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Maer

Zeitung

monafsbtitoge: „Sttlbtttt GeschichtMSttek".

31. Jahrgang.

Sntoa, Montag, den 7. November 1904.

M 255.

Sajeige«: Vie «v- kpatttge pttiizril« bereu Bant* (5 pfg Beflaeten bit petitM; 25 pfg.; bei Nieder« Holungen wird rntspk

Babatt gewährt.

gntwortlicher

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15|5dtrteee. viertel« K1.8t$*8«prets See vringerlohn nab Skgdbin$nlban*b dÄMU 1 »f- 50 Pffl

Druck und Verlag be» 8aldaer Actienbruckere> in Kilba (Harmonie?

Serufprechee Ur.

wocheilbeilage:„IllustrierteSonntagrreitung"

Berlin, den 4, November 1904.

** Wiewohl auch „antiultramontane" Blätter die berühmte „Ansprache" des Kaisers a« de« Bischaf von Metz bereits preisgegeben und sie als Erfindung oder als Gatpre be­zeichnet haben, mag der wahrheitsliebende,Reichs- bote' auf den kostbaren Fund immer noch nicht verzichten. Jetzt möchte er von der „ultramon- tauen Presse" den Wortlaut der Ansprache hören, falls dec mitgeteilte nicht richtig sein soll. Wenn diese ihn nämlich nicht angeten kann, so würde er behaupten, sein Text sei im Grunde doch rich­tig gewesen. Aber woher sollen wir den Wort­laut nehmen? Der ,Reichsbote' meint, Bischof Ben zier müsse doch wissen, was der Kaiser zu ihm gesagt habe. Gewiß; der Bischof hat aber «uch bereits erklären lasten, von der dem Kaiser untergeschobenen Ansprache sei kein Wort ge­sagt worden. Das genügt doch wohl. Den Wort­laut mitzuteilen wird niemand imstande sein. Glaubt der .Reichsbote' vielleicht, der Bischof habe die Unterredung gleich stenographisch ausgenommen, wie ein Interviewer des ^Berliner Lokal - Anzeigers'? Auch seine Darstellung von drm Mtschehenerlaß des Fürst­bischofs Herzog von (Breslau möchte der .Reichs­boten' immer noch nicht fahren lasten. Es nützt Hm aber nichts. Der Fürstbischof war an dem ihm untrrgeschobmen „Mftchehenerlaß" nicht beteiligt, sondern hat lediglich die Zurück­nahme einer iitt Schweidnitz von dem dortigen Pfarrer ausgehängten auf unrichtiger Austastung beruhenden Broklamas veranlaßt und dafür hat ihm der alte Kaiser Wilhelm keine Strafrede gehalten, sondern gedankt. Nichtsdestoweniger weiden diese beiden Märchen ebenso wie so viele andere GrschichlSlügen ähnlicher Art wie der ewig« Jude sortlkben in den Reden und Schriften des Evangelischen Bunde-, in den „romfeind- lichen" Blättern und in gewissen „Geschichts"- werken.

* 'Zur weiteren Deckung der bisherigen Koste« für den Keldz«g in Südwestafrika werden, wie dem ,Berl. Lok.-Anz.' mitgeteilt wird, zunächst 8 6 Millionen verlangt werden.

* Die Koste« für das Wohnhaus des Neichstagsprüfidente« in Berlin betragen nach amtlicher Mitteilung 1,163,000 Mk. Dabei find das Architektenhonorar und die Kosten für die Bauleitung, für die Gartenumwehrung, das Gtallgebäude und das Maschinenhaus nicht in Ansatz gebracht. Für die Anschaffung der Möbel, der Errichtung der Küche, des Geschirrs, des Silberzeugs usw. find außerdem noch 230,000 Mark ausgegeben worden. Der Reichs-Fiskus hat also für da- Wohnhaus des Reichstags- präfid.'Nten 1,393,000 Mk. aufgewandt. Wieviel außerdem für den Zaun, den Stall und das Maschinenhaus verwendet worden ist, ist nicht

bekannt. Auch ist in betracht zu ziehen, daß das Maschinenhaus gleichzeitig für die Heizung und Beleuchtung des Reichstagsgebäudes selbst dient. Die Ausführung des Baues hat rund 3 Jahre gedauert.

