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JH 278.
Kllöü, Montag- den 5. Dezember 1904.
31. JahrgLW
als Gefahr für das „Evangelium" weggeb,ffen werden.
—* Nachdem vom Reichsamt des Innern aufgestellten Berechnungen wird am 1. Januar 1905 voraulstchtlich ein Bestand von rund 871600 Invalide»- und Altersrenten vor- Händen sein, von denen im Laufe des Jahres 91700 in Wegfall kommen werden. Der Zugang von Renten ist auf 166000 zu schätzen, von denen 18300 im Laufe des Jahres 1905 wieder wegfallen werden.
? Di; Druckerei derAktiengesellschaftNatioual- zeituvg ist vorbehaltlich der Gmehmigung der b-sorstehenden Buffichtßrat-sttzung an Hrrrn Viktor Hahn, den früheren Herausgeber des „Siebten Journal" übergegangen. Wie man der .Deutschen Tagesztg/ mitteilr, beabsichtigen die bisherigen Mitglieder der Redcktton des genannten Blattes, vom 1. Januar ein neues Blatt derselben Richtung hrrauszugeben.
104. Sitzung vom 8. Dezember 1904.
Eröffn»« g 1'/- Ahr. — Erste Beratung deS ReichShaushalrS-Etats 1905 in Verbindung mit dem NachtragS-Etat für Südwestafrika, der Militärvorlage und dem Gesetzentwurf bett, die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit.
ReichSschatziekretär Freiherr v. Stengel gibt zunächst einen Ueberblick deZ RechnungSabschluffes für das Jahr 1903. Der Fehlbetrag stelle sich auf 6l/i Millionen Mark und sei wesentlich geringer, als man im Frühjahr erwartet habe. Der Etat für 1904 werde voraus sichtlich ohne Fehlbetrag abschließen. (Beifall.) Redner teilte dann die vorauSstchtlichen Ergebnisse der wichtigsten EtatStitel des lausende» Etats mit. Er hob insbesondere hervor, daß die Zuckersteuer vorausficht- lich ungefähr 14 Millionen Mark überden EtatSvoran- schlag anfbrtngen werde, ein BrwetS, daß man sich mit der Zuckersteuergesetzgedung auf dem richtigen Lege sefLNden hab'.. Im ganzen ergaben Nr Einnahmen gegenüber dem Boranschlag ein Mehr von 11 Millionen Mark. Redner betont die N- twendigkeit einer planmäßigen Schuldentilgung und verbreitet sich dann noch über Einzelheiten des Etats von 1905 und führte aus, daß die «us ficht en über daS Jahr 1905 hinaus trübe seien, auch wenn die Mehrauiwendungen für Südwestafrika in Wegfall kämen. Bon den Zöllen eine wesentliche Besserung zu erwarten, halte er für einen ungerechtfertigten Optimismus. Er befürchte sogar,daß der Fonds, den man aus den landwirtschaftlichen Zöllen deS neuen Zolltarifs für sozialpolitische Zwecke bilden wolle, dasselbe Schicksal haben werde, wie der Reichs- invalidenfonds. Die bisherige Wirtschaft im Reiche könne so nicht weiter fortgehen, mau müsse unbedingt an eine Befferuug der Einnahmen denien. (Zuruf: Steuern.) In jedem Falle müsse aber beider Sanierung der Finanzen data» festgehalte» werden, daß eine schonende Rücksicht aus dre wirtschaftlich Schwachen gefibt werde.
Der preußische Kriegsminister v. Einem begründet, die gleichzeitig mit dem Etat zur Beratung gestellte» Geseyentwürfe betreffend das Quinquenat und betreffend die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit. DaS Öuinquruats habe einen lediglich organisatorischen Zweck Es handle sich datum, die Lücken und die Schwächen zu beseitige», die sich in der Organisatio» herauSgrstell: hätte». ES müßten festgegliederte Formationen geschaffen werde».
der »aalten Armee dar Blut in den Adern gefror und Rollor.S Stirn fick furchte.
Fräulein Marie! hatte erwartet, daß fie tut fich einem Familieugiiede zu zeicheu brauche, um sofort in seine Armee geschloffen zu werden. Sie bermetrde, ein Jeder müsse fie an der Aehnlichkeit mit ihrem Vater erlernten.
Statt dessen jedoch zeigte Frau Fri dcich mit ho- heitsbollet Miene aüf einen Sitz und fing gletchgüi- ttgen Tones an:
„Durfte ich fragen, Madame, wer Sie find ux£ was Sie nach „La Landy" führt? Ich Miß mich nicht zu eiisaer», Sie j-maU Mehsn zu haben."
