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31. Jahrgang.
fiutoa, Samstag, den 26. November 1904.
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Verantwortlicher Gch^stl«itrr:Zos.Sa«» w°ch-nb«!!°g-: „Illustrierte Sonntagszeitung
«ürgerwetsterarr-t H., Boll-iehunnsbeamter und Kastellan, Grundgehalt 7uO Mk. und freie Wohvurg. — Bürgermeisteramt B.. st.llvertrelrnder Standes- dcamrer 2000 Mk. — AmtSverwaliung B, Polizei- Sergeant, Kefan^Sgehalt .200 M!. - Oderbürger, meistecamt ®., Poltzeiverwalrung, mehrere Polizei- feraeanten je 1200 Mt. — Oderpostdirett oa D, 4 oft fchaffaer, 800 Mk. «nfangSgeha'r. — Symnafium I, Kastellan, AnfangSgehalt 900 Mk. — Magistrat M, Mag.stratSbote 1-00 Mk. — Oberbürgermeisteramt K«n,lrst, 1500 Mk. Oberbürgermeister««,: 91., Po Uze.wachtmeister 1500 Mk.
Dazu kommen alle die Bureaubeamteostellen, die in der Regel nicht ausgeschrieben »erden. DaS find doch alles verhältnismäßig gute Anfangsstellen für die Söhne von klefoen Landwirten, kleinen G werbetreibenden, Sebaltern- btamier, Handwerkern, Lehrern usw. Nicht jeder Lehrersohn kann daS et, jährige Zeugnis erreichen, von mehreren Söhnen eines kleinen Landwirts kann nur einer die väterliche Landwirtschaft fortsetzen, zum Handwerk hat auch nicht jeder Geschick uso Neigung. Was soll nun der Junge »och der Enilaffunq aus der Schule tun? Soldat werden gefällt wchl vielen, Bramser werden ist auch lerne schlechte Lausbahn. Wie soll nun der Vater, der einsam auf dem Dorfe M, und dort kernen Ratgeber hak, das anfangen mit dem Jungen? Die Sache ist verhältnismäßig einfach. Ma« schickt den Jungen zum Bürgermeifierant, oder zum Gerichtsvollzieher, oder zur Kreiekaff?, oder Steuerkafse, oder zum Ka.aft«rbureau, oder zur Bmtsgerichlskanzle', zum VoUziehungsbeLmten, zum Notar, Rechtkanwa^, Landrattamt usw. al$ Lehrling. Hier ble.be er einige Jahre, wohnt im Hause der Eltern, bildet sich fleißig fort, nimmt noch etwas Unterricht beim Lehrer oder Geistlichen, Übt fich namentlich im Deutschen, durch Aufsätze und gute Lektüre. Nach 3 Jahren, also mit 17 Jahren, kann er schon eine bessere Stelle und ein kleines Salair von 30 bis 60 Mk. beanspruchen.
Mit 19 Jahren tritt der junge Mann freiwillig zum Militär ein in der Absicht, zu „kapitulieren", Unteroffrzier zu rotrben und fich nach ILjähriger gut.r treuer DienstfÜhrung der Be- amienlaufbahn zu widmen. Man meldet sich entweder zum Bezirke kommandd oder zum Frontdienst; das erstere ist für die spätere Laufbahn das günstigere, weil der Anwärter hier durchweg mit Bureauarbeiten beschäftigt wird und zvm BezirkSfrldwebel avarciert. Indes auch manche Fronrunteroffiziere werden in den letzten Dienstjuhren aus dem Frontdienst in die Bureaus versetzt, als Bezirksfeldwebel oder als BataillonS', Regiments-, Brigadeschreiber usw. kommandiert, oder sir werden in den SanitätS' oder Jntendanturdienst (Zahlmeister-Aspiranten) genommen. Die haben hier Gelegenheit, fich weiter ouSzubildrn. Die Stellung der Unter- osfizi-re, Feldwebel usw. ist heute wesentlich deffer als früher. Ein ernster, tüchtiger, ntch ernrr Unteroffizier wird von seinen Vorgesetzten sehr geschätzt; für seine Beförderung und spätere Ziviloersorgung interessiert fich die vorgesetzte Behörde persönlich und eingehend. Viele Feldwebel und Unterosfiztere bilden fich während der Dienstzeit dureamnäßig weiter aus. Hier und da find sogar besondere AusbildungS« kmse zu diesem Zwecke freiwillig eingerichtet.
