Einzelbild herunterladen
 

Parlamentarische Nachrichten.

§ Dem Wormser Gyuodaltage gegen­über hat die .Kreuzztg/aus verschiedenen Gründen namentlich praktischer Natur Zurückhaltung beobachtet. Nachdem er nunmehr stattgefuvden hat, schreibt sie: „Der Verlauf der Wormser Versammlung hat gezeigt, daß wir mit unserer vorsichtigen Zurückhaltung Recht gehabt haben. Wir können zwar nicht sagen, daß die Beschlüsse, die gefaßt, und die Reden, die gehalten worden find, zu besonderen Bedenken Anlaß geben. Anderseits aber erscheint uns der Beweis, daß durch den Verlauf der Versammlung deren Ziel auch nur in einem wesentlichen Punkte gefördert ist, in keiner Weise erbracht zu sein. Abgesehen von der Andeutung des Professors o. Kirchenheim wegen der Zusammensetzung des gemeinsamen synodalen Organs find konkrete organisatorische Vorschläge überhaupt nicht gemacht worden,man hat fich vielmehr auf allgemeine Wünsche be­schränkt, die an fich gewiß zu billigen erscheinen, deren Aeußerung aber erst Bedeutung hat, wenn der Weg zu ihrer Erfüllung gewiesen ist. Wir müffen also vor einer Ueberschätzung deS Er­folge- warnen, der von der Wormser Versamm­lung erwartet wird. Wohl wiffen wir, daß auch Männer, die unS kirchenpolitisch nahe stehen und zu unseren treuen Freunden gehören, an ihr teil» genommen haben, aber wir hoffen zuversichtlich, daß auch diese Männer jene Warnung uns nicht verübeln, sondern ihr im Hinblick auf die vor­stehenden Erwägungen einige Bedeutung beilegen werden.

der „mittelalterlichen- Arrefistrafe keire Wohltat, . sondern eine Verletzung ihres Ehr- und Standes- gefühls und eine Rechtsoerkürzung sihen und deS- halb um Beseitigung bitten. Wenn in 7 Jahren bei der Eisenbahnvnwaltung, die doch ent großes Beamtrnheer hat, nur acht Fälle von Arrest- strafen vorgekowmc« find, so wird man auch nicht sagen können, daß fle notwendig sei. Auch ist zu bedenken, daß is heute in Bezug aus Bildung, Charakter und Pflichibewußtsein ganz andere Stute find, als früher, für welche dtes^ Strafmittel besteht. Anderswo towmt man auch I ohne es aus und die Abschaffung wird das Ehr- I und Standesgefthl mehr stärken, als der Dik- I zjplin schaden. Das HauS — für das Zentrum sprach der Abg. Dr. Bachem — war beinahe einmütig der Ansicht, daß man dem Wunsche der Beamten ent-prechen mfiffe, nahm gegen einige Konservative den Antrag Fritsch an u-rd Überwies die Petition der Regierung zur B.r^ck- stchtiauna. Diese hat aber noch Bedenken; «ne Geldstrafe treffe die Familie oft härter als eine Arreststrafe. Sie will irdrß, wie UnterstaatS- srkretär von Bischofshausen erklärte, in Er- wäaung ziehen, ob nicht doch für einzelne Be- amtenkategorien die Arreststrafe auj-ehoben werden könne. Nun hätten wir gewünscht, daß der vielgeschmähte Reichstag in corpore auf der Tribüne des Hauses der Sitzung hätte bei- wohnen können. Er hätte fich dann stolz in die Brust geworfen, und erklärt: Wir Wilden find doch bessere Menschen. Darunter waren nämlich lange Zeit hindurch kaum 20 bis 30 Mann zu entdecken, also so wenig, wie fie der Re-.chstag kaum an seinem schlimmsten Tage zu beklagen hat. Alles war nämlich zum Esten gegangen. Die beiden langen Bänke, die man Regierur gs- tisch nennt, waren vollständig leer. Nach einer guten Stunde und mehr fanden fich von den Flüchtigen allmählich einige wieder ein. Es blieb aber noch lange eine gähnende Leere. Der eine RegieruvgSvertreter an., den zwei Regierunas- tischen machte einen geradezu waisenknabenhaften Eindruck. ES war allerdings nicht bei jedem Gegenstand der Tagesordnung derselbe. Der Anttag des freisinnigen Abg. Ernst, in den Etat eine Summe einzustrllen zur Forderung deS hauswirtschaftlichen Unterrichts in MädchenvolkS- schulen, wr rde nach längerer Debatte der Unter- richtskommisston überwiesen. „Der" Regierung?. Vertreter las, schrieb und schwieg. Sodann be­gründete der Zentrumsabgeordnete Schmedding in intereffanter Weise auf Grund seiner reichen praktischen Erfahrung als Landesrat in Münster | seinen Antrag, im gesetzlichen Wege die Fürsorge für diejenigen mittellosen geisteskranken und schwachsinnigen Personen, die zum Schutze anderer Personen gegen ihre Ausschreitungen der Unterbringung in Anstalten bedürfen, zu regeln. Der Antrag, der vom Hause sehr freundlich aus­genommen wurde, gingandieverstärkteKommisfion. „Der" Regierungsoertreter, zu dem fich mittler­weile noch ein zweiter und schließlich ein dritter gesellt hatte, arbeitete und schwieg. Ein Anttag deS Abg. Jderhoff, wonach in der Provinz Hannover die Kinder nicht mehr mit