* Nicht weniger als 32 Kommifsioueu hat das preußische Abgeordnetenhaus in dieser Session zur Vorberatung von Vorlagen eingesetzt. Die 32. wurde am Samstag gebildet zur Vor- beratung des Gesetzentwurfes betr. Gebirtsaus- tausch mit Bremen. An Arbeit fehlt es also den Landtag!abgeordneten gewiß nicht.

§ Neber de« Stand der Wnrmkrank- heit im Oberbergamtsbezirk Dortmund macht der .Reichsanzeiger' im Anschluffe an frühere Veröffentlichungen neue Mitteilungen. Die ZahlderSchachtanlagen.aufdeneneineUnterfuchung der gesamten unterirdischen Belegschaft durchge­führt ist, ist auf 107 gestiegen. Auf diesen Anlagen waren bet der ersten Durchmusterung insgesamt 14430 Wurm träger festgefiellt worden, während bei der jeweilig letzten Untersuchung insgesamt 3480 Wurmttäger gefunden worden sind. Es ergibt sich demnach eine Abnahme in der Zahl der Wurmträger um 10950, gleich 75,9 Prozent. Die Abnahme der Krankheit ist durchweg auch auf den einzelnen Zechtn festzustellen. Zu be­merken ist, daß die einzelnen Belegschaslsunter- suchungen nicht mehr auf allen Schachtanlagen ohne Unterbrechung auf einanderfolgen, sondern daß für eine größere Anzahl von Schachtanlagen (44), auf denen ein erheblicher Rückgang der Krankheit festgestellt war und auf denen eine mindestens dreimalige Belegschaftsunlecfuchung stattgefunden hatte, von der Aufsichtsbehörde ge- wiffe Pausen von größerer oder kürzerer Dauer bewilligt worden find, um den Zechen und ins­besondere den Belegschaften eine gewiffe Erleichte­rung zu verschaffen. Bei diesen Schachtanlagen ist deshalb zum größten Teile dieselbe Zahl der Wiirmträger der Berechnung zu gründe gelegt worden, wie im Juni dieses Jahres. Die von dem Kösiglichen Oberbergamt zu Dortmund für eine Reihe von Schachtanlagen zugelaffene zeit­weilige Einstellung oder Einschränkung der poli- zeilich vorgeschriebenen Berieselung der Grubm- ränrne scheint ohne Erfolg zu bleiben. Diese Maßregel ist inzwischen mangels jeden nachweis­baren Erfolges auch für die Zeche Shamvok I/II zurückgenommen worden. Im Wurmreoier (Oberbergamtsbezirk Bonn) find, role bereits früher mttgeteilt worden, angestchts der dort fest- gestellten Erkrankungsfälle, alle erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit ge­troffen worden. Auch im Wurmreoier scheinen fle von Erfolg begleitet zu sein, doch läßt sich eine vollständige Uebrrficht zur Zeit noch nicht geben. Erfreulich ist es, daß im Wurmreoier bisher schwere Erkrankungsfälle nicht vorgekommen find. Erkrankungen von Angehörigen wurm­kranker Bergleute find bis jetzt nicht zur Kennt­nis gelangt.

* Eine neue Gebühr soll demnächst von der Eisenbahnverwaltung eingeführt werden. In der letzten Sitzung der ständigen Tariskommisston