„Gnädige Frau," stammelte daS zitternde Mädchen, „gnädige Frau .... lensen Sie mich nicht? .... Ich bi» ja Aimee .... Ihre Nichte .... Herrn Emels Tochter . . . ."
„Meine Nichte?" rief Frau Friedrich und zog sich unw-ükütlich einige Schritte zurück.
Wen« der Dlitz zu ihren Füßen emgeschlagen wäre, hätte fie nicht bestürzter fein lösueu.
Frau Friedrich heftete ihre forschenden Augen auf die Besucherin und sah sehr böse aus, beherrschte aber sofort ihre Empfindung und ohne auf Armee- Eröffnung einzugehen, wandte fie fich an Roll
„Und Sie. mein H-rr, wer find ©te?"
„Ich, rat ine Gnädige, bi» Rollen, gewesener erster Komiker am „gallischen Theater", d:m die sterbende grau Emi! Marie! ihre Tochter cnberlraut hat mit dem Auftrag, fu unter das Dach rhreS BaterS zu geleiten."
Er sagte dies nicht ohne berechtigten Stolz und ließ fthten offenen Bl'ck auf den ganz fahl gewordenen Antlitz der Dame ruhe».
„So, so, ik Name» Reginas, dieser Abenteurerin, der Schande uu ereS Hauses, sagen Sie fich hier vorzüstellen?" schrie diese in Hellem ZE „Und S;e, Fräulein, schämen fich nicht, in solcher Gesell, schäft hier zu mir zu kommen. So ettoi» ISanen tw: Leute Ihres Gelichters fertig bringen! Was; dieses
die eS nicht nötig hätten, im letzten Augenblick, d. h. erst bei der Mobilmachung, neue Formationen in fich aufnehmkn. Di« geforderte Bermehrung der Kavallerie habe keineswegs, wie in der Preffe angedeutet worden fei, darin ihr?» Grund, daß sie eine Lieblingswaffe sei, sonder» darin, daß ihr nach der Neberzeugung der Kriegsverwaltung im Ernstfälle sehr wichtige und sehr bedeutsam« Aufgabrn zufallen würden, denen fie bet ihrer jetzigen Organisation nicht gewachsen sein würde. Redner wandte fick dann zur Frage der zweijährigen Dienstzeit. Die bisherige» Erfahrungen mit der zweijährigen Dienstzeit seien durchaus befriedigend; aber sie seien nur möglich gewesen durch eine Ueberanftrew gung des KnSbildungspersonalS. AuS diesem Grunde fordere die Vorlage neben der gesetzlichen Einführung der zweijährigen Dienstzeit eine Bermehrung des Unteroffizierpersonals und ihre Aufbefferung im Gehalt, eine Bermehrung der Exerzierplätze usw. Redner schloß mit den Worten: Gie sehen, wir beabsichtigen, Meliorationen in der Armee einzuführen, die zwar Geld koste» und die fich nicht gleich in klingender Münze bezahlt machen, die sich aber reichlich lohnen werden, wen» es einmal nötig werden sollte, die Existenz des Vaterlandes mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.
Hierauf wurde die Weiterberatung auf Montag vertagt._________________ ____________________
* Der rüffrsch'japaMsche Krieg,
Dir Lage des 203 Meter-Hügels ist endlich entdeckt. Ec liegt nordwestlich von Port Arthur nördlich vom Fort Anteschan zwischen diesem und dem Fort Etfeschan ganz am Rande des Befestigunzsgürtels. Die große Bedeutung, die man japanischerseits diesem Hügel beimißt, dürste er so wird aus London berichtet, kaum befitzen, denn die dortigen Befestigungswerke waren nicht ständige, sondern nur Ergänzungswerke, und die Stellung, welche die Japaner heute in Händen haben, hatten sie bereits einmal im September erobert, konnten fie jedoch nicht behaupten. Andererseits hat der 203 Meter-Hügel den Vorzug, daß er die Forts des Stuhlhügels überragt und, mit Belagerungsgeschützen besetzt, natürlich auf diese Forts bkss-r einwirken kann, als dies den japanischen Geschützen bisher möglich war. Ob es richtig 4iß, Jtsäu die Japaner vom 203 Meter-Hügel aus den ganzen Hügel beschießen können, ist doch recht zweifelhaft. Es scheint, daß einige Teile des Hafens nach wie vor vor dem japanischen Feuer gesichert bleiben, selbst wenn der 203 Meter-Hügel nicht wieder in die Hände der Ruffen fallen sollte. Die Forts, die die Belagerungsarmee jetzt unmittelbar vor fich hat, sind außerordentlich stark. Es sind dies die Forts Etsehügel, Ngantse,Wangtai, undSangschu. Dir Forts liegen aber aus einer Höhe von 442 Fuß und können demnach von dem 203 Meter- Hügel unter Feuer genommen werden.
