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Druck und Verlag U zuIbaerLctievdruckM s» 8»lba (Qarmoiti4 Zernfprecher Nr 9

ja ss4.

§ulda. Samstag, den 5. November 1904

31. Jahrgang.

[] Die beleidigte, „evangelische psarrsran".

Segen das gemeine Witz- und Schmutzblatt .EimplijissimuS' soll, wie das Berliner Organ deS Eoangeli chen Bundes meldet, von der Ver- ttetung des evangelischen Pfarrerstandes im Deutschen Reiche Klage erhoben werden wegen Beleidigung des evangelischen Pfar- rerstandes, insbesondere der evangelischen Pfarrfrauen. Das Blatt soll im Zusammen­hang mit den Verhandlungen des Kölner Sitt- lichkeilSkongresfis ein sLmutziges Gedicht gegen das „protestantische Pfarrhaus" gebracht haben, das auch nur andeutungsweise wiederzugcbender Anstand verbietet.

Eine Reihe von Blättern bezweifelt zwar, ob die Vertretung des Pfarrerstandes von dem Richter als legitimiert zur Klage werde anerkannt werden, und meint, es wäre vielleicht bester ge­wesen, die Schmutzfinken mit Verachtung zu strafen, spricht aber die schärfste Entrüstung über die freche Lästerung aus und singt in den höchsten Tönen wieder einmal das Lob des „evangelischen Pfarrhauses". Höheresund Hei­ligeres soll eS auf E rden nicht geben; aus ihm soll unendlich viel Segen über die Menschheit gekommen, es soll der wichtigste Kulturfakior sein usw. Wir kennen dies überschwängliche Lob ja längst und wollen nicht über diese Sache streiten.

Wir möchten aber doch fragen: Wie kommt es, daß man auf einmal so gewaltig entrüstet über das Schmutzblatt ist, nachdem es die „evan­gelischen Pfarrfrauen" beleidigt hot, während man jahraus jahrein dieses und geistesverwandte Blätter di« katholische Geistlichkeit in dem gleichen Punkte unausgesetzt auf das ge­meinste verhöhnen und beschimpfen läßt, ohne sich im mindesten darum aufzuregen? Jeder Leser, ob Protestant oder Katholik, sofern er nur ein anständiger Mensch ist, mußte sich, versicherte das erwähnte Organ des Evangelischen Bundes, sagen: Da ist -von Bubenhaad Kot gegen die Schwelle des evan­gelischen Pfarrhauses geschleudert worden. Hat dasselbe Blatt, das jetzt die Katholiken zum Schutze der „evangelischen Pfarrfrauen" anruft, sich jemals auf die Pflicht deS anständigen Menschen berufen, wenn von Bubenhand Kot gegen die katholischen Priester geschleudert wurde? Wir vermuten mit gutem Grunde, daß es und viele seiner Gesinnungsgenossen sich heimlich darüber gefreut haben und an nichts weniger als sittliche Entrüstung dachten. Beteiligen sich gerade diese Blätter doch so eifrig an der -Verbreitung aller, meist erfundenen oder entstellten Skandalgeschichten, die auS der weiten Welt über katholische Geistliche von Geistesverwandten des ,Simplizisfimus' berichtet werden.

Selbstverständlich verurteilen wir auf daS entschiedenste die Beleidigung der „evangelischen Pfarrfrau". Wir können damit nur den Wunsch verbinden, daß diese Be­leidigung die gute Folge haben möchte, die wei­testen Kreise des deutschen Volkes auS ihrer Gleichgiltigkeit oder gar heimlichen Begünstigung der Schmutzpresse aufzurütteln, damit ihr endlich daS Handwerk gelegt würde. Den Schmutzfinken follte einmal recht deutlich gezeigt werden, daß man die Verhöhnung und Begeiferung alle« deffen, waS einem Christen und Deutschen heilig ist, diese fortgesetzte schamlose Verherrlichung der niedrigsten Unzucht endlich satt hat und nichts mehr davon wissen will. Diese Leute, die vor- geben, durch Ironie und Satire die Sitten ver- bessern zu wolle», find, wie schon allein die Anzeigen in ihren Blättern zeigen, weiter nichts mls ganz gewöhnliche Geschäftsspekulanten. Sie pflegen den Schmutz in erster Linie, weil er ihnen am meisten Geld einträgt. Wenn fie die Erfahrung mach« müßten, daß mit dem Amutze kein gutes Geschäft mehr zu machen s«. würden fie Geist und Talent, die ihnen ja nicht allgemein abgesprcchen werden sollen, wohl auf andere Art verwerten.

