Einzelbild herunterladen
 

31. Jahrgang,

Wöa, Samstag, den 5. November 1904.

K 254.

1

• Zweites Blatt i

Ueutsches-Reich

Nnzeigenr Vit ei» spaltige pttkizeilr obes btrtn Kaum 15 Pf- Btflamen öle petitzeüe 25 Pfg.; bei wieder- holungen wird entfpr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der 8uIdaerActiendruck«rei' in Sulba (Harmonie!

Fernsprecher M 9,

ich den letzten Weq hierher in Frieden antteten und in Hoffnung bei euch schlummern kann. Die Toten predigen uns die rechte Lebenskunst.

Wir sind ja allzumal in Eitelknten und Tor­heiten befangen. Es gibt nun eine einfache Probe auf die Vernünftigkeit deines Denkens und Stre­bens. Geh' auf den Kirchhof an das Grab der Eltern oder eines v:reh:ten L hrers und Führers oder auch eines braven vo ausgegangenen Freun- vrs. Und dann erzähle dem, der da schlummert, was du denkst und waS du treibst, was für Ge. fühle, Wünsche und Leidenschaften dein Herz füllen, an welche Dinge du deine Kraft u d deine Zett sitzest. Ja, erzähle ihm das, nicht bloß so in allgemeinen Phrasen, sondern in klaren Wor­ten und bestimmten Sätzen, ehrlich und genau. Wenn du allein bist, kannst du es sogar hörbar flüstern. Je deutlicher du deines Seber.8 Inhalt dargelegt, desto deutlicher wird auch die Kritik sein, die das geistige Ohr aus dem Grabe ver­nimmt. Manches, was dir bisher sehr groß und hoch erschienen ist, wird bei dem Bericht ent Grabe dir als Eitelkeit der Eitelkeiten erscheinen, und manches, was du als einen harmlosen Zeitver­treib oder verzeihliche Schwäche betrachtet hast, trägt dir ein Pfui und eine sichtbare Wunde ein. Wenn du aber weiter berichten kannst, daß du deine Pflichten in dein m bescheidenen Beruf in Treue und Schweiß erfüllet hast und auch be bemüht bist, ein braver Vater, ein sorgsame Mut­ter, ein folgsamer und fleißiger Sohn zu fein, dann wird das Lob aus dim Grabe tdrer': So ist es rech', wer nach besten Kräften den Posten aussüllt, auf den er gestellt ist, der lebt zum Segen für sich und die Menschheit, und wenn er im Kleinen treu bleibt, wird er über Großes ge­setzt werden.

Auf dem Friedhof ist eine Art moralisches Aichamt, hier findet man daS richtige Maß und Gewicht für das menschliche Denken, Fühlen und Handeln.

Es gibt keinen gesünderen Spaziergang, als den zum Kirchhof; es gibt keinen lohnenderen Besuch, als den bei den Vorausgegangenen. Die armen Seelen find dankbar, sie flüstern uns Worte des Trostes, der Weisheit, der Stärkung in das geistige Ohr. Wer Ohren hat, zu hören, der höre die Grabpredigt. Sie lehrt nicht bloß das rechte Streben, sondern auch daS tüchtige Lebe».

* ♦ ♦

Der Redner hat viel voraus vor dem Schreiber. Der Redner sieht seine Freunde vor sich, und kann aus ihren Mienen und Bewegungen sofort ersehen, welchen Eindruck seine Gedanken machen; er empfängt in dem Beifall der Zuhörer auf der Stelle den schönst, n Dank für seine Mühen.

Der Schriftsteller aber gleicht einem Säemanne, der den Samen ausstreut und dann von bannen gehen muß, ohne den Acker w lederzusehen. Er sieht nicht, welche Gesichter die Leser bei der Lektüre seines Buches oder Artikels machen; er hört nicht die guten oder auch unguten Urteile, er weiß nicht, ob man ihm dankt für se'ne Ar­beit und ob sie Früchte trägt. Er wirkt ins Weite und aus der Weite kommt selten ein Echo zu ihm zurück.