„Ja, sehr unglücklich. Aber die Verzeihung und I der Segen meine-, Pflegevater- ttöste« wich. Vom 1 Himmel her, wohin er meiner guten Mutter Hanne . nachgefolgt ist, wacht er auch ferner über mich, da­hin ich sicher."

„Also tot?" fragte Aimee- traurig.

„Ja, tot. Raum waren wir In England trogt« kommen, so schrieb ich ihm einen Brief und bat ihn reuevoll am Verzeihung. Er hat da- Schreiben nicht erhalten. ES war nämlich im verhängnisvollen Juli de» Jahres 1870, zur Zeit als die plötzliche Kriegs­erklärung unser schöne- Vaterland in Aufregung ver­setzte. Alle», wa» Frankreich an tapferen und edlen Söhnen besaß — ui b ei waren deren nicht wenige - drängte fich zum Kampfe. Siegen oder aus dem Felde der Ehre sterben, war die Parole. Al- einer der ersten langte Pastor Pay-ard an der preußischen Grenze an, um den Verwundeten die Tröstungen der Religion zu bringen und den Opfermut seine» christ­lichen und pattiotischen Herzen» zu betätige«. Erst nach dem Kriege kehrte u sere Truppe nach Frankre'ch zurück. Und dort fard ich zwei Jahre später in einem weltentlegenen Dorfe der Champagne meinen Väter- ltchen Freund wieder. Er erkannte mich sofort, al» ich mich za seinen Füßen uiederwarf und seine Kniee umschlang. Liebreich, ohne einen Borwmf, hob er mich auf und umarmte mich. Ach, wie war er so verändert!" Schneeweiß sein Haar, sein Körper ge­beugt l Aber um die freundliche Stint leuchtete e» wie von einem Helligenschei«, und lie Augen, die guten, treuen Augeu strahlten überirdisch. Man sah e-: die Anforderung seine» geistlichen Berufe», die Anstrengungen im Tienste der Nächstenliebe, Gebet und Fasten lösten merklich diese große Seele au» den Feffeln de» Körper». Ich ahnte, daß dies unser letzte» Wedersehen bedeMe und grub seine Worte tief

"^Roll"?'sagte er, „ich würde lügen, w«n ich mich mit dem von Dtt gewählten Stand zufrieden 1 »klärte. O nein, e» betrübt mich sog« tief, dich in

wochenbillage: „Illustrierte romtagszeitllng"____________

$ntoa, Freitag, den 4.

