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Bruck und Verlag N MdaerActteubruckerS hi Suita (yarmouich Ferukvrech« M 9,

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Fulda, Samstag den 3. Dezember 1904.

31. Jahrgang

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। Drittes Blatt

Wochen-Ruudscha«.

(Nachdruck verboten).

D Fulda, 3. Dez. 1904.

Der Deutsche Reichstag ist am Dienstag Nieder zusammengetrete», nachdem er seit dem 16 Juai vertagt gewesen war. D-r Etat und die Militörvorlage find ihm alsbald zugegangen. Der Etat weist e’iten Fehlbetrag von 75 Millionen aus, von denen 51 Millionen Lurch eine Zuschuß- auleihe, 24 Millionen durch ungedeckte Matrikular- mulagen aufgebracht werden sollen. Ein tüchtiges Loch i» die ReichSfinanzen reißt der Krieg in Süd- westairika. In einem NachtragSetat für 1904 werden Aber 73'/- Millionen und in dem neuen Etat über 461/t Millionen für Südwestaft ika aus Anlaß des Aufstandes gefordert. Die Militärvorlage verlangt eine Erhöhung der Friedenspräsenzstärke um 10339 Mann und allerlei Neuforwationen und Organi­sationen insbesondere mehr Kavallerie. Sie hat Mehrausgaben im Betrage von 74 Millionen zur Folge, darunter gegen 12 Millionen dauernde Aus- Siben. Auch die Vorlage über die dauernde gefttz- che Festlegung der zweijährigen Dienstzeit verlangt eine Reche von Millionen für Kompensationen. Wo­her soll all das Geld kommen? Die Handels­verträge find dem Reichstage noch nicht zugegangea, werden aber in nächster Zeit kommen. Wahrscheinlich wird der österreichische nicht darunter sein. Staats­sekretär Graf von PosadowSky ist einstweilen unver­richteter Sache aus Wien zmückgekehrt. In den beiden ersten Sitzungen beschäftigte der Reichstag sich mit Petitio en und mit Etatsrrwlutionen, die er im letzten Frühjahr zurückgestellt hatte.

Das preußische Abgeordnetenh'auS hat die Vorlage über die Hochwosserregelung an der oberen und mittleren Oder endgiltig ungenommen, eine Reihe von Initiativanträgen an Kommissionen verwiesen und zahlreiche Petitionen erledigt. Am Dienstag und Mittwoch kam die HiberniL-Borlage zur Beratung, nach welcher dir von der Dresdener Bank im Auftrage der Regierung angetansten Hibernia-Aktien im Nominalwerte von 27 552800 Mk ffir 67 500000 Mk. vom Staate übernommen werden sollen. Sie wurde an eine Kommission vrrviesen, die zunächst doch noch manches Bedenken za beseitigen und manche Frage zu beantworten ist. ES ist tndeß sehr wahrscheinlich, daß die Vorlage angenommen werden wird.

In Oesterreich führte die Debatte über die Erklärungen deS Ministerpräsidenten noch zu weiteren Lärmszenen im Abgeocdnetenhsuse. Es wurden aber auch die unerhörten Angriffe der Sozialisten und Alldeutschensauf die Dynastie entschieden zurückgewiesen. Herr v. Körber ergriff am Donnerstag voriger Woche noch einmal das Wort, legte sein Verhält« S zu den Parteien dar und schloß mit den eindringlich mahnenden Worten: „Meine Herren, auf zur Arbeit!' Die Rede machte einen tiefen Eindruck, ob ober die gewissenlos-ir Schreihälse daS Arbeiten gestatten werden, ist fraglich. In Ungarn hat Gras Ju'iuS Andrafly in einem rffenen Schreibe« an seine Wähler feinen Austritt aus der liberalen Partei begründet. Äoloman Sz°ll hat sein Mandat rsiedergeleat und dies ebenfalls in einer Knndg bung an feine Wähler begründet. Beide find nicht einverstanden mit der gewaltigen Art, in der Tisza die Aenderung d-r 'Ge­schäftsordnung durchgesetzt hat, wollen aber auch mit der Opposition nicht gemeinschaftliche Sache machen. „ I« Frankreich mache» die Herren Sozialisten geartet munter und dreist alles mit, was fie sonst mit höchster sittlicher Entrüstung verur- , J"?ö 6ie freimaurerische Gefinnurgs-