Selten, aber die Ausnahmen von der Regel find um so angenehmer. Daher ergreife ich heute mit Freuden die Feder, um allen Lesern der Un- politischen Zeitläufe zu danken, die auf den letzten „hinterlistigen Bettrlartikel" ein Lebenszeichen von sich gegeben haben. Der Herr Pfarrer von Steg­litz-Zehlendorf hat sich mächtig in seiner Namens - Unterschrift geübt, aber er sagt, seine Hand sei noch fo stark und flink, daß er die Quittierung von Postanweisungen unentwegt fort­setzen werde, wenn auch der Maulwurfshügel zum Kreuzberg anwachsen sollte. Ich soll in seinem Namen allen den zahlreichen Wohltätern der Katholiken Zehlendorfs ein herzinniges „Ver- gelt« Gott!" zurufen und dazu beifügen: »Vivat seqaentee! Hoch die Nachrückenden

Ich für meine Wenigkeit habe nun eine dop­pelte Freude: erstens über den Uingenden Er­folg und zweitens über die Bemerkungen, die auf den Abschnitten der Postanweisungen stehen. Der Herr Pfarrer hat mir die ersten Posten zur Ansicht zugeschickt. Vielleicht hat dazu auch fol­gende Bemerkung milgewirkt. die ich auf einem Abschnitte von Finnentrop finde:

„Wer könnte dem , . . llnpolischen eine Bitte abschlagen. Ganz sicher wird Ihr Plan gelingen. Der Unpolitische muß später manchmal wieder aufrütteln und verschiedene Aussprachen mitein­gegangenen Spenden veröffentlichen. DaS wird helfen. Tut'S Rot, komme nach."

Ja, das BerSffentttchen der „Aussprachen" wäre «in hübscher Bettelttick. Aber ich kann nicht alles zum Abdruck bringen, da sonst die Leser Über schlechten (-tzeruch klagen türfien. Ver­schiedene WohAäter ft Ben nämlich «eine Demut

Unpolitische Seitlünse.

(Nachdruck verboten)

® Berlin, 3. November 1904

Haben alle Leser den Gang zum Gottesacker gemacht? Aus diese Frage sollte niemand mit nein antworten. Wer den Gräbern keinen Be­such gemacht hat, der sage lieber: Noch nicht! Am schönsten ist es ja, wenn man am Aller- seeler.tage oder am Vorabend den Gang macht; aber die armen Seelen beschränken ihre Freunde nicht auf einzelne bestimmte Empfangstage oder Sprechstunden. Sie sind immer zu sprechen für alle, die mit der Gemeinschaft der Heiligen Ernst machen wollen; für sie ist eS eine Labsal, wenn man ihrer gedenkt, und sie find dankbar. Was in den welken Blättern der Kirchhofsbäume rauscht, ist nach allen Regeln der Naturkunde bloß der Herbstwind. Aber was dort auf dem Kirchhofe durch die Seelen rauscht und das Herz erbeben läßt, das ist ein geheimnisvoller Hauch aus einer anderen Welt. Versäume nicht, von Zeit zu Zeit deinen Geist und dein Ge­müt der gesunden Luftkur auf dem Kirchhofe aus- zusetz n.

Die sonderbaren Schwärmer für die Leichen- Verbrennung, die modernen Feuerkannibalen, haben viel Gerede gemacht über die Gesundheits­gefährlichkeit der Kirchhöfe. Dos ist dummes Zeug und ist als solches fast allgemein aner­kannt. Ein vernünftig angelegter Kirchhof ist ebenso „hygienisch", wie ein Garten oder ein Park. Wo der Raum knapp ist, da fiedeln fich die Leute auch ganz ruhig an der Fciedhofs- grenze an und gedeihen dabei ttotz aller Bazillen, von denen die „gelehrten" Männer reden, und trotz der Gespenster, vor denen die alten Weiber sich graulen. Namentlich die Großstädter freuen M, wenn ste eine ruhige Wohnstätte neben dem Schlummerlager der Vorausgegangenen finden. Aber mag die Frage nach der körperlichen Ge­sundheit auf fich beruhen; für die Seelen der Lebenden strömt zweifellos der SotteSacker eine sehr gesunde Lust aus. Sie wirkt reinigend, er­frischend, befruchtend.

Aber auf dem Friedhöfe werden doch so viele Tränen ver,offen! Gewiß; doch die Tränen wirken meistens auf den Schmerz, wie kühlendes Waffer auf heißes Eisen. Am bittersten beißen und drücken die ungeweinten Tränen.

Der Heide mag über die „Vernichtung" feiner Angehörigen und Freunde weinen. Der Christ weint nur über die vorläufige Trennung; seine Tränen werden vergoldet von einem tröstlichen Sonnenstrahl, von der Hoffnung auf Wieder­sehen.

