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Zulda, Donnerstag, den 24. November 1904.

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31- Jahrgans

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Berlin, den 23. November 1904.

* Ei« «euer Trnppeutransport «ach Oiidvestafrika ist mit dem Wöttnanndampfer ,Profeffor Wörmann" am Dienstag nachmittag abgegangen. Er bestand aus 23 Ossizieren, 853 Mann und Kriegsmaterial. Die Verabschiedung der Truppen am Kai erfolgte in der üblicher Weise. Der kommandierende General von Bock und Polach richtete herzliche Abschiedsworte an die Truppen, schloß mit einem Hoch aus den Kaiser und verlas sodann folgendes Telegramm der Kaiserin aus Plön: «Da ich erfahre, da am 22. d. Mts. wieder ein Truppentransport von Hamburg abfährt, wä^e ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie den Herren Offizieren und den Truppen meine Segenswünsche mitteilen möchten. Gott behüte sie; möge das Ge­bet dazu beitragen, daß ste glücklich in d e Hetmai zurückkeh>en. Auguste Viktoria" — Immer neue Opfer fordern unter den deutschen Truppen die sanitären Zustände unserer südwest« afrikanischen Kolonie. Nach amtl.cher Meldunj sind eri Typhus gestorben: Unteroffizier Ado! Krause, geb. am 26. 7. 78, früher Feldartillerie« Regiment, Nr. 57, am 11. November in Epukiro, Retter Wilh. Natus, geb. am 6. 4. 83, früher Königlich Bayerisches 22. Infanterie-Regiment, am 19. November in Windhuk, Reiter Ludw. Lukaszwicz, geb. am 3. 8. 79, früher 3. Garde- Feldartillerie-Rrgiment, am 11. November in Windhuk. An Blinddarmentzündung: Retter Heinrich Drabandt, geb. am 23. 4. 81, früher Kürassier Regiment Nc. 5, am 17. Nov. in Outjo. Reiter Karl SchockowSkr, geb. am Z0. 10. 81, früher Füsilier-Regiment Nr. 38, am 20. November in Okamangongoa plötzlik verstorben.

** Am 18. und 19. November d. Js. tagte im Sitzungssaal des Evangelischen Oberkttchen- rals zu Berlin, unter dem Vorsitz des Präsidenten Voigts, der Deutsche Evangelische Kircheu- ausschuß, welchem neuerdings auch Mecklenburg- Strelitz beigetreten ist. Dem Kirchenausschuß lag eine große Zahl von ZuflimmungSerklärungen vor, namentlich über die Kundgebung wegen der Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes. (Natürlich, das mußte das Erste sein!) Zur Erörterung stand u. a. die Frage der Einbe­rufung der DeutfchenEoangelischenKirchknkonferenz zn einer außerodentlichzn Tagung im Jahre 1905 vorzugsweise zur Beratung der bet den Ver­handlungen der Kirchenkonferenz vom Jahre 1904 nicht zum Abschluß gebrachten Frage der Semeinschastsbewegung. Ueber die kirchliche Versorgung der Diaspora im AuSlande ist eine für wette Kreise bestimmte, orientirende Denk­schrift ausgearbeitet worden, welche in Kürze in die Oeffentlichkeit gelangen wird. Die Herstellung eines evangelischen Hausbuchs, speziell für die Zwecke der Diaspora, ist in Angriff genommen und gefördert.