schruffelei leidenschastlicher verteidigt als die Sozia­listen, die niemals Worte genug finden können, WrnukS gilt, der Empörung über die GefinnungS- fchnüff-lei gegenüber den Genossen Ausdruck zu geben. ®te haben tn der Kammer outt» tapfer für ven Ge­heimfonds der Regierung im Betrage von 1 Mill-on (200000 Franks hatte die Budg-tkommiffion schon gestrichen, al» Zeichen, daß fie mit CombeS nicht ganz zuftieden fei und dieser fügte sich) gestimmt, während fie forst alle geheimen Fonds attKorruptionSfondS verur­teilen. Man möchte wünschen, daß fi: noch eine Weile Regierungspartei bleiben, damit man fie immer deutlicher als Komödianten eiten t und ihnen die MaSke böüig vom Erficht genommen werde. — Die Kammer hat einen sozialdemokratischen Antrag auf Streichung der Kultusbudgets mit 325 gecen 232 «.irnmen abgelehnt, wiewohl CombeS erklärt hatte, er werde die Streichung als ein für seinen Entwurf «r Trennung von Kirche und Staat günstig'S Votum oeaten und beim Senate nicht die Wiederherstellung Nur die Forderung für die Botschaft denn Hk. Stuhle wurde gestrichen Ueber das Pco- ratoial Frankreichs im Orient gab Combes Erklä» *»ngen ab, aus denen hervvraeht, daß er r8 gern möchte, ob er eS zu verlieren sürch'et, wer-n E^"^eüh mtt dem hl Stuhle gänzlich bricht; und seshalh st llt er siiae materiell' Bedeutung als mög- Nchst gering bin.

Zwischen England und Rußland ist dar Ab- kommen wegen des Vorfalls ia der Nordsee nunmehr smsekt geworden. Am Freitag tiodger Woche wurde *• i« Petersburg unterzeichnet Die Rossen bemühen fich roch fortgesetzt, durch Erzäblurgen über japan schr

Spione usw. ihre Darstellung de» Vorfalles glaubhaft zu machen. Anderseits erfährt man aus französischen Blättern wieder, daß bte Russen von einer englischen Firma eine „Dacht" erworben haben, die tatsächlich ein Tm p dobvot oder ein Torpedobootszerstörer war und durch den Nordostseekanal glücklich, wenn auch nicht ohne verschiedentlich V.rdacht zu erregen, nach Liiau gebracht worden. Der Teil des baltischen Ge­schwaders, der den kürzeren Weg nach Ostafien gewählt hat, hat jetzt den Snezkanal pasfirrt Die englische Regierung hat jetzt die Sch,ffrbefivrr von der Ver­mietung von Dampfern zum Zwecke der Begleitung der rusfischen Flotte mit Kohlenvorräten gewarnt.

In Rußland hat man viel-ach vom Kriege die Gewährung einer freiheitlicheren Verfassung erhofft. Die SelbstverwaltungSorgarie, Semstwvi genannt, hatten in den letzten Tagen einen Kongreß in Peters­burg Die Verhandlungen wa:en /geheim, jedoch ist so viel bekannt geworden, daß diese Vertreter der Gemeindebehörden ein Resormprogramm für die Ver­waltung ausgearbeitet haben, das dem Zar zur @e- rehwigung vorgelegt werden soll. Mau darf fich von der Refoim, wenn sie kommen sollte, keine zu weit­gehenden Vorstellungen mache«. Zweifellos ist die Mehrheit der russischen Bevölkerung politisch noch nicht so reif, daß fie z. B. daS deutsche Reichstagswahlrecht richtig gebrauchen könnten.

