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Dru«! und Verlag N KuldaerActiendruckeO ie Sulda (harmonich' Fernsprecher Nr, 9.

Jg 260.

goto«, Samstag, bett 12. November 1904.

31. Jahrgang.

♦ Der erste katholische graaentag.

liebet den Verlauf des ersten katholischen grauen tageS, der anfangs dieser Woche in Frank­furt a. M. abgehalten wurde, schreibt der Be> richterstalter der ,Köln. VolkSztg/: „Ich gestehe offen, daß ich mit manchen Befürchtungen im Herren nach Frankfurt a. M. reiste, wie die katholischen Frauen in die neue Rolle sich finden würden, und ich glaube, es wird vielen ebenso ergangen sein wie mir. Aber was ich nach dem schönen Begrüßungs-Abend schreiben konnte: „Die Frauen zeigten sich der neuen Situation gewachsen," muß ich am Schluffe für die ganze Tagung wiederholen. Die ganze Ver­sammlung war durchweg auf der Höhe, und wie mir, so ging es vielen: man war aufs angenehmste überrascht von den Leistungen, welche in Frankfurt geboten wurden.

Da ist zunächst die äußere Ordnung der Veranstaltung zu nennen. Es war alles so vor­trefflich vorbereitet, wie wenn es von geübten Arrangeuren von Versammlungen gemacht wor­den wäre. Von dem Begrüßungs - Abend habe ich dies bereits gesagt; von allen anderen Ver­sammlungen gilt das gleiche. Im Saale, in welchem die Versammlungen stattsanden, sorgten junge Frankfurter Damen in liebenswürdigster Weise für die Ordnung. Auch für die Preffe zeigte der junge Frauenbund großes Verständnis; es war ihr ein eigener Tisch angewiesen worden, der an einem sehr guten Platze aufgestellt war; Äuch in der Festverfammlung hatte man die Presse nicht vergeßen. Und als ich meinen ersten Be­richt zur Post bringen wollte, trat eine junge Dame auf mich zu und erklärte, sie wolle gern das Amt übernehmen, die Korrespondenzen zur Post zu bringen, und sie hat ihres Amtes so ge­wissenhaft gewaltet, daß kein einziger Bericht verspätet abging. Für das äußere Arrangement gebührt namentlich dem vorbereitenden Komitee m Frankfurt der wärmste Dank.

Angenehm überrascht war man auch in bezug auf den inneren Gehalt der Versammlung. Eine temperamentvolle Dame meinte, es explo­diere hier die „komprimiert? geistige Kraft" der katholischen deutschen Frauenwelt. Und mit Recht. Die einzelnen Referaten bewiesen, welche große geistige Kraft in der Frauenwelt steckt, die seit­her nur im verborgenen arbeiten und daher nicht in der wünschenswerten Weise sich entfalten konnte. Auf dem ersten katholischen Frauentag wurde dieser Bann gelöst, und die weibliche geistige Kraft trat in die Oeffentlichkeit. Was auf den einzelnen Gebieten von den Frauen be- rests geleistet wurde, ist staunenswert; aber eS bestand die Gefahr, daß dies alles auf wenigen Augen stehe und nicht die Ausdehnung finde, die ihm gebührt und die es besitzen mutz, wenn es auf die Dauer von Bedeutung bleiben soll. Auf dem Frauentag ist es der Oeffentlichkeit über­geben worden. Von den Führerinnen auf den einzelnen Gebieten wurde der Funke gelegt, der nun Feuer entfachen soll in ganz Deutschland.

In geradezu musterhafter Weise wurden bte Referate Über Arbeiterinnenfrage, christliche Mäd- chenerziehung, Fürsorge, kaufmännische Gehilfinnen, Mädchenschutz und Bahnhossmisfion erstattet. Es waren nicht leere Phrase«, die vorgebracht wurden, sondern alles war aus dem Leben ge­schöpft. Die Frauenseele vertiefte sich in die Frauenseele, das Frauenherz sprach ans dem Frauenherzen. P. Bonaventura sagte in seiner herrlichen Rede, über die Frau könne eigentlich nur die Frau reden. Eine Illustration zu diesem Satze war der ganze Frauentag. So kann nur die Frau über die Notlage und die Bedürfniffe der Frauen reden, wie wir es in Frankfurt ge­hört haben. Und dabei war es kein leeres Ge- klingel, sondern sachliche ernste Darlegungen, die jedem Forscher zur Ehre gereicht hätten.