Am Freitag sand nach einer Meldung aus Tokio der erste Waffenstillstand vor Port Arthur statt, um die Toten zu beerdigen. Er hatte eine Dauer von sechs Stunden.
Vom Kriegsschauplatz in der Rordmarrd sch ar ei kommen weitere teils ergänzende, teils neue Nachrichten über Rückzugsbewegungr« der Japaner. Dieser Rückzug scheint allmählich immer größeren Umfang anzunetzmen, auch gingen ihnen mehrmals ziemlich heftige Gefechte voraus. Die b?ider,eitigen Verluste find jedoch mäßig.
Weib, das wir gerne durch untere Mißachtung verrichtet hätten, sie, welche die Elter» desjenigen, der leichtfinntg fie geheiratet, vor Kummer ins frühe Grab gebracht fie . . ."
„Halten Sie ein, Madame!" gebot Aimee und richtete fich in ihrer ganzen Größe auf. „Dieses Weib war meine Mutte,, welche auf dem Totenbette die Verzeihung ihteS Gatten erficht und alle Beroch- -ung und alle Seletdigrmgen als Sühne für ihr Ber- kchuld-n reuevoll getragen hat. Sie haben kein Recht wchr, eine Verstorbene zu schmähen!"
Diese eote Verteidigung schien der stolze» Frau momentanes Schweigen abzuringen.
„Aber wer steht mir dafür-, fuhr fie bann fort, „daß Sie in Wahrheit meine Nichte, die Tochter «eines Schwagers sind? Man hat bei Ihnen daS nötige Ts'ent/Komödie zu spielen."
„O, wsS daS anbetrifft, so habe ich meine Beweise, wenn Sie diese zu scheu wünschen. Roll, gib einmal die Papiere meiner Mutter."
Der junge Mann öffnete die Ldertosche, welche er über oer Schulter trug und entnahm derselben Reginas Trauschein, den Geburtsschein ihrer Tochter und verschiedene andere vollgiltige Dokumente, welche die Zweifel dec vorsichtigen Dame zerstreuen wußten.
Sie nahm dieselben begierig in die Hand und p:üste fie s ii der Miene eines RkchtSg-lchtten. Dann gab sie das Bündel lässig zurück — allem Anscheine nach hatte fie wittterwetle den Entschluß gefaßt, die Besucher fortzuschicken, — ui* sagte:
„Jetzt weiß ich noch nicht, ob diese Papiere Ihr rechtmäßiges Eigentum find? R-gina Barletti ist toi, das stebt da schwarz aus weiß, aber sind Sie in Wirlttchk-it ihre Tochter! Sie können ebensogut nur die Berwchrert» der Doku mente fein. Die Zeitungen wissen jede» Tag fibtr Streiche dieser Alt zu berichte». . . Also, meine Meinung ist, daß man bei Komödiant?» sich jeven Betruges vo- sehen muß, und Sie sind ja nichts anderes . . .*
„Genug, Madame", schrie R.llon, der zornbebrnd
W. Petersburg, 4. Drz. 190t. General Kuropatkin meldet dem Kaiser unterm 2. Dez : In der Nacht zum 2. Dezember unternahmen 2 Kompagnien Freiwilliger von unserem Zentrum aus eins Erkundung und drängten die Vorposten von den besetzten feindlichen Schanzungen zurück. Beim weiteren Vormarsch wurden die Kompagnien von heftigem Gewehrfeuer empfangen und mußten, da der Feind bedeutende Unterstützungen erhielt sich zurückziehen. Auf unserer Seite ist ein Offizier gefallen und fünf Mann verwundet. Am 2. Dezember find keine Meldungen über Kampfe eingelaufen.
W. Mukden, 4. Dez. 1904. (Ruff. Telear.-Agentur.) Die Don-Kosaken haben, wie es heißt, in der vergangenen Nacht eine japanische Batterie bei Lidiantun genommen.
