MaerM Zeitung
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31. Jahrgang.
Mda, Freitag, den 25. November 1904.
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RegentschaflSfrage in aller Form einen Rechtsstreit zwischen zwei Bundesregierungen gegeben, der bei dem für die Schlichtung solcher Streitig- teiten verfassungsmäßig zuständige Bundesrat amtlich anhängig gemacht war. Die Preffe habe die schaumburgtschen Vorstellungen ignorieren können, der Bandesrat aber nicht. — Was den Staat Schaumburg-L ppe die Frage angehe, wer in Lippe-Detmold Regent sei, vermögen wir nicht einzusehen. Ist die offiziöse Argumentation rich- tig, so könnte der Staat Schaombmg-Lippe ja aber so gut, wenn einmal der Prinzregent von Bayern stirbt, auch die Regentschaft seines Sohnes onfechten (mit welchem Rechtsgrunde, wäre ganz Nebensache) und dann wäre auch in Bayern die „Rechtslage nicht geklärt«, die Truppen, dürften auf den neuen Regenten nicht vereidivt werden usw. Hält man so etwas im Ernste für möglich?
* Die preußische Etaatseiseubahuver- waltuug hat im Oktober d. I. die größte Einnahme erreicht, die fie überhaupt jemals in einem Monat erzielt hat. Die gesamte Einnahme lag noch um mehr als 2 Millionen Mk. über der bisher höchsten des August d. I. Die durchschnittliche tägliche Einnahme belief sich auf 4 63 Mill. Mk gegen 4,62 im September und 4,55 Mill. Mk. im August d. I. An der Zunahme geoenüber dem Oktober v. I., die über 7 Mill. Mk. betrug, war der Personenverkehr verhältnismäßig stärker beteiligt, als der Güterverkehr, der jetzt, nachdem sich die Wafferver- bältniffe wieder gebeffert haben, dem Wettbewerb der Schiffahrt mehr ausgesetzt ist, als in den voraufgeqangenen Monaten.
% Bei dem Superintendenten Dr. Meyer- Zwick a u, dem bekannten Vorkämpfer des Evangelischen Bundes, soll eine anonyme Schmähschrift (richtiger wohl ein Schmähbrief) eivge- gangen sein, in welcher der Refrain wiederkehrt: „Es sind die Hunde vom Evangelischen Bunde.« Der .Reichsbote' teilt einige Proben daraus mit und bemerkt: «Aus welchen Kreisen dasPamphlet herrührt, ist nicht zweifelhaft« Das meinen wir auch. Ohne Zweifel rührt es von denselben Leuten her, die den „Rachepsalm« an das Portal der katholischen Kirche in Dölzig geschrieben) harten.
Ausgestoßen.
59oa Maurice de Beaumont. DeMsch von Helene SrembS.
V Berlin, 24. Nov. 1904. Der Sladtver- ordnetenauSfchuß für die Borlage über den Bau und Betrieb städtischer Straßen bah---
in Berlin hat beschlossen, die Zustimmung zu fünf Magistrat vorgeschlagenen Linien zu beantragen. Dieser Beschluß, dem die Versammlung ohne Zweifel mit großer Mehrheit beitrete« wird, bedeutet einen wlch- Sn Markstein in der BnkehrSpolitik der Gerneinde- örten. 68 besteht die begründete Aussicht, daß ein Slan, wonach die Verbindung des Nordens mit dem üden durch eine Straßenbahn von der Dorotheen- straße durch Kastanienwäldche», Linden, Opernplatz zur Markgrasenstraße, zum Teil unterirdisch, hergrstellt wird, die kaiserliche Zustimmung finde. Die Linde» und der Opernplatz sollen untertunnelt werden Der Tunnel geht unmittelbar unter dem Denkmal der Saisertn Augusta hindurch. Mit der Genehmigung dieses Planes wird dem Wort entsprochen, daS der Kaiser früher der Fortsetzung der städtische« «ahnen über die Straße Unter den Stoben entgegensetzte: Richt darüber weg, sondern unten durch.