Anzeigen: Vie ers- spaktige petitzeil« «Ms deren Raum 15 p?ö Reklamen die Petitzeil 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entfp»

Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der zuldaer Actlendruckere^ in Fulda (Harmonie?

Fernsprecher Nr. 9,

in Berlin ist dem ,Betl. Lok. W zufolge von diesem Ereignis nichts bekannt, und man hält die Nachricht für unrichtig, da doch von einem solchen Vorfall sicherlich amtlich Meldung ge­macht worden- wäre. Im Gegenteil ist nach den letzten Meldungen des stellvertretenden Gouverneurs und eines bei den Basut weilenden Miffionars der Oberhäuptling dieses Stammes, Bim bi, der seinerzeit wegen Ermordung der Zinkarofschen Expedition zum Tode verurteilt i wurde und fich bisher den Behörden zu ent.

ziehen gewußt hatte, zur Unterwerfung geneigt, wenn ihm Amnestie zugesichert wird. Er hat nach Bamenda Lebensmittel geliefert, Träger ge­stellt und in den letzten Monaten zwei Gesandten geschickt, und er hat den Missionar gebeten, sür ihn beim Gouverneur zu intervenieren. Im Kolonialamte hält man daher diese Alarmnach- richt für eine Ente, die aus dem Küfienklatsch entstanden ist. , .

* Hebet die Festsetzung de- Gr««d- aebalts für neue Lehrerstellen an öffent- ttchrn Volksschulen hat der Kultusminister nachstehende Verfügung erlaffrn:

ES entspricht der Abficht be» LehrerbesoldungSge- setzeS, daß die Lehrer derselbe» Kategorie i» einem I Echulverdante da» gleiche Grundgehalt beziehen. Wenn aber da» Grundgehalt eine» alleinstehende» Lehrer» ausnahmsweise au» besonderen Gründen über den nach den örtlichen Berhältniffen angemeffenen Satz erhöht ist, so ergibt fich daraus nicht die Nolwrndikkttt, bei der Errichtung neuer Lehrerstellru an der Schule das Grundgehalt dafür gleichfalls über den Normalfatz hinaus festzusetzen. Die Jnh ber der neuen Lehrer, stellen haben fich vielmehr mtt dem nach den örtlichen Berhältniffen angemeffenen Grundgehalt zu begnüge».

* Bon einem Aufstande der Bafnt und der um die Station Bamenda wohnenden Negerstämme in Kamerun, die in einer Stärke von 1000 Bewaffneten den Leutnant v. Putlitz von der Schutzttuppe angegriffen und zum Rück­züge gezwungen haben sollen, melden in Halle a. S. eingettoffenen, vom 10. Oktober au8 Kamerun datierte Briefe. An amtlicher Stelle

* Stimmungsbild an- dem Abgeord­netenhanse. Das Abgeordnetenhaus hatte heute eine gemischte Taaesordnung vor fich: eine 1 Regierungsvorlage, surf Anträge aus dem Hause, zwölf Anträge aus dem Lande, d- h. Peiitwnen. Mit der Regierungsvorlage, einer Wegeordnung für Westpreußen, war man schnell fertig. Sie wurde an eine Kommission verwiesen. Mehr Zeit nahm d-r erste Anttag, der mit einer Petition verbunden wurde, in Anspruch. Der nationalib. Abgeordnete Fritsch beantragt die Aufhebung der Arreststrafen für Unterbeamte. Manche Leute werden nicht einmal gewußt haben, daß eS so etwas wie Arreststrafen für Beamte überhaupt noch gibt. Ts handelt sich um Beamte, die wohl zumeist auS dem MUtärstande heroorge- gangen und von diesem auS Arreststrafen unter ! Umständen ja „gewohnt" find: Polizeisergeanten, Nachtwächter, Schutzmänner, Qberfeuerwehrmän- ner, Grenz- und Steueroufseher, Eisenbahnbe­amten, Boten, Kastellane usw. Früher meinte man — auch daS Zentrum war der Anficht — die „Institution" der Arreststrafen sei eine Wohl- tat sür diese Beamten, denn wenn fie etwas be­gangen hätten, kämen fie jetzt mit Arrest davon, während fie sonst Disziplinaruntersuchung und vielleicht gar Dienstentlaffung zu gewärtigen hätten. Nun liegt aber eine Petition von mehr als 11000 der beteiligten Beamten vor, die in

Ausgestoßen.