* Gtimmnugsbiid ans dem Abgeord neteah«»se. Im Abgeordnetenhause herrschte nach dem gestrigen Schlachttage die friedliche Stimmung vor. Man erkannte eS schon äußer­lich daran, daß die B-taillone sich stark aelichtet hatten. Zahlreiche Mannschaf en waren offenbar, sei es mit, sei es ohne Paß, auf Urlaub ge­gangen, in der Uebrrzeugung, daß die Kölner Sache gestern bereits endgillig entschieden sei. Die Kölner hatten sich, wenn auch mit Schmerz, ins Unvermeidliche gefunden und machten keinen Versuch mehr, doS Glück zu wenden. Der Abg. Knie, Amtsgerichtsrat in Köln, nahm nun noch­mals das Oberlandesgericht in Köln gegen den Vorwurf in Schutz, nicht genug (gearbeitet zu haben, und der Justizminister Schönstedt war nach seinem Siege so großmütig, ih^r zu bestä­tigen, daß der Vorwurs in der Tat ganz unbe­gründet sei. Abg. Trimborn widmet der ver­lorenen rheinffchen Justizhoheit Kölns noch eine Abschiedsträne, während der anttkölnische (Ober­bürgermeister von Eupen, Abg. Mooren so grausam war, in der Würde der Kölner, denen er gern auch einen Teil ihrer geistlichen Hoheit nehmen möchte, zu wühlen, dann wurde der gestrige Beschluß mit großer Mehrheit bestätigt. In dritter Lesung fand auch der Gesetzentwurf, betr. den Erlaß von Polizeiverordnungen über die Verpflichtung zur Hilfeleistung bei Bränden, der daS Haus schon wiederholt be­schäftigt hat, endlich Annahme. Der Abg. Herold, der durch seinen Widerspruch und den Antrag, daß der KreisauSschuß (Bezirksausschuß) darüber entscheiden soll«, ob und inwieweit neben einem Ortsstalut Polizeioerordnungen zulässig sind, vor den Ferien die Zurückverweisung an die Kommission bewirkt hatte, gab heute seinen Widerspruch auf, denn die Regierung hatte in der Kommission Erklärungen abgegeben, die seinen Antrag überflüssig machten und die Kommission bewogen, den betr. Gesetzentwurf einstimmig in derselben Faffung zu empfehlen, in der er an sie zurückgefchickt war. Nach den Erklärungen, die heut« bestätigt oder wiederholt wurden, soll die Regelung der persönlichen Verpflichtung zur Hilfeleistung bei Bränden usw grundsätzlich und in erster Linie durch die Gemeinden aus dem Wege deS Ortsstatuts erfolgen. In der Aus- sühmngsanweisung zu dem Gesetze sollen die Polizeibehörden angehalten werden, wegen einer etwa von ihnen für geboten erachteten Ergän­zung eines bestätigten OrtSstatutS vor allen Dingen zunächst gütlich mit der Gemeinde in Verhandlung zu treten und, falls diese erfolglos bleibt, vor weiteren Schritten die Angelegenheit der Auffichisbehörde zur Entscheidung vorzulegen. Sämtliche bestehenden Polizeiverordnungen sollen aufgehoben werden und so ist die Entscheidung darüber, ob ein OrtSstatut die persönliche Ver­pflichtung zur Httfeleiflung ber Bränden er­schöpfend zu regeln unterlassen hat, in letzter Linie in die Haüd eines Kollegiums gelegt, in dem daS Laienelement ansreichend vertreten ist. In zweiter Lesung wurde der Gesetzentwurf, be­treffend die Instandsetzung einer anderweitigen Klasseneinteilung für die Gewährung von Wohnungsgeldzuschüssen an die unmittel­

baren Staats beamten, der nach dem Zeugnis des Finanzministers einer Anregung der Abgeord Trimborn zu verdanken ist, angenommen. Bei zusedends schwächer werdender Besetzuna des Haufes wurde sodann noch eine Anzahl Peti­tionen erledigt, in denen zumeist Lokalschmerzen wegen nicht vorhandener Eisenbahnen ausge- tauscht wurden. Es war die reine Sekundär« bahnvorlagendebatte. Sollten alle in den Peti- t onen vorgetragenen Wünsche berücksichtigt wer­den, so würde es für ein paar Sekundärbahn­vorlagen ausreichen.