Nach 12jährig,r tadelloser Dienstzeit erhält ohne weiteres der Unteroffizier bin „Zivilversor- gungischein-. Er kann weiter dienen odrr auf Grund dieses Scheines um eine Anstellung im Zivildicnste fich beweiben. Bei dem Ausscheiden aus dem Militärdienste erhält er eine Dienstprämie von 1000 Mk . in vielen Fällen auch eine Persion von 9—21 Mk. monatlich, da oft der Betreffende einen körperlichen Dienstschaden erlitten hat. D.esePension behält er im Kommunaldienste neben seinem Beamten- Gehalte bei, während sie im Staats- und Reichsdienst bei einem Minimal - Gehalte von 1400 Mk. ruht. .
Der ZwilversorgungSschein ist etn sehr wichtiges Dokument, und die Behörden find ver- pflichtet, diese Stellen mit Militär Anwärtern zu besetzen. Durch die vom 'Bundesräte, am 7. und 21. Mäy 1882 sestgestellten Grundsätze für die Versetzung der Subaltern- und Unterbeamten. Stellen bei den Reichs- und Staats - Behörden mit Militär - Anwärtern ift für die Reichs- und Staats-Behörde aus diesem Gebiete eine einheitliche Ordnung für das ganze Reich geschaffen worden. Sie findet ihre Ergänzung in den Ausführung-- und Zusatz-Bestimmungen der Bundes - Regierungen, der Stellen - Verzeichmffe und der Bestimmur gen über die Kommandierung und Beurlaubung der int aktiven Dienste befind- lieben Militär-Anwärter im Interesse ihrer Zivil- Versorgung. Eine große Reihe von Bearntenstel» lm, z. B. Kan Men, Boten, Schutzleut-, Polizei- Beamte rc. muffen alle, andere Beamten-Kate- notier, z B. Sekretäre, Bureau-Beamte re. müssen bei allen staatliche» und kommunalen Behörde»
er seines Srrg'S froh werden wird, ist indessen noch fraglich.
Ja Frankreich glt der F-rib-stand des Minifterfom» TowbeS al« ernstlich in Frage gestellt Der KriegSmimster Andre sah fich infolge der freimaurerischen Vefiarungs pitz'lei im Heere und damit der Block mchr au« dem Leu» ginge, genötigt, seine Entlassung zu nehmen. Sein Nach'olger ist der soz a- listilch-radikale Abgeordnete Berteaux. ein Börsen- makl'r, der sich dwch .Fleiß und Rediichkeif ein B.rmögen v n 30 Millroren erworben hat.
In England hat dos Hanbelrawt eine Untei- suchung über die .Seeschlacht bei der Doggerbanf veranstaltet. Keiner der vernommenen Fischer und Führer der Fische'flotte hatte von Japanern oder japanischen Torpedovroten etwas gesehen. Einzelne Zeugen vekundetea allerdings vor Lnkunst der rossi- Ichen Schiffe oder nach der Schießerei, ein o',er mehrere große Fahrzeuge gesehen zu haben. S» blieb ater unaufgeklärt, ita1 für Sch ffe da« eigentlich gewesen sein mögen. D-r Vertreter Rußlar.d», der bei der Bernehmmg zuzeg n war, zollte dem heldemnütigea Verhallen der Besatzungen der Fisch- dav Pier «nrrkenaung und sprach sein Bebauern über den Vorfall aus. Die Feststellung des Wortlauts des englisch-russische» Abkommens in der Angelegenheit scheint einige Mühe gekostet zu haben. Wenn die Engländer darin Ausdrücke, z. B über das Verhalten der ruffrscken Offiziere aubii gm wollten, di; die russische Empfindlichkeit verletzten, so hät-e leicht die ganze Berstänvigu: g scheitern können. Schließ lich ist der Wortlaut aber doch fertig geworden, und zwar haben die Engländer wieder rachi-e -b n und alle Ausdrücke entfernen müsse», die bin R ss n nicht gi fielen.