Bon Maurice de Beaumont. Deutsch von Helene Kremb».

4 ------ (Nachdruck verboten.)

Ein Jahr verging. Jede« Abend kehrte ich in» Pfarrhaus zurück; nach dem Abendeffeu legte ich I Rechenschaft von meinem Tagewerke ad und erhielt dann noch eine Stunde Unterricht. Zu meinem Un­glück machte ich auf meinen Sängen schlechte Be- ranntschaften.

Eine» Tage» verleitete mich ei» sogenannter guter Freund und Beschützer, mit ihm nach Batignolle» aus d u Jahrmarkt zu gehe». Er hatte mir die Wunder- d'.nge dieser Sirmeß so verlockend geschildert, daß ich nicht zu widerstehe, vermochte. Und wttklich kam ich a> s dem Staune» g« nicht heran». Gleich Märchen «S tausend und einer Nacht bezauberten mich die nie gesehenen Herrlichketten. Da w« z. B. da» „Gallische Theater". Auf dem Podium stand em weiß ge- pudeter ©«Idin in einem golb« und filbergestickte» Bewand Seine Witze zogen die Neugierigen maffen- hast an, einer nach dem andern ttat in da» fielt Ich fühlte, wie mein Kamerad meinen Arm ergriff mb mich zum Eingang drängte. Da« -Gallische Theater" wurde mein Verhängnis, ich sollte nicht «ehr herauSkommen.

War ich hypnotisiert? r „ , . ,

Die lleberzeugung stand plötzlich fest bei mtt: »ich »erde Schauspieler .... Harlekin . . . . da» st »ei» Beruf; jetzt weiß ich, too*u ich mich entscheide!

We aber würde Pastor Payrard e» aufnehmen, wenn ich ihm gestände, daß ick, anstatt die mtt auf« getragene»! Bestellungen auszuführen, mtt einem nicht»- mitzigrn Junge» nach Batignolle» gelaufen? Würde er überhaupt gestatten, daß ich mich dieser umherzie- hende» Gesellschaft auschlttße?

Met» Kamerad, dem ich meine Zweifel mitteilte, verstärkte diese zur Gewißheit und riet mtt, lieber sofort zum Dtrettor der Truppe zu geh .» und mein Anliegen vorzubringen. Den Seist ichen könne ich ja später benachrichtig«« usw.

Mei» Gewissen mahnte mich laut, ich fühlte sehr gut, daß iS auf dem umichtige» Wege war — aber ich ersticktt die innere Stimme, ließ mich auf de» ab- schüfftge» Pfad geleite» und — fiel in den Abgrund. Der Direktor — nicht der fitzige, — sah mich eine Weile erstaunt an, brachte mich zum Sprechen, drehte mich um und um, gleich einem zu erhandelnden Ge­genstand und rieb fich schließlich die Hände, al» er erfuhr, daß ich eine Waise sei.

„Schön, schön," sagte er, „da» wäre also abge­macht, Du bleibst bei nn». ES wird fich schon ein Plätzchen für Dich finden, wenn Du anstellig bist wie ich hoffe l"

Ja mein Unglück war leider beschlossen! Ich sollte meinen Bitter, dm liebm Pastor Payrard, nicht Wiedersehen! Durch meine eigene Schuld verlor ich I den besten, de» gütlgstm Mmschen. Drei Tage später ging'» »ach England, wo wir un» länger al» ein Jahr anshiettm.

