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wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

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Sernfprecher Nr 9°

M 266. Zsl-a, Montag, den 21. November 1904.

§ Zum tippischen Lhionstreit.

Die »Nordd. Allg. Ztg/ veröffentlicht drei Aktenstücke, 1) den Antrag des schaumburg- lippischen und der lipptschen Regierung an den BundeSrat wegen Regelung des lippischen Thron» folgestreites; 2) den zwischen dem Fürsten zu Schaumburg-Lippe und dem Regenten des Fürstentums Lippe abgeschloffenen Schiedkver- trag; 3) den Beschluß des Bundesrates vom 18. November 1904. Neues erfährt man daraus nicht mehr. Auch daß der Graf-Regent Leopold sich in dem Schiedsvertrage ausdrücklich Vorbehalten hat, in dem neuen fchiedsgericht- lichen Verfahren die Rechtsauffaffung geltend zu machen, daß sein und seiner Linie Thronfolge­recht bereits durch den Schiedsspruch vom 22. Juni 1897 rechtsverbindlich bejaht worden ist, war bereits anderweitig bekannt. Die Annahme, daß bis zum Schiedssprüche des Reichsgerichtes noch einige Monate verlaufen dürften, findet durch" den Vertrag seine Bestätigung. Haben doch die Schaumburger 6 Wochen Zeit bis zur Einreichung des ersten Schriftsatzes, worauf dann die Biesterfeldrr ebenso lange Zeit haben für ihre Gegenerklärung. Damit geht also schon ein Vierteljahr hin, und dann können »och eine Menge Erklärungen und Gegen­erklärungen kommen, für die gleichfalls an- gemeffene Frist zu gewähren ist.

Selbst wenn das Reichsgericht seinen Spruch bereits in den nächsten Tagen fällte, würde natürlich der Reichskanzler an einer Anfrage im Reichstage nicht vorbeikommen. Erwirb ihr aber mit großer Gemütsruhe entgegensetzen, zumal nachdem er die Aeußerungen der Preffe zu dem BundeSratsbeschluffe vom Donnerstag gelesen hat. Ueberall wird ihm bezeugt, daß er mit großer Geschicklichkeit zu Werke ge­gangen sei und der Beschluß einen Erfolg für chn bedeute. An und für stch ist die Sache gar nicht dazu angetan, ein großes Genie zu ihrer Regelung zu erfordern. Wenn zwei Linien eines Herrscherhauses sich um ihre Thron­folgerechte streiten, so sollte es sich ganz von selbst verstehen, daß sie ihren Streit einem un­abhängigen Gerichtshof vorlegten, damit dieser unparteiisch lediglich nach Rechtsgrundsätzen ent­scheide. Einem dritten, fei es ein einzelner Herrscher, sei es eine Körperschaft wie der BundeSrat, sollte es gar nicht einfallen, stch in den Streit mischen, ein Entscheidungsrecht bean­spruchen oder seine Meinung in die Wagschale werfen zu wollen. Unter den obwaltenden Um­ständen aber war die einfache Frage arg ver­wirrt und verfahren und es gehörte wirklich großes Geschick dazu, ste aus der Wirrnis her­aus und wieder in das richtige Geleise zu bringen. Daß dem Grafen Bülow das in ganz unanfechtbarer, allgemein befriedigen der Weise gelungen ist, verdient volle Anerkennung. Sie wird umso bereitwilliger gespendet, alS man doch ziemlich allgemein befürchtet hatte, die Auf­gabe werde nicht vollkommen zu lösen fein; eS werde ein unangenehmer Rest übrig bleiben.

Nachdem jetzt die Sache auf die rechte Bahn gebracht worden ist, kann man der

Ausgestoßen.

Bon Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene Krembs.

18 ------ (Nachdruck verboten.)

Sie bebte vor Zorn; noch niemals hatte Aimee einem solche Zustande gesehen. Sie ton hielt sich deshalb ganz ruhig.