§ Eine sozialdemokratische Gründung ist verkracht. Eine außerordentliche General- Versammlung des gegen 3000 Mitglieder zählen­den Konsum-Vereins Leipzig-Connewitz hat einstimmig die Auflösung des Vereins be- schloffen. Ueber die Vorgänge in dieser Versamm­lung wird berichtet: «Der Geschäftsführer Bock wurde entlasten und mit der Gesamtverwaltung regreßpflichtig gemacht. Der Beschluß vom 1. Okto­ber, aus dem fingierten Reingewinne 9 Prozent Dividende zu gewähren, wurde aufgehoben; von den Auffichtsrats-Mitgliedern will man die ein­gestrichene Tantieme zurückfordern. Der Aufsichts­rat Hagen erstattete Bericht. Er führte aus, daß der Aufsiöhlsrat dem Geschäftsführer Bock (dieser war seit 6 Jahren sozialdemokratischer Stadtverordneter und legte vergangene Woche, eben erst wiedergewählt, plötzlich sein Mandat nieder) nahezu machtlos gegenübergestariden habe. Als der Aufsichtsrat endlich energisch eine spezialisierte Abrechnung von ihm gefordert habe, habe er sich krank gemeldet. Seine erste Bilanz habe arge Ver­schleierungen enthalten, die neue habe 107,000 Mk. weniger Gewinn herausgercchnet. Nach der neuen Bilanz betrugen die Aktiven 1,019(933 Mk., die Passiven 1,011,618 Mk, dies ergebe einen Rein­gewinn von nur 8314 Mk., während Bock einen solchen von 115,321 Mk. in Aussicht gestellt habe. Entweder habe der Geschästsführer nicht mehr gewußt, was er getan habe, oder er habe die Verwaltung selbst absichtlich getäuscht. Der Fleischerei-Betrieb sei der Krebsschaden des Ver­eins gewesen; die Aufzählung von 138,000 Mk. versandten Fleischereiwaren sei ein großerSchwindel. Der Aussichtsrats-Vorfitzende Strecker gab offen zu, daß er gewußt habe, wie bedenklich die Ver« hältniffe lagen, aber er habe nicht den Mut ge« habt, gegen Bock energisch aufzutreten. Bock habe den Auffichtsrat genaZführt und dieser habe sich von ihm übers Ohr hauen kaffen. Andere Redner führten aus, Bock habe Vetterwirtschaft getrieben; man habe offen von der Klique der «Bocktaner" gesprochen. Dieselben Leute, die vor Jahresfrist den Crimmitschauer Webern 'ein Weihnachtsgeschenk bereitet hätten, brächten jetzt die Aermsten der Armen um ihr Weihnachts­geschenk (die Dividende). Man stände am Ende deS Systems der Theorie. Von Bock habe man die Abrechnungen förmlich mit Gewalt heraus« holen müffen. Ein früherer Lagerhalter teilte mit, man habe ihm, als er darauf aufmerksam gemacht habe, daß das Geschäft zurückzugehen beginne, mit Zuchthaus bedroht. Wehe dem, der gewagt habe, etwas zu sagen. Ein Herr Wolfram erzählte, er habe schon vor Jahren

vor einer allzugroßen Ausdehnung des Fleischerei« betriebes gewarnt, doch man habe ihn verhöhnt und adgeiägt. Der stelloertreiende Vorsttzende des AuffichtsratS erklärte, er habe seine Unter­schrift nicht eigenhändig unter den gefälschten Geschäftsbericht gesetzt. — Eine herrliche Be­leuchtung der Freihett und Solidttät in den sozial­demokratischen wtttschafilichea Organisationen.

AbgeordueteahauS.

102. Sitzung vom 23. November 1904.

Eröffnung IV/« Uhr.

Dritte Beratung des Gesetzentwurfs betr. den Erlaß von Polizeiverordnungen über die Ver­pflichtung zur Hilfeleistung bei Bränden. Die Vorlage war an die Kommission zurückverwiesen worden.

