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Artta, Freitag, den 11. November 1904.

31. Jahrgang,

{ IJeutocbes-Reicb

Berlin, den 10. November 1904.

§ Herr Fabrikbesitzer Franz Brandts in M.-Gladbach, einer unserer bekanntesten und verdientesten katholischen Volksmänner und Sozial- Politiker, der seine wahrhaft christliche und seine echt soziale Gesinnung allezeit nicht nur in der Theorie und in Worten und im .stillen Kämmer­lein", sondern im praktischen Wirken und in der Orffentlichkeit im weitesten Umfange betätigt hat, begeht morgen (>2. November) seinen 7 0. Ge­burtstag. Ec wurde am 12. November 1834 in M. Gladbach geboren und bat in dieser seiner Vaterstadt vorzugsweise seine segensreiche Tätig­keit entfaltet. Als er im Jahre 1872 eine eigene Fabrik gründete, begann er sofort mit dem Aus- bau von Wohlfahrts - Einrichtungen, zu deren Vermattung er einen Arbeiter-Ausschuß heranzog. Bei der Gründung von Arbeiterwohl, Ver­band katholischer Industrieller und Arbeiterfreunde wurde er zu dessen 1. Vorsitzenden gewählt, der er bis heute blieb. Zweck des Verbandes war Gewinnung seiner StandeSqenosien für die Orga­nisation der Wohlfahrtspflege in den Fabriken, Ausbreitung der kathol. Arbeiter-, Arbeiterinnen-, Jugend-, kaufmännischen Gehilfinnen- rc Vereine; ferner Förderung der Arbeiter-Gesetzgebung durch Itterarische Propaganda, Ausarbeitung von Denk­schriften über Gesetzentwürfe rc. Nach dem Vorbilde von Arbeiterwohl wurde unter Mitwirkung der Regierungs-Präsidenten v. Berlepsch zu Düffel­dorf der Verein für Gemeinwohl gegrün­det. Brandts war Mtlbegründer der gemein- nützigen Altten-Baugesellschaft zu M.-Gladbach, die bereits annähernd 600 Wohnungen hergestellt hat; der Wohnungsverein zu M.-Sladbach und die Krankenküche zum Zwecke der Verabreichung von ärztlich vorgefchrtebener Krankenkost an rekonvaleszente Arbeiter in M.-Sladbach, die ersten Einrichtungen dieser Art, find seine! eigensten Schöpfungen. Bei Gründung des I Volksvereins für das kathol. Deutsch­land 1890 wurde Brandts auf ausdrücklichen Wunsch WindthorstS zum 1. Vorsitzenden ge­wählt. den er btS heute blieb. Auch dieser heute über 400,000 Mitglieder zählende Verein trägt das Gepräge seines Geistes. Brandts war be­teiligt an der Gründung der Zentralstelle für Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen in Berlin und der Gesellschaft für soziale Reform. Dreißig Jahre war Brandts in führender Stellung im Stadtverordneten. Kollegium seiner Vaterstadt tätig und gewann nachhaltigen Einfluß auf die wirtschaftliche Entwickelung der Stadt. Während dieser Zeit war er auch Or­ganisator und Führer der Zentrum spartet im Wahlkreise M.-Gladbach. Ja seiner Wohnung im JosephShause trafen sich seit Jahrzehnten seine Mitarbeiter und führende Sefinnungsge- noffen zu Beratungen wichtiger Interessen der deut-

