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Fernsprecher Ur 9.
31. Jahrgang
J& 274.
Zulda, Mittwoch, den 30. November 1904.
Deutsches Reich.
Berlin, den 29. November 1904.
% Die Hochzeit des Kronpriuzeu ist auf Donnerstag den 23. März n. I. festgesetzt worden. Nach den EtnholungS-Feierlichkeüen in Berlin wird das junge Paar auch in Potsdam feierlich begrüßt werden und dort im Stadtschloffe Wohnung nehmen.
•— UnierstaatssekretSr v. Fischer vom ReichS- schatzamte ist schwer erkrankt. Er wurde in seinem Badezimmer durch Ausströmen von O as betäubt, ssdaß er in Gefahr war, zu ersticken. Herr v.Fischer soll der Schöpfer drr neuenBrausteüer- gesetz-Noveüe sein, die angesichts seiner Erkrankung tot Bundesrate erst später erörtert wird.
)( In de« Handelsverträgen werden, wie der ,ReichSbote' aus parlamentarischen fixeren zuverlässig hört, diejenigen Bürgschaften eines ausreichenden Schützer der Landwirtschaft in ihnen geboten werden, welche von der land- wirtschasifreundltchen Mehrheit des Reichstages als eine conditio sine qaa non bezeichnet worden find und auch zurzeU noch angesehen werden. AuS Wien wird gemeldet, daß Graf Posa- dowSky morgen früh abreife Das bedeutet hoffentlich, daß die Verständigung erzielt worden ist.
O In der gestrigen Mitteilung der «Nordd. Allgem. Ztg/ über die Kosten der Militär- Vorlage war gesagt, es entfielen alle fortdauernden Ausgaben auf das Jahr 1906: 10334065. Es muß statt deffen heißen: „auf 1906—1911", also to diesen Jahren zusammen rwird der Betrag erfordert, nicht in jedem ein« .zelnen Jahre.
§ Der Reichstag will morgen (Mittwoch) mit der Beratung der im vorigen Abschnitt der Tagung zurückgestellten Etatsresolutionen beginnen. Am Donnerstag soll die Sitzung ausfallen und am Freitag dieBeratung derResolutionen fortgesetzt werden. Am Sonnabend beginnt ibie erste Lesung des Etats und des Nachtrags- etats. Damit soll die erste Beratung der beiden Militärvorlagen verbunden werden, was wesentlich zur Abkürzung der Verhandlungen über diese vier Vorlagen beüragen dürste. Aus der Mitte des Hauses wird am Sonnabend voraussichtlich niemand zu Worte kommen. Viel- mehr dürfte, nachdem der Reichsschatzsekretär feine Etatsrede gehalten und der Kriegsmintster leine Vorlagen empfohlen, vielleicht zum Erat auch noch dies oder jenes Bundesratsmitglied S' hen hat, die eigentliche Besprechung b s g hinausgeschoben werden. Der Präsident hofft, daß drei Beratungstage ausrelchen werden, was jedoch etwas optimistisch sein dürfte. Am 9. Dezember, spätestens am 11. Dezember soll die Beratung der Handelsverträge beginnen, einerlei ob der öster^ichische darunter ist oder nicht. Man hofft stark, str noch vor Weihnachten rrlärigen zu können. In der Reichsdruckerei stod, wie der Präsident heute im Seniorankonvent mitteiUe, 25 000 kg Lettern für die Drucklegung der Handelsverträge festgelegt. Als Anfang der WechnachtSferien ist der 17. Dezember in Aussicht genommen.