In den Wirtschaften mit Garteneingang findet man vielfach auf der Rückseite deS TorschildeS groß geschrieben: Auf Wiedersehen! Der Gast, der von bannen geht, muß diesen Abschiedsgruß lesen und scll dadurch zur Wiederholung seines Besuches ermuntert werden. Das ist ein kleiner Geschäftstrick, bei dem man sich nicht viel denkt. Aber die Worte „Auf Wiedersehen" wären sehr mhaltnich und gedankenschwer, wenn sie an der Inner feite des Friedhoftores ständen und so der heimkehrende Besucher den Eindruck hätte als ob ihm die Toten zuriefen: Wir werden dich sihon noch wiedersehen! Vielleicht kommst du ^ch das ein oder andre Mal auf deinen eigenen ? «« uns hier zu besuchen, und ganz sicher

" es, daß man dich eines Tages durch das Tor tragen wird, um dich zu UNS zu betten. Und dorn werden wir unS wirklich Wiedersehen in ein« andern Wett.

„DaS Mägdlein ist nicht tot, sondern eS schläft". Tretet leffe und sanft auf zu diesem Schlafzimmer, das vor dem Hirnmelssaake errichtet ist. Und gewähnt euch an den Gedanken, daß ^ch ihr mal hier schlummern werdet neben den «onmSgegcmgenen, um mit ihnen den Auf«, stchungsmorgen zu erwarten.

Ob der Gedanke angenehm ist, darauf kommt E-wwiger an; « ist wahr und lehrreich, ^restlich nur für den, dem es an dem Schlummer- Wen des guten Gewissens fehlt.

lehrt er uns etwa, den Kopf matt hängen V lofen und die Hände »«zweifelnd in den zu legen? O nein, im Gegenteil: was Z“®*5nen Seelen vergebens ersehnen, noch etwa« evenSzett und Schaffenskraft, das haben wir und wer diesen Vorteil »nicht wahrnimmt, Tor. Also empor des Haupt und die 7**®« gesparmt, wenn wir Den Friedhof per» tHJ®. „Auf Wiedersehen", (freilich, aber in»

w«v« ich auch bat Meinige tun, daß

* Darf ein Reserveoffizier mit einem Sozialdemokraten zusammen sitzen? Diese Frage hat zu einem ehrengerichtlichen Ver» fahren in Meiningen geführt. Dort saßen zwei Re^tsanwälte und eia Affeffor, die sämt­lich Reserveoffiziere find, am Abend einer Ver­handlung wegen Laut friedensbruchs an ihrem Stammtisch. Die Rechtsanwälte Dr. Karl Liebknecht und Sommerfeld, die die Ange» klagten verteidigt hatten, tarnen in dasselbe Lokal und setzten fich zu ihren „Kollegen". Sin Ge- richtsaffkssor hat nun der Militärbehörde davon Anzeige gemacht, und diese hat ein ehrengericht­liches Verfahren gegen die Reseroeosfiziere ange­ordnet. Auf den Ausganz kann man gespannt sein.

