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monatsbeilagt: ,,8«löa« SeschichtLÄStter".

gutoa, Donnerstag, den 17. November 1904.

31. Jahrgang.

J« 263.

druck und Verlag der Zuldarr ActiendruLer«^ in Zulda (Harmonie;

Sernsprecher M° 9.

RojeigtB: Vie fpaltige peiitzeile »d« deren Rannt (5 psg. Reklamen die petttreil» 25 psg.; bei Wieder­holungen wird rntspr.

Rabatt gewährt.

L^SrinSttlohn «* ^Mrt, 1 «i- 60 Pt»

verantwortlicher W

«ch^stleiter:Ios.van«

KiÄ'««. wochenbeuagi:„Zlluftrierte Sonntagzzeitung"

Vie Abstimmung über die Kanal* Vorlage.

In der liberalen Presse fiiden wir nirgends Worwürfe gegen die liberalen Mitglieder der Kommission erhoben, weil sie für den Rhein- Äine-Kanal gestimmt haben. Wohl aber be­gegnen wir dem Ausdruck der Genugtuung darüber, daß die Linke den Au!schlag zugunsten des Kanals gegeben haben und weiter geben werden. Das dient auch zur Würdigung des Geschrei's über das staatliche Schleppmonopol. Das Monopol ist zwar sehr unangenehm, weil es die Vorteile, die der Kanal versprach, zu kürzen droht, aber der Kanal ist immer noch wertvoll genug, um nicht verschmäht zu werden. Der Lärm war „nicht so schlimm" gemeint. Zwar behält sich die freistnnnige BolkSxartei, wie die ,Freis. Ztg/ erklärt, ihre Schlußbestim- -mung vor und die Zustimmung wird ihr durch das Schleppmonopol außerordentlich erschwert, aber kein Mensch zweifelt mehr daran, daß alle Liberalen für die Kanalvorlage stimmen werden. Wenn sie auch „keine rechte Freude" mehr daran zu haben vorgeben, das Scheitern würde chnen sicherlich noch weniger Freude machen. UebrigenS wird es allem Anschein nach für das Schicksal Äer Vorlage bedeutungslos sein, ob die Frei­sinnigen dafür oder dagegen stimmen.

Daß die Abstimmung in der Kommission keinen Schluß auf die end gtltige Stellung, nähme der Konservativen zuläßt, geht auch auS der ,Kreuzztg' ziemlich deutlich hervor. Da die Ansichten der Partei geteilt find, sagt das Blatt weder jck noch nein, aber eS hebt doch sorgsam alle die Gründe hervcr, die für ein Abweichen von der früheren Haltung sprechen. Besonders auch rechnet die Krenzztg. eS der Re- gierurg hoch an, daß fie den Konservativen avf dem Wegs zur Verständigung ein gutes Stück entgeßengekommen ist und auf die Wiederher­stellung des alten BertrauenSverhältnisieS zwischen ihnen Wert legt, wiewohl sie mit der Möglichkeit rechnen darf, daß die Vorlage auch dann An­wendung findet, wenn der größte Teil der Kor.- seroativen dagegen stimmt. Sagt fie auch nicht, daß die Konservativen dafür stimmen möchten, so mahnt fie fie doch, fich sorgfältig die Folgen zu vergegenwärtigen, die ihre Stellung, nähme haben können.

WaS meint fie damit? Uns scheint, wir find hier glücklich wieder auf dem politischen "Gebiete angelangt. Die Kreuzzeitung freut sich über die Wiederherstellung des Vertrauensoer. hältniffeS ihrer Partei >ut Regierung und strchtet seine abermalige Störung, wenn durch die Schuld der Konservatioen die Vorlage scheitern sollte.

In einem Artikel des .Tag' müht der frei- konservative Freiherr v Zedlitz fich ab, den

Ausgestoßen. !

Von Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene Krernb».

14 ------ (Nachdruck verboten.)