W. Tokio, 4 Dez. 1904. Eine im Hauptquartier der Mandschureiarmee aufgegebene Depesche berichtet: Russische Infanterie griff am Donnerstag abend um 10 Uhr unsere Stellung bei Manch uantzu an, wurde aber sofort zurückgeworfen. Am folgenden Morgen wurde russische Infanterie und Kavallerie, die bis gegen Hungtipietaizou vorgedrungen waren, gleichfalls vertriebe«.
W. Mukden, 7.Dez. 1904. Die russische Belagerungsarmee begann heute mittag die Gegend an der Eisenbahn bei Suchiaiun heftig zu beschießen. Das Bombardement wurde den ganzen Nachmittag über fortgesetzt.
*Die größerem liberalen Blätter von Amsterdam haben den löblichen Entschluß gefaßt, kerne unsittlichen Anzeigen mehr auszunehmen. Nur das Kulturkämpferblatt, ,Die Niruwe Rotterdamsche Crurantt kann sich dazu nicht entschließen. Das kann man auch nicht von einem Organ verlangen, das Katholiken und katholische Einrichtungen jeden Tag mit allen Mitteln der Verleumdung und Bosheit angreift.
* EineEirrladnug zur zweiteuFriedeus- kouferenz in Haag ist nunmehr auch von Japan beantwortet worden. Der japanische Geschäftsträger in Washington teilte dem Staatsdepartement mit, daß Japan die Einladung des PräsidentenMoosevelt erhalten habe, welche alsbald dem Parlament überwiesen werden solle. Aus der Form dieser Mitteilung schließt man, daß die Emladung rn Japan wohlwollend ausgenommen werde. — In Haag wird demnächst eine internationale Konferenz zur 93e ratung über die völkerrechtliche Stellung
von feinem Sitz aufgesprungen war. „Schweigen Sie! Korrödiamen wissen jedenfalls die Pflicht der Gofifreundfchsft besser zu erfüllen, al» Sie. . . . Es ist niederträchtig, wie Sie diese» Kind behandeln. Seine sterbende Mutter hat mich anSersehen, es zu schützen, ur.b ich leibe nicht, verstehen Sie mich wohl, daß Sie länger seine Ehre angreife»! Komm, Aiwee, lowm; laß un» dieses Haus verlassen. Du wirst eines Tage» toietierlommen, wenn Drin Vater da ist, um Dich zu erlernten und ouszunchmen."
Aimee erhob fich, blaß und gant gebrochen; sie machte verzweifelte Anstrengungen, um nicht in Schluchzen auszubrechen.
„Laß uns gehen," murmelte fie. „Ach, e8 wundert mich nicht, daß meine liebe Mama diesem unwirtlichen Dache entflohen ist!"
Sie zog ihren Schleier herunter und schaute seitwärts, um di« Frau nicht mehr zu sehen, welche fie von der väterlichen Schwelle fortstieß.
Rollo», seine Gefühle beffer im Zaum haltend, wandle sich noch einmal um:
„Tin Wort noch, Madame," sagte er kühl „wo befindet fich Herr Emil Marie! ?"
„Er reist."
„DaS weiß ich. Aber in welchem Lande?"
„Er hat mir fernen Reifeplan nicht mitgeteilt. Vielleicht in Siidfrankreich . . . Algerien, Tunesien. Er geht gewöhnlich ohne eigentliche Marschroute, wann und wohin es ihm beliebt."
„ibann kann tr wieder zurück sein?"
„DaS ist mir auch nicht bekannt. Möglich, daß er im Frühjahr erscheint, er kündigt fich nicht an. Ein Sonderling!"
„Ein armer Monn mit gebrochenem H^zen", dachte Aimee stutzend. „Ach, mein lieber Baler! Eine innere glimme sagte es mh, daß er mich nicht verstoßen hätte. O, warum ist er nicht zu Hause?"
Mit scheuer Hsst öffnete Frau Friedrich dir Aus- gang-tür. Ein stsicher Luftzug kühlte AimerS brennende Sifin und brachte fie Wieds zu fich, so daß
Ausgestoßen.
Von Msurice de Beaumont. Deutsch von Helene Krembr.
30 ------ (Nachdruck verboten.)
Keine Nipper, keine von den treten Basen, Figürchen und Rähmchen, welche nach jetziger Mvderichrmig die SalorS überfüllen, standen umher; nein, cll-S, von den bunten, daS einfallende L cht dämpfend'» Fensterscheiben bis zum großen grünen Marmorkamin, auf dessen Feuerstätte eh halber Baumstamm gemächlich Platz sande; vlkS atmete ernste», gediegen«» LvxsS. Hier glaubte man sich in eine längst vergangene Z-tt verf tzt, und man hätte sich nicht gemündert, wenn plötzttch ein „Mignon" Henri III, oder eise Hofdame in MediziSkmgen und mit Sch; epprntaille in Seiden- brotat durch die schwere Eichenture eingdreten wäre.