Ja Spanien ist ein neues anarchistische» Tyaamiivnbrechen beoavgen worden. In Barcelona wurde am 18. Nov-mber auf einer der belebtesten Straße eine Bombe zum Platzen gebracht, wodurch 21 Persone ', zumeist Arbeiter, zum Teil schwer, Verb tzi wurden. Bereits vorher war in einer anderen Straße eine Bombe entdeckt worden.
Auf dem ostasiattscheu Kriegssch aup!atze hat fich in letzter Zett bei Mukden die Lage lichi wesentlich geändert. ES ist strenger Frost eingetreten, der die Operationen erschweren mag. Einzelne Gefechte, Angr.ff', Lanvuaden mit wechselndem Erfolge finden, rote es scheint, alle Tage statt, lieber die Verhältnisse vor und in Port Arthur laufen die wtderjp echendsten Meldungen ein: Nach den einen könne fich die Festung noch lange halten, nach den anderen gehe es mit ihrer Kraft zu Ende.
In Südwestafrika scheint es mit dem Wider- stände der Herero» zu Ende zu sein. General v Trotba hat jetzt immer härfiger zu melden, daß die deulschen Truppen Herero-Banden überrascht m>d von fliehenden Herero» eine mehr oder minder große Anzahl niede geschossen haben. Noch einem bei einem gefallenen Häuptlinge aufgefundenen Briefe find die Wateiberaer Herero völlig aufg-rieben und 300 von ihnen im Sandfelde mngefommer. Maa scheint werter auf die Geschlagenen schießen zu wollen, ohne ihnen Frieden und Gnade anzubieten. Der Dampfer „Gertrud Wörmann" ist in der Recht zum 21. N.v in der Nohe von Swakopmund im Nebel gestrandet; Menschenleben gingen nicht dabei verloren, da» Schiff aber ist verloren. Der Zlltaris der Kolonie ist j-tzt zum größten Teil außer Kraft gesetzt worden.
In den Ver inigten Staaten hat jetzt endlich die Ausst llung de» vom Deutschen Kaiser geschenkten uno von den Amerikanern ;o ungern ongtnommer.cn Standbilder Friedrichs ö. in Washington fiat gesunden. Je länger sich die Awerckaner gesträubt hatte», mit um so mehr Sch'in und Aeußerlichkeit umgab man die E^thülluugsfeier. Präsident Roosevelt hielt eine lange Rede, worin er mit unverbindlichen Freundlichkeiten gegen Deutschland, mit Friedens- und Freund- schastöverfiche ungen nicht sparte, noch weniger mit der Verherrlichung der Amerikaner. — Der deutsch- amenkamsche Schiedsvertrag ist am Dienstag unter- ze chnet worden.
Brasilien hat nach länger-r Pause wieder einmal eine kleine R.volwion gehabt. Ausgestachelt von unzufriedenen ©enatorer, Abgeordneten und Offizieren revoltirien die Kt egischület in R o de Janeiro, denen fich andere revolmionslusiige Elemente anschloff ». Besonder» kam den Putichern die Abneigung der Bevölkerung gegen den Ja pfzwana zu Gute. 68 gelang bald den Ausstand zu »nterbrLdm, jedoch nicht ohne daß e« zahlreiche Tote und Verwundete gegeben hätte. In Bahra meuterte auf Anstifter, eine» Unterleutnant» ein Teil der Truppe». Der Aufruhr wurde gleichfalls rasch unter drückt.
+ rote schützt man sich gegen zu hohe Besteuerung?