Settdem habe ich Frankreich, Jtolim, Spanien durchzogen — ich w« immer, wa» ich heute 6te und I wahrscheinlich mein Lebe» lang bleibe» werde: Roll, der geistreiche Komiker, der brillante Harlekin, der Spaßmacher und Poffenreißer, der da» fiwergfell de» verehelichen Publikum» erschüttert, während er selbst am liebsten weinen möchte."

Eine bittere Falle, der «uSdruck tiefsten Schmerze», zelchntte sich um Rollo«» Llppm, seine Augen blitz- ren- . . . Er schwieg.

„Roll", flüsterte die sanfte Stimme Aimee», „wa» ist au» t em guten Pastor Payrard geworden?"

„AuS meinem Wohltäter? Ja.nun wirst auch Du mich Haffen und verachtm, nun Du weißt, wie un­dankbar ich getoe e.i bin!"

O nein, Roll, ich habe Dich im Gegenteil sehr I lieb, denn Du bist unglücklich!"

dem Tage der Vollendung des 14. Lebensjahre die Schule ohne jede Rücksicht auf den allgemeinen Schulentlaffungstermin sollen verlaffen dürfen, wurde angenommen. „Der" Reichskommiffar — mittlerweile war eine zeitlang überhaupt keiner dagewesen — zollte drm Anträge Beifall. Ein Antrag wurde von der Tagesordnung abgeseßt. Dann lernen die Positionen zur Erledigung. Eine längere und zum Teil recht vergnügte Debatte entspann fich um eine Position um Enichtung eines Landgerichtes in Krefeld. Die Abgg. Dr. Sattler und v. Eynern, die in dieser Frage nicht einig waren, wie die Nattonallibe- lalen in so manchen anderen Fragen nicht ewig find, wurden von dem Abg. Dr. Bachem zu einem Streite darüber gereizt wer Fraklions-Chef der Nationalliberalen sei. Dr. Sattler nahm die Sache tragisch, v. Eynern war klüger und «ahm sie scherzhaft. Die Petition wurde der Re- gieiung zur Berücksichtigung überwiesen. Der Regierungsvertreter tat diesen Ausspruch: Dre Regierung habe gegen die Ueberweisung zur Be- rücksichtigung nichts einzuwenden, erachte sich aber dadurch nicht gebunden und sehe bottn nichts anderes als die .Ueberweisung als Material! — Das Haus denkt bis zum Dienstag zu tagen und bann die Sitzungen der Kommissionen wegen mindestens bis zum Bußtage ausfallen zu lasten. Der Präsident möchte vr m nächsten Mittwoch ab die Plenar-Sitzungen fortsetzen und um 10 oder um 2 Uhr beginnen lasten, damit vorher oder nachher die Kanal-Kommission tagen könne. Der Gedanke fand aber gar keinen Anklang.

** Die Fraktion der sreiftnurge« Bolttvartei des Abgeordnetenhauses hat mit Rücksicht darauf, daß eine Regierungsvorlage ; wegen der von der Dresdener Bank Übernom- ■ menen Hibernia - Aktien angekündigt ist, be- , schloffen, einstweilen die beabsichtigte Int«, i pellatio» über die Vorgänge bei dem Versuche > bet Verstaatlichung der Hibernia zurückzustellen.

taglitJnU cotuabme SJeiertage. viertel-

verantwortlicher ^riftleiter-.Zof.vaum für die Znserate z° parzeüer l» Fulda.

Abgeordn elendem».

96. Sitzung vom 3. November 1904.

Eröffnung 11'/« Uhr.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Beratung de» Entwurfs einer Wegeordnung für die Vrovinz Westpreußen. „ , „

Kbfl. v. Conrad (frk.) macht eine Steige von Be­denken gegen die Vorlage gellend und beantragt, fie a« eine Kommt,fio» von U Mitglieder» zu

»bg. v. «ltzing (t.) schließt fich »amen» feiner politischen Freunde diesem Anträge an.

p jrte Borlage wird an eine Kommisfion von 14 Mitgliedern verwiesen. , . .