Auf dem ostafiatischen Kriegsschauplätze ist bei Mulden noch alles beim alten. Allerdings haben in letzter Zeit wieder mancherlei größere Gefechte stattgefunden, in denen nach russischer Angabe die an- greisendrn Japaner meist mit empfindlichen Verlusten zurückgeschlagen wurden, während die Japaner russische Sngrffe zurückgewiesen haben wolle», aber wesen lich verändert hat fich die Gesamtlage offenbar nicht. Sehr heftig wird dagegen fortgesetzt um Port Arthur ge- käwpst, ohne doß eS den Japanern gelingen will, der Feste Herr zu werden. Zn der Nacht zum S nntag unternahmen fie wieder einen allgemeinen Sturwan» ariff auf die Fvrts. Die Japaner wollten neue Fort- schrtlte gemacht haben, was fich nachher als Flmkerci heraurstellte.

In Südwestafrika fand am 22. November ein schmfeS Gefecht zwischen 250 Witdois, die Kub an« griffen, und den deutschen Truppen statt. Nach mehr» stündigem Kampf wurden die WitboiS zurückgeirieben. Die Ternsche» hatten 6 Tote, einen schwer, zwei leicht Verwundete. Am 13 hatte ein Gefecht mit Hotten­totten, die Vieh von Gobis fortgetrieben halten, und 25 Reitern unter Hauptmann Wahle, dir ihren nach­jagten, bei Spitzkopp pattsefunden. Der größte Teil des Viehes wurde dem Feinde wieder abgeuommev, doch hatten die Deutschen 2 Tote und einen schwer Verwundeten.

Unpolitische Seitlövse.

(Nachdruck verboten.)

® Berlin, 1. Dezember 1904

Ueber acht Tage feiern wir das Immacu­lata-Jubiläum, den 50. Jahrestag der feierlichen Verkündigung deS Glaubenssatzes von der Un­befleckten Empfängnis der allerfeligsten Jungfrau.

1854—1904! Welch' ein gewichtiges Stück Weltgeschichte ist in dieses halbe Jahrhundert hineingedrängt worden?

Manche unter uns haben die ganze Zeit denkend miterlebt; sie können die goldene Feier mit der grünen vergleichen. Sie wiffen noch, wie vor 50 Jahren die ganze nicht katholische Welt richt genug tun konnte in Verwunderung, Mitleid und Spotr. So ein heiliges, zartes, poestevolles Geheimnis paßt nicht in das nüchtere Treiben jener Zeit, die unter dem Rück­schlag der tollen Jahre stand. Auch heute noch, obschon doch inzwischen die «aufgeklärte" Welt sehr viel Katholisches gelernt hat und sozusagen durch den Kulturkampf klug geworden ist, euch heute noch sind die meisten Anders» oder Un» gläubigen im Unklaren darüber, was eigentlich di-ser Glaubenssatz und dieses Fest besagen- soll. DaS braucht unS keinen Kummer zu machen: Denn es genügt, wenn die Katholiken selbst die Perle zu schätzen wiffen, und davon haben fie Proben abgelegt. Vom 8. Dezember 1854 ab sollte, wie manche Propheten des Haffes zu ver- künden wagten, der Bankbruch deS Katholizismus beginnen. Aber es wurde nicht Winter, sondern Frühling. Und ols zehn Jahre später, am 8. Dezember 1864, der vkloerleumdete Syllabus erschien, da sollte es nach selbigen Propheten nun vollends und unrettbar zu Ende gehen. Und doch trieb, keimte, grünte und blühte eS immer weiter am Baume des Katholizismus.