Dem Steuerpflichtigen steht gegen jede Veranlagung (auch gegen dir zu niedrige und steuer- freie!) das Rechtsmittel der Berufung zu, falls nicht etwa dteS durch die Mchtadgabe oder verspätete Abgabe der Steuererklärung ve; wirkt ist. Der Steuerpflichtige kann dieselbe selbst oder durch einen Bevollmächtigten einlegen, im letzteren Falle bedarf derselbe jedoch einer Vollmacht, die mit dem gesetzlichen Stempel versehen sein muß. Die Berufung ist bei hm Vorsitzenden der Veranlagungskommission innerhalb einer Frist von 4 Wochen, die mit dem auf die Zustellung der Benachrichtigung folgenden Tage beginnt, einzulegen. (Berufungen, welche bei unzuständigen Stellen ein gehen, find von diesen an die zuständigen Vorsitzenden abzugeben, ohne daß dem Steuerpflichtigen die Zwischenzeit auf die Frist angerechnet wird; eS schadet also dem Steuerpflichtigen nicht, wenn er seine Berufung bei einer unzuständigen Stelle einreicht.) Die Berufung ist an keine Form gebunden und entweder schriftlich oder zu Protokoll bei dem Vorsitzenden der Veranlagung^ kommisfion anzubringen, ferner muß er in derselben angeben, gegen welche Steuerveranlagung und in welchem Majtt er etwas einzuwenden hat. Verspätet einge- reichte Berufungen werden von dem Vorsitzenden der Veranlaguvgskommisfion zurückge- wiesen und eS steht a'Sdann dem Steuerpflichtigen nur das außerordentliche Rechtsmittel der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu. Letzterts kann nur der beantragen, wer durch Naturereignisse oder andere unabwendbare Zufälle verhindert worden ist, die Frist (von 4 Woche») zur Einlegung des Rechtsmittels einzn- halte». Als unabwendbar r Zufall ist es anzn- fehen, wenn der Antragsteller ron einer Zustellung ohne fein Verschulden keine Kenntnis 'erlangt hat. Utbet den Antrag unterscheidet die Kommisfion oder Behörde, welche die Entscheidung, Über das versäumte Rechtsmittel zuflehx
Anzei-enr Die es» foatiige Petitzeile ob« deren Raum |5 Pf» Reklamen dir petttzells 25 pfg.; bei Wiederholungen wird entfpr. Rabatt gewährt.
druck und Verlag der fiuldaerLetlendrucker^ in Zulda (Harmonie!
Zernfprechrr llr 9
Unsere Söhne unö der Sivil-vrr. forgnngsschein.
(Eine wirtschaftliche und soziale Frage.)
Ein sonderbare», aber wichtiges Thema! Was ist der Zioilversorgungsschein, was ein Militär- anwärter? Welche Wirkungen hat der Zivil- versorgungSschem? Welche Berechtigung hat der Milttäranwärter? WaS kann er alles werden? WaS muß er tun, um zu feinem Ziele zu gc- langen? Wa» kostet feine Ausbildung an Zeit, Geld und Mühe?
Wer ajmetffam die Zeitungen liest, findet darin oft die Rubrik »Stellen für Milttär- anmSttet". I« einer solchen stehen gerade fol- gende Ausschreibungen:
Wertet
Nrinaerlohn und ^5geld.n5uldo°°d Mrtstwk.S«ps-
mindestens zur Hälfte mit ^Mstiiär - Lnwärter" besetzt werden. Also eine Reihe von Anstellungs- Möglichkeiten, welche für die Militär Anwärter in Betracht kommen. Seitens der Aussichts-Behörde wird Kontrolle darüber geführt, daß diese Stellen auch wirklich mit Militär-Anwärtern besetzt werden. Es find das Stellen, steigend bi» zu 1000 Mark und zuweilen noch mehr Einkorn- men. Außerdem wird nicht selten der Beamte, welcher sich bewährt hat, in höhere und selbständige Stellen befördert: Bürgermeister und Amtmann.