”6<r freilich geben wir uns nicht einen Augenblick der Hoffnung hin, daß die Kvge Entrüstung wegen der beleidigten „eoan- NMe» Pfarrfran" die Schar der Gönner dieser Blätter auch nur um einen vermindern ^erde. Dazu ist die Lüsternheit nach ihren doch allzu stark verbreitet, und zwar, wie

.Deutsche Tagesztg.' mit Recht heroorhebi, 8«ade in den Kreisen, die fich sür vornehm tt« «Mw und für vornehm gehalten werden wollrn.

Gerade die Leute, die fich gern über die fittlichen Verwilderungen der „unteren" Klaffen entrüsten und, sich ihrer Köaigstreue rühmend, gegen den Umsturz eifer», haben ihre heimliche oder offene Freude an den Verhöhnungen der Moral und der Monarchie durch den Simplizissimus und ähnliche Blätter. Daran wird die beleidigte „evangelische Pfarrsrau", wie gesag-, nichts änderv.

Aber vielleicht hat die neueste Leistung des Simpliztffimus wenigstens die gute Wirkung, Propaganda zu machen sür die Forderung, daß den Ausschreitungen der Schmutzfinken in „Kunst" und „Literatur" durch Gesetz ein Riegel vorgeschoben werden oder wenigstens ver- hindert werden muß, daß der Schmutz fich öffentlich auf allen Straßen breit mache und das Volk, insbesondere die Jugend vergiften darf. Die Erkenntnis, daß eine neue lex Heinz? ein dringendes Bedürsms sei, hat sich in den letzten Jahren in erfreulichem Maße verbreitet und d:e Furcht vor der hohlen Phrase der Heinzemänner hat abgenommen. Wenn der An­griff des Simpliziffimus auf die „evangelische Pfarrfrau" der Ueberzeugung: So kann eS nicht weitergehen! neue Anhänger gewinnt, so kann aus dem Sumpf doch noch eine gute Frucht aussprieß-n.

Berlin, den 4. November 1904.

§ Der Zentrumsabgeordnete (Botte ist heute nachmittag l1/a Uhr in der Krankenanstalt der grauen Schwestern in der Niederwallstroße, wo­hin er heute morgen von seiner Wohnung im Hotel KrebS Union gebracht worden war und wo er auch die letzte Oelung empfangen hat, ziemlich unerwartet gestorben. Er litt seit langer Zeit schwer an der Zuckerkrankheit. Dazu war nun eine Erkältung gekommen, infolge deren er die letzten Tage bettlägerig war. Letzten Mittwoch hat er »och an der Fraktionsfitzung teilgenommen. Der Verstorbene, der Antts- gerichtsrat in Leobschütz war, war am 27. No­vember 1854 geboren und vertrat seit 1893 den Wahlkreis Kosel-Leobschütz im Abgeordnetenhause. Er gehörte zu den eifrigsten und fleißigsten Mit­gliedern des Hauses, wenn er durch seine Krank­heit auch genötigt war, sich Schonung aufzu- erlege». Als Redner trat er besonders in Fragen auf, die seine engere Heimat Oberschlefien be­trafen.

* Zum Ausstand in Deutsch-Endwest- afrika wird aus Kapstadt gemeldet: Die Wit- boois marschieren auf Warmbad. Sie töteten unterwegs mehrere Farmer, die sich auf dem Treck befanden. Die einzigen Stationen im Süden der Kolonie, die noch von den Deutschen gehalt-n werden, find Warmbad und Keetmans- boop. Der Häuptling Morenga griff vor 14 Tagen die Deutschen südlich von den KaraSbergen an. Ja dem Gefecht wurden auf deutscher Seite drei Offiziere und sechs Mann getötet. Die Ein­geborenen haben fich in großer Zah' den Wit- boois abgeschlossen.

(Weitere politische Nachrichten finden unsere Leser im Zweiten Blatte. D Red)

Abgeordnetenhaus.

97. Sitzung vom 4. November 1904.

Eröffnung IVI* Uhr.