Armes Kind! Zuviel Geheimnisse umgaben bis jetzt ihr junge» Leben, al» daß fie nicht gefürchtet bra Schleier zu zerreiße», de» das Geschick vor ihre Zaknvst gezogen, konote, durste fie blindlings den Ratschlägen ihrer MMter folgen, d-ren Be- trage« so ost einen Sturm der Entrüstung in ihrem Innern beschworen, den ihre kindliche Achtung und Liebe kaum zu bezwingen vermochten? Ja, wenn el einzig auf ihre Neigung angtkommen wäre, so hätte fie von Herze» gern die fich ihr darbietende Hand er- griffe». Ter ritterliche «vntran war ,hr außeror- denlich sympathisch, er schien eigen zum Glück einer Frau geschaffen. . . . Aber jede-mal, wenn «imee sich vornahs, der Mutter Wunsch zu erfüllen, dann hi lt die kalte Hand der Vernunft sie vo» dem entscheidende» Schritt zurkck. Sie betete, wtinte und 81 iw Stille». In einer Pause zwischen Konzert tob Abendunterbaltung schrieb fie an Roll:

„Mr in Freund, wie ist da» Leben doch so schwer! Wieviele Beräuderungen im menschlichen Dasein, wie- viel Schatte» und Dunkelhett! O, ich bitte Dich, wmm' «st zu Hülfe mit Deiner Erfahrung, damit ich einen Weg au» diesem Labyrinht finde, i» de« ich »ich wehr verirre. An we« soll ich wich wen- den, wenn nicht an Dich, meinen Bruder?

,3» deinem letzt-« Briefe verlangtest Du, mehr von Herrn Gontta» Deihoir-S zu erfahren; ich dachte dawal» nicht, daß die» Schreibe» ausschließ­lich von ihm handeln würde.

,Al» ich deine Zeile» la», kam eben Muller mit der unglaublichste» und verwirrendsten Reuigkeü, idle fie wir Hütte dringe» kitnneu, nämlich daß Herr 1

| Konservativen begreiflich zu wachen, daß sie die Kanalstreitaxt begraben und für den Kana stimmen mußten. Nachdem er die wirtschaft- lichen Gründe auSemandergesetzt, kommt er schließlich mit den „hochpolitischen" Er­wägungen hervor, die die Wiederherstellung des vollen Vertrauensverhältniffes zwischen der Krone und den Konservativen wünschenswert, ja notwendig machten. Die Sache ist sehr einfach: Di-Konservativen dürfen drmZentrum nicht das Verdienst überlassen, die Ver- ständigung in dem Kanalstreike herbeigeführt zi haben. Es sei schon verkehrt genug gewesen, ihm die Initiative zur Verständigung zu überlaffen, aber diesen Fehler könne man in gewissem Grade noch wieder gut machen, wenn man jetzt kräfti zugreife, als wesentliches Glied in die Verstän- digungsmehrheit eintrete und fich so auch die vollen politischen Vorteile der Beendigung des ! Streites sichere. Man solle sich hüten ins Hintertieffen zu geraten. So kann nach der Ansicht des sreikonservativen Führers „die Be- grabung der Kanalstrettaxt für die stetige Fort- führung der gesamten inneren Politik in staats- erhaltender Richtung von der allergrößten Be­deutung werden".

Man sieht sehr deutlich, was Ottavio erreichen möchte. DaS Zentrum soll mög­lichst bei Seite gedrängt und zwischen den Konservativen und Nationalltberalen, die das tiefe Wasser des Mittellandkanals Iah elang so recht nicht zusammenkommen laffen wollte, sol eine enge Verbindung bergestellt werden. Das braucht Freiherr v. Zedlitz und die fceikcnser- vative Partei für die kommende Schulvorlage. Man möchte einen möglichst dicken Keil zwischen Konservative» und Zentrum t: eiben. Läßt sich die Kanaloorlage unter den obwaltenden Um­ständen nicht zur Entfremdung von Konser- vatioen und Zentrum verwenden, so läßt fich durch fie doch vielleicht die Kluft zw scheu Konser­vativen und Nationalliberalen ausfüllen.