Vielleicht regen diese Zeilen manche Familienväter in jenen Kreisen zum Nachdenken an, in welchen gegen die ,Militäranwärter" oft unberechtigte Vorurteile bestehen, und welche längst nicht den erforderlichen Prozertsatz zu den Militäranwärtern und damit zu dem großen und einflußreichen unteren und mittleren Beamtenstande stellen, den sie an» viele» Gründen stellen sollten. Auch ein Kapitel im Buche des Mangels an Angeboten. D!e Beachtung dieser Tatsache wird von Jahr zu Jahr wichtiger, einmal weil fich die Zahl der Staats- und Gemeindebetriebe stets vermehrt und damit die Zahl der Beamten, sodann weil nach dem preußischen Kommunalbeas tsn - Gesetz auch die Angestellten der Gemeinden alle den Eharakter rön definitiv angrstellten Beamten haben müssen und nicht mehr, wie bisher vielfach, Privatangestellte des Bürgermeisters sein sollen.
Wer fich näher über die Militär-Anwärter informieren will, der kaufe fich das Buch: „Hohn und Nienaber, die AnstellriNgsgrundfätze. Berlin, Mittler & Sohn, 1839."
Bei alledem darf nicht vergessen werde», daß die Erlangung deS ZioiloersorgungsscheineS durch einen zwölfjährigen Militärdienst mit gewissen persönlichen Opfern verbunden ist. Der Dienst stellt 'an Körper und Geist nicht zu unte schätzende Anforderungen, namentlich der Frontdienst, in welchem doch die große Mehrheit der Untere ffiziere bis zu ihrer Dienstentlassung verbleibt. Go anerkennenswert die Fürsorge der Militärverwaltung für die geistige Fortbildung der Unteroffiziere mit Rück- ficht auf ihre spätere Lebensstellung ist, so l leibt der persönlichen Initiative hier doch das Wesentlichste Überlassen. Wer fich da stark genug fühlt, neben dem Dienst noch eine bestimmte Zerr der Ausbildung für den späteren, bürgerlichen Lebensberuf opfern zu können, wird für diese Müheleistungen im Zivilversorgungsschein und der Anwartschaft auf eine verhältnismäßig gut besoldete Lebensstellung immerhin ein annehmbares Entgelt finden.
Wochen-Rnndschau.
(Nachdruck verboten).
D Fulda, 26. Nov. 1904.
Da» preußische Ab geordnete» hau» ist am Montag wieder Kaminen getreten; e» nahm u. a. die Vorlage wegen E.richlung eint» OderlandeSge- r chieS in Düsseldorf an und erledigte verschiedene kleine Vorlagen und Pe-irioien.
Der Bundesrat hat om Freitoq einstimmig gemäß einem Anträge Preußen» beschossen, fich milder Erledigung dr» lippischen TbronstreiteS durch einen reichsgerichtlrche» Schiesflipruch, sowie mit der in dem Schiedrvertrag enlhattenen Be elnbarung, wonach die derzeitige Rrgentschast auch beim Ableben des jetzigen Fürsten sorlb-stehen soll bi» zum Erlaß de» Schiedsspruch», einoer standen erklärt. Der Reichskanzler hat den Prüfidenten des Reichsgerichts unver- weilt beauftragt, die Korchiruierung,v-S Schiedsgerichts und die Einleitung de» Verfahrens w zuordnen. Der Kaiser hct darauf die Vereidigung der lippischen Truppe» auf die Person de» Regenten befohlen. Wmn er fich in dem Tel grammr, worin er dem Regenten das witteilt, darauf beruft, das der Bundesrat durch fernen Beschluß die Rechtslage geklärt habe, so läßt fich dagegen allerdings viel einwenden. Indes kann man zuftiedeu feir, daß der Fehler des Rommlener Teleg amwes tatsächlich wieder gut gemacht worden ist Dem Reichskanzler gebührt Anerkennung, daher den arg verfahrenen Karren wieder m das richtige Geleise gebracht Hal. Besser wäre eS freilich gewesen, der neueste „Erfolg" wäre ihm dadurch erspart worden, daß man feinen Rat früher eingeholt hätte und ohne viel Lärm und Aufregung der Weg bei reichs- gerichtlichen Schiedsspruch» von vornherein eingeschlagen worden wäre. Alle n unter der obwaltenden Umständen muß man am Ende noch ftoh sein, daß die Sache schließlich noch diesen allgemein befriedigenden AuS- Stig genommen hat. Wie nun das Reichsgericht ent- eibet, ist Nebensache, nachdem man weiß, daß nur nach Rechtsgrundsätzen und von einem unparteiischen und unabhängigen G-ricktthof entschieden wird.