V Berlin, 8t Rov. 1904. Gestern abend fand,
tetlnahmen. — Heute früh fuhr der Kaiser zur Fas nen- jagd. — Der Jagdbesuch des Ka.iserS beim Fürsten zu Stollberg-Werntgerode ist jetzt bestimmt aus den 5. bis 7. Dezember anberaumt worden. Der Kaiser trifft, von Deflau kommend, abeudS zwischen 9 und 10 Uhr in Wernigerode ein. Am Mittwoch vormittag erfolgt die Abreise des Kaisers.— Eine größere Mittelmeerfahrt wird der Kaiser, wiedte,Münch. N. Nachr.' ans zuverlässiger Quelle auS Kiel erfahren, im Januar antreten. — Der der deutschen Gesandtschaft in Peking zngeteilte bayerische geprüfte RechtS- praktikant Freiherr v. Rotenhan ist zum LegationS- fekretär ernannt worden. - Der Vorsitzende deS Evangelischen Bundes, Graf v. Wintzingerode, ist von seinem Poften zurück,etreten. Es heißt, daß der Kon- sistorialrat Dr. Göbel, Halle, den Vorsitz deS Bundes übernommen habe. — Professor Robert Koch hat, wie bereits gemeldet, den Wilhelms-Orden erhallen. SS kommt darin die Anerkennung der Verdienste zum AnSdrucke, die sich Koch durch seine Eeucheuforschungeu um die „Wohlfahrt deS V Ikes' (zur Belohnung solcher Verdienste ist nach den Satzungen der Wilhelmsorden bestimmt) erworben hat. — Den Gesetzentwürfen über dre FriedenSpräseuzstärke des Heeres und über Aenderungeu der Wehrpflicht hat heute der Bundesrat seine Zustimmung erteilt — Eine Vorlage überdieKretSbesteuerung soll, wie Landrat v. Stubenrauch gestern im Teltower Kreistag mitteilte, »och in dieser Session dem preußische» Landtage zugehe». Nach den Angaben deS Herrn von Stubenrauch sieht die Novelle ein Steuerrecht deS Kreises auf derselbe» Grundlage vor, wie eS gegenwärtig de» Gemeinden zusteht.
* Darmstadt, 24. Nov. 1904. Die zweite Kammer nahm heute den Gesetzentwurf betreffend die staatliche Schlacktviehversicherung im wesentlichen nach der Regierungsvorlage an. Der Finanzminister brachte den Hauptvoranschlag für 1905 ein; auch für das kommende Jahr, führte der Minister aus, sei ein Fehlbetrag unvermeidbar gewesen, aber auf 758.000 Mk. zurückgegangen gegen 1,070,000 Mark im Vorjahre. Auch der Abschluß der Rechnung für 1903/04 zeige eine wesentliche Besserung. Der Fehlbetrag für 1905 werde aus den verfügbaren Vermögensreste der früheren Jahre gedeckt. Der Fimnzmintster schloß, die Finanzlage sei noch nicht gut, aber wiederum erheblich bester geworden.
„Dich zu 6erüetea, ist die ständige Furcht meine» DaseiuS gwesen. Um Dich ganz an mich zu fesseln, wollte ich Dich and) für das Theater bestimmen. A 8 Du aber zu mein'« Berdreffe Dich entschieden weigertest, Sängerin zu werde«, kam mir einen Augenblick btt Gedanke, Dich zur weiteren Ausbildung einem Pen- fwnate zn übergeben, wie es sich für die Tochter $ertn Marsil'b geschickt hätte 68 wäre das Richtige gewefen, aber meine felbstchchtlge L ebe trug wieder den Sieg davon, und ich behielt Dich bei mir. Dr kam meine Krankheit, der Verlust meiner Stimme, das drohende Gspenst des nahen Todes, mb nun stchte ich in Berzweiflung mich einem anderen Aus- Weg, Deine Zukunft zu sicheren. Eme reiche Heirat Wen mir das beste Mittel Dann konnte ich meine *nge an Deinem Herd beschließen.