Regina ging immer fchwller, ste lief beinahe. Der Atem kam Pfeifend, stoßweise aur iyrer kranken Brust. Schweißtropfen perlten auf der bleichen Stirn. Im Hotel «mgekommen brach ste bewußtlos in den Armen ihrer zllteruden Tochter zusammen. Zwar gelang e» den eifrigen Bemühungen der letzteren, die entflohenen Lebensgeister zu wecken, aber ein heutiger Hustenanfall erschütterte die Kranke und färbte mit hektischem Rot die eingefallenen Wangen.

Doch mit übermenschlicher Willenskraft erhob die Sängerin stch nach kurzer Zeit von ihrem Ruhebette rwd sagte mit hohler ®ltt> we, der sie sich einen Klang von Zärtüchkeit zu geben bemühte:

»Aimee, liebes Kind, ich fühle mich so matt und elend. ES wird kalt.....darum ist eS bester,

daß wir gleich in den Süden reisen. Hilf mir ein« packen!*

»Aber, Mütterchen, heute geht eS doch umröglich; Du bist ja krank. Laß uns bis morgen warten! Wo­hin sollen wir d nn auch gehen? »S war ja noch nichts beschlossen . . . .*

»Doch, doch, wir fahren nach Pau, und nicht »wrgm sondern heute*, erwiedertc Regina in einem Tone, der keine Auflehnung zulich.

Dann etwas freundlicher:

»Frage nicht soviel, kleine Neugier. Wen« wir fort find, werde ich Dir alles sagen, ja alle», ich ver- Preche e» Dir.*

Entscheidung mit Ruhe entgegensehen. Für die meisten Deutschen.dürfte der lippische Streit über­haupt so ziemlich alles Interesse verloren haben. Wer fragt denn danach, ob in Detmold die Biesterfelder, Schaumburger oder Weißenfelder regieren? Nur allein die Befürchtung, daß nicht nach dem strengen Rechte erfahren werden, sondern die Macht ober die Parteinahme eines Mächtigen mitentscheidend sein solle, hat dem „Fall Lippe* seine Bedeutung verschafft. Das empfindliche Rechtsbewußlsein des deutschen Volkes war beunruhigt. Nachdem der Reichs­kanzler es glücklich so geleitet hat, daß lediglich nach Rechtsgrundsätzen enrschteben wird, ist es gleichgültig, zu wessen Gunsten entschieden wird. Selbst wenn der Spruch zu Ungunsten der Biester- felder ausfiel? und bann ein neuer Streit zwischen Weißenfeldern und Schaumburgern anhübe, würde das deutsche Volk dem Weiteren mit Gelassenheit zusehen.

Berlin, den 19. November 1904.

** Herr v. Luearrus wird dem ,Leipz. Tageblatte' zufolge demnächst von seinem Posten als Ch.f des GeheimenCivilkabinets scheiden. Sein Nachfolger soll der soeben zurückgetretene gothaifche Minister v. Heutig werden. DaS genannte Blatt behauptet, Hentig, der früher zum Antisemitismus neigte, sei liberaler Grsinnug und die Konservativen würden sich seiner Be­rufung an die Spitze des Cwilkabinets nicht zu freuen haben, wohl aber die Liberalen. Die Nachricht, die mit allerhand pikantem Gewürz servil t wird, findet in der übrigen Preffe keinen rechten Glauben. Auffallend ist allerdings, daß unmittelbar auf diese Nachricht die Nachricht von dem Rück-ritt des Herrn Heutig von seinem Ministerposten folgte. Sollte dieser wirklich zum Nachfolger de8 Herrn v. LucanuS ausersshen sein, so hätte daS Leipziger Blatt ihm mit feinem die Konservativen verhöhnenden Artikel einen schlechten Dienst erwiesen.

* Die Vorarbeiten für das von dem Staats­sekretär deS Innern seiner Zeit angeküvdigte Arbeiter-, Witwe« «ud Waiseu-Bersiche- ruugsgefetz find, wie die »Preuß. Rott/ hört, so weit vorgeschritten, daß BundeSrat und Reichs­tag sich in absehbarer Zeit mit dem entsprechen­den Entwurf zu besoffen haben werden. Eine namhafte Erhöhung der Jnoalidenoerstcherungs- beiträge ist noch Gegenstand ernsthafter Er­wägungen.