SS folgt die Beratung de» Antrag» de» Stbg. Fritsch (ntl.) betreffend Aufhebung der Arrest­strafen gegen Unterbeamte. Gleichzeitig wird eine denselben Gegenstand betreffende Petition zur Be­ratung gestellt, welche die Kommisfion zur Erwägung in überweisen beantragt. __ .

i Abg. Fritsch (ntl) begründete seinen Anttag mtt I dem Bemerken, daß die^Arrepstraftvondnt^nler^

Brrlin, den 3. Novemb« 1904.

* Ebbe itt d-r «eichskaffe. Das Reichs- portemonnaie fieht recht leer auS; es hat ein großes Loch erhalten. D« Abschluß der Ein­nahmen von April bis Oktober 1904 liegt be- reits vor und zeigt gegenüber dem Etatsvoranschlag einen Fehlbetrag von 36,2 Millionen Mark, es sind in erst« Linie die Zölle, die hieran schuld seien. Ob dieser Mangel im zweiten Halbjahre eingeholt werden kann, ist doch sehr fraglich. Aber damtt ist noch nicht viel gewonnen; denn dann würden erst die «hofften Einnahmen erzielt sein; es ist aber eine alte Erfahrung, daß die Aus­gaben auch groß« werden, als man fie in den Etat einsetzte. Seit d« Reichstag besteht, hat er geklagt üb« die vielen Etatsübttschreitungen. Auch hi« zeigt sich wieder, daß größte Spar­samkeit am Platze ist und uns nur dies allein vor neuen Steuern retten kann.

diesem Elends zu sehen. "Aber ich glaube, daß du brav geblieben bist, dein Herz ist anhänglich. Stete Kind vergiß niemals die guten Lehren deiner Pfleg^ mutt« und die meinigen. Bleibe treu den Votiatzru, dtt du bei der ersten hl. Kommunion gefaßt hast unb verlaß dein häßliche» Gewerbe, sobald du kannst! Darauf versicherte er mich nochmal» seiner Bttzeihm^ und segnete mich. Lächelnd strich et mir Über die Wangen und fügte hinzu:

„„Sei auf deiner Hut, Roll, del« Schvtze^ wird mir bort oben »ItieHen, ob du bi» Versprech em W„6r fühlte selbst daS nahe Ende srlner irdlsch-n I Laufbahn. - So, Mau», nun weißt Du all«, «e alltägliche Geschichte, dtt bann folgt, kennst Du l-

Rollo« hielt ein und l eß de« Kopf auf die Brust

Aimee unterbrach dtt lange Pauft zuerst.

„Roll", klang ihre melodische Stimme, „hast Dm denn niemals daran gebaut, d«» Theater S« öerlantn?

„Da» ist unmöglichWohin sollte ich mich wend«? Wa» beginnen? Ich habe kein Handwerk gelernt, und meine übrigen Kenntnisse find zu lückenhaft, Mst- nutzbringend verwerten zu können. Und ubltg-u», , fuhr er, fich lebhaft eih-bevd, fort, -MrigeuS liÄ« ich meinen Beruf. Sicherlich hat meine Geburtte» fieicher eine» Zick-fiack-Komete« gestanden. Ich stete allein aus der Welt, lebe sorglo» und frage wenig «ach der Zukunft. LaLen ist meine Losung. Wie manchem kummerbeladenen Wesen habe ich nicht durch mttne Scherze einige Augenblicke lang Frohsinn und Btt- geffen vnschaffil Er ttbe die Freude! ES ist wate, ich bin Schauspieltt — aber ist nicht da» Lebe« für eine große Anzahl Menschen eine richtige Somöl« ob« Tragödie in hundert verschiedenen Szenen? Auch außerhalb de» Theater-, in b« wirtlichen Welt gwt eS Harlekin- und Bsiazzo», die innerlich butttge Tränen weiner, während fie tollen und lachen, «e vteleicht unttr ihrem bunten Flilterkram

> I sterben." ™

zuldaer

Zeitung

Monatrbellage: „ßuldaer GeschichtLÄätter".