Allem Anschein nach wird aber F'hr. von Zedlitz nicht erreichen, daß alle Konservativen „in die Verständigungsmehrheit ein treten.“ Die twisten scheinen draußen bleiben ,a wollen. Die .Deutsche TageSztg/, die im Gegensätze zur .Krzztg.' die Gründe hervorhebt, die nach ihrer Anstcht für die entschiedene Ablehnung deS Ka­nals sprechen, gibt nach wie vor die Kanalfreunde auf der Rechten auf etwa 40, vielleicht noch auf ein wenig mehr an. DaS wäre also noch nicht ein Drittel. Daß Frhr. v. Zedlitz gerade in diesem Augenblick mit seinen politischen Gründen herausplatzt, hält das Blatt „für sehr ungeschickt und unangebracht. Seine eigenen Parteigenoffen, die zunächsi gegen den Kanal seien, müßten eS unangenehm empfinden, daß die Konservativen fich dadurch bestimmen lassen würden, die Vor­lage anzunehmen. Wir haben aber doch bereits gesehen, wie euch die.Kreuzzig/ politischen Er­wägungen nicht ganz unzugänglich zu sein scheint. Freilich wird ihr nicht» ferner liegen, als die Unterstützung der sreikonservatto nationalliberalen Bestrebungen in der Schulfrage.

Wir warten in Ruhe ab, ob und welche

Terhalle» fich mit der Abficht trage, um meine Hand anzuhatten.

„Mama ist überglücklich in dieser Aussicht auf eine glänzende Stellung und ein großes Verwögen, da fie beide» feit jeher für ihr Kind t-Sumte.

„vch, ich etfrmte ihre mütterliche Sorge gebüh­rend o» und danke ihr aufrichtig dafür. Aber, Roll, sollte eben di se blinde Liebe fir nicht bewo- aen Haber, falsche Wege einzuschlagen, um zu ihrem Ziele zu gelangen? Sie hat mir nämlich einae- standen, daß fie ihr Beste» getan, um de» gegenwär­tigen günstigen Stand der Dirge hcrbeizuführ-n und — soll ich e» Dir sagen? Der Hauptgrund meiner Uaentschlvffenheit ist gerade die Furcht, daß die Be­werbung GontnrnS vielleicht nur eine Frucht der Machenschaften meiner Mutter ist

„Roll, da» qiätt und peinigt mich.

„Soll ich ihn, der so gut und vertrauend avifiebt, täuschen? Ihn in Unwifferh.it laffen über unsere gesellschaftliche Stellung, über da» Vorleben mei­ner Muiter und unsere Armut? Er hält u»S für reich, für sehr reich Wäre er mög ich, daß er mich deshalb zur Frau begehrt? Doch nein, ich darf ihn nicht verleumde ; er ist so edel, so aufrichtig und uneigennützig!

„Sag mir, waS ich tun soll!

»Ihn heiraten? ES wäre daS fieilich der beste Weg, um auf Immer dem Theater be» Rücken zu kehren und meiner kranken Mutter ein friedliches und sorglose» Da ein zu berette».

„Arme Mama! Wie würde sie so glücklich fein tn dem hübschen Schloß Mouffero», daS für die Frau Gontran» bereit steht! Die Ruhe, daS Wohl­behagen »ny unsere Zärtlichkeit warben ihr bedrohtes Lebe» faust verlängern . . .

„Diese Rücksichten, mein lieber Roll, könnten mich bestimme», schnell ja za sage».

„Und daun muß ich auch gestebeir, daß Herr DeShaire» viele gute Eigenschaft« besitzt; er hat sich unser in so ltebenSwürdiger Wesse angenommen,

politischen Folgen die Erledigung der Kanalfrage haben wird. Wir find auf alles eingerichtet.

' Deutsches Kekh

Berlin, den 15. November 1904.