Abg. Herold (Z.) erklärt, daß durch die Er­klärungen der Regierung in der Kommission di« Be­denken des Zentrums gegen die Vorlage beseitigt worden seien und bittet den Minister um eine Er­klärung, ob er sich mit den Ausführungen, der Rom- miffare in der Kommission identisiztere.

Minister Frhr. v. Hammersteia gibt diese Er- klärung ab, indem er hinzufügt, daß nach zwei Richtungen hin Polizeiverordnungen notwendig sein würden, einmal um Sttafbestimmungen sestzusetzev, dann um die Verpflichtung zur Hllfeleistung auf Nach­bargemeinden auszudehnen.

Die Abgg. Kreitling (fr. Bp.) und Franke (ntl.) bringen die Zustimmung ihrer Partei zum Ausdruck.

Die Vorlage wird hierauf angenommen.

SS folgt die dritte Beratung deS Gesetzentwurfs betr. die Errichtung eines OberlandeSgertchteS in Düsseldorf.

Abg. «nie (Z.) tritt entschieden für Köln ein und macht dem JuMzminifter zum Borwurf, er habe be­hauptet, daS OberlandeSgericht in Köln habe nicht ge­nügend gearbeitet.

Justi-minister Schönstedt weist diesen Vorwurf zurück. Im Gegenteil habe er durchaus anerkannt, daß die Richter in vollem Maße ihre Schuldigkeit getan hätten.

Abg. Mooren (Z.) hält de» Kölnern vor, daß sie sich zu Unrecht als Stiefkinder deS preußische« Staates betrachten. Er hoffe, daß Köln einen Teil srmer geistigen Hoheit auch mal an Aachen oder an eine an­dere Stadt abgeben werde.

Abg. Trimborn (Z.) erklärt, daß durch den gestrige» Beschluß des HauseS der Stadt Köln der Charatter als der Justtzhaup'.stadt der Rheinprovin, genommen worden sei und daß dies eine Wunde für Köln bedeute, die sobald nicht wieder heilen werde.

Die Diskussion schließt.

Di« Vorlage wird «tt dem Antrag Trimborn mit großer Mehrheit endgilti, angrd°uimh f f,

SS folgt die zweite Beratung deS C(:^«troutf3 betr.dieZnkraflsktzungeineranderweiten Klassen­einteilung für die Gewährung von WohnungS- geldzuschüssenandie unmittelbaren Staats­beamten. Nach der Vorlage soll die vom Reichs« gesetz. betr. den Serviktarff und die »lafieneinteilung der Orte, vom 6. Juni 1901 bestimmte Klassenein­teilung für die preußischen Beamten mit W rkung vom 1. April 1901 ab in Kraft treten.

Nach kurzer Debatte wurde der Gesetzentwurf un­verändert angenommen.

SS folgen Sisenbahnpetitionen. ES handelt sich meist um Eisenbahnen für die Eifel, de» HunSrück und die schlesischen Gebirge.

Sämtliche Beschlösse wurde» entsprechend den KommisfionSbeschlüffen alS Material überwiesen.

21

Helene KrembS.

(Nachdruck verboten.)

Ausgestoßen.

Bon Maurice de Beaumont. Deutsch von

»etterhin, jeuseitt bei Weiher», lugt durch die BSvme dos rote Ziegeldach d« Fabrik, welche Hunderten von Arbeit em daS tägliche Brot verschafft «

Sine Träne perlte au den Wimpern der Änaerin

.«ergib mir," sagte sie, .wenn ich bei deiSWdermui der Orte- verwette, wo ich so glücklich hätte sein Suiten, und wo ich nanunlr» gelitten habe. .. gge„n «an auch die Welt nach allen Richtungen durchstreift daS Herz sehnt sich doch stets wieder nach dem Heim' Und dennoch, da- einzig wahre Glück, da« ich dort empfunden, hast Du ausgemacht, mein Liebling Welche Wonne, Dich in den sandbestreuten Weg«, da Gärten oder auf dem Moosgrunde des Walde» hrrumtununeln zu sehen!

