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zvlda, Samstag, den 19. November 1904'

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten).

lH Fulda, 19. Nov. 1904.

-f Der Bundesrat hat hie Mitteilungen het Re­gierungen von Schaumburg L'ppe und Lippe-Delmold wegen schiedsgerichtlicher Entscheidung des Li ppi- schen Thronstreites den zuständigen Ausschüssen überwiesen, ffienn nun auch in diesen Ausschüssen anb im Plenum die Sache leicht u ib glatt verläuft, so dürfte die Entscheidung deS Reichs ger'chtS doch immerhin noch einige Monate auf fich warten lasten.

Dre Kanalkommission deS Abgeordneten­hauses hat am Montag di- erste Lesung der Kanos. Vorlage beendet und den Rhein-- eine-Kanal mrt 18 gegen 10 Stimmen angenommen. Dakür stimmten daS Zentrum, die Rrtionalliberalen und Freisinnigen ( dagegen die Konservario-n mit 2 Ausnahmen und die Fretkonservatisen mit 1 AuSnabme. Den liberalen Kanalfreanden, denen ei sonst nicht hatte schnell genug gehen tonnen. ist jetzt, m-nn man ihrer Presse glaube» wollte, alle Freude an dem Mittellandkanal verdorben worden. Wa« sie sm st als ein großes nationale» Kultur werk gepriesen und als für die wirtschaftliche tzntwicktuag o» Landes unentbehrlich bezeichnet hatte«, wird jetzt verächtlich behandelt als -in öder verlassener Wassergraben, sür den man das Geld lieber sparen sollte. Der Kommisfioarbeschluß. wonach >ai staat­liche Schleppmonopol auf dem RH'in Letn-'Kaoal ein« gesührt werden soll, hat ihnen den Kanal stark ver­salze«. In der Presse werden die Wirkungen dieser Monopols in geradezu grotesker Weile auSgemalt. Das Monopol hat gewiß auch seine Schattenseiten, allein für so töricht sollte man die Regieru-g doch nicht halten, daß fie zunächst ein prar hundert Millionen für Kanalbauten hergeben vnv dann durch hohe Tariie jeden Verkehr auf dem Kanal unmöglich machen werde Je mehr die liberalen und groß- industriellen KanasreU'de ftch über kaS stattliche Schieppmonrpol entrüsten, um so eotschiedener bestehen seldssverstäadtich die „Agrarier" darauf, w-il fie immer deutlicher oie Gefahr erkennen, die der Kanal ohne daS Monopol sür die SiaatSfiaauzen uno die Land» Wirtschaft bringen würde. Daß die Liberalen nicht wegen deS Monopols den Kanal ablehnea werden, hat fich schon in der Kowwisfio« gezeigt. Dagegen hat fich die Erwartung, die Konservativen würden dafür stimme», nichr erfüllt. Im Plenum dürste in­des tin erheblicher Teil von ihnen fich nicht mehr ablebnend verhaften.

Zwi chen dem Evangelischen Bunde unbbet gewiß nicht katholikenfreuadlichen .Köln. Zeitung' har eine bemerkenswerte AuSeinaubrrsetzung stattge- fanden. DaS nationalliberale Blatt hielt dem Bunde vor, daß er die angebliche Unterscheidung zwischen Katholizismus und UltramontoniSmuS nicht beackte, sondern unter dem Vorgeberi, daß et nur den p litk scheu UltramontaniSmu» bekämpfte, die katholische Kirche, ihre Lehren und Einrichtungen selbst an^ieife m b daß er burch die .beavfichrigt- politische Betäti­gung den konfessionellen Frieden störe. Dre BundeS- prefle war über diesen „U- kenrus" und diese» „KukukS- e>", das dim Blatte ein waschechter Ultramontaner in» Netz gelegt haben wußte, natürlich sehr entrüstet. Bon einer Widerlegung der Behauptungen de» rheini­schen Matte» haben wtr indes nirgends etwa» gefun­den. Sie war eben unmöglich, denn die Anklagen

Ausgestoßen.

Bon Maurice de Beaumont. Deussch von

Helene Kremb».