* Die zur R-ichskuff- gelangte Jftein- uahme, abzüglich der AuSfuhrvergütungen rc. und der Verwaltungskosten, beträgt für die Zeit vom 1. April bis Ende Oktober bei den nach­bezeichneten Einnahmen: Zölle 265,471,848 Mk. (— 12,479,928 Mk.), Tabaksteuer 7,132.620 Mk. (— 364,180 Mk ), Zuckersteuer und Zuschlag 72,653,921 Mk. (+ 11,013,132 SMk.), Salz- steuer 276,003,587 Mk. (+ 476,547 Mk.),

Sie zog Aimee an sich und schlang die Arme fest am sie.

Diese konnte ihre Bewegung nicht länger be- meifleru, sie sank zu den Füße» der Mutter hi« uno ließ ihren Träne» freien Lauf, indem fie in die fieber- lilänzeaden, schattenumrandeten Augen der Künstlerin bliche.

Regina «ahm ihre Hände, streichelte fie und sagte nach einer Pause:

„Mein Liebling, hole mir ein GlaS Zvckerwaffer und gib ei"ige Tropfen Baldrian hinein; meine Nerven find heute arg angegriffen... ein wenig schnell, bitte; wic muffen vor Abend noch fort.*

Aimee trocknete ihre feuchten Augen und kam ohne weitere Bemerkung dem Befehle nach. ES drängte fie zu der Frage:

„Und Gontran? WaS wird er von unserer Ab­reise denken? WaS wird daraus entstehen?'

Aber ste behielt de» Gedanken für fich. Möglich, daß Regina denselben in ihrem angstvollen Blicke las, denn fie sagte:

„Ich will einige Zeilen für Herrn DeShaireS hier zurücklaffen.* Und fie schrieb;

„Geehrter Herr und lieber Freund!

„Der plötzliche WitterungSuwschlag und eine Ber- schlimmeruug meines Zustandes zwingen mich, mit Aimee rach Pau abzuretsen.

Wir werden im Hotel Henri IV. absteigen und hoffen, Sic recht bald dort zu sehen.

Indem ich bitte, die unangenehme Ueberraschung fteundliäst verzeihen zu wollen, verbleibe ich mit bestem Gruße

R. Toltzheim.*

Eie zeigte ihrer Tochter diese Zeilen und begann daun dir Beträge verschiedener Rechnungen beiseite zu legen.

In einem Umschlag mit der Adreffe des Doktors st ckte sie eiren 500 Frankenschein und fügte einige Worte des Dankes für bre freundliche Mühewaltung

Maifchbottichsteuer — 1,485,476 Mark (4~ 2,577,685 Mk.), Verbrauchsabgabe von Branm- wein und Zuschlag 71,966,819 Mk. (+ 789,567 Mark), Brennsteuer — 1,003,773 Mark (-s- 686,327 Mk.). Schaumweinsteuet 2,472,247 Mk. l(-f- 387,306 Mk.), Brausteuer und UebergangS- abgabe von Bier 17,530,241 Mk. (+ 338,031 Mark), Summa 462,342.064 Mk. (+ 3,424,487 Mk.) — Spielkattenstempel 871,328 Mark (+ 36,905 Mk.)