Da sichst nun, weide Gründe mich bewogen ha« •». Dich nach Mont Dore zu führe« and SvMrau Dsthaires in die Nähe zu bringen. Ach, auch dieS- *«, habe ich den falsche« Weg eingeschlagen, mein Ksglückrstere hat mich auch hier irre geführt. O, e8 T ein Jammer um eine zu lebhafte Phantasie, mn «n Herz, daS r icht ans den Verstand hört - beide
schtechte Ratgeber 1 Herr Deshaire hat Dich nicht Muebt, wie ein rechtücher Mann em gutes und ernst xstes Mädchen lieben soll. Er hoffte mit Deinem 2#Bögen seine diele Schulden »n bezahlen. WaS soll W Weiter von ihm sa;en ? <5r betrog mich, wie ich RW betrog. . . .
«Aber nein, ich wollte ihm meinen einzigen Schatz »den, mein Kind mit seinem reinen, goldenen Herzen,!
Abg. Graf DouglaS (natl.) begründet feine» An trag. Wenn Preuße» auf dem Gebiete der Wohl' fahrtspflege bisher nicht in gleicher Weise segensreich gewirkt habe wie daS Reich, so läge daS an dem Fehle» einer mit genügender Initiative auSgestaitete» Zentralstelle. Eine solche sollte die Landeskommission für VolkSwohl fei«. Die Aufgabe der LandeSkommif-
J[us demßmdtag,
wie anS Großstrehlitz gemeldet wird, im dortige» Schlöffe et» Diner zu 25 Gedecke» statt, an dem außer dem Raffer auch die übrigen fürstlichen Jagdgäste und er, ... er war ein Elender, der bte heiligsten und edelsten Gefühle mit Füße« trat! . . .«
Zsreerröte färbte die Wangen der Kranke«, und nach einem heftig'» Hustenanfall z-igte daS feine Baftsttuch leichte Blu« flicken. Sre sank matt und bewußt! o» auf daS Polster.
Aimee, tu Tode erschrocken, stieß einen Schrei anS, beim sie glaubte die letzte Stunde der Mutter sei gekommen.
Aber diese schlug die Augen bald wieder auf und ergriff Aimees Hand.
„Mein Lind,« flüsterte fie, „kannst Du mir vergeben? v rz eihen, daß ich Deine Zukunft in Frage gestellt Dich Deinem Vater und all denen, die Dich sicherlich herzlich geliebt hätte», entrissen habe?«
„Mutter, was hatte ich Dir zu verzeihe«? Muß ich Dir nicht im G.gentett auf den Luieen danken fite Deine Leidliche Mbe und Zärtlichkeit ? Soft allein, der den Müttern den Schatz der Liebe ins Herz gelegt, hat daS Recht, zn richten. . . .
„®oU?“ murmelte di» Sängerin; «Gott? ja Du kennst ihn, Du mein sanftes Kind; aber ich . . . ich habe ihn vergesse« ... so lange schon ...
„®c vergißt Dich aber nutzt, Mutter, et wird Dir voch b.ffere Tage schenken . . .*
E« wehmü.igeS Lächeln spiette um bte Lippen der Primadonna.
«Nein«, antwortete fie, „nein, meine Tage find gezählt. . .«
Dann, einen andem Sedankenqang verfolgend:
.Aimee, wir bflrfen nicht länger hier bleiten, Wir müffm jetzt lparsamer sei«. . . . Und bann bin ich »ort auch besser aufgehoben; eS gibt da vorzügliche Aerzte und tüchtige Schwest-rn zur Pfleg». . . Bringe mich ins Hospital' Ich hoffe, daß man Dir erlauben Wirb, bei mir zu bleiben. . .
„Run, Weine nicht, mein Sirbüng. ... Ist daS nicht oft daS Sadr der Bühnenlaufbahn? . . . Leben uvd Genießen, Putz und Flrltrrkram . . . ar.o 'chlirtz- l<ch . . . das Hsfpä^i'. . . •*
sion rrflrecke sich auf Gesundheitspflege, Fürsorge für die mit leiblichen oder geistigen Defekte» Behafteten, die Wohnnngs- und Heimftättenfrage, Kollekten- und Sparwesen, Feuerwehr. Andere Länder seien schon mit ähnliche» Ginrichtnngen auf diesem Gebiete vor- Bangen, besonders Frankreich, welches im Begriffe
ie, ein eigenes Mmisterium für Wohlfahrtspflege zu gründen. Die Größe der Aufgabe würde weft übertroffen werden von der Größe des Erfolges. Gine so gute Saat würde reiche Früchte tragen. (Bravo).