I schen Katholiken. Drr kettende Gedanke dieser viel­seitigen erfolgreichen Tätigkeit ron Franz Brandts war, die Katholiken Deutschlands anzuregen, zu organisieren und zur Leistungsfähigkeit zu er« ziehen in energischer Beteiligung an allen kulturellen Fragen unserer Zeit. Seine bis h-ute unge­schwächten frischen Kräfte gestatteten ihm, neben seiner erfolgreicher Tätigkeit als Industrieller und Kaufmann auf allen Gebieten, wo er führend oder mitarbeitend sich betätigte, Werke zu schaffen, die fat die große Gesamtheit reiche Früchte trugen. ES war seinen gemeinnützigen Sinnen eine Befriedigung, dem Gesamtwoh mit feinem Vermögen und ferner reichen Geisteskraft zu dienen. Kaiser Wilhelm II. zollte ihm die Anerkennung durch Verleihung deSWilhekmS- ordens bei dessen Stiftung. Papst Seo XIII. und PiuS X. zeichnete ihn durch Verleihung des GregoriusordenS und wieder hotte Huld- beweife aus. Die Katholiken Deutschlands, die Franz Brandts schon lange hochgeschätzt, werden an feinem 70. Geburtstage in dem Wunsch einig fein, es möge ihm noch lange Jahre ver« oönnt sein, in der bisherigen ungefchwächten Frische der Kräfte seinen hervorragenden Platz, besonders im katholischen Leben seines Vater­landes. auszusüllen.

—* Mit der Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren in Skierniesoice ist eS nichts. In Berlin ist von der in AuS- wärtigen Amte, noch bei Hofe, noch tn der russischen Botschaft etwas bekannt. Erne Ein­ladung deS Kaisers von Rußland, ihn zu besuchen ist an den Kaiser nicht ergangen, ebenso wenig hat Kaiser Wilhelm die Absicht kund gegeben, den Kaiser Mkolaus aufzusuchen. Der .Peters­burger Korrespondent des ,Berl. Tagebl/ muß jetzt selbst zugeben, daß man im russischen Hof­ministerium die Gerücyte über eine Zusammen­kunft als gegenstandslos bezeichne. Wie es in den Fällen Brauch ist, wo der Herrscher eines besreundeten Nachbarstaates die Grenzgebiete seines Reiches aufsucht, wird der Kaiser von Rußland gelegentlich der Truppenbefichligung, die er dieser Tage in Suwalkt abhalten wird, dort im Auf­trage des deutschen Kaisers von dem komman­dierenden General des I. Armeekorps General der Infanterie Fhr. v. d. Goltz und dem Ober- Präsidenten der Provinz Ostpreußen v. Moltke begrüßt werden. Das ist alles.

§ Für die wegen Majestätsbeleidiguug Verurteilten wird vom Kaiser daS Begnadi­gungsrecht feit einiger Zeit in um« faffendster Weife ausgeübt. Wie ein Ber­liner Lokalblatt berichtet, wird dem Antrag auf Begnadigung so gut wie ausnahmslos Folge gegeben, wenn der Verurteilte Bevölkerungs­schichten angehört, in denen der geringere Bil­dungsgrad und mangelnde Erziehung (in rohes Wort schnell sprechen laffen. Ebenso erfolgt die Begnadigung fast stets bei solchen Personen, von denen angenommen werden darf, daß sie sich der Tragweite ihrer Aeußerungen gar nicht be­wußt gewesen find, oder daß fie in einem Zustande gehandelt haben, der wie bet Trunkenheit die ruhige Ueberlegung ausschließt.

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Zrrusprecher Ur. 9.

-Und dann kommt daS Andenken au Dich, Freund Roll. Ich höre deine Stimme so nutz und gu», »een Du nicht Harlekin oder Bajaüo bist, mir sagen: ,lRet und Kotwertrauen, Ürner, sieh nach oben und verfolge dein Weg!" Du hast et mir so oft gesagt, hab ,— — — —--- — ,—, . und ich vergesse eS nicht. Nach oben wo da» L cht,

•tienffant Mama findet großen Gefallen die Ruhe und der Flieden herrschen! Ja, e» ist »:e Aufmerksamkeiten, welche er ihr erweist, I nötiget als je. Deine Mahnung za beherzigen. Ich

... -3ch vrrabscheue daS Leben, welcher ich angenblick- ,A_lthre, u«b trotzdem hat et mich in seinen Baun Sachlage,; e< lockt mich, wie der tiefe Abgrund den >agehalfigen Bergßriger anzieht.