16 --(Nachdruck verboten.)

irgendwohin we.de ich sicherlich gelange«, an rin Dorf oder eine Laodstaße," sprach fie; dort kann ich mich erkundige» und die verlorene Zeit ria- holen. Vielleicht haben auch die anderen pari qe- wacht unb folgen wir bald. Voran, Z pH«." S.e tret) ihr Tier ein wenig an

Der Pfad führte stet» den Berg hinauf, wenn­gleich er fich unter den Bäumen hielt.

Noch einige Male versuch: e die Reiterin, ein Le» ben»,eichen zu geben, aber eS blieb vergeblich, bis fie endlich unter einem mit roten Früchte» überladenen Kornelkirfchbaum einen (infamen Spaziergänger fitzen sah

E» war ein älterer Herr boo schwer mutigem Eieußern; fein Gesicht beschattete ein schwarzer Boll- •o«, schon mit Silberfäden kurchzcgen. Ec schien Lese» verliest, aber beim Nahen der Amazone er den Kkpf, iff rbar erstaunt, ein weiblicher W-s-n allein a» biefem Orte zu treffen.

„Mein Herr" bat Aiaree, neben ihm haltend, die Freundlichkeit, mir zu sagen, ov stthtt?d^d nfl<$ dem Wasserfalle von Queurenille »Ich bin nicht sehr bekannt in der Gegend, Ma- , ."»rwvnete der Fremde, artig grüßend; „ich glanbe jedoch, daß See fich in be kehrter Richtung be- finde». Der Wofierfall muß dort hinten, im anderen Hkhlwei sein."

Er zeigte mit der Hand rückwärts.

»Rau, daun muß die Gesellschaft eben ohne mich

berühr« auf Wahrheit. Uebrigen» hat die .Köln.Z'g.' selbst schon wieder den Rückzug angetrrtr». Sie tst ja im Grunde mit dem Bunde ganz einverstanden; auch fie will den Kampf geg-n den „U'.tramo. tavir- muS" und weiß kein- scha-fe Scheideleine zwilchen diesem und dem Kathvlizirmu« zu ziehen. Sie hatte nur einen lickten Moment gehabt, al» fie gegen den Bund vom Leder zog, und dabei war ihr vielleicht b-e Regierung, bet fie doch gern gefällig ist, d-h lflich gewesen. In konservativen, pnfiliv-ckristlichen Kreisen sträubt man fich erfreulicher Werfe nock h- met gegen de» Bund uns feine friederpörende Tätigkeit', wie­wohl jeder anständige Prttestant, der nicht mittun will, darauf gefaßt fein muß, daß die Bündlet ihn anpöbein und für einen „Verräter am Evangelium" erklären. In der ,Kre»zztg.' find mehrfache Stimmen der Klage darüber laut geworden, daß der Bund von den Kanzel» empfohlen und bereit» als kirchliche Ein­richtung behandelt wird.

Südwestafrika erhält einen reuen Goover- n ur in der P-rson des Genera!konfulS in Kapstadt v. Lindequist. Gouverneur Leutwein, von dem f» längst fetiftanb, daß er abgehen werde, tat zunächst einen Urlaub nachgefucht unb erhalten; von diesem wird er nickt nach Süd^estafrika zurücktehrrn. Al- General v. Trotha den Oberbefehl im Kampfe gegen die Hereros erhielt, sollte unb wollte er schon abgehen. Man beließ ihn aber notgedrungen auf feinem Posten, well zu vefütckten war, daß seine Abberufung den Aufstaus der Hottentctter stamme zur Folge haben würde. Nun ist dieser Ausstand doch eingetreten, einmal weil die Wvbooi» merkten, daß man fie ent­waffnen wolle, uno dann weil schwarze, a»S Amerika gekommene Agenten unter den Eingeborenen Süd­afrika» eine religiös verbrämte Bewegung hervor« gerufen haben, b-e fich auf die Verdrängung aller Weißen richtet. Nun ficht man keinen Grund mehr, Leutwein noch zu ballen. Eistweilen hat General v. Trotha die oberste Leitung bet @juöenteme»’t*» gefchäfte übernommen Generaltonful v. L'.nd>q»ist scheint da» Vertrauen der weißen Anfiedler zu ge­nießen und von ihnen längst als Gouverneur ersehnt worden zu fein, weil Leutwein ihnen zu nachgiebig, b. h. wohl zu gerecht gegen die Eingeborenen war. Was er auSrichten und wie lange es bauern wird, bi» es auch von dem neuert Gouverneur heißt, et tauge nicht», n erben wir ja f hen Einstweilen ist zu de« übrigen Aussiänssschen neuerdings bet HoUes- tottenstamm der No-d« Brlhmier gekommen. In mehreren Zrrsammer flößen unserer Truppen mit Herero» und Hottentotten Hüben unsere Truppen allerdings im Vorteil. Aber von der Niederwerfung deS AusstatckeS ist, wie man fieht, noch keine Rede. Inzwischen hat unS der südafrikanische Feldzug jetzt bereit» 140 Million en Mark gekostet, da» ist saft dreimal soviel, al» wir bi» dahin sür die Kolonie anfgegegeben hatten, se t wir fie besaßen, unb um bie Hälfte mehr, als in drei Iahten für die gefönte Kolonialpolitik an Zuschüssen auSgeworsen wurde. Wa» un» der Feldzug kosten wird, ist noch gar nicht abzusehen.