Soll ich die Frankfurter Tagung auch mit der vorigjährigen in Köln und der diesjährigen in Berlstn vergleichen? Nun, dann fällt der Begleich nicht zu ungunsten von Frankfurt aus. Ich habe die beiden anderen Versammlungen ge- nau verfolgt, und ich muß gestehen, die Frank­furter Referate standen jenen deS deutschen und des internationalen Frauenkongreffes an nichts »ach. Nur ein Unterschied bestand: die Frank­ster Tagung stand unter dem Zeichen des Christentums und der katholischen Kirche, wäh­rend man anderwärts von diesem Standpunkte überhaupt nichts oder nur Anklänge hörte.

Die allgemeine Anschauung ging dahin, die «ste Generalversammlung des Katholischen Frauen­bundes stand völlig auf der Höhe. Und das

Verdienst davon batte der Vorstand, der gewaltig gearbeitet haben muß, um eine solche Versamm­lung zustande zu bringen, und geschickt die besten Referentinnen zu gewinnen gewußt hat; das Verdienst davon haben diese Referentinnen selber und alle Damen, welche in der Diskussion durch ihre tiefe Sachkenntnis die einzelnen Probleme zu vertiefen wußten; das Verdienst davon haben alle Teilnehmerinnen, die ihr Jntereffe für die Frauenfrage und die Frauenbewegung bewiesen.

Es waren erhebende und lehrreiche Tage, so erhebende, wie ich sie ttotz vieler Versammlungen, die ich mitgemacht habe, nicht oft erlebte, so lehrreiche, da sie so vieles Neue boten. Wer noch vor den Frankfurter Tagen an der Lebens- fähigkeit eines katholischen Frauenbundes ge- zweifelt hat, ist eines befferrn belehrt worden. Die erste Generalversammlung hat den Be­fähigungsnachweis erbracht. In der ka­tholischen deutschen Frau steckt so viel geistige Kraft, daß sie im öffentlichen Leben in der der Frau geziemenden Weise mit Erfolg sich be­tätigen kann. Daran ist kein Zweifel mehr übrig nach der ersten Generalversammlung des Frauenbundes. Dieser Bund wird nun seinen Weg machen. Er bedeutet eine Macht, so groß wie die Kraft der deutschen Frauen.

Nun gilt es wettet zu arbeittn und hinaus­zutragen in die ganze deutsche katholische Frauen­welt, was in Frankfurt angeregt wurde. Der rührige Vorstand und der Ausschuß werden eine große Arbeit zu bewältigen haben. Wir haben nach allem, was wir in Frankfurt gesehen haben, das festeste Vertrauen, daß diese Arbeit geleistet wird. Und dann wird allmählich der Bund ganz Deutschland umspannen und die geistige Kraft der Frau in ganz Deutschland mobil machen, zum Segen unseres Vaterlandes und zum Besten der katholischen Kirche. Dem katholischen Frauenbünde aber rufe ich zum Schluffe den Wunsch zu, den Redaktion und Verlag der »Köln. Volksztg/ am Begrüßungs- abend ihm gedrahtet haben: Dem jüngsten Sproffe des katholischen Bereinslebens blühende Entwickelung unö köstliche Früchte!

Berlin, den 11. November 1904.