«eine ich, daß eS auch tn dieser leicht- sorglosen Menge noch gediegkue, achtungS- ick!! Archen gebe. Ich will Dir verraten, daß 5 ”BfH solchen guten Freund gefunden habe. E» ^.V-rr Kontran Deshairer, ein liebenswürdiger, vor- N»er Pariser, ein geistreicher und edelgefinnter jung:« Ich sehe ihn oft; er pflegt lange Unterhai mit nur — bald ernst, bald heiter, immer ; taten ff an t. Mama findet aroßeu Gefallen

rechtfertigen überdies geuugfam die gute Meinung, die fie von ihm hegt.

„Meinerseits erkenne ich in ihm mancherlei gute Eigenschaften, die seine freundliche Offenherzigkeit noch erhöht, und ich bin sicher, Freund Roll, daß auch Du ihn gern haben würdest, wenn Du seine Bekanntschaft machtest.

»Ich höre ibn auf der Terrasse; er hat den AuS- flug nach den Wasserfällen aufgegeben, weil er ver­nahm, daß Mama nicht wohl |ei, und sich angeboten, ihr später ein wenig bte Zett zu vertreiben. Ist da» nicht aufmerffam? Diese zarte Rückficht rührt mich um so mehr, al» ich mich von let Selbstsucht in der modernen Gesellschaft zu überzeugen oft Gelegenheit hatte, wenn fie auch unter bim Firniß der Höflichkeit verborgen wird.

„Ader steh doch! ich selbst scheine vorn Egoismus angesteckt; bett nun habe ich schon viele Seiten nur von meinen eigenen Angelegenheiten vollgeschrieben. Zürne mir, aller Freund! Mehr al» je hätte ich Deinen Schutz tmb Deinen Rat nötig.

„Zwar sehe ich bie Gefahren noch nicht, die mich ans dem ungewöhnlichen Lebenswege, den die Bor- sehnng mich führt, umdräuen, ober ich ahne fie. In meiner Brust herrscht ein feit amer Zwiespalt: ich will nab will nicht ... ich bewundere und verachte . . . ich verabscheue, und doch fu-te ich alle diese Nichtigketten die da» Dasein der Weltrneuschen aui- macheu. . . . Und plötzlich sehe ich bann in der Ferne da« kleine, weiße Hau», ba» gesegnete Hett» meiner kindlichen Träume, unb meine Augen werden naß.

aelegenheiten führt der Staatssekretär Gras von PosadowSky, im Ausschuß für Justizangelegenhetten Justizminister Schönstedt, Referent der vereinig­ten Ausichüffe ist der sächsische Gesandte Graf Hohenthal-Vergen. Falls das Urteil des Schieds­gerichts, was, wie die , Post' meint, kaum zu er­warten ist, gegen die Bisteifelder ausfallen sollte, wird Graf-Regent Leopolo sofort auch die Re- genischcfc niederlegen. Wenn der geisteskranke Fürst Alexander jetzt plötzlich vor dem Urteils- fvruch deS Schiedsgerichts stirbt, wird Graf Leopold bis zur Urteiltfällung des Schiedsgericht- die Regentschaft weiter führen. Die Wüsterfel- der Linie wird ihre Ansprüche auf den Thron erst bann geltend machen, wenn das Schiedsge­richt zu Ungunsten der Bisterfelder entscheide» sollte. An Bemühungen von bückeburgischer Sette, die Wüsterfelder Grafen zum Verzicht auf ihre eventuellen Thrononsprüche zu bewegen, soll es nicht gefehlt haben. Wie das genannte Blait hört, soll man den Wüsterfelder al8 Ent­schädigung für den Verzicht nicht blos hohe Geld­summen, sondern auch Rangerhöhungen usw. an« geboten haben. Eine Annahme aller dieser An­erbietungen ist nicht erfolgt. Die Vereidigung deS Detmolder Bataillons wird in aller kürzester Zeit erfolgen.