♦ Wo hat der Kleinkaufmannsstand seine Vertretung? In derHandelskanwer, wird man sagen; aber weit gefehlt. Der Zentrums- abgeordnete Erzberger hat dieser Tage in der ,Schles. Volkszeitung' nachgkwiesen, wie diese Institution nur für Großhandel und Groß­industrie sorgt und deshalb entweder eigene Detailleurkammern oder mindestens eine stärkere Vertretung beS Kleinkaufmannsstandes gefordert. Zahlreiche Zuschriften aus fast allen Teilen des Reiches — nicht nur aus dem Osten — haben dem genannten Abgeordneten bewiesen, wie sehr er in's Schwarze getroffen hat; in allen diesen Briefen der Kletnkaufleute tornmt zum Ausdruck, daß die heutige Handelskammer keine Vertretung des KleinkaufmannSstandeS darstellt. Nun ab« liefert eben die Berliner Handelskammer einen neuen Beweis für die Richtigkeit dies« Anficht; fie beschloß nämlich, eine Eingabe an das Abgeordnetenhaus zu richten, in der sich dieHandelS» fammern gegen die von seiendes Zentrums ausge­arbeitete Novelle zum Ware?. Hausgesetz, die auf eine Verschärfung dieses Gesetzes hinausläuft, wendet. Welcher politischen Richtung der Kleinkaufmann ach angehören mag, der ganze Stand ist darüber einig, daß eine Warenhaussteuer nicht nur über­all eingefüh t werden muß, sondttn daß auch in Preußen die bestehende g<mäß dem Zentrums­antrage zu verschärfen ist. Die Handelskammer .ber stellt fich nicht auf diesen Standpunkt; nein ste bekämpft sogar diesen Wunsch des Kleinhandels. Der Präsident derselben tat dies noch mit d« billigen längst verbrauchten Phrase, die Waren­haussteuer fei „eine Strafe für die In­telligenz". Nun, in gewissem Sinne ja, wie eben jede Steuer eine Strafe für die Intelligenz ist; w« sich auf die faule Bärenhaut legt und sich nicht um'ut, der muß weniger Steuern zahlen, als d-r, welcher voran kommt; er hat aber auch weniger Einkommen. Drr höhere Be­amte, drr mehr Gehalt bezieht, als ein weniger fähiger Studiengenoffe. rni niedriger Beamter, zahlt auch mehr Steuer; drr tüchtige Rechtsanwalt und Arzt mehr als der weniger tüchtige also ist auch hier die „Strafe für die Intelligenz", wenn man sich so ausdrücken will. Daß aber im Warenhaus wehr Intelligenz stecken soll, als in eitern gut geleiteten Detailgeschäst, daS wird kein Mensch behaupten wollen. Zum Waren­haus gehört in erst« Linie Kapital und dann ein weitmaschiges Gewissen, daS an ge- wiffer Art von Reklame keinen Anstoß nimmt; die Intelligenz erstreckt sich höchsten« daraus, wie man neue „Lockvögel" gewinnen kann, um jene einzufangen, die nicht alle werden. Was an Intelligenz im Warenhaus steckt, daS hat in den meisten Fällen nicht der Besitzer, sondern seine Angestellten, die oft noch recht schlecht be­zahlt find. Ein Kleinkarfmann, der die ganze Last seines Geschäftes zu tragen hat, muß heut- zutage wahrlich Üb« eine gute Portion Intelli­genz verfügen, sonst kommt « unt« die Räder. Ab« an dem gesamten Vorgehen der Berliner Handelskammer steht man wieder, wie notwendig für den Kleinkaufmannsstand eine ausgiebige Vertretung sein« wirtschaftlichen Interessen tst.

* München, 4. Noo. 1904. Ueber die katholischen Orden in Bayern 1904 bringen die .Neuesten Nachrichten' einen längeren Artikel. Schon die Ueberschrift ist gedankenlos, beim bas liberale Blatt bringt nicht die OrdenS- statistik von 1904, sondern von 1902. Es führt auch nicht die amtliche Q eile an, sondern den an stch ja vortrefflichen Sulzbacher Geschäfts-Kalender allein der bietet doch nur eine abgeleitete Quelle. Die amtlichen Z ffern find im Statisti­schen Jahrbuch entha'ten. Nach demselben gab es 1902 in Bcyrrn: 83 Klöster mit 23 Fllialen und 1784 Ordensmitgliedern. Die Klöster haben fich gegen daS Vorjahr rm 2, die Zahl der Ord«smitglied« um 106 vermehrt. Frauen­orden: Klöster 114 mit 924 Filialen und 11,569 Ordensmilglfedeiu. Die Mehrung beträgt hier 4 «löst« mit 27 Filialen und 399 Mitglied«"- Hier fehlt vor allem die Unterscheidung zwischen Ordenk Mitglied«« (Priester und Schwestern) und Laienbrüdern unb Laierschweflern (dienend^

Berlin, den 4. November 1904.

* Drr neue Landtagsabgeorbnete für ben Kreis Fulda Dr. Spahn bereitet manchen Leuten ein hartnäckiges Kopfweh. Unausgesetzt grübeln fie darüb«, warum Herr Dr. Spahn sich wohl In den Landtag habe wählen kaffen. Immer neue Vermutungen und Behauptungen tauchen auf. Das eine Blatt will die Gründe noch bester kennen als das anb«e, aber jedes ist fich „vollkommen klar" darüber. Wer fie wirk­lich kennt, kann über den Schweiß nur lächeln, ben die Leute es fich kosten lasten, hinter bas „Geheimnis" zu kommen. Wir gehen auf alle Phantasien nicht ein, bestätigen aber einem ganz genau unterrichteten Blatte gern, „daß Herr Dr. Spahn nicht zu seinem Vergnügen in ben Landtag sich hat wählen lasten". Wenn das Blatt seine tiefblickenden Betrachtungen mit der Behauptung einleitet, Dr. Spohn fei noch nicht in das Heus eingetreten, eS eile ihm damit augenscheinlich nicht, so ntßffen wir doch bemerken, daß er bereits in der ersten Sitzung anwesend war.