Erster Gegenstand der Lagesordnung ist die 3. Be­ratung deS Gesetzentwurfs bett, die Kosten bet Prüfung übetwachungSbedürftiget Anlagen.

Ja ter allgemeinen Besprechung bestreitet

Abg. Dr. Boltz (natl) nochmals die Notwendigkeit einer Ueberwachung btt elektrischen Anlagen. Jeden­falls sei die Sache nicht so dringlich gewesen.

Aba. Streitli«6 (fr. Bp) erkennt demgegenüber die Notwendigkeit einet Ueberwachung an, hält aber eine reichsgesetzliche Regelung sür zweckmäßig. Die Auf- saffung deS Ministers, daß Art. 4 bet ReichSverfaflung einer solchen Regelung entgegenstehe, sei nicht stich- Haiti«.

HandelSminifter Möller hält an seiner Auffaffung in bleiet Frage fest unb spricht im übrigen seine Br- sriedigung auS, daß der Bon ebner die Notwendigkeit bet Ueberwachung anerkannt habe.

Damit schließt die allgemeine Besprechung.

In bet Spezialbetaiung wird bet Gesetzentwurf debatteloS angenommen.

ES folgt bie Beratung beS Antrages Fischbeck (fr. Bp.) betreffend die Spartätigkeit bet Bevölkerung. Der Antrag lautet: die bestimmte Erwartung anSzu- sprechen, daß die Regirrurg dehu'S «rrmetdung jed-

• Der rufM'iapairische Krieg.

Auf dem Kriegsschauplatz in der Nord Mandschurei herrscht roch isimcr Ruhe. Nach einem Telegramm des Generals Kmopatkin an den Zaren macht sich eine Verschiebung japavi- scher Jnfanterie-Abteilungen von Osten nach Westen bemerkbar. Der Angriff der Japaner auf Port Arthur scheint am Donnerstag abge­schlagen zu sein. Meldungen auS Tschifu be­richten von schweren j-panischen Verlusten, die auf 20,000 Mann angegeben werden. In einer anderen Meldung ist von 14,000 Toten auf japanischer Seite die Rede. Es läßt fich aber nicht kontrolliere», ob diese Zahlen überhaupt stimmen. Nach einer Meldung deS «Daily Tele­graph' aus Tschifu hätten die Japaner viele Gräben vor den Forts genommen, aber keine FortS selbst, die japanischen Verluste seien schwerer gewesen alS bei s üheren Angriffe». Kreuzer brächten Verstärkungen nach Dalny Ungefähr 300 Verwundete kommen täglich dort

an. DaS Bombardement sei so furchtbar, daß die Straßen von Dalny davon zittern sollen.

Die rnfsische« Niederlagen werden von dem mililärtsche- Mitarbeiter der ,Rusk. Wjed.' mit dem Fehlen der schweren Artillerie erklärt. In militärischen Kreisen bestehe die An­ficht, daß Kuropatkin keinen abermaligen Angr-.ff vor dem Eintreffen der unterwegs befindlichen Artillerie unternehmen werde. In dem genannten Blatte wird daran erinnert, daß die Japaner bereits bei der ersten größeren Schlacht am Jalu die im Laufe von zwei Monaten errichteten Schützengräben und Befestigungen der Russen in einigen Stunden durch das mörderische Feuer von zwölf Haubitzen zerstört hatten. Jetzt erst werde eine der Hauptursachen der beständigen russischen Mißerfolge beseitigt. Auch auf die geringe Zahl der Maschinengewehre scheine ernste Aufmerksamkeit gerichtet zu sein. Mehr als ein­mal hatten dieJapanrr den russischen Angriff durch ausziebigeBenutzung zahlreicherMaschlnengew«. hre abgeschlagen, welche häufig japanischen Kavallerie- Abteilungen und kleinen Kommandos beigegeben seien, die zum Aufklärungsdienst benutzt werde». Die Zahl der Maschinengewehre bei der Armee Oyamas sei nicht genau bekannt, doch ließen vorliegende Nachrichten annehmen, daß fie 70 bis 80 betrage. In der russischen mandschurischer Armee sei anfangs aber nur eine Maschinen­gewehr-Kompanie vorhanden gewesen, die in Kampfe am Jalu vernichtet wurde. Bald daran seien drei neue Maschinengewehr-Kompanien ge bildet worden, bri der 1„ 3. und 5. ostsibiri­schen Schützendivision. Kuropatkin habe somit 24 Maschinengewehre zur Verfügung.