(*) Im Monat September d.J. find auf den deutschen Eisenbahnen — ausschließlich der bayerischen und der Bahnen mit weniger als 15 km Betriebslänge — 14 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 8 bet PersonenzÜgen), 1 Zusammenstoß auf freier Bahn (Auffahren eines Personenzuges auf einen Güterzug), 26 Zu­sammenstöße in Stationen (davon 5 bei Personen­zügen) vorgekommen. Dabei wurden 1 Bahn­bediensteter getötet, 20 Reisende, 31 Bahnbedien­stete und 4 Postbeamte verletzt.

* Gegen das Duell °U«wes«r hat Papst PiuS X. am 20. Oktober gegenüber dem Ver­treter eines Wiener Blattes eine öffentliche Kund­gebung von der größten Wichtigkett angekündigt. „Für heute," sagte der Papst, „kann ich nur so­viel sagen, daß das Duell von allen SefichtS- puntten, nicht nur vom religiösen Standpunkte aus, als eine dumme und unsinnige Sach« betrachtet werden muß (cosa stupida e senza aeneo), eine Sache, deren Existenz man noch in den barbarischen Zeiten des Mittelalters ver­stehenkann, die aber in den heutigen Zeiten ganz unverständlich erscheinen muß. In jedem Falle ist das Duell, welches das Schwert zum Richter erhebt, ein Unfinn, weil das Schwert blind und taub ist (perehe la rpada e cieca e sorda), und man hat schon mehr als einmal gesehen, daß terjenigf», welcher recht hatte, und der zum Duell seine Zuflucht nahm, als Opfer auf dem Platze geblieben ist.

* Straßburg. 10. Nov. 1904. Tas Lokal­komitee für die nächstjährige Katholikenver­sammlung hat sich, wie schon kurz gemeldet, gebildet. Den Ehrenvotsitz hat der Hochw. Herr Bischof Dr. F.itzen übernommen. Die Katho- likenoersammlung wurde auf die Tage vorn 20. bis 24. August 1905 festgesetzt. Als vom Zentralkomitee eingesührte Neuerung brachte

Mädchens und wmf einen seidenen Glanz über ihre schwarzen Locke».

Die Sänget in folgte dem Blick Gontrau» mit Be­friedigung.

„Wissen Sie, woran ich denke, gnädige Frau?" fragte letzterer mit seinem versöhnten Lächeln. „Daß höchstens der Pinsel eine» Rembrandt ein so reizende- Bild wiedergrben könnte, ab Ihr Zimmer augenblick­lich darstellt. Man vermeint nicht an einem wild­fremden Orte, sondern im gemütlichsten Heim zu sein. Wa» gäbe ich darum, wenn wir Drei un» so ver­einigt fänden in meinem lleinen Schloß Mousservn, ba» wie ein Nest ganz im Grünen liegt l"

Aimee senkte Da» Köpfchen tief über ihre Arbeit, um ihre innere Bewegung tu verbergen. Ein Heim! wett vorn Lärm Der Welt, b lebt allein von der Matter und einigen Freunden . . . ja, da» war wieder da» Ideal, da» Dorado ihre» Sehnen» und Trachten-.

„Sie haben Recht,* erwiderte Regina, deren Augen vor Freude leuchteten. .Nicht» geht über ein glück­liche» Familienleben. W-» mich betrifft, so gefällt mir der Aufenthalt an der See oder im Badeorte nur deshalb, wett er uns nachher den Zauber de» eigenen Herde» um fo besser empfinden läßt."

„Jawohl, aber ist diese Rückkehr nicht mtt Bitter» kett gemischt, — wie alle Freuden übrigen-, — wenn man allein heimkomntt, am in mit getäuschten Hoff­nungen, mit verflogenen Illusionen?"