* Slimmnugsbllb ans de« Reichstage. I» der 101. Sitzung des Reichs tag es konnte Präsident Graf Ballestrem nach 51/* monatiger Pause feine Mannen in recht stattlicher Anzahl begrüßen. Eine im Lause der Sitzung vorgenommene Auszählung ergab die Anwesenheit von 200 Mitglieder. Das war allerdings nur einer mehr, als zur Beschlußfähigkeit erforderlich find, aber in anbetracht einerseits, daß eS die erste Sitzung war, andererseits, daß man doch an die Beschlußunfähigkeit als Regel gewöhnt ist, war es eine erfreuliche Erscheinung. In Wahrheit waren übrigens noch ein paar mehr als 200 Abgeordnete anwesend oder a!8 arme,erd zu betrachten. Denn einzelne tarnen erst nach Beendigung des Namensaufrufs in den Saal, andere wmen im »bgeordnetenhause, wo über die wichtige Hibernia-Dorlagr verhandelt wurde. Präsident Gras Ballefirem knüpfte an fe’ne Begrüßungs- »mte unttr Hinweis auf dir wichtigen Vorlagen, die des Reichstags harren, die eindringliche Bitte, daß der schreckliche Absentismus doch aus- Hörer; und jeder Abgeordnete fich seiner Verantwortung bewußt feto möge Hoffentlich hilst's. Aber der Zw schenruf „Sieten!« drückt schon einige Zweistl aus vnd deutel auf die fort* dauernde Ursache d«S »schrecklichen AdsrntiSmus- hin. Auf der TagkSsrdnung standen Petitionen. Gleich die erste Nummer: Petition suf Abänderung oder gar Aufhebung des Vieh-
und Fleischbeschaugesetzes führte zu hitzigen Debatten, da „Agrarier" und Freihändler wieder einmal auf einander platzten. Hier fiel auch der erste Orbnungiruf, den sich der sozialdemokratische Abg. Gcheidemann zuzog, als er das preußische Abgeordnetenhaus als eine politische Freibank bezeichnete, in der nicht ladenreine, volkSschädliche Gesetz? gemacht worden seien. Nachdem man fich dis gegen 5 Uhr ereifert hatte, wurden die Petitionen durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Der folgende Gegenstand: Petition auf Einführung des Befähigungsnachweises für das Handwerk, paßte dem freisinnigen Abgeordneten Müller-Sagan nicht. Ec beantragte Absetzung von der Tagesordnung, weil ein so wichtiger Gegenstand nicht vor beschlußunfähigem Hause verhandelt werden dürfe, und mußte nun erleben, daß durch die Auszählung die Anwesenheit von 200 Mitglieder festgestellt wurde. Die Zeit der Auszählung hätte er dem Hause sparen können. Eine Debatte, womöglich noch lebhafter als die vorhergegangene begann sodann. Sie wurde indeß nicht zu Ende geführt, sonder« um 61/« abgebrochen.
101. Sitzung vom 29. November.
Eröffnung 21/« Uhr.
Präsident Graf Ballestrem begrüßt die Mtt- glieder des HauseS auf das herzlichste und teilt mit die Ausgaben, die den Reichstag in dem bevorstehenden Sesfionsabschnitt beschäftigen werden. ES seien dies große und wichtige Gesetze, die daS Wohl deS BolkeS aufS ernstlichste berühren: Die Militärgesetze, bte gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienst,eu, die Festlegung der FriedeuSvräfenzstSrte, die PenfiouSgesetze für Offiziere und BersorgungSgesetze für Mannschaften und schließlich die Ha-delSverträze. Der Präsident lichter eine« warme« «ppell 'an bte Mitglieder auge- üchrS der wichtigen und groß« Gesetze, sich und regelmäßiger rote bisher sich anxdto Gitzimgen zu beteisigen (Bravo!)
Nach mehreren geschäftliche» Mitteilunge« machte der Präsident Mitteilung vom Hinscheide» deS Königs Georg von Sachse», deS Fürsten von Lippe, der Abgeordnete» Deppe, Fürst Herbert von Bismarck und Schmidt-Magdeburg. DaS Haus ehrt daS Andenken der »erstorbene» in üblicher Weise.
GS folgte» Petitionen. Zunächst settenS der de«t- schen Darmhändler und Darm-Importeure betreffend freie Ginfuhr von Därme», ferner seitens des Vereins deutscher Wurstfabrikanten bett, freie Einfuhr von Pökelfleisch im Gewicht «uter 4 Kilogr. u. ä., dann seitens der Bürgermeister vom Bezirk Rottenbur, um Aufhebung deS FleifchbefchaugefetzeS für Landgemeinden bezw. deffen Außerkraftsetzung, endlich betr. Abänderung der Gebühren und Prüfungsordnungen auf Ueberwei- surra tut ZaaeSotbnuna.