Abg. v. Schenck:ndorff (ntl.) erklärt fich namens seiner polittschen Freunde für den Antrag und beantragt Ueberweisung an eine Kommission.
Abg. v. Bodelschwingh (t) begrüßt freudig den Antrag. Die erste Aufgabe der Kommission müßte fein, daS deutsche Familienleben zu erhalte«. Die Liebe zur eigenen Scholle müffe gestärkt und gekräftigt werden, »in christliches Familienleben könne nur bestehen, wenn die WohnungSveihältniffe gebeffert würden. Die Versicherungsanstalten sollte» ihre Gelder als Sparkasse für den kleinen Man« betrachte« u«d in ben Dienst der Wohnungsfrage stellen, «ine zweite Aufgabe fei die Fürsorge für die Soldaten. ES müßten Eoldatenheime geschaffen werden. Redner schließt mit der Bitte, den Antrag an eine Kommission von 21 Mitglieder» zu verweisen, ch» selbst aber nicht in tie Kommission zu wählen. (Beifall und Heiterkeit.)
Abg. Dr. Ruegenberg (Z.) steht gleichfalls dem Antrag sympathisch gegenüber. Durch die staatliche soziale Gesetzgebung, welche auf de» verschiedensten Gebiete» segensreich wirke, werde die private Liebes tätigteit nicht unterbunden. Was diene mehr dazu, die reichen Erfahrungen der Männer der Praxis bet Allgemeinheit zunutze zu mache», alS die Zentralitation? WaS die Zentralstelle für Arbetter-WohlfahrtSei» - richtnugen im Handelsministerin n, der Beirat für Arbeiterstatistik für daS Reichsamt deS Innern, daS ReichsgefundheitSantt für die Medizinalabteilung ist, daS solle die zu errichtende VolkSwohlfahrlSstelle für alle Bestrebungen fein, die darauf hinauSziele«, die foziale» Verhältnisse durch die öffentliche Liebestätig- kett zu beffern. Redner beantragt gleichfalls, die Angelegenheit einer Kommission von 21 Mitglieder» zu überweise»
In gleicher Weise treten die
Sbgg. Goldschmidt (fr. Bp.), Dr. Münfter- berg (fr. Bgg.), tzeckenroth (t) und Faßbender (Zentrum) für den Antrag ein.
Die Diskussion schließt.
Der Antrag wird a« eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiese».
Ohne wesentliche Debatte wird in zwetter Beratung der Gesetzentwurf betr. Maßnahmen zur Regelung der Hochwasser-Deich- und 8~~ flutSverhältniffe an der oberen u
Deutsches Reich.
Berlin, den 24. November 1904.
*Dem Unterstaatssekretär derBauabiei- langen deS Ministeriums bet öffentliche» Arbeiten Wirklichen Geheimen Rat Herrn Alfred Schultz, bet am 23. d. MtS. nach kurzer Krankheit 64 Jahre alt gestorben ist, widmet der .Reichs- anzeiger' einen Nachruf, worin es heißt: «Seine unermüdliche Arbeit und treueste Pflichterfüllung vermag nur der ganz zu würdigen, der die ge« rockige Steigerung des Geschäftsumfanges der Hauabteilungen in den letzten beiden Jahrzehnten kennt. Fünf Ministern war er ein nie ermüdender tatkräftiger Mitarbetter und bewährter Berater, dem allezeit volles Vertrauen zutei wurde. Vier Königen diente der Dahingeschiedene in treuer Hingebung und hatte die Freude, zahlreiche Gnadenbeweise als Zeichen der Allerhöchste» Anerkennung zu empfangen. Nun wurde er plötzlich aus einer reich gesegneten, aber aud mühevolle» Laufbahn abberufen und wird bet allen, die ihn kannten, in der Erinnerung fort- leben als das Vorbild eines hervorragend pflichtgetreuen Beamten und eines bis zum Tode treuen Dieners des Vaterlandes und feines Königs.«