In Oesterreich gehen die Wogen der Aufregung über die Vorgänge in Innsbruck noch sehr hoch. Die „deutsch-nationalen" Studenten führen natürlich da» große Wort. Die italienische juristische Fakultät soll in eine Stadt mit italienischer Bevöfk-rung v-rlegt werden. — Im ungarischen Abgrordnetenhause gab e» wieder einmal wüsten Lärm, af» Minister präsidnt v. T »za die Aeuderung der Hausordnung befürwortet.

Ja Frankreich hielt Jamäs bei den Verhand­lungen über da» fravzöfifch-englische Abkommen eine Rede, in der er sogar von einet AnnShrring an Deutschland sprach, abrt auch wieder dmchbUcken ließ, daß diese Annähruag nur möglich sei, nachdem Deutsch­land Eliaß Lothringen herauSgegeb'n habe. — CombeS

wetterzi-hen, ich habe keine Lust, fie in bieiem Irr­garten zu suchen, sprach fie vor sich hin. „Ich kehre dann lieber nach Mont Dore zurück. Nichtwahr hierher?"

„Dort würden Sie nur mit Mühe durchkvwmen können! t» gibt da manche gefährliche Stellen.

„Wie daS? DaS ist unang-nehmet al» ich dachie. Ist nicht kü zlick ein Reiter vorübergekommen?"

„Ich habe Niemanden gesehen "

„Sa muß ich mich wohl evtschiietzen, ben Rückzug anzutreteit, da» ist da» Sicherst-. Wen» mich jemand hier suche» sollte, fo wolle» Sie wohl gefälligst an« geben, wo ich geblieben."

„Mit dem größt» Vergnügen."

Aim-e bedankte fich höflich und trabte eilig davon.

Der Fremde sah ihr »ack, bi» der weiße Schleier unter dem Blätterbache verschwand. Dana stützte er den Elboge» auf da» offene Buch unb horchte noch eine Weile auf bie verhallenden Hufschläpe. Endlich erhob et sich, strich mit der Hand übet bi- gefurchte Stirn unb folgte schweigsam unb traurig ben Spuren der lieblichen Reiterin.

Atzt, da Aimee nicht mehr ifj-en Gedanke» nach- hing, kam ihr der Weg viel gefährlicher vor. und fie würde mehr al» einmal von Schwindel ergriffen, wenn ihr Blick fich in d e Tiefe senkte. Unwillkürlich ver. anlaßie fie ihr Tier zu einer langsameren Gangart, uad diese« fügte fich gehorsam dem Zügel in lunbLet Hand.

Plötzlich tolebetboHie der Forst vom Echo ihre» Namen». Sie horch e und erkannt- die Stimme Gon- tranS.

Sie antwortete. Der Rui Haag immer näher, unb ba fie nun ihrerseits ihr Pfero wieder anspornte, brfanb ste fich halb an bet Seite De»daire»'.