W. London, 4. Noo. 1904. DaS Aus­wärtige Amt erteilte einer Reedereifirma auf eine bezügliche Anftage die Antwort, es sei den SchiffSeigrntümern nicht gestattet, Schiffe zum Zwecke der Kohlenversorgung derrufsischen Flotte zu verpachten.

W, Tanger, 5. Nov. 1904. Admiral Roschdjeflwenski besuchte heute den Kom- Mandanten des fravzösischen Kreuzers „Kleber", den englischen Kreuzer „Diana" und den Ver- tretet des Sultans Mohammed- el-Tores. Letzterer erwiderte bald den Besuch in der ruffischen Ge sandtschaft. Bi den Besuchen wurden die üb lichen Salutschüffe auSgetauscht. Ein russische« Kreuzer beleuchtete die ganze Nacht hindurch dal Meer mit Scheinwerfern.

W. Pari-, 4. Nov. 1904. Nach Mel­dungen aus London verlautet, es sei zwischm England und Rußland betreffs der Zu­sammensetzung und der Tätigkeit der Schied-- gerichtSkommiffion, die fich mit dem Hüller Zwischenfall befaffen wird, ein vollständige- Einvernehmen erzielt worden. Die Kommission wird in Paris tagen.

W. Schanghai, 4. Nov. 1904. (Reuter.) Hier verlautet, die Japaner nahmen sämtliche Hauptpofittonrn im Nordosten der Festung Port Arthur ein. Dem britischen Dampfer „Vic- toria" gelang «s, die Blokade von Port Arthur mit voller, aus Rindfleisch bestehender Ladung zu durchbrchen.

W. London, 4. Nov. 1904. Die ,Zentra' NewS^ erfahren heute auLTschifu: DieJapanei machen die größten Anstrengung en.PorlArthui zu nehmen. Sie pumpen Wasser durst Maschinen vom Meere, um die ruffischen Gräb« zu überschwemmen, und unterminieren auch di rusfischrn Gräben mit Dynamit. Am 24. Okt. wurden 200 Russen bei Kiaochankow ge- fangen. Sonntag und Montag machten die Japaner viele Versuche, um über die ruffischen Gräben hinwegzukomme», fie verloren dabei jeder« mal etwa tausend Tote und Verwundete.

W. Tokio, 4. Norbr. l£04. Dem »Daily Telegraph^ wird aus Tokio berichtet, daß die Russen seit dem 2. November die Forts unb die Gebäud e zwischen den Hauptstrecken und der Stadt Port Arthur in die Luft sprengten. Die Stadt ist in großer Aufregung, die Bewohner bereiteten fich zur Flucht vor. Die großen russischen Kriegsschiffe seien von vielen Granaten getroffen. Am 2. November sei ein Kanonenboot zerstört worden.

webet Anregung zum Lotteriespiel unter den Sparern jebe Veranstaltung einet mit Sparkassen ober Einsamm­lung von Spargeldern verbunbenen Prämienvetlosung vrrhlnbeit wirb.

Auf Antrag beS Abg. Freiherrn von Zedlitz (frt) wird mit biesem Antrag die Beraiung beS Antrages deS Abg Fritsch (nl.) verbunden: bie königliche Staats- tegierung zu ersuchen, unter Ausschluß jedes den Sharatter beS LotteriespielS trogenben Ptämi nsystemS die Spartätigkeit der Bevölkerung durch Bestimmungen behufs Erleichterung der Einzahlung bet Sparbeträge, inSbefonbere in bet Richtung bet Einführung bei Ab­holung! betriebe? möglichst weiter zu fördern, dabei auch auf eine Verständigung mit der Reichspostver­waltung Bedacht zu nehmen, um den Spatkaffen bie Einsammlung der Sparbeträge an ben Orten ohne Sitz einet Sparannahmestelle durch Organe der Post mittels eines vereinfachten BerfahrenS zu ermöglichen.

Abg. Fischbeck (fr. Bp.) verbreitete sich über Ge­schichte unb Organisation des Schetlscheu Spatsystems und legte die Shancen der damit verbundenen Lotterie bar, bie äußerst minimale seien. Die Durchführung bei Scherlschen Sparsystems würbe daS Baterlanb zu einem Spiellande machen.