* Eine bedeutsame Kundgebung des Kardinal-Erzbischofs von Köln. Auf einer Bezirksversammlung der katholischen Ar­beitervereine des Bezirks Köln -Mülheim, welch« am Sonntag im Prunksaale der Bürger- gesellschaft zu Köln flattfand, hielt der hoch- würdigste Herr Kardinal-Erzbischof Fischer eine längere Rede, in welcher er zunächst seiner großen Freude über den guten Besuch der Ver­sammlung Ausdruck gab und die Bedeutung der Arbeit vom Standpunkte des Christentums schilderte, hm fich darauf in höchst bemerkens- werter Weise über drei wichtige Organisationen: die katholischen Arbeitervereine, die christlichen Gewerkschaften und den Volksverein für daS katholische Deutsch­land, auszusprechen. Wir geben den auf diesen Grgsnstand bezüglichen Teil der Rede nach einem Berichte der »Kölnischen Volkszeitung' im Wort­laute wieder:

Laste» Sie mich meiner Freude Ausdruck geben, daß hier in der Altstadt und in der Neustadt und in dem ganzen Bezirke, auS dem Vertreter hier erschienen sind, die katholischen Arbeitervereine blühen u n d g e d -ih en. Ich will weiter »»fügen, wir eSmich freut, daß in der ganze» Erzdiözese, di« große Städte und Jndustriedezirkr mit zahllosen Arbeitern hat, die Arbeitervereine durchgängig recht blühend sind. Ich wünsche, daß eS auch weiter so fern möge! Jchüchltrße mich dem Wunsche an, der vorhin hier »eäußert wor­den ist, daß dir Verrtne immrr mrhr ar briten mögen, immer mehr Mitglieder zählen mögen, daß der Berrrur immer mehr sich bilden mögen in der Erzdiözese. 88 sind ihrer noch nicht genug, und in riuzrlaen Vereine« find noch nicht Mitglieder genug. «8 müfstn noch mehr Vereine entsteh«». Die bestehenden Vereine wüsten zunehmen an Zahl der Mitglieder, die einzelnen Vereine wüsten untereinander tn Verbindung stehen, daß ste tn geschlossener Reibe, ich möchte sage», Mann an Man», für ihre Jnteresten emtrete» «uv «egen jene Front machen, die ste anfeinden. Die Ar- beiterverrine find nötig, nützlich und fegen8r»ich, sie gewähren religiöse Belehrung, schützen Sie vor Öen Gefahren, belehren Ste über Ihre Standes- en und Ihre Rechte, schulen Sie, daß Ste Ihre Ideen auch nach außen vertreten können. Darum noch- mal, mein Wunsch ist, die Arbe terveteine mögen blühen, gedechen,^wachsm^ christlichen Gewerkschaf- ten ernannt worden. Ich benutze gern die Gelegen­heit, hier zu erklären, daß der preußische Episkopat den christlichenGewerkschaftenwoblwollend gegenüberstrht. (Stürmischer anhaltender Beifall.) Ich darf dieses namentlich mit aller Entschieden- heit »on mir sagen. Ich freue mich, daß die christ- lichen Gewerkschaften hier in der Erzdiözese tmm«c mehr fich aukbrette» und gedeihen. Ich wünsche auch vo» ihnen, wie von de» Arbeitervereine», daß fie noch mehr fich auSvehnrn und gedeihen; viel mehr Mit­glieder wüsten fie zähle», damit fie de« große» Auf- gaben gewachfe» find. (Lebhafter Beifall.)

Ich möchte die G.legenheit auch benutzen, mn meiner Freude Ausdruck zu geben, daß ein Verein, der in Köln «rtstanden ist, von hier auS tn nuferer Erzdiözese sowett sich verbreitet hat, und nun durch daS ganze Deutschland verbreitet ist, ein Verein, der

baß ich davon gerührt bin und seine Freunbltchkeit oet güten möchte,

„Aber ist ti ihrlich, fein Vertrauen zu täuschen? Nein, nein, ich will ih« nicht betrügen, ich werbe ja sage», ober ihm gleichzettig Aufklärung geben. Er soll erfahren, war wir waren, wa» wir find, wer ick> bin . . . Ach, wüßte ich ei nur selbst!