„Endlich fiibe ich Siel" rief dieser. „Wo haben Sie den» gesteckt, schöne Ungetreue? Sell einer Stunde such:» wir nach Ih ren "

hat in bet Kammer die Vorlage über bie Trenn mg von Staat und Küche ei"gebracht; da« wird wohl den Block wieder eine Welle zusammenbalten. In dem Konfistorium am letzten Monteg hat Papst P>u1 X in einer längeren Ansprache seinen. Schmerz über bie Vorgänge in Frankreich bereiften Ausdruck gegeben

Er wie» die Anschuldigung, der hl. Stuhl habe da» Konkordat verletzt, zurück unb sprach die Hoffnung aus den schließlichen Sieg bet Kirche au». Allerdings, wenn die Katholiken Frankreichs so bleiben, wie fie jetzt find, fo berechtigen fie nicht zu allzu großem Set trauen auf ihren Sieg gegenüber den Kirchen­feinden.

In Italien find am Sonntag b e Stichwahlen ebenfalls zu Gunsten bet Regierung ausgefallen. Die extremen Parteien haben wett schlimmer abgeschnitten, ate fie et wartet halten. In einer Reihe großer Städte wurden ihre Kandidaten, besonder» die der Sozialdemokraten gescklagen. Die Katholiken scheinen fich ziemlich lebhaft an den Stichwahlen beteiligt zu haben.

In England macht die Regierung gute Mi-ne zum bösen Spiel unb erklärt, ste fei glücklich, daß durch den Zwischenfall bei der Doggerbant bet Friede nickt gestört werde. Rußland behauptet, daß ferne Schiffe nut auf japanische Torpedoboote geschossen haben; das andere sei nur ein unglücklicher Zufall und wenn die englffchen Schifferboote dabei Schaden gelitten halten, so sei das ihre eigene Schuld.

In Rußland macht fich der Widerwille der Reservisten gegen ihre Einberufung zum Kriege dieuste imn er von neuem in schweren Unruhen Luft. In Warschau wurden am Sonntag bei solchen Unruhen 10 Personen getötet unb 1 verwundet.

Aus dem ostasiatischen Kriegsschau­plätze find-n bei Mukden fortgesetzt allerlei Schar­mützel, Artillerie-Gefechte, nächtliche Uebetsälle ulto. statt, aber immer noch keine größeren Unternebmnnpen. Aus die Nachricht, die Jcp.ner hätten dir Off-nfio wieder aufgenommen, find nur Nachrichten über kleinere Gefechte gefolü». Bor Port Arthur scheint fich die Sage nicht wesentlich verändert zu haben Wir bie Dinge in uno vor bet Fipung stehen, ist überhaupt sehr unklar. Während man nach den japanischen Schilderungen jede» Augenblick den Fall Port Arthur» erwarten mußte, sollen die Japaner auch nach rus- fischet Darstellung noch weit vom Ziele sein, ja roch nicht einmal tin wirklicher Fcrt erobert haben. Der wieder aulgebefprte Kreuzer „Gromobvi" in Wla- diwcstcck ist bei seiner ersten Ausfahrt auf einen Felsen gestoßen und schwer beschädigt towben. — Gegenüber ben Versuchen de» Präsidenten Roosevelt, eine Ver Mittelung zwischen ben kriegführenden Parteien herbei- zufuhren, hat Rußland in Washington erklären lassen, e» werde den Krieg bi» zum äußersten fortsetzen, b h. bi» e» ben Sieg errungen labe, unb g-patte keine Einmischung. Et habe auch Geld genrg, den Krieg sortzusetzen. Warten wir ei ab.

In ben Bereinigt en Staaten ist Roosevelt, kaum daß leine Wiederwahl gesichert wat, mit «rem Plan einer erheblichen Verstärkung bet F'ofte hervor- cetreten. Ob die Meldung sich bestätige» wird, er beabsichtige gegen die Trust» vorzugehen und den Zolltarif zu ermäßigen, bleibt obzuwarten. Allzuviel Sorge werdenstch die Trustmagnaten einstweilen jeden« fall» nicht machen.

—■—■

Als er noch klein war.

Au» dem Französischen von Henry Lavedan. Deutsch von Ellen Godwyn.