* In den nächsten Tagen ist eine Reihe be> merkenswertet militärischer Beförderungen und Veränderungen zu erwarten. Noch nie- mal- ist eS vorgekommen, daß die Mehrzahl der Kavalleriebrigaden von Obersten befehligt wurden. Wir haben jetzt 22 Kavallerieobersten, die Kommandeure von Kavalleriebrigaden sind oder mtt der Führung von solchen beauftragt worden find, während nur 16 Oberste Kavallerieregimenter befehligen. Eine große Zahl der ersteren wird in diesen Tagen zu Generalmajors auf- rücken. Unter den 22 Obersten befinden sich verschiedene, deren Slawen mit der Entwickelung deS deutschen Rennsports eng verknüpft find, wie die Obersten v. Köller (11. Kavalleriebrigade) Burggraf zu Dohna-Schlobitten (4. Karde-Kavalleriebrigade) und o. Heyden-Linden (2. Garde- Kavalleriebrigade)
§ Die Klärung der Rechtslage iu der lippische« Regevtschaftsfrage soll, wie in einer offiziösen Berliner Zuschrift an die .Südd. Reichskorrsp/ anSeinandergesetzt wird, tatsächlich erst durch den Bundesratsbeschluß erfolgt sein. Die Regentschaft deS Grafen Leopold sei unbeschadet der landesgesetzlich giftigen Form ihrer Begründung, beim Bundesrat durch Einspruch mm Schaumburg-Lippe angefochten und ein Antrag auf Bestellung eines Verwalters von Reichswegen für Lippe-Detmold eingebracht gewesen. Hinter diesem Antrag habe nicht Fürst Georg alS Person, wie noch immer irrtümlich erweise behauptet werde, sondern der Staat Schaumburg- Lippe gestanden. Es habe mithin auch für die
Stiret-eai A» M° spatttge PetttzeU« «te deren Kaum \6 NU. Reklamen die VetttM- 25 Pf#.; bei wtetz« Holungen wird eeW1
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Druck und vertag M Fuldaer Rctienbruck«. ßn Sulba (tzarmsÄfi 8ernsprecher M 9
Abgeordnetenhaus.
103. Sitzung vom 24. November 1904.
Eröffnung l1/« Uhr.
Der Gesetzentwurf betr. bie Inkraftsetzung einer anberroeiten Klasseneinteilung für bie Gewährung von WohnungSgeldzuschüssen an bio unmittelbaren Staatsbeamten wirb in dritter Lesung de- batteloS angenommen.
Es folgt bie Beratung des Antrags Graf DuuglaS (natl.) betr. Schaffung einer LandeSkornmisfion für BolkSwshlfahrt Der Antrag fordert bie Errichtung einer Lanbeskowmiffio» alS ,ein?B die Regierung beratenden Organs zur Erhaltung und Hebung deS körperliche», geistige», um sittlichen und wirtschaftlichen WohlS deS »otte8« . / v.
In Verbindung damrt werden beraten dre Petitionen beS Pastors Leibrandt und Venoffe» in Boja- nowo und Dr. Stephan-Beuth », Oberschkefie», um Einsetzung einer Landeskommisfion zur Bekämpf«», des AlkoholismuS. Letzterer fordert zugleich eine Ratio» des SchenkkonzessionSwesenS.
Ihr bitteres, stöuischeS Lächeln schnttt dem jungen Mädchen ins Herz. Aber traurig ergeben, antwortete fie ruhig:
„So fei eS, wie Du wünschest, liebe Mama.«
10.
Während Frau Märtel und ihre Tochter daß vornehme Hotel am SöuigSplatze verließen, rollte Sontra« DeshaireS der Hauptstadt zu.
„68 ist doch schade«, monologierte er, «18 er fich i» einem Abteil erster Klaffe niedergelassen hatte und über tie l-tzten Erleb» sie eine kurze Betrachtung anstelle. „Schade, fie war wirklich ganz nett ... . Warum aber die Dinge gleich auf die Spi--e treiben? Heirate«, gleich heiraten . . . zum Kuckuck! mau muß doch Zett znm U berlegen haben.«
6t versank einige Minuten in trübseliges Sinnen. Dann ab« fDrang er aus der gepolsterte« Ecke auf, ließ daS Fenster nieder m b betrachtete die Landschaft. Jedoch seine Gedanken ließen fich nicht leicht ablenke«, fie schwrifteu ganz von selbst zu andern Bergen und Wälder«, als denen, welche jetzt an ihm vorüber- flogen; fie wellten im fernen Mout-Dvre, nnd baS Bild der reizenden Aimee tauchte vor feinte Ange» auf.