„Nell, ich bin zu Tode betrübt. Schreibe mir unb u.te deiner

Airnee.

Drei Tage später, mit wendender Post traf die khnltchst erwartete Antwort im Römerhotel ent. Der jurge Mau» gab damit seiner kleine» Freundin den größten Beweis vo» aufrichtiger u»d selbstloser Er­gebenheit.

„Freue dich, liebe Aimee, Du hast mehr Grund dazu, al» dich zu bettüben. Warum immer grübeln und fürchten?

Wa» wich be'rfii, so bin ich krob über da, glückliche Geschick, da» deiner wartet. I tzt kannst Du Lebewohl fegen dem Thea er, den ermüdenden Nachtwache», hem lärmenden Treiben der Jahr- wSrtte, wie dem Umherzehe» cuf d-n Landstraßen bei Wind utb Wetter und unter jedem Himmel», str-ch. Weine Heine Aimee wird ei» ihrer würdige, H-im finde» und dessen Sövigtn sein

Ich muß Herr» Desha res schon Wege« der Wahl achte», die er getroffen Ich glaube auch nicht, daß Regina sich in ihm getäuscht ha», denn auf diesem Gebiet leint fie fich er», und üierdie, hat itzr Mutterherz fie ficherlich richtig gelt« et. So nimm ih» doch Simee, he rate ihn und er wiedere feine Liebe durch drin Vertrauen. Mache ihn giück.ich, da er e» verdient.

Aber da dein redlicher Ginn fich weigert, ihn über deine Lage int Unklaren zu laffen, fo sei offen gegen ihn md söge ihm einsach alle», wa. Du selbst weißt. Wenn e» ihm ernst ist mit seiner Werbung, wenn er Dich lutt, fr trüb deine A»s-

für die Arbeitervereine wie für dir christlichen Gewerk­schaften und dir Pflege der sozialen Jnteresten vo» entscheidender Bedeutung ist, ich meine den Volks- verein für daS katholische Deutschland. ES freut mich, dem verehrten, verdienten Präfidenteu deS Vereins, der gestern fein 70. Lebenswahr vollendet bat, meine innigste Anerkennung dafür zollen zu dürfen, waS er für diesen wichtige» Verein grwirtt. Anerkennung gebüdrt aber auch den tüchtigen Männern, die ihn umgeben, Geistlichen und Lairn, die in Wort und Schrift tätig find, die guten Grundsätze zu verbreiten, und noch jüngst — ich habe selbst Gelegenheit gehabt, daran teilzuaehmen, — einen sozialpolitischen Rnifu in M.-Sladbach abgehalten haben, an dem anßer Priestern auch viele Laien und namentlich mehrere Arbeiter teil- genommen haben. Der BolkSveretn ist von ent­scheidender Wichtigkeit für unsere Interes­sen im katholischen Deutschland, namentltch auf sozialem @<Mete. Ich wünsche, daß er fich immer mehr verbreiten unb Segen stiften möge.

Hoffern lich werden diese Worte deS Hochw. Herrn Kardinals überall diejenige Beachtung finden, welche fie verdienen, unb so dazu bet» rragen, daß die Bedeutung der oben erwähnten Organisationen immer mehr gewürdigt wird.