lag, wie aus Düffeldorf berichtet wird, ein An­trag der Eisenbahndirektion Halle vor, für die bahnseitige Versteigerung unanbringlicher Sendungen eine Gebühr zu erheben. Der Antrag wurde angenommen. Ec war damit be­gründet, daß diese Versteigerungen über­hand nähmen. Gewiffe Fischhändler schickten Fischsendungen ohne jede Bestellung, oft selbst an erdichtete Adressen ab und bestimmten schon bei der Auflieferung, daß im Falle der Annahme­verweigerung die Versteigerung durch die Güter- abfertigung der Empfangsstation stattfinden solle. Im Dienste entständen dadurch g oße Unzuträg­lichkeiten, da zwei Beamte bet der Versteigerung zugegen fein müßten, auch den Raum müffe die Bahnverwaltung hergeben, wofür fie nichts er­halte. Wenn auch der ev. zuzuziehende Sach­verständige vom Absender bezahlt würde, so habe die Bahn doch die Mühe, einen solchen zu be­schaffen usw. Es sollen deshalb in Zukunft für solche Versteigerungen 10 Prozent des Erlöses als Gebühr erhoben werden, mindestens aber 50 Pfg. und höchstens 5 Mk., vorbehaltlich der Genehmigung der deutschen Eisenbahnoerwal- tungen, woran aber Lum zu zweifeln ist. Viel- leicht gelingt es auf diese Weise, den unredlichen Kniffen mancher Händler wirksam eutgegenzu treten.

* Stuttgart, 5.Noo. 1904. Der w Ü r 11 e m - bergische Landtag ist wie schon kurz ge- meldet, gestern vormittag durch den König er­öffnet worden. Die Thronrede stellt bezüglich der Wahlrechtsreform fest, daß die Meinungs­verschiedenheiten innerhalb des Landtags Über die nähere Gestaltung der Reform die erwünschte Ausgleichung nicht erfahren haben und fährt dann fort: Ich bin bet innigen, festen Zuver­sicht, daß die Stände des Landes, überzeugt von der dringenden Notwendigkeit der Reform, 'die Bemühungen meiner Regierung um Versöhnung der Gegensätze in opferfreudiger Hingabe an das hohe Ziel selbstlos fördern, und daß sie durch Entgegenkommen dem neuen gesetzgeberischen Vorgehen, das zu veranlassen ich entschloffen bin, die Wege ebnen werden. Die Thronrede bemerkt sodann, es stehe zu hcffen, daß daS erhebliche Defizit des Jahres 1902 in den Rech- nungSergebniffen der folgenden Jahre Deckung finden werde. Sodann kündigt die Thronrede Vorlagen an betreffend Bereitstellung sehr erheb- kicher Mittel für die Erweiterung der Bahnhöfe in Stuttgart und Kannstatt und den Ausbau ihr^r Zufahrtslinien sowie für den damit im Zusammenhang stehenden Bau der linksufrige« Neckarbahn und für den Ausbau der bereits be­willigten zweiten Geleise, ferner für die Er­weiterung baulicher Anlagen und die Vermehrung der Fahrbetriebsmittel. Gleichzeitig soll mit dem Ausbau der Nebenbahnen sortgefahren werden. Die Thronrede kündigt des weiteren Vorlagen an, betreffend die Verbesserung des Einkommens der Volksschullehrer, Forderungen für die Er­höhung der Bezüge der Geistlichen und die Er­richtung neuer Postgebäude, Vorlagen zur teil­weisen Neuregelung des SerichtSkostenwesens und

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Ausgestoßen.

Bon Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene KrembS.

------ (Nachdruck verboten)

Emer Nachmittags saß Aimee am Fenster und beendete unter Rolls Aufsicht eme schriftliche Arbeit in der Gengratzhie; e« handelte sich um die Provinz Franche-Com «. Sie hatte sich anstrengen wüsten und ihre Wangen glühten. Jetzt legte Sie die Feder bei- feüe, sattele sorgfältig das mit ungelenk», ober klaren Schriftzügen bedeckte Stott und stützte sich auf den Rand des Tisches. Fragend blickte sie ihren Freund an:

„Hast Du mir nicht gesagt, bQ§ Du in der Franche Comt« Mama zuerst gesehen hast?"

„Ja, eS war in Besoul vor fieben Jahren, als Reg,na in unsere Truppe eintrat. Du warst noch so Nein und sehr zart, aber munter wie em Vögelchen, nnd wie ein solches zwitschertest Du von früh b,5 spät. Jeder von uns hatte Dich gleich lieb gewonnen."