«bg. Gchetdemau« (6.) wendet fich entschieden gegen die Petition um Außerkraftsetzung deS Fleischbeschaugesetzes für ländliche Gemeinden und kritisiert daS preußische »erbot der Nachuntersuchung. Da» Abgeordnetenhaus sei eine „politische Freibank", an der nicht ladenreine, volksschädliche Gesetze gemacht würde». (Redner wird znr Ordnung gerufen.)
Abg. Herold (Z) legt dar, daß da» Fleischbeschaugesetz auS sanitäre» Rücksichten erfolgt sei und daß bei dem AuSführungSgesetz bett, da» »erbot der Nachuntersuchung eine Notwrndigkett für eine dritte Untersuchung nicht vorliege. Diese verteuere nur daS Fleisch. Redner spricht fich gegen die Petitionen au».
Nach weiterer unerhebliche» Debatte werde» sämtliche Petitionen durch Tagesordnung erledigt.
Morgen: Resolutionen zum Etat.
Schluß 6‘/i Uhr.
AbgeordnetentzauS.
107. Sitzung vom 29. November 1904.
Eröffnung 11'/« Uhr.
Erste Beratung deS SefttzentrourfS bett, die Beteiligung deS Staate» an der Bergroerks- grsellschaft Hibernia zu Herne; bekanntlich ver. langt der Entwurf 69'/, Millionen zum Ankauf der Hibernia-Aktte» der Dresdener Bank.
Handelsminister Möller weist »uuächst auf die in der Zechenpreffe hervorgehobenen »orwürfe hi» und bemerkt, daß bei der ungeheuer großen Zahl der An. griffe eS ihm nicht möglich gewefe» wäre, darauf zu erwidern. Daher habe er geschwiegen. Der Minister wies »ach, daß er durchaus loyal vorgegangen sei und den indirekte» Weg über die Dresdener Bank nur gewählt habe, weil e» der einzig «angbar, war. Gr schilderte bann eingehend die gelrrffrnen Abmachungen und legte dar, daß der FirkuS sich durchaus nicht gebunden habe, sondern daS budgetäre Recht deS L-md- tag» ungeschmälert bestehen bleibe. Die Berstaat- lichung der Hibernia sei nur in die Wege geleitet, weil die Kohlenzechen zu großen Fusionen übergingen und der jetzige Zeitpunkt die letzte Möglichkeit geboten habe, überhaupt noch durch Erwerb eines größeren Besitzes einen solchen Einfluß im Kohlens,dikat zu gewinnen, daß man davon einen Ersatz habe. Gerade, weil die Minister immer die Syndikate verteidigt hätten, müßte« sie eS als ihre Pflicht betrachten, der Regierung die Möglichkeit eines SinfluffeS offen zu halten. Der Minisier warnte oir Zechenbesitzer, auf
dem neuerdings beschrittenen Wege mit krankhaften FufionSbildungeu vorzugehen. Er titulierte die geschaffene Bereinigung znr Bindung des gesamten Kohlenaktienbefitzis in Westfalen alS Lrotztrast und versicherte, wenn die Fusionen Monopolcharalter an- nähmen, würde die Regierung mit der große» Mehrheit des BolkeS sagen: Lieber ein Staatsmonopol, als ein Privatmonopol. Im übrigen versicherte der Minister, die Regierung wünsche nicht diese Entwickelung nnd billige durchaus die gesunden Konzentrationen in der Industrie.