Zum silbernen Jubelfest de? Immaculata trat das Vatikanische Konzil zusammen. Die Frage der päpstlichen Unfehlbarkeit drohte hier und da etwas Verwirrung in einigen Gemütern anzurichten. Dahinter griffen die Gegner; man glaubte den Sp-engfloff im Innern gefunden zu haben, dazu sovte der Kulturkampf den lähmenden Druck von außen liefern. So mußte es doch gelingen! Und es „gelang" so gut, daß schließ­lich am goldenen Jmmcculata»Fsst der ganze Eoar-geltsche Bund Seb uns Weh schreit über die Herrschaft des KathelizismuS im Stamm- lande der Reformation.

Run, das ist hetzerische Ueberiteibung. Der Katholizismus herrscht in Deutschland noch lange nicht, er dient noch wie Jakod bei Ladan, er dient geduldig um die Rachel der Gleichberechti- gung, und hat vorläufig nur die Lea gewiffer Erleichterungen als Abschlagszahlung bekommen. Aber wahr ist es Gott fei Dank, daß wir vorwärts gekommen find in den 50 Jahren. Langsam, aber sicher; Schritt für Schritt; immer etwas weiter tn zäher Arbeit und in steter Eintracht. Ja, die vereinten Kräfte machen's, die katholische Einigkeit, die nicht bloß vor dem Altäre und der Kanzel, sondern auch in den Versammlungssälen und Wahllokalen, im ganzen öffentlichen Leben fich betätigt.

Von den ersten Christen sagten die Heiden: Seht, wie sie einander lieben! Von uns deut­schen Katholiken müffln auch die Gegner sagen: Seht, wie sie einander verstehen und mit ein» anbtr arbeiten und für einander sorgen, wie sie ein Hirz und eine Seele find! — Wie weit werden" die deutschen Kotboliken es bis zum 100. Gedenktag gebracht hab:« ?

* * *

Bei einem Rückblick muß man nicht bloß das Auge in die Weite schweifen lasten, sondern auch die nähere Umgebung in's Auge fasten.

Ja, auch in Berlin und in der Mark Branden­burg sind wir in den letzten 50 Jahren weiter gekommen. Im Jahre 1854 konnte die Bulle Pius IX. nur in einer katholischen Pfarrkirche Berlins verkündet werden, nämlich in der Hed» wigskirche. Es gab noch keine zweite. Die St. Michaelskirche, die 1861 zu einer eigenen Kuratie erhoben wurde, war damals erst im Bau. Das Einzige, was außer St. Hedwig damals den Trost und die Hoffnung der Ber­liner Katholiken bildete, war das katholische Krankenhaus gleichen Titels mit seiner Kapelle, die 1854 eröffnet wurde.

Wie anders sieht es jetzt aus: 16 Pfarreien und 11 Karatien zähle ich jetzt in Berlin und den Vororten. Danach wird noch in zahlreichen Kapellen rc. Gottesdienst gehalten.

Obschon es keinen katholischen Mirbach gab, find doch die katholischen Kirchen eine nach der anderen, sozusagen aus der Erde gestampft worden. Die brüderliche Opferwilligkeit hat daS Wunder gewirkt.

Und sie muß auch das Wunder noch fort­setzen. Denn hier find alle Kirchen schon längst überfüllt, ehe fie fertig find. Vor 50 Jahren gab eS in Berlin nock keine 20 000 Katholiken, jetzt über 200000. Und die Zahl wächst so weiter. Wenn nun das nach dem geistigen Brodr hungernde Volk sich vermehrt, muß auch das SiebtSrour.bet der Brodvirmehrung fort­gesetzt werden.

Das ganze katholische Deutschland ist schuld an der Kirchennot in Berlin und der Mark, weil alle Provinzen katholische Jünglinge nach der Reichshauptstadt geschickt haben. Das Stamn ♦ land darf seine ausgewanderten Kinder nicht ganz vergessen, denn sie können fich selbst nicht helfen.