Er sprach diesen Satz fo gefühlvoll, so traurig, und schaute dabei io sehnsüchtig nach Aimee, daß diese, tanz üeitohrt, die Seidevst ahne in ihrem Arbeit-- !orb in Unordnung brachte. Ohne e» mucken zu lassen, »eobachtete Regina im Spiegel die Haltung ihre» Ge- ellschasters. Dabei antwortete fie scheinbar gleichgültig, ndem fie mit den Ringen an ihren schlanken Fi.igern pleite:

„tber, mein Lieber, Sie werden ja schwermütig!" »Wie soll.e mau nicht, gnädige Frau? E» gibt >m Leben fo ernste Stunden!"

(Fortsetzung folgt.)

Ausgestoßen.

Bon Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene KrembS.

10 ------ (Nachdruck verboten.)

»34 fthk, daß sie leidet, und trotzdem kann ich vermiügt fein unb an allen Zerstreu« uzen teilnehmen. O Roll, wie ist bie Welt so verführerisch. Manchmal bin ich geneigt, ihr ba» „gallische Theater" vorzu­ziehen. Dort ist wenigsten» nicht so viel Eigenliebe — man lebt nicht allein für fich selbst. Hier bin ich mein eigener Abgott: Lob und Schmeicheleien machen mich glücklich. Ich muß beständig gesucht und um- i orben fein; die Einsamkeit ist mir widerwärtig, mich d tlangt nach Lärm und Auflegung. Soll ich e» Dfl { iehen? Ich langweile mich tn meinem Zimmer . .

löst bei meiner flanken Mutter!

„Hatte ich diese» Leben zu finden erwartet, wenn ich «ich sehnte von der Bühne sortzuflmmen? Ist bitS die Zukunft, bie ich erträumt, und bie ich so oft b°n Gott erbeten? — Gott? . . . Rein, Roll, er W keinen Platz hier, und ich — ich vergesse ihn, wie diejenigen vergesse, die mfl bisher lieb und wen waren.

Eine generelle Verfügung besteht allerdings nicht, : doch herrscht beim Justizministerium die Praxis, Anträgen, die von Verurteilten der bezeichneten Art kommen, das wohlwollendste Entgegen- : kommen tu bezeigen un) dementsprechend an allerhöchster Stelle zu befürworten. — Diese Neuerung ist mit Genugtuung zu begrüßen im Interesse d«r Monarchie.

* Der Ministerialdirektor im Rerchspofiamte Witiko ist am Mtttwoch abend im 67. Lebens­jahre infolge Herzschlags gestorben. Erstand an der Spitze der 4 Abteilung, die daS Per­sonal-, Etats-, Kossen- und Rechnungswesen zu bearbeiten hat. Vor seiner Ernennung zum Direk.or hot er dem Reichspostamt schon eine Reihe von Jahren als Vortragender Rat ange­hört. Auch war er stellvertretendes Mitglied des BundeSrats. Als solches hat er wiederholt im Reichstage gesprochen. •

* Der Reichstag ist bekanntlich bis 29. dS. Mts. vertagt und wttd voraussichtlich auch zu biefem Tage von der Regierung einberufen. Der Etat wird tn den ersten Tagen nach dem Zusammentritt vorgelegt werden, seine erste Lesung dürfte die ganze Ar bett des Reichstages in diesem Jahre werden, da die Handelsverträge vor den Weihnachtsstrien kaum fertig gestellt fein werden. — Die einzelnen Fraktionen werden beim Zuiammenttitt des Reichstags in folgender Stärke ein ziehen: Den sch-Konservalioe 52 (am 16. Juni bei der Vertagung 53), Reichspartei 21 (21), Deutsche Reformpartei 8 (7), Wirtschaftliche Ver­einigung 13 (13), Zentrum 103 (103), Polen 16 (16), Nation all, berate 51 (51), Freisinnige Vereinigung 10 (10), Freisinnige Volkspartei 20 (20), Deutsche Volks Partei 6 (6), Sozialde­mokraten 77 (78), bei keiner Fraktion 17 (19). Während der Vertagung haben die Konservativen und Sozialdemoflaten also je ein Mandat, die Wilden zwei Mandate verloren, die Antisemiten ein Mandat gewonnen. 68 sind gestorben während der Vertagung: Deppe (b. k. F.) für Schaum­burg-Lippe, Fürst Herbert Bismarck (b. k. F.) für 3. Magdeburg, Schmidt-Magdeburg (Soz) für 7. Magdeburg, nieder gelegt hat sein Mandat Dr. Drösther (konf., 2. Mecklenburg-Schwerin), dessen Mandat von der Wahlprüfungskommisfion für ungrltig erklärt worden war. Ersatzwahl hat bisher nur für Deppe stattgefunden, für den Beustermann (Antts.) gewählt worden ist. Er- ledigt find demnach 3 Mandate (3. unb 7. Magdeburg unb 2. Mecklenburg-Schwerin), bei ber Vertagung am 16. Juni waren alle Manbate besetzt.