Demnächst wirb, wie ein Berliner Blatt melbet, auch zwischen Deutschlanb unb ben Vereinigten Staaten von Norbamerlka ein GchiedSvertragabgeschloffen werben. Darauf bezügliche Verhandlungen sind von der nordame- rikanlschen Regierung ang«egt, worden; wenn diese auch noch nicht In allen S'nzelheiten völlig g«egelt sind, so lasten fie doch mit Bestimmtheit einen befriedigenden Abschluß vermutlich in nicht zu ferner Zeit erhoffen.

(♦) Diejenigen Lehrer polnischer Ge- butt, denen anfangs die Ostmarkenznlage wegen polttischer Unzuvnläsfigkeit vorenthalten wurde, haben jetzt, wie der .Gesellige' berichtet, „nach längerem einwandsftelem Verhalten" zum größten Tell diese Zulage «halten.

* Die Verhandlungen über einen neuen deutsch schweizerischen Handelsvertrag sind zu dem erwünschten Abschluffe gekommen. Die Unt«zelchnung des VtttrageS soll, wie auS Bern berichtet wir>, morgen od« am Montag «folgen, nachdem d« Vertrag inzwischen redaktionell durch- gefehen worden ist. Die Dau« dcS Vertrages ist auf 12 Jahre bemessen; er fall cm 1. Januar 1906 in Kroft treten.

auf die Probe, indem fie meinem bischrn Schreiben eine sehr gnädige Zensur ausstellen. Aber wenn wir von den Schmeicheleien absihm, so bleibt noch ein köstlicher Fonds von Liebe und Vertrauen übrig, die meinem Auge und meinem Herzen wirklich wohltut. Ich setze einige Begleitworte bin:

„(Bott zu Ehren, dem Zehlendorf zum Nutzen, dem Ur politischen zuliebe "

„Ran» als armer und junget Diascorapfarrer leidet noch nicht mehr beisteuern; bet „Unpolitische" vom heutigen Da'um hat mir'S aber angetan."

„(Bern hätten wir mehr gegeben, schon um dem Versöffet der „Ur politischen Zeitläufe" eine Freude zu machen für seinen . . . Artikel; aber . . ."

„AuS „Mitleid" mit dem Unpolitischen."

„Für Zehlendorf, damit der auch 'mal ordentlich in die Ritche gehen kann."

„Auf Schmeichelreden laß ich mich nicht ein; aber die Dankbarkeit ist doch erlaubt. Wenn bet . . . Herr mit ben „westfälischen (Bliebmaßen", bet in seiner väterlichen Freundschaft mit dem ... . Humor unser ganzes Vertrauen besttzt, heute mit einer eindringlichen Bitte fich einstellt, so kommt man natürlich an dieser Ecke nicht vorbei."

„Dem Unpolitischen zuliebe."

Der Unpolitische hat mit so oft Freude gemacht und i»S Gewiffen geredet, daß ich mich ein klein wenig dankbar zeigen muß."

„Der Unpolitische soll nut so fortsahten."

„Auf Wunsch deS Unpolitischen gleich."

„Sie wollen mir, bitte, gelegentlich den Unpoli­tischen grüßen, er ist ein guter Retl."

So weit fürZ heute. Ich wollte an blefen Proben nur ben Ausdruck der Freude knüpfen, daß die Gemeinde der „unpolitischen" Leser mir so viel Freundlichkeit und Siebe entgegenbrlngt. Dank! Wir werden uns hoffentlich auch ferner- h'n verstehen!

Im Übrigen fehlt noch etliches an ben 100000 Mark, die der Pfarrer gar zu gern haben möchte. Ich danke ben Erstlingen, aber ich sage mit dem Professor: „Ich sehe viele, die nicht da find." Hter muß eS heißen, wie bei dem Zeitungsroman im Happen: Fort­setzung folgt. Die Adreste ist noch untrer ändert:

Herrn Pfarrer Deitmer, Hochwürden,

Steglitz bei Berlin,

Flensburgerstr. 3/4.

W SllltztM

Mt5tm.sopfs M Dd'H' VttanwortNcher W

IchrfftieittnZos.vaum

v wochenbtNaze: „Illustrierte SonniagszeitlMg