Da zuckte er die Achseln und brummte:
„Soute man nicht meine«, daß eS mir leid tat? Bah! nach zwei oder drei Tagen wird die Geschichte vergeff-n sein . . «
ll«d um feinen Ideen eise andere Richtung zu gebe«, trillerte er eine Arte au* der neueren Oper.
In Pitts angelaugt, besuchte et gleich feinen Freund Basson
Der ränge Arzt war nach Beendigung der Bade- faffou zu feinen Klienten in der Seinestadt zuriickge- krbtt.
Bei VontranS Eintritt faß er vor feinem Schreibtisch und blätterte ta einem großen Folianten; bew der Doktor «rar a 8 eifriger Jünger AeSkulopS dem Stadium sehr ergeben.
mittleren Oder angenommen.
Nächste Sitzung: Freitag 11 Uhr. Dritte Beratung deS Gesetzentwurfs betr. Hochwasserver hältniffe der Oder: Antrag Engelmann (ntl.) betr. Kontrolle von NahrungS- und Genuß- mittel« (Wttnkontrolle), Petitionen.
Schluß 2 Mr.
• Der nlsitsch'lapanische Krieg.
I« euglischrussischeu Streitfall ist der Kaiser von Oesterreich ersucht worden, einer. Schiedsrichter zu bestelle«. Nach Wiener Blättern dürfte Kaiser Franz Joseph dazu den Präfiden ter des österreichischen VerwaltungsgerichtShofes, her ehemaligen Justizmirister Graf Friedrich Schönborn ernennen, der auch einer der Vertreter Oesterreichs im Haager Schiedsgericht ist.
Wohl hatte er beim Klopfen „herein« gerofen, fick aber Wetter nicht um de» Besuch gekümmert, bis Gon trau au seiner Sette stand. Da Warf er baS dick Buch auf den Tisch.
„Ach, Du bist eS!« rief er, ergriff den Aokömmttn bei de« Schultern und drücke ihn in eine i Ledersessel „Du kommst Wohl, um mir den Hochzeitstag zu met den? Das trifft fich; ich habe mir gerade eine Frack nach brat neuesten Schnitt bestellt, um Dir kein Schande zu machen.«
„Gnnach, gemacht Du hast eS eilig. Höre erst alles ist au», richtig zu linde zWsschen mir und Frär lein Toltzbeirn «
„Was? So war das wieder nur ein toenteue nach deiner Fasson? Du bist aber eine armselig Windfahne.«
„Ich glaube, Du spaffest. Nach fünfzehnjährige' guter Kameradschaft solltest Du mich fowett kenne um zu wisse«, daß ich derartige Sachen nicht ibet ? Knie breche.«
„Gewiß, gewiß lerne ich Dich, und zwar gar- genau, und deshalb war ich ftoh, Dich mal enblic zum ersten Male in deinem Lebe«, vernünftig w ernsteu Gefühlen zugänglch zu sehen.«
B-.nüoftig? Mein Bester, Du bist jetzt unter künftig und in Wiederspruch mtt dii selbst. SB ar'* Du es nickt, bet mir die Heirat obriet?«
„Freilich, solange ich nicht ahnte, WaS eine E oberer g wert War . . . Aber da ich fie Wirklich b- tereffant fand und Dich über Hals und Ohrm ve liebt fab, hab; ich Dich ermutigt, über die Hindernis hivwegzuschretten, die Du selbst nicht als solche am kennen wolltest. Km zum, baS Wohl beb jung Mädchens lag mir mehr am Herzen alb das dein » denn ick fttzke voraus, daß Du trotz deiner viel gebier fie glück ich machen würdest, wenn Du fie ai. richtig siebtest.«
„Na, höre mal, Du bist und bsiibst ein Grobian. M- t muß eine EselShaut habe«, nm Deine SiebenBwürbigteii i in Ruhe über fich ergehen zu lassen.« (Forts, folgt)