Ich sagte Dir, daß ich gelitten hätte, frellich viel »«ch »eine eigene Schuld; jedoch die Demütigungen, welche «w meine Schwiegereltern und später meine «wjogerin zuteil werden ließen, die «erachtuv g, welche »an bei jeder Gelegenheit der „Komödiantin" y0?*' nagten nein ohnehin heftige» Gemüt, ver- »uabeten meinen Stolz und schufen eine miüber brück-

Klrfi zwischen an».

n’O an, ihrem kühlen Benehmen eine be- «wigenbe Gleichgültigkeit, ihrer Mißachtung schranken« entgegenzusetzen. Die» war mir ein «lchte», denn über das gutmütige und nachgiebige weine» Gitten war ich vollständig Herrin. Er *•$ «ich in allem gewähren, schlug mir keine Bitte

Ich war jurg und schön, liebte Aufwand und ^grLgrn über alle»: er beftiedigte j-de« meiner «mrsche in dieser Hinsicht zum Berger seiner Ver­

wandten, die «.l» nüchterne, praktische Menschen diesen Fefilichketten, die wir veranstalteten, abhold waren.

Sie bewohnten den linken, ich den rechten Flügel de« Gebäude»; unser Verkehr gefialteie sich mit der Zeit immer schw.eriger. Mein Gatte stets saust und zuvorkommend, fand persönlich kein Gefallen an un- serm Treiben. Ihm wäre ein stiller Leben int Frieden mit seinen Angehörigen lieber gewesen. Er hatte auch Recht; aber in seiner abgöttigen Liebe zu wir brachte er j-de» Opfer, und ich — nun, ich war zu eigen­süchtig, zu vergnügungSlustig, um vom Trubel zu lajfen. Der arme Manu litt unter diesem Zwange, aber wa» lag mir daran? Ich tat, al- ob ich es nicht sähe, um wich nicht einschränken zu müffen. So ging e» einige Jahre laug, bi» plötzlich der Krieg ausbrach. Alle« ettte zu den Waffen; auch Emil nß sich au» meinen Armen und folgte trotz meiner Bitten und Tränen dem Regiment an die Grenze

Er ging; nicht allein, wett er fein schöne» Bater- «nb liebte, wett diese» mutige und herzhafte Ber- eidtger braucht .... nein, er floh auch fein Hau», da» Hon», wo er al» Sind so glücklich und zufrieden Mebt und welche» da» Weib seiner Wohl ihm zur Hölle gemacht..." *

. Hfer hielt die Sranke inne und stützte den Kopf aut die Schulter bet gefparut horchenden Tochter. _ , Uh bedarf de» ganzen Mute», den mir ®eine kindliche Liebe ein flößt, um diese tramige Beichte zu beenden. O, wenn Du mich verachten, mich ver- 1 awmen wü-destl . . . Aber nein, Du bst gut, und Da wenigsten» hast mich aufrichtig gellebt, nicht wahr ?•

„3a, Mütterchen, ich liebe Dich, fürchte Dich nicht weiter za sprechen, wenn e» Deinen Kummer lindert' Ich habe kein Urteil über Dich zu fällen; dar steht vott allein zu, der die Reuigen in Gnaden aufnimmt. Bei ihm gelten die gegenwärtigen Seiben al« Sühne vergangener Fehler, und er ist der H«r über die Zu- kuvft."

Sie hob ihre Haren Augen gen Himmel.

Tie Sängerin fuhr fort:

„Der Krieg wütete lürchterlich; Tod und Ver­wüstung Herrichten im Osten Frankreich». Jeder Tag brachte lange Listen der auf dem Felde der Ehre Ge­fallenen. Bald fand ich auch darunter den Namen meine« Gatten Emil war tot; Du warst eine Waise ich eine Witwe und von nun ab eine Fremde in diesem Hause, wo man mich — ach nicht mtt Unrecht — haßte I Ich blieb noch zwei Jahre dort, still und zu­rückgezogen — aber ich verzehrte mich in der Ewsamkeit.