Abg. Dr. «pah» <Ztr.) begrüßte die aufklärenden Mitteilung des Minister^ über die Geschäftkabmachungen, wodurch die Hauptbedenken beseitigt seien. Die Borlage sei nützlich, da sie die Hibernia au» den FufiouS- bestrebungen heraus holte und dem Staate wetter die Möglichkeit gebe, keinen Kohlenbedarf un Westen selbst zu decken. Auch für die Marine sei es von Borteil, ihren Kohlenvorrat vom Staat beziehen zu können. Der vom Minister eingeschlagene W g sei durchaus ehrenhaft. Dre Berstaatlichung bedeuten keinen Schritt zum sozialistischen Staat, sondern die Beteiligung des Grundsatzes, daß der Staat den Schwachen ,« schützen habe. Das Kohlensyndikat habe verichiedene den Konsumenten schädliche Wirkungen gehabt und es würde zu begrüßen sein, wenn der Staat in Zukunft feinen Einfluß gegen diese Tendenz gellend machen könnte. Durch den jetzigen Aktienerwerb wird daS wohl aber kaum erreicht werden Gleichwohl handele es sich hier um eine nützliche Maßnahme.,
Abg. v. Wogna (kons.) sprach fich ebenfalls für
die Borlage auS. „ , ,,
Anders der Abg. Schäff-r (natlA Wenn gleich diese nicht direkt erklärt, seine Partei lehne die Bor- läge ab, so häufte er doch so viel Bedenken zusammen, daß kaum etwas anders als die Regierung daS Ergebnis sein kann. Nach ihr wird auf dem vorgeschlagenen Wege die schließliche Berstaatlichung der Hibernia überhaupt nicht erreicht und keinerler Einfluß auf daS Kohlensyndikat gewonnen. Im übrigen versicherte er, seine sämtliche polttische Freunde hielten eS sürhnützlich, wenn der Staat eine Einwirkung auf die Syndikate gewinne.
Ab,, v. «effel (kons.) erklärte fich entschieden für die Borlage und überhaupt für eine Verstaatlichung bei Bergwerkbaues.
Abg. Cassel (fr. Bp.) äußerte sich völlig ablehnend und auch Abg Münsterber« (ft. Bgg ) führte zahlreiche Bedenken gegen die Vorlage an. Seine Partei behält fich indeffen die schließliche Stellungnahme noch vor.
Die Beratung wirb Mittwoch fortgesetzt.'
• ver russisch-japanische Krieg.
Vom Kriegsschauplatz in der Rorbmanb- schurei liegen nur dürftige Nachrichten vor. Beide Gegner scheinen darauf zu warten, daß „der andere" vorgeht. Jedenfalls ist von den in den letzten Togen vor au.» gesagten Offensiv- bewegungen Kurokis noch nichts zu spüren. Die Japaner verfügen augenblicklich nach einer im russischen Hauptquartier eingegangenen Nachricht im ganzen Über acht Divisionen und außerdem neun Brigaden Infanterie sowie Über zwei Bri- gaben Kavallerie. Die russisch e Mandschurei- Armee die nunmehr auf 300000 Mann angewachsen ist und der demnächst noch Verstärkungen zugehen werden, dürfte der japanischen demnach bald in nicht unbedeutendem Maße Überlege« fein. Die kleinen Scharmützel, von deren der Draht zu melden weiß, brachten keinem der beiden Gegner auch nur einigermaßen nennenswerte Verluste.
Der frühere Kommandeur deS Wiborger Infanterie Regiments General Zerpitzki ist zum Befehlshaber deS 10. Armeekorps ernannt worden, welches sich bekanntlich auf dem ostafiati- fchen Kriegsschauplatz befindet. Konstantin Wikentjewitsch Zerpitzki ist im Jahre 1849 geboren. 1867 trat et in den Militärdienst.
toerrrol Zerpitzri, der nriieruaniiie Oberbeiehlsbaöer des iimndjMt X. Armeekorps.
Im Feldzuge 1878 erhielt er den Annenorden 3. Klaffe mit Schwertern. 1875—1876 war er ebenfalls an Feldzügen, beteiligt. Den Türken- krieg machte er als Kommandeur deS 3. West- sibirischen Linienbataillons mit. Im Feldzuge gegen die chinesischen Boxer erhielt er als Be fehlshaber der 1 Oststbirischen Linien b-igade den Annenorden 1. Klosse und den goldenen Ehren- säbel mit der Aufschrift »Für Tapferkeit-. Zuletzt war er Kommandeur des 1. Turkestanischeit Armeekorps.
lieber die Unterschlagungen beim russischen Roten Kreuz wird folgender besonders bezeichnende Fall mugeieilt: Graf Orlow- DeSkow stiftete für das Rote Kreuz eine Million Rubel, die ebenso wie die seinerzeit von der Kaiserin-Witwe gespendeten zwei Millionen ihrer Bestimmung nicht zugesührt worden sind. Der Graf, der stets freien Zutritt zum Hofe hat, soll dem Zaren selbst gesagt haben: Hätte er ein solches Vorkommnis ahnen können, so hätte er keine fünf Kopeken gegeben.