„Und kam Mutter ganz allein mit mir? Hast Du «einen Vater nicht gekannt?"

„töeghio kam allein mit Dir," antwortete Roll, »en diese Frage nicht wemg wunderte.

,-Unb hat fie Dir nie etwas von meistm Baler erzählt?- '

.--Niemals. Wahrscheinlich war er gestorben, denn »eme Mut er trug damals Traue.kleider."

«in.ee seufzte.

»®'e hat mir nie von ihm gesprochen, und wenn » wo heißt fie mich schweigen. Warum wohl, •®u? 8$, ich Hüne meinen Vater so sehr geliebtI . . «anchnral denke iS, wie es doch so schön wäre, wenn »9 mit Vater und Mutter, Brüdern und Schwestern

"uch eit Dir, Freund Roll, zusammen wohnen in einem kleinen weißen Haus, von Grün um- mitten zwisften Wiesen und Gebüsch. . . . Und ä/k’P wir plötzlich, als ob ich vor langer Zeit so * lieber, schönes Heim gesehen."

„Vielleicht . . ." meinte Roll.

„Ich glaube sogar, mich an einen großen, schlanken Herrn zu erinnern, der mich auf fein Kn ee hob und mich zärtlich umarmte. Er hatte einen braunen Boll­bart und sah sehr tramig aus."

Roll dachte nach.

„DaS wird wohl Dein Vater gewesen sein, dessen Andenken Dir wieder in de« Sinn kommt."

„Jo, warum spricht denn Mutter nicht von ihm, wo ich doch die ganze Geschichte meiner Großmutter Laeta Chartttti, der berühmten Schauspieler ir-, um deren Gunst alle Theater Frankreichs und Italiens sich stritten, so gat gehört habe, daß ich fie an den Fingern herzählen kann? Sich, dies hier ist ihr Bild."

Dar junge Mädchen sprang aus nnd öff ete leb­haft ein ans dem Tische liege nbei Leder, tut. D.S aus Elfenbein gemalte Porträt m perlenbesetztem Rahmen zeigte bte lieblichen Züge einer juz ndlichen Frau in auSgedachter kostbarer Toilette.

„Sie war wirklich eine Schönheit i" ries Roll voller Bewunderung. „Regina rühmt fie nicht mit Unrecht. WaS ich nur nicht begreifen las»," fügte er in Ge­danken hinzu, „ist, daß fie selbst einer herumziehenden Truppe niederen Ranger angehört."

DaS wieder geschloffene Etui verschwand zwischen den vielen Herumliegenden Klein gleiten. Die Sonne sank om Horizont und die aus d-n Häusern aussteigen- ben Rauchsäulen hüllten die Stadt in Nebelschleier. Nur die zwei Türme deS Domes von Clermont ragten deutlich mit ihren Spitzen in die blaue Luft empor. Aimee u*b Roll betrachteten sie eine Weile.

„Sieh doch, wie sie zum Himmel zeigen," sagte Aimee, indem fi- ihre Hasd gegen die Türme cmsflreckte.

„Ja, wie zwei Brüd-r," ertgrgnete Roll.

3.

Die BahnhtffSuhr in Loqaeville holt eben zeh-mal zum Schlage aus, und gleich darar f läuft tet Nacht- zuz ein, dem eine ganze An adl Reisender entsteigt, die noch nach Mont Drre oder La Bourbon wollen. Im Wortefaal sowohl wie in d-r Nähe der Omai- drffe, welche die Verbindung nach den zwei totübe­

rühm en Badeorten vermitteln, entsteht daS übliche Durcheinander. Jeder focht den ersten und besten Platz zu erobern, man stößt und drängt sich, und dazwischen hört man Laute in allen europäischen Sprachen.

„Par ici!“

„Sire, Sie vergeffen Ihre Handtascke!"

„Mylady, Ihren Sonnenschirm I"

„Signora, Ihr Umschlagtuch!"

„H inrich, so komm doch!"