Ja, in Berlin sind doch so v'el reiche Leute, hörte ich kürzlich wieder sagen. Freilich; aber was helfen uns die reichen Leute, wenn sie nicht zu unseren Leuten, zu den katholischen Leuten ge­hören ! Auf der katholischen Suppe hier zu Lande schwimmen nur vereinzelie Fettaugen. Es bildet sich allmählich eine pastadle Mittelstadt von Hand- werkern, Beamten rc heraus, aber auch das stellt nur eine Minderheit dar. Die große Maffe ist unbemittelt. Wir sind auf Hilfe von auswärts angewiesen, und wir haben sie ja auch schon reich­lich gefunden, namentlich in den letzten 25 Jahren.

Pedantische Naturen sagen, es sei bei den Sammlungen für Berliner Kirchen manchmal etwas „wild" hergegangen. Mag man eS „wild" nennen: wenn es nur wirksam ist zur Ebre GotieS und zum Heile der Bedrängten! Mit Schema F lassen sich keine Wunder wirken!

Fs hilft nichts, cs muß auch fürderhin noch wild mit der Bettelglocke geläutet werden. Denn wenn ein Loch zugestopft ist, so tun fich zwei, drei wieder auf. Immer der Reihe nach so weiter. So war noch Steglitz Lichterfelde an der Reihe, und jetzt ist es Zehlendorf. Nnd weil Zehlendorf gerade mit 1905 aufgerufen wird, so soll seine Kirch' der unbefleckt empfan­genen Gottesmutter gewidmet fern, und soll nicht blos eine Marienkirche, sondern eine richtige Ju­biläums kirche werden.

Zu einem Jubiläum gehört die Rückschau; aber sie bleibt tot, wenn der Vorsatz fehlt, die Nutzanwendung für die 3atm ft. Rückschau: Viel erreicht! Vorsatz: Kanu und muß noch vftl mehr erreicht werden, wenn nut olle Marien linder bei der Stange bleiben!

* *

Die Marien kin der zur Hilfe für 85erlin und die Mark Brandenburg aufzurufen, hat seinen guten Grund und Sinn. Senn die Verehrung der Malter Gottes war hier so recht tu Hause, o lange die Mark katholisch war; ja sogar noch etwas länger.

Lassen wir beute einen Hohenzollern» Fürsten das Lob Mariens singen. Ja, einen Markgrafen aus dem Hause Hohenzollrrn, Fried­rich II., genannt Eisenzahn, der von 1440 bis 1470 regierte. Alsbald nach feinem Regierungs­antritt stiftete er den Schwa neuorden, der durch die Verehrung der hl. Jungfrau den märkischen Adel auf den Weg der Pflicht zurückfütren sollte. (Dgl. Riedel, Katholisches Leben in der Mark Brandenburg. Berlin, Verlag der.Germania'). Der Orden sollte seinen Sitz haben in der Bran- )enburg»t Wollfahrtskirche, die auf der Sp'tze des Harburger Berges an derselben Stelle sich erhob, wo in grauer Vorzeit der Opferaltar des reidnischen Götzen Triploff gestanden hatte. -Ser Orden sollte besteben aus dem Markgrafen, 30 Rittern und 7 Frauen; die Mitglieder sollten täglich 7 Vaterunser und Aoe Maria beten, so­wie an allen Vorabenden der Marienfeste saften und das Fest selbst mit Innigkeit begehen. Unter hven soll nicht fein ein Ehebrecher ober Un» leuscher, kein Verräter und Räuber und teimr, der sich betrinkt.

Die Satzung des Ordens leitete kurfürst Friedrich II. am 15. August (Maria Himmel­fahrt) des Jahres 1443 mit folgenden Worten ein:

»Wir Friedrich von Gottes Gnaden, Markgraf zu Brandenburg rc., bekennen und tuen kund: Wenn wir auch von AmtSwegen in mancherlei Geschäften unser Land nnd Untertanen in Frieden und Eintracht bringen mögen, und darin nach besten Kräften unsere Pflicht tuen, so gedenken wir doch nicht ohne Bekümmernis, rote gar schrecklicher Irrtum schwere Unfälle und Zwie­tracht fich in der heiligen Cdristenheit, dem hl. römtfchen Reiche und den deutschen Landen erhoben haben und fürder mehr und mehr erheben. Und weil nun wohl tun’1 ist, daß zu solchem Jrrlume und Zwietracht um der Menschen Mannigfaltiger Sünde von Gott verhängt worden ist, so erkennen wir. daß es in solchen Page« und Betrübnissen keinen besseren Rat und Trost gibt, als Besserung deS Lebens m Zuflucht zu Wott und auS- gewählten Heilige-', die durch ihr Gebet diese Plagen abzuwenden vermögen, besonders aber zur lieben Mutter Maria, die unfern Heiland zu dieser Welt getragen und die verlorene Gnade wieder erworben hat. 'Da­rum ward ihr die erhabene Botschaft deS Engels von Gott verkündet, daß fie voll der Gnade wäre und die Gnade gefunden habe, auf die einst Propheten und Patriarchen zeharret, und welche die Apostel und Heiligen durch fie empfangen haben.

Und da ihre Gnade so unendlich groß ist, daß da­durch die gesamte Christenheit getröstet wird, und fie Jeden derselben nach Bedars zu fich ladet, so glauben wir, daß in dieser Bedrängnis, wo Gottes Hilfe der einzige Trost ist, es kein besseres Mittel gibt, dieselbe zu erlangen, durch Maria.

Wir haben daher 'all' unser Sinnen mit ganzer Innigkeit darauf gerichtet, rote wir die Hk. Jungfrau am würdigsten bitten und anrufen, daß sie ihre Milde der Ehriftenheit erscheinen lasse, und ihre barmherzigen Augen zu unS wende, damit aller Irrtum und alle Zwietracht schwinden, und die Christenheit wieder in Frieden und Eintracht unserm Herrn Jesu Christo dienen möge."

Snd das nicht herrliche Worte? Ebenso er» baulich ist ein Marienlied für die Schwanenritter, daS der Markgraf selbst verfaßt batte. Zur Feier deS Tages mag dieses Gebet, dessen schlicht« Schönheit Riedel mit Recht rühmt, hter wieder- gegeben werden:

Mutter aller Seligkeit, ; Dich verehrt die Christen­heit Gern zu allen Stunden, Doch in sondrer Innigkeit | Dir zu Lob und Würdigkeit Hab ich mich verbunden.

Boller Sorge fink'ich hin, Gramersülll find Herz und Sinn, Wenn ich daran denke, Daß ich dich und immer fort Durch Gedanke, Werk und Wort Stets von Neuem kränke.

Jungfrau rein und unent- roeiht, Matter voll der Gütigkeit, Dies Geschenk mir gebe:

Daß nach Beichte, Buß und Reu

Ich dir wieder würdig sei Und in Gnade lebe.

Ganz besonders bitt$ich Deine Güte schütze mich. Daß in meinen Jahren Ich mitGoiteS großerGnad' Ohne Schänd und Missetat Mög von hinnen fahren.

JnderletztenStundemein, Wenn ich leide Schmer, und P-in Und von hinnen scheide. Laß mich, o Maria, nicht, Steh' als Fürsprach beim Gericht

Gnädig mir zur Seite."

Und 100 Jahre später führte Joachim II. die Reformation in der Mark ein! Allerdings nicht mit einem Schlage. Bezeichnend ist, daß die Marlen feste hier tm 18. Jahrhundert «och begangen wurden. Inzwischen find fie freilich bei den märk-schen Protestanten geschwunden, aber nun blüht hier w eder daS Marienblümchen auf dem neu gepflegten katholischen Boden.

Wieviel Marienkirchen »erden in Berlin und Uu-gebunj stehen, wenn wir das HundeUj^hrflst der Immakulata feiern? Dann fitzen hier gewiß nicht mehr Bettler, sondern Geber.

Nachschrift: Auf verschiedene Arfrazen teile ich die Adr«sie hier noch einmal mit: Henn Pfarrer Joseph Deitmer,Hochwürden, Steg­litz bei Berlin, Flensbärge-streße 3/4.