«Also ich will Dir sagen, um was es sich handelt/ sagte Madame von Ptecy zu ihrem Satten, „ich will eS Dir sagen, ronn Du ge«

Hirnee lächelte und kühlte mit bemfnnen Batist- tuch ihre erhitzte Stirn

„Wo find b**-n unsere Freunde?" fragte sie.

„Einige in Q enreuilh, die onb-rn in den Wald­wegen auf der Suche nach dem entflogenen Schwerter- ting."

„Unb ich bin müde, sehr mübe."

„Dann steigen Sie ab unb ruhen ei» wenig aus dem weiche» Moorteppich."

Er sprang schnell vom Pferde und halfzdem jungen Mädchen au» d-m Sattel. Nachdem er die Zügel bet Reitst re on einen Baum befrfiigr, fttz'e er fich zu ihr unb schilderte die Unruhe bet ganzen Gesellschaft ob ihre» unerklärliche» Verschwinden» urb bie Anstalten, die man getroffen, um der „kleinen Fee"; welche sich­erlich auf einer goldenen Wolke in da» „Zauberland" versetzt, wieder habhaft zu toetben.

Aimee hörte schweigend ui\b ernst bie schönen Re­densarten on. Dann legte sie aus einmal die schmale Hand auf GonlranS Arm urb sah ihn in» Gesicht.

„Herr Teehaire», bat sie, lassen ro‘r ben Scherz beiseite. Ich habe Ihnen etwa» seht Wichtige» mit« zuteilen unb möchte dazu ben Augenblick benutzen, wo mir allein finb. Darf ich?"

Gowtan stutzte.

„Spreche» Sie, ich stehe ganz zu Diensten, Ge- lieble"

Die Stimme be» jungen Mädchen» zitterte.

„Mein Herr, ei handelt fich um Ihre Heirat-Pläne. Sind Sie vll-u Ernste» gesonnen, mich zu Jqrer Fra» zu nehmen?"

DsS Staunen ihre» Begleiter» wuchs.

„Wie? Sie zweifeln doch nicht an meinen Ge­fühlen ? I-, ich versichere e» hoch und heilig, Aimee, Du wirst die Meinige; ich schwöre e» Dtt!"

„Schwören Sie nicht, Gontran! Ihr Berfpreche» könnte Sie recht bald gereuen ..."

Er wollte antworten, aber fie wehrte ihm unb

31. IahrKlMli

ruhen willst, mir einig» Minuten Gehör zu schen­ken, denn es wird vielleicht etwas länger bauern.“

Er antwortete eisig: „Mit Vergnügen “

„Also böte,“ und ihre zitternde Stimme ver­riet ihre maßlose Erregung, „das Leb-n an Deiner Seite ist mir unerträglich unb ich bin fest ent­schlossen, es aufzugeben. Du bist ein vollendeter Edelmann, das erkenne ich« an, ich kann Dir nichts vorwersen, was die eheliche Treue betrifft. Du hattest immer den Anschein, mich nicht zu betrügen — aber auch ich habe mich feit jemm Tage, da uns der Maire die Gesetze des Kode vorlas, tadellos betragen. So haben wir uns gegenseitig nichts vorzuwerfen. Nein, was uns trennt, das ist die Verschiedenheit der Charaktere. Ich weiß wobl, daß es deren wenige gibt, die ubereinstimmen. aber bei uns . . . Alles, was ich tue, reizt Dich und ich vertrage Deine Art und Weise nicht. Meine Worte verdrießen Dich und Dein Lachen geht mir auf die Nerven. Nicht einmal das Stillschweigen verzeihen roir uns. We^en eines Hutes, eines KleideS, wenn es sich darum handelt, einen Stock oder einen Schirm zu nehmen, wegen eines zu stark oder zu wenig gebratenen Huhnes haben wir wahre Wntshaus- Szenen. Manchesmal sprichst Du zu House — sprichst, daß ich gezwungen bin, stumm wie ein Fisch dazusitzen und nicht ein Wort anbringen darf; ein andermal öffnest Du nicht den Mund und sitzest mit einer wahren Leichenbittermiene da. Ich muß lustig sein, wenn Du es bist, und traurig, wenn Du im Klub verloren hast; Du bist voll wechselnder Laune, Du duldest nickt den geringsten Widerspruch, Du läßt mich meine Sätze nicht zu Ende sprechen, wenn es sich um Drnge handelt, welche Dich nicht interessieren; eS ge­nügt, wenn ich eine Meinung äußere, daß Du Dich der gegenteiligen befleißigst. Du chikanierst meine Rammetjnngfer und bringst sie zum Weinen, und Dein gteultdjer Justin trinkt meinen ganzen Weinkeller aus. Kurz und gut, diese ewigen Auseinandersetzungen führen dazu, daß wir uns schwer zu vergessende Dinge sagen. AlleS an mir verdrießt Dich: bet Klang meiner Stimme, das v «täusch meiner Schritte, meine Kleider, meine Bewegungen, alles — ja selbst in biefem Momente errate ich es aus bet Art, wie Du mich anfiehst, baß Du mich cm liebsten zum Fenster hinauS- roetfen würdest!"