* Das Abgeordnetenhaus tritt am Mon­tag den 21. b. M. nach einer Pause von 2 Wochen wieder zusammen und roifb seine 100. Sitzung abha'tm. Auf der Tagesordnung stehen die An­träge Arendt (gesetzliche Regelung der Besol- dungsverhältnifse der Lehrkräfte an den höheren Mädchenschulen), Kreuth (Erhöhung des Ge­haltes und Einführung der Dienstaltecsstufen für Richter und Staatsanwälte), Kindler (Einrich­tung von Meisterkursen), 11 Petitionen um Er­bauung von Bahnen und 42 andere Petitionen. Am Dienstag und Msttwoch gelangt die zweite und dritte Beratung des Entwurfes der Errich­tung eines Ob er land esgerichtes in Düssel­dorf zur Beratung. — Das Plenum des Ab­geordnetenhauses wird sich mit der Kanalvor­lage vor Weihnachten auf keinen Fall mehr be­schäftigen. Wann die Kanaloorlage im Januar zur Beratung gestellt wird, hängt in erster Linie von der Einbringung des ©totes ab. Wird der­selbe bald nach den Weihnachts-Ferien dem Hause vorgelegt, so will man zunächst die erste Lesung des ©totes vornehmen und die Kanalvorlage in der Zeit beraten, wo der ©tat der Prüfung der Budget-Kommission unterliegt.

* Die Regierung sollte bekanntlich im Schul- kouflikt mit der Stadt Berlin insoweit nachgegeben haben, als bet freireligiösen Ge- meinde die Benutzung der Aula in der 69. Ge­meindeschule vom Sonntag für die Erwachsenen unter Ausschluß der Jugendlichen wiedergestattet worden sei. Diese Mitteilung beruht, wie die ,Nordd. Allg. Ztg/ schreibt auf einer völligen Verkennung der Sachlage. Das Pro- vlnzialschulkolegium hat die Sperrung der Aula lediglich hinsichtlich der für Jugendliche be­stimmten Vorträge der freireligiösen Gemeinde angeordnet. Der Weiterbenutzung der Aula sät die Versammlungen erwachsener Mitglieder der Gemeinde hat die Schulaufsichtsbehörde ein Hindernis Überhaupt nicht in den Weg gelegt. Wie unter diesen Umständen von einem Nsch- geben der Staatsbehörde gesprochen werden kann, ist unerfindlich.

•* Die St«die«gesellschaft für elektrische Schnrllbahue« hat jetzt die versuche mit Dampf- Lokomotive« ausgenommen. Wie die mit elektrischem Strom, finden auch die versuche mit Dampf auf der für die Zwecke der Studiengesellschaft ausgerüsteten Strecke ver Militärbahn »wischen Marienfrlde und Zoffen statt. Die Eisenbahndirektion Halle hat zwei schwere vierachfige Gepäckwagen gestellt, wie sie in den v Zügen verwendet werden. Der Antrieb erfolgt durch eine Lokomotive der Militärbahn. Die jetzigen »er­suche haben den Zweck, de« Widerstand der Lust und der Reibung näher zu bestimmen. Dir Wage» werden mit wechselnder Belastung in Bewegung gesetzt und bann sich selbst überlassen. Au» der verfchtedenen Dauer deS Auslaufens läßt fich dann der Anteil der einzelnen Arten der Widerstände berechnen. Die Ber-

bei. Dann klingelte fie und ließ den Hotelverwalter zu fich tuten.

Sie trug ihm auf, daS Geld an die verschiedenen Lieferanten zu besorgen, bezahlte dann freigebig ihre Hotelkosten und bestellte einen Wagen auf den Nach­mittag.

Der „Ches" verbeügte fich tief, empkahl seine Dienste für das folgende Jahr und zog fich zurück, nicht ohne zwischen den Zähnen zu murmeln:

„Sind da- sonderbare Gäste! WaS soll die un­vermittelte Abreise denn heiße»? Gestern sagte fie noch, fie wolle ihre Räume ^weitere vierzehn Tage behatte«, wie auch daS Wetter fich gestalten möge . . Und nun . . . auf solche Zugvögel ist kein Verlaß! Zum Eck hat fie gezahlt ohne zu feilschen gute Reise!"

NachmlltagS vier Uhr entführte da» schnaubende Dawpftoß Regina und ihre Tochter südwärts in den Bearn. ,

9.

ES war eive lange Fahrt gewesen und Madame Toltzheim langte vollständig erschöpft in Pau an, so­daß Aimee schnell einen Arzt rufen ließ. Dieser ver- ordnete unbü>ingte Ruhe und Schonung für die Kranke, deren Leiden durch eine heftige Nervenerregung noch verschlimmert worden, wie er vermutete.