Doch weder der eine rock die mbere erschienen, wohl aber hob eine stattliche Dome in modernem ®e= wand« de» Türvorhang. Die rote Samwesichleppi chres eleganten Morgenrcck-S prüfte den glatten Boden, rwe Spjtzkllhölle fiel reicht über den natürlich re. wellten kastanienbraunen Haarscheitel.
Frau Friedrich Mariel, — fie war ei — schien Vierzigerin; eine plastische Schönheit von mattweißer Gesichtsfarbe mit großen Lugen Allein die schmalen Lippe» hatten eivea hochmütigen Zog und ein gewisses stslz-s „Etwas" in ihrem Wesen vkernträchiigte stark die Aunehmlichkelt 'hrek Lenßeren.
Trotz ihres vornehmen AnftreierL merkte man bald, bas dec Reichtum ihc zunächst als Mittel zum mate- ttmen Gevuffe und znm Wohlleben diente; toecn ««Haupt, so mutzt- bei ibr die Befriedigung der HerzerS- und Geister bedürf»! sie erst in zneiter Linie «wwen.
Sie maß die Besucher mit einem Blicke, bei welchem
Deutsches Reich.
Berlin, den 3. Dezember 1904.
§ Der Kronprinz wird, wie jetzt verlautet, seine Hochz'eit mit der Herzogin Cäcilie nicht vor dem Monat Mai feiern, weil die Mutter der Braut, Großherzooin Anastasia, ihren Aufenthalt im Süden aus Gesundheitsrücksichten nicht vor Eintritt der wärmeren Jahreszeit unterbrechen darf. Das Paar wird dann das Marmorpalais beziehen, in dem bauliche Veränderungen bereits jetzt begonnen haben. Das Schloß Babelsberg soll nach der «Potsdamer Tageszeitung- bis 1906 als Sommerresidenz des kronprinztichen Paares fertiggestellt sein.
* Interpellation des Zentrums. Das Zentrum (Abg. Trimborn und Gen.) hat im Reichstage eine Interpellation eingebracht, ob ein Gesetzentwurf kommen werde, der den Zehu- stundenlag (nicht Achtstundentag, wie irrtümlich in Nr. 277 der,Fuld. 3<g/ gemeldet wurde) für Arbeiterinnen einführt.
(*) Vor den Ruppigkeiten des Evauge- lisch-n Bundes ist kein Katholik sicher. Jetzt wird in der Korrespondenz des Bundes General von Trotha angerempelt. Dieser ist Katholik und hat daS Verbrechen begangen, sich in Windhuk mit dem katholischen Missionsvorsteher Nachkwey photographieren zu laffen. Da nun auch noch die ,Kol.-Ztz/ berichiet hat, daß in Treis an der Mosel eine A «statt zur Aurbilduvg von katholischen Missionaren für Südwestafrika errichtet werden soll, so gerügt das dem Bundes- organe vollständig, um ein Zetergeschrei darüber zu erbeben, daß nächstens „dort draußen Katholisch Trumpf werden wird", Kuiholifche Mis- fioimre werden rn das bisher „nrbestrittene" Gebiet der protestantischen Mission „etndringen". Diese „Gefahr" ist um so größer, als General von Trotha sogar mit dem kalholischen Präfekten Nachtwey Wagenfahrten durch Windhuk gemacht, die aber der Präses der protestantischen Mission in Okahandja nicht besucht hat. Und mit solch kindisch-läppischem Zeug muß der Bund in Ermangelung von ernsten Tatsachen die Hetzerei um jeden Preis betteiben! Uebrigrns gar so groß kann die „Gefahr" in Südwestafrika nicht werden. Dem neuen Gouverneur von Lindequist wird in der Korrespondenz des Eiangelischen Bundes bezeugt, daß er das aufrichtiKe Vertrauen der protestantischen Misflonsleute besitze und diesen als Konsul in Kapstadt viele Beweite tatkräftigen Wohlwollens gegeben habe. Man erwartet offenbar von ihm, daß er die katholische Mission am „Eindringen" in Südwestafrika verhindern wird. Also ein Beamter, der für die protestantische Missto» Partei nimmt, ist ein braver Mann; ein General aber, der sich mit em em katholischen Missionar photographieren läßt, muß
Aus demficicbstaj