In Lcqnenille ist man nämlich mit der Beleuchtung noch ziemlich im Rückstände, und um 10 Uhr abends tst's dort nicht so hell, wie zu Paris aus den Boule­vards. Aber dafür ist der Himmel heute wie übersäet mit Glühtichtern und d e Mondsichel erhebt sich stolz über dem höchsten Berge.

Aus dieser Richtung kommt auch ein frischer, pri- kelvder Luftzug, untermischt mit dem balsamischen Ge­rüche von Haisekraut und Ginster. Frank und frei weht er daher, der Wind der Auvergne, nnd weckt die Lebensgeister der Riiienden, die in der schwülen, dunstigen Lust d-r übersüllttn B hnabteile matt und schläfrig geworden find. .

Jeder hrM sich ein urb brummt, der eine laut, der andere leise, über die Kälte in dieser Gegend, ob­wohl alle gekommen find, die meisten weit her, um hier in der Luft ja gesunden

Eine Ausnahme macht ein reizendes, junges Mäd­chen von schlanker, ebenmäßiger Gestalt, daS mit wahrem Behagen die würzige Berglust einatmet, während seine schwarzen Lrck-a und der lange Schleier seine» grauen Rrisebütchens lustig im Winde füttern.

Man steht, ei freut sich deS schönen nächtlichen Schauspiels. Da rüst plötzlich auS der halbgeöffneten Türe des Wartesaale« eine schwache heisere Summe:

„Aimee, Aim.e! komiu herein, Da wirst Dich et» kälten!"

„Ach, die herrliche Nacht, Mütterchen!" tust das junge Mädchen, indem eS sich hastig vmdrehi. „Am liebsten möchte ich einen Spaziergang aus der Haide machen und Leuchtkäfer suchen k"

„Dos fehlte noch gerade, kleiner Leichtsinn!"

her Rechtsamvattsgebübren, sowie einen Gesetz­entwurf betreffend die BerwaltungSeinheiten und die Wiedereinbringung der Vorlagen betreffend die Erbauung eines neuen Hofcheaters und die Gemeinde- und BezirkSordnung.

Abgeordnetenhaus.

98. Sitzung vom 5. November 1904.

Eröffnung 11'/« Uhr.

Vizepräsident Dr. Porsch macht dem Haufe Mit- teilung vom Ableben beS Zenteumsabg. Gotke. Nachdem daS HauS sich erhoben, widmet der Präsident dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf.

Der Antrag Jderhoff (fitenf.), welcher die Regelung der Schulentlassung der Kinder in der Provinz Hannover bezweckt und der vor einigen Tagen in erster Beratung erledigt wurde, wird in zweiter und dritter Beratung debattelos an­genommen.

Sodann berät das HauS in erster Beratung den Gesetzentwurf über die Aenderung der Lanves- grenzen gegen die freie HanfastadtBremen bei Bremerhaven und bei Fischerhude. Die Vorlage ist notwendig geworden, weil Bremen seinen Hafen erweitern muß.

S n RegterungSkommiffar weist bei Begründung der Vorlage darauf hin, daß bei dem mit Bremen ab- geschloffenen «ertrage für eine hinlängliche Ent­schädigung der Gemeinden gesorgt fei, und daß drese auch mit Ausnahme von Geestemünde der Vorlage ihr» Zustimmung erteilt hätten.

Abg. v. Pappenheim (kons.) beantragt, die Bor- läge an eine Kommission von 14 Mitgliedern zu ver­weisen.

Abg. Meyer-Diepholz (ntlb.) spricht sich im In­teresse von Geestemünde gegen die Vorlage auS und beantragt, eine Kommission von 21 Mitglieder» eiozu-

*Abg. Reinhard (Zentrum) erklärt sich mit dem Antrag Meyer einverstanden. Die Bedenken, die eine weitere Schädigung befürchten, müßten in der Kom­mission beseitigt werden.

In ähnlicher Weise sprachen sich die Redner aller Parteien aus, worauf die Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen wurde.