* Zum Kapitel „Evangelischer Bund «ud Politik" erhält He »Kreuzztg/ von einem Mttgliede der Generalsynode eine Zuschrift,-wo­rin Beschwerde darüber geführt wird, daß am letzten Sonntage ein Geistlicher in einer „Refor­mations-Predigt" in warmen Worten auch auf die segenbringende Tätigkeit des Eoangelischen Bundes aufmerksam gemacht habe. Dieser Ver­such, den Evangelischen Bund auf die Kanzel zu bringen, habe ihn, sagt der Briefschreiber, ge­radezu erschüttert. „Gewiß will ich. bemerkt er weiter, keinem Geistlichen, dessen Auffassung über den Eoangelischen Bund der meinigen wider­spricht, das Recht bestretten, ihn in Druckschriften und öffentlichen Versammlungen zu loben und zu empfehlen. Aber auf die Kanzel gehört ein solches Lob nicht. Jeder Geistltcher weiß und muß wissen, daß die Meinungen über den Evan- gelischen Bund gerade in gläubigen Kreisen ge­teilt sind. Wenn er es für erlaubt hält, dessen Tätigkeit anf der Kanzel zu loben, so besteht die Gefahr, daß auch die Anhänger der entgegenge­setzten Auffaffung in ihren Predigten auf die Be­denken Hinweisen, die sie gegen die Tätigkeit des Eoangelffchen Bundes haben. Für sie läge es doch sehr nahe, ihrer Gemeinde am Resormations- feste darzulegen, daß man die römische Kttche nur auf dem Boden des reinen und lauteten Evangeliums, nicht aber mit äußeren Mitein, am allerwenigsten durch den Versuch einer Be­einflussung der staatlichen Politik bekämpfen dürfe und daß deshalb die Tätigkeit deS Bundes, so- wett sie sich uicht'auf die unmittelbare Pflege und Kräftigung deS inneren Slaubenslebens beschränk^ durchaus uneoangelisch fei. Eine Entschuldigung des Geistlichen „wegen seines unüberlegten Vorgehens" steht er in der Taktik der Führer deS Bundes, darin, „daß man jedem evangelischen Christen die Pflicht zuweisen möchte, sich in der Art der Be- kundung seiner eoangelffchen Gesinnung genau nach den Vorschriften des Bandes zu richten, daß man jeden, der nicht im Sinne dieser Taktik redet und handelt, als Verräter an der evan- gelischen Sache brandmarkt und verketzert, kurz, daß man für den Bund und die evangelische Kirche die Stellung beansprucht, die der Papst in der römischen Kirche hat. Die Zeichen mehren sich, daß die Führer des Bundes beflissen find, den Bund zu einer organischen Mnrichtung der evangelischen Kirche zu machen. Deshalb haben

sie darauf gedrungen, daß die Prooinzialsynoden und die Generalsynoden zur Entgegennahme eines Berichtes über die Tätigkeit des Bundes veran­laßt worden sind. Sie haben auch erreicht, daß mehrere Kreis ynoden sich mit dem Bunde soli­darisch erklärt und einige derselben sogar die Veranstaltung von Kirchenkollekten für den Bund bei der Generalsynode angere t haben. Mich erfüllt diese Entwickelung mtt schwerer Sorge um unsere evangelische Kirche." Der Prediger, den der Verfasser der Zuschrift gehört hat, ist sicher nicht der einzige, der auf der Kanzel den evangelischen Bunv empfiehlt. Zu Hunderten und tausenden werden sie das tun. Und in welcher „feindlichen", ,.duldsamen" Tonart mag es geschehen, zumal am „Reformationsfeste"!

* Ans Dentsch Südweftafrika. Wie Gou­verneur Leutwein aus Rehoboth telegraphiert, hat er einen Brief Hendrik Witboois er­halten, in dem dieser nach einigen religiösen Wendungen wörtlich sagt: „So hat jetzt Gott aus dem Himmel den Vertrag gebrochen." Dann bittet er, seine gefangenen Leute freizulaffen, da sie unschuldig an seinen Werken seien. Die Hauptursache deS Aufstandes ist nach Leutweins Ansicht fraglos religiöser Wahn­sinn, hervorgerufen durch einen Propheten aus der Kapkolonie, welcher sich zur äthiopischen Kirche rechnet und Mitte dieses Jahres eine Zett lang in Windhuk in Hast gehalten wurde.

* Mit dem liberalsoziald emokrati- sche« Bündnis, welches in Mainz für die Stadtverordnetenwahlen abgeschlossen worden ist, will der.Vorwärts' sich durchaus nicht einver­standen erklärten. Nach den Uebercintommen erhalte« in Mainz die Demokraten drei Sitze (drei scheiden auch aus), die Sozialdemokraten sechs (zwei scheiden aus), die Nationalliberaleu vier (fünf scheiden aus), die Deutschsreifinnigen drei (fünf scheiden aus). Außerdem wird man den Parteien ein keiner Fraktion angehörender Stadtverordneter wieder aufgestellt. Der.Vor. wärtS' erklärt, daß das Verfahren der Mainzer Genossen auf vollständiger Verkennung des Zwecks der soziiüdrmokratischen Teilnahme an den Ge­meindewahlen beruhen.