„Also?" sagte Herr von Precy.

„Also, lieber Freund, wir wollen dieses miß­lungene Experiment der gemeinsamen Lebens­führung abbrechen. Es ist weder Deine Schuld noch die meine — oder vielmehr unser beider Schuld, aber jedenfalls ist eS eine Tatsache — wir sind nicht sür einander geschaffen. Nichts steht unserer Trennung im Wege, zum Glück hoben wir kein Kind, welches wir uns gegensestig streitig machen könnten; wir besitzen j-der per­sönliches Verwögen — ich sehe nicht ein, wes­halb wir zusammen int Vogelkäfig bleiben soll­ten, um unS die Federn auszutupfen. Also Adieu! Ich ziehe mich zurück, um Aber das geeignetste Mittel nachzudenken, um unfern Bruch hetbeizusühten."

♦ * *

Herr von Precy hatte auf diese Sturmflut von Vor würfen, welche über ihn hereinb»ach.

senkte bie große» seelenvolle» Augen, indem fie sort- fuhe:

.Herr Deihiire», werde» Sie die Tochter einer Schauinielerin heiraten? . . . . b«n» Madame Tvltz- feeim iß eine solche.....Ich bin die Enkelin der

Saito Borlitir, die Tochter der Regina . . ."

Die Stimme versogre ihr. Sie barg da» Gefickt in den Händen, und dee Träne» brachen fich gewalt­sam Bavn.

Goavan war starr.

„Und Sie, Aimee?"

„<ech ? . . . o nein, ich bin keine Schauspielerin .. aber ick habe im Thea et Klavier gespielt. — So. jetzt wisse» Sie cllcS, wein Herr, ichlvß fie, fich stolz erheb-iid vnv ihre Wange» trocknend, mein Herz weigerte fich, Sie zu betrügen."

„Und das meinige weigert fich, fei» Wort zurück- zunehme», geliebt? Aimee," sagte er und küßte zärt­lich ihre Hand Ich s>oge jetzt gerade so tote gestern und wie morgen: w-Vst Du wein Weib sein?"

Ein wehm fügt# Lächeln um’pielte die Lippen der jungen Märchen». Sie setzte bapig ihren Hut wieder aus, b-stieg ihr Pferd und rief:

„Boran! Man ruft uns dort hinten. Höre» Ste nicht, Gontran?"

Der fich eitoeifeinte Psad führte bald zu einet Lichtung, wo eine Grippe von Reitern uud Reiterinnen die Säumigen eitojittte.

Aimee entschuldigte fich, durch ih«e Uaaufmerksam- keü die Verzögerung vernr-acht zu haben.

„Sivec Io hübschen kleinen Braut muß man schon e'waS verzeihen", war die artige Sntwort. Dann gino e» fckn ll weiter auf die brefte Landstraße, wo die Wagen der übrigen Gesellschaft boldeingehalt wurde».

„Aimee, flüsterre Gontran teiner Berlobre» noch zu, sage Nremandem em Wort von dem. wa» Du mir anveriraut. Da» gehört der Bergangerbeit an, da»ist vorbei Rechne jetzt nur mit der Zukunft!" (F. f.)