SS folgt die Beratung deS Antrags EckelS (nart) auf Aenderung des SnteignungSgefetzeS. Der Antrag will die Enteignung erleichtern in Fällen, wo ans Gründen deS öffentlichen WohlS Dringlichkeit vorlirgt. Die Enteignung foll in diesem Fall erfolgen können, bevor daS Verfahren abgeschloffen ist.

Nachdem mehrere Abgeordnete sich für Kommisstons- beratung ausgesprochen, wird der Antrag nach dem Vorschläge des Abg. Palleska an die Justizkommisfion. verwiesen.

SS folgen Petitionen. Verschiedene Petitionen von Katasterzeiqnern um Vermehrung der etatS- mäßigen Stellen werden auf Antrag CahenSly (Ztr.), nachdem der RegieiungSkommiffar erklärt, daß eine Vermehrung der etatsmäßigen Katasterzeichnerstellen um 60 vorgesehen sei und die Anwärter in höchstens 6 Jahren zur Anstellung gelangen würden, der Regie­rung zur Berücksichtigung überwiesen, während die Kommission Material beantragt hatten.

Petitionen um Gehaltserhöhung für Zoll- und Steuereinnehmer II. Klasse, sowie der Zoll- und Steueramtsassistenten und Gewährung von wenig­stens zwei dienstfreien Sonntagen im Monat an die Zolleinnehmer werden, soweit fie eine Gehalts­erhöhung beantragen, auf die Beschlüsse zum Etat der inviretten Steuern für 1904 als erledigt erklärt, soweit

Und Regina, — denn sie war rS, die erste Sängerin vom „Gallischen Theater" — ergriff Atmees Hand und zog fie mit sich in dar Zimmer, wo der heiße Tee bereit stand.

Fünf Jahre find ve> stossen, seitdem wir Roll und seine Heine Freundin in ihrem Geplauder Über Ver­gangenheit und Zukunft am Fenster deS „Goldenen Haha" belauscht haben; fünf Jahre, während welcher Z itspanne da» „Sallilche Theater" bald hier, bald dort in der weiten Wett feine Zelte aufschlug zur Belustigung großer nnd kleiner sinder, die denn auch nicht kargten mit kleiner und großem Münze als Ar« erternmng der Schwänk. Bajazzo- und Madame Re­gina- SangeSkunst.

Diese fünf Jahre haben aus Aimee ein großes, hübsches Mädchen gemacht. Frau Regina ist mit Recht siolz auf ihre Tochter. Aimee ist ihr Abgott, — fie liebt fie nicht allein mit mütterlicher Zärtlich­keit, nein fe kühlt auch eine gewfse achtungsvolle Scheu in Gegenwart de- Kinder. Schauspielerin mit Leib und Seele, erp'cht s'lbst auf die billigen Lob­hudeleien der gewöhnlichen Bolk-klaffe Und berauscht von ihren Erfolgen, wie Regina nun einmal ist, kommt es öfters vor, daß fie die müden Augenlider vor dem klaren Blick ihres Kindes senke« muß.

Welche Wirkung übt dieser Blick aus fie aNS? Ist'- ein Vorwurf, . . . Reue, . . . Angst, wa» fie empfin- bet? Za, aller dieses und noch etwas andere-. Frei­lich, die Sängerin hat Aimee nicht ga-z nach ihrem Borbilde ertteh-n können. Dieser Plan scheiterte an dem sesten Willen bei Kinde-. Da hat sie ihren ein­stigen Liebling-traum aufgegeben und Aim-es eigen­artige Anlagen zur Mufik auSbilden lassen. So kommt e-, daß diese heute em außer gewöhnliche- Talent im Llavierspirlen besitzt, dem einige Anleitungen großer Meister leicht zur Vollendung verhelfen würden. Aber ihre j-tzt-e Fertigkeit gerügt, nm die Bewunderung der Zuschauer zu erringen, wen» da- junge Mädchen, stets einfach und bescheiden gekleidet, an den großen Abenden im „Gallischen Theater" die musikalischen Vorträge übernimmt. (Forts, folgt.)