** Zur „Rnffifiziernng der deutsche« Universitäten" berichtet der.Vorwärts': „Ein Kaisers. Ruff. Stabsarzt, Dr. med. und Hofrat, der zum Zwecke weiterer wissenschaftlicher Studien auf Allerhöchsten Befehl ins Ausland komman­diert ist, wollte vor kurzem als Zuhörer einige medizinische Kurse auf der hiesigen medizinischen Fakultät belegen. Es wurde ihm jedoch die Er­laubnis dazu fettens der Universitäts - B-hörde nicht erteilt mtt dem Bemerken, er könnte nur als immatrikulierter Student Kurse belegen. Als der Stabsarzt mit noch einigen Landsleuten zur Immatrikulation erschien, wurde ihm, sowie den anderen Herren mitgeteilt, daß die russischen Staatsangehörigen nur noch mit besonderer Aus­kunft über deren politische Zuverlässigkeit seitens der deutschen und russischen Polizei zur Imma­trikulation zugelaffen werden können. Der Stabs­arzt hat dann seinen Paß aus dem russischen Auswärtigen Amte vorgelegt, aber erfolglos. Erst nachdem die polizeiliche Auskunft eingelaufen war, wurde dem Stabsarzt die Immatrikulation ge­wahrt." — Daß die Universitäts - Behörden sich die russischen Studierenden etwas genauer an­sehen, ist ganz berechtigt. Uebereiser brauchen sie dabei aber nicht zu entwickeln, und wenn sie dabei einmal Pech haben, wie im vorliegenden Falle, so ist das als Warnung vor allzu großer Liebedienerei ganz nützlich.

• Graf Piicklrr - Klein Tschtre« verbreitet jetzt ein Sntaaten, in dem er sich mit dem Beschluß deS Gerichts beschäftigt, worin feine Zurechnungsfähigkeit bezweifelt wird. Er nennt eS eine Schmach und Schande, daß ein deutsches Gericht ihm, dem Retter des BaterlandeS, ein solches Zeugnis auSstellen konnte. Seine Freun be ermuntert er: „Fort mit den veijodeten Gerichten!" Im übrigen erUärt er: „GS wird fortge- droschen!" SS wird hohe Zeil, daß über den Geistes­zustand deS G asen ein fachmännisches Gutachten ab­gegeben wird.

(*) lieber den „RusseuknrS" regt sich der .Vor­wärts' fett einigen Tagen wieder auf. Eine russische Studentin, die er zuerst Fräulein Berson nannte, jetzt aber beträchtlich deutlicher Fräulein Bärfon nennt, wird im Berliner Polizeigefängnis festgehalten. Die Dame, die angeblich aus der Durchreise nach der Schweiz war, hielt sich hier seit Wochen gemeinsam mit einem russischen Studenten bei dem russischen An­archisten Karfunkelstein auf, ohne daß die Herrschaften eS für nötig oder klug fanden, von ihrer Anwesenheit der Polizei die vorschriftsmäßige Mttteilung zu machen. Der Polizei kam die Person verdächtig vor und sie wurde festgeuommen. Der waekere Anarchist Kar- funkelstein hatte die edle Bescheidenheit, auch die Re­daktionen der bürgerlichen Blätter um Verteidigung seiner Schutzbefohlenen zu ersuchen, mußte sich indes mit dem Beistände deS .Vorwärts' begnügen. Dieser macht nun täglich großes Geschrei, weil die Polizei dem Fräulein Bärson (nicht m-hr Berson), angeblich die Zuziehung eines RechtSanwaltS verweigert mit der Begründung, daß sie gar feiner strafbaren Handlung verdächtig fei. Er behauptet, die Polizei scheue die Gerichte und wolle im Geheimen und nach eigener

Will ur dem russischen Absolutismus ihre Dienste leisten. Wir finden keinen Anlaß, uns der russischen Anarchistin, denn eine solche ist sie ohne Zweifel, und ihres Beschützers Karfunkelstein wegen zu erwärmen. Wir können eS vielmehr nur als neue Frechheit be- an en, daß solche Leute sich überhaupt über unsere zei zu beschweren wagen. Anscheinend wird Frl. Bärson so lange festgehalten, biS die russische Polizei über sie Auskunft gegeben hat. Nach den Erfahrungen, die man aber erst im KönigSberger Geheimbund-Prozeß gemacht hat, finden wir daS allerdings recht Aber- flüssig, und wenn unsere Polizei Frl. Bärson an Ruß­land auszuliefern beabsichtigen sollte, so ist daS schon gar nicht nach unserem Geschmack. So dienstwillig brauchen wir wirklich den Russen gegenüber nicht mehr zu fein. Es genügt, den unliebsamen Gast einfach aus­zuweisen. Dagegen würde außer den Anarchisten und Sozialdemokraten kein vernünftiger Mensch etwas ein­wenden.