* In ber heutigen B«nde-ratSfitz»«g wurde die Mitteilung der Regierung von Schaum­burg-Lippe unb Lippe wegen schiedsgerichtlicher Erledigung des Thron st reit es den zustän­digen Ausschüssen überwiesen. Da 2 bis 3 Tage vergehen dürften, ehe die betreffende Bundesre­gierung ihrem Vertreter die nötige Weisung ae- gegeben habe, so werden die beiden Ausschüsse nach der .Post' erst in einigen Tagen ein Be­schluß f. ff en können, und erst wird daS Plenum des BundeSrats über die Eingabe beraten. Den Vorsitz in drin Ausschuß für die Berfaffungsan- hätte nicht gedacht, daß e» hier unten so viel Nebel, fo viel Schmutz gäbe!

»Lebe wohl, Roll. Dieser Brief hat mir gut ge­tan; ich sühle mich leichter, denn ich weiß, daß Du mich verftthst."

,Wo wirb da» »gallische Theater" fein Zelt auf» schlagen, wenn e» Marseille verläßt? Ich erwarte demnächst Deine Antwort

,Da kommt Herr (Bontran, jebenfaü» um fich nach Mama zu erkundigen. Adieu mein Freund ..."

Aimee hatte fich nicht geirrt. Kaum war ihr Brief geschloffen, gl» etn leise» Klingeln bie Kranke aus­weckte unb in die Wangen be» jungen Mädchen eine Helle Röte zauberte. Sie warf da» Schreiben schnell in ein Gefach unb lief zuerst zur Mutter, bie fie herz­lich küßte.

»Mama, ich glaube, ba kommt Herr Desheire»; willst Du ihn empfangen?"

„Dtffne nur, Liedchen," fagft bie Schauspielerin mit feinem Lächeln.

Sie richtete fich balb auf und musterte im gegen­über hängenden Spiegel ihr kostbare» Hauskleid.

E» war in der Tat der Pariser. Hcflich unb zu­vorkommend erkundigte er pch nach d-m B finden ber Kranken und erzählte bann in feiner witzigen Weise von ben kleinen Begebenheiten be» läge».

Aimee hatte fich an ba» mit kirschroter Selbe ver­hangene Fenster gefetzt unb stickte e ne hübsche vlu- menguixlanbe auf ein weise» Dickchen, während fie fich auch an der Unterhaltung beteiligte.

Al« man ben letzten Ball, die Ankunft be« Lord H, die Abreise de» Herzog» ft., sowie bie Erfolge ber berühmten Madame B und ba» ausnehmend präch­tige Wetter genugsam erörtert, stickte be» Gespräch einen Augenbl ck, und Gonflan, ben Kopf lässig in )ie feine, Keifte Hand gestützt, betrachtete bewundernd >ie flnken Bewegungen ber Nabel in Aimee» ge­rieten Fingern.

Ein Sonnenstrahl huschte eben durch die Vor­hänge und schimmerte rvfig auf ben Nacken be» jungen

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Zunahme der ww- ä^eiertagt- viertel- ®»rLBejug»pret» vringerlohi, und «eltelgelb in $nlba unb ^Wt, IM. 5« psg

Verantwortlicher

Maer W Zeitung

Schristleiter:Zos.Sanm

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