Abg Fritsch (nl.) wandte sich entschieden gegen die im Schrtischen System enthaltene Verquickung von Spar- und Spieltrieb.

Minister Frhr. v. Hammerstein betonte an der Hand bet Sparkassenstatistik zunächst die Notwendigkett, ben Spar sinn der kleinen Leute zu fördern. Unzweifel­haft stecke in der Scherlschen Sparlotterie nach dieser Richtung hin ein guter Rem; nur würde es bedenllich gewesen sein, die ganze Einrichtung, wie es der Rom- misfionSantrag deS Herrn Scherl forderte, in seine Hand zu legen. Inzwischen sei Scherl dem Drucke der öffentlichen Meinung gewichen unb die Regierung denke nicht daran, gegenwärtig ober in näherer Zukunft die Sache wieder aufzunehmen. Ja keinem Falle aber würde daS HauS gut tun, durch Annahme der Anträge sich für die Zukunft zu binden.

«bg. v. Woyna (ft) bekannte fich alS Freund deS Scherlschen Sparsystems; er feierte Scherl als einen „gen'alen Mann', der eine ungeheuere Umwälzung beS deutschen Geisteslebens herbeigeführt.

Abg. Faßbender (Ztr.) bittet, namens feiner Partei, den Antrag Fritsch abzulehnen, da derselbe keine Garantie gegen eine zu große Zentralisierung bet Spargelder biete und von ihr die Einrichtung einet Postsparkaffe zu befürchten sei. WaS baS Echerlsche Projekt betreffe, iso herrsche in seiner Fraktion ein­stimmig die Ansicht, daß baS Echerlsche System in bet bisher vorgeschlagenen Form unannehmbar frt. Die Schaffung einer Zeitung trage große Gefahren in fich. Sie würde leicht in den Dienst von Bestrebungen ge­stellt werden können, welche große Gruppen bet Be­völkerung nicht billigen könnten. Die Erziehung bet Bevölkerung zur Sparsamkeit möge man lieber den­jenigen Faktoren Überlassen, denen bie sittliche Er­ziehung deS Volkes sowieso zustehe. Seiner Anficht nach könne cs fich nicht darum handeln, eine Prämien­verlosung überhaupt unb grundsätzlich ans dem Sparn wesen auszuschalten, daß sie ben berechtigten EtwetbM trieb in ben Dienst der Spartätigkeit stelle. Redner macht in dieser Beziehung einige Vorschläge und be­merkt, daß daS nur ferne persönlichen Ansichten seien. RamenS der Fraktion aber müßte er erklären, daß fie um sich nach keiner Richtung hin für die Zukunft zu binden, den Antrag Fischbeck ablehnen werde.

Abg. Blell (ft. Bp.) befürwortet den Antrag Fischbeck.

Abg. v. Winckler (kons.) erklärt, seine Freunde lehnten beide Anträge ab, da das Echerlsche System tot fei.

Abg. Dr. Arendt (freit) hofft, daß das Echerlsche System noch einmal wieder aufleben werde.

Abg. Brremel (fr. Bgg.) fordert ein festes ent­schiedenes Urteil gegen daS BerlosungSsparsyflem. Di« Debatte wird hieraus geschlossen.

Zum Schluß wendet fich Abg. Fischbeck gegen daS Lob, daS der Abg. v. Woyna (fit) der Journalistik a la Scherl erteilt habe. Erne farblose und ver­sumpfte Presse, die sorgfältig jeder politrschen Stellung­nahme anSweiche, könne gar nicht die Sozialdemokratie bekämpfen. Mit Rückficht aus die Erklärungen der konfervotiven Partei und deS Zentrums ziehe er feinen Antrag zurück.

Abg. Fritsch (natlb.) tut daS gleiche in Hinsicht auf die Erklärurg deS Ministers.

Damit ist die Angelegenheit erledigt.

SS folgen Petitionen.

Mehrere Petttonen um Aenderung der Städteordnung für die Provinz Hannover (die Verleihung des Bürgerrechtes betreffend) werden an die Rommiffion, welche ZageSorbnung beantragt hatte, zurückoerwiesen.

SamStag 11 Uhr: Init iativanträge, Grenztegulierung zwischen Preußen unb Bremen, Petitionen.

Schluß ‘/«6 Uhr.