* Arbeit für de» Reichstag. Der Wie- derzusammentritt des Reichstags steht bevor; in den Tagen vor Weihnachten wird nur die erste Lesung deS Etats und der neuen Mili­tärvorlage vor fich gehen; andere Vorlagen stehen nicht zur Verfügung. In reichlich einer Woche aber kann dies alles erledigt weiden; aber doch wird man nicht daran denken können, schdn in den ersten Dezembertagen wieder Ferien Eintreten zu lassen. Der Reichstag hat vielmehr noch eine alte Schuld einzulösen. AIS im Februar dieses Jahres die Beratung an die vielen sozialpolitischen Resolutionen vor fich gehen sollte, da hat Präsident Graf Ballestrem im Jntereffe der frühzeitigen Verab­schiedung deS Etats jvorgeschlagc», diese Reso­lutionen erst nach der EtaiSberatung nacheinan­der zu erledigen; das Zentrum fügte fich nur höchst ungern diesem Wunsche. Da aber alle an­deren Parteien hiermit einverstanden waren, wollte eS allein nicht widersprechen. Der Etat wurde fertig und der Reichstag kam nicht mehr zu diese» Resolutionen. 9lun ist die Session nur vertagt, nicht aber geschloffen worden; alle Re­solutionen sind also roch alS unerledigt vorhan­den und es finden sich hochwichtige unter den­selben; deren Erledigung ist sowohl im Jntereffe des Arbeiterstandes, wie des Handwerks und Kleinkaufmannes dringend geboten. Wir hallen nun die Zell vor Weihnachten für einen äußerst günstigen Termin, diese Resolutionen zu beraten und zu erledigen. Der Reichstag hat doch nicht nur zu verabschieden, was ihm die Regierung vorlegt, sondern er hat das Recht und die Pflicht, auch von sich aus die Volkswünsche zur Gel­tung zu bringen, und diese finden wir namentlich in den Resolutionen der Zentrums-Fraktion ver­dichtet. Die Resolutionen befaffen fich mit dem Maximal - Arbeitstage, dem Arbeiterschutze, Bergrecht, Reichs - Arbeitsamt und der Be- rufSzählvng, dem Befähigungsnachweis und LehrlingSwefen, der Jnvaltdenverficherung, der Sonntagsruhe, dem unlauteren Wettbewerb, der Fleischbeschau und den Wünschen der Privat- bramten. Da her Reichstag im Vorjahre ss

richttgkeit ihn rühre«, unb er muß Dich um so mehr achten,

Wa» jvll ih Dir roch mehr schreibe«, Hebe Man»? Daß re» Herz e» schwerempfiabet,Dich nicht mehr zu sehe»? Ich war so an Dein ttsbes Gefichtcher-, an Dein heitere» Wesen gewöhnt unb freute mich Deiner schwesterlichen Zuneigung . . . Na» bleibe ich allein, ganz allein auf der 8384t! .

Aber wa» ist bei? Em >r»uriger Harl-lin? Ein unzufriedener Bvjrzzo! Da» soll ein schöner Küvsilrr sein! Wern dar bet Direk or wüßte! . .

Lebewohl, Armee; sei glücklich, dann werde auch ich e» sei». Meine Gedanken folgen Dir immer, unb ich verbleibe fi-Is m Freundschaft

Dein Roll."

Simee la» den Brief mehrmals unter Tränen. Ein Gefühl unaussprechlicher Melancholie zog burch ihre Seele

„0, ich werde Dich nie vergessen, mein guter Roll, mein Beschützer unb 83tübet 1" dachte fie.

Dann rahme» ihre Gedanke» eine andere Richtung, unb ihre Augen lerrchle-e» au'.

„Mutter wirb glücklich sei«; ich werbe Sontra» heirater», aber er soll vorher alle» wiffe», ja alle», . . . wa» auch immer daran» werden mag.*

Tie» letztere sprach fie ganz laut, ohne zn beachten, daß der Doktor Buiffrn gerade über bie Teraffr ging unb flch ihr räherte.

„Oh, ob, gnäbig-r Fräulein, scherzte er, Sie fassen ja schon fiü) morgen» ganz heroische Borsätze: Tue bas Rechte, wo» auch immer folgen kau»! Der Wahlspruch ist würbig eine» Roland», ritterliche» An gedenket». UebrigenS haben Sie recht; solche SiusbfStze finb bie beste» im Sehen.*

Sie sah ihn eiwae verwttrt an und antwortete nur burch ein LSch l».

„Verzeihen Sie mir, wer» ich vorw'tzia gewesen bhf, fuhr er etwa» ernfter fort, ober ich Hao« soeben Ihre Fra« Mutter besucht und möchte mit Ihnen reden.* (F. f)