Nachdem der Rhein-Leine-Kanal in erster Lesung angenommen worden ist. verquickt man in der Presse alsbald wieder die Kanalfrage mit bet Politik. Fthr. v Zedlitz bemüht fich eifrig, den Herren auf der Rechten klar zu machen, daß sie jetzt die Kanal« streitext begraben und durch Annahme der Kanalvorlage das Vertrauensverhältnis zur Regierung wiederherstelle» müßte». Durch seine Erwägungen verrät er aber nur zu sehr, daß er, ebenso wie die Liberalen, fürchtet, da» Zentrum könnte dadurch, daß es da» Kaualprojekt auf eine annehmbare Basis gestellt hat, wieder einen neuen Stein bei der Regierung im Brette gewinne». Ein Teil der Konfervaltoen scheint auf ihn hören zu wolle», aber die Mehrzahl zögert »och mit der Zustimmung.
Mit den thüringischen Kleinstaaten habe» w r uns höchst selten zu beschästigen. Diesmal müssen wir aber doch eine MintsterkrisiS in Kovurg- Gotha erwähnen. In Gotha besteht feit langem ei» ärgerlicher Streit zwischen Fürst und Bott wegen deS Tomänenbefitzes. Die Domänen und Forsten find nicht Staatseigentum, sondern Privatbesitz de» herzoglichen Hause». DaS ist ganz undill g und gereicht dem Ländchen zu schwerem Schaden. 6» ist auch nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen, daß es so gekommen iS. Nau hatte der Landtag mit Zustimmung der Regierung mehrere Gesetze geschaffen, wonach die Hälfte deS Domänen vermögen» in oe» Besitz de» Staate» Übergehe», die andere Hälfte al» Eigentum de» herzoglichen Hause» zur Bestreitung be» Haushalt» bienen sollte. Unerwartet wurde nunbem Landtage von der Regierung wi geteilt, der Siegte» rnngSberwefer könne nicht die Gesetze bestätigen, fon- bern muffe bie Entscheidung dem im nääften Jahre im Regierung kommenden Herzoge (da» ist bekanntlich ein enali cher Prinz) Überlassen; die Agnaten hotte» bnn TeilungSplan noch nicht zug-stimmt. In G ha schrei it man diese Dinge unverani wörtlichen E. lüffen zu, die auf den minderjährigen Herzog auS- hev t worden find, und dec Unwille darüber scheint zie- lich stark zu fein. Der Minister Dr. Heutig, der ftüder Rechtsbeistand be» Fürsten Bismarck war unb kon.'ivativ antisemitische Neigungen hatte, jetzt aber al» liberal gilt, hat wegen der N<chtgen-hmigmig des Don änenabkommenS seine Entlassung genommen. Ein Sefovger Blatt wußte gleichzeitig zu berichte», daß der Chef de» Gehe.me» ZivUkabintt» de» Kaiser», der »iilgenaemte Herr v. Lucanu», werde feinen Abschied und Dr. Heutig werde fein Nachfolger wer- k« äTT6” """de angedeutet, daß da» zum Schade»
T,atibe” cusschloge» werde. Die Meldung fand ledoch wenig viauben
fier reich trat am 17. November der »l-ich in feiner einleitenden Webe brachte Ministerpräsident v. Körber die Bor- KE. ® 3nt,»brurf jät Sprache, wobei er bie ge- »iffenfofen »allkeuftchen Hetzereien zum großen Teil stk die traurigen Borkommmste verantwonlich mach.e fowir auch der Nachlässigkeit be» Bürgermeister» unb Magistrat» von Innsbruck einen Teil bet Schuld brunaß. In Ungarn .st e» dem MintfierPräsidenten Di»ja gelungen, die Opposttion dmch Annahme einer «»en provisorische» Gejchäf-Sordnmeg, bie bie Ob- Rnftfoa chrer Waffen beraubt, niederznrwge». 06
Fuldaer W Zeitung
" rnonatsbellage: „Sulöaer SeschichtLÄätter".