(*) Ans der katholischen Schriftsteller­welt. Es ist erfreulich, daß auch die lathol. Schriftsteller sich immer mehr bemühen, sich den verdienten Platz zu erobetn. Vielleicht durfte es von Interesse fein, einmal festzustellen, wie groß die Zahl der hitholifchen Schriftsteller gegen­wärtig ist. Hierüber erhalten wir zuverlässige Auskunft in dem eben erscheinenden 7. Jahr­gang von Keilers katholischem Litera­tur kniender, den Karl Hoeber im Verlage von Fredebeul u. Koenen in Essen herausgibt. Dieser Kalender verzeichnet rund 3100 Schrift­steller, von denen 1676 dem geistlichen Stanse (476 dem Ordensstande) angehören. Die Zahl der Redakteure, die auch als Schriftsteller tätig sind, und der Berufsschriftsteller beträgt 274. Ebenso groß ist die Zahl der Seminar- und Volksfchullehrer unter den Schriftstellern. Dann folgen Philologen 203, Historiker 177, Juristen 106, Beamten, Kaufleute und Private 86. Ma­thematiker und Naturforscher 66, Aerzte 3*«. Bon den Schriftstellerinnen verzeichnet der Kalen der 155. In Preußen sind 1026 kath. Schriftsteller und Schriftstellerinnen ansässig; von',ihnen entfallen auf das Rheinland 475, auf Westfalen 191, auf Hannover 46, auf Hessen-Nassau 71, auf Bcylesten 136, Sachsen 30, Brandenburg (mit Berlin) 37, Ost» und Westpreußen 40. Ferner habe« 739 katholische Schriftsteller ihren Wohnsitz in Bayern, 87 in Württemberg, 85 in Baden, 71 in Elsaß-Lothrivgen, 49 im Großherzogrüm Hessen. Aus Oesterreich-Ungarn sind 715 Schrift­steller aufgenommen, aus der Schweiz 78, aus den Vereinigten Staaten vor-. Nordamerika 60, aus Luxemburg 51, aus Holland 42, aus Italien 33, aus Dänemark 6. Bei Vi sen fremd­sprachigen Ländern handelt es sich selbfioerftänd- Itch nur um katholische Schriftsteller deutscher Nationalilät bezw. solche, die sich der deutschen Sprache bedienen. Ueber die katholischen Dichter in Oesterreich bringt der neue Jahrgang von Keiters Literaturkalendcr eine gehaltvolle bio­graphisch-literarische Studie, auS der man ersteht, daß auch dort der stetige Nachwuchs junger Kräfte für die Zukunft ein erfreuliches Gedeihen der katholischen Literatur verheißt. Ueberhaupt bildtt der neue Jahrgang von Keiters Literatur­kalender einen Beweis für die eifrige Tätigkeit der Katholiken auf den verschiedensten Gebieten der Ltteratur, der Kunst und Wissenschaft.

* Königswnfterhanfe«, 11. Noo. Der Kais er traf gestern nachmittag 4 Uhr mtt Ge­folge hier ein und besichtigte zunächst das Blin­denheim. Abends wurde im Schlosse ein Ta­bakskollegium abgehalten. Heute morgen 9 Uhr begab stch der Kaiser mtt Gefolge nach der Dubrow, wo Treibjagd auf wilde Schweine und Hirsche stattfindet.

’ Der rrWch'japanische Krieg.

Statthalter Alexejew, der unglückselige Schöpfer deS russischen AngriffSplaneS ist am Donnerstag in Petersburg eingetroffen und wie Wolss'S Bureau berichtet, „mit großer Be­geisterung" empfangen worden. Dazu liegt nach den Taten Alexejews eigentlich gar kein Grund vor und es scheint unS denn auch eine Privat- meldung der .Magd.Ztg.' auS Petersburg mehr daS Richtige zu tttffen, worin gesagt wird, daß Alexejew ein sehr kühler Empfang berettet worden sei. Er sei jetzt beim Zaren eudgiltig in Ungnade gefallen.

Aus der Rordmandschnrei hat General Ssacharow wieder ein langes Telegramm an den Zaren geschickt, worin von kleinen Vorposten- gefechten berichtet wird. Sonst ist alles still, auch Über die Lage in und um Port Arthur find keine neuen Nachrichten ringet rossen.

Die rnsfifche Mobilisierung läßt viel zu wünschen übrig. In Breslauer Blätter finden wir folgende Nachricht von der russischen Grenze. Obwohl vor kurzem eifrig mobilisiert wurde, ist doch ein großer Teil der Mannschasten noch nicht nach dem Kriegsschauplatz befördert worden. Der Leute bemächtigt sich von Tag zu Tag eine wachsende Panik, und immer lautet und dro her.»