W. Tokio, 29. Nov. 1904. (Reuter.) Es wird gemeldet, daß ein nächtlicher Angriff der Japaner auf den 203 Meter-Hügel von Erfolg gewesen ist. Man nimmt an, daß damit 90 Prozent der Arbeit zur völligen Besetzung von Port Arthur geleistet find. Wenn die Japaner im Besitze dieses Hügels sind, so Überblicken sie den Hasen vollständig.
(Beherrschende Stellungen haben aber, wenn alle Nachrichten wahr wären, bte Japaner schon soviel erobert, daß Port Arthur schon längst gefallen sein müßte. Man wird also gut tun, auch hinter diese Nachricht ein Fragezeichen zu setzen. Uebrigens dauerte der Angriff der Japaner, wie der .Daily Expreß' auS Tokio erfährt, am Montag noch mit ungeschwächter Wut fort. Die Belagerer machen fast Mer- menschliche Anstrengung, die Festung einzunehmen. „Das ängstliche Schweigen", so heißt es indes weiter, „wird in London als Zeichen betrachtet, daß der Sieg noch nicht so nahe fei, als man hoffte." (D. Red.)
W. London, 29. Nov. 1904. Nach einem Telegramm der .Central NewS' aus Tokio ist fest Sonntag früh nicht- Desiimmtes Mer den Sturm auf bte nordöstlichen Forts von Port Arthnr ^meldet worden. Es i« Tokio, der Kampf werbe kräftig sortges^t. Einer Depesche des .Daily Telegraph, aus Tschisu zufolge werden täglich Hunderte ver« wundetrr Japaner in Dalny nach Japan eingefchifft.
W. Kopenhagen, 30. Nov. 1904. Der Lotsenkapitän Reenberg, ein Däne, telegraphierte seiner hier wohnenden Frau, daß er nicht auS Port Arthur geflüchtet, sondern in einer wichtigen Mission des Generals Stössel ab- gesandt worden sei. Das russische Torpedoboot, daS ihn begleiten sollte, sei unterwegs von den Japanern in den Grund geschossen worden.
W. Petersburg, 29. Nov. 1904. Genera Ssacharow meldet dem Generalstab unterm 29. Nov.: Gestern nachmittag begann der Feind, der unsere Stellung bei Tsitschetschen angriff, fich langsam zurückzuziehen. Unsere Vorhut verfolgte ihn. Sie wurde au8 dem Dorf, das vier Werft vor der Postilion liegt, beschossen. Unsere Artillerie zwang den Feind, daS Dorf zu räumen.
W. Petersburg, 29. Nov. 1904. Generaladjutant Kuropatkin meldet dem Kaiser vom 28. Nov.: Der am 28. Nov. wieder auf genommene Kampf bei Tsischetschen endigte gegen 11 Uhr mittags. Unsere Truppen find eben dabei, in der Nähe unserer Stellungen im Zentrum uns auf dem rechten Flügel die Gefallenen zu beerdigen. Bis 12 Uhr mittags wurden 230 japanische Leichen gefunden, die alle zum stebenten Reserveregiment und zur neunten Reserve-Brigade gehörten. Viele Gewehre, Schanzzeug und andere AusrüfiungSgegenstände wurden erbeutet.
W. Tokio, 29. Nov. 1904. (Reuter.) Aus Schenking w.rd unterm 28. November gemeldet: Von der russischen Ostarmee ist die Nachricht eingegangen, daß General Rennenkampf in der Nähe von Salto angegriffen worden ist. Die Japaner wurden nach dreitägigem Kampfe zurückgeschlagen, der Kampf dauert aber noch fort. Die Japaner haben Belage- rungsgesä ützr in ihre Stellung gebracht. — Eine Bepä igung dieser Nachricht liegt noch nicht vor.
Ausland.
* Die französischen Katholiken und die Republik. 3Raic Saugnier, der Gründer einer Vereinigung, welche zur Aufgabe hat.