Man schrieb Ende September und die Stadt war wenig belebt, die meisten Pensionen standen noch leer in Erivartur g der Wiotergäste. DaS Hotel Henri IV. bifind.t sich auf der Place Royale, von wo mau den herrlichsten Ausblick geni>ßt, den man fich nur erden­ken kann, und weichem die Bearner mit Stolz den Reisenden zeige».

Km Fuße des Hüel», auf dem die Stadt erbaut ist, rollt rec Save feine kalten, klare» W-ffer durch grüne, blumige Wiesen, während fern am Horizonte die Pyrenäen e ne mächtige Mauer bilde». Die zackigen Kämme, die scharfen Spitze» und schveebedeck- ien Kuppet» tagen hoch empor zum Himmel, der. in

31. Jahrgang-

suchkfahrten werde« noch etwa acht Tage in Anspruch nehme«.

* Ans Deulsch-Südwestafrik«. General v. Trotha meid.t aus Windhuk unterm 18. No­vember: Bei dem am 3. Oktober im Gefecht von Ombakaha gefallenen Häuptling Joel Kawizeri wurde ein Brief seines Sohnes Gottlieb gefunden, worin dieser dem Vater mitteilt, daß die Waterberger Herero völlig aufgerieben und 300 von ihnen im Sandfelde umgekommen seien.

AuS Rapftobt, 18. November, meldet das Reutersche Bureau, daß von dort der Dampfer HyadeS mU 150 Buren, die als Führer für Trankportkolonnen dienen sollen, sowie mit Vorräten und Rindvieh nach Swa- kopmund at gegangen ist.

Ferner übermittelt das Reutersche Bureau aus Kapstadt die Meldung, daß dort aus U pington (Bet- schuanaland, am Orange) die Nachricht eingelaufen sei, dort seien 2 Frauen eingetroffen, die die brutale Ermordung ihrer Männer sowie anderer hol­ländischer Farmer aus deutschem Gebiet durch Hotten- totten berichten. 23 Frauen sei es gelungen, fich mit ihren Kindern nach Rtetfontein zu retten.

An Typhus find gestorben: Reiter Otto Garzelitz, geb. 16 4. 1880, früher im Ulanen Regiment Nr. 4, am 20. Oktober im Lazarett Epukiro; Unter­offizier Friedrich Herrmann, geb. 7. 10. 1877, früher im Husaren-Regiment Nr. 12, am 15. d. M. auf dem Marsche von Okosongobo nach Oijosondu; Reiter Waldemar Reichel, geb. 8. 5.1880, früher im 1. (Leib-) Grenadier- Regiment Nr. 100, am 2. d. M. irn Lazarett Otjosondu. — Verwundet wurde Unteroffizier Karl Gräbel, ,eb. 12. 9. 1682, früher irnDragoner-Regiment Nr. 14, am 12. d. M. im Gefecht bet Okambere durch einen Schuß in die linke Hand.

In der Cchlußbetrachtung des ,Mck.> Wochen-Bl/ über die Kämpf« am Waterberg heißt eS: »Der ärgste Feind der deutschen Truppen war das mit Dornbüschen dicht bedeckte Gelände gewesen, daS — den Herero ein gewohntes Element — dem Vordringen und Kampfe der Deutschen unendliche Hinderniffe bereitete. Ganz besondere Schwierigkeiten aber bot cs für die Auf­klärung. Dir Eingeborenen sind bei diesem Dienst für die deutschen Truppen nur von geringem Nutzen ge­wesen; eigentliche Leistungen in der Aufklärung wurden nur von deutschen Soldaten erzielt. Namentlich auf diesem Gebiete zeigte sich die Tüchtigkeit unserer jungen deutschen Offiziere im glänzendsten Lichte. Tagelang am Feinde, gerade mit der allernot- wendigsten Kost versehen, ohne Rast und Schlaf, immer in der höchsten Gefahr, nur daS Ziel vor Augen, keine Ermüdung kennend: so erkundeten die vortrefflichen OffizirrSpatrouillen! Und daS war ihnen etwa kein beschwerlicher Dienst, eS war ein förmliches Drängen danach, mit einem Erkundungsauftrage erfreut zu werden. Wenn die Patrouillen dann ins Lager wieder etnritten, abgemagert, mit entzündeten Augen, Haut und Kleider zerfetzt, auf totmüden Pferden: dann er» egten ste den Neid der Zurückgebliebenen und de» Wunsch, eS ihnen gleichzutun. Aber wehe denen, die in Feindes Hand fielen, die Grausamkeit der Herero im Hinschlachten von wehrlos gewordenen Verwundeten kannte keine Grenzen!*

