kopf zerbricht. Der Reichskanzler hat gesagt, Deutschland voran. Ja Deutschland voran m Unterdrückung und Beugung des RechtS. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemolratens.
ReichSkanzl-r Graf Bülow r Wir haben gar kein Recht, uns in die innertusstschen Verhältnisse einzu- mischen. (Beifall). Wie wir unS jebe «»Mischung de« Auslandes verbttten, so haben wir auch nicht daS Recht, bei anderen di- Fenster einzuschmeißen. Die Sozial- demokratie, welche international fein will, gefährdet gerade die internationalen Beziehungen. Sie predigt »egen Krieg und sucht unS in einen Krieg hinein,»Hetzen. (Lachen bei d«nSozialdemokraten). UeberdenKönigS
Ausgestoßen.
Ben Maurice de Beaumont. Deutsch von
Helene KrembI.
31 ------ (Nachdruck verboten.)
Man kann sich also R oll» Grvugtuung und Freude Vorsteven, al» er noch selbigen Taxe» seiner Freundin eine gute Nachricht bringen konnte. Er stiirwte die Treppe de» Sasthause» hinan und rief:
„Ave» ist fertig! Sieh den Kontrakt, gez-ichnet, gegengezrichnck und gestempelt I Arbeit für den ganzen Muter, Geld, soviel wir gebrauchen, und, was nebenbei auch nicht zu verachten ist, eine hübsche Beiörde- ruag: Erster Komiker am großen Theater zu Toulouse, hörst Du, Wau» ? Äesfire Arleqaiso steht jetzt die Pforte zum Ruhme rfftn!"
Aimee freute sich mit ihrem Freunde und lächelie über feine Ehrgeiüstr.
„Nimm Dich nur in Acht, liebrr Roll, sagte fie, diese Pforte ist niedrig; Du könntest Dir den £op: stoßen!"
„Und meinen Lorbeerkranz fallen lassen, meinst Du. »bet . . . Perrücke . . . ? Bah! ich furchte mich nicht/'
Er schwang fick auf einem «eine herum, warf eisen Blick in den Spiegel und fuhr mit den Fingern einige Male durch sein; wirren Lecken.
„Setz Dich einmal rrhig hi«," bat Aimee und schob einen Binsenstuhl vor; „loß un» vernünitig reden "
„Vernünftig? Bin ich nicht immer vernünstiss, «ein Fräulein?"
„Mehr oder weniger; das kimmt meist auf die Belegenheit an . . . jetzt aber möchte ich Dich bitten, ganz verständig zu überlegen ... Da Du run aus oem besten Weg? zu Reichtum und Ehre bist, wirst Tu doch nicht annevwen, mein Freund, daß ich mei- nerskit» die Hände in den Schoß legen iterte? Erstens
würde ich mich dabei zu Tode largw-ilen. Zweiten» würde mein Vater, falls er wich suchen sollte, mich dann nimmer entdecken. Also bitte ich Dich, Roll, verschaffe mir auch eine Tätigkeit au Deinem Theater . . . Sihlage mich al» Pianistin vor . . . Ich werde Tag und Nacht üben, wenn e» nötig ist."
,O, da» wäre gar nicht erforderlich; ich kenne Tein Talent, da» vollständig gerügt. Aber wie kommst Du zu l iesem Eatschlnß? Ich bin erstaunt darüber, da ich doch weiß, wir schwer Tu an Dein-r Stellung beim ..gallischen Theater" trügest."
„Ich sage Dir ja eben, ich habe so eine Ahnung. . . . Da mein Baier immer reist, hat er auch die Hrffoung noch nicht ausgezebrn, Wrib utd Kind wieder- zufiadeu ... Hat meine Tarte nicht gesagt, er hielte fich in Algerien oder in Südftankreich auf? Suche mir eine Stelle, wo ich mich bemerkbar machen kann . . . nicht za viel, . . . gerade nur, daß mein Name auf den Ttzeat-rzettel kommt . . ."
„Aber Kleine, Dein Name ist es gerade, der Dir hinderlich sei» werd, d'nn dank Deiner Bescheidenbeit tft er bi» jetzt vollkommen unbekannt und keine Reklame für eia Theater . . . ."
„So «prich dem Direktor von m'iuen Gründen, . > . vHd daß ich ohne Gage spicke» würde . . . ."
Ro8vn stützte den Kopf in die Hand und dachte nach. '■
„Bkklleicht ginge e», wenn man fich auf Deine Ab -anrmuvg müiterlichkrsei!» berieje."
„Laß mich mit Dir zum Direktor gehen!"
„Meiiieiwegen; versuchen laun man immerhin.
Aber e» fällt Dir schwer, ich sehe t» Dir an."
Eine Welke tiefen Ernste» zog über Armee'» liebliche Züge.
„Ich habe schon so vi.l getan, um meinen Platz in der Famil,e zu erobern; warum sollte ich jetzt zurückschncken ? Net», nein, ich werde weiter kämpfen ... bi» zum Frühjahre. Ich will alle« versuchen, um meinen Baler zu finden «uch nach Drlb will ich nochmal» gehe», wenn ti sein muß .... alle», um den Wunsch meiner geliebten Mama zu erfüllen und