„Außerdem war ich jetzt beinahe arm, denn wenn Du auch eine» Zager reich fein konntest, reich al- einzige Eibm Deine» Vater», so besaß ich doch nicht», und die» ließ man mich ost genug fühlen. Und den­noch hätte ich al» Witwe wohl einigen Anspruch auf Mitleid und Fürsorge gebubt trotz meine» vergange­nen Unrecht» Aber nein

„Da beschloß ich in mein t Verzweiflung, dem ungastlichen Dache den Rücken zu kehern.

„J'doch wohin sollte ich gehen? wa» anfangen ? E» blieb mir nur eine»: da» Theater.

„Ich schrieb heimlich an mehrere Provinzbühnen, allein die Gräuel de» Kriege» hatten die Lustbarkeiten eingedämmt. Man nahm keine neuen Mitglieder auf; im Gegenteil, manche tüchtige Künstler waren zur Zeit broilo».

„Da kam eine« Tage» da- „Gallische Theater" nach Besoul. Diese Gelegenheit war günstig, um Delle zu verloste!'. Ich hüllt: Tich in mein schwarze» Tuch, nahm Dich auf den Arm und floh für immer au» dem House, nach welchem ich nicht ein einzige» Mal zu- rtickblickle, und da« ich nicht wiederzusehen wünschte.

„DaS übrige weißt Du. Aber wa« Dir verborgen geblieben, da» ist die Angst, die Angst, die mich uuab- öffig verfolgt, daß ich eine» Tage» mich von Dir trenn n müßte, um Dich Deinem Vater zurückzu- geben . . . ."

„Mtinen Vater? .... er ist tot l" tief Aimee im höchsten E> staunen.

Die Schauspielerin schüttelte den Kopf.

„Nein," sagte ste, „nein, er ist nicht tot; die Nach­richt war falsch. Er war schwer verwundet und wurde »ach Deutschland abgeführt, wo er lange krank lag. Wiederhergestrllt, machte er einen Fluchtversuch, wurde jedoch dabei ergriffen und auf eine Festung gebracht. AlS er endlich die Freiheit erhielt, sand er fein Heim verödet, Weib und Kind entflohen ....

„Sein Schmerz war unbeschreiblich. Er stellte alle möglichen Versuche an, die ©einigen wiederzvfin­den, durchstreifte eine Provinz nach der andern, fragte, selbst nach tut» in allen Theatern ....

„Durch einige Bekannte in der Franche« Tourte, mit denen ich in schriftlichem Verkehre geblieben, er­fuhr ich dies alles. Dein Vater suchte up.» überall; allein überdies durch den Kummer gealtert. Er sah mich sogar mehrmal» auf der Bühne, ohne mich zu erkennen. Ich jedoch würde stet» unter Taufende« Herrn Marie! herautsi.den."

„Herrn Mariel? Ach Mutter!" ries Aimee er­bleichend.

„Ja, er war e«, Dein Vater, mtt dem Du in Mont Dore geredet host. Er würde mich, ohne Ber - Heibnog, vielleicht et könnt haben — möglicher Weise hat er e» auch getan ... Du begreifst nun meine Besorgnis, Kind, daß er Dich von meiner Seite reißen würde, Dick, mein Leben, mein Alles! Ich aber wollte und will Dich halten, für mich, für mich ganz allein! . . . Drum find wir so eilig aufgebrochen; wir mußten fort, damit er mich nicht «deckte." ' Hier hielt Regina ein.

Regina ergr.ff die Hand ihrer Tochter und zog sie näher an fich.

„O sag mir, Liebling, daß Du mich nicht ver- losten willst, daß Du bi» zum Sode bei mir bleibst l"

Al» Antwort drückte Aimee die Mutter an ihr Herz und bedeckte ste mit Kiffen.

(Fortsetzung folgt.)