* In letzter Zeit find in der Preffe Klagen darüber laut geworden, daß Feidpostsendnuge» en die mo­bile« Truppe« i» Eüdwestafrik« den Empfängern gar nicht oder nicht rechtzeitig zugegangeu seien. Mit Bezug hierauf wird dem ,Reichsanzeiger' von zu­ständiger Stelle folgendes mitgrteilt: „Bei den uuli- tärifchen Operationen in Südwestasrika ist idie Zu­führung der Postsendungen an die Truppen mit außer­ordentlichen Schwierigkeiten verknüpft, mit unendlich viel größeren Schwierigkeiten aI8. f. Z. im Feldzug in Dftaften. Eisenbahnverbindung besteht bekanntlich nur zwischen Swakopmund und Windhuk. Wege» der un­gemein großen Entfernungen und der Unficherheit der Wege ist eS nicht möglich, regelmäßige Postverbin­dungen zwischen den letzten Eisenbahnstationen und den operierenden Truppentellen durch Postfuhrwerk oder

der Frühe rosenrot leuchtet, am Mittag in tiefem, ruhigen Blau strahlt und bei untergehender Sonne die« ganze gewaltige Kette wie in flüßigrS Gold taucht.

Aimee sah nicht ohne Besorgnis ihre Mutter im Hotel Henri IV. Wohnung nehme», denn fie fragte fich, tote diese einen längeren Aufenthalt in dem kost­spieligen Gasthose bestreiten könne. Deshalb versuchte fie einige Eimvendungen.

„Glaubst Du nicht, liebe Mama, daß wir eben so gut und vielleicht noch beffer zu Deiner Pflege, jeden­falls aber viel billiger in einem Privathause unter­gebracht wären?"

„DaS ist ficher,* antwortete die Künstlerin, uw so mehr, alS weine Kaffe erheblich beigegangr» ist.*

Eine Sorgenfalte zeigte fich auf ihrer Stirn.

„Einige Tage müffin wir aber noch hier bleiben*, fuhr fie fort, „bis Herr DeshaireS kommt: Er liebt beu Aufwand, und darum soll er u»S hier ft tben.“

Jeboch die Tage vergingen, ohne daß der schöne Gontran seine Braut ausgesucht hätte.

Regiaa wunderte fich darüber, mochte aber der Tochter ihre Befürchiungen nicht mittetlen. Ihre Krankheit verschlimmert« fich zusehends; fie hatte asf die Nachmittagsspazietgänge im Park verzichten müssen uno verließ selten ihr Bett oder den Sessel.

Aimee suchte ihr Lei» und ihren Kummer so vir: alS möglich zu verbergen; ste sah mit Entsetze» der traurige« Zustand der geliebten Mutter und lit schweigend unter der Vernachlässigung GantranS.

BiS jetzt hatte die Börse der Sängerin vollau' ben Ansprüche« genügt. Nu» aber rief fie eine. Tages das junge Mädchen z« fich und sprach mit starrem Gleichmut:

„Simen, ich darf Dir nicht verschweigen, baß ich gestern unser letzte- G Idstück auSgegeven habe. Ei bleibt mir nichts mehr, nicht» . . . kein Groschen Wenn er nicht kommt, so wirst Du wich i»S Haspttos. bringen müssen. Da» ist ba» Ende.* (F. f)